indalo

09.12.2017 um 22:53 Uhr

Ein Wochenende weiterer erster Male

von: indalo

Gestern war ich das erste Mal in meinem Leben tanken, heute habe ich die ersten Autogramme gegeben und morgen gibt es das erste Backevent im Freundeskreis, welches sich hoffentlich zu einer Tradition entwickeln wird. 

Über morgen kann ich noch nichts berichten, gestern war nicht weiter spektakulär und heute könnte wieder Seiten füllen. Oder auch nicht. Denn irgendwie war es alles auch total normal. Aber es gab mehrere kurze Begegnungen, die mich belebten. Irgendwie sah ich weniger aus mir heraus als auf mich drauf. Ich war das, alles davon, aber es zog auch irgendwie an mir vorbei. Da war die junge Frau, die an der Seite der großen Halle stand und ich ihr wie wild zuwinkte. Später traf ich sie mit ihrer kleinen Schwester und umarmte sie - als wäre es das Normalste der Welt. Denn das ist es auch, oder nicht? Warum nicht? Sonst machte ich mir so viele Gedanken, heute tat ich einfach Dinge ohne darüber nachzudenken. Ein anderer junger Mann bat mich um ein Autogramm (ehrlich jetzt?) und auf meine Frage, wohin er es gerne hätte, zog er seinen Kragen runter. Ich lachte und konterte nur „das müsstest du dafür schon tiefer ziehen“ und nahm nur noch wahr, wie ein anderer junger Erwachsener in Schock und Amüsement sich wegdrehte und letztlich fürs Weggehen entschied. „Entschuldigung, aber bei ihm darf ich das.“ rief ich ihm nur hinterher. Er kam nicht darüber hinweg und mein Gedankenzug nahm mich mit. Das wollte er wirklich nicht sehen, der arme Kerl. Hätte ich das an seiner Stelle miterleben wollen? Vermutlich nicht. Ein wenig tat es mir wirklich Leid, aber andererseits war es einfach so ehrlich, so natürlich, so ich. Mal sehen, ob es die Runde macht. 

Zu Hause denke ich nur wieder darüber nach, wie verrückt das doch ist. Ein bis zwei Jahre trennen die beiden Männer. Doch das Alter ist absolut unwichtig, es geht ausschließlich um Rollen. Und ich überschreite neuerdings anscheinend die ein oder andre Grenze in dieser Rolle. Denn diese Woche erwischte ich mich dabei, wie ich meinem Chef über den Arm strich. Hilfe, was tat ich da gerade? Doch letztlich weiß ich mir ohnehin nicht mehr zu helfen, wenn genau dieser Herr momentan mehrmals die Woche in unterschiedlichsten Formen äußert, dass er sich vor mir fürchtet. Wenn ich dann noch da stehe und mich vor versammelter Mannschaft über ihn lustig mache - was mir erst klar wird, als ich die versammelte Mannschaft bemerke und diese zu lachen beginnt - dann möchte ich ihm doch mit einer Geste sagen, dass das nicht so gemeint war. 

Kommen wir zurück zu den Autogrammen. Denn auch wenn ich weit mehr als vierhundert Unterschriften im Jahr leiste, so scheint man trotzdem noch an meiner Unterschrift interessiert zu sein. Da stand ich bei der Zeitung um Kekse zu stibitzen und es hieß „Ich muss noch die Zeitung kaufen, da sind Sie abgebildet! Das weiß ich schon, aber ich darf nicht reingucken…“ Ich grinste nur. Und irgendwie nahm das Gespräch dann seinen Lauf und es hieß, dass ich den Artikel ja signieren könne. Dass sie das wollen würde, konnte ich mir ja noch irgendwie erklären, aber als er mir dann als erstes die Zeitung mit Bitte einer Unterschrift reichte, war ich ziemlich irritiert. 

Alles in allem war es ein guter Tag. Ich fühlte und fühle mich gut. Wobei ich auch schon wieder zu viel fühle. Wie geht das? Zu viel fühlen. Kann man das? Was ist das? Ich fühle so viel. 


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