indalo

10.12.2017 um 21:02 Uhr

Bockshornklee

von: indalo

Dann ist wohl heute der Tag, nicht wahr? Der Tag, an dem du mir den Bockshornklee mit einem Grinsen geben kannst. Ob du gegrinst hast, weiß ich nicht. Ich jedenfalls tat es. Für mich hat das Bedeutung - erinnerst du dich noch an die Bedeutung?

Vor über zweieinhalb Jahren hast du die Packung gekauft und mir ein bisschen abgegeben. Warum du das damals gemacht hast, wusste ich nicht - ich habe darüber schlichtweg nicht nachgedacht. Du hast es halt einfach gemacht. Vor weit mehr als einem Jahr hast du mir genau diese Packung unter die Nase gehalten und gesagt: „Das habe ich nur gekauft in der Hoffnung, dass du dich doch noch in mich verliebst.“ Sinngemäß folgte noch: „Und wenn sich das erledigt hat, dann werde ich sie dir mit einem Grinsen überreichen.“

Damals hatte ich gehofft, dass ich sie früher überreicht bekäme. Doch im Laufe der Zeit - und der Aktionen - hörte ich auf daran zu glauben, sie je zu bekommen. Nicht, weil ich glaubte, dass du nie darüber hinweg kämst, sondern weil du dich so sehr verändert hast, so sehr verändern wolltest, dass du dich an dieses „Versprechen“ nicht mehr erinnern oder es gar halten würdest. Und dann gibst du mir heute ein kleines, eingepacktes Geschenk plus die Packung. Ich stelle beides hin und du erklärst, ich solle es zeitnah öffnen. Beim nächsten Hände waschen dann. Als ich wieder dahin schiele und grinse, weil ich über diesen Boxhornklee grinsen muss, heißt es „das ist nichts Schlimmes“. Und du meinst das Geschenk. Mich interessiert das Geschenk nicht, was auch immer es sein möge. Kurz darauf packe ich es aus und auch das ist etwas, das du letzten Herbst im gemeinsamen Urlaub mit meinem Freund gekauft hast. Weil ihr es witzig fandet. Und heute bekomme ich es. Weil du einiges durch gegangen bist und aufgeräumt hast. Aha. So wie den Boxhornklee. 

Die Stunden ziehen ins Land und du redest nur mit mir, schüttest mir dein Herz aus, weil du für eine Freundin jetzt die Böse bist. Als ich gegen Ende der Erzählung sage „Wie schade.“ heißt es nur „Wieso?“ Du bist verletzt, du versucht dich mit Argumenten gegen die Gefühle zu wehren. Nur zu. Ich werde dir da nicht dazwischen funken. Und doch heißt es einige Zeit später, dass du es auch schade findest. Soso. Und dann erzählst du noch von deinem Job, der dich gerade frustriert, von deinen bestimmt schönen, aber auch vermutlich unruhigen Silvesterplänen und fragst „Bleibst du hier?“ Alle deine Fragen in meine Richtung sind vorsichtig. Auch - bzw. insbesondere - diese. Zu recht. Du fürchtest, ich könnte schnippisch werden. Eine tief gehende Antwort wirst du von mir auch nicht bekommen. Ich bleibe kurz angebunden. Auch deine Entscheidung, mich zur Verabschiedung zu umarmen, ändert daran nichts. Das ist dann wohl wieder der Auftakt, was? Wir werden sehen. Darüber geredet wird jedenfalls nicht. Die Metaebene existiert nicht mehr. 

Doch am allerirritierendsten war die Frage: „Ich schreibe dir?“

 

Was geht in dir vor, wenn du mich fragst, ob du mir schreibst, wenn sie ihr Kind bekommt? Weißt du, dass sie es mir nicht sagen würde? Meinst du, dass es mich interessieren wird? Mehr als die anderen? Ich werde nicht fragen. Weder sie, noch dich. Wer mich nicht in seinem Leben haben möchte, dem werde ich mich nicht mehr aufdrängen. 


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