Jaris Büchergebrabbel

29.01.2013 um 19:21 Uhr

[Rezension] Jonas Lüscher - Frühling der Barbaren

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Der Schweizer Fabrikerbe Preising reist nach Tunesien, wo er in einem luxuriösen Hotel auf eine englische Hochzeitsgesellschaft trifft. Der ältere und auch bedachtere Preising passt nicht zur lauten und angeberischen Gesellschaft, genausowenig wie die Eltern des Brautpaares, die sich ihrerseits zurückziehen. Preising freundet sich mit Pippa an, der Mutter des Bräutigams, doch bevor sie ihre Beziehung intensivieren können, erklärt England den Staatsbankrott...

Meine Meinung:

Als ich "Frühling der Barbaren" von Jonas Lüscher zu lesen begann, dachte ich erst einmal bloss: "Oh nein, schon wieder so ein gelehrter Professor, der zeigen will, wie viele seltsame Wörter er doch kennt." Lange Zeit war ich also ziemlich skeptisch.

Es ist tatsächlich kein einfaches Buch, es ist sehr literarisch und man muss beim Lesen hellwach sein. Rasch unterschätzt man dieses Büchlein mit seinen 125 Seiten.

Doch die Novelle von Lüscher hat es in sich! Ich weiss nicht, ob ich mich an den Sprachstil des Autoren gewöhnt habe oder ob er wieder Boden unter den Füssen gewonnen hat, jedenfalls störte mich seine Sprache irgendwann gar nicht mehr. Zu dieser Zeit war ich schon voll und ganz im Bann dieses Buches!

"Frühling der Barbaren" ist ein hochintelligentes Buch und weist einen Aufbau auf, der seinesgleichen sucht. Eigentlich gehen wir mit zwei Insassen einer Irrenanstalt spazieren und Preising erzählt dort seine Geschichte. Der erste Erzähler ist jedoch Preisings Gefährte, der immer wieder seine Meinung zu Preising zum Besten gibt.

Dann erzählt uns Preising natürlich aus seiner Sicht die Geschehnisse in Tunesien. Hier fällt auf: Preising tut nichts. Die einzige Entscheidung, die er selbst trifft, ist jene, mit Pippas Mann eine Ausfahrt zu machen. Ansonsten beobachtet er nur und lässt sich treiben. Er agiert nicht, sondern lässt die Vorfälle einfach auf sich einwirken.

Er ist eine Insel im allgemeinen Chaos. Eine Insel, wie die Schweiz eine ist.

Lüscher baut seine Geschichte sorgfältig und mit wahrer Meisterhand auf. Es ist ein leiser, kaum merkbarer Spannungsaufbau. Die Explosion ist dafür umso lauter.

Als England pleite geht, ist von der johlenden und prahlerischen Hochzeitsgellschaft nichts mehr übrig. Hier zeigt Lüscher auf, wie rasch unser materieller Wohlstand verschwinden kann und uns mit nichts zurück lässt. Er zeigt auf, wie die Menschen in solchen Extremsituationen reagieren.

Aber vor allem rechnet er mit dem Kapitalismus ab. Ohne diesen zu kritisieren. Lüscher zeigt nur Folgen. Ein "Was wäre, wenn?". Was wäre, wenn es nicht die Griechen trifft? Nicht die Iren? Die Italiener? Sondern uns. Uns, die wir uns unseres Wohlstandes so sicher sind. Uns kann das nicht passieren.

Nein, wir sind sicher. Absolut sicher. 

Fazit: 

Ein grandioses Werk mit riesiger Sprengkraft. Hochaktuell, hochintelektuell und hochbrisant. Kein einfaches Buch, aber das muss es nicht sein. Es lohnt sich! Wahnsinn, was dieser junge Mann da fabriziert hat.

 

Jonas Lüscher
Frühling der Barbaren
HC mit Schutzumschlag, 2013
C.H. Beck

978-3-406-64694-2 

27.01.2013 um 19:21 Uhr

[Rezension] Corina Bomann - Und morgen am Meer

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Als Claudius das Karamellmädchen zum ersten Mal sieht, ist es um ihn geschehen. Auch Milena ist hin und weg von Claudius. Dies könnte der Beginn einer wunderbaren Beziehung werden, wäre da nicht ein Problem: Die Mauer.

Claudius wohnt im freien Westberlin, während Milena aus Ostberlin kommt. Doch so leicht lassen sich die beiden nicht trennen und Claudius setzt alles daran, Milenas Traum zu erfüllen: Das Meer zu sehen. 

Meine Meinung:

"Und morgen am Meer" ist Corina Bomanns neuestes Werk über eine Liebe, die eigentlich keinen Bestand hat. Doch Milena und Claudius geben sich nicht so einfach auf und beschliessen, gemeinsam gen Italien zu fahren. Gen Italien und gen Freiheit. Denn Ungarn hat den Eisernen Vorhang ein kleines bisschen gehoben. Ein kleines bisschen Hoffnung für die Liebenden.

Sehr einfühlsam und mit viel Verständnis für die beiden Protagonisten erzählt Corina Bomann ihre Geschichte. Ich mochte beide sofort und hoffte von Anfang an auf ein Happy End. Gekonnt beschreibt Bomann die Unterschiede zwischen West und Ost und die Probleme, die beide Seiten haben.

Dieses Buch bietet einen lebendigen Einblick in das Jahr 1989, die Stimmung, die herrschte, kurz bevor die Mauer fiel. Auf wunderbare Weise hat die Autorin Zeitgeschehen in die Geschichte eingebaut, sodass man die Handlungen von Claudius und Milena gut nachvollziehen kann.

Zuerst die Angst, die Geheimnisse, dann keimt langsam die Hoffnung auf und gemeinsam macht sich das Pärchen aus dem Staub. Ab diesem Punkt entwickelt sich das zuvor eher ruhige Buch zu einem atemberaubenden Road-Movie. Obwohl die Reise der Beiden nicht die gesamte Geschichte beherrscht, so ist sie doch das zentrale Ereignis derselben.

Milena und Claudius berichten abwechselnd aus der Ich-Perspektive ihre Erlebnisse. So hat man als Leser einen direkten Einblick in das Leben beider, in ihre Gefühle und die Welt um sie herum. Zentral ist hier natürlich Milena und das Leben in der DDR. Aber auch von Claudius erfährt man einiges und auch, dass er als Westberliner eigentlich sehr wenig über die DDR wusste.

Nach dem ruhigen Start, dem ich etwas gespalten gegenüberstand, nahm ich das Buch dann wirklich gefangen. Ich leidete mit den Figuren mit und muss sagen, dass der Spannungsbogen rasant nach oben ging. Wirklich wundervoll! 

Als kleines Extra sind die Kapitelüberschriften übrigens nach den Liedern benannt, die Milena auf ihrer Kassette gespeichert hat. So kommt während des Lesens noch zusätzlich Stimmung auf! 

Fazit: 

Eine schöne und berührende Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des geteilten Deutschland. Jeder junge Leser, der sich einen Eindruck des Lebens damals machen möchte, kann ungezwungen zu "Und morgen am Meer" greifen. Es ist eine Liebesgeschichte, die Bestand hat und überzeugt!

Corina Bomann
Und morgen am Meer
Broschiert, 2013
Ueberreuter

978-3-8000-5722-1 

27.01.2013 um 12:35 Uhr

Jari liest... Elizabeth Miles

von: Jari   Kategorie: Jari liest...

Rückentext:

Es ist Winter in Ascension, einer Kleinstadt in Maine. Die Seen sind zu Eis erstarrt, der Schnee fällt in dicken Flocken vom Himmel. Aber der friedliche Schein trügt - denn in Ascension haben Fehler tödliche Folgen. Drei geheimnisvolle Mädchen sind in die Stadt gekommen, um darüber zu urteilen, wer für seine Taten büssen muss. Und die Wahl ist auf Em und Chase gefallen. 

27.01.2013 um 12:30 Uhr

[Kurzgebrabbel] Kurzgeschichten

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

Zu seinem fünften Geburtstag hat sich der LYX Verlag etwas Besonderes geschenkt: Er hatte alle fünf Gewinnergeschichten des jährlichen Schreibwettbewerbes des LYX Verlages in einem Buch versammelt.
Die fünf Geschichten bezaubern durch ihre Romantik und überzeugen durch ihren Abwechslungsreichtum. Jeder findet bestimmt eine Geschichte, die ihm gefällt. Ob Gestaltwandler, Engel oder Götter - alle sind vertreten. Die jungen Autorinnen zeigen bereits grosses Talent und man vergönnt ihnen nicht, die Wettbewerbe gewonnen zu haben. 
 
Mir persönlich gefiel die erste Geschichte am besten, in der Hades seine Persephone zurückerobern muss.
 

26.01.2013 um 13:39 Uhr

[Rezension] Rosemarie von Schach - Silbermähne

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Deutschland, 1538: Im Merfelder Bruch streift eine Herde Wildpferde umher. Unter ihnen wächst ein besonderes Fohlen heran, Jilka ist ihr Name. Ihr Schicksal ist es, die schönste und sagenumwobenste Leitstute der Herde zu werden, von der je erzählt wurde. Ihr feines Gespür rettet die Herde vor den Gefahren der Natur und der Menschen, die versuchen, die Stute einzufangen. Doch Jilka weiss, dass sie niemals in Gefangenschaft leben könnte...

Meine Meinung:

"Silbermähne" erschien erstmals 1994 unter dem Titel "Der Sommer der silbernen Stute". Jetzt ist die Geschichte vom Ravensburger Buchverlag neu aufgelegt worden. 

Von Schach erzählt eine wundervolle Geschichte über Jilka, ihre Herde und das Leben in freier Wildbahn. Das Buch ist aus Sicht von Jilka erzählt, wie sie ihre Welt wahrnimmt. Die Natur spielt in diesem Buch eine wichtige Rolle, lebt die Herde doch im ständigen Kreislauf der Jahreszeiten. Dies erinnerte mich in gewisser Weise an Kerstin Ekmans "Hundeherz".

Interessant ist, dass die Autorin viele ernsthafte Themen anspricht. Zum Leben der Herde gehört auch das Sterben oder dass manche Fohlen von den Menschen eingefangen werden und ihre Freiheit verlieren. Sehr feinfühlig und mit vielen Zwischentönen nimmt die Autorin diese Themen auf. Genau das machte das Buch für mich zu einer so eindrucksvollen Lektüre. Jedoch muss man deshalb auch sagen, dass die Kinder nicht zu jung sein sollten, wenn sie das Buch lesen. Zu viel der Geschichte würde verloren gehen.

"Silbermähne" ist ein aussergewöhnliches Pferdebuch, das mich mit seiner eindringlichen, aber dennoch zarten Sprache in seinen Bann zog. Es ist nichts verschönt und die Pferde werden nicht vermenschlicht.

Es treten viele Pferdecharaktere auf, die alle ihre eigenen Charakterzüge haben. Nur ab und an hatte ich Schwierigkeiten, sie auseinander zu halten. Ansonsten faszinierte mich die Geschichte von ersten bis zur letzten Seite und bewies, dass von Schach weiss, wovon sie schreibt.

Fazit: 

Ein Buch für alle Pferdeliebhaber ab 12 Jahren. Aber auch erwachsenen Lesern, die Ekmans "Hundeherz" mochten, würde ich das Buch ans Herz legen. Von Schachs Beschreibungen der Natur und des Lebens in freier Wildbahn stehen Ekaman in nichts nach, obwohl "Silbermähne" als Kinderbuch konzipiert ist.

Rosemarie von Schach
Silbermähne
TB, 2013
Ravensburger Buchverlag

978-3-473-52488-4 

23.01.2013 um 20:03 Uhr

[Rezension] Martin Suter - Lila, Lila

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

David lässt sich durchs Leben treiben und nimmt alles so, wie es kommt. Als er Marie kennen lernt, lässt sie ihn links liegen. Nichts, was David tut, scheint sie zu interessieren. Nimmt sie ihn überhaupt wahr?

Doch Davids Leben ändert sich schlagartig, als er in der Schublade eines alten Nachttischchens ein Manuskript findet - und es als seines ausgibt. Plötzlich liegt ihm Marie zu Füssen und mit ihr die gesamte Literaturwelt.

Aber dann taucht plötzlich der Autor des Manuskriptes auf... 

Meine Meinung:

"Lila, Lila" ist eines der berühmtesten Werke Suters und endlich habe auch ich es geschafft, dieses Buch zu lesen. Nachdem mich schon "Die Zeit, die Zeit" begeistert hatte, konnte mich auch "Lila, Lila" überzeugen.

David, obwohl ein eher blasser, unscheinbarer Mensch, war mir von Anfang an sympathisch. Seine unbeholfenen Versuche, sich in die coole Clique zu integrieren, seine Liebe zu Marie und seine Angst vor Lesungen brachten ihn mir nahe und gemeinsam mit ihm wartete ich auf den Moment, als alles auffliegt.

Suter zeigt uns, dass alles, was wir tun, Auswirkungen hat. Jede Aktion führt zu einer Reaktion. Das muss David schlussendlich auch bezüglich seiner Beziehung zu Marie erkennen. Langsam und vorsichtig nähern wir uns dem Abgrund, ohne ihn aber zu sehen. Dafür ist Suter zu subtil.

Obwohl sich Martin Suter einer eher ruhigen und bedachten Sprache bedient, schafft er keine Distanz. Eher ist es so, als sässe man in einem Boot auf ruhiger See, beobachte aber wie das vor einem fahrende Schiff von einem Sturm durchgerüttelt wird.

Man kann über einen im Akkord schreibenen Autoren wie Martin Suter sagen was man will, dennoch kann ich nicht umhin kommen, dass mir nun schon das zweite Werk dieses Autoren sehr zugesagt hat. Es ist eine Kunst, so gelassen zu sein, während das bisher unstete Leben eines jungen Mannes derartig auf den Kopf gestellt wird.

Die Figuren wirken auf mich glaubhaft, sogar Jacky ist es, obwohl er hier als Antiheld fungiert. Vielleicht zeigt auch eben dies das Können Suters: Sogar mit dem Kotzbrocken hat man irgendwie Mitleid... 

Fazit: 

Nach zwei gelungenen Büchern kann ich nun definitiv sagen, dass ich Suters Bücher mag. Er hat mich mit seinem klugen Roman "Lila, Lila" überzeugt, der den Leser in die Welt des Feuilleton und der Frankfurter Buchmesse führt.

Martin Suter
Lila, Lila
TB, 2005
Diogenes

978-3-257-23469-5 

22.01.2013 um 19:07 Uhr

[Rezension] Lea Korte - Das Geheimnis der Maurin

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Eigentlich wollte Zahra mit ihrer Familie nach Portugal auswandern, doch die Entführung ihrer Tochter Chalida zwingt die gesamte Familie zur Umkehr in die alte Heimat. Doch Granada ist nun unter christlicher Herrschaft. Können Zahra und ihre Familie unter diesen Bedinungen glücklich werden?

Meine Meinung:

Als ich vor einigen Jahren "Die Maurin" von Lea Korte gelesen habe, war ich hellauf begeistert. Dennoch war ich skeptisch, als ich hörte, dass die Autorin eine Fortsetzung plante. Denn mit Fortsetzungen von eigentlich abgeschlossenen Geschichten tue ich mich sehr schwer und den wenigsten konnte ich eine gute Bewertung geben.

Umso erleichterter und glücklicher war ich, als ich die ersten Seiten von "Das Geheimnis der Maurin" gelesen hatte. Lea Korte zeigt schon auf diesen ersten Seiten, dass sie schreiben kann. Und wie! Die Zeilen fliegen nur so dahin und ich kam kaum zum Atmen.

Danach stehen dann das neue Leben von Zahra, ihren Kindern und ihrem Geliebten Jaime im Vordergrund. Die Autorin hat geschickt den historischen Hintergrund in die Geschichte eingewebt. Wie schon beim Vorgänger entsteht auf diese Weise ein reales und greifbares Bild der damaligen Geschehnisse - und diese waren bei Weitem kein Zuckerschlecken. Oft musste ich schlucken und ich zitterte mit der ganzen Familie um ihr Leben und ihr Glück.

Kortes erzählerisches Talent führte dazu, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte zu lesen. Zwar kommen einem sich gewisse Gespräche mit der Zeit bekannt vor, aber ansonsten kann ich wirklich nichts an diesem dichten und gelungenen Roman aussetzen.

Ich habe sehr viel über das Andalusien um 1490 erfahren, über den Umgang der Religionen untereinander und die politischen Verflechtungen. Aufgrunddessen ist es, obwohl ein historischer Roman, dennoch hochaktuell, beschäftigt er sich doch mit Themen, die auch heute noch Aktualität besitzen. 

Fazit: 

Ein eindeutiges "Daumen hoch" von meiner Seite. Jeder, der "Die Maurin" gelesen und geliebt hat, kann getrost zur Fortsetzung greifen. Aber auch wenn man den Vorgänger nicht gelesen hat, kann man sich gut in der Geschichte zurecht finden.

Lea Korte gehört definitiv zu meinen Favoriten unter den Autoren und ich freue mich schon auf ihr nächstes Buch! 

Lea Korte
Das Geheimnis der Maurin
TB, 2012
Knaur

978-3-426-50938-8 

20.01.2013 um 17:23 Uhr

[Bücherwelt] Fehlersuchbild

Wer findet die Fehler?

 

Es gibt sie ja, diese "Geschäfte" die nach aussen hin so tun, als wären sie Buchhandlungen, es aber gar nicht sind. Vermehrt sind diese in Bahnhöfen anzutreffen, wo auch diese Bilder entstanden sind.

Eine ebenfalls erheiternde Anekdote aus diesem Geschäft:

Jari schaut sich durch die Aktionsbücher des Ladens. Frau steht rauchend daneben. Plötzlich erscheint die leicht verzweifelte Verkäuferin und fragt die rauchende Frau: "Sag mal, kennst du ein Buch von Franz Hohler - "Spaziergänge""?

Meinereiner musste sich sehr stark zusammenreissen, um nicht loszulachen. Ich hatte das gewünschte Buch in meinem Kopf nämlich bereits aus dem Regal unserer Buchhandlung gefischt. Hätte die Kundin bloss die Buchhändlerin gefragt...

20.01.2013 um 12:31 Uhr

[Rezension] Oliver Dierssen - Fausto

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Joschel hat so einige Probleme. Pickel, Schule und Mädchen. Doch in letzter Zeit reden alle davon, dass er hochbegabt sei, nicht, dass das irgendetwas einfacher gemacht hätte. Vor allem, da Joschel gar nicht weiss, wer seinen Deutschaufsatz geschrieben hat. Er jedenfalls nicht.

Dieses Rätsel löst sich bald, denn Joschel hat einen Bücherdämonen bei sich zu Hause. Den Bücherdämon Fausto... 

Meine Meinung:

Vor allem zu Beginn hatte ich einige Schwierigkeiten mit Oliver Dierssens "Fausto". Dies liegt wohl vor allem daran, dass der pubertäre Joschel die Hauptrolle übernimmt, während ich darauf gehofft hatte, dass Fausto diese Rolle übernimmt. 

So folgen wir Joschel durch seinen problembeladenen Alltag, der zwar authentisch geschildert ist, mich jedoch nicht sonderlich interessierte. Vor allem die detaillierten Beschreibungen seiner Pickel hätte es nicht gebraucht. Joschel bietet für Teenager viel Identifikationspotential, da er sich auch tatsächlich wie ein richtiger Teenager benimmt. Da lag wohl mein persönliches Problem mit Joschel.

Als Fausto dann endlich auftaucht, ist er eher der, der die Geschichte ins Rollen bringt. Man erfährt nicht sonderlich viel über den niedlichen Dämon, was ich sehr schade fand. So blieben bis zum Schluss einige Fragen bezüglich Fausto und den Bücherdämonen offen.

Mit der Zeit kam jedoch Schwung in das Ganze und ich las das Buch ganz gerne. Jedoch liest man die Geschichte einfach weg, ohne gross mit hineingezogen zu werden. Im Allgemeinen würde ich sagen, das Buch hätte als Film weit mehr hergemacht. 

Die Geschichte an und für sich fand ich etwas zu platt und die Figuren ziemlich eindimensional. Viele Ereignisse waren vorhersehbar, jedoch ist das Buch auch für ein jüngeres Publikum geschrieben, die sich viel mehr mit Joschels Probleme auseinandersetzen. 

Fazit: 

Nichts für mich, aber für die Zielgruppe ist es ein leicht zu lesendes und rasantes Buch, das viele Themen der Jugendzeit aufgreift und verarbeitet.

Ich persönlich hätte mich lieber mehr mit Fausto beschäftigt als mit Joschel, ist der Bücherdämon doch eine weitaus interessantere Figur.

Oliver Dierssen
Fausto
TB, 2013
Heyne

978-3-453-52932-8 

19.01.2013 um 18:18 Uhr

[Rezension] Julie Kibler - Zu zweit tut das Herz nur halb so weh

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Wenn eine ältere Dame sich mit einer jungen, alleinerziehenden Mutter anfreundet, ist das meist schon seltsam genug. Doch wenn die Dame weiss und die junge Mutter schwarz ist, dann sind schiefe Blicke gewiss. Dennoch stehen sich Miss Isabelle und Dorrie sehr nahe.

Eines Tages bittet Miss Isabelle ihre Freundin um einen grossen Gefallen: Sie soll ihr Friseurgeschäft für einige Tage schliessen, um mit der rüstigen Dame an eine Beerdigung zu fahren.

Auf dem Weg dorthin beginnt Miss Isabelle ihre Geschichte zu erzählen, die zurück ins Amerika der 1930er Jahre führt. Eine prüde Zeit, in die die junge Isabelle nicht hineinzupassen scheint. Doch das Unglück nimmt seinen Lauf, als sie sich in Robert verliebt. Robert, der schwarz ist...

Meine Meinung:

In "Zu zweit tut das Herz nur halb so weh" erzählt Julie Kibler nicht nur die Liebesgeschichte von Isabelle und Robert, einer Liebe, die zum Scheitern verurteilt ist, sie zeigt auch das hierarchische Rassenbild der 1930er auf.

Es ist eine starre Zeit, der schöne Schein ist alles. Dass ein junges Mädchen sich in einen Schwarzen verliebt, ist ein Skandal. Denn Schwarze stehen in der Hierarchie unter den Weissen. Sie werden als zweitklassige Menschen angesehen, müssen sogar vor Einbruch der Dunkelheit die Stadt verlassen.

Was Isabelle und Robert wiederfährt ist fürchterlich, dennoch hege ich keinerlei Zweifel daran, dass das früher tatsächlich so zu und her ging. Durch Julie Kibler erhalten wir einen glaubhaften Blick in das damalige, sowie das heutige Gesellschaftssystem. Denn noch immer sind nicht alle Vorurteile überwunden, Isabelle und Dorrie erfahren das mehr als einmal am eigenen Leib.

Kibler erzählt ihre Geschichte ruhig und besonnen, an manchen Stellen leicht trocken. Dann hätte ich mir etwas mehr Gefühl gewünscht, doch im Grossen und Ganzen machte genau diese Erzählweise die Geschichte glaubhaft. Ich konnte mir gut vorstellen, wie Isabelle neben Dorrie im Auto sitzt und ihr ihre Lebensgeschichte erzählt.

"Zu zweit tut das Herz nur halb so weh" ist ein Buch, das Fragen aufwirft, das hinterfragt und nicht beschönigt. Es trifft den Leser an einer sehr empfindlichen Stelle. Nämlich bei der Frage, in wiefern wir noch immer unterschwellig rassischtig handeln oder denken. Wie weit sind wir wirklich in den 70 oder 80 Jahren gekommen? Wie weit geht die Gleichberechtigung?

Die Autorin hat ihrer Geschichte ein schwieriges Thema zugrunde gelegt und eine schöne, anrührende Liebesgeschichte erzählt. Kibler verheimlicht nicht, dass ihr Rassismus zuwider ist, doch sie zeigt dies auf eine angenehme, unaufdringliche Art, sodass man das Buch lesen kann, ohne sich gleich mit dem erhobenen Zeigefinger konfrontiert zu fühlen.

Meiner Ansicht nach braucht es ab und an solche Bücher, um einen aus der emotionalen Gleichgültigkeit aufzurütteln und einem wenigstens ein klein wenig der harten Realität vor Augen zu führen. 

Fazit: 

Ein Buch, das man trotz seines harten Themas leicht und flüssig wegliest. Es berührt und bewegt, zeigt es doch eine Liebesgeschichte, die so oder ähnlich hätte stattfinden können. "Zu zweit tut das Herz nur halb so weh" ist ein glaubhaftes Buch, das ein Thema anspricht, das uns in unserer globalisierten Welt bewegt wie kein zweites.

Julie Kibler
Zu zweit tut das Herz nur halb so weh
HC mit Schutzumschlag, 2012
Pendo

978-3-86612-325-0

Originalausgabe: Calling me Home
St. Martin's Press, Paris 2013

13.01.2013 um 15:44 Uhr

[Rezension] Uwe Tellkamp - Der Turm

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Ein Villenviertel in Dresen zur Zeit der DDR: Christian bereitet sich auf seine Laufbahn als Arzt vor, seine Eltern versuchen ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und scheitern dennoch. Onkel Meno ist als Lektor in einer Zwischenwelt gefangen, setzt er sich doch für die Autorin Schevola ein, deren Buch der Zensur zum Opfer zu fallen droht.

Doch wer fällt zuerst, die Menschen oder die DDR? 

Meine Meinung:

Schon vor einigen Tagen habe ich Uwe Tellkamps "Der Turm" beendet, kann mich aber erst jetzt dazu aufraffen, eine Rezension dazu zu schreiben. Dieses Buch ist sehr... anstrengend. Etwa so anstrengend wie eine Besteigung der Eigernordwand.

Die Grundzüge des Buches sind nicht schlecht. Man lernt die DDR von innen kennen, ihren Aufbau, ihre Idiotie. Die Personen, von denen gibt es einige, haben alle ihre eigene Beziehung zur DDR. Einige stehen voll und ganz hinter dem Sozialismus, während einige ihre ganze Härte zu spüren bekommen.

Ausserdem zeigt Tellkamp an einigen Stellen, dass er ein sehr feines Gespür für Humor hat und manchmal konnte ich mir ein Kichern nicht verkneifen.

Das waren die schönen Seiten der Eigernordwand. Machen wir uns also daran, sie zu erklimmen:

"Der Turm" ist definitiv ein Buch, das zeigen möchte, was die deutsche Sprache so alles drauf hat. Damit überzeugt Tellkamp zwar den Feuilleton und alle Kritiker, aber nicht mich. Eher im Gegenteil. Die deutsche Sprache ist eine schöne und man kann mit ihr vieles anstellen, doch Tellkamp treibt es fast schon zu weit.

Er redet so viel um den heissen Brei herum, dass die eigentliche Geschichte (der interessante Teil, sei hier erwähnt) in eben diesem untergeht. Vom Brei verschluckt ohne wieder ausgespuckt zu werden. Wieso zieht der Autor alles derartig in die Länge? Wieso ein 1000-seitiges Werk, wenn 500 Seiten eigentlich ausreichen würden? Denn die Grundgeschichte hätte auf eben jenen genügend Platz gefunden.

Somit war für mich der Lesespass schon nach einigen Seiten zu Ende. Aber hat man einmal angefangen, die Eigernordwand hochzukraxeln, kann man nicht so einfach wieder umkehren. Entweder wird man unterwegs erschlagen oder man kämpft sich hoch.

Ich hab mich hochgekämpft und kann rückblickend nur sagen: Hey, ich hab's geschafft!

Wahrscheinlich war ich noch nie so froh, ein Buch zuschlagen zu können und jetzt, da ich auch eine Rezi darüber geschrieben habe, dass man die deutsche Sprache auch vergewaltigen kann, kann ich das Buch in den unendlichen Weiten meines Bücherregals verstauen und vergessen.

Von der Geschichte nämlich, das weiss ich jetzt schon, wird mir nicht allzu viel in Erinnerung bleiben. Was bleiben wird, ist, dass der Brei nicht sehr schmackhaft war. Und dass mir Besteigungen von irgendwelchen Bergen nicht liegen.

Fazit: 

Nie wieder Tellkamp! Danke.

Uwe Tellkamp
Der Turm
TB, 2010
Suhrkamp

978-3-518-46160-0 

11.01.2013 um 11:27 Uhr

[Rezension] Marc Cantin - Merlin! Oh nein, die Hexe will mich kochen!

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Der junge Merlin wäre so gerne ein grosser Zauberer wie sein Vater, doch anstatt zu zaubern muss Merlin in die Schule gehen. Wie ungerecht! 
Natürlich kann der Junge nicht widerstehen, als er ein Zauberbuch seines Vaters findet. Doch leider funktionieren Merlins Zaubersprüche bloss mit gewissen Nebenwirkungen. Merlins Freunde finden das gar nicht lustig.
Aber es gibt da jemanden, dem es egal ist, ob die Sprüche funktionieren oder nicht. Hauptsache, es sit ein Zauberer...

Meine Meinung:

Auch die Protagonisten der Artus-Sage waren mal jung und Marc Cantin erzählt uns in "Merlin! Oh nein, die Hexe will mich kochen!" die Jugendabenteur von Merlin, Lanzelot und Artus.

Merlin fungiert hier als Hauptperson. Zwar nicht unbedingt als glorreicher Zauberer, aber als durchwegs sympathischen Jungen mit grossen Zielen. Zum Glück stehen seine Freunde hinter ihm und helfen ihm aus seiner Zwickmühle wieder hinaus.

Gut, man kann anmerken, dass einem die Gags aus vielen amerikanischen Filmen bekannt vorkommen, dennoch konnte ich mir das Grinsen während des ganze Buches nicht vom Gesicht wischen. Die Kinder sind einfach zu niedlich! Und manche Witze sind richtig gut.

Die Zeichnungen von Stan & Vince dagegen sind gewöhnungsbedürftig. Doch hatte ich mich mal daran gewöhnt und mich ins Buch eingelesen, passten sie doch sehr gut zur Geschichte und die kurzen Comicstrips unterreichen den lockeren Umgangston, den Cantin anschlägt.

Die kurzen Kapitel kann man den Kindern gut vorlesen, jedoch eignet es sich auch sehr gut als Erstlesebuch. Mit gerade mal 90 Seiten ist es auch für Anfänger zu bezwingen und die grosse Schrift unterstützt die Erstleser. 

Fazit: 

Ein gelungenes Buch für Kinder, die die Freude am Lesen entdecken wollen. Ausserdem ist es ein erstes Berühren mit der Sage um König Artus, obwohl die Kinderfiguren noch ganz andere Dinge im Kopf haben.

Ich habe mich bei der Lektüre köstlich amüsiert und finde sowhl die Aufmachung, wie auch die Figuren, sehr gelungen. Es ist eine niedliche Geschichte, für Erwachsene vorhersehbar, aber für Kinder sehr unterhaltsam gestaltet.

Marc Cantin
Merlin!
Oh nein, die Hexe will mich kochen!
HC, 2013
Ueberreuter

978-3-8000-5716-0

Mit Illustrationen von Stan & Vince
Aus dem Französischen von Carolin Müller
Originalausgabe: Merlin Zinzin - Un grimoire pour Merlin
Flammarion, Paris 2009 

08.01.2013 um 21:44 Uhr

[Tolle et Lege] Vol. 02!

von: Jari   Kategorie: Tolle et Lege

 
Erinnert ihr euch noch an die Aktion "Tolle Et Lege"? Ja? Gut. Denn sie geht in die zweite Runde! Mir hat es sehr viel Spass gemacht, eure Bücher zu lesen und habe mich deswegen entschlossen, ein weiteres Mal in den Ring zu steigen ;) 
 
Zur Repetition:
 
Tolle - Ihr nennt mir ein Buch und...
Lege - ich lese es. 
 
Die Regeln sind gleich wie beim letzten Mal. Es darf alles sein, vom Kinderbuch bis hin zum Kochbuch. Fach- und Sachbücher, Bildbände, Romane, Klassiker. 
 
Sobald ich das Buch durch habe, gibt es eine Rezi und ich werde euch benachrichtigen, dass es endlich so weit ist. Jedoch muss ich euch um Geduld bitten, da ich beruflich ebenfalls viel lesen muss. Ich habe es im Kopf, dass ich beim ersten Durchgang ca. 9 - 10 Monate gebraucht habe, also fast ein Jahr. Jetzt könnte es vielleicht noch länger dauern...
 
Ebenfalls kommt ein Punkt hinzu: Es muss ein Buch ohne Fortsetzung sein. Auch keine weiteren Titel, die lose darauf basieren. Keine weiteren angefangenen Serien!

Ausnahme: Teilnehmer eins und zwei tun sich zusammen und A gibt mir den ersten Teil zu lesen, B den zweiten. 
Willkommene Ausnahme: Ihr gebt mir Titel angefangener Serien zu lesen. Je nachdem könnt ihr mich auch ruhig anfragen, ob ich die Serie schon kenne :)
 
Alles klar? Ihr habt bis zum 31.01.13 Zeit, um mir eure Büchertipps zu schicken. Per Mail, Kommentar oder als Nachricht. 

07.01.2013 um 22:35 Uhr

[Rezension] Linda Groeneveld - Ein Elefant für die Prinzessin

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Da der König viel zu tun hat und die Prinzessin oft alleine ist, wünscht sie sich ein kleines Hündchen. Mit dem könnte sie dann spielen, mit ihm Tee trinken und durch Reifen hüpfen lassen. Aber die Prinzessin bekommt einfach keines! Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, kommt auch noch die Baronesse ins Schloss! Die mag weder kleine Hündchen, noch kleine Prinzessinnen...

Als eines Tages eine riesige Kiste ins Schloss geliefert wird, ändert sich jedoch so einiges... 

Meine Meinung:

Das Kinderbuch "Ein Elefant für die Prinzessin" von Linda Groeneveld ist eine liebevolle Geschichte übers Haben-Wollen, Familienbande und Haustiere.

Die Autorin erzählt sehr einfach und eindrücklich, ihr Stil ist nahe an die Märchen angelehnt, was natürlich gewollt ist, wenn man von Prinzessinnen und Königen redet. Groeneveld nimmt das Thema der Vernachlässigung auf, der König muss alleine regieren und muss viel arbeiten. Seine Tochter fühlt sich einsam und möchte das Loch mit einem Hündchen stopfen. Doch dann erhält sie ein Geschenk, das sich auf den zweiten Blick als noch viel toller als ein Hündchen entpuppt.

Die Geschichte ist mit einem Augenzwinkern erzählt und macht richtig Laune. Vor allem, was sich er Elefant und die Prinzessin so ausdenken, um die Baronesse zu ärgern. Dieses Buch ist ein kleiner Schelmenstreich.

Groeneveld nimmt sich Zeit, um sich in die Perspektive der kleinen Prinzessin zu versetzen. Der Blick des Kindes auf die seltsame Welt der Erwachsenen. Sorgfältig nimmt sie die Gedanken der Kleinen auf und verpackt sie in einfache Sätze. Auf diese Weise lässt sich ein guter Bezug zwischen der Geschichte und der Realität herstellen.  

Man kann als Erwachsener viel in das Buch hinein interpretieren, so wie ich es oben bereits getan habe. Ich könnte noch lange so weitermachen. Aber vordergründig ist es einfach ein lustiges Kinderbuch, das zwar ein paar bereits altbekannte Szenen aufgreift, aber dennoch gute Laune verbreitet.

Er muss denn nicht grinsen, wenn er sich den grossen, grauen Elefanten vorstellt, der mit der Prinzessin Tee trinkt? 

Fazit: 

Ein Buch, das sich gut zum Vorlesen eignet. Erstleser können sich ebenfalls an dem Buch versuchen. Seine grosse Schrift und die kurzen Abschnitte sind perfekt auf die Kinder zugeschnitten.

Wer weiss, vielleicht wünschen sich die Kinder dann plötzlich einen Elefanten als Haustier?

Linda Groeneveld
Ein Elefant für die Prinzessin
HC, 2013
Gerstenberg

978-3-8369-5462-4

Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
Originalausgabe: Een olifant op de thee
Uitgeverij J.H. Gottmer, Haarlem 2011 

06.01.2013 um 19:14 Uhr

[Rezension] Gilles Leroy - Alabama Song

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Wir befinden uns in den schillernden Zwanziger-Jahren: Die Zeit der Partys, Ausschweifungen und der Lebenslust. Es ist vor allem ein Paar, das ganz vorne mitmischt: Zelda und Scott Fitzgerald.

Doch auch ihr Stern ist im Sinken. Nach dem Aufschwung kommt der Fall, nach dem Sieg die Niederlage. Was hält die Fitzgeralds im Innersten zusammen? Was verbindet sie?

Wirft man einen Blick in den Schatten, dann steht sie dort. Die Verleugnete, die Talentierte, die Einsame: Zelda Fitzgerald. 

Meine Meinung:

Gilles Leroy lenkt unseren Blick in "Alabama Song" unsere Blicke auf den Schatten Scott Fitzgeralds. Nämlich auf Zelda Sayre, die Tochter des Richters. 

Zelda ist jung, lebenshungrig, begeisterungsfähig, talentiert. Dann trifft sie auf Scott Fitzgerald, sie heiraten und werden zum strahlendsten Paar der Zwanziger. Doch bald geht es bergab. Scott trinkt, Zelda stürtzt sich in eine Affaire, sie leben sich auseinander.

Leroy zeigt uns Zeldas Leben ohne Schminke und ohne die von Pailletten überzogenen Kleider. Eine einzigartige Frau, der mit der Zeit alles genommen wird, an dem ihr liegt. Ein wildes Mädchen, das zu einer gebrochenen Frau wird - "Alabama Song" ist ein eindrückliches Werk über diese eindrückliche Frau, die immer bloss im Schatten ihres Mannes gestanden hatte.

Das Buch gibt nicht nur Zeldas wildes und trauriges Leben wieder, sondern greift auch ihr Seelenleben auf. Leroy schafft es, uns Zelda nahe zu bringen, sie wieder von den Toten auferstehen zu lassen und obwohl das Buch keine Biografie und viele Stellen frei erfunden sind, so hat man doch das Gefühl, diese Frau etwas besser verstehen zu können.

Die Sprache des Autoren ist weder übertrieben, noch angeberisch, noch heuchelt er Mitleid mit Zelda. Er nimmt ihre Gefühle auf, ist der Anfang noch brisant und aufgeregt, so legt sich das recht bald. Wir erleben die kaputte Zelda, die sich von all ihren grossen Träumen verabschieden muss und genau das kann Leroy greifbar machen. Eine Frau, die kämpfen kann, gekämpft hat und weiterkämpft. Unter allen Umständen.

So ist dieses Werk nicht nur eine Wiedergabe von Zelda Sayres Leben, sondern auch ein Bild der Stellung der Frau in der Zwischenkriegszeit. Zelda widerstrebt allen Regeln, die einer Frau auferlegt werden. Sie will nicht ein Püppchen sein, sie will leben! Doch zu oft erlebt sie, was es heisst, eine Frau zu sein. Ihren Worten wird keinen Glauben geschenkt, alles was sie tut wird als Hysterie bezeichnet und ihr Mann kann ihre Texte gebrauchen, missbrauchen, wie es ihm gefällt.

Auf knapp 230 Seiten erleben wir eine Frau, die noch viel mehr Platz in Anspruch nehmen kann, doch durch Leroys Geschick reichen die 230 genau aus. Es ist kein angenehmes Buch, es ist anstrengend, man muss sich damit beschäftigten. Genau wie mit Zelda Fitzgerald. "Alabama Song" will nicht nebenher gelesen werden, es will die Hauptattraktion sein, es will den Leser umwerfen und mitreissen.

Genau das schafft Gilles Leroy. Genau deshalb ist uns Zelda Fitzgerald plötzlich so nahe. Weil der Autor es schafft, sie so plastisch und real darzustellen. 

Fazit: 

Ein grossartiges Buch über eine schillernde Figur. Keine Biografie, das nicht, aber dennoch erfährt man alles Wichtige, das Wichtigste von Zelda. Man muss sie vor der Lektüre nicht unbedingt gekannt haben, man kennt sie auch nach der Lektüre noch nicht ganz. Aber man wird neugierig auf diese aussergewöhnliche Frau.

Ein ganz grosses kleines Buch, das mich bewegt hat, mich mal entgeistert hat, aber genau das will Zelda ja. Ein Buch, das nicht so schnell in Vergessenheit gerät, genausowenig wie man Zelda Fitzgerald einfach vergessen kann.

Gilles Leroy
Alabama Song
HC mit Schutzumschlag, 2008
Kein & Aber

978-3-0369-5522-3

Aus dem Französischen von Xenia Osthelder
Originalausgabe: Alabama Song
Mercure de France, Paris 2007 

06.01.2013 um 17:50 Uhr

[Rezension] Cat Patrick - Forgotten

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

London Lane erinnert sich anders. Anstatt die Vergangenheit zu kennen und sich über die Zukunft zu wundern ist es bei ihr genau umgekehrt. Sie erinnert sich an die Zukunft und wundert sich über die Vergangenheit. Jede Nacht löschen sich die Erinnerungen an den verbrachten Tag. Deshalb hilft sie sich mit Notizen, damit sie den Schulalltag überstehen kann.

Als Luka an ihrer Schule auftaucht ist London sofort hin und weg von ihm. Doch als wäre es noch nicht genug, dass man seinen Freund jeden Morgen zum ersten Mal sieht, stürzt sich Londons beste Freundin Jamie in eine verhängnisvolle Affaire und plötzlich erinnert London sich an eine Beerdigung. Doch wessen Beerdigung ist es? 

Meine Meinung:

Mit "Forgotten" nimmt Cat Patrick eine interessante Idee auf. Sich an die Zukunft zu erinnern, dafür aber keine Ahnung zu haben, was gestern geschehen ist. Leider konnte mich das Buch jedoch nicht überzeugen, obwohl ich ihren Roman "Die 5 Leben der Daisy West" sehr gerne mochte.

Über lange Zeit fragte ich mich, wieso London so verdreht ist. Man folgt London durch ihren Schulalltag, ihren Streit mit Jamie und hört x-Mal wie toll Luke ist. Grundpfeiler ist YA-Romans. Vielleicht konnte mich das Buch deshalb nicht packen. Irgendwann wurde es mir einfach zu langweilig mit den ständigen Wiederholungen.

Erst gegen den Schluss hin wird es etwas spannend, doch genau dieser Punkt wird so rasch abgehandelt, dass ich das Buch gleich noch weniger mochte. Man bekommt dann zwar auch noch eine Antwort, weshalb London ist wie sie ist, doch auch dies geschieht nur nebenher.

Anstatt ständige Streitgespräche zwischen Jamie und London zu verfolgen hätte man ja an diesem Strang weiterarbeiten können, dann hätte mich das Buch vielleicht eher überzeugen können. Doch so war es nur ein weiteres Buch aus dem YA-Genre, mit dem ich nichts anfangen kann. Vielleicht bin ich einfach aus dem Alter raus, in dem ich jungen Mädchen bei ihren ersten Liebesabenteuern begleiten möchte?

Patricks Schreibstil in "Forgotten" ist sehr einfach gehalten, weswegen man das Buch ziemlich rasch durch hat. Oft beherrschen simple Dialoge oder Londons Tagebucheinträge ganze Seiten. Somit kann man "Forgotten" auch ruhig mal zur Seite legen ohne dass man gleich den Faden verlieren wird. 

Fazit: 

Ein romantisches Buch, das auch Leute lesen können, deren Englisch noch nicht so ausgeprägt ist. Es handelt von Liebe, Freundschaft und dem Entdecken der eigenen Vergangenheit.
Trotzdem ist es einfach nichts für mich und vielleicht sollte ich weniger zu YA-Büchern greifen...

Cat Patrick
Forgotten
TB, 2011
Egmont

978-1-4052-5361-1 

05.01.2013 um 23:06 Uhr

Jules Verne - Die Erfindung des Verderbens

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

 Inhalt:

Der Fulgurator Roch ist die stärkste Waffe seit Menschengedenken, erfunden vom Genie Thomas Roch. Doch die Ablehnung der Weltmächte kostete Roch den Verstand. Dennoch sind sie jetzt alle hinter der angeblichen Wunderwaffe her.

So auch Rochs Pfleger Gaydon, der eigentlich der Ingenieur Simon Hart ist. Doch das ruhige Leben im Hospital endet je, als Gaydon und Roch entführt werden. Bald schon findet Hart heraus, wer sein Entführer ist: Es ist niemand Geringeres das der schreckliche Pirat Ker Karraje...

Meine Meinung:

In "Die Erfindung des Verderbens" zeichnet Jules Verne einen groben Entwurf einer Atombombe. Jedenfalls hat Roch eine Waffe erfunden, die die Welt ins Verderben stürzen kann.

Obwohl es zuerst anders aussieht, ist nicht Roch, sondern Gaydon bzw. Simon Hart die eigentliche Hauptperson des Buches. Ein Grossteil der Geschichte besteht aus den Tagebuchaufzeichnungen des Ingenieurs. Deshalb ist das Buch auch Grösstenteils im Präsens geschrieben, was für manche gewöhnungsbedürftig ist, mir aber gar nicht weiter auffiel.

Die ganze Geschichte mutet wie ein Action-Film aus unserer Zeit an, was für mich bedeutet, dass alles irgendwie auf Jules Verne zurückgeht.
Aber im Gegensatz zu den heutigen Filmen geht es in diesem Buch nicht um grosse Explosionen, sondern um Harts Gefühle, Gedanken, seine Situation. Wie kann er fliehen? Wie kann er Roch davon abhalten, die Erde zu zerstören?

Deshalb lässt auch die Spannung auf sich warten. Doch ich las weiter. Weshalb? Weil ich neugierig war. Neugierig, wie es weiter geht. Neugierig, was hinter der Entführung steckt. Neugierig auf die Geschichte. Neugierig auf die Sprache. Eine Sprache, wie man sie heutzutage nicht mehr benutzt. Nicht fremd, aber ungewohnt. Sehr schön, sehr schön.

Leider lässt das Ende zu wünschen übrig. Im Gegensatz zum Rest des Buches ist es sehr vorhersehbar. Es hätte zwar nicht anders ausgehen können, aber vielleicht hätte sich Verne doch noch irgendetwas überlegen können?

Fazit:

Eine der unbekannteren Geschichten Vernes, die jedoch nicht minder lesbar ist. Jedoch eher etwas für Liebhaber Vernes und der Abenteuerliteratur.

 

Jules Verne
Die Erfindung des Verderbens
TB, 1977
Diogenes

 

978-3-257-20406-3

 

Aus dem Französischen von Karl Wittlinger
Originalausgabe: Face au drapeau
J. Hetzel, Paris 1896

 

Mit Illustrationen von L. Benett 

 

02.01.2013 um 22:41 Uhr

[BücherFilme] Zwei an einem Tag

von: Jari   Kategorie: BücherFilme

Das Buch:

2009 erschien David Nicholls Erfolgsroman "One Day" auf Englisch, zwei Jahre später erschien dann die deutsche Ausgabe, die ebenfalls die Hitparaden stürmte. Hier findet ihr meine Rezension zum Buch:
http://www.blogigo.de/jaris_buechergebrabbel/Rezension-David-Nicholls-Zwei-an-einem-Tag/1026

Der Film:

Natürlich lässt eine Verfilmung nicht lange auf sich warten. Ein so erfolgreiches Buch muss schliesslich auf die Leinwand (ausserdem scheint Hollywood die Ideen auszugehen...). Im August 2011 flimmerte "One Day" zum ersten Mal über die amerikanischen Leinwände.

Regie führte die Dänin Lone Scherfig, die Hauptrollen ergatterten Anne Hathaway (Em) und Jim Sturgess (Dex). Für das Drehbuch zeichnete sich niemand geringerer als David Nicholls selbst verantwortlich. Vielleicht ist der Film deshalb nicht in die Hose gegangen.

Nachdem mir das Buch sehr zugesagt hat, war ich einigermassen neugierig auf den Film, und wollte wissen, wie er umgesetzt wurde. Und ich muss zugeben, es ist eine Buchverfilmung, die man sehen kann. Auch dann, wenn man das Buch gelesen hat.

Anne Hathaway und Jim Sturgess spielen ihre Rollen wirklich gut und sie passten äusserlich sowie charakterlich gut zu den Romanfiguren. Daran gab es nichts auszusetzen.
Auch an weggelassenen Szenen gab es sehr wenige und diejenigen, die herausgeschnitten wurden, vermisste man nicht.

Die Jahressprünge sind auch im Film gut gemacht und man erfährt alles, was man im Buch ebenfalls über die Figuren und ihr Leben erfährt.

Es wurden einige Änderungen gemacht, die ich persönlich nicht nachvollziehen kann. So fahren Dex und Em eigentlich nach Griechenland in die Ferien und nicht nach Frankreich und, was ich sehr schade fand, die Szene im Labyrinth verschob man auf eine Dachterrasse.

Fazit: 

Doch wie gesagt, dies sind kleine Dinge, über die man gut hinwegsehen kann. Ich bin kritisch, was Verfilmungen von Büchern betrifft, aber "Zwei an einem Tag" habe ich mir gerne angeschaut. Auch wenn das Buch natürlich immer noch besser ist ;) 

02.01.2013 um 14:50 Uhr

[Kurzgebrabbel] Bilderbücher

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

Rezis von 2012:

Flöckchen ist ein kleins Häschen, das in einem schönen Wald wohnt. Er hat alles, was er braucht. Doch etwas fehlt dem Kleinen: Er hätte so gerne einen Freund! Deshalb schreibt er einen Brief an den Weihnachtsmann. Doch dann verpasst er kurzerhand die Post und muss den Brief selbst zum Weihnachtsmann bringen. Ob dieser Flöckchens Wunsch erfüllen kann?

Seit ich Rebecca Harrys "Der kleine Hase im Weihnachtswald" zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich, dass ich dieses Buch haben wollte und dass dies das Weihnachtsbuch 2012 werden wird!
Die Geschichte selbst erinnert etwas an die Geschichte von Sterntaler, denn Flöckchen verteilt selbst alles, was er für die Reise zum Weihnachtsmann mitgenommen hat. Dafür geht dann auch sein innigster Wunsch in Erfüllung.
Doch vor allem lebt das Buch von Harrys Illustrationen. Sie sind so liebevoll und so süss, dass einem beinahe das Herz schmilzt. Das Glitterzeug hätte von mir aus nicht sein müssen, aber nur schon das Häschen Flöckchen ist so pauschelig, dass man es am liebsten in die Arme nehmen und nie wieder loslassen würde.

Der Fuchs beschäftigt uns Menschen schon seit Jahrhunderten. Verehrt, gehasst, geliebt. Er ist anpassungsfähig, geschickt und frech. 
In "Fix - Begegnungen mit einem Fuchs" zeigt Albert Mächler seine Fotografien. Obwohl man denken könnte, dass viele davon gestellt seien, so sind sie es doch nicht und zeigen das fotografische Können Mächler. Die Bilder zeigen das faszinierende Tier Fuchs, seine Beziehung zum Menschen und sein Leben. Es sind schöne und gelungene Fotos, die zum Staunen einladen.
Begleitet wird der Bildband von unterschiedlichen Texten, die zeigen, wie unterschiedlich der Fuchs wahrgenommen wird. Ob Auszüge aus Fachtexten, Fabeln und Märchen oder Publikationen von Jägern - die Texte sind facettenreich und zeigen das paradoxe Bild, das der Mensch vom Fuchs hat.
"Fix - Begegnungen mit einem Fuchs" ist definitiv ein Buch für alle Fuchsfreunde.

 Neujahrsrezi:
(noch einmal ein Häschen...)

Bücher sind toll und lesen ist schön. Doch es gibt ein ganz besonderes Buch, das ich immer wieder aufschlage. Es ist mein Lieblingsbuch und darin entdecke ich jedes Mal etwas Neues...
Anita Jeram zeigt in ihrem Bilderbuch "Du bist mein Lieblingsbuch" wie schön das Lesen sein kann und was man darin alles entdecken kann. Die Bilder sind sehr liebevoll und kindgerecht gezeichnet und unterstreichen den Text. Oft verraten sie sogar noch mehr als die Buchstaben selbst.
"Du bist mein Lieblingsbuch" ist ein tolles Geschenk für bibliophile Erwachsene, die Bilderbücher mögen, und eine gute Art und Weise um kleine Kinder an das Lesen heranzuführen und ihnen zu zeigen, dass Bücher mehr sind als bloss trockene Worte.

01.01.2013 um 20:48 Uhr

[Monatsstatistik] Dezember 2012

von: Jari   Kategorie: Monatsstatistik

Gelesen:

Paul Wittwer - Widerwasser
David Nicholls - zwei an einem Tag
Robin Jarvis - Dancing Jax: Auftakt
Nina Blazon - Laqua
Die Abenteuer von Koe dem Zwergen
Siegfried Lenz - Die Nacht im Hotel (Rezi folgt im Februar)
Stefan Bachmann - The Peculiar
Rebecca Harry - Der kleine Hase im Weihnachtswald
Albert Mächler - Fix: Begegnungen mit dem Fuchs
Anita Jeram - Du bist mein Lieblingsbuch
Jules Verne - Die Erfindung des Verderbens
Cat Patrick - Forgotten

Gesamt gelesen 2012: 142

Das Buch des Monats:

Was den Jahresrückblick betrifft... darin bin ich sehr schlecht. Für dieses Jahr kann ich nur sagen, dass ich eines der schlechtesten Bücher überhaupt gelesen habe: Die Mechanik des Herzens. 
Auf Platz zwei landete "Herzenstimmen" und erst auf Platz drei ist "Shades of Grey".
Also kann ich eigentlich von einem erfolgreichen Lesejahr sprechen. Ich hab so viel gelesen wie noch nie. Ich denke nicht, dass ich diese Zahl übertreffen kann.