indalo

18.12.2017 um 21:03 Uhr

"Ich bekomme ein Kind."

von: indalo

Wird es je aufhören, weh zu tun? Wird es besser werden? Wird es weniger werden? 

Denn eigentlich tut es doch gar nicht weh. Es ärgert mich. Ich versteh es nicht. Und ich führe diese verfluchten Gespräche alle nur in meinem Kopf. Wie bescheuert ist das bitte?

Ich sollte darüber nicht nachdenken. Ich will darüber nicht nachdenken. Doch es ist da, ständig, fortwährend, laufend. Es hört nicht auf. Die Monate vergehen, ja, gar die Jahre ziehen schon ins Land, und trotzdem vergeht kein einziger Tag ohne… Es ändert sich, es schwankt, aber ich merke doch immer und immer wieder, dass mich manche Dinge nur stören, weil ich offensichtlich verletzt bin. Doch ich habe den Schmerz abgeschaltet oder ich ignoriere ihn. Lange genug hab ich gelitten, jetzt bin ich genervt. Verletzt genervt. Aber wenn man mir mal wieder Dinge unterstellt, mir die Worte im Mund herum dreht oder mich links liegen lässt, dann bin ich nicht traurig, dann bin ich verärgert. Letzteres wäre super, mich einfach mein neues Leben leben lassen, damit könnte ich umgehen. Aber diese unterschwelligen Vorwürfe, mir was davon zu erzählen, dass mein Verhalten sozialstressig wäre oder ich andere vor der Gruppe anschnauze - DAS geht nicht. Ich könnte traurig sein, dass man mir so etwas vorwirft, aber ich bin nicht traurig, ich bin verärgert. Aber ich weiß, mein Kopf weiß, dass ich verärgert bin, weil ich verletzt bin. 

Und ich merke, dass ich mich rächen möchte. Ich möchte, dass sie wissen, wie es ist. Doch andererseits schweige ich die ganze Zeit, führe all diese verletzenden Gespräche nur in meinem Kopf, weil ich niemanden verletzen will. Ich möchte, dass sie verstehen, ohne zu leiden. Ist das möglich?

Wir sind keine Freunde. Ihr seid nicht mehr meine Freunde. Wir sehen uns, wir reden, wir umarmen uns. Doch das ist nicht mein Konzept einer Freundschaft. Was bedeutet es (für mich), eine Freundschaft zu führen? Das fragte ich mich heute mehrmals. Meine derzeitige Antwort ist: „Dass man die Dinge, die für den anderen wichtig sind, ernst nimmt.“

Und ich werde nicht ernst genommen, von keinem von beiden. Und wenn ich die Muße hätte, könnten wir daraus auch mehr bröckelnde Beziehungen machen. Doch dazu habe ich keine Energie. Im Gegenteil. Eine Schranke ist gefallen und jetzt gibt es eine Hierarchie, nach der ich handel’. Ich habe vorher - und dessen bin ich mir sicher - meine Freunde nicht hierarchisiert. Es war immer alles in Bewegung, doch ich hätte zu jedem Zeitpunkt für jeden davon alles getan. Das ist vorbei. Es gibt die Menschen auf meiner Seite der Schranke, die, für die ich immer noch alles geben würde, und dann gibt es die anderen. Ende, aus, vorbei. 

Mein neuester Aufreger? Sam und Chris haben eine Beziehung geführt. Das ist schon etliche Jahre her. Sam wollte keine Kinder, Chris schon. Schon immer. Doch das war nicht der Grund der Trennung, der ist zur Zeit weniger relevant. Relevant ist, dass Sam so sehr keine Kinder wollte, dass Chris darauf verzichtet hat bzw. hätte. Nun hat Chris ein Kind. Und obwohl zwischen den beiden geraume Zeit Funkstille herrschte und auch so diverse Differenzen, soll nun im Zweifelsfall Sam dieses Kind bekommen. Hat jemand mal darüber nachgedacht, wie bescheuert das ist?! Es geht in wirklich keinerlei Hinsicht darum, dass sie eine gescheiterte Beziehung hinter sich haben. Ich verstehe nur nicht, wie man jemandem, für den man auf den (in diesem Fall) so grundlegenden Kinderwunsch verzichtet hätte, nun das eigene Kind geben möchte. 

…ja, mir ist auch die Bedeutung dessen bewusst. Denn es gibt offensichtlich keine andere Möglichkeit, keine bessere Möglichkeit. Doch wenn man das betrachtet, finde ich das einfach nur traurig. Trauriger als traurig. 


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