Jaris Büchergebrabbel

30.10.2012 um 22:35 Uhr

[Rezension] Zu viel Paprika

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Irgendetwas fehlt in Elsas Leben. Zwar führt sie ein erfolgreiches Restaurant, hält regelmässig Schäferstündchen mit dem Küchenchef und hat auch sonst alles, aber etwas fehlt dennoch.
Bis Elsa die Idee hat! Bestimmt ist sie gut genug, um eine der höchsten Auszeichnungen der Gastronomieszene zu erhalten: Die "Silberne Suppenkelle".

Das klingt machbar, sobald man das perfekte Rezept hat (und das hat Elsa!), aber dann geht doch so einiges schief... 

Meine Meinung:

Nach "Valerias letztes Gefecht" freute es mich zu hören, dass Marc Fitten einen zweiten Roman geschrieben hat und natürlich musste ich ihn auch unbedingt lesen. Man sagt, dass das zweite Buch weitaus wichtiger ist als das erste. In diesem Fall hat Fitten es leider nicht mehr geschafft mich zu begeistern.

War die Geschichte um Valeria noch neu und unverfälscht und hatte einen herrlichen ungarischen Flair, so fand ich "Elsas Küche" fade und öde. Der Rückentext propagiert das Buch als witzige Komödie - doch gelacht habe ich kein einziges Mal.

Elsa ist eine der unsympathischsten Figuren, denen ich bisher begegnet bin. Ich mochte sie von Anfang an nicht und mochte sie am Ende nicht. Ihre Probleme sind die Probleme, die sich ein Mensch macht, wenn er alles hat und beginnt, sich zu langweilen. Sie ist gefühlskalt und egozentrisch und in der Mitte verwandelt sie sich plötzlich in einen holden Engel. Nein, ihre Handlungen waren für mich keinesfalls nachvollziehbar.

Das Ende stimmt zwar etwas versöhnlich, ist aber bereits wieder so kitschig, dass es zu viel des Guten ist. Ebenfalls fehlte mir die ungarische Stimmung, die Fitten in seinem Erstling so gekonnt beschrieben hat. "Elsas Küche" könnte überall spielen, das einzig Ungarische in diesem Buch sind die Paprika und über Paprika und Ungarn schreiben hätte jeder gekonnt.

Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, wurde aber leider sehr enttäuscht und war froh, als ich das Buch durch hatte. Wer weiss, ob ich mich an das nächste Buch von Fitten wagen werde, nachdem sein zweiter Roman eine solche Enttäuschung war? 

Fazit: 

Leider keine Empfehlung von mir, wenn es auch schlechtere Bücher geben mag. Bei mir spielt bloss die Enttäuschung eine grosse Rolle. Wer es lesen mag - von mir aus. Ich bin auf Zweitmeinungen gespannt, finde jedoch, dass man seine Zeit für sinnvollere Lektüre verwenden kann.

Marc Fitten
Elsas Küche
Broschiert, 2012
dtv

978-3-423-24936-1

Aus dem Englischen von Claudia Wenner

Originalausgabe: Elza's Kitchen
Bloomsbury, New York 2012 

29.10.2012 um 21:36 Uhr

[Rezension] Jetzt heirate ich mich selbst

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Die liebe Liebe... Kein Thema fasziniert den Menschen mehr als die Liebe. Unendlich viele Lieder und Texte wurden dazu schon geschrieben, Hollywood haut einen Liebesfilm nach dem anderen raus. Auch Eckart von Hirschhausen ist ihr verfallen. Ja, selbst ein Doktor kann sich ihr nicht entziehen, die Liebe ist allmächtig und so hat sich Herr von Hirschhausen aufgemacht, sich mal etwas eingehender mit dem Thema der Liebe zu beschäftigen.

Meine Meinung:

"Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist" ist ein Buch, wie man es von Eckart von Hirschhausen gewöhnt ist. Lustig, locker und sympathisch. Er verbindet Fakten aus Forschung mit seinem und unserem Alltag und versucht so, unseren Beziehungsalltag etwas zu erleichtern.

Zwar ist dieses Buch nicht unbedingt als Beziehungsratgeber zu verstehen, aber Hirschhausen hat doch ein paar interessante Tipps auf Lager. Oder zumindest ein paar Ideen, die man sich durch den Kopf gehen lassen kann. Zum Beispiel ob eine Karte zu einer Vorstellung von Eckhart von Hirschhausen ein akzeptabler Trennungsgrund ist.

Es ist ein Buch, das uns einige triste Stunden aufpeppt, vor allem auf langen Zugfahrten oder an regnerischen Nachmittagen können wir damit die Zeit vergessen und uns prächtig unterhalten.

Leider kam es mir ab und zu so vor, als müsste Hirschhausen eine gewisse Anzahl von Seiten schreiben, während ihm der Stoff für das eigentliche Thema bereits ausgegangen ist. Denn was haben seine Erlebnisse beim Zahnarzt mit der Liebe zu tun? Solche und ähnliche Fälle sind zwar lesbar, tun aber nicht wirklich etwas zur Sache. Ergo hätte man sie gleich weglassen können.

Dafür sind die Liebes- und Hasskarten, die immer wieder auftauchen, Gold wert. Die Liebeskarten rühren ans Herz und lassen uns lächeln, während die Hasskarten das eigentliche Highlight dieses Buches sind. So fies und böse sie sind - so lustig und einfallsreich sind sie. Unterhaltung pur! 

Fazit:

Ein Hirschhausen wie man ihn kennt und liebt. Oder eben nicht. Wer die anderen Bücher nicht mochte, wird dieses hier auch nicht unbedingt lieben, und umgekehrt.
Ich für meinen Teil habe mich gut amüsiert und habe Lust bekommen, den Doktor auch einmal live zu erleben. Das Buch ist keine Pflichtlektüre, aber unterhält den Leser gut und bietet sogar einige interessante und hilfreiche Fakten.

Dr. med. Eckart von Hirschhausen
Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?
Broschiert, 2012
Rowohlt

978-3-499-62620-3 

28.10.2012 um 17:47 Uhr

[Rezension] Drachenzeit

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Wäre der Tiger nicht gewesen, Jaffys Leben wäre wahrscheinlich anders verlaufen. Der Tiger war der Schlüssel zu Jamrachs Menagerie. Denn welcher Junge geht schon hin und tätschelt einem herumstreifenden Tiger die Schnauze?

Das ist nun Jaffys Welt: Wilde Tiere, Käfige säubern und sich mit Tim zanken. Der strahlende Tim, Jaffys bester Freund. Er ist auch, dem Jaffy einige Jahre später auf den Walfänger folgt. Doch werden sie nicht nur angeheuert, um Wale zu jagen, das eigentliche Ziel ist etwas viel Grösseres, Gefährlicheres. Ein Drache soll es sein, ein echter, lebender Drache...

Meine Meinung:

"Der Atem der Welt" von Carol Birch nimmt uns mit ins Jahr 1857 und gleich zu Beginn treffen wir den Tiger, der aus seinem Käfig fliegen konnte und sich London anschauen geht. Ein spektakulärer Anfang für ein Buch mit Höhen und Tiefen.

Zu den Höhen gehört definitiv die Fahrt auf See. Jaffy und Tim, beides junge Männer voller Tatendrang, wollen hinaus und die Welt sehen. Beziehungsweise, Timm will die Welt sehen. So landen die Burschen auf dem Schiff und meiner Ansicht nach im stärksten Teil des Buches.

Hier kommt am meisten Stimmung und Spannung auf. Man trifft auf skurille Menschen, ist bei der Jagd auf den Drachen dabei und vor allem die Schilderungen der Zeit mit dem Drachen sind sehr intensiv. Das Schiff wird von einem grossen Unglück heimgesucht und stellt Jaffy vor eine Entscheidung, die härter nicht sein kann.

Dabei erinnert die Geschichte zwar etwas an "Schiffbruch mit Tiger", entwickelt aber dennoch eine starke Eigendynamik, für die ich das Buch wirklich schätzen lernte. Es war eine fesselnde Geschichte und ich konnte meine Nase kaum mehr aus dem Buch nehmen. Es entwickelte einen derartigen Sog, dass ich gar nicht anders konnte, als ständig daran denken, wie es nun mit den lieb gewonnenen Figuren weitergehen mag.

Doch trotz des starken Mittelteils hat "Der Atem der Welt" auch einige Schwachstellen. Zu denen gehören der Anfang und vor allem der Schluss.

Der Anfang war zu wenig packend, liebevoll erzählt, das gewiss, aber eigentlich besteht der erste Teil des Buches bloss aus Alltagsgeschehnissen aus Jaffys und Tims Leben. Man merkt, dass Jaffy sich mehr und mehr in Tims Zwillingsschwester verliebt, dass er gut mit Tieren kann, aber es fehlt der rote Faden. Einige Male dachte ich daran, das Buch zur Seite zu legen. Es sind zwar lustige Erlebnisse und das Trio überzeugt in seiner verqueren Dreieckskonstellation. Aber wozu muss ich das alles wissen? Wohin führt diese Geschichte? 

Diese Fragen erübrigten sich als die Geschichte an Fahrt aufnahm und in den von mir bereits gelobten Mittelteil überging. Der Schluss jedoch verpatzte wiederum alles. 

Ansatt die Geschichte mit Gefühl zu beenden und den Leser das Buch mit einem wohligen Seufzer schliessen zu lassen, zieht Birch das Ganze in die Länge.
Sie erzählt uns noch dies und das und jenes. Und mit jeder Seite schwindet der wohlige Seufzer mehr und als Leser dachte ich nur noch: "Komm zum Schluss!" Denn die eigentliche Geschichte war schon lange zu Ende. Der Rest ist nur noch Blabla und zerstört den Zauber des Hauptteils.

Schade, wie ich finde, sehr schade sogar. Denn an und für sich ist "Der Atem der Welt" eine gut erzählte Abenteuergeschichte vor historischem Hintergrund. Ein Buch über Leben und Sterben, die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt und der Natur. Alles war sehr gut durchdacht, bis auf das Kaugummi-Ende...

Fazit: 

Wer ein Buch im Stil von "Schiffbruch mit Tiger" sucht, findet hier eine weitere Schilderung des Lebens auf dem Meer, seinen Gefahren und seinen Chancen. Ein schönes Buch mit einigen Schwächen, doch der wichtigste Teil des Buches ist so gut erzählt, dass man den schwächelnden Anfang vergessen kann.

Allen Lesern jedoch empfehle ich, den dritten Teil nicht mehr zu lesen.

Carol Birch
Der Atem der Welt
HC mit Schutzumschlag, erste Auflage 2012
Insel

978-3-458-17544-5

Aus dem Englischen von Christel Dormagen
Originalausgabe: Jamrach's Menagerie
Canongate Books, Edinburgh 2011 

25.10.2012 um 21:46 Uhr

BücherQuotes #30

von: Jari   Kategorie: BücherQuotes

"Der grosse Gott hat zu mir gesagt, ich muss nicht vernünftig sein", erklärte Skip. "Es muss nicht vernünftig sein. Ich muss nicht vernünftig sein."
 
Seite 199
 
  

24.10.2012 um 21:54 Uhr

[Rezension] Soma com lode

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Seattle, 1942: Henry kann sich ein Leben ohne Krieg gar nicht vorstellen. Es war schon immer so, wieso sollte sich also etwas ändern? Henry ist 12, Chinese und geht auf eine amerikanische Schule, wo ihn niemand mag. Aber seinen Eltern zuliebe erdudelt er alles stillschweigend.

Doch dann taucht Keiko in der Kantine der Schule auf und mit ihr verändert sich Henrys Leben radikal. Obwohl laut Henrys Vater die Japaner der Feind sind, freunden sich die beiden an. Ihre Beziehung wird immer enger, aber auch immer komplizierter.

Nicht nur wegen Henrys Vater, der alles Japanische verflucht, sondern auch wegen des Krieges und der anstehenden Deportation aller japanischer Einwohner. Werden Henry und Keiko dies überstehen können?

Meine Meinung:

Jamie Fords Roman "Keiko" wirft einen neuen und für uns unbekannten Blick auf den Zweiten Weltkrieg:

Die Geschichte ist aus der Sicht Henrys erzählt, der rückblickend seine Erlebnisse im Jahre 1942 erzählt. Wir erleben, wie ein Kind, das nichts anderes als die Kriegszeiten kennt, aufwächst. Wie ein Kind chinesischer Einwanderer während der Kriegszeiten zu leiden hatte.

Dann kommt Keiko ins Spiel und wir erfahren, wie es für die japanisch-stämmigen Amerikaner zu dieser Zeit gewesen sein musste. Kurz nach Pearl Harbor. Wir erleben mit, wie Keiko und ihre Familie in Lager gebracht werden, fernab der Stadt und allem, was sie bisher gekannt haben.

"Keiko" ist eine Geschichte über Freundschaft, Liebe, den Krieg und auch des Fremd-seins. Weder Henry noch Keiko gehören irgendwo dazu, sie sind keine richtigen Amerikaner, aber auch keine richtigen Angehörigen ihrer Völker. Dies ist ein Grund, weshalb die beiden bald unzertrennlich sind.

Und in Zeiten der Not entspringt aus einer starken Freundschaft eine zarte Liebe. Aber kann ein solch zartes Pflänzchen auf dem kargen Kriegsboden gedeihen?

Henry erzählt uns seine Geschichte schonungslos, mit allen Höhen und Tiefen. Es ist eine so berührende Geschichte, dass ich an einigen Stellen am liebsten geweint hätte. Ich fühlte mit den Figuren mit, 1942 und auch 2008. Es ist erstaunlich, welche Wendungen ein Leben nehmen kann.

Nicht nur die Geschehnisse des Jahres 1942 stehen im Mittelpunkt, sondern auch Henrys jetziges Leben und was er bisher durchmachen musste. Auch hier ist das Thema Liebe zentral. Es gibt so viele Arten davon und Verlust bringt Schmerzen, aber man kann auch einen Neuanfang wagen... 

Dieses Buch ist nicht in erster Linie eine Liebesgeschichte, aber die ist es auch. Doch was mir vor allem gefiel, waren die Stimmung und die vielen neuen Eindrücke, die das Buch vermittelt. Nicht nur erfahren wir etwas über Randvölker während des Zweiten Weltkrieges, auch die Musik spielt hier eine grosse Rolle.

"Keiko" ist eine rundum geglückte Geschichte, tiefgründig und emotional. Sie regt zum Nachdenken an und wirft ein anderes Licht auf diese dramatische Zeit. Die Figuren gehen einem nahe und man begleitet sie, merkt, wie sie sich entwickeln, und hofft mit ihnen. Sogar Henrys radikalen Vater mochte ich irgendwie. Erlebt man seinen Charakter, so sind seine Handlungen ebenfalls nachvollziehbar.

Fords Buch lässt einen das trübe Herbstwetter vergessen und versetzt uns zurück in eine Zeit, als das Leben noch anders war. 

Fazit: 

Jamie Fords "Keiko" ist eine Empfehlung für Leute, die sich für gefühlvolle Bücher begeistern können. Je nachdem, wie nahe am Wasser man gebaut ist, braucht es vielleicht sogar das eine oder andere Taschentuch.

Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, das Buch nicht aussortiert, sondern nach mehreren Jahren auf dem SUB, endlich gelesen zu haben. Es war eine Lektüre mit Aha-Effekt und reiht sich nun neben "Wasser für die Elefanten" in die Reihe meiner Lieblings-Liebesgeschichten ein.

Jamie Ford
Keiko
HC mit Schutzumschlag, 2009
Bloomsbury

978-3-8270-0841-1

Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence 

23.10.2012 um 11:11 Uhr

[Rezension] Die zersprungene Form

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Buck führt ein angenehmes Leben auf einem amerikanischen Anwesen. Als Mischung zwischen Bernhardiner und einer Schäferhündin ist er eine stattliche Erscheinung, gesegnet mit Intelligenz und List. Auf dem Anwesen besteht sein Tagesablauf jedoch mehr daraus, faul in der Sonne zu liegen als etwas anderem.

Was Buck nicht weiss, ist dass in einem fernen und kalten Teil Amerikas Gold gefunden wurde und die jungen Leute in Strömen dorthin ziehen, um ihr Glück zu machen. Genau das wird Buck zum Verhängnis, das und die Spielsucht des Gärtners, der Buck nach Alaska verscherbelt.

Dort muss Buck lernen, dass das Leben auch hart sein kann. Muss realisieren, dass sein gemütliches und anschauliches Leben ein für alle mal vorbei ist. Buck akzeptiert dies und beschliesst, zu überleben. Alles zu überleben. 

Meine Meinung:

Wer bereits bei den Kampfkätzchen hart schlucken muss, der sollte die Finger von Jack Londons "Ruf der Wildnis" lassen. Denn während bei den Kampfkätzchen alles irgendwie erdacht ist und die Protagonisten vermenschlicht sind, so ist bei Jack London alles pure Realität. Das Leben, das Sterben. Vor allem das Sterben.

Die Geschichte wird auktorial erzählt, so wird Buck nicht vermenschlicht und dennoch erhalten wir einen guten Einblick in seine Sichtweise der Dinge. Buck lernt schnell, lernt, zu kämpfen, sich zu verteidigen, zu überleben. Das Leben in Alaska ist hart und wer zu schwach ist, der stirbt. Der stirbt schnell und auf brutale Weise.

Keine Sekunde zweifelte ich daran, dass das Leben eines Hundes zur Zeit des amerikanischen Goldrausches nicht so hätte sein können. Erst wurde Buck bloss als Ware behandelt, doch er findet fähige Führer, ein Team, arbeitet - nein, kämpft - sich hoch. Doch genauso schnell ist das Team ein anderes, die Führer nicht mehr fähig. Wird Buck ein letztes Mal Glück haben?

Während des Lesens und den lebhaften Beschreibungen Londons war ich wirklich oft den Tränen nahe. Das Leiden der Tiere und auch der Menschen, die sich die Kälte Alaskas antun, ist so plastisch beschrieben, dass ich Gänsehaut bekam. Gleichzeitig war ich von Bucks Stärke, seinem Mut, seinem unzerbrechlichen Willen beeindruckt. Welch ein Hund! Welch ein Held! Ein Held, der eigentlich gar keiner ist, weil er einfach nur ein Hund ist, der überleben will und seine Ziele gnadenlos verfolgt.

Obwohl ich es während des Lesens oft kaum aushalten konnte, wollte ich mich keine Sekunde von Jack Londons Erzählung trennen. Das Buch ist bloss 130 Seiten lang, ist jedoch so eindrücklich, dass man das Buch unmöglich einfach zuschlagen und vergessen kann. Noch immer denke ich an Buck uns seine Abenteuer zurück.

Es muss wohl stimmen, was über ihn gesagt wurde: Als Buck geschaffen wurde, ist die Form zersprungen. 

Fazit: 

Jack Londons "Ruf der Wildnis" ist ein einzigartiges Leseerlebnis, das jedoch nicht für jeden Tierfreund geeignet ist. Das hier ist knallharte Wildnis, knallhartes Überleben, knallharte Realität.
Ich muss London lassen, dass er ein wahnsinnig talentierter Erzähler ist und man sich seinem Sog nicht entziehen kann. Jack London ist ein Autor, dessen andere Bücher ist definitiv auch noch lesen muss!

 

Jack London
Ruf der Wildnis
HC, 2011
Anaconda

978-3-86647-711-7

Aus dem Amerikanischen von Bernd Samland 

21.10.2012 um 20:56 Uhr

[Rezension] Idiokosmos

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Wenig arbeiten, genug verdienen - danach hatte Ben Sutter bisher gelebt und danach möchte er eigentlich auch weiterhin leben. Einmal hier, einmal dort, so sieht das Leben für den jungen Mediziner aus Bern aus.

Die ausgeschriebene Stelle als Vertretung für einen gerade verstorbenen Arzt klingt für Ben also gar nicht schlecht. Dass es ihn dafür in das abgelegene Dorf Trub im Kanton Bern verschlägt, das kann man akzeptieren. Nur ist es gar nicht so leicht, ein Neuer in einem Dorf zu sein, in welchem jeder jeden kennt und die Menschen ganz anders funktionieren als in der Stadt. Ben muss noch einiges lernen.

Aus dem gemütlichen Vertretungsjob wird jedoch bald mehr, als Ben auf seltsame Zwischenfälle stösst. Wie kommt ein Junge mit Down-Syndrom an eine moderne Partydroge? Was hat es mit dem Tod von Bens Vorgänger auf sich? Und dann taucht auch noch eine riesige Hanfplantage auf...

Meine Meinung:

In "Giftnapf" entführt uns Paul Wittwer nach Bern, genauer in die Napfregion. Dieser Berg ragt auch im Buch immer wieder auf und spielt eine kleine, aber nicht unbedeutende Rolle.

Der Autor legt hier nicht nur einen spannenden Regionalkrimi vor, sondern man merkt auch, wie sehr er selbst in dieser Region verwurzelt ist. Berichte über die Dorfbewohner, Beschreibungen der Napfregion und Bens Alltag als Vertretungsarzt wechseln sich ab mit der Recherche über die komischen Vorfälle in diesem sonst so verschlafenen Nest. Dass der Autor selbst Arzt ist merkt man dabei relativ schnell.

Das Buch liest sich süffig, man freundet sich mit den Originalen an, denen man in Bern so oder in der Art tatsächlich begenen kann. Vor allem Eggi mit seinen Idealen und Einstellungen ist ein sympathischer Charakter, der dem Buch das gewisse Etwas gibt. Durch die Diskussionen, die Eggi mit dem jungen Ben führt, gewinnt das Buch an Tiefgang und wird teilweise recht philosophisch.

Da die Geschichte in Bern spielt, von Bernen handelt und von einem Berner geschrieben wurde, darf man nicht damit rechnen, dass die Geschichte rasant voran geht. Es ist eine bedächtige Geschichte, die dennoch einen Sog entwickelt. Man fragt sich, was denn da nun vor sich gehen mag. Man beginnt, zu verdächtigen. Kommt von seinem Verdacht wieder weg, findet einen neuen. Das macht das Lesen interessant und obwohl Wittwer keine sprachlichen Höchstleistungen vollbringt, kann man "Giftnapf" als gutes Buch bezeichnen.

Fazit: 

Natürlich ist "Giftnapf" ein Buch für Berner. Wer liebt es nicht, wenn Geschichten gleich um die Ecke spielen? Obwohl... nach der Lektüre des Buches wird mich bei der Besteigung des Napfs bestimmt ein etwas unangenehmes Gefühl befallen... 

Aber auch Krimifans aus Deutschland, Österreich und dem Rest der Schweiz können getrost einen Blick über den Tellerrand hinaus wagen und sich an Paul Wittwer versuchen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Paul Wittwer
Giftnapf
2. Auflage 2011
Nydegg Verlag

978-3-905961-00-3 

21.10.2012 um 19:06 Uhr

[Neuerrungenschaften] Weltherrschaft für Dummies

von: Jari   Kategorie: Neuerrungenschaften

Wie bereits berichtet, wurde das aus dem Panzer und der Niedlichkeit ja leider nichts, weil an der Frankfurter Buchmesse die Panzer aus waren. Doof, ne?

Aber zum Glück gibt es ja den Hexenmeister! Und der Hexenmeister kam eines abends mit einem praktischen und nützlichen Buch nach Hause. Die Niedlichkeit erkannte sofort den Wert des Buches und dessen Sinn. Somit stürzte sie sich sofort auf die Neuerrungenschaft. Das Jari hatte gegen die Niedlichkeit natürlich keine Chance und überliess ihr das wertvolle Stück.
 
 
 
Wer an die Macht kommen möchte, braucht einen guten fahrbaren Untersatz. Bloss welchen? Dieses Buch weiss sicherlich Rat!
 
 
Welches nehm ich denn? Das da sieht gut aus!
 
 
Der sieht aber auch nicht schlecht aus.
 
 
Puha! Von so viel Wissen wird selbst die Niedlichkeit müde und haut sich gleich einmal aufs Ohr. Auf dem Buch...
 
Ich mag Panzer... 

20.10.2012 um 21:27 Uhr

[Büchergebrabbel] Jaris Büchergebrabbel #9

von: Jari   Kategorie: Jaris Büchergebrabbel

 Ich habe ein weiteres Mal einige Fragen an euch. Es hat damit begonnen, dass ich meine älteren Einträge durchgeklickt habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass meine Rezis früher länger waren und die Einträge abwechslungsreicher. Damals hatte ich auch mehr Zeit dafür und las wohl auch etwas weniger Bücher. Jetzt lese ich zwar mehr, habe aber weniger Zeit, um Rezis und andere Einträge zu schreiben. Dies führt dazu, dass mein Blog eigentlich hauptsächlich Rezensionen bietet, ab und an mal ein Kurzgebrabbel von mir. Die zu rezensierenden Bücher stapeln sich und ich bin einfach mit anderen Dingen beschäftigt als mit Internet und Bloggen.
 
Nun wollte ich euch fragen, ob ihr das so in Ordnung findet oder ob ihr etwas vermisst. Wovon sollte es mehr geben? Sollte ich aufhören, jedes Buch, das ich lese hier zu rezensieren? Dafür andere Dinge posten? Mögt ihr liebe lange Rezensionen lesen, sind die jetzigen zu kurz? Wiederhole ich mich in meinen Beschreibungen? Meiner Wortwahl?
 
Ich bin mir selbst und dem Blog gegenüber gerade sehr kritisch eingestellt und bitte darum um eure ehrliche Meinung. Ach ja, falls ihr an der Umfrage teilnehmen könntet, wäre ich froh. Danke!

19.10.2012 um 16:00 Uhr

[Rezension] Reineke und Familie

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Füchse gehören zu jenen Tieren, die sich überall durchschlagen können. Ob im tiefsten Wald oder mitten in der Stadt. Sie sind anpassungsfähig und scheu, deshalb bekommt man kaum je mal einen Fuchs zu Gesicht.
Günther Schumann jedoch konnte mit Geduld und Feinfühligkeit das Vertrauen einiger Fuchsfamilien gewinnen und konnte auf diese Weise am Familienleben der Füchse teilhaben. Immer mit dabei: Die Kamera. So konnte Schumann das Leben der jungen Füchse vom ersten Tag an begleiten und dokumentieren. So lange bis die kleinen Füchse grosse Füchse sind und ihre eigene Familie gründen.

Meine Meinung:

Der Bildband "Abenteuer am Fuchsbau" von Günther Schumann stand schon seit Jahren auf meiner Wunschliste. Wie ich auf das Buch aufmerksam wurde, weiss ich gar nicht mehr, ich weiss nur noch, dass ich es einfach haben wollte. Ich liebe Füchse, sie faszinieren mich, deshalb schien das Buch genau das Richtige für mich zu sein. Als ich dann an der Frankfurter Buchmesse über den kleinen Stand des Verlages stolperte, riss ich mir das Buch unter den Nagel.

Und was kann ich sagen? Es hat sich gelohnt! Es war genau das, was ich mir vorgestellt habe. Genau das, was ich wollte. Viele Bildbände sind eigentlich gar keine Bildbände, sondern grosse Sachbücher mit viel zu viel Text und viel zu wenig Bild.


Nicht so "Abenteuer am Fuchsbau". Man merkt sofort, dass hier keine Profis am Werk waren, sondern Laien, deren Herz für die Sache schlägt. Das Buch hat Text, natürlich. Aber er hält sich in Grenzen. Er beschreibt genau das, was auf Günther Schumanns Bildern dargestellt ist. Ob von der Fellpflege die Rede ist oder von lästigen Parasiten. Der Text informiert, aber dennoch lebt das Buch ganz und gar von den Bildern.

Auch hier merkt man die Liebe des Laien. Manche Bilder erstrecken sich über zwei Seiten, dazu viele kleinere Fotos von pelzigen jungen Füchsen. Eben das, was ich sehen wollte. Fuchsbabys, wie sie heranwachsen. Wie sie spielen, wie sie lernen, wie sie leben, wie sie ihrer Mutter auf die Nerven gehen.
Was Günther Schumann hier aufgezeichnet hat, ist der Alltag einer Fuchsfamilie, wie er jedes Jahr aufs Neue stattfindet. Man kann sich in den Fotos verlieren und einfach nur von einer Seite zur nächsten blättern.

So viel Fuchs in einem Buch! Wie herrlich!

Fazit: 

Ein Buch für jeden Fuchsfan. Es ist ein perfektes Geschenk für Naturfreunde. Natürlich auch für Wenigleser. Aber jeder, der sich für Füchse interessiert, sollte die Chance bekommen, durch dieses Buch zu blättern!

Günther Schumann
Abenteuer am Fuchsbau
Bilder aus dem Leben einer Fuchsfamilie
HC, 1. Auflage 2010
Neumann-Neudamm

978-3-7888-1324-6 

16.10.2012 um 22:33 Uhr

[Kurzgebrabbel] In Liebesdingen...

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

Es gibt ein Land, in dem man die Wörter erst kaufen muss, bevor man sie aussprechen kann. Wörter haben dort alle ihren eigenen Wert. Es gibt wertvolle Wörter und weniger wertvolle Wörter. Jedoch wehen ab und zu Wörter von der Wörterfabrik in die Stadt hinüber und diese Wörter lassen sich einfangen. Paul hat sich ein paar sehr schöne Wörter gefangen, und diese möchte er Marie schenken. Denn Marie ist etwas ganz Besonderes für Paul...
 
Original als Bilderbuch für Kinder erschienen, gibt es "Die grosse Wörterfabrik" von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo nun auch als hübsche Geschenkbuchausgabe. Grund dafür: Die Geschichte wendet sich eher an Erwachsene als an Kinder.
Doch egal ob Kind oder Erwachsener - es ist eine wundervoll illustrierte Geschichte, die ans Herz geht. Was wäre wenn wir für unsere Wörter bezahlen müssten? Gäbe es dann weniger gelaber? Wie würden wir mit den erstandenen Wörtern haushalten?
Und dazu gibt es natürlich noch eine bezaubernde Liebesgeschichte. Aber ich freute mich vor allem über die wunderschönen, federleichten Zeichnungen. Herrlich!
 
 
In Nikolai Gogols "Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen" folgen wir dem Russen Poprischtschin auf seinem Weg in den Wahnsinn. Es fängt harmlos an - die liebe Liebe! -, dann fangen die Hunde an zu reden und immer mehr driftet der Protagonist in eine Fantasiewelt ab. Durch die Tagebuchaufzeichnungen ist der Leser direkt in Poprischtschins Kopf und erlebt so mit, wie sich die Welt langsam, aber stetig verändert.
Als Leser muss man dabei ab und an schmunzeln, wäre die ganze Sache nicht so traurig. Gogol hat eine interessante Kurzgeschichte geschrieben, kurz und knackig, die das Thema des Realitätsverlustes greifbar macht.
Ich war überaus fasziniert von Gogols Geschichte, seinen präzisen Beschreibungen. Leider war die Geschichte viel zu schnell zu Ende. Aber wahrscheinlich gehört das dazu...
Die zweite Geschichte, die in dieser Anaconda-Ausgabe vorhanden ist, hat mir etwas weniger gefallen. Obwohl der Aufbau in "Newski-Prospekt" wirklich gut gelungen ist, war mir der Autor hier zu ausführlich in den Beschreibungen. Dennoch - "Die Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen" sind es allemal Wert!
 

15.10.2012 um 20:43 Uhr

[Rezension] Wory w Sakone

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Im Jahre 2008 erhält Sascha Grenko einen Anruf von seiner Schwester, die er viele Jahre nicht mehr gesehen hat. Sie ruft ihren Bruder zu sich, um ihm etwas mitzuteilen. Doch noch bevor die beiden miteinander reden können, stirbt Viktoria. Ermordet. Wieso musste Saschas Schwester sterben? Und was hat eine lange als verschollen gegoltene Geige damit zu tun?

Bald schon verstrickt sich Sascha in den klebrigen Fäden der Vergangenheit seiner Familie. Es wird eine gefährliche Reise in die Kriegsjahre und die Zeit, die darauf folgte. Es wird eine Reise, die für Sascha vieles in neuem Lichte sehen lässt. So auch den tragischen Unfalltod seiner Eltern...

Meine Meinung: 

"Der Geiger" ist der zweite Roman von Mechtild Bottmann, den ich lese. Und auch wenn er mich nicht so von den Socken gehauen hat wie "Wer das Schweigen bricht", so ist es dennoch auch ein wirklich gutes Buch.

Wieder einmal schafft es die Autorin, den Leser auf eine Gefühlsachterbahn zu schicken. Abwechselnd begleiten wir Sascha und seinen Grossvater oder seine Grossmutter auf ihren Lebenswegen. Spannung über den weiteren Verlauf der Geschichte wechselt sich ab mit Ergriffenheit über das Schicksal der in Russland in Arbeitshaft gehaltenen Menschen.

Oft musste ich leer Schlucken ab der geschilderten Umständen, die Arbeitslager, aber auch die Verbannung ins russische Nirgendwo wird von Borrmann bewusst ruhig beschrieben, was es aber nicht besser macht. Mehr als einmal war ich den Tränen nahe oder musste den Kopf schütteln, war entsetzt. Aber es gab auch schöne Momente in der Geschichte, die sich nach den fürchterlichen Ereignissen zuvor umso schöner lesen liessen.

Als Leser hält man viele Fäden in der Hand, dennoch verliert man nicht den Überblick. Man weiss aufgrund der Kapitelüberschriften immer, wo man sich gerade befindet und folgt Sascha auf der Suche nach der Geige seines Grossvaters.

Mein einziger Kritikpunkt ist der Schluss, da habe ich kurz den Faden verloren und musste die Stelle mehrmals lesen, um zu verstehen, was nun wirklich geschehen ist. Dennoch war es ein schlüssiges Ende und nachdem ich mich mehrere Tage jedes Mal darüber gefreute hatte, ins Buch zurückkehren zu können, fühlte ich mich doch irgendwie traurig, die Geschichte hinter mir lassen zu müssen.

Fazit: 

"Der Geiger" ist eine geschickte Verbindung von Krimi und historischem Roman. Die Autorin verbindet die Gegebenheiten aus Russland gekonnt mit der Recherche Saschas - eine spannende, ergreifende und bewegende Mischung.

Für Musikliebhaber wird es hier zentral um eine Geige gehen und die Musiker werden es wohl auch sein, die sich am meisten mit Ilja Grenko und seinem Schicksal identifizieren können.
Krimileser finden einen jungen Mann auf der Suche nach seiner Vergangenheit, viele Rätsel und am Schluss eine Auflösung des Ganzen.

Für mich war dieses Buch Borrmanns ein weiteres Buch, das mir aufzeigte, wie sehr Bücher einen in die unterschiedlichsten Gefühlsbäder werfen können. Ein Werk, das mich berührt hat, das ich gerne gelesen habe.

Mechtild Borrmann
Der Geiger
HC mit Schutzumschlag, 2012
Droemer

978-3-426-19925-1 

14.10.2012 um 22:16 Uhr

[Rezension] Katzenkönig

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Olten ist nicht nur der Mittelpunkt der Schweiz, sondern auch einen König. Zwar ist der König schwarz-weiss und ein Kater, aber immerhin. Ausserdem fliesst die Aare durch Olten und über der Aare spannt sich eine mehrmals abgebrannte und wieder aufgebaute Brücke. In der Aare selbst lassen sich interessante Dinge finden. Das Interessanteste an Olten jedoch sind seine Einwohner...

Meine Meinung:

Alex Capus, der auch international Berühmtheit erlangte, erzählt in "Der König von Olten" Geschichten von, mit und über die Stadt, in der er den grössten Teil seines Lebens verbrachte.

Von einheimischen Helden erzählt er, historischen Begebenheiten oder seltsame Zwischenfälle aus seinem Alltag. Die Geschichten sind kurz und knackig, als Klo- oder Bushaltestelle-Lektüre eignetsich dieses Büchlein allemal.

Capus erzählt jedoch mit so viel Geschick und Humor, dass die Sitzung auf dem Klo auch mal etwas länger dauern darf, oder dass gleich die ganze Busfahrt hindurch gelesen wird. Über den Wahrheitsgehalt der wiedergegebenen Geschichten darf gestritten werden, das macht der Autor sogar selber.

Als neuer Einwohner der Stadt Olten hat es mir grossen Spass gemacht, gemeinsam mit Capus die Strassen der Stadt zu erkunden und habe durch das Buch einige Hintergrundinformationen aufgeschnappt. Ob mir diese dienlich sind ist eine andere Frage, die an anderer Stelle beantwortet werden muss.

Jedenfalls macht das Buch gute Laune. Bis auf den Preis für das kleine Werk. Dafür, dass man "Der König von Olten" an einem Nachmittag durch hat, ist der Preis viel zu hoch angesetzt. Zuerst schmerzte mich dies ein wenig, doch der Unterhaltungswerk des Buches machte das Loch im Portemonnaie wieder wett. 

Fazit: 

Wer Olten in irgendeiner Weise kennt, der wird seine Freude am König von Olten haben. Ob Einwohner, Heimwehbürger oder Tourist - ihnen allen würde ich das handliche Buch in die Hand drücken. Wer die Stadt nicht kennt, wird sich dennoch von Capus' Erzählkunst mitreissen lassen, sollte Olten jedoch bald darauf besuchen. "Der König von Olten" macht viel mehr Spass, wenn man die Stadt, die Protagonistin des Buches, auch persönlich kennt.

Alex Capus
Der König von Olten
HC, 5. Auflage 2011
Knapp

978-3-905848-17-5

Mit Illustrationen von Jörg Binz 

10.10.2012 um 21:21 Uhr

[Monatsstatistik] September 2012

von: Jari   Kategorie: Bücherlisten

Gelesen:

 

  1. Martina Magyari - Auf Samtpfoten ins Herz           
  2. Der kleine Prinz: Der Planet der Winde            
  3. Jonas Jonasson - Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand         
  4. Bernd Perplies - D13: Der dämonische Spiegel            
  5. Nick Hornby - A long way down           
  6. Jennifer Donnelly - Die Teerose            
  7. Barbara Traber - Fliegen und Liebe           
  8. Treasured Tales from Beatrix Potter            
  9. Michael Bond - A Bear called Paddington            
  10. Guy Browning - Never push when it says pull         
  11. Sergej Lukianenko - Wächter der Nacht         
  12. Erin Hunter - Seekers: Die Suche beginnt     
Gesamt gelesen 2012: 108

 

09.10.2012 um 21:42 Uhr

[BücherNews] Deutscher Buchpreis

Der Deutsche Buchpreis 2012 geht an Ursula Krechel für ihr Werk Landgericht

 

Ich gratuliere halbherzig, macht mich doch weder das Cover, noch der Inhalt an (ich werde es definitiv nicht lesen), ausserdem ist mir die Autorin auf den Bildern äusserst unsympathisch.. 

07.10.2012 um 19:06 Uhr

[Büchergebrabbel] Jaris Büchergebrabbel #8

von: Jari   Kategorie: Jaris Büchergebrabbel

  Überraschung! Jari ist an Bücher gekommen, das heisst, wenn es sich einrichten lässt, wird es wohl bald wieder ein Gewinnspiel geben. Dieses Mal eines, das aus einigen (ca. drei oder vier) Quizfragen besteht, die sich auch leicht googeln lassen. Oder soll ich euch verwöhnen und nur eine Frage machen?

Ansonsten komm ich mit der neuen Rowling leider gar nicht vom Fleck. Was nicht daran liegt, dass sie schlecht ist (glaubt den Kritikern nicht!), sondern einfach nur daran, dass sie zu schwer ist. Die kann ich unterwegs kaum lesen :(

Und ich brauch Bücherregale... Aber momentan schaut es so aus, als würden die noch lange auf sich warten lassen. Erst einmal brauchen wir ein Sofa... 

01.10.2012 um 22:27 Uhr

[Rezension] Bruder Bär

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Drei Bären - drei Leben: Kallik, Lusa und Toklo sind drei Bärenjunge, die unter unterschiedlichsten Voraussetzungen gross werden. Kallik, die Eisbärin, die Mutter und Bruder verliert. Lusa, die unbeschwerte Schwarzbärin aus dem Zoo. Toklo, der von seiner Mutter verstossen wird und auf sich alleine gestellt ist.
Und dann ist da noch Ujurak, der weder Bär, noch Mensch zu sein scheint...

Meine Meinung:

Nach den Kampfkätzchen entern nun die Bären die Bücherregale der Kinder. "Seekers" heisst die neue Reihe von Erin Hunter, "Die Suche beginnt" ist der erste Teil der Trilogie.
Leider konnte mich das Buch weder anfangs noch zum Schluss hin überzeugen. Eigentlich ist "Die Suche beginnt" bloss ein ziemlich in die Länge gezogenes Intro zu den beiden anderen Büchern.

Obwohl Erin Hunter schön den Kampf ums Überleben beschreiben und sich sogar kritisch gegenüber der globalen Erwärmung äussern, konnte mich das Buch einfach nicht packen. Die drei Bärencharaktere blieben mir fremd und obwohl sie schreckliches erleben, konnte ich mich nicht in sie hineinversetzen. Die einzige Reaktion, die Erin Hunter aus mir herausbekamen, war Skepsis. Vor allem gegenüber Toklos Mutter.

Überhaupt kommen einem als Leser einige Fragen auf, die in diesem Band jedoch nicht beantwortet werden. Wieso verstösst Oka Toklo? Was hat es mit Ujurak auf sich? Worum geht es in dieser Reihe überhaupt? Wonach suchen die Bären?

Auch wenn man die Bären nicht mit Warrior Cats vergleicht, ist es schwach. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass eine junge Person, die nicht viel liest, sich durch das ganze Buch quält, bloss um vor einem Haufen Fragen zu stehen. Davon abgesehen, dass Spannung kaum aufkommt. 

Da es bloss eine Trilogie ist, werde ich mir früher oder später (eher später) auch die anderen Bände besorgen. Ich bin gespannt, ob die Geschichte an Fahrt aufnimmt bzw. ob sich ein roter Faden entwickelt. Den habe ich bisher nämlich auch nur blassrosa schimmern sehen. 

Nur die Erzählungen der Bären, die die Autorinnen geschickt in die Geschichte eingewoben haben, haben mich beeindruckt. Es sind schöne Volksmärchen über Bären, das Leben und Sterben und die Menschen. 

Fazit: 

"Seekers: Die Suche beginnt" würde ich bloss überzeugten Fans von Erin Hunter empfehlen, die einfach alles des Autorenteams verschlingen wollen. Als Auftakt zu einer Serie konnte mich das Buch leider weder packen, noch faszinieren und eigentlich auch nicht auf die Folgebände neugierig machen.

 Erin Hunter
Seekers
Die Suche beginnt
HC, 2012
Beltz & Gelberg

978-3-407-81104-2

Aus dem Englischen von Karsten Singelmann
Originalausgabe: Seekers - The Quest begins
 Harper Collins Childern's Books, New York 2008

01.10.2012 um 20:03 Uhr

[Kurzgebrabbel] Es war einmal...

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

... eine kleine Katzenmeute, die sich weigerte, die hübschen Kleidchen anzuziehen, die ihre Mutter für sie zurechtgemacht hatte. Ausserdem gab es noch den kleinen Hasen, dessen Klamotten plötzlich auf des Bauers Vogelscheuche hingen. Oder der Forsch, der zum Angeln ging...
 
Beatrix Potters Geschichten haben einen altmodischen Charme, was vor allem an den herrlichen Illustrationen liegt. Man kann sich in den Geschichten verlieren und am besten trinkt man eine warme Tasse Tee dazu. Natürlich haben Potters Erzählungen auch eine Moral, oftmals geschieht es, dass eines der kleinen Tierchen von seiner Mutter eins auf die Löffel bekommen. Das mag unseren heutigen pädagogischen Werten zuwider sein, doch dürfen wir nicht vergessen, wie alt die Geschichten um Peter Rabbit schon sind. Sollen wir deshalb aufhören, Beatrix Potter unseren Kindern vorzulesen? Auf gar keinen Fall! Pit pat paddle pat! Pit pat waddle pat!
 
 
... ein kleiner Bär aus der hintersten Ecke Perus. Das Schicksal hat ihn nach England verschlagen und nun sitzt er ganz allein auf einem englischen Bahnhof. Zum Glück wird er von einer liebevollen Familie adoptiert, die ihn nach seinem Fundort benennen: Paddington. 
 
Seit wir in der Grundschule die Abenteuer von Paddington verfolgt haben, bin ich dem kleinen putzigen Bären verfallen. Er ist tollpatschig, höflich und vor allem: flauschig!
Für uns Erwachsene mögen die Geschichten um Paddingtons Alltag in London zwar ziemlich vorhersehbar sein, aber auch wir können nicht abstreiten, dass sie herrlich zu lesen sind. Dass Paddington sich direkt in unser Herz schleicht. Wie könnte er auch nicht? Er ist ein Held in Miniformat und meiner Meinung nach sollte er in keiner Kinderbibliothek fehlen. Auch nicht in einer Erwachsenenbibliothek.
Wer hat Lust auf Marmelade? 
 

01.10.2012 um 08:39 Uhr

[Leserunden] Erin Hunter - Seekers: Die Suche Beginnt Teil 5 & 6

von: Jari   Kategorie: Leserunden

Erin Hunter - Seekers: Die Suche beginnt
Seite 243 - Schluss
 
Die letzten beiden Kapitel habe ich in einem Zug gelesen und bin deshalb so frech, gleich über beide zu schreiben. Ausserdem ist es so effizienter, weil noch ein paar Rezis auf mich warten und ich morgen umziehe.
 
Also, das einzig Erwähnenswerte finde ich Ujurak. Toklo rettet ihm das Leben und sie schliessen sich zusammen. Schlussendlich finden wir heraus, dass er so eine Art Gestaltwandler ist. Bloss, dass er sich in alles Mögliche verwandelt. Seine Fähigkeiten stehen noch ganz am Anfang. Was hat Ujurak mit der Geschichte zu tun? Mit welcher Geschichte überhaupt?
 
Lusa entdeckt die Wildnis und schafft es tatsächlich, Toklo zu finden. Und damit hört das Buch auf. Nur Kallik treibt sich, nach einem Aufenthalt in einer Forschungsstation, noch alleine irgendwo rum.
 
Abschliessend kann ich nicht viel sagen, als dass mich dieses Buch nicht überzeugt. Da es eine Trilogie ist, werde ich die anderen Bände zwar auch irgendwann noch lesen, wäre die Reihe jedoch so lang wie Warrior Cats - dann hätte ich gesagt "nein, danke."
 
Mal sehen, wie die Hunde-Bücher von Erin Hunter werden. Auf deutsch gibt es die ja noch nicht. Rezi zu den Bären folgt heute Abend.