indalo

10.08.2017 um 21:17 Uhr

Der Moment gehört wieder mir

von: indalo

Das Leben ist ein komisches Ding. Mir fehlen die Worte, und doch möchte ich so dringend festhalten, was mich bewegt. All das, was mich in den letzten Tagen davon abgehalten hat, etwas aufzuschreiben. Denn es gab so viel, so verdammt viel. Und hoffentlich findet auch die ein oder andere Geschichte ihren Weg hierher, doch jetzt geht es vielmehr um das Ganze. Um das Leben, um mein Leben. Mein Leben, das immer wieder die sonderbarsten Wendungen nimmt. Wobei Wendung übertrieben ist, denn mein Leben wird weiter seinen Weg gehen. Den Weg, den ich vor so vielen Jahren eingeschlagen habe und nun fortwährend anpasse. Nichts davon war eine Kehrtwendung, oder ein abrupter Richtungswechsel. Es ging immer weiter voran. So auch jetzt. Und die letzten Tage waren einmalig, auch wenn sie gar nicht so besonders waren. Ich könnte vermutlich ein ganzes Buch darüber schreiben, würde ich es analysieren. Doch vieles nehme ich einfach nur wahr, vieles bewundere ich und nicke doch gelegentlich lächelnd mit dem Gedanken „Ich hab’s doch geahnt.“ Ich fühle mich so bestätigt in meinem Sein, in meinem Ich. Irgendwann dachte ich, dass es mich wieder gibt. Mich, den Menschen, der ich bin. Der Mensch, der mit so viel Freude und Gelassenheit, mit so viel Individualität und doch sozialem Umfeld, begeistert und unbeirrt seinen eigenen Weg geht. Denn ich habe mich keine einzige Sekunde verstellt, ich habe nichts auch nur ansatzweise für irgendwen gemacht. Ich habe mich zu irgendwelchen Leuten an den Tisch gesetzt, wenn ich es wollte, ich habe mich in die Bar begeben, wenn mir danach war, und mich zurück gezogen, wenn ich es brauchte. Ich weiß wirklich nicht wieso, aber der Begriff Trendsetter hat sich stark in meinem Kopf festgesetzt. Ich habe diverse Menschen angezogen wie ein Magnet. Egal wo ich saß, es dauerte nicht lange, bis sich eine Gruppe um mich formte - und dabei starrte ich nur aus dem Fenster. Ich habe niemanden unterhalten und war doch ständig Gegenstand der Unterhaltung. Mir scheint, meine Ausstrahlung hat einen ihrer Höhepunkte erreicht. Und das gar nicht mal gegen Ende der Reise, es begann mit der Landung am Flughafen und der Frage der Übernachtung. Es folgte eine persönliche Begrüßung meiner Person durch einen Teil des Personals im Restaurant, und ich bin jetzt noch nicht darüber hinweg, dass frau sich an mich erinnert. ICH erinnere mich nicht an sie, und SIE hat seit dem mehr als tausend Leute bedient. Und selbst die bösen Zungen, dass sie alle Passagiere registriert haben und mit Leichtigkeit die Fotos als Vorbereitung angucken könnten, kann ich zum Schweigen bringen, da niemand sonst sich erinnert. Ich habe nicht einmal die obligatorische Flasche Wein bekommen, die viele andere an Bord bekamen, da der Name im System war. Sie allein guckte mich an und reagierte prompt. Ich war viel zu irritiert um angemessen zu reagieren.

Wie dem auch sei, es geht also nicht nur darum, wie ich jetzt bin, sondern auch darum wie ich vor vielen Monaten war. Und wohl auch darum, dass dieser Teil überlebt hat. Es ist so viel kaputt gegangen in mir, dass ich wahre Mühe hatte und habe, mich zu finden. Einzelne Ereignisse haben mich total aus der Bahn geworfen - auch Positive. Ich weiß immer noch nicht, was mich noch erwartet, es gibt weiterhin offene Fragen, neu aufgetauchte Fragen, die irgendwann vielleicht rückblickend beantwortet werden. Doch die letzten Tage haben es geschafft, dass ich wieder im Moment lebe. Ich kann über die Zukunft reden, ich kann von der Vergangenheit erzählen, und ich schaffe es zeitgleich im Moment zu sein. Und zwar nur im Moment. So sehr, dass ich überwältigende Begegnungen und tiefe Gefühle nicht einmal mehr festhalte. Ich begann diese Reise unglaublich aufgewühlt, da lebensverändernde Dinge passierten. Einschneidende Ereignisse, die ich nur als weltbewegend bezeichnen kann. Ich platzte innerlich. Vor Freude, vor Stolz, vor Faszination. Und ich fragte mich, wann und wie das bloß ein Ende finden würde. Unvorstellbar. Doch die letzten Tage machten es möglich. Ich dachte nicht mehr darüber nach, was für zauberhafte Dinge kurz zuvor passierten, es ist gänzlich aus meinen Gedanken gestrichen worden. Und das ist etwas Gutes. 


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