indalo

30.01.2008 um 20:16 Uhr

Der angekettete Elefant

von: indalo

Da ich gestern endlich die Links wiederfand, die mir anzeigten, wann jemand einen weiteren Kommentar (zu meinen Kommentaren zu anderen Blogs) schrieb, wurde ich wieder an die Geschichte vom angeketteten Elefanten erinnert. Ich habe sie jetzt einfach mal frei übersetzt und aufgeschrieben. Gefunden habe ich sie in dem Buch „Déjame que te cuente...“ von Jorge Bucay. Logischerweise gebe ich keine Garantien für die Vollständigkeit der Übersetzung, es geht wie immer nicht um die Wahrheit, sondern um das, was ich daran für wichtig erachte. Hier also meine Version, die trotz allem dem Original bestmöglichst entspricht.

 

Der angekettete Elefant

Als ich klein war, liebte ich den Zirkus, und am Besten gefielen mir die Tiere. Dem Elefanten, der wie ich später erfuhr, auch von anderen Kindern bevorzugt wurde, schenkte ich die größte Aufmerksamkeit. Während der Vorführung glänzte das riesige Tier durch ungewöhnliches Gewicht, Größe und Kraft... Aber nach seiner Vorstellung und bis kurz vorm erneuten Auftreten, wurde er mit Hilfe einer Kette, die an einem kleinen Haken im Boden befestigt war, um den Fuß gefangen gehalten. Der Haken war nur ein kleines Stück Metal, das nur wenige Zentimeter im Boden verschwand. Und obwohl die Kette mächtig war, schien es offensichtlich, dass ein Tier, das einen Baum umschubsen kann, sich mit Leichtigkeit von diesem Haken befreien und somit fliehen kann. Dieser Umstand beschäftigte mich weiterhin. Was hielt ihn also auf? Warum flüchtete er nicht? 

Als ich fünf oder sechs Jahre alt war, vertraute ich noch in die Weisheit der Erwachsenen. So fragte ich meinen Lehrer, meinen Vater und meinen Onkel nach dem Rätsel des Elefanten. Einer von ihnen erklärte mir, dass der Elefant nicht flüchtete, da er dressiert sei. Also stellte ich die folgende Frage: Wenn er dressiert ist, wieso wird er dann angekettet?Ich kann mich nicht erinnern, eine befriedigende Antwort bekommen zu haben. Mit der Zeit vergaß ich das Rätsel mit dem Elefanten und dem Haken, und erinnerte mich erst, als ich mit Leuten zusammensaß, die sich die selbe Frage gestellt hatten. So entdeckte ich zu meinem Glück vor ein paar Jahren, dass jemand weise genug war um die Antwort zu finden: 
Der Zirkuselefant flüchtete nicht, weil er schon angekettet war, als er noch sehr, sehr klein war.

Ich schloss die Augen und stellte mir das hilflose angekettete Elefantenbaby vor. Ich bin mir sicher, dass der Elefant zu jener Zeit an der Kette zog und kämpfte um sich zu befreien. Und trotz seiner Kräfte, war es zu schwer für ihn. Ich stellte mir vor, wie er es am nächsten Tag wieder versuchte, und am nächsten, und am nächsten,  ... Bis er an einem Tag, einem schrecklichen Tag für sein Leben, seine Machtlosigkeit akzeptierte und sich seinem Schicksal hingab.  

Dieser große und mächtige Elefant, den wir im Zirkus sehen, flieht nicht, weil der Ärmste glaubt, er könne nicht. Er besitzt die eingebrannte Erinnerung von seiner Hilflosigkeit, die er kurz nach seiner Geburt verspürte. Und das Schlimmste ist, dass er diese Erinnerung nie ernsthaft in Frage stellte.
Niemals... niemals wieder versuchte er, seine Kräfte zu messen.

  

Sätze wie „Genau das versuche ich seit Jahren besagter ‚Freundin’ zu erklären“ oder „Dafür möchte ich die Erwachsenen immer schütteln, denn wie oft hörte ich schon Sachen wie „das mach ich seit Jahren so, das kann ich nicht ändern“?“ brauche ich wohl nicht noch dranhängen. Die Geschichte spricht für sich.

Statt weiterer Kommentare also lieber eins von den gewünschten Bildern zum neidisch machen ;-) eins

  

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenShadowfax schreibt am 30.01.2008 um 21:19 Uhr:Ich kann mir ein Bild zu Deiner Version der Geschichte machen und dem Satz das Du Erwachsene schütteln könntest wenn sie sagen "das mache ich seit Jahren"
    Aber ich frage mich vielmehr wie die Verbindung der wiedergefunden Links zu dieser Geschichte kam
  2. zitierenindalo schreibt am 31.01.2008 um 11:36 Uhr:Das hab ich wohl nicht so deutlich gemacht, sorry. Ich habe diese Links endlich wiedergefunden (so langsam find ich mich also bei Blogigo zurecht) und las dann wieder einen meiner alten Kommentare, wo ich diese Geschichte erwähnte. Und jene Person, der der Blog gehört, fragte mich danach, wo diese Geschichte zu finden sei. Da dachte ich mir dann später, ich könnte sie einfach bloggen. Jetzt find ich nur leider nicht wieder, wer mich danach fragte... also kann ich gar nicht drauf hinweisen, dass die nun hier zu finden ist. (Eines Tages werde ich wieder Internet im Hause haben, dann kann ich besser mit Blogigo umgehen, versprochen!)

    Nu hab ich übrigens auch das Foto eingefügt bekommen *freu*
  3. zitierenSybilleKah schreibt am 10.02.2008 um 23:09 Uhr:@DarkHoneyLady, Du sprichst mir aus dem Herzen
    und Du auch Indalo, dass ich die Geschichte jetzt zum ersten Mal hier gelesen habe.
    LG
    Sybille
  4. zitierenlandfrauinfernemland schreibt am 14.01.2010 um 17:21 Uhr:ciao wie hast du das foto hochgeladen, bei mir klappt es nur so kleine fotos hochzuladen, hilfe,bitte danke
    ciao
  5. zitierenindalo schreibt am 14.01.2010 um 17:31 Uhr:Ich hab's bei Imageshack hochgeladen. Also imageshack.us
    Da kann jeder Fotos hochladen und bekommt n Link, sodass man weiß, wo es wiederzufinden ist.

    Und dann hab ich es irgendwie einbunden. Wie, weiß ich nicht mehr genau. Womöglich mit dem Baum-Icon wenn man einen Eintrag schreibt. Das ist schon zwei Jahre her... ich erinnere mich nicht wirklich. Probier's mal mit dem hochladen und dann irgendwie einbinden.

    Wenn du auf das Baum-Icon gehst, musste die URL des Bildes reinkopieren, die dir Imageshack ansagt.
  6. zitierenlandfrauinfernemland schreibt am 15.01.2010 um 17:37 Uhr:danke

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