indalo

07.12.2017 um 15:34 Uhr

Es ist komisch, dass es so normal ist

von: indalo

Grundsätzlich finde ich es ziemlich normal, komisch zu sein. Ich weiß, dass ich nicht der Norm entspreche, aber für mich ist das normal. So versuchte ich gestern einer Freundin zu erklären, warum folgende zwei Sätze für mich nicht im Widerspruch stehen: „Für mich ist es total normal darüber nachgedacht zu haben, auf welche Art ich mich umbringen würde.“ und „Ich weiß, dass es nicht normal ist, über Selbstmord nachgedacht zu haben.“ Sicherlich spielt da auch meine Liebe zum Detail im Zusammenhang mit Formulierungen eine Rolle, aber auch unabhängig davon kann etwas für mich normal sein, auch wenn ich weiß, dass die meisten das komplett anders empfinden und meine Sichtweise demnach unnormal ist. 

Doch das bedarf keines Eintrages. Denn das ist für mich ja normal, gewohnt, Alltag. Auffällig war gestern, wie normal etwas total Ungewöhnliches war und dass genau diese Normalität es komisch wirken ließ. Im doppelten Sinne des Adjektives. 

Gestern habe ich etwas gemacht, was die allerwenigsten Menschen je tun werden oder auch nur tun würden. Ich bin damit nicht allein, ich kenne auch andere Menschen, die ähnliches taten, doch so auf die Gesamtbevölkerung betrachtet ist das schon sehr, sehr ungewöhnlich. Und das ist mir bewusst, unter anderem, da keiner meiner aktuellen Freunde das auch nur in Erwägung zögen. Doch trotz dieses Bewusstseins war es so unheimlich natürlich. Es war. Einfach so. Einfach. Einfach machen. Denn was anderes war es nicht. Es gab keine Zweifel, keine Gedanken drumherum, es war einfach machen. Nicht ansatzweise „Augen zu und durch“, sondern einfach machen. Meine Güte, ist das schräg. Und ich sah rote Wangen im Spiegel, ich sehe ein Lächeln, ich fühle es, immer und immer wieder. Danke liebes Leben, dass ich dich leben darf. 

Vor acht Monaten saß ich vor meinem Chef, hörte seine Worte und konnte nicht aufhören zu grinsen. Ich versuchte es zu unterbinden, wollte seriös wirken, doch es klappte nicht. Er redete, ich reagierte, er redete weiter und ich wollte ihm ganz normal zuhören, doch meine Gedanken nahmen mich auf eine Reise, die meine Mundwinkel nach oben zogen. Und genau so war es gestern. Denn auch wenn das Gespräch total normal war, so wirkte die Antischwerkraft so stark, dass ich immer und immer wieder zu grinsen begann. Zusammenhangslos. Es war einfach mächtiger als ich, mächtiger als alles andere. Ich erinnere mich nicht an ähnliche Situationen von früher, aber diese beiden, die werden in Erinnerung bleiben. 

Das klingt gar so als hätte es davor keine Momente gegeben in denen ich unwillkürlich oder dauerhaft gegrinst hätte. Die gab es, doch irgendwie waren diese Situationen besonders. Warum, das kann ich noch nicht genau sagen. Aber ich weiß (wieder) genau, was Funkeln in den Augen ist, wie es sich anfühlt, wie es jede noch so kurze Nacht in Vergessenheit geraten lässt, weil anderes für Energie sorgt. 


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