indalo

07.08.2017 um 22:46 Uhr

Dirty Harry und die Rentiere

von: indalo

Wenn es Waffeln zum Frühstück gibt, gibt es dazu auch Eisbären. Da gibt es einen ganz klaren Zusammenhang. Denn heute gab es Waffeln zum Frühstück und mein persönlicher Kellner freute sich mehr für mich als ich. Nicht, weil ich mich nicht freute, sondern weil man sich gar nicht so sehr freuen kann wie er. Aber so ist er, voller Lebensfreude. Doch eigentlich begann mein Tag mit dem Weckerklingeln um sechs Uhr morgens. Eine Stunde vor dem Weckruf. Ich vernahm nur die Stimmen meiner Zimmergenossen, dass man doch eh draußen nichts sieht, und schon war wieder Ruhe. Eine Stunde später kam der Weckruf und kurz darauf die Ansage, dass Eisbären am Strand zu sehen sind. Aha. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Eisbären hier bereits viele Kilometer in der Ferne entdeckt werden, sondern ich stur liegen blieb. Doch da ich ja Hoffnung auf Waffeln hatte, schälte ich mich doch aus dem Bett und erklomm die vielen Stufen nach oben. Ja doch, da bewegen sich Punkte. Einer rennt weg, ganz weit weg. Zwei bleiben da und wir nähern uns. Ich rieche schon die Waffeln und geh frühstücken. Das wird schon noch mit den Bären. Und so sah ich sie wieder einmal von meinem Stammplatz aus, während ich warmknusprige Waffeln mit Obstsalat genoss. Einfach herrlich.

Spontan wurden die Tagespläne umgeworfen und wir in Zodiacs verfrachtet um uns den Eisbären zu nähern. In vier Kreisen näherten wir uns auf siebzig Meter und lernten so unseren Dirty Harry kennen. Der bewachte seine Beute nämlich vor einem viel kleineren Eisbären, und in der vierten Runde rochen wir den Walrosskadaver auch. Dirty Harry war zwar satt, aber abgeben wollte er nichts. Nicht einmal Zeit für ein Bad hatte er, sodass er eher einem Braunbären als einem Eisbären glich. 

Nach dem Mittag ging’s an Land, von Rentieren war die Rede. Als ich das erste entdeckte, war ich schon hocherfreut und fotografierte es in der Ferne. Niemand sagte mir, dass hinter dem nächsten Felsen noch eins steht, und zwar zum Greifen nah. Es kam auch immer näher, sodass uns irgendwann nur fünf Meter trennten. Phänomenal. Ich hab grandiose Fotos und Erinnerungen, zog dann aber noch weiter um auch andere Rentiere zu begutachten. Rentier… Reh… Antilope… für mich macht das alles kaum einen Unterschied. Bin ich ignorant? Vielleicht. Anmutig finde ich sie ja trotzdem, egal was sie nun sind. Und - ja, die Arbeit verfolgt mich überall hin - ich zog den Vergleich, dass ich bei Menschen genauso ignorant bin. Wesen auf zwei Beinen, was anderes sehe ich im Job nicht, was anderes interessiert mich da auch nicht. 


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