Jaris Büchergebrabbel

28.06.2012 um 20:29 Uhr

Jari liest... Pip Ballantine

von: Jari   Kategorie: Jari liest...

Rückentext:

Ein bedrohlicher Schatten liegt über London. An den Ufern der Themse werden blutleere Leichen angeschwemmt. Eliza Braun, furchtlose Agentin der Krone, deren Markenzeichen ein kugelsicheres Korsett und eine besondere Vorliebe für Dynamit sind, nimmt die Ermittlungen auf. Ihr zur Seite steht der Archivar Wellington Books. Gemeinsam kommen sie einer dunklen Bruderschaft auf die Spur, die ganz Grossbritannien unterjochen will.
 

24.06.2012 um 18:13 Uhr

[Rezension] Stummfilm

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Ein Zirkus, der nur nachts Vorstellungen gibt. Ein Zirkus, der einfach auftaucht, ohne dass jemand damit rechnet. Ein Zirkus, der einfach anders ist, als alles, was man sich vorstellen kann. Ein Zirkus voller Magie.

Dieser Zirkus ist Austragungsort einer Wette, die die unterschiedlichsten Menschen zueinander führt. Niemand wer, weiss die Fäden zieht, niemand weiss, dass es diese Wette gibt. Doch für Celia und Marco ist es ihr ganzes Leben... 

Meine Meinung:

In letzter Zeit wurde viel Furore um "Der Nachtzirkus" von Erin Morgenstern gemacht. Augenblicklich fragte ich mich, ob das Buch wirklich so gut sei, wie von allen Seiten behauptet. 

 

Das Buch kann einen als Leser leicht bis stark verwirren. Auch jetzt, nachdem ich es ausgelesen habe, sind noch nicht alle meine Fragen geklärt, noch nicht alle Fäden entwirrt. Ein wenig surrt mir der Kopf.

Überhaupt muss man sich auf Vieles gefasst machen, wenn man den "Nachtzirkus" lesen möchte. Erstens ist die Geschichte im Präsenz geschrieben, was sicherlich gewöhnungsbedürftig ist. Andererseits spielt das Buch auf zwei (oder je nachdem sogar mehr) Zeitebenen. Zum Schluss treffen diese beiden Stränge aufeinander, doch bis dahin weiss der Leser nicht, inwiefern und inwieweit diese beiden Geschichten zusammenhängen.

 

Wie man sieht braucht es für dieses Buch Geduld. Hat man diese, entspinnt sich eine magische Geschichte, in der die Liebe zwar vorkommt, aber angenehm zurückhaltend ist. Die Autorin setzt voll und ganz auf die Magie, eine Magie, die sich vor dem Leser entrollt, aber doch immer undurchschaubar bleibt. Daher rührt die Faszination und man kann das Buch tatsächlich als magisch und bezaubernd beschreiben. Viele Szenen gehen einem ans Herz und ich fühlte mich oft selbst in den Zirkus versetzt und ging staunend zwischen den einzelnen Zelten umher.

Doch leider blieb die Spannung in der Geschichte aus. Ich hatte viele Fragen, dennoch das Buch liess sich gut weglegen und ich las tagelang nicht darin. Es ist definitiv ein gutes Buch, ich mag die unterschiedlichen Charaktere, die Farbgebung des schwarz-weiss-rot (die auch in der Geschichte vorkommt), die Szenerie - aber etwas fehlte mir trotzdem. Das grosse BENG, um es zu einem "sehr guten" Buch werden zu lassen.

Trotzdem fand ich vor allem am zweiten Erzählstrang sehr viel Freude und war auch auf emotionaler Ebene dabei. Während des Lesens dachte ich bloss in schwarz-weiss, alle anderen Farben wirkten nur gedämpft. Ein passendes Setting für eine solch magische Geschichte.
Morgenstern schafft es, unser Bild von Hexen und Zauberern auf den Kopf zu stellen. Die Magie, die hier vorkommt, ist etwas ganz Anderes. Dies macht die Idee zu einer frischen Brise, die durch die aktuellen YoungAdult-Bücher weht.

Fazit: 

Obwohl mich "Der Nachtzirkus" nicht von den Socken gerissen hat, ist es sicherlich lesenswert. Vor allem Leser von Oliver Plaschkas "Die Magier von Montparnasse" werden sich in Morgensterns Welt wohl fühlen.

Die Zielgruppe dieser Geschichte sind zwar Jugendliche, aber auch Erwachsene können getrost zu diesem Buch greifen. Denn in der Welt des "Nachtzirkus" gibt es viel zu entdecken...

Erin Morgenstern
Der Nachtzirkus
HC mit Schutzumschlag, 2011
Ullstein

978-3-550-08874-2 

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit
Originalausgabe: The Night Circus
Knopf Doubleday, New York 2011

23.06.2012 um 21:56 Uhr

[Kurzgebrabbel] Romeo & Julia

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

Kurzgebrabbel ist eine neue Kategorie, die ich für Bücher benutzen werde, die z.B. zu einer Reihe gehören. Da sich Reihenbücher in Schreibstil und Aufbau oft ähnlich sind, weiss ich ab einem gewissen Band gar nicht mehr, was ich schreiben soll (z.B. bei Nury Vittachi oder Yasmine Galenorn).
Also werde ich eine Kurzrezi dazu abgeben. Diese Rezis erinnern stark an den früheren Aufbau meiner Rezensionen. Die kurzen werden nicht so ausführlich sein, wie die normalen Eindrücke, aber ich möchte dennoch etwas zum Buch schreiben. Deshalb also diese Kategroie.
 
Einweihen dürfen die neue Kategorie übrigens die Kampfkätzchen:
 
Feuerpfote hat es geschafft! Endlich ist er ein richtiger Krieger und ab nun heisst er nicht mehr Feuerpfote sondern Feuerherz.
Um sich gross zu freuen bleibt jedoch nicht lange Zeit, denn der Winter naht und damit eine karge und entbehrungsreiche Zeit im Wald. Aber nicht nur die Jahreszeit zehrt an Feuerherz' Kräften, auch der Streit mit seinem besten Freund und die Frage, ob er im Clan je akzeptiert wird, belastet ihn. Genau dann verbünden sich zwei Clans und der Krieg steht praktisch schon vor der Tür...
 
Ein weiteres Mal liess ich mich in die Welt der Kampfkätzchen entführen und fand es ein weiteres Mal einfach toll. Wieder sass ich wie gebannt vor diesem Buch. Einmal fing ich fast an zu weinen, ein anderes Mal wurde ich von Ärger gepackt und immer liegt diese Spannung in der Luft. Das Gefühl, dass bald wieder etwas Schlimmes passieren wird.
Bei all diesen Gefühlen, die ich während des Lesens empfinde, kann ich einfach nicht anders als sagen, dass Warrior Cats gut ist. Ein Buch, das einen so mitnimmt, dass man seine Gedanken nicht mehr davon losbekommt, ja, das muss einfach gut sein.
Während des Lesens ist mir aufgefallen, dass Hunter sehr viele Themen aus dem menschlichen Alltag aufgreifen: Streit zwischen Freunden, die erste Liebe, Zugehörigkeitsgefühl. Meiner Meinung nach wurden diese Themen sehr gut verarbeitet, nämlich ohne gleich mit dem erhobenen Zeigefinger zu winken. Alles geht sehr subtil ab und vor allem das Ende fand ich sehr anrührend.
Ansonsten kann ich meiner Rezension zu Band eins nichts mehr hinzufügen. Ausser, dass ich mich noch immer frage, wie eine Katze mit den Achseln zuckt. Meine hat das noch nie gemacht...
 

22.06.2012 um 21:08 Uhr

[AA - Alles Andere] Blogigo in Frankfurt

von: Jari   Kategorie: AA - Alles Andere

Vor einigen Monaten kam hier einmla das Thema auf, dass sich Blogigos Leseratten doch mal an der Buchmesse in Frankfurt treffen könnten. Es gab auch einige Interessenten.
 
Nun wollte ich euch anfragen, ob jemand von euch tatsächlich Lust hat, diese Idee weiter zu verfolgen. Ich würde sehr gerne mal hinfahren und es wäre toll, dabei auch gleich noch jemanden kennen zu lernen.
 
Eure Meinungen, Ideen, Gedanken hierzu? 

18.06.2012 um 17:19 Uhr

[Rezension] Menschen sind wie Luftballons

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Weiss eine kleine Ente, die in einem Pantoffel aufwächst, wer sie ist? Auf ihrer Reise wird sie zum Biber, zur Fledermaus, findet heraus, dass sie eine Ente ist. Doch bei den Enten fühlt sie sich nicht wohl und wird betrogen. Wird die kleine Ente je zu sich selbst finden können?

Meine Meinung:

Paola Mastrocola lässt in "Ich dachte, ich wär ein Panther" ihre kleine Heldin viel durchmachen. Das Buch steht ganz im Zeichen der Selbstfindung. Woher weiss eine Ente, die isoliert aufwächst, dass sie eine Ente ist? Und wieso fühlt sich die Ente nicht als Ente, obwohl sie Mitglied im Club der Enten wird?

Obwohl das Buch in fast schon kindlicher Sprache geschrieben ist, hat die Autorin sehr viel in die Geschichte gepackt. Unsere Identität wird nicht wenig durch unsere Umgebung geprägt, so versucht sich die Ente als Biber, doch graben liegt ihr nicht. Sie wird zur Fledermaus, doch die ewig langen Sitzungen liegen ihr auch nicht. Erst als sie zu sich selber gefunden hat (realisiert, dass sie Flügel hat), wird sie glücklich.

Vielleicht mag man denken, dass ein solches Thema schwer und unverdaulich sein mag, doch Mastrocola hat ein herzerwärmendes und -ergreifendes Buch geschrieben, das uns schmunzeln lässt oder uns zu Tränen rühren kann.

Zitat Seite 99:
(...) aber die Menschen, die verschwinden manchmal, vor allem ganz besondere Menschen, die man unter Umständen gerade erst kennengelernt hat und die man unter gar keinen Umständen wieder verlieren will, die man sich am liebsten mit einem Stück Schnur an den Arm binden würde wie einen Luftballon, aber auch Luftballons verschwinden irgendwann, sie fliegen weg, und man selbst bleibt mit diesem dämlichen Stück Schnur am Arm zurück. Und was dann? Dann schaut man dem Luftballon hinterher (...). Wer weiss, wie viele Luftballons im Himmel herumfliegen, alles Luftballons, die wir verloren haben, wir Dummköpfe!

Ganz konkret weiss ich gar nicht, was ich zu diesem Buch sagen soll. Es ist poetisch, es ist klug, es ist eine liebevolle Umarmung, es ist ein Portrait unserer Gesellschaft. Es ist die Geschichte einer kleinen Ente, die auf der Suche nach sich selbst ist. Sich immer wieder verliert und schlussendlich glücklich wird.

Was mich mit diesem Buch verbindet, ist mehr ein Gefühl, das ich nur schwerlich in Worte kleiden kann. Am besten selber lesen.

Fazit: 

"Ich dachte, ich wär ein Panther" ist ein Buch für alle, die sich mit dem Thema 'Identität' beschäftigen. Ob nun für sich selbst oder beruflich. Es regt zum (Nach-)denken an und vermag gleichzeitig, zu verzaubern.

Paola Mastrocola
Ich dachte, ich wär ein Panther
Die Geschichte einer Ente auf der Suche nach sich selbst
TB, 2009
Piper

978-3-492-25303-1

Aus dem Italienischen von Christiane Burkhardt
Originalausgabe: Che animale sei? Storia di una pennuta
Ugo Guanda Editore, Parma 2005 

13.06.2012 um 22:38 Uhr

[Rezension] Die verborgene Trauer des Körpers

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Zwar ist der Körper des 28-jährigen Arzee klein, doch in ihm steckt ein ganzer Mann. Während auf den Strassen Bombays alle auf ihn hinunter starren, ist er es, der im Kino NOOR auf sie hinunter sieht, während er in seinem kleinen Reich hantiert.
Doch dann soll das NOOR geschlossen werden. Arzees Karriere: vorbei. Arzees geplante Hochzeit: geplatzt. Arzees Schulden: unbezahlt.
Was macht ein kleiner Mensch mitten in einer riesigen Stadt in einer solchen Situation?

Meine Meinung:

In Chandrahas Choudhurys "Der kleine König von Bombay" treffen wir auf einen aussergewöhnlichen Charakter: Arzee. Und während des Lesens erfahren wir immer mehr, weshalb er der "kleine König von Bombay ist".

Dennoch ist der König ein ganz normaler Mensch, dies erschliesst sich uns mehr und mehr und darin liegt der Zauber dieser Geschichte. Choudhury spielt auf wundersame Weise mit den Gegensätzen gross und klein. Der Autor schafft es, in seinem Buch einen ganz neuen und vor allem anderen Blickwinkel auf unsere Gefühle und unsere Gedanken zu erlangen.

Die eigentliche Handlung beschränkt sich auf zwei Wochen in Arzees Leben. Doch sind diese zwei Wochen ein ständiges Auf und Ab der Gefühle: Zuerst himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betrübt.
Wir sind direkt dabei, direkt in Arzees Gedanken drin. Zuerst wirkte dies auf mich befremdlich, ich konnte mit Arzee erst nicht viel anfangen. Zuerst so protzig, weil er eine Beförderung erhofft, dann so deprimiert, weil es doch nichts daraus wird.

Aber dann musste ich stutzte ich: Ist es mir denn nicht auch schon so ergangen? Kannte ich diese Empfindungen nicht alle aus meinem eigenen Leben?
Von diesem Moment an war ich vollkommen dabei und folgte Arzees Odysse durch Bombay. Ich leidete mit ihm, ich freute mich mit ihm und lächelte bei dem Gedanken, wie er langsam Freundschaft schliesst. Freundschaft mit sich und der Welt.

Auch der Schreibstil, der auf den ersten Blick nichts Besonderes scheint, entpuppt sich als etwas Aussergewöhnliches. Die Sätze sind federleicht, sie sind nicht hochliterarisch, aber dennoch scheint Choudhurys Sprache zu schweben, sich zu erheben. Hier passt sich die Sprache der Geschichte an, nicht umgekehrt. Je nach Gefühlszustand verändert sie sich plötzlich. Dümpelten die Sätze erst noch gemächlich vor sich hin, werden sie plötzlich zu Stromschnellen, nur um dann ganz ruhig zu werden.

Choudhury hat sich wirklich mit seiner Figur beschäftigt, so sehr, dass die Nebencharaktere fast schon etwas erblassen. Dafür wird Arzee praktisch lebendig. Mit psychologisch feinem Gespür erzählt der Autor, was im Zwerg Arzee vor sich geht. Es ist Arzees Angst, Arzees Trauer, Arzees Freude, Arzees Liebe - und dennoch ist es genauso meine Angst, meine Trauer, meine Freude, meine Liebe.

Und das alles vor dem schillernden Hintergrund Bombays. 

Fazit: 

"Der kleine König vom Bombay" ist eine prächtige Geschichte, die Lesern von "Rupien! Rupien!" auch gefallen könnte. Man sollte sich im Klaren sein, dass hier die Gefühle, vor allem das "Sich Klein Fühlen" und das "Sich Gross Fühlen" im Vordergrund stehen.

Für mich war es eine besondere und aussergewöhnliche Lektüre, die, obwohl anfangs skeptisch, mich bald schon mitgerissen und begeistert hat. Dass Choudhury zwar ein Happy-End eingebaut, aber etwas Wichtiges offen gelassen hat, macht mich auch jetzt noch ganz kribbelig. Ein alles in allem sehr stimmiges Buch. Wunderbar und zauberhaft.

Chandrahas Choudhury
Der kleine König von Bombay
Broschiert, 2012
dtv

978-3-423-24917-1

Aus dem Englischen von Kathrin Razum
Originalausgabe: Azree the dwarf
Harper CVollins, Indien 2009

11.06.2012 um 08:37 Uhr

[Rezension] Die Herzlosen

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Nina mag Flohmärkte, doch bisher hat sie noch nicht das gefunden, wonach sie wirklich gesucht hat. Eines Tages entdeckt sie jedoch eine Puppe mit feuerrotem Haar auf einem dieser Märkte. Sofort weiss das Mädchen, dass Widu die Puppe ist, nach der sie ihr Leben lang gesucht hat.
Nina nimmt Widu, die Puppe, mit zu sich nach Hause und findet in ihr die beste Freundin und weiseste Lehrerin, die sie je hatte. Widu nimmt ihr die Ängste, steht Nina bei und erklärt ihr die Welt der Erwachsenen.
Doch wie alle Puppen hat Widu kein Herz, denn hätte sie ein Herz, würde sie alt werden und sterben. Ohne Herz ist sie unsterblich. Als Nina jedoch schwer krank wird, muss Widu sich die Frage stellen, wie sie ihr Leben wirklich verbringen will...

Meine Meinung:

"Das Herz der Puppe" ist ein Kinderbuch von Rafik Schami, empfohlen ab zehn Jahren. Die Illustrationen stammen von Kathrin Schärer.

In kleinen Episoden erzählt uns Schami die Abenteuer von Nina und Widu. Sie spielen zusammen, unterhalten sich, manchmal streiten sie auch. Einmal geht Widu sogar verloren! Bis zum Schluss werden Dinge beschrieben, die jedes Kind nachvollziehen kann. Puppen sind Helfer und Freunde, Vertraute, mit denen man seine Geheimnisse teilt. Sie sind lebendig, auch wenn es für uns nicht den Anschein haben mag.

Aber Schami erzählt nicht nur einfache Alltagsgeschichten, sondern bei ihm spielt auch das Magische, das Übernatürliche, das Unerklärliche eine Rolle. Wie sieht das Puppenland aus, in das Widu manchmal reist, wenn Nina schläft? Ab wann ist man erwachsen? Ist der Tod etwas Schlimmes?
Der Autor stellt sich um dem Leser Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind. Doch Widu findet eine Erklärung, die auch für Kinder greifbar ist. Vielleicht verstehen die jungen Leser nicht alles, was in diesem Kinderbuch versteckt ist, aber das müssen sie auch nicht. Diese Teile sind vielleicht den Erwachsenen vorbehalten, die das Buch vorlesen. Wer weiss?

Dennoch bin stehe ich dem Buch zwiegespalten gegenübert. Einerseits ist es eine wirklich anrührende und bewegende Geschichte, die einen auch mal lächeln lässt, andererseits war mir Widu über lange Zeit unsympathisch. Sie kommt mir viel zu oft mit dem erhobenen Zeigefinger daher, oftmals nimmt sie ihn nicht einmal mehr runter. Ausserdem ist sie ein schlimmer Besserwisser und zwar auf eine Art und Weise, die mir nicht gefällt.
Auch die Illustrationen von Kathrin Schärer gefallen mir nur teilweise. Aber das muss wohl jeder für sich entscheiden. 

Fazit: 

"Das Herz der Puppe" ist ein Kinderbuch für junge und vor allem erwachsene Leser. Es ist ein Kinderbuch mit Tiefgang, über das sich gut diskutieren lässt.
Alles in Allem muss ich sagen, dass es immer noch am besten ist, wenn man Rafik Schami sie selbst erzählen hört.

Rafik Schami
Das Herz der Puppe
HC, 2012
Hanser

978-3-446-23896-1

Mit Illustrationen von Kathrin Schärer 

10.06.2012 um 22:38 Uhr

BücherQuotes #29

von: Jari   Kategorie: BücherQuotes

"Die Liebe ist die wahre Heimat der Phantasie. Erwiderte Liebe - ein Paradies, das allein aus zwei in Einklang gebrachten Phantasien besteht."
 
Seite 88
 

10.06.2012 um 20:36 Uhr

[Jari liest... Chandrahas Choudhury

von: Jari   Kategorie: Jari liest...

Rückentext:

An einem Tag fühlt Arzee sich wie ein Bettler, und am nächsten wie ein König. Unter dem Dach des "Noor", einem der letzten legendären Lichtspielhäuser, das nur alte Filme zeigt, ist er gross - spät nachts, wenn er allein durch die menschenleeren Strassen Bombays nach Hause geht, ganz klein.

Arzee ist jeder von uns, jeder, dessen Träume mitunter von Ängsten gelähmt werden, jeder, der sich schon einmal klein gefühlt hat - angesichts einer Riesenstadt, eines unlösbaren Problems oder ganz einfach: angesichts des Lebens. 

 

09.06.2012 um 22:56 Uhr

[Rezension] Seelenhandel

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Um das Geheimnis von Leben und Tod zu ergründen, hat Johannes Cabal seine Seele an den Teufel verkauft. Aber ohne Seele ist das Leben nur halb so toll, deshalb lässt sich Cabal auf eine Wette mit dem Teufel ein:

Einhundert Seelen in einem Jahr soll der Nekromant dem Teufel zukommen lassen. Ein schier unmöglicher Deal. Als Hilfe erhält Cabal von Satan einen Zirkus voller Untoten und Monstrositäten überreicht. 

Als Geheimwaffe zieht Johannes jedoch noch seinen Bruder Horst, den Vampir, an Bord und gemeinsam ziehen sie nun mit dem Zirkus durchs Land, um den Menschen ihre Seelen abzuknöpfen. Doch wie weit darf man dabei eigentlich gehen...?

Meine Meinung:

Das Cover von Jonathan L. Howards erstem Buch um Johannes Cabal "The Necromancer" hat mich sofort fasziniert. Die Beschreibung "devilishly thrilling comic fantasy" löste den Kaufreiz aus und diese Worte treffen tatsächlich voll ins Schwarze.

Das Buch ist makaber, lustig, traurig und sehr englisch. Die Verbindung von Dämonen und Teufeln mit englischem Humor ist bei mir eine Garantie dafür, dass mir eine Geschichte gefällt. Auch bei "Johannes Cabal: The Necromancer" war dies der Fall.

Zwar hat das Buch ab und an ein paar Längen, aber diese sind zu verkraften. Der Höhepunkt der Geschichte erfolgt erst auf den letzten paar Seiten, doch dann war ich nagelkauend dabei und musste bei der berührenden Bruderszene sogar ein paar Tränen verdrücken.

Doch das Buch war eine kleine Herausforderung, denn es ist bei Weitem nicht leicht zu lesen. Howard verwendet viele Slangausdrücke und Worte, bei denen Schulenglisch definitiv nicht ausreicht. Ich habe schon einige englischsprachige Bücher gelesen und dieses hier war tatsächlich das Komplizierteste. Dies muss wohl der Grund sein, weshalb Cabal so lange auf dem SUB schlummerte.

Aber der schwarz gekleidete Nekromant mit Sonnenbrille (MiB lassen grüssen) hat es mir von den ersten Seiten an angetan, deshalb kann ich es mir nicht nehmen lassen, auch die nächsten Bände zu lesen. Im Übrigen ist es lustig, zwischen all den englischen Wörtern, plötzlich über ein "Scheisskopf" zu stolpern. Cabal flucht gerne auf Deutsch...

Cabal wird als Jugendbuch eingestuft, die deutsche Ausgabe kommt sogar fast als Kinderbuch daher. Doch ich persönlich würde das Buch erst ab ca. 15 oder 16 Jahren empfehlen, da es hier wirklich Schwarz und Dunkel zu und her geht. Nicht blutig, aber der Tod ist bei Cabal Thema Nummer ein. So bringt zum Beispiel eine junge Mutter ihr Baby um oder ein Geist tritt auf, der sich selbst ermordet hat und Cabal anlysiert die Blutspuren im Raum. Meiner Meinung nach kein Stoff, der von jungen Lesern gelesen werden sollte.

Fazit: 

Eine herrlich makabare, lustige und mysteriöse Geschichte mit einem "coolen" Protagonisten. Wer "The Gates" von Connolly mochte, wird auch Cabal mögen, wenn er damit umgehen kann, dass es in diesem Buch düster zu und her geht.

Wie gesagt würde ich das Buch nur älteren Lesern empfehlen, denen aber so richtig. Howards Ideen sind köstlich und ich amüsierte mich während des Lesens wunderbar. Und Johannes Cabal ist in der Liste meiner Lieblingsfiguren bis ganz nach oben geklettert.

Jonathan L. Howard
Johannes Cabal
The Necromancer
TB, 2009
Headline

978-0-7553-4785-8

Deutsche Ausgabe

 

Johannes Cabal: Seelenfänger
978-3-442-46996-3 

06.06.2012 um 20:47 Uhr

[Rezension] Zu Tode geschwiegen

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Robert Lubisch hatte nie ein besonders gutes Verhältnis zu seinem Vater Friedhelm Lubisch. Der Tod des Vaters ändert daran auch nicht viel. Als Robert jedoch den Nachlass seines Vaters untersucht, fällt ihm das Foto einer schönen Frau in die Hände. Wer war diese Frau? Wem hat sie diesen verliebten Blick zugeworfen? Das ist das Einzige, was Robert herausfinden will, doch seine Fragen wecken alte Geister, die viele Jahre darauf gewartet haben, endlich frei gelassen zu werden...

Meine Meinung:

Das Buch "Wer das Schweigen bricht" von Mechtild Borrmann ist kleiner und dünner als ich es mir vorgestellt hatte. Es hat etwas mehr als 220 Seiten, 'was kann man davon schon erwarten?', fragte ich mich, nur um mich kurze Zeit später tief versunken in Borrmanns Geschichte wiederzufinden.

Ich bin noch immer baff und muss das Buch erst einmal richtig verdauen. Auf diesen Seiten geschieht so viel, so viel Unerwartetes, so viel Unerhörtes, so viel Drama, Liebe, Wahrheit und Lüge. Es ist nicht bloss eine Geschichte über den Zweiten Weltkrieg, es geht weit darüber hinaus!

Die Geschichte führt uns zurück in die Jahre des Krieges und zu sechs Freunden, die in der Blüte ihrer Jugend stehen. Der Krieg wirft seine Schatten voraus, doch noch sind die Jugendlichen mit sich selber beschäftigt. Ihre Freundschaft hätte ewig währen sollen...

Es ist schwierig, das Buch zuzuordnen, aber das hat es auch nicht nötig. "Wer das Schweigen bricht" ist nicht bloss ein Krimi, sondern eine Liebesgeschichte, ein historisches Dokument, eine Erzählung über das Erwachsen werden, über Freundschaft und die Liebe und wie weit man in ihrem Namen gehen darf.

Nicht nur diese Mischung macht aus diesem Werk etwas Besonderes, sondern auch Borrmanns schreiberisches Talent. Ihre Sprache ist klar und offen, in kurzen Sätzen bringt sie es fertig, genau das zu sagen, was gesagt werden muss. Nicht mehr und nicht weniger. Genau deshalb gehen ihre Sätze derartig unter die Haut. Mehrmals musste ich während des Lesens innehalten, durchatmen, nachdenken, verdauen.

Die Spannung war beinahe nicht auszuhalten, noch jetzt klingelt sie in mir nach. Wenn ich das Buch zur Seite legen musste, zog mich alles gleich wieder zur Lektüre hin. Es liess mir keinen Moment Ruhe und ich las einfach nicht schnell genug. Ich wollte noch mehr wissen und immer mehr und immer überraschte mich die Autorin mit neuen Wendungen und Dingen, die ich niemals vorher gesehen hätte. Hier noch ein Geheimnis, da passiert wieder etwas, wieder kommt eine Tatsache zum Vorschein...

Hätte das Buch mehr Seiten gehabt, ich wäre wahrscheinlich irgendwann geplatzt... 

Es gibt noch so viel zu "Wer das Schweigen bricht" zu sagen, aber ich scheine die Wörter nicht zu finden. Noch immer klingelt alles in mir von der Lektüre nach und ich weiss, dass mich die Geschichte lange nicht loslassen wird.

Es ist schon lange her, seit mich ein Buch derartig mitgerissen hat. Ein grosses Lob an Mechtild Borrmann, die es geschafft hat, ein fast schon verbrauchtes Thema in ein neues, frisches Gewand zu stecken und mir ein unvergleichliches Lesevergnügen beschert hat. 

Fazit: 

"Wer das Schweigen bricht" von Mechtild Borrmann ist für Leser geeignet, die sich intensiv mit Lebensgeschichten und -erfahrungen beschäftigen mögen. Es ist für all jene, die gerne nach Geheimnissen graben, die auch die dunkle und traurige Seite der menschlichen Seele nicht fürchten. Für jene, die ein Buch lesen möchten, das es schafft, einen wirklich umzuhauen.

Mechtild Borrmann
Wer das Schweigen bricht
TB, 9. Auflage 2012
Pendragon

978-3-86532-231-9

06.06.2012 um 18:44 Uhr

[Das Buch des Monats] Mai 2012

von: Jari   Kategorie: Das Buch des Monats

Im Monat Mai habe ich einige gute Bücher gelesen. Eigentlich hätte ich gerne "Traumjäger und Goldpfote" den Preis verliehen, aber da das Buch über einige Längen verfügt, wurde es auf den zweiten Platz verdrängt. Und zwar von:
 
Nina Blazon - Wolfszeit
 
War ja eigentlich auch klar... ;) 

06.06.2012 um 18:39 Uhr

[Monatsstatistik] Mai 2012

von: Jari   Kategorie: Bücherlisten

Gelesen:

Tad Williams - Traumjäger und Goldpfote              
AVI - Das Gold des Alchemisten       
Terry Pratchett - Eric         
Béatrice Rodriguez - Der Hühnerdieb          
Günther Sator - Feng-Shui          
Camille De Peretti - Wir werden zusammen alt                
Tony DiTerlizzi - Im Bann der Elfen             
Nina Blazon - Wolfszeit                
Martin Kintrup - Vegan kochen            
Christian Müller & Daniel Straub - Die Befreiung der Schweiz          
Hanif Kureishi - The Body (abgebrochen)
Walter Moers - Das Labyrinth der Träumenden Bücher            

Gesamt gelesen 2012:  47

04.06.2012 um 20:05 Uhr

[Rezension] Und ewig soll er leben

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Die junge Sybil arbeitet als Magd bei dem seltsamen Thorston. Sie weiss nicht, dass er ein Alchemist ist, der aus Angst vor dem Tod die Alchemie dazu benutzt, ewig jung zu sein. Dazu braucht er jedoch das Leben des Mädchens. Zum Glück erfährt Sybil davon und zusammen mit dem sprechenden Raben Odo setzt sie alles daran, dass Thorston endlich dort bleibt, wo er hingehört: nämlich ins Grab.

Meine Meinung:

Es war das Umschlagbild, das mich dazu veranlasst hat, das Buch „Das Gold des Alchemisten“ von AVI zu lesen.

Das Buch nimmt uns mit ins Jahr 1046, mitten hinein ins Mittelalter. AVI hat den Hintergrund angenehm beschrieben, sodass auch Kinder sich die Umgebung gut vorstellen können. Die Sprache wurde zugunsten des Verständnisses vereinfacht, was ich bei einem Kinderbuch auch verständlich finde. AVI benutzt eine Sprache, die Kinder gut lesen können. Einfache, prägnante Sätze, die dennoch alles ausdrücken, was wichtig ist.

Die Geschichte um Sibyl ist spannend und überraschte mich mit seiner Tiefgründigkeit. Es könnte sein, dass Kinder vielleicht nicht die ganze Tragweite von Sibyls Entwicklung verstehen, für sie steht die fesselnde Geschichte im Vordergrund.

Ich dagegen war, wie schon erwähnt, positiv überrascht. Von der Charakterentwicklung, sowie auch vom ernsten Thema des Buches. Denn „Das Gold des Alchemisten“ ist keineswegs nur ein ordinäres Buch mit mystischen Elementen, sondern behandelt eingehend das Thema Leben und Sterben.

Nicht nur, dass Thorston ewig leben will, weil er sich so sehr davor fürchtet zu sterben, sondern vor allem Sibyl verkörpert das Leben und die Hoffnung. Anfangs hat sie nichts, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Sie ist ein armes Mädchen ohne Familie und ohne Zukunft. Was hat ihr dieses Leben schon zu bieten? Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr realisiert sie, dass es sich dennoch zu leben lohnt. Dass sie leben will. Und dass sie dafür kämpft, dass sie leben kann.

Es war wirklich ergreifend, Sibyl durch ihr Abenteuer zu folgen, ihre Freunde und Feine kennenzulernen und mit ihr zu bangen. Dabei war vor allem Odo ein herausragender Charakter, den ich sofort ins Herz geschlossen habe.

Fazit:

AVI ist ein sehr gescheiter Autor, der grosse Themen und Botschaften gekonnt in eine spannende Geschichte für junge Leser packt. Für mich bot die Lektüre viel Gedankenstoff und ich war verblüfft, was alles zwischen den Seiten von „Das Gold des Alchemisten“ steckt.

Das Buch ist für Kinder ab zehn Jahren gut zu lesen. Man erfährt einiges über das Mittelalter und etwas über Alchemie und die Geschichte packt einen. Als Elternteil könnte man das Buch gemeinsam mit seinem Kind lesen und dann daran ein Gespräch über Leben und Tod anknüpfen, dafür eignet sich dieser Titel hervorragend. AVI verarbeitet diese ernsten Themen auf kindgerechte, unterhaltsame und auch lustige Art und Weise.

AVI
Das Gold des Alchemisten
HC, 2006
Beltz & Gelberg

978-3-407-80968-9

Aus dem Englichen von Anna Blankenburg
Originalausgabe: The Book without words
Hyperion, New York 2005