Jaris Büchergebrabbel

30.04.2013 um 20:37 Uhr

[Kurzgebrabbel] Drei mal Drei

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

Drei Kurzrezis um gegen meine Reziunlust anzukämpfen...

Die Leiche eines Amerikaners treibt in einem Kanal in Venedig. Weshalb musste der junge Mann sterben? Commissario Brunetti kommt einer überaus dreckigen Angelegenheit auf die Spur, in der die mächtigsten Männer Venedigs ihre Finger im Spiel haben...

"Endstation Venedig" passt sehr gut zum zweiten Teil von Donna Leons Reihe um Commissario Brunetti. Ich mochte diesen Teil fast noch lieber als den ersten. Man kann über Leons Krimis sagen, was man mag, was ich bisher von ihr kenne, gefällt mir. Vor allem Brunetti finde ich toll. Er ist der erste Ermittler, der nicht Alkoholiker ist und ein intaktes Familienleben hat, der mir begegnet ist. Auch ist er weniger deprimiert, hat noch Hoffnung und Glaube. Ebenfalls gefallen mir die Hintergrundinformationen über Venedig, die die Autorin gelegentlich einstreut. Diese Dinge stehen nämlich nicht in den Reiseführern. Und das beste: Ich wusste nicht schon auf Seite 50 wer der Mörder ist! Sowas tut gelegentlich gut und das Miträtseln macht Spass!

In Iwan Turgenjews "Erste Liebe" begleiten wir den jungen Wladimir bei der Entdeckung ebendieser. Er verfällt der schönen Sinaida. Bis er ihr Geheimnis entdeckt, das ihn zerbricht.
Die Geschichte ist "sehr russisch" - das kann alles und nichts bedeuten. Die Leute sind sehr emotional und alles Mögliche wird verniedlicht. Obwohl ich sonst den russischen Novellen nicht abgeneigt bin, so konnte mich diese Geschichte nicht überzeugen. Sinaida fand ich entsetzlich und Wladimir... ist nun einmal ein Junge in der Pubertät. Die ganze Sache kann man ziemlich rasch durchschauen und ist dann eigentlich gegessen. Dennoch: sehr schön und poetisch geschrieben. Russisch eben.


In W. Topschs "Mein Hund hat einen Kater" geht es ganz anders zu: Katis Familie hat zwar schon einen Hund, aber eines Tages stösst noch eine Katze dazu. Zwar ist der Hund eine Hündin und die Katze ein Kater, aber das tut nichts zur Sache. Das Buch ist eine kleine Ode an die Hunde und die Katzen, die bei uns zu Hause leben. Die Tiere sind so treffend beschrieben, dass jedem Tierhalter das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht geht. Leider ist das Buch nur noch antiquarisch erhältlich.

 

20.04.2013 um 13:23 Uhr

[Rezension] Thomas Thiemeyer - Die Stadt der Regenfresser

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

 

Inhalt:

Eigentlich wollte Oskar dem seltsam gekleideten Mann nur seine Brieftasche abnehmen, doch ehe der Junge sich versieht, tritt er in die Dienste dieses Mannes. Carl Friedrich von Humboldt will mit einer kleinen Gruppe ein geheimnisvolles Volk entdecken, das angeblich über den Wolken lebt und "Regenfresser" genannt wird. Aber bald schon merkt die Gruppe, dass ihnen jemand nach Südamerika gefolgt ist... 

Meine Meinung:

Thiemeyers Geschichte beginnt im Berlin des Jahres 1893, doch schon bald machen wir uns auf nach Peru, Südamerika, um die Regenfresser zu besuchen.

Dieses Buch wartet mit einer besonderen Abenteuergeschichte auf, in der reale Fakten mit Fantastischem gemixt werden, auch leichte Steampunk-Elemente dürfen erwartet werden. Mir gefiel dieser Mix besonders gut und zusammen mit der der Zielgruppe angepassten Sprache machte dies ein Buch, das ich im Nu durch hatte.

Der Autor wartet mit vielen besonderen Ideen auf und schafft es, den Leser bei der Stange zu halten. Auch die Charaktere sind ihm gut gelungen, auch wenn ich mich mit Charlotte bis zum Schluss nicht anfreunden konnte. Dafür konnte ich mich umso mehr für Humboldt begeistern. Und natürlich für Wilma, den Kiwi.

Die für uns eher fremde Welt Südamerikas wird uns durch Thiemeyer greifbar gemacht und löst beinahe schon Reisefieber aus. Vor allem aber gefiel mir die Idee des Wolkenvolkes und die Beschreibungen des Lebens in der Schräglage. 

Es gibt viel zu entdecken in Thiemeyers Welt und obwohl die Geschichte abgeschlossen ist, merkt man, dass noch weitere Bände im Umlauf sind. Natürlich bin ich auch auf diese schon sehr gespannt! 

Fazit: 

Ein toller Roman für Jugendliche und Leser von Jugendbüchern. Sehr viel Atmosphäre und eine wunderbare Idee.

Thomas Thiemeyer
Chroniken der Weltensucher
Die Stadt der Regenfresser
HC mit Schutzumschlag, 2009
Loewe

978-3-785-56574-2 

 

19.04.2013 um 11:54 Uhr

[Rezension] Irena Brežná - Die undankbare Fremde

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Sie ist noch jung, als sie ihr Heimatland verlassen muss. Im neuen Land wird alles besser, sagt man ihr. Es beginnt damit, dass sie einen neuen Namen bekommt. Dann muss sie sich in einer Welt zurechtfinden, die nicht die ihre ist. Sie ist und bleibt eine Fremde. Bis sie irgendwann versteht, dass genau das ihre Stärke ist.

Meine Meinung:

1968 emigriert Irena Brežná in die Schweiz und obwohl im gesamten Text der Name der Erzählerin nicht fällt, ist es naheliegend, dass dieser "Roman" stark autobiografisch gefärbt ist.

Auf nur 140 Seiten entblösst die Erzählerin ihr neues Heimatland, das nicht als solches akzeptieren kann. Vieles ist ihr fremd, wobei sie die Fremde ist. Sie setzt sich mit den Gebräuchen, den Sitten des Landes auseinander, obwohl sie sie nicht versteht. Sie macht sich die deutsche Sprache untertan und irgendwann merkt die Erzählerin, dass sie genau daraus ihre Kraft schöpfen kann. Erst in diesem Augenblick kann sie sich mit dem neuen Land aussöhnen.

Die Schweiz, die Brežná beschreibt, war mir grösstenteils bekannt, in vielem habe ich mich wiedererkannt, manches konnte ich jedoch auch nicht verstehen und ich fragte mich, ob die Schweiz zu der Zeit wirklich so funktioniert hat. Die Autorin offenbart die Seele des Landes, im Guten, vor allem aber im Schlechten.

Ich als Schweizerin konnte mit einigen Kritikpunkten jedoch nicht übereinstimmen, jedoch darf man nicht ausser Acht lassen, dass Brežná aus der Sicht einer Vertriebenen schreibt, die es in ein Land gespült hat, das ganz anders ist als ihre Heimat. Da verklärt sich rasch der Blick und plötzlich ist der Kommunismus gar nicht mehr so schlimm.

Dennoch fiel es mir teilweise schwer, weiter in dem Buch zu lesen. Es steckt so viel Traurigkeit und Einsamkeit darin. Bis zum Schluss, als die Erzählerin entdeckt, dass es auch gute Seiten gibt und einen Weg findet, mit ihr und ihrer Geschichte auszukommen.

Das Buch ist fliessend in zwei Sichtweisen geteilt. Einerseits ist da die kursive Gegenwart. Die Erzählerin erlebt als Dolmetscherin einen Fall nach dem anderen und zeigt uns das Leben der Flüchtlinge auf. Derjenigen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben in unsere Gefilde kommen. Viele werden enttäuscht.

Dann ist da noch die Vergangenheit, in welcher die Erzählerin mit der neuen Heimat hadert. Kurz und scharf wie ein Messer beschreibt sie die Ereignisse, die Vorfälle. Dieses Messer ist es, das das Buch so packend macht. Die Sprache greift nach einem, schüttelt einen durch und ab und zu verteilt sie auch ein paar Ohrfeigen. Dann lässt sie wieder los und man kann etwas durchatmen. Bis zum nächsten Satz.

Dieses Buch vermag es, Augen zu öffnen. Vielleicht werden sich einige Herzen verhärmen, denn es tut weh, sich selbst aus der Perspektive der Anderen zu sehen. Aus der Perspektive derer, die ansonsten gerne als die Bösen abgestempelt werden. Als der Grund für Arbeitslosigkeit, Gewalt und andere Probleme.

Genau deshalb täte es vielen Menschen gut, dieses Buch zu lesen. 

Fazit: 

Brežná hält uns einen schmerzhaften Spiegel vor, es wird weh tun, dieses Büchlein zu lesen. Aber genau davon lebt diese überaus reale Geschichte.

Irena Brežná
Die undankbare Fremde
HC mit Schutzumschlag, 2. Auflage 2012
Caliani Berlin

978-3-86971-052-5 

18.04.2013 um 12:38 Uhr

[Rezension] Margot S. Baumann - Die Frau in Rot

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

 
Inhalt:
 
Um sich vom Tod ihrer besten Freundin zu erholen, fährt Anouk zu ihrer Grosstante nach Seengen, ein Dorf nahe dem Schweizerischen Lenzburg. Aber anstatt Ruhe und Frieden findet Anouk dort bloss seltsame Vorkommnisse: Wer ist das rothaarige Mädchen, das vor ihrem Fenster erscheint? Und die ebenfalls rothaarige Frau, die sich vom Schloss gestürzt hat? Anouk fragt sich, ob sie Geister sieht und macht sich zusammen mit dem Arzt Max auf die Suche nach der Antwort...
 
Meine Meinung:
 
"Die Frau in Rot" ist aus zwei Sichten erzählt. Einmal ist da Anouk, das Supermodell, das seine beste Freundin bei einem tragischen Unfall verloren hat. Dann ist da noch Bernhardine, die um 1746 gelebt hat, und uns ebenfalls ihre Geschichte erzählt. So hat man als Leser bereits den Hintergrund, den Anouk und Max zu ergründen suchen.
 
Das Buch bietet an und für sich keine Überraschungen, sobald man ein Buch dieses Genres gelesen hat. Bereits zu Beginn des Buches wusste ich, wie es ausgeht. Manchen Lesern gefallen diese Titel sehr, ich dagegen kann mit ihnen leider nicht viel anfangen. Wie gesagt, wenn man bereits auf Seite 50 weiss, was auf Seite 450 passiert, bietet das Lesen wenig Abwechslung.
 
Mit Anouk konnte ich mich leider auch nicht anfreunden. Ihre Beziehung zu Max fand ich zu gewollt und gekünstelt. Dafür mochte ich Bernhardine umso mehr. Immer, wenn die Geschichte in die Vergangenheit hüpfte, dachte ich 'Hurra!'. Las ich weiter und die Geschichte wechselte wieder ins Jahr 2010 verlor sich meine Aufmerksamkeit wieder.
 
Auch das Mystische, das die Autorin hineingeflickt hat, störte. Es bringt die Geschichte nicht voran und man hätte es nicht wirklich gebraucht.
 
Dennoch kann ich Margot S. Baumann das schriftstellerische Können nicht absprechen. Grössenteils konnte ich mit dem Buch nichts anfangen, weil ich nicht zur Zielgruppe gehöre. Für mich hätte es mehr Sinn gemacht, es als reinen historischen Roman zu schreiben. Es scheint mir nämlich auch, dass die Autorin in den historischen Teilen erst richtig aufblüht.
 
Baumann kann Geschichten erzählen, das beweist sie in "Die Frau in Rot" und vielleicht kommt irgendwann mal ein Buch heraus, das auch mir mehr zusagen wird.
 
Fazit: 
 
Der Titel eignet sich für Leser von Lucinda Riley und Katherine Webb hervorragend. Ausserdem ist es natürlich für all jene interessant, die in der Gegend von Lenzburg leben, da Baumann sehr viele historische Fakten in ihre Geschichte einwebt.
 
 
Margot S. Baumann
Die Frau in Rot
TB, 2012
Knaur
978-3-426-50950-0 

17.04.2013 um 08:57 Uhr

[Rezension] Thomas Mann - Der Zauberberg

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Der junge Hans Castrop macht sich aus Deutschland auf, seinen Vetter Joachim im Schweizerischen Davos zu besuchen, wo dieser in einer Heilanstalt weilt. Aus den geplanten drei Wochen werden bald mehr, als festgestellt wird, dass Hans ebenfalls krank ist. Aus den drei Wochen sollen sieben Jahre werden...

Meine Meinung:

Thomas Manns "Der Zauberberg" gehört zu den ganz grossen Büchern der Literatur. Vor allem zu den ganz dicken. Aber natürlich möchte ich ein solches Werk lesen, vor allem, da mir "Die Buddenbrooks" damals sehr gefallen haben.

Nun bleibt mir jedoch nichts anderes übrig, als mich von den begeisterten Meinungen zu diesem Buch abzuwenden. Auf das Vorsatzblatt habe ich irgendwann mitten in der Nacht geschrieben "1000 Seiten Irrelevanz" und dabei werde ich wohl bleiben.

Es stimmt, dass sich Thomas Mann einer wunderbaren Sprache bedient und das Leben vor hundert Jahren gezielt portraitieren kann, jedoch braucht ein Buch mehr als nur eine schöne Sprache, um mich zu überzeugen. Es braucht Inhalt, Figuren und Gefühl.

All das habe ich vermisst. Bei den Buddenbrooks konnte ich all dies finden, beim Zauberberg dagegen nicht. Mit keiner Figur konnte ich wirklich etwas anfangen, allenfalls noch mit Joachim, aber ansonsten blieben sie mir fremd und fern.

Eine eigentliche Handlung konnte ich ebensowenig ausmachen. Seitenlang wird diskutiert, über dieses Thema, über jenes Thema. Das mag zwar sehr interessant sein und uns die Denkweise einer vergangenen Zeit näher bringen, aber mit der Zeit begann mich diese ewigen Dispute zu langweilen. Die Themen mögen faszinierend sein, aber nicht, wenn einige Figuren seitenlang darüber palavern. Aufgrund der Tatsache, dass das Buch für mich an Handlung missen lässt, kann ich noch nicht einmal sagen, dass die Gespräche die Handlung nicht voranzutreiben mögen.

Genau das war mein Hauptproblem mit dem Zauberberg. Nicht die Sprache Manns, immerhin habe ich die Buddenbrooks mit Randnotizen vollgefüllt und mich jeden Tag aufs Neue auf die Familiensaga gestürtzt. Der Zauberberg hat mich jedoch über die Massen gelangweilt. Einfach nur gelangweilt.

Bald wurde aus der anfänglichen Langeweile die pure Qual. Jeden Abend seufzte ich und griff nach dem Buch. Ich blätterte durch die Seiten, wo mich nichts als Diskussionen und Beschreibungen des Alltags antrafen. Ab und an geschah etwas Interessantes, wenn man jedoch bedenkt, dass sich dieses Buch auf 1000 Seiten ausdehnt, konnte ich auch angesichts dieser wichtigen Punkte nur mit den Schultern zucken.

Dies ist allein meine Meinung dazu, was nicht heissen soll, dass es ein schlechtes Buch ist oder seine Stellung nicht verdient. Ich jedoch reihe mich ein in die Liste derer, die mit dem Buch nichts anfangen können. Ich bin gespannt, wie mir "Der Tod in Venedig" gefallen wird. Denn nur weil mir ein Buch Thomas Manns nicht gefallen hat, heisst das nicht, dass mir seine anderen Werke ebenso wenig zusagen. 

Fazit: 

Leider nichts für mich. Kurz und bündig.

Thomas Mann
Der Zauberberg
TB, 19. Auflage 2008
Fischer

978-3-596-29433-6 

16.04.2013 um 11:59 Uhr

[Rezension] Ludwig Tieck - Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Der junge Ritter Peter von Provence zieht aus, um die Welt kennen zu lernen. In Italien trifft er auf die schöne Magelone und sie verlieben sich ineinander. Doch Magelone soll einen anderen Herrn heiraten und das Liebespaar entflieht der drohenden Hochzeit. Als ein frecher Rabe die drei Ringe stielt, die Peter Magelone geschenkt hat, macht sich der Ritter auf, den Vogel zu jagen. Peter weiss nicht, dass er dadurch sehr lange von seiner Geliebten getrennt wird...

Meine Meinung:

Ludwig Tiecks "Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence" ist eine Liebesgeschichte wie sie im Buche steht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sie trieft vor Kitsch und purer Romantik, gehört Tieck selber doch zu den frühen Romantikern.

Was kann ich dazu schon sagen, ausser, dass ich diese kurze Geschichte trotz, oder vielleicht gerade wegen, des Kitsches. Das mag vielleicht vor allem an Tiecks schöner Sprache liegen, die perfekt zur Geschichte passt. Sie ist dramatisch, packend und voller Gefühl.

Natürlich kennt man den Aufbau und auch den Ausgang solcher Geschichten zur Genüge, dennoch lese ich lieber Tiecks Liebesgeschichte als eines der neumodischen Bücher, die zum Thema erscheinen. Es muss wirklich an Tiecks Sprache liegen.

Jedes Kapitel hat der Autor mit einem Lied ausgestattet. Eigentlich könnte man aus dieser Geschichte ein tolles Musical machen, so oft wie die Charaktere auf diesen paar Seiten singen. Ich fands toll.

Es war auch toll im Sonnenschein zu sitzen und mit den beiden Figuren mitzuschmachten. 

Fazit: 

Eine Geschichte, wie wir sie inhaltlich eigentlich schon kennen, aber dennoch überzeugt. Tieck eignet sich gut für Leser, die Klassiker lesen möchten, aber sich nicht wirklich an diese heran trauen. Auch Schüler sollten mit der einfachen, klaren und dennoch verzaubernden Sprache keine Mühe haben.

Ludwig Tieck
Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence
TB, 2007
Reclam

978-3-15-000731-0

Mit einem Nachwort von Edward Mornin 

15.04.2013 um 12:03 Uhr

[Rezension] Catherynne M. Valente - Die wundersame Geschichte von September

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Septembers Leben besteht aus einem süssen Hündchen und dem Abwaschen von ebenso süssem Geschirr. Natürlich ist es da verständlich, dass sie sofort zusagt, als der Grüne Wind an ihr Fenster klopft und ihr anbietet, sie ins Feenland zu bringen.

Im Feenland trifft September auf interessante Wesen: Hexen, einen Wärwolf, einen Bibliowurm... Doch keiner kann mehr das tun, was er gerne tut. Der Hexe fehlt ihr Löffel, den Feen werden die Flügel zusammengebunden und kleine Kinder werden als Zoll entführt. Schuld daran ist die Marquess...

Meine Meinung:

"Die wundersame Geschichte von September, die sich ein Schiff baute und das Feenland umsegelte" ist eine Abenteuergeschichte, ein Märchen und ein umwerfend tolles Buch. Es sind 300 Seiten gespickt mit liebevollen Charakteren und wunderbaren Ideen.

Das Ganze erinnert stark an eine Mischung "Alice im Wunderland", "Narnia" und diversen Folksmärchen. Daraus hat Catherynne M. Valente jedoch eine eigenständige Geschichte entworfen, die ver- und bezaubert. Valente erzählt ihre Geschichte fliessend, greift in der Geschichte etwas vor und spricht auch den Leser immer wieder direkt an. Der ganze Aufbau erinnert an die traditionelle Weise Märchen zu erzählen, was überaus passend ist.

September überzeugt als Charakter mit Ecken und Kanten, mein Liebling war jedoch A-bis-L, der Lindwurm. Jedoch hat Valente so viele tolle Ideen und faszinierende Charaktere geschaffen, dass es mir schwer fällt, einen mehr zu mögen als den anderen.

Das ganze Buch ist ein einziges Abenteuer und auch wenn es sich vielleicht etwas zieht, so hat die Autorin doch genug Ideen, um den Leser davon abzuhalten, das Buch zur Seite zu legen.

Wie man merkt, bin ich voll des Lobes für diese Geschichte. Sie hat mich von Anfang an zum Lächeln gebracht, hat mein Herz berührt und mich nicht mehr losgelassen. Für mich persönlich reiht sich Valente ein in die Reihe namhafter Jugendbuchautoren, die später den eigenen Kindern vorgelesen werden. 

Fazit: 

Ein Buch für alle Altersstufen, egal ob 13, 33 oder 53. Wer gerne Ende oder Funke liest, sollte an diesem Buch nicht vorbeigehen.

Wie der Titel sagt ist es eine wahrlich wundersame Geschichte, die September erlebt, und ich hoffe, dass es viele Leser geben wird, die diese Geschichte mit September erleben werden.

Catherynne M. Valente
Die wundersame Geschichte von September, die sich ein Schiff baute und das Feenland umsegelte
HC mit Schutzumschlag, 2013
Rowohlt

978-3-499-21632-9 

Mit Illustrationen von Ana Juan
Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister
Originalausgabe: The Girl who circumnavigated Fairyland in a Ship of her own making
Feiwel & Friends, New York 2011 

14.04.2013 um 16:37 Uhr

[Rezension] Michael Streicher - Katzensenioren

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Das Alter ist keine Krankheit sondern ein natürlicher Prozess, der bei uns allen stattfindet. Auch Katzen werden älter. Eine 7 Jahre alte Katze ist ca. 60 Menschenjahre alt und gilt somit als Senior. Zum Glück gilt aber auch bei den Katzen: Man ist so jung wie man sich fühlt! Dennoch sollte der Katzenhalter wissen, was ein Katzensenior braucht und was in den nächsten Jahren auf ihn zukommt.

Meine Meinung:

"Gesund und glücklich alt werden" lautet der Untertitel dieses Buches aus dem von mir geschätzten Cadmos Verlag und tatsächlich bietet Dr. med. vet. Michael Streicher viele Informationen und Tipps, wie man das Leben mit einer alten Katze bestreitet.

Zuerst wird im Buch auf den Alltag eingegangen. Eine ältere Katze ist vielleicht nicht mehr so gelenkig wie früher und kommt plötzlich nicht mehr zu ihren Lieblingsplatz. Als liebender Katzenbesitzer kann man da rasch nachhelfen. Auch brauchen Katzensenioren vielleicht eine helfende Hand bei der Körperpflege. Ausserdem weist der Autor auf Fälle hin, die den Freigang der alten Katze einschränken können, z.B. Taub- oder Blindheit.

Dann folgt ein grosser Abschnitt über Krankheiten, die die Katze im Alter heimsuchen können. Dabei wurde mir als Leserin etwas mulmig zumute, denn der Gedanke, dass meiner Katze so etwas zustossen könnte, gefällt mir nicht. Doch zum Glück weiss ich nun, auf welche Symptome geachtet werden müssen. Auch die abschliessende Tabelle ist sehr hilfreich um festzustellen, ob die Katze evtl. krank ist.

Das letzte Kapitel befasst das letzte Kapitel. Nämlich das Sterben und den Tod. Dies ist ein Thema, das gerne ignoriert wird. Meist aus Angst, was sehr verständlich ist. Dennoch ist es gut, sich mit dem Falle eines Falles zu beschäftigen. Lohnt es sich wirklich, bei einer 17-jährigen Katze noch eine riesige Operation vorzunehmen? Kann der Katze geholfen werden oder ist es nicht besser, sich zu verabschieden? Es ist wirklich gut, dass Tierarzt Streicher auch dieses Thema anspricht.

Wie bei allen Büchern aus dem Cadmos Verlag ist auch dieser Titel mit wunderschönen Fotos unterlegt, die sehr stimmungsvoll sind. Ausserdem ist das Buch leicht verständlich geschrieben und somit auch für Katzenbesitzer geeignet, die nicht unbedingt gerne lesen. Streicher schreibt sehr nahe am Leser und erklärt auch die wenigen Fremdworte sehr gut. Nur weil er ein Dr. im Titel trägt, heisst das noch lange nicht, dass er in unverständliche Sphären abdriftet.

Das einzige, was ich mir vielleicht noch gewünscht hätte, wäre etwas mehr Alltag gewesen. Hier wird der Schwerpunkt auf die Krankheiten gesetzt, doch wie kann ich meiner gesunden alten Katze zu einem schönen Leben verhelfen? Viele Tipps sind bloss in Nebensätzen erwähnt, was ich sehr schade finde. Dennoch ist und bleibt "Katzensenioren" ein rundum stimmiges Buch zum Thema. 

Fazit: 

Ein Buch für alle Katzenbesitzer, die genauer wissen wollen, was sie in den nächsten Jahren mit ihren Katzen erwartet.

Dr. med. vet. Michael Streicher
Katzensenioren
Gesund und glücklich alt werden
TB, 2012
Cadmos

978-3-8404-4014-4 

12.04.2013 um 19:33 Uhr

[Rezension] Charles Ogden - Edgar & Ellen: In der Unterwelt

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Die Einwohner des Städtchens Winkelhausen leben ein schönes und beschauliches Leben - solange sie nicht ins Visier von Edgar und Ellen geraten. Denn die Zwillinge hecken allerlei fiese Tricks und Streiche aus.
Als sie eines Tages erfahren, dass ihr geliebter Nippesfriedhof (die Müllhalde) einem schickem Hotel weichen soll, sind Edgar und Ellen gar nicht erfreut. Doch noch weniger sind sie darüber erfreut, dass jemand, der sich "Der Maurer" nennt, die Ideen der Zwillinge klaut, um den Bau des Hotels zu verhindern. Es ist klar: Edgar und Ellen müssen den Maurer aufhalten! Niemand klaut einfach so ihre Ideen. Wie gemein!

Meine Meinung:

Ein Blick auf das Cover von Charles Ogdens "Edgar & Ellen: In der Unterwelt" geworfen, schon war es gekauft. Noch am gleichen Tag ward es gelesen und geliebt.

Zwar handelt es sich bei diesem Buch bereits um den dritten Teil der Reihe, doch ich kam auch ohne Vorwissen gut zurecht. Die Zwillinge sind richtig frech, Identifikationspotential für alle Jungen und Mädchen, die sich nicht wie alle anderen verhalten wollen. Zwar frage ich mich, wie zwei Kinder alleine in einem Haus leben können, ohne vom Jugendamt behelligt zu werden, aber das ist reine Nebensache.

Die Ideen, die das Duo ausheckt, sind herrlich, skurril und phantasievoll. Das Buch ist düster, aber nicht zu düster. Es fallen Sätze wie "Fall nicht in irgendwelche Löcher - ausser wenn ich dich schubse." und das "Haustier" muss öfters unangenehme Prozeduren über sich ergehen lassen. Der ganzen Geschichte hängt ein grosser Hauch Tim Burton an, ohne gleich ein einfacher Abklatsch zu sein. Ja, sowas mag ich. Sowas mag ich sogar sehr gerne!

Die Geschichte selber ist mit starken Krimielementen ausgestattet und ich war die ganze Zeit dabei, mitzuraten, wer nun "Der Maurer" ist. Ausserdem machen Edgar und Ellen noch einige andere Entdeckungen, deren Bedeutung bis zum Schluss nicht aufgeklärt wird. Darauf wird wohl Band vier basieren.

Im Buch geht es turbulent zu und her und man kommt als Leser kaum zum Atmen. Da die Kapitel sehr kurz sind, meist nur etwas mehr als eine Seite, können Leseanfäger getrost ein paar Seiten pro Tag lesen und es dann zur Seite legen.

Die Illustrationen von Rick Carton sprechen für sich, sie passen hervorragend in die düstere Geschichte, die hauptsächlich unter der Erde spielt. Edgar und Ellen sind sehr gut getroffen und überhaupt finde ich seinen Stil richtig toll! 

Fazit: 

Wenn du jemals im Leben vor einer Wahl stehst, einer schwierigen Entscheidung, einer Zwickmühle, dann frage dich: "Was würden Edgar und Ellen tun?" Und mach genau das Gegenteil. (Intro zur Reihe)

Ein Buch, das Eltern weniger gefallen wird, dafür denjenigen Lesern, die es selbst für sich auswählen. Die Geschichte könnte auch bei erwachsenen Fans von Tim Burton u.ä. Anklang finden. Ein nettes Geburtstagsgeschenk macht das Buch bestimmt her.

Charles Ogden
Edgar & Ellen
In der Unterwelt
HC, 2005
Arena

978-3-401-05798-9

Mit Illustrationen von Rick Carton
Aus dem Englischen von Nina Schindler
Originalausgabe: Edgar & Ellen / Undertown
Tricycle Press, Kalifornien 2004 

11.04.2013 um 14:25 Uhr

BücherQuotes #36

von: Jari   Kategorie: BücherQuotes

"Geschichten können ihr Wesen verändern. Sie sind wild und undiszipliniert, sie neigen zu Ungezogenheiten wie Radiergummiwerfen. Deshalb müssen wir sie in dicke, stabile Bücher einsperren, damit sie nicht ausbrechen und Unheil anrichten können."
Seite 51
 

11.04.2013 um 11:52 Uhr

[Rezension] Marcella Maier - Das grüne Seidentuch

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Von einem Priester erhält Alma das grüne Seidentuch und fortan wird es von Generation zu Generation weitervererbt. Immer von der Mutter an die Tochter. Die Leben, die diese Frauen führen, sind keine einfachen. Das Leben ist hart in den Bergtälern Graubündens, dennoch schaffen sie es alle, ihre Familien durchzubringen und glücklich zu werden.

Meine Meinung:

Marcella Maiers "Das grüne Seidentuch" gehört zu jenen Büchern, die ich schon immer mal lesen wollte. Umso glücklicher bin ich, dass ich es endlich geschafft habe. 

Es war eine interessante und aufschlussreiche Lektüre. Maier schafft es, das Leben in den abgelegenen Bergtälern realistisch darzustellen. Dabei machen wir eine Zeitreise bis zurück ins Jahr 1797 und erleben so das karge Leben von damals, wie der Tourismus in Graubünden Einzug hielt, die Einführung des Stroms und den Bau der Zuglinie von Chur nach St. Moritz. Dieses Buch ist nicht nur die Geschichte von Alma und ihren Nachfahrinnen, sondern auch eine Geschichte meines Heimatkantons.

Erst beim Lesen erfuhr ich, dass Maier hier ihre eigene Familiengeschichte aufarbeitet. Das verleiht dem Buch zusätzlich Glaubwürdigkeit und macht alles noch eindrücklicher.

Die Autorin bedient sich einer einfachen Sprache, die zu einer Geschichte passt, die in einer rauen und kargen Gegend spielt. Beim Lesen des Rückentextes mag man denken, dass ein Drama das nächste jagt und das Buch sich eher an Frauen richtet. Doch dem ist nicht so. Zwar geschehen viele schöne und schreckliche Dinge, doch Marcella Maier erzählt ohne grosses Drumdrum. Passiert etwas Schreckliches, dann passiert es eben. Wenn jemand stirbt, dann schliesst er seine Augen für immer. Punkt. Dieser nüchterne Tonfall gefiel mir sehr gut, eben weil er sehr zum Setting des Buches passt.

Nur zum Ende hin fand ich irgendwann, dass es langsam aber sicher reicht. Die Dinge beginnen sich zu wiederholen. Irgendetwas passiert - aber irgendjemand rettet die verzweifelten Frauen usw. usw. Waren die Beschreibungen der vergangenen Zeiten noch spannend zu lesen, verliert der Aufbau des Buches seinen Reiz, sobald man in die jüngere Vergangenheit gelangt.

Toll fand ich jedoch, dass dem Buch Fotos hinzugefügt wurden, die das Vergangene greifbar werden lassen. Mich hat vor allem das Bild von St.Moritz um 1900 fasziniert - es war noch so niedlich! 

Fazit: 

Ein Buch für Leser, die sich gerne in die Vergangenheit transportieren lassen und dabei auch etwas lernen möchten. Denn hier erfährt man wirklich sehr viel über das Leben anno dazumal.

Es ist eine einfache Geschichte, die dennoch zu fesseln vermag.

Marcella Maier
Das gründe Seidentuch
HC mit Schutzumschlag, 4. Auflage 2007
Montabella

978-3-907067-21-5 

09.04.2013 um 18:42 Uhr

[Rezension] Meg Rosoff - Was wäre wenn

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Gerade noch rechtzeitig schafft es David, seinen kleinen Bruder vor einem Sturz aus dem Fenster zu retten. Dieser Moment ist es, der Davids Leben verändert. Es kann alles so schnell gehen. Ein falscher Tritt und man fällt die Treppe hinunter, ein Anschlag, ein Autounfall. David gerät aus den Fugen.

Von nun an nennt er sich Justin Case, kleidet sich neu, erfindet sich einen Hund und verlässt sein zu Hause. Aber kann man vor sich selbst davon laufen? 

Meine Meinung:

Es fällt mir einigermassen schwer, meine Eindrücke von "Was wäre wenn" zu sammeln und zu gliedern. Das gelbe Buch mit dem flotten Cover kommt nett und freundlich rüber, täuscht aber über den Inhalt hinweg. Eigentlich passt das flippige Cover gar nicht zum düsteren Inhalt. Was nichts daran ändert, dass ich den Umschlag mag.

Nun muss ich sagen, dass mich das Buch über weite Teile ziemlich verstört hat. Zwar kann ich Davids/Justins Gedankengänge selten bis gar nie nachvollziehen, dennoch beherrscht seine Angst das ganze Buch so stark, dass ich ebenfalls davon ergriffen wurde. Justin verfällt mehr und mehr, wird immer wahnsinniger und seine Paranoia ist fast schon krankhaft. Würde ich diesen Jungen im echten Leben treffen, hätte ich entweder entsetzliches Mitleider oder panische Angst vor ihm. Dass Justings Freundin Agnes mit ihm überfordert ist, ist nachvollziehbar und ich kann nicht verstehen, wie sie es so lange mit ihm ausgehalten hat.

Peter, Justins Freund, dagegen fand ich faszinierend. Über ihn hätte ich gerne noch mehr erfahren. Wie kommt es, dass er Justins eingebildeten Hund sehen kann? Wie kommt es, dass er nie müde wird? Woher hat er diese innere Ruhe? All dies und noch viel mehr werden wir wohl nie erfahren. Jedenfalls nicht in diesem Buch.
Peter ist das genaue Gegenteil von Justin und für mich als Leser war er der Fels in der Brandung. Auch Peters Schwestern kommen nach ihm, aber Peter wirkt ausgereifter, da er auch der älteste der Gruppe ist.

Das Schicksal selbst meldet sich auch immer wieder zu Wort. Entweder in kurzen Kapiteln oder direkt in Justins Kopf. Es wirkt sehr negativ und fast schon gefährlich. Ich selber glaube an das Schicksal, jedoch ist es für mich etwas grundweg Positives. Nichts geschieht ohne Grund.

In "Was wäre wenn" wird Justin von dem Gedanken geplagt, was alles just in diesem Moment geschehen könnte. Aber alles davon ist schlecht.

Obwohl die Rezension bisher vielleicht negativ klingen mag, so stehe ich dem Buch nicht gegenüber. Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Bis auf das Liebeswirrwarr mit Agnes fand ich die Geschichte erfrischend anders und die Fähigkeit eines Buches, den Leser zu verstören, spricht für sich.

Vielleicht stört mich als eher positiver Mensch der ganze Pessimismus? Ist es jedoch nicht verständlich, dass ein junger Mensch aus der Bahn geworfen wird, wenn er realisiert, dass sein kleiner Bruder hätte tot sein können? Dass der junge Mensch dann feststellen muss, dass dort, wo er vor drei Minuten stand, ein Flugzeug abgestürtzt ist?

Eigentlich macht es keinen Sinn für mich, diese Rezension fortzusetzen, denn es würde in diesem Augenblick zu nichts führen. Ich kann dieses Buch nicht bewerten. 

Fazit: 

Noch immer verstörend. Ausserdem habe ich keine Idee, wem ich das Buch empfehlen könnte und wem nicht. 

Meg Rosoff
Was wäre wenn
TB, 2011
Carlsen

978-3-551-35988-9

Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit

Originalausgabe: Just in Case
Penguin Books, London 2006 

09.04.2013 um 11:51 Uhr

[Kurzgebrabbel] Kayankaya und die Bücher

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

"Ein Mann, ein Mord" ist meiner Meinung nach der beste Kayankaya-Roman bisher. Der Privatdetektiv wird gebeten, nach einer vermissten Thailänderin zu suchen. Dabei bekommt er es nicht nur mit ausländerfeindlichen Beamten zu tun, sondern findet auch heraus, was sein Freund hinter Kayankayas Rücken so treibt. Düster wie immer, rauchig wie eh und je, etwas klarer als die anderen Fälle und schlicht und ergreifend berührend. Zwar ist Kayankaya noch immer nicht gerade der nette Kerl von nebenan, doch mehr und mehr erfahren wir als Leser, dass hinter der harten Schale ein weicher Kern sitzt.
 
 
Eine Buchhandlung, die ist lustig, eine Buchhandlung, die ist schön - ausser, wenn Kunden nach Ehepinguinen, Geflügel oder Strassenkarten ohne Strassen fragen. Ein Buchhändler hat seine Erfahrungen mit der Kundschaft in diesem Büchlein versammelt und bietet ein unterhaltsames Sammelsurium an kuriosen Anekdoten.
Obwohl nett zu lesen, konnte mich das Büchlein "Gibt's hier auch Bücher?" nicht überzeugen. Vielleicht, weil es zu nah an meinem eigenen Arbeitsalltag dran ist? Die meisten Fragen waren mir selber schon bekannt und die meisten Geschichten konnten mir nur ein müdes Gähnen entlocken. Für alle anderen Bücherfreunde ist diese Geschichtensammlung jedoch bestimmt gut als Geschenk und Mitbringsel geeignet.
 

06.04.2013 um 19:01 Uhr

[Lustiges] Buchtitelraten

Wie vertreiben sich der Hexenmeister und das Jari ihre freien Nachmittage? Mit Sonntagsmaler mit Buchtiteln! So sieht das dann in etwa aus:
 
 
Jetzt bin ich mal gespannt. Findet ihr heraus, welche Buchtitel wir gezeichnet haben? Insgesamt sind 12 Bücher in diesem Bild versteckt. 

05.04.2013 um 20:58 Uhr

[Rezension] Jonathan Stroud - Bartimäus: Der Ring des Salomo

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Im Israel um 950 v. Chr. herrscht König Salomo. Dank eines mächtigen Ringes hat er viele Länder erobert, die prächtigsten Paläste gebaut und an die siebenhundert Frauen geehelicht. Dieser Ring ist das Zentrum seiner Macht.

Bartimäus dagegen schuftet sich im Namen Salomos ab. Als der Dschinn in der Wüste auf das Mädchen Asmira trifft, verschont er sie grosszügigerweise und frisst sie nicht auf. Was Bartimäus nicht weiss: Schon bald stolpern die beide in ein riesengrosses Abenteuer... 

Meine Meinung:

Nachdem ich die Trilogie um Bartimäus sehr genossen habe, habe ich mich darauf gefreut, den Dschinn endlich wieder treffen zu können. Endlich wieder Bartimäus wie er leibt und lebt!

Dieser Band ist selbstständig von der Trilogie und kann auch ohne Vorwissen gut gelesen werden. Man muss sich etwas an die Fussnoten gewöhnen, aber für mich als Liebhaberin war das schon ein alter Hut und ich fühlte mich im flüssigen Erzählstil Jonathan Strouds sofort wieder zu Hause.

Bartimäus ist wie eh und je: frech, ungezogen und sehr von sich selbst überzeugt. Die Art von Humor, die er an den Tag legt, trifft genau meinen Nerv, und ich hab mich sozusagen durch das Buch gekichert. Dass ich vor lauter Spannung gar nicht mehr aufhören wollte zu lesen, muss wohl nicht extra erwähnen.

Asmira gefiel mir als Figur ausserordentlich gut. Zwar konnte ich nicht alles nachvollziehen, was sie tat oder dachte, aber genau deswegen fand ich sie derart faszinierend. Sie entwickelt sich weiter, im Gegensatz zu Bartimäus, der selbstverständlich schon vollkommen ist.

Wieder einmal fliegen die Fetzen. Ob nun im modernen London oder mitten in der Wüste - wo Bartimäus ist, ist immer etwas los. Diese Geschichte und der erste Band der eigentlichen Trilogie sind für mich die Höhepunkte der Bartimäus-Reihe.

Jedoch muss ich anmerken: Mit der Aussage "Wie alles begann" hat die Geschichte um Salomo nicht viel zu tun. Es ist einfach ein weiteres von Bartimäus' haarsträubenden Abenteuern und ich hoffe, dass Stroud noch einige davon schreiben wird. Natürlich würde es mich auch interessieren, wie Bartimäus damals war, als er zum ersten Mal beschworen wurde. Herr Stroud, bitte schreiben Sie doch weiter! 

Fazit: 

Eine wirklich gelungene Geschichte mit und um Bartimäus. Sie eignet sich hervorragend als Einstiegsdroge oder als Wiedersehensfest mit dem herausragenden Dschinn.
Wer Bartimäus noch nicht kennt: Es wird Zeit, Bekannschaft zu schliessen!

Jonathan Stroud
Bartimäus
Der Ring des Salomo
HC mit Schutzumschlag, 1. Auflage 2010
CBJ

 

Aus dem Englischen von Katharina Orgass und Gerald Jung
Originalausgabe: Bartimaeus - The Ring of Salomo
Doubleday, London 2010

04.04.2013 um 18:38 Uhr

[Rezension] Wladimir Majakowski - Liebesgedichte

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Unmöglich wwärs mir,
allein ein Klavier
(und erst recht
einen feuerfesten Schrank)
vom Fleck weg zu befördern.
Und brächt ich nicht Stahlsafe
noch Stutzflügel zum Schweben,
wie könnt ich allein meinen Herzklumpen heben,
nähm ich ihn wieder an mich zurück?
Bankherren wissen:
- "Wir sind die so randlos Reichen,
dass schon unsere Taschen nicht reichen;
drum rein den Schatz in den Kassenschrank!"
Die Liebe
bewahr ich in dir
wie in einer Bank
und geh nun wonneschwer
als ein Krösus umher.
Und wandelt mich Lust an, die du gross entzündest,
so hol ich mir ein Lächeln,
oder ein Halblächeln zumindest,
nehm auch mit noch weniger fürlieb;
und mit anderen zechend,
hab ich in einer halben Nacht
an die fünfzehn Rubel Gereimtes an den Mann gebracht. 

Meine Meinung:

Bisher war mir Wladimir Majakowski unbekannt. Bis ich den Sammelband "Liebesgedichte" aus dem Insel Verlag geschenkt bekommen habe. 

Wer in dieser Sammlung jedoch nur Anrufungen an die Geliebte erwartet, liegt falsch. Denn der Begriff "Liebe" fasst so einiges mit ein. Das Leben, die Trauer, das Dasein. Majakowski deckt alles ab und das mit einer Sprache, die packt, ergreift und den Leser hineinzieht in eine Welt, in der die gewohnte Versaufteilung gesprengt wird.

Majakowski zeichnet ein Bild der Realität, der schönen und der grausamen, allein mit Worten. Es sind starke Worte, oft neu erfundene, zum Beispiel der Herzklumpen, der nur schon als Bild sagt, was es ausdrücken soll. Dieser Dichter, mag er auch umstritten sein, weiss um die Macht der Worte und er kann sie einsetzen. 

Fazit: 

Faszinierend und ungewohnt, für mich, die ich mich mit Gedichten selten befasse. Ich habe diese Sammlung sehr gerne und mit grossen, staunenden Augen gelesen.

Wladimir Majakowski
Liebesgedichte
TB, erste Auflage 2008
Insel

978-3-458-35047-7

Ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Kurt Drawert 

02.04.2013 um 15:23 Uhr

[Kurzgebrabbel] The Oatmeal - Woran du erkennst, dass deine Katze deinen Tod plant

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

Katzen zählen zu den beliebtesten Haustieren überhaupt - aber sie sind gefährlich. Die angeblichen Liebesbekundungen sind nur Tranungen, eigentlich plant deine Katze deinen Tod! Zum Glück schafft Oatmeal Abhilfe und erklärt, woran man erkennt, dass deine Katze dich umlegen möchte. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen gibt es auch Streichelanleitungen, Begriffserklärungen und Hinweise zum Katzenalltag in Form der Katzen Bob & Bob.
Jeder, der eine Katze hält, sollte sich dieses Buch beschaffen, bevor die Katze beginnt, deine Innereien zu erfühlen. Dieses Buch wird zu einem besseren Zusammenleben von Mensch und Katze führen.
Eine weitere Warnung: Das Buch ist sehr lustig, bitte mit Vorsicht geniessen!
 

01.04.2013 um 18:38 Uhr

[Rezension] Marivaux - Das Spiel von Liebe und Zufall

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Die junge Silvia soll verheiratet werden, doch anstatt sich zu freuen, ist sie darüber eher betrübt. Zu viel Negatives hat sie bereits über die Männer gehört. Ihr Vater versichert seiner Tochter, dass nichts gegen ihren Willen geschehen werde. Als Silvia vernimmt, dass ihr Verlobter Dorante zu Besuch kommt, beschliesst sie, den Mann zu testen. Silvia tauscht mit ihrer Zofe Lisette die Rollen, ohne zu wissen, dass Dorante und dessen Diener dieselbe Idee hatten...

Meine Meinung:

Dieses Bühnenstück erschien erstmals 1730 und ist das erfolgreichste Werk des Autoren Marivaux.

Unterdessen mag die Idee des Rollentausches etwas verstaubt anmuten, jedoch vermag das Alter dieses Stücks und seine Frische manch neueres Werk in den Schatten zu stellen.
Entgegen meiner ersten Ansicht, dass dieses Buch sicherlich schwer zu lesen sei, bedient sich Marivaux einer modernen Sprache, die auch mancher Schüler des 21. Jahrhunderts zu verstehen weiss. Somit hat man das Stück rasch durchgelesen, was jedoch nicht heisst, dass man es rasch wieder beiseite legen wird.

Die Geschichte um Silvia, Dorante, Lisette und Arlequin ist herrlich amüsant und obwohl man schon auf der ersten Seite weiss, wie die Geschichte endet, bleibt man dabei und hofft, dass Dorante Silvia nicht stehen lässt. Trotz der Kürze des Textes entwickeln alle Figuren ihre eigenen Charaktere und schlussendlich kann man sagen, dass sich alle gesucht und gefunden haben.

Hat man das Theaterstück ausgelesen, stellt sich ein netter Wohlfühleffekt ein, den man auch bei modereren Büchern beobachten kann. Hier muss man sich nicht durch den Text quälen, alles fällt einem in den Schoss. 

Fazit: 

Ein Büchlein für jene, die etwas Kurzes fürs Herz lesen möchten. Auch wer sich noch nicht an Klassiker herantraut, kann hier etwas Boden unter die Füsse kriegen.

Mir war Marivaux bisher leider unbekannt, doch das soll sich nun ändern!

Marivaux
Das Spiel von Liebe und Zufall
Komödie in drei Akten
TB, 1992
Reclam

978-3-15-008604-9

Aus dem Französischen von Gerda Scheffel
Originalausgabe: Le jeu de l'amour et du hasard 

01.04.2013 um 14:55 Uhr

[Monatsstatistik] März 2013

von: Jari   Kategorie: Monatsstatistik

Gelesen:

Linda Chapman - Sternenschweif: Geheimnisvolle Verwandlung
Linda Chapman - Sternenschweif: Sprung in die Nacht 
Martin Suter - Der Teufel von Mailand
Andreas Seche - Namiko und das Flüstern
Safier, David - Plötzlich Shakespeare
Astrid Lindgren - Die Brüder Löwenherz
Alex Capus - Der König von Olten kehrt zurück
Doreen Cronin - Inspektor Barney: Tatort Hühnerstall
Mann, George - The Affinity Bridge 
Stefan Zweig - Angst
Erin Hunter - Warrior Cats: Geheimnis des Waldes
John Gray - Von Menschen und anderen Tieren
Bastian Sick - Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod 2
Thomas, Scarlett - Troposphere 
Jakob Arjouni - Mehr Bier
Marivaux - Das Spiel von Liebe und Zufall
The Oatmeal - Woran du erkennst, dass deine Katze deinen Tod plant

Gesamt gelesen 2013: 44

Das Buch des Monats

01.04.2013 um 03:26 Uhr

Jari liest... Thomas Mann

von: Jari   Kategorie: Jari liest...

Rückentext:

Hans Castorps Geschichte ist die Geschichte einer Steigerung: ein simpler Held wird in der fieberhaften Hermetik des Zauberbergers zu moralischen, geistigen und sinnlichen Abenteuern fähig gemacht, von denen er sich früher nit hätte träumen lassen.