Jaris Büchergebrabbel

31.03.2013 um 17:12 Uhr

[Rezension] Jakob Arjouni - Mehr Bier

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Bei einem Anschlag auf die "Rheinmainfarben-Werke" wird gleich noch der Vorstandsvorsitzende der Fabrik umgebracht. Drei Tage nach dem Unglück werden vier Verdächtige festgenommen. Zeugenaussagen jedoch sprechen von fünf Beteiligten. Wer war der fünfte Mann? Kemal Kayankaya soll ermitteln und nimmt die Spur auf.

Meine Meinung:

"Mehr Bier" ist der zweite Fall für den Privatdetektiv Kemal Kayankaya. Seit wir ihn in "Happy Birthday, Türke" kennen gelernt haben, hat er sich nicht sonderlich verändert. Noch immer gleich streitsüchtig, noch immer gleich süchtig nach Alkohol.

Ja, Kayankaya ist keine sympathische Figur, Identifikationspotential ist ebenfalls nur gering vorhanden. Doch wahrscheinlich ist es genau das, was mich an diesem Charakter so fesselt. Dass er so anders ist. In diesem Buch erfahren wir ein weiteres Detail seines Charakters und ich bin gespannt, ob wir je herausfinden werden, weshalb Kayankaya so ist, wie er ist, und wie er dorthin gekommen ist, wo er jetzt ist.

Das Millieu, in welchem wir uns wiederfinden, ist dreckig, es wimmelt von Alkoholsüchtigen und Prostituierten. Dementsprechend ist das Buch geschrieben. Hier wird geflucht, man beleidigt sich und mehr als einmal kriegt unser Ermittler eins auf die Mütze. Oft schreibt der Autor Arjouni auch in Dialekten. Die ganze Szenerie passt zusammen und auch wenn es eindeutig keine Wohlfühlkulisse ist, so ist sie zumindest stimmig.

Obwohl das Buch spannend ist und ich bis zum Schluss dabei war, wurde ich leider von den vielen Namen verwirrt. Die Geschichte wir auf nur 170 Seiten erzählt, doch auf denen kommen sehr viele Namen vor, sodass ich irgendwann gar nicht mehr wusste, wer wer war und was mit wem zu schaffen hatte. So verlor der Kriminalfall viel von seiner Spannung und ich traurigerweise viel Lesefreude. 

Fazit: 

Es hat mich gefreut, wieder mit Kemal Kayankaya durch Frankfurt zu streifen. Möchte man diese Krimis lesen, sollte man sich jedoch bewusst sein, dass der Wohlfühlfaktor relativ klein gehalten ist. Dies betrifft bei "Mehr Bier" vor allem auch den Schluss, den ich jedoch sehr gelungen fand.

Nur die Fülle von Namen sorgte bei mir zu grosser Verwirrung, dies muss jedoch nicht jedem Leser so ergehen.

  

Jakob Arjouni
Mehr Bier
TB, 1987
Diogenes

978-3-257-21545-8 

28.03.2013 um 14:33 Uhr

[Rezension] Scarlett Thomas - Troposphere

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Ariel Manto führt ein beschauliches Leben als Studentin. Ihre Arbeit befasst sich mit einem Thema, das keiner kennt, sie teilt sich eine kalte Wohnung mit einem guten Freund und vielen Mäusen. Mit diesem Leben ist es vorbei, als Ariel in einem Antiquariat eine Ausgabe des Buches "The End of Mister Y" entdeckt, eines der letzten Ausgaben! Dieses geheimnisvolle Buch führt Ariel nicht nur in die Welt von Mister Y, sondern auch in die Troposphäre. Und plötzlich hat Ariel Zugang zu allen Gedanken der Menschheit... 

Meine Meinung:

Was soll ich zu diesem Buch sagen? Ich weiss es nicht so richtig. Ich weiss nicht einmal, ob es mir gefällt oder nicht. Jedes Mal, wenn ich versuche, mir eine handfeste Meinung zu bilden, entzieht das Buch sich mir. Wahrscheinlich gehört es zu jenen Werken, die sich nicht einfach in die Schublade "gut" oder "nicht gut" stecken lassen.

Nennen wir es paradox: Das Buch hat einige Längen, dennoch entwickelt es einen Sog, der mich dazu brachte, ständig weiterzulesen. Es ist zum Einen diese seltsame Mischung aus Naturwissenschaft und Paranormalität. Wie kann man das mischen? Scarlett Thomas macht das ganz ungezwungen. Das Fantastische ist für sie nicht unbedingt gegensätzlich zu den Gesetzen der Physik.

Das loten Ariel, Adam und die anderen Figuren des Buches auch seitenlang aus. Einerseits waren die Diskussionen, die hier geführt werden, überaus interessant. Man kann auf diese Weise viel über Quantenphysik lernen. Andererseits sind es eben diese Gespräche, die die Geschichte immer nur ein wenig vorantreiben, die das Buch ewig in die Länge treiben.

Die Ausführungen über die Troposphäre wiederum habe ich gerne gelesen und irgendwie wäre ich beinahe ebenfalls versucht, das Rezept aus "The End of Mister Y" nachzubrauen. Was würde dann wohl geschehen? Es ist eine fantastische Welt, die uns Thomas aufzeichnet, jedoch weitaus weniger fantastisch als manche andere. Was sind Gedanken? Woraus bestehen sie? Hier wird der alte Wunsch nach der Fähigkeit Gedanken zu lesen ganz neu interpretiert.

Doch kann dabei etwas Gutes herauskommen? Was wäre, wenn jeder einfach in die Gedankenwelt seiner Mitmenschen springen könnte? Dessen Gedanken verändern? 

Trotz seiner Längen ist "Troposphere" ein sehr kluges Buch, das Fragen aufwirft und den Leser zum Mitdenken auffordert. Ariel ist in gewisser Weise eine Anti-Heldin, war mir jedoch genau deswegen äusserst sympathisch. Sie ist eine interessante Figur, die perfekte in diese abgedrehte Geschichte passt.

Dieses Buch ist bei Weitem keine Massenware, es ist kein Buch, das man bedenkenlos jedem in die Hand drücken kann. Sollte ich dieses Buch jemals bei jemandem im Regal finden, liesse sich daraus sicherlich eine reizvolle Diskussion gestalten. 

Fazit: 

Wir bestehen alle aus Quark. Äh, Quarks. 

Scarlett Thomas
Troposphere
TB, 2009
Rowohlt

978-3-499-24627-2

Aus dem Englischen von Jochen Stremmel
Originalausgabe: The End of Mister Y
 Canongate Books, Edinburgh 2007

24.03.2013 um 21:04 Uhr

[Gewinnspiel] Ein Freund, ein guter Freund... <Auslosung>

von: Jari   Kategorie: Gewinnspiele

Beim Abendessen ist mir eingefallen, dass heute der 24.03.13 ist und somit Zeit, den Gewinner des aktuellen Gewinnspieles zu ziehen. Also rasch alle Namen auf Zettelchen notiert und den Hexenmeister eingespannt, ich könnte ja befangen sein und ich will niemanden bevorzugen (ich mag euch alle).
 
 
So sah das dann aus. Alles rasch mal durchgeschüttelt und der Hexenmeister zog folgendes Zettelchen:
 
 
Herzlichen Glückwunsch!
 
Alle anderen: Bitte nicht traurig sein, ich hab noch einige Bücher, die ich bald verlosen werde. Einfach dabei bleiben :)
 
Und noch etwas: Danke für alle Kommentare, Hinweise, Eindrücke und einfach nur Danke fürs Lesen! (ich werd noch richtig sentimental...) 

24.03.2013 um 14:09 Uhr

[Kurzgebrabbel] Bastian Sick - Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod 2

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

Deutsche Sprache schwierige Sprache. Deswegen gehen Bastian Sick auch die Themen nicht aus. Im zweiten Teil der gesammelten Zwiebelfisch-Kolumnen geht es dieses Mal um E-Mails, Zaubererinnen und andere Dinge, weil interessant sie sind.
Auch dieses Mal erfährt man viel Aufschlussreiches über Grammatik, Wortherkunft und Umgangssprache. Ich hatte einige Aha-Erlebnisse, habe jedoch nicht jede Kolmune so aufmerksam gelesen wie im ersten Buch. Einige Dinge scheinen sich auch zu wiederholen, somit ist es nicht notwendig, die Titel der Reihe nach zu lesen oder die gesamte Sammlung  zu Hause zu haben.
 

21.03.2013 um 18:50 Uhr

[Rezension] John Gray - Von Menschen und anderen Tieren

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Was ist der Mensch? Was macht einen Menschen aus? Schon seit Jahrhunderten differenziert sich der Mensch vom Tier und das, obwohl es unbestreitbar ist, dass wir vom Affen abstammen. Doch wohin hat uns dieses Denken geführt? Wieso sollte der Mensch besser sein als andere Tiere?

Meine Meinung:

In "Von Menschen und anderen Tieren" rechnet John Gray schonungslos mit dem Gedankengut des Humanismus ab. Direkt und unverblümt holt er das Menschengeschlecht von seinem hohen Ross.

Dabei ist das Buch vor allem ein historischer Ausflug in die Geschichte des Menschen. Was hat in so weit gebracht? Wieso? Und wie sind wir zu denen geworden, die wir sind? Gray besagt, dass der Mensch schon vor Urzeiten ein Homo rapiens war und dass Massenvernichtungswaffen eine weitere Erscheinung des von uns so geliebten Fortschritts ist. Der Glaube an den Fortschritt hat die Religion ersetzt, doch laut Gray fundiert unser gesamtes Weltbild noch immer im Christentum.

Der Autor bedient sich dabei bei Dichtern und Denkern, widerlegt ihre Thesen oder bestätigt diese. Dabei macht der Leser gleichzeitig noch einen Ausflug in die Welt der Philosophie und bekommt die Hintergründe der einzelnen Philosophen erläutert.

Zwar mögen Grays Thesen nicht alle sonderlich neu sein, für mich war die Lektüre des Buches dennoch aufschlussreich und teilweise auch erschütternd. So zeigt Gray, dass das Bewusstsein, das oft als Unterschied zwischen Mensch und Tier angeführt wird, nur ein sehr kleiner Teil unseres Lebens ausmacht.

Das Buch lässt sich für ein philosophisches Buch gut lesen, auch wenn man, so wie ich, in Philosophie bloss Grundkenntnisse aufweisen kann. Die ausführlichen Beschreibungen der Philosophen fand ich etwas ermüdend und sind nicht immer von Nöten.

Fazit: 

"Von Menschen und anderen Tieren" gibt einem viele Denkanstösse und Impressionen. Der Grundton des Buches ist jedoch ziemlich pessimistisch, wer sich daran nicht stört, findet eine interessante Lektüre vor, die vielen Menschen bestimmt gut tun würde.

 

John Gray
Von Menschen und anderen Tieren
Abschied vom Humanismus
HC mit Schutzumschlag, 2010
Klett-Cotta

978-3-608-94610-9

Aus dem Englischen von Alain Kleinschmied
Originalausgabe: Straw Dogs. Thoughts on Humans and Other Animals
Granta Publications, London 2002 

20.03.2013 um 08:46 Uhr

[Kurzgebrabbel] Erin Hunter - Warrior Cats: Geheimnis des Waldes

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

Im dritten Teil der ersten Staffel geht es mal wieder drunter und drüber: Die Beziehung zwischen Graustreif und Silberfluss gerät ausser Kontrolle, der Fluss tritt über die Ufer und Feuerherz will endlich beweisen, dass man Tigerkralle nicht trauen darf.
Auch dieser Teil der Kampfkätzchen gefiel mir sehr gut und obwohl sich unterdessen ein klares Muster herauszeichnet (Feuerherz geht irgendetwas auf den Grund - der DonnerClan wird angegriffen - Feuerherz rettet die Situation), macht mir das eigentlich gar nichts aus. Zwar bin ich nicht mehr so sehr dabei wie noch im ersten Band, aber die Kätzchen gefallen mir immer noch.
Was mich jedoch störte, waren die Stirnrunzelnden Katzen. Katzen runzeln nicht die Stirne. Obwohl diese Tiere hier sehr stark vermenschlicht sind, ist das Stirnerunzeln etwas, das ich noch nie bei einer Katze gesehen habe. Ich habe versucht, meine Katze zum Stirnrunzeln zu bringen, aber sie hat mich nur böse angeguckt...
 

19.03.2013 um 14:26 Uhr

[Rezension] Stefan Zweig - Angst

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Aus Langeweile und weil es sich eben so ergeben hat, hat sich die verheiratete Frau Irene auf ein Verhältnis mit einem Pianisten eingelassen. Als sie aber eines Tages die Wohnung ihres Geliebten verlässt, trifft sie auf ein rüpelhaftes Weibsbild, das beginnt Frau Irene zu erpressen.

Soll Irene ihrem Mann die Wahrheit sagen? Wird die fremde Frau wieder auftauchen und sie um Geld angehen? Bald schon eskaliert die Situation... 

Meine Meinung:

Dieses Büchlein habe ich bloss wegen des Titels gekauft, befand ich mich doch in einer Situation, in der ich selbst von Angst fast gelähmt war. 

Auf gerade mal 60 Seiten schafft Stefan Zweig es, uns ein beinahe alltägliches Drama aufzuzeigen, das auch in der heutigen Zeit passieren könnte. Zweig führt uns vor Augen, was passieren kann, wenn wir vor unseren Ängsten davonlaufen und sie unser Leben regieren lassen.

Mehr als einmal hätte Irene ihrem Mann gestehen können, dass sie eine Affäre hatte, doch immer schweigt sie. Doch auch der Ehemann ist nicht ganz unschuldig. Beide sind sie nicht in der Lage, offen miteinander zu kommunizieren. Wäre Irene offen gewesen, hätte sie sich viel Angst erspart. Wäre Fritz offen gewesen, hätte er Irene viel Angst erspart.

Zweig ist ein wundervoller Autor, der ein zartes Gespür für Stimmungen und Gefühle hat. Auch ich wurde von der Angst beherrscht, als ich diese Geschichte las und Zweig schaffte es, die Angst plastisch darzustellen. Ich konnte gut nachvollziehen, wie Irene sich fühlt und wie es ihr ergeht.

Es ist keine schwere Sprache, der sich Zweig bedient, aber für heutige Masstäbe ungewohnt. Doch genau deshalb fand ich es so schön, dieses Reclam-Bändchen zu lesen. Die ganzen Verstrickungen und Geheimnisse, Irenes immer stärker werdenden Gefühle, all das kann Zweig mit dieser feinen, an einen zarten Lufthauch erinnerden Sprache auf den Punkt bringen. 

Fazit: 

Ein wundervolles Buch mit einer wichtigen Botschaft. Wahrscheinlich jedoch gefiel mir der Text deshalb so gut, weil ich mit Frau Irene eine Identifikationsfigur gefunden hatte, die mir in dieser Situation vieles vor Augen geführt hat. Danke, Herr Zweig!

Stefan Zweig
Angst
TB, 2011
Reclam

978-3-15-006540-2

Mit einem Nachwort von Richard Friedenthal 

18.03.2013 um 19:04 Uhr

[Rezension] Doreen Cronin - Inspektor Barney: Tatort Hühnerstall

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Barney ist ein Rettungshund und hat schon viele Menschen aus schlimmen Situationen gerettet. Nun ist Barney in Rente und geniesst sein Leben.
Bis plötzlich Hetti auftaucht. Hetti, das Huhn. Barney kann Hühner eigentlich gar nicht ausstehen, doch er beschliesst, Hetti zu helfen, ihre Küken wieder zu finden. Denn zwei der vier wurden auf jeden Fall entführt!

Meine Meinung:

Doreen Cronins Geschichte um Barney, Rettungshund in Pension, ist ein unterhaltsamer Krimi für junge Leser. Einfache und knappe Sätze überfordern die jungen Leser und die hübschen Illustrationen von Kevin Cornell sprechen für sich.

Barney ist herrlich ironisch, für mich als erwachsenen Leser eine wahre Freude. Aber auch die Küken, denen Barney einfach mal andere Namen gibt, sind wirklich drollig. Das Buch macht wahnsinnig viel Spass und geht auch irgendwie ans Herz.

Nur habe ich mich ab und zu gefragt, ob die Sätze nicht etwas zu kurz und zu ironisch für Kinder sind. Die Geschichte springt aufgrund der knappen Aussagesätze etwas hin und her und man muss rasch schalten, wenn man verstehen will, was Barney nun meint. 

Fazit: 

Ein lustiges Kinderbuch, das bestimmt auch einige Erwachsene beigeistern kann. Vor allem Hundeliebhaber werden Freude an Barney haben, der nach dem Prinzip "Harte Schale - weicher Kern" funktioniert. Aber die Küken sind auch nicht übel.

 

Doreen Cronin
Inspektor Barney
Tatort Hühnerstall
Ein Hunde-Krimi
HC, 2013
Schneiderbuch

978-3-505-13191-2

Mit Illustrationen von Kevin Cornell

Aus dem Englischen von Ann Lecker
Originalausgabe: The Trouble with Chickens
Harper Collins, London 2011 

17.03.2013 um 20:30 Uhr

[Rezension] George Mann - The Affinity Bridge

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Ein Zeppelin verunfallt ohne ersichtlichen Grund, ein blau leuchtender Polizist ermordet Menschen und eine Seuche greift um sich. Im London von 1901 ist einiges los.

Im Auftrag Ihrer Majestät wird Sir Maurice losgeschickt, um den Zwischenfall mit dem Zeppelin zu untersuchen. Ihm zur Seite steht Miss Veronica Hobbes. Gemeinsam entdecken sie, dass es einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Fällen gibt... 

Meine Meinung:

Es war vor allem das Cover, das mich dazu brachte, George Manns "The Affinity Bridge" zu lesen. Rückentext ist fakultativ. 

Deswegen wusste ich auch nicht, worauf ich mich einliess und begann ohne jegliche Vorurteile oder Erwartungen mit der Geschichte. Zuerst war ich richtig begeistert. Steampunk vom Feinsten! Zeppeline, Roboter und andere seltsame Erfindungen bevölkern dieses Buch. Dazu kommt noch ein gewisses Zombieflair. Das muss doch einfach etwas Gutes ergeben!

Doch nach den ersten Seiten legte sich die Euphorie und versank immer mehr in Ödnis. Die letzten hundert Seiten überblätterte ich bloss noch und das eigentlich auch nur, weil es sich nicht mehr lohnte, ganz abzubrechen.

Es begann mit den Figuren. Anfangs ist man immer gespannt, neue Charaktere kennen zu lernen und anfangs fand ich Sir Maurice und Miss Hobbes auch ganz nett. Leider kamen wir nie darüber hinaus und je weiter die Geschichte fortschritt, desto gleichgültiger wurden mir diese zwei. Der galante Sir Maurice erschien mir immer mehr wie ein unsterblicher Super-Man im Anzug und Miss Hobbes wurde nur dazu abgestellt, Sir Maurices Thesen zu unterstreichen.

Die Figuren blieben blass und zweidimensional. Selbst als sie in grösster Gefahr schwebten, bangte ich nicht um sie, so hoch war der Grad meiner Gleichgültigkeit.

Leider blieb es nicht nur bei den Charakteren, sondern auch die Geschichte an und für sich schwächelte. Das Buch liest sich einfach runter, wie schon erwähnt war die emotionale Beteiligung meinerseits gleich Null. Zu viele Dinge geschehen, die seitenlang ausgeweidet werden, für die eigentliche Geschichte aber keinerlei Bedeutung haben. Vom Kriminalfall, der eigentlich gar keiner ist, will ich gar nicht reden.

Somit kann ich mich leider nicht den vielen positiven Stimmen um dieses Buch anschliessen. Aber das Cover ist schön. 

Fazit: 

Aussen hui - innen pfui. Vielleicht etwas zu drastisch ausgedrückt, aber eigentlich trifft es das ganz gut. Etwas Lesespass bestand am Anfang, aber der verflog recht rasch.

George Mann
The Affinity Bridge
TB, 2008
Snowbooks

978-1-905005-88-8 

16.03.2013 um 21:27 Uhr

[Rezension] Astrid Lindgren - Die Brüder Löwenherz

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

  

Inhalt:

Es gibt ein Land, das ist voller Legenden und Märchen, dort sitzt man am Lagerfeuer und erlebt die wildesten Abenteuer. Dieses Land heisst Nangijala, aber dorthin kommt man erst nach seinem Tod.
Zum Glück weiss der kleine Krümel, dass er dort wieder mit seinem geliebten Bruder Jonathan zusammen sein kann. Als dann auch Krümel endlich nach Nangijala gelangt, ist es überglücklich. Alles ist schön und toll und wunderbar!
Aber leider muss Krümel bald herausfinden, dass Nangijala in grosser Gefahr schwebt... 

Meine Meinung:

Astrid Lindgrens Geschichte um die Brüder Löwenherz lässt mich zwiegespalten zurück.

Einerseits ist es eine wundervolle Geschichte, die von Mut, Gerechtigkeit und Liebe handelt. Der kleine Krümel sieht sich nicht als unbedingt mutig an. Anders Jonathan, der zwar jung, aber bereits furchtlos wie ein Löwe ist. Krümel, der eigentlich Karl heisst, ist eine eher passive Hauptfigur, und auch sehr empfindsam. Das machte ihn mir symapthisch und ich konnte mich sehr gut mit ihm identifizieren. Viele Kinder werden das auch können. Krümel tut uns gut!

Andererseits lässt mich das Buch auch zweifeln. Vor allem am Schluss fragte ich mich, ob das nun wirklich hätte sein müssen. "Die Brüder Löwenherz" ist ein Buch, in welchem auch der Tod direkt angesprochen wird. Auf diese Weise kann man Kindern das Leben und Sterben auf einfache und gut verständliche Weise näher bringen. Ihnen vielleicht sogar eine Antwort liefern.

Aber ob ich mit einem kleinen Kind bereits über den Freitod diskutieren möchte, ist fraglich. Natürlich gehört es dazu, doch beherbergt dies auch eine gewisse Gefahr. Ist das Buch noch zuvor lebensbejahend und gibt einem viele Gründe, weshalb es sich lohnt, niemals aufzugeben, so fragte ich mich dann doch, ob man die schlussendliche Botschaft des Buches nicht falsch verstehen könnte.

Ich bin keine Mutter, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich mein Kind das Buch selbstständig lesen lassen würde. Aber das kommt wahrscheinlich auf das Individuum an.

Was ich an diesem Buch ohne zu werten interessant fand, war die Beziehung zwischen Jonathan und Krümel. Der kleine Karl blickt zu seinem grossen Bruder auf und dieser hat einen starken Beschützerinstikt. So hält Jonathan Krümel aus dem Gröbsten raus und wie schon gesagt ist Karl eher passiv. Dennoch würde es die Geschichte ohne ihn nicht geben.

Ob Jonathan oder die anderen Figuren das überhaupt realisiert haben?

Für mich persönlich war Krümel übrigens viel mutiger als Jonathan. Der Grosse scheint sich ständig einfach so ins Getümmel zu schmeissen. Krümel dagegen bekämpft seine Angst. Angst, der grösste Gegner überhaupt. Vielleicht sollte das jemand dem Kleinen mal ausrichten? 

Fazit: 

Ein wunderschöner und verzauberter Abenteuerroman und düsteren Episoden, die viel Diskussionsstoff bieten werden. Jedenfalls eine Geschichte, die im Kopf bleiben wird.

Mir ist Krümel sehr ans Herz gewachsen und ich bin fast schon ein wenig neidisch auf Jonathan. Aber dies ist eine andere Geschichte.

                                        

Astrid Lindgrend
Die Brüder Löwenherz
HC, 1973
Oetinger 

3-7891-2941-0

Aus dem Schwedischen von Anna-Liese Kornitzky
Originalausgabe: Bröderna Lejonhjärta
Raben & Sjögren, Stockholm 1973

Dieses Buch ist Teil der Aktion Tolle et Lege und wurde vorgeschlagen von Angelmagia (http://www.blogigo.de/angelmagia1)

15.03.2013 um 17:01 Uhr

[Rezension] Alex Capus - Der König von Olten kehrt zurück

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Obwohl Olten eine Kleinstadt ist, ist dort immer irgendetwas im Gange. Alex Capus, tief verwurzelt in dieser Stadt, zeigt in seinen kurzen Anekdoten das Leben der Oltner: ob Capus nun mit Schreiberfreund Pedro Lenz ein Restaurant eröffnet, die Existenzberechtigung von Velos mit Motoren erörtert oder vom Familienalltag berichtet.

Meine Meinung:

Genau wie der Vorgänger "Der König von Olten" sammelt "Der König von Olten kehrt zurück" die Geschichten Capus', die er über Olten geschrieben hat. Es sind kurze und pointierte Alltagsgeschichten, die man selber bestimmt auch hätte erleben können.

Manche Dinge sind glaubhaft, andere nicht. Manches kauft man Capus ab, manches nicht. Ob diese Erlebnisse nun erfunden sind oder nicht, und ob Capus wirklich sieben Nachbarn namens Urs hat, eigentlich ist es einerlei, denn die Berichte wollen nur eins: unterhalten. 

Capus' Beobachtungen des Alltages der Stadt sind scharf und präzise, alles, was ich über die Stadt weiss, in der ich wohne, weiss ich von Capus. Dennoch hat mir das erste Büchlein ein klein wenig besser gefallen. Es war witziger, neuer, frischer.

Hier macht man einfach weiter, wo man aufgehört hat, aber irgendetwas ist verloren gegangen. Nicht Capus Liebe zu Olten, die merkt man in jedem Satz. Aber die Fortsetzung ist einfach weniger überzeugend. Was nicht heissen soll, dass die Sammlung schlecht ist. Im Gegenteil! 

Aber man darf doch hoffentlich noch sagen, dass das erste Buch etwas besser war. 

Fazit: 

Ein Muss für alle Reisende von und zu Olten. Diese scheinen mir die eigentliche Zielgruppe des Königs von Olten zu sein.

Doch Neugierige, die eine berühmte, aber dennoch unbekannte Stadt kennen lernen wollen, sollten zu diesen Bändchen greifen. Sie sind Gold wert!

Alex Capus
Der König von Olten kehrt zurück
HC, 1. Auflage 2011
knapp

978-3-905848-39-7 

13.03.2013 um 22:46 Uhr

[Rezension] David Safier - Plötzlich Shakespeare

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Rosa ist der typische Durchschnitt. Durschnittlicher Job, durchschnittliches Aussehen und in der Liebe sieht es noch mieser aus. Bloss aus Liebeskummer lässt sie sich in den Zirkus ausführen, wo sie auf einen seltsamen Zauberer trifft. Dieser schickt Rosa auf eine nicht weniger seltsame Reise:

Sie wird entdecken, wer sie in ihrem früheren Leben war, und sie kann nicht eher zurückkommen, bis sie nicht das Geheimnis der wahren Liebe entdeckt hat!

Ein paar hundert Jahre zuvor hat William Shakespeare ganz andere Sorgen. Da er mit der Frau eines Admirals der Königin ein Techtelmechtel hatte, möchte der Sir Shakespeare nun am liebsten tot sehen. Doch es kommt noch schlimmer, als plötzlich jemand anderes den Körper Shakespeares übernimmt!

Dieser andere ist Rosa... 

Meine Meinung:

"Plötzlich Shakespeare" ist mein dritter Roman von David Safier und zeigte mir ein weiteres Mal, weshalb ich Safier so gerne mag. Hier gehen Zeireisen nämlich ziemlich daneben. Und wirklich romantisch ist das Ganze eigentlich auch nicht.

Dafür ist das Buch lustig. Durchwegs. Die Zankereien zwischen Rosa und Will sind einfach herrlich zu lesen und brachten mich bis zum Schluss immer wieder zum Lachen. Sie können noch so tief in der Tinte sitzen, irgendeinen frechen Kommentar haben diese Zwei immer auf Lager. Noch nicht einmal die Queen ist vor ihnen sicher.

Obwohl es mir für meinen Geschmack etwas zu sehr um Ex-Freunde und DEN Einen geht, ist es eines der stärkeren Bücher Safiers. "Mieses Karma" mag vielleicht einen Tick besser als, aber "Plötzlich Shakespeare" hat definitiv mehr Charakter als "Jesus liebt mich".

Die Geschichte um Rosa und Shakespeare hat Schwung und Elan und so liest sich dieses Buch auch. Erst auf den letzten Seiten beginnt das Gerüst etwas zu schwächeln und verdarb mir einiges an Lesefreude. Der Schluss ist zwar wahr und tiefgründig, konnte mich aber dennoch nicht überzeugen. Er etwas zu konstriert und für mich nicht unbedingt glaubhaft.

Dies fand ich wahnsinnig schade, da der Rest des Buches wirklich grossartig ist. Deshalb sollte ich mir wohl keinen allzu grossen Kopf über das Ende machen und es so akzeptieren wie es ist. Der Weg bis dorthin ist nämlich wahrhaft glorreich! 

Fazit: 

Mal wieder ein richtig toller Safier! Witzig und knackig wie eine frische Gurke aus dem Garten. Und nur weil der Nachtisch verkorkt war, soll man sich nicht den guten Hauptgang verderben lassen!

David Safier
Plötzlich Shakespeare
TB, 2011
Rowohlt

978-3-499-24812-2 

13.03.2013 um 11:27 Uhr

[Rezension] Andreas Séché - Namiko und das Flüstern

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

 
Inhalt:

Eigentlich hätte er bloss eine Woche in Japan bleiben und dort einen Artikel über japanische Gärten verfassen sollen, doch das Schicksal funkt dazwischen. Denn dort, in den faszinierenden Gärten Kyotos lernt er die noch faszinierendere Namiko kennen.

Namiko zeigt ihm eine völlig neue Sicht auf die Welt, sie überrascht ihn immer wieder und bals schon sind sie ein Paar. Doch der Journalist muss sich eine wichtige Frage stellen: Soll er bei Namiko bleiben und alles in Deutschland hinter sich lassen? 
 
Meine Meinung:

Was soll ich über dieses Buch sagen? Ich glaube, nichts, das ich sage, kann auch nur im Geringsten die Macht dieses Buches ausdrücken. Seine Wucht. Seine Kraft. Es ist eines jener Bücher, die man nicht mehr zur Seite legen will, die einen den ganzen Alltag und seine eigenen Sorgen vergessen lassen.

Es ist ein kluges Buch, aber vor allem ist es leise. Und genau deshalb ist es so kräftig, so eindrücklich. Es ist so leise, dass jede Störung durch laute Sitznachbaren im Zug nur noch störender wirken und man ihnen am liebsten mit der nächstbesten Gratiszeitung den Mund stopfen würde, damit sie doch endlich aufhören zu lärmen. Ich glaube, ich habe während einer Zugfahrt noch nie so oft den Platz gewechselt.

Séché hat ein Buch geschrieben, das sich von allen anderen abhebt, ohne dass es dafür eine Sonderbehandlung beansprucht. Am liebsten hätte ich meine Koffer gepackt und wäre selber nach Kyoto geflogen, um mir die Gärten und die Stadt mit eigenen Augen anzusehen.

Der Autor gehört zu jenen, die eine poetische Sprache wählen, es jedoch schaffen, nicht protzig zu wirken. Nur ab und zu war mir Namiko etwas  zu perfekt geschildert, aber was macht das schon? Es passte.

So wie alles in diesem Buch passt. Séché weiss mit Worten umzugehen und das beweist er mit diesem Buch mehr als genug. Er ist ein wahrer Zauberer, ein Meister der Stimmung.
 
Fazit: 
 
Ein wundervolles Buch, das ich mit meiner Rezension nur unzureichend beschreiben kann. Am besten sollte man es selber lesen. Wer es nicht liest, verpasst etwas. Aus diesem Buch kommt man gestärkt und klüger hervor.
Andreas Séché
Namiko und das Flüstern
HC mit Schutzumschlag, 1. Auflage 2011
Ars Vivendi
978-3-86 913-066-8
Dieses Buch ist Teil der Aktion Tolle et Lege und wurde vorgeschlagen von Apres (http://www.blogigo.de/apres_kunstundmehr) 

12.03.2013 um 09:29 Uhr

[Gewinnspiel] Ein Freund, ein guter Freund...

von: Jari   Kategorie: Gewinnspiele

 
Ja, da guckt ihr, was? Schon wieder ein Gewinnspiel! Irgendwie habe ich Spass daran gefunden, euch Bücher zu schenken :)
 
Nur läuft es dieses Mal etwas anders ab. Aber ihr werdet sehen.
 
Das Buch
 
 
Mathew Dicks - Der beste Freund, den man sich denken kann
 
Budo ist ein imaginärer Freund - kein leichter Job, ist er doch ausgerechnet der imaginäre Freund von Max. Und der hat massenhaft Probleme. Mit den Eltern, in der Schule und vor allem mit sich selbst. Doch erst, als eine Lehrerin etwas Unheimliches im Schilde führt, muss Budo gravierender in die reale Welt eingrefen, als ihm lieb ist.
 
Das Gewinnspiel
 
Eigentlich ist es ganz einfach, an diesem Gewinnspiel teilzunehmen. Die einzige Teilnahmebedinung ist, dass ihr hier ab und an einen Kommentar hinterlasst. Ich euch also sozusagen "kenne".
 
Mir ist schon oft aufgefallen, dass ich von den Leuten auf Blogigo mehr Unterstützung und Hilfe erfahre als von meinen "realen" Freunden. Mit diesem Buch möchte ich gerne "Danke" sagen. 
 
Anmeldeschluss ist der 24.03.13, schreibt einfach einen Kommentar, wenn ihr dabei sein wollt. Schlussendlich entscheidet das Los.
 
Viel Glück und viel Spass! 

Ein aussergewöhnlicher Roman mit einem einzigartigen Erzähler, der uns daran erinnert, was es heisst, ein Freund zu sein - ganz gleich, ob real oder imaginär. 

11.03.2013 um 17:42 Uhr

[Rezension] Martin Suter - Der Teufel von Mailand

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Nach einem Drogenrausch verändert sich Sonias Wahrnehmung: plötzlich sieht sie Farben, die es nicht gibt, und Geräusche werden sichtbar. Da kommt es gerade Recht, dass ins bündnerische Val Grisch fahren kann, um dort in einem Hotel zu arbeiten.

Aber schnell muss Sonia feststellen, dass man nicht einfach davon laufen kann. Schon gar nicht vor seiner Vergangenheit. Und dass die ganzen zufälligen Ereignisse gar nicht so zufällig sind. Es hat alles mit ihm zu tun: Dem Teufel von Mailand. 

Meine Meinung:

Martin Suters "Der Teufel von Mailand" gehört zu den wenigen Büchern, bei denen ich zuerst den Film gesehen habe, dies hat zwar etwas von der Spannung genommen, da ich ja wusste, wie es ausgeht, aber eigentlich habe ich auch dieses Werk Suters gerne gelesen.

In diesem Buch spielt der Autor sehr stark mit der Atmosphäre. Die Wolken, die tief hängen, die Sonne, die aufzieht. All dies passt perfekt zu Sonias veränderter Wahrnehmung. Es ist sehr interessant, wie Sonia sich auf einmal verändert und alltägliche Dinge nicht mehr ausführen kann.

Da dieses Buch von Martin Suter geschrieben wurde, springen wir auch hier wieder von Figur zu Figur, sodass wir die Geschichte aus den unterschiedlichen Blickpunkten wahrnehmen können. Natürlich, ohne gleich alles zu verraten. Leider konnte ich mir beim Teufel leider nicht alle Namen richtig merken, irgendwie vertauschte ich sie die ganze Zeit über.

Wieder bin ich überrascht davon, dass man mit einem so ruhigen und bedachten Schreibstil so viel Spannung erzeugen kann. Suter lässt die Sprachspielereien vieler Autoren sein und bedient sich einer Sprache, die klipp und klar ist. Wahrscheinlich fliegen genau deshalb die Seiten nur so dahin.

Zum Film lässt sich übrigens sagen, dass er sehr gut gemacht ist und sich sehr stark ans Buch hält. Ebenfalls kann er die Stimmung, die Suter erzeugt, wunderbar einfangen. Vielleicht sind die Stimmungen mit den Bildern sogar noch passender dargestellt. Nur Sonias neue und groteske Wahrnehmungen konnten nicht so gut dargestellt werden. 

Fazit: 

Ein typischer Suter, den Suter-Leser sicherlich mögen werden und den man auch gut als Einstieg in das Suter-Versium lesen kann. Ein richtiger Page-Turner, mit dem man sich eine nette Zeit machen kann.

Martin Suter
Der Teufel von Mailand
HC mit Schutzumschlag, 2006
Diogenes

978-3-257-06534-3 

10.03.2013 um 16:11 Uhr

BücherQuotes #35

von: Jari   Kategorie: BücherQuotes

 

"Jedenfalls hatten Dostojewski, Wilde und Coelho sich meinetwegen verdammt viel Mühe gegeben. Hemingway hatte sich für mich tot gesoffen, Melville hatte mir zuliebe einen gigantischen Wal getötet und war dafür von seinen Kritikern verrissen worden, Jack London hatte sich das Leben genommen, nachdem mein Hunger nach Büchern ihn in die Verzweiflung getrieben hatte, Heinrich Mann war emigriert, damit ich später seine Bücher lesen konnte, Shakespeare hatte zu meiner Zerstreuung unzählige Menschen niedergemetzelt, darunter Könige und Herrscher."
Seite 60

 

 

"Es roch nach gewaltigem Schlatengetümmel, prunkvollen Krönungszeremonien, heimtückischen Judasküssen, blitzgescheiten Philosophen, gesetzlosen Räuberbanden, heiligen Män
nern und mordenden Diktatoren. In einer Bibliothek spielt es keine Rolle, wer einmal zu den Guten und wer zu den Bösen gehört hatte. Hier standen sie alle nebeneinander und liessen sich in Frieden. (...)

Vielleicht, ging mir durch den Kopf, sprachen Menschen in Bibliotheken nicht deshalb so leise, weil sie die Konzentration der anderen nicht stören wollten, sondern weil sie Angst hatten, all die schrecklichen Gestalten in den Büchern aufzuwecken."
Seite 78

 

 

"Möglicherweise hatte ich zu sehr verinnerlicht, dass man als Bedenkenräger scheinbar besser durchs Leben kommt. Immerhin verwechseln wir heute gerne optimistisch mit blauäugig und pessimistisch mit kompetent. Der Glückliche gilt eher als ein Faulenzer, ein Trittbrettfahrer, dessen Glück womöglich auf Kosten anderer geht. Er macht sich ein schönes Leben und ruht sich auf seinen Lorbeeren aus. Wer auf einer Ausstellung ein Bild schön findet, verschliesst sich den Katastrophen dieser Welt. Wer es schlecht findet, weist sich als vermeintlicher Kenner aus, täuscht Kompetenz vor und wirkt wie jemand, der sich nicht vormachen lässt. Kritische Sicht gilt als Zeichen von Reife: Schlisslich tappt man nicht mehr naiv mit grossen Kinderaugen durch die Welt und lässt sich von allem gleich begeistern.
Man ist halt erwachsen geworden."
Seite 105

 

 

"Das ist immer eine sehr wichtige Frage in Europa, nicht?"
"Was?"
"Na, wer schuld ist. Wann immer irgendetwas passiert ist, ziehen als erstes alle los und suchen nach einem, dem sie es vorwerfen können." 
Seite 154

 

 

"Sie haben mich darauf gebracht, dass wir vor lauter Suche nach dem Sinn das Sein manchmal aus den Augen verlieren, dass wir uns zu oft damit beschäftigen, warum wir sind, und zu wenig geniessen, dass wir sind."

 

Seite 157 

  

10.03.2013 um 15:19 Uhr

Jari liest... John Gray

von: Jari   Kategorie: Jari liest...

Rückentext:

In seinem provokativsten Buch rechnet John Gray schonungslos mit dem Humanismus ab. Der Mensch meint Homo sapiens zu sein, ist aber Homo rapiens geblieben: ein verblendeter Ausbeuter der Natur und seiner eigenen Gattung. Es ist Zeit, jenen Humanismus zu verwerfen, der die Natur und uns selbst zu Tode "kultiviert". 

09.03.2013 um 20:07 Uhr

[Rezension] Linda Chapman - Sternenschweif

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Mit dem Umzug auf die Farm wird für Laura ein Traum war: Endlich darf sie ihr eigenes Pony haben! Aber auf der Pferdeauktion scheint keines das Richtige für sie zu sein. Bis Laura auf Sternenschweif trifft. Ein kleines, zotteliges, graues Pony. Doch Laura will kein anderes Pony mehr haben als ihn. Und bald schon offenbart sich Laura Sternenschweifs Geheimnis...

Im zweiten Band "Sprung in die Nacht" findet das Duo neue Freunde. Mel und ihr Pony Silver sind die Nachbarn von Laura und laden sie auf ihre Farm ein. Silver ist ein ganz tolles Pony, nur leider hat er furchtbara Angst davor, über Hürden zu springen. Können Laura und Sternenschweif ihm helfen? 

Meine Meinung:

Ich habe eine gute Ausrede, weswegen ich zwei Bücher gelesen habe, aus deren Altersgruppe ich definitiv herausgewachsen bin: Berufliches Interesse. Man verkauft Bücher, deren Inhalt man kennt, eindeutig besser. 
Im Übrigen haben mich diese einfach geschriebenen und mit grossen Buchstaben versehenen Bücher aus einer Leseflaute gerettet.

Natürlich wird hier viel Moral verarbeitet. Nur jemand, der reinen Herzens ist, kann den Zauber sprechen, um Sternenschweif zu verwandeln. Hilf den Schwachen. Lerne dich selbst kennen. Aber wieso nicht? Jemand muss es den kleinen Lesern schliesslich beibringen. Wieso also nicht ein verzaubertes Pony?

Manche Erwachsene weigern sich, ihren Kindern solche Bücher zu schenken, doch nachdem ich sie selbst gelesen habe, frage ich mich wieso? Ja, das Cover ist total verkitscht. Ja, es geht um ein magisches Einhorn, das durch die Nacht fliegt. Aber wenn es das ist, das die Kinder mögen (und sie mögen Sternenschweif - Jungen, wie Mädchen!), ist es genau das, was sie zum Lesen bringt.

Ja, hier schreibt eine Tween, die sich für Sternenschweif in den Bücherregalen von Kindern einsetzt. Diese Bücher mögen Massenware sein, was sie sind, aber das ist das Magische Baumhaus auch. Wer hat als Kind nicht von Einhörnern geträumt? Wer tut es nicht jetzt auch noch? Peter S. Beagle schreibt Bücher über Einhörner - für Erwachsene.

Was mir auch auffiel, war, dass die Pferde ziemlich vermenschlicht werden. Aber damit muss man in einem Kinderbuch rechnen. Das Einzige, das mir nicht gefiel, waren die Illustrationen. Wahrscheinlich, weil die weniger verkitscht sind als das Cover. Wenn ich schon ein Buch mit Kitschcover kaufe, möchte ich doch, dass der Kitsch innen weiter geht!

Fazit: 

Zahnweh für Erwachsene, aber was tut man nicht alles für die Kinder? Nach einigen Jahren im Buchhandel frage ich mich, aus wie vielen Kindern Sternenschweif bereits fleissige Leser gemacht hat. 
Ach ja: Auch Jungen sind empfänglich für Glitzer und Pferde, es ist nur unsere Gesellschaft, die sie das verheimlichen lässt.

  

Linda Chapman
Sternenschweif
Geheimnisvolle Verwandlung
HC, 2004
Kosmos

978-3-440-09901-8

Sternenschweif
Sprung in die Nacht
HC, 2004
Kosmos

978-3-440-009900-8

Mit Illustrationen von Biz Hull 

Aus dem Englischen von Bettina Schaub
Originalausgabe: My secret unicorn - The magic spell
Puffin Books, London 2002
My secret unicorn - Dreams come true
Puffin Books, London 2002 

07.03.2013 um 20:45 Uhr

[BücherNews] Orell Thalia

Heute wurde folgende Neuigkeit veröffentlicht: Thalia und Orell Füssli fusionieren

Gehen wir dann zu Orell Thalia? Oder zu Thassli? FüTha?

03.03.2013 um 18:44 Uhr

[Hörbücher] Tad Williams - Die Drachen der Tinkerfarm

von: Jari   Kategorie: Hörbücher

Inhalt:

Lucinda und Tyler werden von ihrem Grossonkel auf seine Farm geholt, um dort den Sommer zu verbringen. Natürlich sind die Teenager davon überhaupt nicht begeistert. Doch schon auf der Fahrt auf die Farm beginnen die Merkwüridkeiten: In einem Buch ist die Rede von Feuer speienden Kühen und ein seltsames Wesen erscheint plötzlich am Fenster.

Je länger die Beiden auf der Tinkerfarm sind, desto mehr ergründen sie ihre Geheimnisse. Auf dieser Farm findet man keine Kühe oder Schweine, sondern Drachen, Einhörner und andere magische Wesen. Aber die Farm ist in Gefahr und immer mehr Fragen tauchen auf... 

Meine Meinung:

Zuerst war ich skeptisch. Lucinda und Tyler waren mir anfangs recht unsympathisch und ich konnte nicht viel mit ihnen anfangen. Ihr Rumgenörgle ging mir drastisch auf die Nerven.

Aber die Geschichte brauchte nur etwas Zeit, um sich zu entwickeln. Kaum sind die Geschwister auf der Tinkerfarm angelangt, geht es rund. Es werden sehr viele Fragen aufgeworfen, von denen bis zum Schluss einige nicht beantwortet sind. Doch Lucinda und Tyler lassen sich von den Verboten, die ihnen auferlegt werden, nicht stoppen und erforschen die Tinkerfarm und ihre Geheimnisse.

Dabei wird es richtig spannend und auch wenn man als Hörer einige Zusammenhänge noch vor den Protagonisten begreift, bleibt die Spannung erhalten. Man wartet sehnlichst darauf, endlich die Antworten zu finden und zu ergründen, was hier eigentlich gespielt wird.

Andreas Fröhlich ist ein guter Sprecher, der die Stimmung auf der Farm einzufangen vermag und sie an den Zuhörer weitergibt. Ab und an klingen sich einige der Figuren ähnlich, was zu Verwechslungen führen kann, doch ich war so sehr in der Geschichte drin, dass mir das gar nicht weiter auffiel. 

Fazit: 

Eine überaus spannende Geschichte, die aber erst einmal in Gang kommen muss. Die Figuren entwickeln sich weiter und das Ganze ist von Tad Williams gut durchdacht. Hier kann ich definitiv sagen, dass ich die Fortsetzung hören möchte, da ich einfach zu neugierig bin.


Tad Williams & Deborah Beale
Die Drachen der Tinkerfarm

Gelesen von Andreas Fröhlich
6 CDs (gekürzte Lesung)

Der Hörverlag
978-3-867-17510-4