Jaris Büchergebrabbel

31.03.2010 um 14:43 Uhr

Freundschaft über alles

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Als Konradin von Hohenfels neu in die Klasse kommt, ist Hans Schwarz sofort klar, dieser Junge wird sein Freund werden. Und das werden sie auch. Gemeinsam unternehmen sie alles, was 16-jährige Jungen so machen: Sie machen Ausflüge, unterhalten und streiten sich. Doch plötzlich droht die Freundschaft der beiden auseinanderzubrechen: Denn Hans ist Jude und die Geschichte spielt 1933...
 
Fred Uhlmans "Der wiedergefundene Freund" ist ein kurzes Buch. Ein sehr kurzes Buch. Man liest es in einem Atemzug durch, legt es weg und vergisst es. Zwar ist die Geschichte um die Freundschaft der beiden Jungen sehr berührend, ebenso das Ende, und auch die Sprache ist klar und lässt nichts offen. Doch ist das Buch beinahe zu offen: Man liest es durch und schlussendlich bleibt nur ein Achselzucken.
Dass es über das Buch ansonsten nicht viel zu sagen gibt, zeigt diese kurze Rezension. Für Schulen und diejenigen, die ein einfaches, klares Buch lesen möchten sehr praktisch, ansonsten jedoch ein sehr durchschnittlicher Titel ohne besondere Merkmale.
 
 
 Fred Uhlman
Der wiedergefundene Freund
TB, 1998
Diogenes
 
978-3-257-23101-4
 
Originalausgabe: Reunion
William Collins Sons & Co. Ltd., 1971

30.03.2010 um 20:23 Uhr

Bücherquotes #2

von: Jari   Kategorie: BücherQuotes

"Was würde aus ihr werden, wenn sie sich von ihrem Mann trennen musste? Nichts hatte sie auf die Einsamkei vorbereitet. Sie kannte nicht den Trost der Bücher, die ihm stets Gesellschaft geleistet hatten. Das war ein grosser Unterschied. Bei ihm nahm die Lektüre sogar einen Platz ein, den er nie einem Menschen eingeräumt hatte. Warum sein Leben mit sinnlosem Alltagsgeschwätz vergeuden, wenn man in einen Dialog mit den besten, den aufregendsten Denkern aller Zeiten treten kann? Warum sein Leben mit durchschnittlichen Geschöpfen bevölkern, die womöglich anziehend sind, aber keine scharfen Denker, wenn man die Wahl hat, Platon, Seneca und Proust zu besuchen?
Völlig fremd war ihm der Kult um das, was die Welt gemeinhin als Wirklichkeit, als Grundstoff der Existenz bezeichnete. Über die triumphierenden Mienen, mit denen sich seine Zeitgenossen in den Alltagskampf warfen, konnte er nur lächeln. Er hatte nie eingesehen, was heldenhaft daran war, sich auf die ebene, glatte Oberfläche des menschlichen Daseins in seiner banalsten Ausformung einzulassen.
(...)
Wie aber liess sich jene weite Welt des Denkens, in die er sich wagte, einem Menschen erklären, der nie im Leben aus blossem Vergnügen ein Buch aufgeschlagen hatte, der gar nicht wusste, was das bedeutete?"
 
Aus: Die Schachspielerin von Bertina Henrichs (S. 70 - 71)

30.03.2010 um 14:59 Uhr

Durch Eis und Schnee

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Jesaja ist tot. Von einem Dach gestürzt. Laut der Polizei ist der Junge beim Spielen verunglückt. Doch die Grönländerin Smilla Jaspersen denkt da anders. Wieso kletter ein Kind mit chronischer Höhenangst auf ein Dach?
Trotz allen Wiedrigkeiten macht Smilla sich auf, das Rätsel um Jesaja zu lösen. Schliesslich hat sie ihm geschworen, ihm immer beizustehen. Und das will sie auch jetzt tun. Jetzt, da Jesaja tot ist.
Ihre Recherche führt Smilla von Kopenhagen nach Grönland, vom Jahr 1991 ins Jahr 1966 und noch weiter zurück. Sie trifft auf Freunde und Feinde, doch nichts kann sie von ihrer Mission abbringen. Sie geht durch Eis und Schnee, wie sie es seit ihrer Kindheit tat...
 
Peter Høegs "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" ist ein melancholisches Werk. Bevölkert von Winter, Eis und Kälte. Høeg erzählt viel von Grönland, viel von Eis. Einerseits ist Høegs Sprache sehr philosophisch und schön zu lesen, doch irgendwann hat man genug davon. Auf Dauer strengt den Leser die ständige Melancholie und ewige Tristesse zu sehr an. Man beginnt sich zu fragen, was der Autor einem eigentlich mitteilen will.
 
Ebenso bleibt Smilla ein Geheimnis. Einerseits fühlt sie sich einsam und verlassen, doch wundert einen das nicht, wenn man liest, mit welcher Gleichgültigkeit und Kälte sie ihre Mitmenschen behandelt.
Auch der rote Faden fehlt im Buch. Man wird mit vielen Namen, Daten, Fakten konfrontiert, die dann meist sofort wieder fallengelassen werden, nur um sie 100 Seiten wieder aufzunehmen. Doch da weiss man leider schon nicht mehr, worum es ging.
 
Für Leser, auf die Eis, Schnee und das ferne Grönland faszinierend wirken, hält dieses Buch viele Informationen bereit, die mit einer dennoch spannenden Kriminalgeschichte verbunden sind.
Im Allgemeinen würde ich jedoch von diesem Buch abraten, da es seinen Leser verwirrt, erschöpft und traurig zurücklässt und man sich nach der Hälfte des Buches nur noch damit quält.
 
  
 
Peter Høeg
Fräulein Smillas Gespür für Schnee
TB, 1997
Rowohlt Verlag
 
978-3-499-13599-6
 
Originalausgabe: Frøken Smillas fornemmelse for sne
Rosinante/Munksgaard, 1992 

24.03.2010 um 19:12 Uhr

Unter den Wirren der Aurora

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Lyra führt eigentlich ein sehr behütetes Lebem im Jordan College, auch wenn sie aufgrund ihrer neugierigen Art immer mal wieder in Schwierigkeiten gerät.
Doch als immer mehr Kinder aus allen Schichten verschwinden, ist die Idylle zu Ende. Eines Tages verschwindet sogar Lyras guter Freund Roger! Die Gobbler, so werden die Entführer genannt, verschleppen angeblich Kinder in den Norden. Und die Kinder kämen nie wieder zurück...
Kurz darauf erscheint die wunderschöne Mrs. Coulter am College auf und bietet Lyra doch tatsächlich an, sie in den Norden zu begleiten! Lyra, von Abenteuerlust und Sorge um ihren Freund Roger gepackt, ist natürlich sofort einverstanden.
Doch was hat es mit dem geheimnisvollen Alethiometer auf sich, das Lyra vor ihrer Abreise erhielt? Und wann geht es endlich in den Norden? Wer sind die Gobbler und was geschieht mit den verschwundenen Kindern?
Um diese Fragen zu lösen macht Lyra sich auf eine gefährliche Reise in die nördlichsten Gefielde ihrer Welt. Immer begeleitet von ihrem Dæmonen Pantalaimon, ihrer Seele. Gemeinsam müssen sie über sich herauswachsen und tödlichen Gefahren ins Auge blicken, um hinter dunkle Geheimnisse zu kommen...
 
Nein, ein Kinderbuch ist dies definitv nicht. Für Jugendliche verständlich und spannen, jedoch aus meiner Sicht für Kinder ungeeignet. Das Buch "Der Goldene Kompass" ist an manchen Stellen überaus brutal, kommt in dieser Brutalität jedoch der Realität sehr nahe.
Dieser Fantasy-Roman spricht ältere Leser jedoch auf jeder Ebene an. Von Fantasy, über Crime bis hin zum Drama ist alles vertreten. Von lustigen und fröhlichen Szenen am Anfang des Buches bis hin zu Kämpfen auf Leben und Tod erlebt man Lyras Leben in allen Facetten.
 
Zwar ist der Anfang des Buches etwas langsam und man muss sich auch erst an Lyras Welt, die der unseren ähnlich ist, aber doch ganz anders ist, gewöhnen. Doch die Spannung wird bald wieder aufgeholt und dann geht es richtig los.
Wer eine spannende, tiefgründige und auch sehr berührende Lektüre sucht, wird mit Pullmans Fantasy-Trilogie schöne Stunden verbringen können. Man sollte jedoch gleich die ganze Trilogie kaufen, da das Ende des ersten Bandes offen bleibt~
Auch wer Freude an nordischen Ländern hat, wird sich an diesem Buch erfreuen können.
 
 
Philip Pullman
Der goldene Kompass 
4. Auflage 2007
Heyne
 
978-3-453-40548-6
 
Originalausgabe: His Dark Materials 1: Nothern Lights
1995, Random House

24.03.2010 um 12:52 Uhr

Jaris Ferien-Reading-Challange!

von: Jari   Kategorie: Bücherlisten

Da ich vorhabe, in meinen Ferien den SUB von 58 auf 50 oder weniger runterzulesen, habe ich mir eine eigene Challange zurechgebeugt ;)
 
In den Ferien möchte ich folgende Bücher lesen:
 
Peter Høeg - Fräulein Smillas Gespür für Schnee
Smilla hält mich schon einige Zeit auf Trab. Ich kämpfe etwas mit ihr und hoffe, das Buch bald beenden zu können. 
 
Fred Uhlmann - Der wiedergefundene Freund 
Nicht freiwillig, sondern für die Schule.
 
John Boyne - The boy in the stryped pyjamas
Rajaa Alsanea - Die Girls von Riad
Guy Browning - Never hit a jellyfish with a spade
Friedrich Dürrenmatt - Das Versprechen
Lewis Caroll - Alice im Wunderland
Salwa Al Neimi - Honigkuss
Hiromi Kawakami - Der Himmel ist blau, die Erde ist weiss
Bertina Henrichs - Die Schachspielerin 
 
Drückt mir die Daumen, muss schliesslich in den Ferien noch für das First Certificate pauken. Ich bin gespannt, ob ich diese Bücher in nur 17 Tagen schaffe. Aber es hat einige dabei, die sehr dünn sind. Jaja, Jari schummelt sich durch Fröhlich 

24.03.2010 um 12:14 Uhr

Bartimäus geht weiter!

Ich habe gerade erfahren, dass die berühmte Reihe um Jonathan Strouds "Bartimäus" fortgesetzt wird! Eigentlich sollte die Geschichte um den grossmauligen Dschinn mit drei Bänden abgeschlossen sein. Doch nun erscheint nächsten Herbst der vierte Band. Auf Amazon soll man das Buch schon vorbestellen können. Im Übrigen ist geplant, den Titel gleichzeitig auf deutsch und auf englisch zu verlegen.

21.03.2010 um 19:18 Uhr

Büchernews Ausgabe 03/2010

Es gibt Neues in der Bücherwelt!


Neues von René Descartes: Laut Theodor Ebert von der Universität Erlangen wurde der berühmte Dichter, dessen Ende jahrhundertelang im Dunkel blieb, von einem katholischen Priester vergiftet.
Hier der Artikel: http://www.guardian.co.uk/world/2010/feb/14/rene-descartes-poisoned-catholic-priest
Geburtstag: Der Vandenhoeck & Ruprecht Verlag feiert dieses Jahr seinen 275. Geburtstag.
Die Jubiläums-Homepage: http://www.v-r-275.de/
Etwas jünger ist das andere Geburtstagskind: Vor 10 Jahren erblickte die Homepage www.perlentaucher.de das Licht der Welt. Unterdessen ist es das grösste unabhängige Kultur-Magazin Deutschlands.

Todestag: Der Krimi-Autor Dick Francis, der mit seinen Krimis aus dem Pferdesport-Metier berühmt wurde, ist im Alter von 89 Jahren verstorben.
  
Riesenschinken: Das Buch "Knowing Darkness - Artists inspired by Stephen King" wiegt über 5 Kilogramm und versammelt über 500 Illustrationen verschiedener Künstler, die -wie der Titel schon sagt- von King inspiriert wurden.

Nachkatzen aufgepasst: Jetzt kann man die schönsten Genüsse der Welt kombinieren! "Book Lover's Chocolate" machts möglich. Leckere Schokolade verpackt als wunderschöner Klassiker. Das erfreut das Herz!
Krimis: Laut Amanda Vicary lesen Frauen aus Angst vor wirklichen Gewalttaten öfter Krimis als Männer. Laut Vicary erhoffen sich die Leserinnen durch die Lektüre Tipps, wie man sich in wirklichen Gefahrensituationen zu verhalten hat.
Ganzer Artikel: http://diepresse.com/home/kultur/literatur/540662/index.do
 
Google Books zum x-ten Mal: Bis Ende Januar "konnten" sich Schriftsteller dazu entscheiden, aus dem Google Books Programm auszusteigen. Über 6'500 Autoren (u.a. Jeffrey Archer und Zadie Smith) weigerten sich dagegen, dass ihre Bücher digitalisiert und so von Google verbreitet werden.
Hilfe: Wie buchreport berichtet, schrieb Stieg Larsson seine "Millenium-Trilogie" nicht alleine. Die Lebensgefährtin Eva Gabrielsson des verstorbenen Larsson habe ihm angeblich beim Schreiben unterstützt.
Buchmesse: Georg Klein gewinnt den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik. Die Messe selber schliesst dieses Jahr mit einem neuen Besucherrekord ab: 156 000 Besucher waren auf der Büchermesse zugegen.
Linktipps: 
Für Bücherfreunde und Künstler gleichermassen: Jim -tierney gestaltet Bücher neu!
http://designrelated.com/portfolio/jimtierney
Auf http://www.pinbooks.de/ kann man seine Lieblingsbücher geografisch auf Google Maps einsehen und sogar weitere Bücher finden, die im Urlaubsland (oder gleich um die Ecke) spielen. Überaus praktisch und unterhaltsam!


Pläne:
Das berühmteste Fundamentalistenopfer Salman Rushdie plant, ein Bücher über seine Zeit zu schreiben, als er untertauchen musste, da Ayatollah Khomeini die Fatwa über den Autoren aussprach.
John Grisham möchte nun auch Thriller für Kinder schreiben. Die Bücherserie soll sich um einen Jungen namens Theodore Boone drehen und erscheint ab dem 10.06.2010 auf englisch.
Ian McEwans Neuling "Solar", der soeben erschienen ist, nimmt die misslungene Klimakonferenz in Kopenhagen zum Thema und schafft in seinem Roman ein realistisches Zukunfsbild.
Neue Buchverfilmungen:
"Die Geliebte des Gelatiere" von Daniel Zano. Cineplus will das Buch des Schweizer Schriftstellers als internationale Produktion verfilmen.
Sophie Kinsella wird wieder verfilmt: Diesmal ist die "Göttin in Gummistiefeln" dran. Universal Pictures hat sich die Rechte erkauft und will den Film 2011 in die Kinos bringen. Als Produzent ist u.a Robert De Niro mit von der Partie.
Haruki Murakamis "Naokos Lächeln" wird von Radiohead-Mitglied Jonny Greenwood vertont (verfilm wird das Buch natürlich auch).
Zu guter Letzt: Gibts den Buchtitel oder nicht? Das Quiz gibt es auf boersenblatt.net. Viel Erfolg beim Raten! http://www.boersenblatt.net/372841/

17.03.2010 um 17:36 Uhr

Der Mörder von nebenan

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Joe ist ein echt netter Typ, etwas zurückgeblieben, aber echt nett. Er pflegt seine Goldfische und putzt täglich die Polizeistation.
Was die Polizisten und alle Leute aus seiner Umgebung jedoch nicht wissen, ist, dass Joe keineswegs zurückgeblieben ist. Ganz im Gegenteil: Joe ist nicht nur überaus intelligent, er ist auch der sogenannte "Christchurch-Schlächter", dem sieben Frauen zum Opfer gefallen sind.
Sieben? Damit ist Joe gar nicht einverstanden, denn einer der Morde hat er nicht begangen. Also macht Joe sich auf, den anderen Mörder zu suchen und ihm gleich noch seine eigenen Morde unterzuschieben. Christchurch steht eine blutige Zeit bevor...
 
Paul Cleaves Buch "Der siebte Tod" kann man lesen - muss man aber nicht.
Die Geschichte sticht unter aktuellen Publikationen nicht heraus, kann jedoch eine lange Bahnfahrt durchaus interessant gestalten.
Der Leser sollte sich mit viel Blut, einem narzisstischen Ich-Erzähler und viel Sex rechnen - also genau mit dem, was die heutige Leserschaft erwartet.
Doch trotzdem schafft es Cleave, die Geschichte spannend zu halten, interessante und unvorhersehbare Szenen zu schaffen und einem kalte Schauer über den Rücken laufen zu lassen.
Wer "Dexter" und "American Psycho" mag, wird auch mit Joe Gefallen finden und mit ihm ein paar spannende und schmerzhafte Stunden erleben.
(Für Mädchen mit Männerkummer ist insbesondere die Szene in der Mitte des Buches zu empfehlen.)
 
  
 
Paul Cleave
Der siebte Tod
TB, 10.Auflage 2009
Heyne 
 
978-3-453-43247-5
 
Originalausgabe: The Cleaner
Random House New Zealand 

14.03.2010 um 16:53 Uhr

Verlieben sich Fische?

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Vor einem Jahr wurde Mathildas Schwester Helene ermordet. Von jemandem vor den Zug gestossen.
Jetzt, ein Jahr danach ist nichts mehr, wie es einmal war, Ma, Pa und auch Mathilda haben sich verändert. Und während sich der Nachbarsjunge Kevin die Haare blau färbt, Ma langsam zum Tier mutiert und Flugzeuge in die Türme rasen, macht Mathilda sich daran, herauszufinden, wer Louis ist und ob er es war, der Helene ermordet hat.
 
Es ist nicht einfach, dieses Buch zu rezensieren. Es wird viel erzählt, jedoch viel auch nur angedeutet und Mathilda springt in ihrer Erzählung immer wieder in der Zeit herum.
Aus dieser leicht verwirrenden Erzählsicht offenbart sich uns ein modernes Drama, den eine Familie nach dem Verlust einer Tochter heimsucht. Niemand in der Familie ist über den tragischen Tod Helenes hinweg gekommen und niemand hat das Erlebnis verarbeitet. Neben dem Verlust ihrer geliebten grossen Schwester leidet Mathilda auch unter der mangelnden Aufmerksamkeit der Eltern, die seit dem Tod der älteren Schwester immer mehr in ihre eigene Trauer abgleiten.
 
Das ist zwar einfach geschrieben, doch dennoch keine leichte Kost, des Öfteren musste ich schlucken. Mathilda steckt am Anfang der Pubertät und muss mit allem gleichzeitig fertig werden. Sie ist ein besonderer Charakter, dessen Handlungen zwar nicht immer nahvollziehbar sind, den man jedoch trotzdem mögen muss.
 
Das Buch geht einem sehr nahe. Auch da es eine Tragödie beschreibt, die jede Familie treffen kann. Hinter den einfachen Sätzen steckt viel Tiefsinn und viel Psychologie. Wer sich für die menschliche Psyche interessiert und selber gerne Teile und Andeutungen zusammensetzt, sollte das Buch lesen.
Für Leute, die nah am Wasser gebaut sind, ist das Buch weniger geeignet, da die Tragik der einzelnen Personen, vor allem diejenige von Mathilda, einem sehr nahe gehen und den Leser mit einem beklommenen Gefühl in der Herzgegend zurücklassen.
 
 
Victor Lodato
Mathilda Savitch
HC mit Schutzumschlag, 2009
Verlag C.H. Beck
 
978-3-406-59074-0
 
Originalausgabe: Mathilda Savitch
Farrar, Straus and Giroux, 2009 

13.03.2010 um 18:58 Uhr

Die Geheimnisse des Lächelns

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Mit elf Jahren geht Momo zum ersten Mal zu den Huren an der Rue de Paradis. Mit elf Jahren klaut Momo beim Araber an der Ecke. Der ist schliesslich nur ein Araber. Er ist nur ein Araber.
Doch Monsieur Ibrahim hat den Jungen längst durchschaut und wenn der Junge schon klauen muss, dann wenigstens bei ihm.
Zwischen dem einsamen Jungen und dem weisen Ibrahim entsteht eine tiefe Freundschaft, die aufgebaut ist auf gegenseitigem Respekt, Vertrauen und Humor.
 
Eric-Emmanuel Schmitts Werk "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" erzählt die Geschichte einer aussergewöhnlichen Freundschaft vor dem Hintergrund der Religionen. So kommen immer wieder religiöse Themen zur Sprache, jedoch ohne dass das Buch seinen Humor verliert.
Schmitt zeigt in diesem Buch die Religion nicht als Streitgrund, wie wir sie heutzutage hauptsächlich erleben, sondern als etwas Verbindendes. Dies macht auch das Besondere und Berührende an diesem Buch aus.
 
Das Buch lässt sich für mich mit einem Wort gut beschreiben: Mit "nett". Es handelt sich um eine nette Geschichte, mit netten Charakteren und einem netten Ende. Auch die Länge ist nett, das Buch lässt sich mit seinen 100 Seiten innerhalb kürzester Zeit weglesen.
Was mir weniger gefiel, war das "Möchte-gern-Philosophische", hinter jedem Satz erwartete ich etwas Tiefgründiges, über das ich stundenlang nachsinieren sollte und mich klüger und verständnissvoller aus der Lektüre hervorgehen lassen sollte.
 
Für diejenigen, die gerne tiefgründige Lektüre haben und auch gerne über Gott und die Welt nachdenken, ist Schmitt sehr empfehlenswert. 
 
  
 
Eric-Emmanuel Schmitt
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
HC, 10. Auflage, 2009
Fischer Verlag
 
978-3-59616117-1
 
Originalausgabe: Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran
Éditions Albin Michel 

10.03.2010 um 20:18 Uhr

BücherQuotes #1

von: Jari   Kategorie: BücherQuotes

Aus: Fräulein Smillas Gespür für Schnee

 

 

"Er hing an meiner Mutter mit einem für die Welt nicht sichtbaren Gummiband, das jedoch die Wirkung und die physische Realität eines Treibriemens besass." 
S.45

 

 

 

 

"Eine Hitze von derselben beruhigenden Art, die man sich in einem Kernreaktor vorstellt."

 

S.45 

 

 

"Gibt es irgendeine Institution, die Sie nicht rausgeworfen hat, Fräulein Jaspersen?" 
"Soweit ich weiss, bin ich beim Einwohnermeldeamt noch registriert", sage ich.
S.114

 

 

 

"Manche Frauen können Soufflé machen. Haben zufällig gerade ein Rezept für Mokkaparfait in ihrem Sport-BH. Können mit der einen Hand ihre Hochzeitstorte schichten und mit der anderen Pfeffersteak Nossi Bé machen.
Darüber sollten wir uns alle freuen. Solange das nicht heisst, dass wir anderen ein schlechtes Gewissen haben müssen, weil wir noch nicht mal mit unserem elektrischen Toaster auf du und du sind."
S. 128

09.03.2010 um 20:40 Uhr

Das Geheimnis der Rubinette

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Es steht schlecht um Mikael Blomkvist. Sehr schlecht sogar. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere wird er vor Gericht wegen Verleumdung angeklagt. Doch just in diesem Moment erhält er vom Grossindustriellen Henrik Vanger einen seltsamen Auftrag: Mikael soll herausfinden, was mit Harriet Vanger geschah, die 1966 spurlos verschwand.
 
Obwohl Mikael nicht von seinem Auftrag überzeugt ist und auch nicht glaubt, dass er etwas herausfinden wird, nimmt er an und zieht für ein Jahr nach Hedeby, um einem Gespenst aus der Vergangenheit nachzustöbern.
 
Hilfe erhält der angeschlagene Journalist von unerwarteter Seite: Lisbeth Salander, Hackerin, hochintelligent, talentiert, sozial eher schwierig, hat Interesse am Fall "Harriet" gefunden und tut sich mit Mikael zusammen.
Gemeinsam entdecken sie nicht nur, dass sie ein richtiges Dreamteam sind, sondern kommen auch dunkeln und verschwiegenen Geheimnissen aus der Vergangenheit und der Gegenwart auf die Spur, die so grausam sind, wie es sich keiner aus der Familie Vanger je hätte träumen lassen...
 
Kein Krimi der letzten Jahre hat so hohe Wellen geschlagen wie "Verblendung" des Schweden Stieg Larsson. Im Allgemeinen tue ich  mich mit Bestsellern eher schwer. Doch zu diesem Buch kann ich nur sagen: Es hat seinen Ruhm verdient!
 
Die Geschichte besteht aus verschiedenen Handlungssträngen, die jedoch wunderbar in die Hauptgeschehnisse eingearbeitet sind und die Spannung noch mehr erhöhen. Bis etwa zur Mitte geht es eher ruhig zu, in den Ermittlungen, wie auch im Buch, doch dann geht es rund. Das Buch aus der Hand zu legen ist praktisch unmöglich.
 
Man wird langsam aber sicher in die Geschichte hineingezogen, ohne dass der Leser sich des Soges des Buches überhaupt bewusst ist. Man möchte, muss (!) einfach wissen, wie es weitergeht.
 
Die Personen sind glaubhaft und man schliesst sie ins Herz, obwohl sie alles andere als perfekt sind. Alle haben sie ihre dunklen Seiten und Charakterzüge, die nicht unbedingt sympathisch sind. Doch wären sie richtige Helden, würden sie weder ins Setting des kalten Schweden, noch in die Geschichte passen.
 
Nach dem Lesen von "Verblendung" bleibt eigentlich nur noch eines übrig: Die nächsten Titel kaufen.
 
 
Stieg Larsson
Verblendung
TB, 26. Auflage 2009
Heyne
 
978-3-453-43245-1
 
Originalausgabe: Män som hatar kvinnor
Norstedts Förlag 

07.03.2010 um 12:02 Uhr

Die Bücherregale eines Jaris

von: Jari   Kategorie: AA - Alles Andere

 

  

 

Sozusagen mein "Hauptbücherregal". Oben Hardcover, unten Taschenbücher. Auf dem Regal stehen noch ein paar Bücher, die zu gross sind (Kinderbücher, Bildbände)

So sieht das Ganze von hinten aus.

 

    

 

Auf diesem Regal stehen Sach- und Fachbücher (oben und erstes Regal), der SUB (zweites Regal), einige Bücherserien und Comicreihen (drittes Regal) und ungarische Bücher (zu unterst) 

Das "Mangaregal". Wird jedoch nicht weitergeführt.
Doch stehen zu oberst noch weitere Bücher (z.B. Harry Potter), Comics und Tagebücher.

 

Und ja, ich mag Plüschtiere ;) 

05.03.2010 um 21:29 Uhr

Covergleich #2

von: Jari   Kategorie: BücherCover