Jaris Büchergebrabbel

30.03.2012 um 09:53 Uhr

[Rezension] Liebe auf Samtpfoten

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Wir alle lieben unsere Stubentiger, doch in der heutigen Welt leben Katzen ein ganz anderes Leben als noch zu früheren Zeiten. Oft verbringen sie ihr gesamtes Leben in den immergleichen vier Wänden. Manche sehen ihre Menschen bloss abends und am Wochenende. Was ist das für ein Leben?
Die moderne Zeit hinterlässt auch Spuren an unseren Haustieren, noch nie gab es so viele depressive Katzen, Beschwerden über Fehlverhalten bei Haustieren nehmen täglich zu.
Da fragt man sich doch, ob man einer Katze überhaupt noch ein artegerechtes Leben bieten kann. Ja, ist Warren Eckstein überzeugt, und zeigt uns, wie auch Hauskatzen ein ausgeglichenes und selbstbewusstes Wesen entwickeln können.

Meine Meinung:

Das Buch "Wie sag ich's meiner Katze" von Warren und Fay Eckstein erschien auf Deutsch im Jahre 1994, die englische Ausgabe sogar bereits 1990. Da stellt sich natürlich die Frage, ob es sich lohnt, ein Buch zu lesen, das fast zwanzig Jahre alt ist. Ja, das tut es.

Warren Eckstein ist nicht bloss irgendein Tierpsychologe, der meint, er müsse jetzt einfach mal ein Buch veröffentlichen. Nein, Warren Eckstein ist DER Tierpsychologe.
Lesen wir heutzutage ein Buch über Verhaltensforschung, so werden es grösstenteils Ecksteins Ideen sein, die uns dort nahe gebracht werden. Eckstein hat die Verhaltensforschung in den 70ern und 80ern revolutioniert. So war er es, der damit begonnen hat, Tiere in der Kranken- und Altenpflege einzusetzen. Er trainierte Hunde dazu, nicht nur Blinden zu helfen, sondern auch Tauben. Er war es, der dazu aufrief, sich ruhig mal hinzusetzen und mit seiner Katze zu schmusen. Er war es, der Katzen und anderen Tiere eine eigene Identität und Lernfähigkeit zusprach. 
Waren Ecksteins Therapieformen damals noch verschrieen, so findet man heute kein Buch über Haustierhaltung mehr, in welchem nicht auf Eckstein basierendes Gedankengut vermittelt wird.

Deshalb tut man gut daran, eines von Ecksteins Büchern gelesen zu haben.

In "Wie sag ich's meiner Katze", dessen deutscher Titel meiner Ansicht nach auf etwas anderes hindeutet als eigentlich gemeint ist, geht Eckstein auf das Leben unserer liebsten Haustiere ein: Die Katzen.

Das Buch beginnt mit Mowdy, der sich seinen Besitzer (Warren Eckstein) sozusagen aussucht und nicht locker lässt, bis er sich seinen Platz im Herzen Ecksteins erobert hat.
Von Mowdy aus geht es weiter und Eckstein berichtet vom modernen Katzenalltag, der leider oft darin besteht, ein Schläfchen zu halten. Dass ein solch eintöniges Leben dazu führt, dass sich Verhaltensauffälligkeiten entwickeln, sei kein Wunder, meint Eckstein.

Hier setzt der Autor an und entwickelt Ideen, die zur damaligen Zeit noch revolutionär waren. Unterhalte dich mit deiner Katze, fordert Eckstein auf, beschäftige dich mit ihr! Gestalte ihr ein Katzenparadies. Lerne ihre Sprache und bring sie ab und zu nach draussen.

Ich war überrascht, dass es noch vor einigen Jahren verpöhnt war, intensiv mit seinem Haustier zu kuscheln. Zum Glück gibt es Warren Eckstein, dachte ich da. Was er für die Katze von heute geleistet hat ist nicht zu verachten, obwohl ich nicht mit allen seinen Techniken übereinstimme.

So halte ich persönlich nichts davon, die Katze mit in den Urlaub zu nehmen. In "Wie sag ich's meiner Katze" ist diesem Thema jedoch ein ganzes Kapitel gewidmet. Aber wenigstens weist Eckstein darauf hin, dass man die Katze mit viel Liebe und Fürsorge auf das gewünschte Verhalten hin trainieren muss (z.B. beim Autofahren ruhig bleiben). Er wiederholt immer wieder, dass man die Katze so oft wie möglich loben muss.
Auch dies ist ein Punkt, der im 21. Jahrhundert unter Tierfreunden und Tierpsychologen bekannt und akzeptiert ist. Kein Tierbuch ohne ein "Loben Sie ihr Haustier". Als Warren Eckstein damit begann, war die Idee noch völlig neu und wurde kritisch betrachtet.

Auch die Aufforderung, sich selbst in Miauen zu üben, fand ich eher zum Schmunzeln. Ich persönlich denke, dass die Katze sich dann eher lächerlich gemacht gefühlt und denkt, dass der komische Zweibeiner nun wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Aber wieso nicht? Wer will, kann es probieren.

Nebenbei finden wir viele Tipps dazu, wie unerwünschtes Verhalten durch Erziehung (ja, Eckstein war einer der Ersten, die sagten, dass auch Katzen sich erziehen lassen) gar nicht erst entsteht. Vorbeugen ist besser als heilen.
Ebenfalls wird erklärt, wie man mit der Katzenleine umgeht und seiner Katze "Bleib" und andere Kommandos beibringt. Die Katzenleine fand ich bisher immer eine seltsame Sache, etwas, das eine Katze entwürdigt. Doch Eckstein hat mich davon überzeugt, dass sie durchaus ihr Gutes hat. Eine Katze in der Stadt kann so sicher und ohne vom Auto überfahren zu werden die Natur erkunden. Auch beim Tierarzt erweist sich die Leine als praktisch. So weit hatte ich bis jetzt noch nie gedacht.

Mag das Buch auch fast so alt sein wie ich selbst, die Lektüre hat sich gelohnt und ich ziehe den Hut vor Warren Eckstein, ohne den viele Katzen heute ein tristes Leben führen würden. 

Fazit: 

Wenn Sie also bereits zu denen gehören, die mit Ihrer Katze Gespräche führen und das völlig normal finden, dann sind Sie der richtige Leser, die richtige Leserin für dieses Buch. (Seite 43)

Bevor wir irgendein billiges Sachbuch über Katzenhaltung lesen, sollten wir Warren Eckstein lesen. Punkt. Jeder, der eine Katze hat, sollte Warren Eckstein lesen. Punkt.

Fazit: Katzen würden Eckstein lesen. 

Warren und Fay Eckstein
Wie sag ich's meiner Katze
HC, 1. Auflage 1994
Müller Rüschlikon Verlag

3-275-010-98-0

Aus dem Amerikanischen von Danielle Brechbühl
Originalausgabe: How To Get Your Cat To Do What You Want
Random House, New York 1990 

28.03.2012 um 22:35 Uhr

[Rezension] Von der Kobra geküsst

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Es gibt nichts, was Rüdiger Nehberg nicht schon erlebt hätte. Ob eine ausgebüxte Kobra, Teig-Leichen oder Fans mit seltsamen Essgewohnheiten - Nehbergs Erlebnisse sind tatsächlich echt verrückt. Die skurrilsten und lustigsten Geschichten werden in diesem Büchlein erzählt.

Meine Meinung:

Der Titel in Rüdiger Nehbergs "Echt verrückt!" ist Programm: Eine Geschichte mutet seltsamer an als die andere. Da ist die Sache mit den Laus-Fotografien, eine fast verweste Maus und ein irrer Autogrammjäger.

Als Leser sieht man sich einer Reihe von lustigen, bisweilen seltsamen oder gar etwas eklig erscheinenden Erzählungen konfrontiert. Manchmal müssen wir den Kopf schütteln, manchmal gar lachen und manchmal müssen wir auch unseren Ekel im Zaum halten. So zum Beispiel in der Geschichte mit Omas Zähnen...

Nehberg erzählt liebevoll und mit einem Schmunzeln auf den Lippen, das auf den Leser übergeht. Man freut sich während des Lesens immer auch schon auf die nächste Geschichte des Survival-Experten. Bloss drei Geschichten aus Rüdigers pubertären Zeiten fand ich etwas fehl am Platze.
Der Erzählstil ist schnörkellos, Nehberg berichtet frei von der Leber weg, ohne gross auf Spannungsaufbau oder Stilistik zu achten. Bei solch kurzen Geschichten braucht es dies auch nicht unbedingt. Jedoch fühlte ich mich zu Beginn des Buches noch etwas gelangweilt, doch dies änderte sich rasch.

Als Leser von "Echt verrückt!" hört man jedoch nicht nur lustige Abenteuergeschichten, sondern erfährt auch einiges aus Nehbergs persönlichem Leben oder über seine eigenen Ansichten. Nicht nur Erlebnisse aus fernen Ländern sind Gegenstand des Buches, sondern auch Erinnerungen aus seiner Zeit als Bäcker. Auch Geschichten von Nehbergs Freunden finden Platz in diesem Werk, diese stehen in der Originalität den Erlebnissen von Nehberg übrigens in nichts nach!

Fazit: 

"Echt verrückt!" ist ein Buch, das sich rasch lesen lässt und die kurzen Geschichten kann man gut auf einer Cocktail-Party zum Besten geben. Fans von Rüdiger Nehberg lernen ihren Helden privat etwas besser kennen und Neuling im Bereich "Nehberg" erfahren, was Herr Nehberg schon alles geleistet und erlebt hat.

Ein perfektes Buch für Zwischendurch, das Nachttischchen, die Knoppers-Pause oder das Klo. Luftig-leicht und belastet nicht. 

Rüdiger Nehberg
Echt verrückt!
Erlebte Geschichten
TB, 6. Auflage 2011
Piper

978-3-492-24324-7 

26.03.2012 um 17:39 Uhr

[Rezension] Die vier Jahreszeiten

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Entsprechend den vier Jahreszeiten wurden hier vier längere Kurzgeschichten Stephen Kings versammelt. Der Frühling wird durch "Rita Hayworth and Shawshank Redemption" versinnbildlicht, für den Sommer steht "Apt Pupil", der Herbst ist "The Body" und "The Breathing Method" verkörpert den Winter.

Im Frühling geht es um den Neuanfang, im Sommer kann man nur schwer atmen, im Herbst geht etwas zu Ende und im Winter ist dann alles wieder vorbei... 

Meine Meinung:

"Different Seasons" von Stephen King ist ein voluminöses Werk, das jedoch nur zustande kam, da die einzelnen Geschichten zu kurz für ein Buch waren, aber zu lang für Kurzgeschichten. Als Leser kann man jedoch froh sein, dass sie dennoch publiziert wurden.

Stephen King ist Name und Marke in einem. Stephen King produziert einen Bestseller nach dem anderen. Stephen King kennt jedes Kind.

Und er hat es verdient. Stephen King ist nicht bloss eine Sternschnuppe am Literaturhimmel, die aufscheint und verblasst. Stephen King kann's. Er kann schreiben, er hat sich seinen Ruhm verdient.
Dabei schafft er es nicht nur, fantastische Horrorszenarien im Sinne von "Carrie", "Es" und "Der Friedhof der Kuscheltiere" zu produzieren. King kann genau so gut den Horror des menschlichen Wesens beschreiben.

Ohne Effekthascherei beschreibt der Autor, wie seine Protagonisten durch ihr Leben schreiten. Das Böse, das Gute, das Grau eines jeden Menschen. King schafft Figuren, die greifbar sind, hörbar, fühlbar. Und obwohl bloss die letzte Geschichte blutig ist, läuft einem beim Lesen öfter ein Schauer über den Rücken. Wir haben nicht ein Buch vor uns liegen, sondern einen Erzähler direkt neben uns. Deshalb liess mich das Buch kaum mehr los, ich nutzte jede freie Minute, um zu lesen. Ich musste einfach wissen, wie es weitergeht. Es war beinahe schon wie eine Droge.

Meine Lieblingsgeschichten sind "Rita Hayworth and Shawshank Redemption" und "The Body". Es ist einfach unfassbar, wie dicht diese Erzählungen sind. Die Spannung ist zwischen den Zeilen zu spüren. Man merkt, dass so viel mehr hinter diesen Sätzen steckt, die Wörter, das Gesagte, das Geschehene - es bleibt einem im Kopf.

Ich lasse King seinen Thron und verbeuge mich davor. Danke, Stephen King, für dieses Lesevergnügen.
Bis auf die letzte Geschichte habe ich alle Erzählungen sehr genossen. "The Breathing Method" fällt für meinen Geschmack zu sehr in "normalen" Horror zurück, als dass sie zu den anderen drei Geschichten gepasst hätte.

Fazit: 

Ein Buch nicht nur für eingefleischte Fans von Stephen King. Wer sich mehr für das Zwischenmenschliche, das Versteckte in unserem Handeln und Denken interessiert, als für Clowns und Haustiere, der sollte zu "Different Seasons" greifen. Aber auch wer etwas Abwechslung in der Welt von Stephen King sucht, der wird hier ebenfalls fündig.

Ich bin überglücklich, diese athmosphärisch dichten Geschichten endlich gelesen zu haben. Vor allem meine bereits erwähnten Lieblingsstücke haben mich zutiefst beeindruckt. Die psychologische Tiefe der Geschichten lässt viel Spielraum für eigene Interpretationen und Denkübungen. Ganz genial!

Stephen King eben. 

Stephen King
Different Seasons
TB, 2007
Hodder

978-0-340-95260-3 

24.03.2012 um 12:07 Uhr

[Rezension] Er formte meinen Körper neu

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Sechs Geschichten - sechs Frauen. An den unterschiedlichsten Orten mit den unterschiedlichsten Männern geben sie sich der Lust hin, geben und nehmen. Lasst euch ein auf einen Fruchtsalat voller Erotik! 

Meine Meinung:

Ich mochte bereits den Band "Samtene Nächte" von Aveleen Avide sehr gerne, doch mit "Purpurne Lust" hat sie nun ein Buch veröffentlicht, das sich kein Freund erotischer Geschichten entgehen lassen sollte.

Wer meint, dass sich die Erotik bloss um das "Rein und Raus" dreht, liegt falsch.
Avide beweist, dass es vor allem die Liebe zum Detail ist, die aus einer prickelnden Geschichte eine anregende machen. Mit viel Gespür beschreibt die Autorin ihre Figuren und den Hintergrund, vor welchem sie agieren. Sie bedient sich einer ganzen Brandbreite von Ausdrücken, aus welchen sorgsam ausgewählt wird. Kein Wort wirkt deplaziert. Bei Avide stimmt das grosse Ganze.

Auf diese Art und Weise wird der Leser in die Welt der Erotik entführt. Dabei unterscheiden sich die sechs Geschichten stark voneinander und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Vom Luxus-Callgirl bis zum Workaholic, vom Whirlpool bis nach Amerika: Langweilig wird es nicht.

Ich las das Buch "Purpurne Lust" mit grosser Freude, liess mich von manchen Geschichten sogar inspirieren. Leider sind die Erzählungen etwas zu lang, um sie dem Partner vorzulesen, jedoch eignet sich das Buch hervorragend, wenn man sich selbst sinnlich verwöhnen möchte.

Natürlich gefielen mir nicht alle Geschichten gleich gut, aber meiner Ansicht nach ist dies ein grosser Vorteil. Durch diese Vielfältigkeit wird es nicht langweilig. Bei jeder Geschichte fragt man sich aufs Neue: "Was geschieht wohl jetzt?"

Was auch deutlich hervorsticht, ist die Entwicklung der Autorin. Vor einigen Jahren las ich "Samtene Nächte", ein Buch, das im Vergleich zu "Purpurne Lust" viel sanfter mit der Erotik umgeht. Hier kommt die Autorin direkt zur Sprache und lebt die Sinnlichkeit vollkommen aus. Ist "Samtene Nächte" gut, so ist "Purpurne Lust" sehr gut und nun bin ich natürlich auf das nächste Buch der Autorin gespannt.

Was mich etwas weniger reizte, war, dass alle Figuren durchgehend mit makelloser Schönheit aufwarten und dass überall der Luxus durchschimmert. Ich persönlich hätte mich auch mit etwas bodenständigeren Umgebungen zufrieden gegeben. Zu viel Schönheit wirkt auf mich auf die Dauer eher langweilig. 

Fazit: 

"Purpurne Lust" von Aveleen Avide ist eines jener Bücher, das ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Wer Erotik mag, sollte sich den Namen Aveleen Avide merken.

Wer neu ist auf dem Gebiet der Erotik kann auch erst einmal "Samtene Nächte" lesen, um sich an das Genre heranzutasten. Mag man es prickelnd und direkt, so eignet sich "Purpurne Lust" eher als Lektüre.

Meine Lieblingsgeschichte war übrigens "Spiel der Lust". Worum es geht? Selber lesen! 

Aveleen Avide
Purpurne Lust
TB, 2011
Rowohlt

978-3-499-25776-6

Vielen Dank an Aveleen Avide und den Rowohlt Verlag für das bereitgestellte Freiexemplar! 

22.03.2012 um 19:52 Uhr

[BücherMusik] The Calender

von: Jari   Kategorie: BücherMusik

"BücherMusik" ist eine neue Kategorie hier auf dem Blog, in welcher ich Lieder sammeln möchte, die mich in irgendeiner Weise an bestimmte Bücher erinnern. Man sagt ja, dass Lesen Kino im Kopf ist und was ist ein Kino ohne Hintergrundmusik?¨

Das erste Lied, das ich euch präsentieren möchte, ist von Panic! At The Disco und heisst The Calender. Als ich es heute hörte, musste ich spontan an die Herbstgeschichte in Stephen Kings Different Seasons denken. Die Geschichte heisst The Body und erzählt die abenteuerliche Reise vierer Freunde im Jahre 1960. Wegen dieser Geschichte habe ich mir das Buch überhaupt erst gekauft, da wir The Body im Englischunterricht vor zwei Jahren gelesen hatten.

Natürlich kann man das Lied so betrachten, dass er es an eine Frau singt. Aber ich hatte sofort die Bilder aus der Geschichte im Kopf.
Vier Freunde, zwölf Jahre alt, machen sich auf, ein Abenteuer zu erleben. Sie gehen gemeinsam durch den Wald, entrinnen den Gefahren des Alltags und wachsen. Vor allem Chris beeindruckt mich in der Geschichte immer wieder. Er ist derjenige, den alle sofort abschreiben, ohne dass sie erkennen, wie intelligent der Junge eigentlich ist.

"Summer's on it's deathbed" - "Der Sommer liegt auf seinem Sterbebett". Die Schule beginnt bald wieder, es ist ein Jahr bevor die Clique auseinandergehen wird. Der Erzähler, Gordon, weiss das. Er erzählt die Geschichte als Erwachsener: "There is nothing simply worse/Then knowing how it ends" (es gibt einfach nichts Schlimmeres/Als zu wissen, wie es ausgehen wird)

Als Leser erlebt man immer mehr, wie tief die Freundschaft zwischen Gordie und Chris geht. Ihre Gespräche drehen sich um die Zukunft und Chris geht so weit, dass er Gordon dazu auffordert, um seiner Zukunft willen seine Freunde zu verlassen: And I ment everything I said that night/I will come back to life/But only for you/But only for you (Und alles was ich in dieser Nacht sagte, war wahr/Ich kehre ins Leben zurück/Aber nur für dich/Aber nur für dich)

Den Anfang des Liedes kann man so auslegen, dass Gordon nach all den Jahren endlich mit der Sache herausrücken wollte. Die Geschichte trägt stark autobiografische Züge, all dies macht die Lektüre noch intensiver.

18.03.2012 um 12:14 Uhr

[Rezension] Why don't you dance?

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Siebzehn Geschichten versammelt das Bändchen "What we talk about when we talk about love". Die meisten Geschichten sind nicht länger als zwei oder drei Seiten. Menschen, Liebe, Alkohol - das sind die Themen Raymond Carvers...

Meine Meinung:

Der Titel "What we talk about when we talk about Love" von Raymond Carver mag romantisch klingen, doch sind sie das nicht. So kurz die Geschichten auch sein mögen, so einprägsam sind sie. "What we talk about when we talk about Love" ist alles andere als ein Wohlfühlbuch, doch trotzdem ist es lesenswert.

Carver beschreibt Menschen, die verloren haben. Die aufgegeben haben. Menschen, die an einem gebrochenen Herzen leiden. Menschen, die zu viel trinken. In den Geschichten geht es um die Liebe. Um kaputte Ehen, Trennungen, Entscheidungen. Dinge, über die wir eigentlich nicht reden wollen, die uns aber tagtäglich begleiten.

Subtil wird erzählt, Carver ist ein Meister der Andeutungen. Seine Sprache ist glasklar, doch merkt man als Leser, dass da noch mehr ist. Die Welt hinter der glasklaren Sprache ist trüb. Was versteckt sich im Nebel? Man erkennt Schemen, man möchte genauer hinschauen. Doch der Autor hilft einem nicht weiter, er überlässt es dem Leser, ob und was er sehen möchte.
Will man dem Autoren vorwerfen, Perversitäten zu beschreiben, so kann sich dieser verteidigen: "Das habe ich nicht gesagt." Und es stimmt. Er hat es nicht gesagt. Aber wir wissen, es ist da.

Genau diese Feinheiten sind es, die dem Leser bleiben. Die fröhliche Runde aus der titelgebenden Geschichte - ist diese wirklich so fröhlich? Was geschah mit dem Baby aus "Popular Mechanics"?
Man fragt sich, man dreht die Geschehnisse, wendet die Gespräche. Auch nachdem man das Buch zur Seite gelegt hat. Das unangenehme Gefühl, das einem während der Lektüre beschleicht, will nicht verschwinden.

Carver bleibt und der Leser versucht, den Nebel zu lichten. 

Fazit: 

Ein eindrückliches, bewegendes Werk. Die Geschichten sind kurz und eindrücklich. Mit klarer Sprache beschreibt Carver die Schrecken des Alltages. 

"What we talk about when we talk about Love" ist nicht für jedermann geeignet. Zu schnell könnte man sich verlieren. Man muss mit den dunklen Seiten der Menschen klarkommen, um Carver zu lesen.

Für mich war eine eine interessante, ergreifende Lektüre, über die ich mir jetzt noch meine Gedanken mache. 

Raymond Carver
What we talk about when we talk about Love
TB, 2009
Vintage Books, London 

978-0-099-53032-9

 Deutsche Ausgabe:

Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden
TB
Fischer Verlag

978-3-596-90388-7 

17.03.2012 um 18:10 Uhr

Jari liest... Stephen King

von: Jari   Kategorie: Jari liest...

Rückentext:

In this classic collection of four novellas, the grand master takes you on irresistible journeys into the far reaches of horror, heartache and hope. 

Rita Hayworth and Shawshank Redemption is the story of two men convicted of murder - one guilty, one innocent - who form the perfect partnership as they dream up a scheme to escape from prison.

In Apt Pupil a golden schoolboy entices an old man with a past to join him in a dreadful union.

The Body sees four young boys venture into the woods and find life, death... and the end of innocence.

The Breathing Method is the tale of a doctor who goes to his club and discovers a woman who is determined to give birth - no matter what. 

17.03.2012 um 16:53 Uhr

[Lesezeichen] "Bücher sind...

von: Jari   Kategorie: Lesezeichen

 
... Freifahrtscheine in ferne Welten" 
 
Mein neuestes Sammlerstück. Es gab noch ein paar andere zur Auswahl, die mir ebenfalls gut gefallen haben, aber eben - man muss sich entscheiden können. 

15.03.2012 um 19:53 Uhr

[Rezension] Ein Tiger namens Richard Parker

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Aufgrund der unruhigen Lage in Indien beschliessen die Eltern von Pi nach Kanada auszuwandern. Ein Grossteil des väterlichen Zoos überquert zwecks Verkauf an andere Zoos mit demselben Schiff wie die Familie den grossen Teich.
Doch mitten in der Nach kentert das Schiff. Es gibt keine Überlebende. Ausser Pi, einer Orang-Utan-Dame, einem Zebra mit gebrochenem Bein, einer Hyäne und einem ausgewachsenen Tiger namens Richard Parker. Zusammen treiben sie in einem Rettungsboot über den weiten Ozean...

Meine Meinung:

"Life of Pi" von Yann Martel heisst auf deutsch "Schiffbruch mit Tiger". So locker-leicht wie der deutsche Titel klingt, ist der Inhalt jedoch nicht.

Lange dachte ich daran, das Buch abzubrechen. "Life of Pi" ist in drei Teile unterteilt und erst der zweite enthält den eigentlichen Handlungsstrang.
Während des ersten Teiles (ca. 100 Seiten) geht es mehr um Pis aktuelles Leben und seine Kindheit im Zoo. Die zum Teil sehr philosophischen Betrachtungen des indischen Lebens und der Tierwelt sind zwar schön zu lesen, jedoch fragte ich mich die ganze Zeit, wann nun endlich die Geschichte losgehe. Ich wurde trotz der anschaulichen Beschreibungen immer ungeduldiger und ruheloser. Ausserdem störten mich die ständigen Unterbrechungen der Rahmenhandlung um einen Autoren auf Ideensuche.
 
Auch Pis dreifache Religion fand ich übertrieben. Die Behauptung, dass man nach der Lektüre an Gott glaubt, kann ich nicht nachvollziehen. Vor allem, da man nicht weiss, an welchen Gott man angeblich glauben wird. Dieser Part wirkt gewollt und ist zwar philosophisch und man kann ihn gut in Leserunden diskutieren, aber meiner Ansicht nach unnötig.

Doch hinterher war ich froh, dass ich mich durch den ersten Part gelesen hatte, denn der Rest des Buches ist wirklich interessant, spannend und packend. Pis Erlebnisse auf hoher See, sein Kampf ums Überleben und seine besondere Beziehung zu Richard Parker sind so intensiv erzählt, dass ich beinahe die brennende Sonne auf meinem Rücken spüren und die Wellen ans Rettungsboot schlagen hören konnte.

Martel lässt Pi klar und ruhig seine Geschichte vortragen, diese Sprache lässt die Vorkommnisse noch gnadenloser scheinen. Pi erzählt alles. Der Kampf ums Überleben ist gnadenlos und blutig, damit muss man als Leser rechnen. Der Kampf ums Überleben dauert an, Pi lernt, mit der Situation zu leben, ständig begleitet in die Angst, Richard Parkers Opfer zu werden.

Doch sie überleben über 200 Tage zusammen in einem kleinen Rettungsboot. Als ich das Buch zuschlug, hatte ich trotz oder gerade wegen der schrecklichen Zustände, die Pi schildert, das Gefühl, ein sehr gutes Buch gelesen zu haben.

Zum Schluss gibt es, als kleines Extra sozusagen, das Protokoll eines Interviews mit zwei Japanern. Dieses Interview hebt sich aufgrund seines Humores vom Rest des Buches ab.
Jedoch muss ich anmerken, dass "Life of Pi" kein unlustiges und todernstes Buch ist. Auch während der Geschichte gibt es Szenen, die einen auflachen lassen. So kommt zum Beispiel der Orang-Utan auf einer Ladung Bananen dahergetrieben. 

Fazit: 

Nach anfänglichen Mühen erwies sich das Buch als überaus spektakulär.
"Life of Pi" ist ein ganz besonderer Abenteuerroman, der mit vielen philosophischen und tiefgründigen Szenen aufwartet. Auch erfährt man einiges über die Natur der Tiere, da Pi ja als Sohn eines Zoodirektors aufwächst. 

 

 Yann Martel
Life of Pi
TB, 2001
Canongate

978-1-84767-601-6

13.03.2012 um 20:23 Uhr

[Abgebrochen] Emma

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Jane Austen - Emma

Jane Austen ist Weltliteratur. Ihre Figuren sind ihrer Zeit voraus, weshalb die Autorin erst unter Pseudonym veröffentlichte.
Jane Austen ist Frauenliteratur. Jane Austen ist kitschig. Um meinen Vorurteilen Austen gegenüber abzubauen, habe ich mich an ihrem letzten Werk namens "Emma" versucht. Leider habe ich das Buch nach ca. 180 Seiten abgebrochen.

Der Hauptgrund war die Geschichte. Hier wurde bereites eines meiner Vorurteile bestätigt: Es ging hauptsächlich darum, wer nun wen heiraten soll, will und wird. Die langen Gespräche drehten sich hauptsächlich um die Taten von anderen Figuren. Dinge, die mich weder in Büchern noch im realen Leben wirklich interessieren.
Emmas Versuche als Kupplerin beeindruckten mich nicht im Geringsten, ich fühlte mich leider auch nicht vom Buch unterhalten. Das Gegenteil war der Fall: Ich langweilte mich.

Auch die Figuren blieben mir fern. Ich konnte sie mir weder plastisch vorstellen, noch mit ihnen warm werden. Für mich blieben sie einfach nur Namen. Emma war mir sogar gänzlich unsympathisch und ich konnte mir ihr nicht wirklich viel anfangen.

Ich bin kein grosser Leser von Liebesromanen und nun weiss ich definitiv, dass Jane Austen nichts für mich ist. Ich vergönne ihr ihren Platz in der Weltliteratur keinesfalls und behaupte auch nicht, dass sie eine untalentierte Schriftstellerin ist oder ihre Bücher schlecht. Das stimmt so nicht. Aber ich bin einfach kein Leser von Jane Austen.

12.03.2012 um 21:28 Uhr

[Challenges] TopTenThursday #49 - 54

von: Jari   Kategorie: TopTenTuesday

  
http://xn--alice-im-bcherland-v6b.de/

  Dieses Mal sagen mir die meisten Themen nicht zu :( 

10 Bücher, bei denen ihr euch ein anderes Ende gewünscht hättet 

Rachel Ward - Numbers
Sarah Gruen - Wasser für die Elefanten
William Goldman - Die Brautprinzessin
J. K. Rowling - Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (auch wenn ich das Buch gar nicht gelesen habe)
Sarah Blakley-Cartwright - Red Riding Hood: Unter dem Wolfsmond
Markus Zusak – Die Bücherdiebin (Nein, ändern muss man den Schluss eigentlich nicht, aber ich hätte es ihnen so gegönnt…)
Miklós Vámos – The Book of Fathers
David Benioff – Stadt der Diebe
Anna Gavalda – Zusammen ist man weniger allein
Aymo Brunetti – Wirtschaftskrise ohne Ende? (Scherz ;)
 

10 Biografien aus eurem Bücherregal 

Phu, krieg ich nicht ganz voll…

Dan Mathews - Respekt!
Good Charlotte: The Band (wenn auch ungelesen und nicht auf dem SUB. Einfach für schön ;)
Soren Kirkegaard (Billigbiografie auf dänisch)
Jane Goodall -  Mein Leben für Tiere und Natur
Jiang Rong – Der Zorn der Wölfe
Frau Freitag – Chill mal, Frau Freitag!
Jan Weiler – Maria, ihm schmeckt’s nicht! (nehm ich mal als Biografie ;)

10 Dinge, die ihr zum lesen braucht

Meine Lesebrille
Ein Buch
Zeit (dabei reicht auch der Aufzug oder eine Schlage an der Kasse)
Sonnenlicht
Windstille
Muse (ohne die geht es nicht)
Etwas zu Essen/Trinken
Ein Zug (mein Lieblingsort, um zu lesen)
Mein Handy (für diverse Sachen)
Lesezeichen
 

Eure 10 liebsten Dystopien-Bücher 

Nicht vorhanden. Bestimmt habe ich schon das eine oder andere Buch in die Richtung gelesen, aber ich verbinde nichts davon mit dem Wort „Dystopie“.

Eure 10 liebsten Märchen

Hab ich keine. Ich kenne sie zwar, aber ein Lieblingsmärchen habe ich keines. 

10 Vampirbücher

Catherine Jinks – Blutsbande
Yasmine Galenorn – Die Vampirin
Jacques  Chessex – Der Vampir von Ropraz
Lena Klaasen – Magyria (auf dem SUB) 
Dann war da noch ein ganz schlechtes Buch, das eigentlich Twilight ist. Nur in Zürich angesiedelt.
Und all die anderen Vampirbücher, die ich nicht lese…
 

 Das Thema für den nächsten Donnerstag: 10 Bücher zum Thema Engel (am besten aus dem Bücherregal)

 

 

 

11.03.2012 um 21:34 Uhr

[Rezension] Du bist Schuld! - Nein, du!

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Eine Ente und eine Eule treffen aufeinander. Sie wollen Freundschaft schliessen, doch irgendwie scheint es einfach nicht zu funktionieren. Irgendjemand macht einfach immer etwas falsch. Die Eule kann nicht schwimmen, die Ente nicht auf Bäumen sitzen, die Eule ernährt sich von Mäusen, die Ente sucht sich ihr Essen... Kann das gut gehen?

Meine Meinung:

Hanna Johansens Kinderbuch "Die Ente und die Eule" liegt das Thema des Streitens zugrunde. Liest man das Buch als Erwachsener muss man umgehend schmunzeln, so treffend sind die Streitgewohnheiten von Kindern porträtiert.

Für Kinder jedoch beinhaltet das Werk eine wichtige Botschaft: Nur weil jemand eine Sache anders macht als du, muss es noch lange nicht falsch sein.

Die Ente und die Eule zanken sich über alles Mögliche. Immer wieder fangen sie von vorne an und beschuldigen sich gegenseitig. Dennoch schaffen sie es, sich schlussendlich wieder zusammenzufinden und sich zu vertragen. Dann geht das Streiten von vorne los...

Was das kurze Büchlein zu etwas ganz Besonderem macht und mich wirklich in seinen Bann gezogen hat, ist neben der Botschaft, die Gestaltung.
Die Bilder von Käthi Bhend sind einfach faszinierend. Sie zeichnet liebevoll und detailgetreu. Immer wieder kann man etwas Neues entdecken. Die Zeichnungen erzählen eine ganz eigene Geschichte und laden zum Staunen und Verweilen ein. 

Fazit: 

"Die Ente und die Eule" ist ein pädagogisch wertvolles Buch für Kinder. Es beinhaltet die Botschaft, dass jeder Mensch einzigartig ist und sein Leben auf seine Weise lebt.
Eine Ente kann nun einmal nicht auf einem Baum sitzen, dafür kann sie schwimmen. Die Eule kann nicht schwimmen, dafür aber lautlos durch die Nächte segeln.
Käthi Bhends Zeichnungen laden Gross und Klein auf Entdeckungsreise ein.

Für mich war das Buch eine kurze, aber bereichernde Lektüre, die ich allen ans Herz legen möchte. 

Hanna Johansen
Die Ente und die Eule
HC, 1993
Nagel & Kimche

3-312-00761-5

Mit Illustrationen von Kätzi Bhend 

11.03.2012 um 16:43 Uhr

[Rezension] Final Countdown

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

So weit sich Jem erinnern kann, waren sie da: Die Zahlen, die zeigen, wie lange ein Mensch noch zu leben hat. Jem verrät niemandem ihr Geheimnis und bleibt am liebsten allein. Allein und weit weg, dort, wo sie niemandes Todesdatum einsehen muss.

Doch als Jem auf den Jungen Spider trifft, ändert dieser das einsame Leben des Mädchens. Plötzlich ist da jemand, bei dem sie sich wohl und geborgen fühlt. Nur weiss Jem, dass Spider nicht mehr lange zu leben hat.
Ist Jem dazu in der Lage, das Schicksal zu ändern? 

Meine Meinung:

"Numbers" von Rachel Ward ist ein Buch, das sich mit einem deftigen Thema beschäftigt. Nämlich damit, dass wir alle sterblich sind. Etwas, das wir nur allzu leicht verdrängen.

Jem, die Hauptperson in "Numbers", wird jeden Tag ihres Lebens vom Tod begleitet und schottet sich deswegen von der Gesellschaft und allen Menschen um sie herum ab. Dadurch ist Jem keine einfache Protagonistin.
Die ersten 30 Seiten waren für mich eher ein Jammertal als Leselust. Zwar konnte ich gut verstehen, dass Jem es nicht einfach hat, doch irgendwann hat man begriffen, dass Jem sich mit niemandem abgeben will und dass alles nur doof und blöd ist. Ja, man muss akzeptieren, dass Jem ein Teenager ist. Dies hat die Autorin jedoch sehr gut zum Ausdruck gebracht.

Vielleicht sogar ein bisschen zu gut, denn oft musste ich auch später, als mir das Buch dann besser zu gefallen begann, noch über Jem den Kopf schütteln. Ihre Handlungen sind zwar für ihr Alter nachvollziehbar, jedoch gewann sie durch ihre Hitzköpfigkeit bei mir keine Pluspunkte.

Trotzdem muss ich sagen, dass mir das Buch nach dem zähen Einstieg gefallen hat. Ward hat einen spannenden und rasanten Roadmovie geschrieben und Jem hat sich im Verlauf der Geschichte positiv weiterentwickelt.

Liest man den Klappentext des Buches meint man vielleicht, man hätte es mit einem Buch zu tun, das Themen wie Terrorimus aufgreift, doch tut es das nicht. Diesbezüglich war ich zwar nicht enttäuscht, aber wohl überrascht, als das Buch in eine ganz andere Richtung zu driften schien.

Ein Thriller, wie im Buch selber angegeben, ist es meiner Ansicht nach auch nicht. Es ist die Geschichte eines normalen Mädchens mit einer besonderen Fähigkeit, das sich gegen ihren Willen verliebt.
Ja, mit der Liebe muss man in "Numbers" rechnen. Doch obwohl ich normalerweise meine Probleme mit Liebesgeschichten habe, fand ich die Geschichte um Jem und Spider sehr schön. Mehr und mehr erlebt auch der Leser mit, wie Spider das kalte Mädchen aufzutauen vermag und in ihr Innerstes vordringt. Dies alles hat Ward mit einer nicht übertriebenen, aber dennoch eindringlichen Sprache beschrieben, die an spannenden Stellen das Tempo erhöhte und den ruhigen, tiefen Szenen die Zeit gab, die sie benötigten.

Schon einige Male habe ich gehört, dass die deutsche Übersetzung sprachlich nicht überzeugt. Ich habe die englische Version gelesen und fand an Wards Sprache nichts auszusetzen. Deshalb empfehle ich, das Buch auf englisch zu lesen, wenn das möglich ist. 

Fazit: 

"Numbers" ist ein spannender Roadmovie durch England, eine gefühlvoll erzählte Liebesgeschichte und die Entwicklungsgeschichte eines jungen Mädchens.
Wer nicht zu viel von der Geschichte erwartet, kann das Buch geniessen, wenn auch der Beginn und das Ende zu wünschen übrig lassen. Der Mittelteil war meiner Ansicht nach spannend und packend.

Rachel Ward
Numbers
Time to Run
TB, 2009
Chicken House

978-1-905294-93-0 

08.03.2012 um 20:02 Uhr

[Challenges] 52 Bücher - Woche 13 - 18

von: Jari   Kategorie: 52 Bücher

 
Was habe ich die letzten Wochen gemacht?!
 
Monster
 
Als ich dieses Thema sah, dachte ich ganz spontan an folgendes Buch:
 
 
Paul Cleave - Der siebte Tod
 
Dieses Buch wird aus der Sicht eines Frauenmörders erzählt. Eine Geschichte, die man lesen kann, aber es auch sein lassen kann. Ich habe es damals gelesen, weil ich gerade in einer "Ich-hasse-alle-Männer"-Phase war. Dazu passte das Buch einfach perfekt, da in der Mitte eine Szene geschildert wird, in welcher unser Frauenmörder eines seiner Anhängsel einbüssen muss. Für mich war diese Szene ein wahrer Genuss ;)
 
Das Fahrrad in der Weltliteratur
 
Nun, unter "Weltliteratur" geht das Buch, das mir in den Sinn kam, nicht. Aber ich hoffe, dass es trotzdem akzeptiert wird. Eigentlich weiss ich noch nicht einmal mehr, wie das Buch richtig heisst oder wer es geschrieben hat. Also leider auch kein Bild davon.

Hätte ich ein Bild, würdet ihr es auch sofort erkennen, weshalb ich dieses gewählt habe. Das Büchlein, ich glaube, es hiess Ich wäre gerne eine Möwe hat mir meine Mutter aus dem Secondhand-Laden mitgebracht.
Es ist nur ein kleines Büchlein, geht einem jedoch ans Herz. Erzählt wird die Geschichte eines Mädchens, das ihre Ferien in Norddeutschland verbringt und sich dort unter anderem auch verliebt. Aber eigentlich steht ihre eigene Entwicklung im Vordergrund.
 
Direkt auf dem Cover ist die Protagonistin mit ihrem Fahrrad abgebildet. Sie ist gerade daran, abzuheben. Es ist ein wirklich süsser Buchumschlag.
Vielleicht kennt jemand hier die Geschichte?
 
Greif dir das Buch, das jetzt in diesem Moment in Griffweite liegt bzw. welches sich am nächsten bei Dir befindet
 
 
Yann Martel - Life of Pi
 
Zu deutsch: "Schiffbruch mit Tiger"
Meine aktuelle Lektüre. Liegt deshalb neben mir, weil ich heute noch darin lesen möchte. 10 Seiten, um genau zu sein ;)
Erzählt wird die Geschichte von Pi, der auf der Reise von Indien nach Kanada Schiffbruch erleidet. Er kann sich auf einem Rettungsboot in Sicherheit bringen. Obwohl - Sicherheit... Mit einem Bengalischen Tiger an Bord?
Tja, man darf gespannt sein ;)
 
Romantisches Zeuchs!
 
Dazu gibt es ja eine riesige Auswahl, nur leider lese ich nicht unbedingt solche Sachen ;)
 
 
 
Ursula Jones & Sarah Gibb - The Princess, Who Had No Kingdom
 
Ich muss euch dieses Buch einfach noch einmal in Erinnerung rufen! Bevor ich jetzt mit irgendwelchen Frauen-treffen-Männer-Büchern ankomme, weise ich lieber noch einmal darauf hin, dass dies ein wirklich schönes Bilderbuch ist!
Dass es perfekt zum Thema "Romantisches Zeuchs!" passt, ist doch wohl klar, oder? Es ist wirklich niedlich. Natürlich mit viel Rosa, aber der Collagen-Stil des Buches kann man nicht anders als mit "romantisch" beschreiben. Er ist so zart und feinfühlig. Ach, ich liebe das Buch einfach!
Und ja, die Liebe findet sich auch in dieser Geschichte! 
 
Wie wär’s also mit Büchern, die man am Anfang so überhaupt gaaaaar nicht lesen wollte, weil beim Lesen des Titels und Klappentextes alle nur erdenklichen Klischees der Welt das Gefühl von Och-nich-noch-so’n-Buch herbeiriefen… sich dann aber – auf Drängen und Nötigungen anderer doch das Lesen aufgezwängt – das Buch als kleiner Schatz entpuppt hat, bei dem es schade gewesen wäre, das man es nicht gelesen hätte. 
 
Kopiert von Fellmonsterchen, weil ich zu faul war, um alles abzuschreiben.
 
Paulo Coelho - Veronika beschliesst zu sterben
 
Ich habe mich lange gewehrt, ich war lange standhaft, aber im Leben eines jeden Lesers kommt irgendwann der Zeitpunkt, in welchem er schwach wird und nach Coelho greift.
Auch ich erlebte diesen Moment, dachte "Naja, was willst du mit Coelho?" und schwupp - schreibt man eine super-duper Rezi dazu... Toll gemacht...
Aber die Geschichte um Veronika und ihren Beschluss, zu sterben, ist einfach wunderschön. Sie ist gut erzählt und man fühlt sich in der Geschichte geborgen. Definitiv ein gutes Buch. Auch wenn ich mich lange dagegen gewehrt habe...
 
Federvieh
 
Jetzt muss ich nachdenken...
 
 
Nalini Singh - Engelskuss
 
Hier geht es auch um Federvieh. Engel und so. Die haben auch Federn!
Die Geschichte handelt von... Wovon handelt sie nochmal? Bis auf eine erotische Knutschszene habe ich das meiste davon wieder vergessen... Nalini sollte bei ihren Kätzchen bleiben...

06.03.2012 um 20:28 Uhr

[Rezension] Fremde Welten

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Der kleine Cedric und seine Mutter sind arm, aber sie leben ein glückliches Leben und hängen sehr aneinander. Doch von einem Tag auf den anderen soll sich dies ändern, denn Cedric ist der Enkel eines reichen Grafen in England. Dieser will den Jungen nun zu sich in sein Schloss holen. Über den Alten sagt man, dass er jähzornig und mürrisch ist. Wie wird er auf den gutmütigen Cedric reagieren?

Die junge Mary reist nach dem Tod ihrer Mutter von Indien nach England. Dort erwartet sie nichts weiter als ein Moor, ein riesiges Haus und nichts zu tun. Also macht sich das Mädchen auf, diesen Garten zu entdecken. Und plötzlich verändert sich alles auf dem weitläufigen Landsitz ihres Onkels... 

Meine Meinung:

Die Geschichten "Der kleine Lord" und "Der geheime Garten" von Frances Hodgson Burnett gehören zu jenen Jugendbuchklassikern, von denen man schon einmal entfernt etwas gehört hat, ohne sie jedoch je gelesen zu haben. Allerhöchste Zeit, dies nachzuholen!

Diese Ausgabe von Bassermann vereint die beiden berühmtesten Geschichten von Burnett. Liest man sie gleich nacheinander, realisiert man, dass sich die Autorin während der Jahre schriftstellerisch und auch bezüglich der Charaktere weiterentwickelt hat.

Ist in "Der kleine Lord" die Hauptperson Cedric noch von Beginn an ein guter Junge, der zuerst an seine Mitmenschen und erst dann an sich selber denkt, so ist Mary eine Figur, die man erst einmal lieb gewinnen muss.

"Der kleine Lord" ist eine richtige Wohlfühlgeschichte, in der von Anfang an klar ist, dass sie gut ausgehen muss. Ich habe sie sehr gerne gelesen und gewann auch den kleinen Cedric lieb. Es ist eine schöne Geschichte, jedoch wirklich umgehauen hat mich "Der geheime Garten".

Mary ist anfangs ein mürrisches Kind, das man auch als Leser einfach nicht gerne haben kann. Doch je mehr sie sich in den Garten vorwagt, desto mehr verändert sie sich. In dieser Geschichte ist die Charakterentwicklung wirklich gelungen und so verarbeitet, dass sie auch dem Leser glaubhaft erscheint.

Beide Geschichten gehen einem ans Herz. Auch die Beschreibungen der Umgebung lassen einen aufseufzen und man vergisst die Tristesse des Alltages. Ich versank ganz und gar in Burnetts Erzählungen, wozu auch die schöne Sprache beitrug. Die Geschichten, um 1900 geschrieben, lassen den alten englischen Charme aufleben und lassen sich trotzdem noch von Kindern im 21. Jahrhundert lesen. 

Fazit: 

Burnett hat mich mit ihren gefühlvollen Kindergeschichten ganz in ihren Bann gezogen und ich möchte das Buch jedem weiterempfehlen, der gerne Kinderbücher liest.
Das Buch strotzt nur so von altem englischen Charme und ist für jeden geeignet, der England mag. Sucht jemand Futter für die Seele, sind diese Geschichten ebenfalls sehr gut geeignet.

Noch jetzt kehre ich gerne in den geheimen Garten zurück und denke an Marys Abenteuer. Was für eine tolle Geschichte! 

Frances Hodgson Burnett
Der kleine Lord/Der geheime Garten
HC, 2011
Bassermann

9783809428411

Originalausgabe: The Little Lord Fauntleroy/The Secret Garden
 1886 & 1909

02.03.2012 um 19:34 Uhr

[Rezension] Liebeshungrig

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Als die verheiratete Anna Karenina auf den Lebemann Wronski trifft, nimmt eine der berühmtesten Liebesgeschichten der Weltliteratur ihren Lauf. Leidenschaftlich stürzt sich Anna in die Affäre mit Wronski. Doch das Paar hat mit viel Widerstand zu rechnen, brechen sie doch alle Kontroversen der damaligen Zeit…

Meine Meinung:

Leo Tolstois „Anna Karenina“ ist etwas ganz Besonderes. Lange habe ich gezögert, mich an einen der „Grossen Russen“ heranzuwagen, doch ich bin froh, dass ich es getan habe.

Erst einmal will ich anmerken, dass die Übersetzung von Hermann Röhl wirklich angenehm zu lesen ist. Keine Schlangensätze, wie ich es erwartet hatte, keine Ausdrücke, über die man stolpert, und keine ellenlangen Reden. Röhl behält die Sprache des 19. Jahrhunderts bei, was dem Buch seinen Charme lässt. Dennoch war ich überrascht, wie flüssig und süffig sich ein Tolstoi lesen lässt.

Doch nicht nur deswegen war ich bald in der Welt der Anna Karenina versunken.
Tolstoi hat ein Auge fürs Detail. Er beschreibt das Leben und das Lieben im damaligen Russland liebevoll und detailliert. Natürlich entstehen auf diese Weise auch gewisse Längen, die ich nur quer gelesen habe. Aber das Bild im Ganzen ist sehr lebendig und faszinierte mich. Man erfährt so Vieles über das Leben von damals. Oftmals war ich baff, dass die Geschichte eigentlich „erst“ etwa 150 Jahre alt ist. Die Gepflogenheiten von früher sind ganz anders als unsere heutigen.

Trotzdem ist „Anna Karenina“ eine zeitlose Geschichte, die sich mit Themen befasst, die auch im 21. Jahrhundert noch überaus aktuell sind. Die Liebe, das Betrügen, die richtige Entscheidung treffen. Annas Hunger nach Liebe. Aufstehen, nachdem man hingefallen ist.
Mit seiner speziellen Beobachtungsgabe hat es Leo Tolstoi fertig gebracht, Figuren zu zeichnen, mit denen man mitfühlen und mitleiden kann. Die Charaktere sind so plastisch beschrieben, dass man meint, man sässe neben ihnen und höre sie sprechen. Alle auftretenden Figuren haben ihre guten und ihre schlechten Seiten und Tolstoi macht sich die Mühe, sie alle aufzuzeigen. Kein Mensch ist einfach nur gut oder einfach nur schlecht.

Besonders beindruckt hat mich auch Tolstois Beschreibungen der Gefühle. Er lässt nicht nur jeden Charakter zu Worte kommen (sogar den Hund), sondern er lässt den Leser tief in die Gefühlswelt der Protagonisten eintauchen.
Ich war verblüfft, an einigen Stellen meine eigenen Gefühle wiederzuerkennen. Dabei fragte ich mich, wie es ein Mann schafft, die Gefühlswelt einer Frau derart treffend zu beschreiben. Tolstoi über- und untertreibt nicht, er beschreibt bloss, was in den Figuren vor sich geht.

„Anna Karenina“ ist ein Buch zum Weinen und zum Lachen. Manchmal muss man den Kopf schütteln, vielleicht versteht man nicht immer, wieso gewisse Figuren so handeln, wie es tun. Aber ist so nicht das Leben?
Tolstoi beschreibt auch das richtige Leben. Das Leben von damals. Wie Bauern ihre Arbeit verrichten. Die Haltung der höher Gestellten. Wie man Kinder erzog. Auf diese Weise erhält man einen einzigartigen Einblick in eine Welt, die längst vergangen ist. Doch Tolstoi lässt sie für uns wieder auferstehen.

Fazit:

Ein absolut lesenswertes Werk, ich bin sehr froh, dass ich mich an „Anna Karenina“ gewagt habe. Das Buch ist faszinierend, wenn es auch Stellen aufweist, von denen ich dachte „Wieso muss ich das wissen?“.

Es mag kein Buch für jedermann sein. Man muss geduldig sein, mit den Figuren, aber auch mit den knapp tausend Seiten. Ich wurde dafür mit einer ausgezeichneten und unkitschigen Liebesgeschichte belohnt, die ihresgleichen sucht.

Leider ist in der von mir gelesenen Ausgabe kein Glossar vorhanden, was man zum Verständnis ab und an jedoch dringend benötigt.

Leo Tolstoi
Anna Karenina
HC, 2010
Anaconda

978-3-86647-475-8

Aus dem Russischen von Hermann Röhl
Originalausgabe: Anna Karenina
Moskau 1878 

02.03.2012 um 16:49 Uhr

[Das Buch des Monats] Februar 2012

von: Jari   Kategorie: Das Buch des Monats

Das Buch des Monats Februar ist überraschenderweise nicht "Anna Karenina", obwohl es den ganzen Monat danach aussah. Denn Ende Monat las ich ein Buch, das Anna von ihrem Thron auf den zweiten Platz verbannte. Es war dieses hier:
 
 
Frances Hodgson Burnett - Der kleine Lord/Der geheime Garten
 
Bisher bin ich noch nicht dazu gekommen, eine Rezi dazu zu schreiben, aber ich beeile mich damit. Anna ist schon rezensiert, muss nur noch veröffentlicht werden. Alles  zu seiner Zeit ;)

02.03.2012 um 14:29 Uhr

[Monatsstatistik] Februar 2012

von: Jari   Kategorie: Bücherlisten

Gelesen:

1. Bodenmann & Brändli - Was Paare stark macht         
2. Eleonore Jacobi - Tarot für Liebe und Partnerschaft        
3. Lew Tolstoi - Anna Karenina         
4. Christine & Christopher Russell - Die Schaf-Gäääng: Ab durch die Wüste       
5. L. Ron Hubbard - Das freie Wesen (Rezension: Wenn man es nicht all zu ernst nimmt, ist es eigentlich ganz lustig ;) Bewertungsfrei
6. Terry Pratchett - Die Farben der Magie         -         
7. André de Guillaume - Weltherrschaft für Anfänger         
8. Der perfekte Blowjob          
9. Frances Hodgson Burnett - Der kleine Lord/Der geheime Garten         

Gesamt gelesen 2012: 18

02.03.2012 um 10:21 Uhr

Jari liest... Rachel Ward

von: Jari   Kategorie: Jari liest...

Rückentext:

Since the day her mother died, Jem has known about the numbers. When she looks in someone's eyes, she can see the date they will die. Life is hard, until she  meets a boy called Spider. Suddenly her world seems brighter. But on a trip to London, Jem foresees a chain of events that will shatter their lives for ever...

01.03.2012 um 21:11 Uhr

[Rezension] Sturz vom Rande

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt: 

Als der vieräugige Zweiblum in der Stadt Ankh-Morpok auftaucht, steht dort plötzlich alles Kopf. Eigentlich will Zweiblum nichts anderes als sich die Welt ansehen. Als Reiseführer hat er dazu den Zauberer Rincewind auserkoren, der nur rein theoretisch ein Zauberer ist.

Gemeinsam macht sich das Duo auf eine Reise, in der so ziemlich viel schief läuft und Zweiblum sehr vieles zu sehen bekommt, wovon er niemals zu träumen gewagt hätte…

Meine Meinung:

„Die Farben der Magie“ ist der Auftakt zu den unzähligen Romanen um Terry Pratchetts berühmte Scheibenwelt-Romane.

Erst hatte ich einige Mühe, um in das Universum Pratchetts einzusteigen. Vieles wurde bloss angedeutet, es gab zu viele Sprünge in der Geschichte und ich konnte mir schlecht merken, wer wer war. Dies bereitete mir einige Mühe und ich musste mich auch erst an Pratchetts Humor gewöhnen.

Jedoch bin ich froh, dass ich dann doch weitergelesen habe, denn nach den ersten 50 Seiten änderte sich meine Meinung und ich las den Rest des Buches mit grosser Freude.
Rincewind und Zweiblum sind ein sehr unterhaltsames Gespann, das, wenn man Pratchetts Humor mag, wirklich lustige Sachen erleben. Es ist eine rasante Reise quer durch eine faszinierende Welt.

Einige Szenen im Buch hätten vielleicht nicht sein müssen, sind aber trotzdem lustig zu lesen. Vor allem beschreibt Pratchett die Magie der Scheibenwelt aufgrund physikalischer Grundlagen, was der Geschichte etwas Glaubhaftes gibt. Man wedelt nicht bloss mit einem Zauberstab, sondern arbeitet mit Energie. Auch wenn diese Energie manchmal stark an unsere Atomkraft erinnert… 
Überhaupt hat Pratchett viele Dinge eingebaut, die stark an unsere Welt erinnern, jedoch für die Scheibenwelt abgeändert wurde. Diese Parallelen zu entdecken macht Spass und ist ein kleines Bonbon in der Geschichte.

Pratchetts Figuren sind skurril und irgendwie muss man sie in ihrer Eigenartigkeit einfach mögen. Wichtig ist jedoch, dass man sich mit dem Humor des Autoren versteht. Sein Witz ist leicht subtil, er setzt nicht auf den grossen Brüller, sondern auf eine lustige und unterhaltsame Geschichte mit besonderen Ideen.

Fazit:

Als Einstieg in ein neues Universum ist der erste Band immer empfehlenswert, wenn auch hier der Beginn der Geschichte nicht ganz gelungen ist. Wer in die Scheibenwelt einsteigen möchte, findet hier einen lustigen Roadmovie vor, der Lust auf weitere Abenteuer macht. In der Scheibenwelt gibt es viel zu entdecken.

Jedoch sollte man Pratchetts Art von Humor mögen, ansonsten ist das Buch bloss öde und wirkt vielleicht auch etwas gewollt. Nachdem ich mich an Pratchett angenähert hatte, mochte ich seinen Humor sehr gerne.

Nach einem schwierigen Start hat mich die Geschichte dann doch noch gepackt und „Die Farben der Magie“ war sicherlich nicht mein letzter Pratchett.

Terry Pratchett
Die Farben der Magie
Ein Roman von der Bizarren Scheibenwelt
TB, 10. Auflage 2011
Piper

978-3-492-28510-0 

Aus dem Englischen von Andreas Brandhorst
Originalausgabe: The Colour of Magic
Colin Smythe Ltd., Grossbritannien 1983