indalo

08.11.2017 um 22:10 Uhr

Sadness

von: indalo

Heute war wieder einer dieser Tage… Habe ich die eigentlich öfter? Oder kommt mir das nur so vor? Es war wirklich ein höllischer Tag. Meine Beherrschung hielt durch, aber es gab mehrere Momente, in denen ich nur tief durchatmete. Es gab auch Momente, in denen ich einfach nur schlucken konnte. Alles runter schlucken. Meinen Ärger und meine Verzweiflung, denn letztlich hing es einfach mit meinem Unvermögen zusammen, mit Ungerechtigkeiten umzugehen. Und heute wurden mir Stöcker zwischen die Beine geworfen, mehrere. Und das nicht absichtlich, ich glaube wirklich, dass niemand mir etwas Böses wollte. Es war einfach nur eine Aneinanderreihung ziemlich ätzender Dinge. Alles begann damit, dass der Chef auf mich zukam, weil eine andere wichtige Instanz eine Beschwerde über mich weiterleitete. Damit konnte ich im ersten Moment überhaupt nichts anfangen. Im Laufe des Tages - eben durch die Aneinanderreihung sämtlicher Zufälle - ärgerte es mich. Nicht mein Chef, nicht die Art und Weise wie er die Sache handhabte, sondern der Umstand, dass da mal wieder mindestens drei Ebenen übersprungen wurden. Warum höre ich von dieser Beschwerde von meinem Chef? Weder mit mir, noch mit Kollegen, noch mit sonst irgendwem wurde das Gespräch gesucht. Das macht mich fassungslos. Und traurig. Warum ist eigentlich niemand mehr in der Lage ein ganz normales Gespräch zu führen? Ich fühle mich gar so, als wäre man mir mit Anwalt gekommen. Einen Unterschied würde es jedenfalls nicht mehr machen. 

…ach, da ist sie ja. Die Verzweiflung. Hallo. Schön dich zu sehen? Naja, schön zu sehen, dass es dich noch gibt. Oder warte. Eigentlich bist du Kummer. Oder Traurigkeit. Hey Sadness, wie geht’s dir? Fühlst du dich vernachlässigt? Es tut mir Leid, dich manchmal zu ignorieren. Aber ich gebe dir gerade Raum, denn auch du brauchst ihn manchmal. Das ist okay. Heute ist kein Weltuntergangstag, es ist einfach nur ein ganz besonders blöder Tag. Und das obwohl ich heute einen Euro gefunden habe. Und man mir zugehört hat. Auf Arbeit. Denn auf dem Heimweg war für mich eins klar: Ich möchte über den heutigen Tag nicht reden, ich möchte nur in den Arm genommen werden. Es bringt mir nichts, den Tag Revue passieren zu lassen, es bringt niemandem etwas. Also will ich auch nicht telefonieren. Ich möchte eine Umarmung. Ich möchte wissen, dass es Menschen gibt, die einfach da sind. Und dann bekam ich ein Video meines Patenkindes: „Indalo, ich hab ein Delphinbild für dich.“ Ja, es bringt mich zum Lächeln. Es macht nicht alles wieder gut, aber ich kann mich darüber freuen. Und ich kann dem Gefühl nachgehen, welches immer mal wieder nach Luft schnappt. Denn da gab es doch den Menschen, der einfach nur für eine Umarmung vorbei kam. Das war gut, doch auch wenn ich ihm heute schreiben wollte, so habe ich es nicht getan. Denn das hat er mir genommen, das kann ich nicht mehr tun. Und auch das macht mich traurig. 

Verflixte Gesellschaft. Und verflixte Ansprüche an mich selbst. Denn wäre ich nicht so, wie ich bin, wäre das alles gerade so viel leichter zu ertragen. 

Achje, da war ja inmitten diesen Unwetters heute noch die kurze Sequenz mit folgender Ansprache: „Indalo, ich würde gerne mit dir reden. Als Vertrauensperson. Wann hast du Zeit?“ In mir stoppte für einen Moment alles, das Gewitter blendete ich gänzlich aus, doch das brachte den anderen aufziehenden Sturm wieder ins Blickfeld. Was mich bei diesem Gesprächstermin erwartet, kann ich mir nicht ansatzweise vorstellen. Ich managte das dermaßen gelassen und professionell, dass man mir die aufkeimende Panik nicht anmerkte. Aber im Grunde gab es nur einen Gedanken: „Was auch immer da auf mich zukommt, ich fürchte, dass meine Reaktion sein wird, dass ich derzeit die absolut falsche Person bin um  für irgendwen etwas zu regeln.“


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