Jaris Büchergebrabbel

30.05.2013 um 17:44 Uhr

[Rezension] Ingrid Lee - Wunderhund

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Cash ist ein guter Hund. Das findet auch Mackenzie, der sein Hundemädchen über alles liebt. Die Zwei gehören einfach zusammen. Doch dann entscheidet Mackenzies Vater aus einer Laune heraus, den Hund auf der Strasse auszusetzen. Damit beginnt für Cash und für Mackenzie eine Odysse. Es bleibt nicht viel Zeit, um Cash wieder nach Hause zu holen, denn bald schon wird ein Gesetz in Kraft treten, das Pitbulls verbietet und Cash ist ein Pitbull...

Meine Meinung:

Ingrid Lees "Wunderhund" ist eine Geschichte, die mich viel zu oft viel zu nahe ans Weinen gebracht hat. Aber das Buch hat auch dafür gesorgt, dass ich oft lächeln musste. Es ist ein Buch, das jedem Hundefreund zu Herzen gehen wird.

Cash und Mackenzie sind ein herrliches Team. Mackenzie ist bloss ein Junge, der sich darüber freut, dass er einen Hund bekommen hat. Dass es sich dabei um einen Pitbull handelt ist ihm egal. Egal ist ihm auch das Gerede der Leute darüber, dass Pitbulls Killermaschinen sind. Mackenzie weiss, dass Cash ein guter Hund ist.  Ein guter und kluger Hund. Und auch Cash liebt ihren Jungen abgöttisch und macht alles für ihn.

Doch schon von Anfang an hatte ich immer dieses Gefühl, dass bald etwas schief gehen muss. Als Cash dann ausgesetzt wird, verstärkte sich dieses Gefühl noch. Ich machte mir solche Sorgen um das drollige Hundemädchen! Aber keine Sorge, diese Geschichte wird ein gutes Ende nehmen, so viel darf ich getrost verraten. Ich wusste es auch, musste aber dennoch zittern.

Man kann sagen, dass Cash sich an manchen Stellen etwas zu menschlich verhält, doch da es sich bei "Wunderhund" um ein Kinderbuch handelt, finde ich das vollkommen in Ordnung. Ingrid Lee verliert das Hündische nie aus dem Blick und wenn man als erwachsener Leser ein Auge zudrückt, ist ihr Handeln sogar nachvollziehbar.

"Wunderhund" ist ein Buch, das ein sehr ernstes Thema behandelt. Nämlich das der sogenannten Kampfhunde. Viel zu schnell wird über diese Tiere geurteilt und auch wenn es nicht in eine Rezi gehört, möchte ich doch sagen, dass es die Menschen sind, die den Hunden so Fürchterliches antun, dass sie nur noch Töten können.

Die Autorin schafft es, dieses Thema kindgerecht zu verarbeiten. Man erfährt viel über Hundekämpfe, so wird den jungen Lesern erklärt, wie aus friedlichen Hunden Bestien werden. Dies passiert alles unblutig, man kann das Buch also ruhig Lesern ab 10 Jahren empfehlen. Dennoch würde ich anraten, die Geschichte mit den Kindern zu besprechen. "Wunderhund" würde sich sogar als Schullektüre eignen, es bietet viel Stoff und nicht weniger Inhalt. 

Fazit: 

Ein wunderbares Buch über einen wunderbaren Hund, der einem wunderbaren Jungen gehört. Die Geschichte hat mich zu Tränen gerührt und tief berührt.

Ingrid Lee
Wunderhund
HC, 2010
Chicken House

Aus dem Englischen von Gerda Bean
Originalausgabe: Dog Lost
The Chicken House, Somerset 2009 

25.05.2013 um 15:13 Uhr

[Lustiges] 25 Zeichen, an denen du erkennst, dass du süchtig nach Büchern bist

Richtig lesenswert:

http://www.buzzfeed.com/summeranne/signs-youre-addicted-to-books-reading

Liebevoll gestaltet und in einfachem Englisch gehalten :) 

23.05.2013 um 10:29 Uhr

[Rezension] Simone Keil - Corvidae

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Der Tod der Grossmutter trennte die Zwillinge Cat und Lizzie, da Lizzie sich in sich selbst zurückzog. Jahre später treffen sich die Geschwister wieder, um das Haus der Grossmutter zu verkaufen. Doch sie ahnen nicht, dass dies der Beginn einer Reise in fremde Welten, ihre Psyche und andere Realitäten sein wird. Denn die Geschichten der Grossmutter schienen nicht bloss Geschichten gewesen zu sein...

Meine Meinung:

"Corvidae" von Simone Keil ist kein Buch für jedermann, dies sei bereits hier erwähnt. Nicht jeder mag diese Art von Geschichte. Für mich jedoch ist es genau der richtige Lesestoff.

Es ist ein Buch, das die Realitäten verdreht, ein Buch, das Fragezeichen durch die Luft wirbelt und der Leser in Fragen ertrinkt. Mir gefällt die Reise in die eigene Psyche, mir gefällt es, wenn nicht alles gleich Sinn ergibt, mir gefällt es, wenn alles anders wird. Und mir gefällt es, wenn mir ein Buch im Kopf bleibt, weil ich auch bis zum Schluss nicht alle Rätsel lösen konnte.

Aber eben, nicht jedem gefällt das.

In "Corvidae" springt man von Ebene zu Ebene, von Realität zu Realität. Aufgrund eines schrecklichen Vorfalls verändern sich die Welten, sie verschmelzen, was eigentlich nie hätte sein dürfen. Cat macht sich auf, um die geheimnisvolle Agnes zu retten und das Mädchen zu finden, das die Risse in den Welten wieder flicken kann. Dann sind da natürlich noch die Raben und, und, und...

Simone Keil mag noch nicht auf dem Niveau eines Haruki Murakami sein, aber das muss sie auch nicht. Mich hat das Buch gepackt und ich hab es, schlicht gesagt, verschlungen. Wenn Fragen auftauchten - einfach weiterlesen. Bis zum Schluss. Und nein - ich kapier das Ganze noch immer nicht so recht und ich studiere immer noch. Find ich gut. Find ich sehr gut.

Doch wie gesagt, hier nutzt es, wenn man die persönlichen Lesevorlieben von sich selbst gut kennt. Ich konnte sofort sagen, dass mir dieses Buch bestimmt gefallen wird. Der Rückentext reichte mir völlig aus und ich durfte Recht behalten.

So viele tolle, spannende, wirre Dinge geschehen in diesem Buch! Für manche Leser mag es zu viel sein, aber ich finde, es passte perfekt in die Geschichte. Cats Erlebnisse erinnern an einen Strudel, auch der Leser wird durcheinander gewirbelt, alles wird auf den Kopf gestellt und gleich wieder verdreht. Deshalb passt für mich auch das Tempo, in welchem "Corvidae" erzählt wird - Cat selber hat gar nicht die Zeit, sich auszuruhen und nachzudenken. Wieso also dem Leser dieses Privileg gönnen?

Für mich war der Ritt auf dieser Achterbahn herrlich, es hat im Bauch gekribbelt und ich konnte jauchzen und die Arme in die Luft werfen. Anderen Leuten dagegen wird nur schon vom Zuschauen übel. Also gut überlegen, ob das Buch etwas für einen ist! 

Fazit: 

Eine wirre Geschichte mit vielen Anfängen und Enden und überhaupt allem Möglichen und Unmöglichen. Jap, sowas lese ich doch gerne!

Simone Keil
Corvidae
TB, 2012
Qindie

978-1477669679

Achtung: Die TB-Version ist nur über Amazon erhältlich! 

21.05.2013 um 19:21 Uhr

[Rezension] David Mitchell - Der Wolkenatlas

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Aus sechs Schicksalen wird hier eine Geschichte: von 1850 bis in die fernste Zukunft sind alle Personen miteinander verbunden. Sei es nun der tagebuchschreibende Adam Ewing, die Journalistin Louisa Rey oder ein Klon, der plötzlich mehr sein will.

Meine Meinung:

Es ist ziemlich schwierig den Inhalt des "Wolkenatlas" von David Mitchell kurz zusammenzufassen, besteht das Buch doch aus sechs Geschichten, die eigentlich selbstständig sind. Doch sehr bald stellt der aufmerksame Leser fest, dass es etwas gibt, das die einzelnen Figuren miteinander verbindet und somit entsteht aus den einzelnen Kapiteln eine gesamte Geschichte.

Wir folgen dem Lauf der Zeit einmal hoch und wieder runter. Fangen 1850 an und gehen weit, weit in die Zukunft. Dabei hat jede Figur ihren einzelnen Stil, jede Geschichte ist so erzählt, dass sie zu den Umständen und den Zeiten passt. Dafür kann ich vor David Mitchell nur den Hut ziehen. Es muss wahrlich ein grosses Können sein, sich so in seine Figuren hineindenken zu können, dass man sogar seine eigene Handschrift anpasst.

Spannend fand ich auch Mitchells Bild der Zukunft. Er zeigt auf, wie sehr sich ein Ding wie Sprache verändern und sich den äusseren Umständen anpassen kann. Dies zeigen uns Sonmi und Zachry sehr eindrücklich. Vor allem das "letzte" Kapitel um Zachry ist teilweise sehr schwer zu lesen, dennoch sog ich es in mir auf als wäre ich ein nasser Schwamm.

"Der Wolkenatlas" ist ein Buch, das einen so leicht nicht wieder los lässt. Es bietet eine Vielfalt wie ein Kaleidoskop, es bietet Ideen, Gedanken, Hoffnung, Angst. Es bietet einfach unheimlich viel. Die Figuren sind lebendig und gehen einem nah (manche mehr, manche weniger - wie es nun einmal so ist), sie sind alle einzigartig und fügen sich in dieses schillernde Puzzle, auch wenn es dem Leser schwer fallen mag, die Teile richtig zu platzieren.

Doch dies ist meiner Meinung nach auch gar nicht so wichtig. Das Gefühl beim Lesen stimmt. Voll und ganz. Ob das Puzzleteil sich nun von selbst einfügt oder ob man mit dem Hammer draufhaut - wieso auch nicht. Schlussendlich kann man das Puzzleteil auch einfach weglegen und das Gesamtbild geniessen. Denn es wird nicht auffallen, dass ein Teil fehlt. 

Fazit: 

Fantastisch! Genial! Einzigartig! Grandios! Grossartig! So, jetzt ist gut, oder?

David Mitchell
Der Wolkenatlas
TB, 2012
Rowohlt

978-3-499-24141-3

Aus dem Englischen von Volker Oldenburg
Originalausgabe: Cloud Atlas
Sceptre, London 2004 

18.05.2013 um 18:08 Uhr

[Kurzgebrabbel] Goethe - Faust: Der Tragödie zweiter Teil

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

Eine einheitliche Zusammenfassung bringe ich zu diesem grossen Klassiker leider nicht zustande. Das liegt vor allem daran, dass sich mir Sinn und Zweck dieses Werkes verschloss. Der erste Teil der Tragödie ist genial, etwas vom Besten, das ich je gelesen habe. Aber Part zwei?
Ich verstehe nicht viel von Mythologie, das ist hier schon einmal ein Fehler, denn Goethe buddelt alles aus, was dazu jemals geschrieben oder gezeichnet wurde. Faust und Mephisto selber werden von so vielen seltsamen Geschöpfen in den Hintergrund gedrängt. Was da nicht alles auf den Leser losgelassen wird!
Die ersten Kapitel waren noch sehr interessant zu lesen, doch als dann ein "Phantasiestrauss" seinen Auftritt hatte, konnte ich nur noch den Kopf schütteln. Wahrscheinlich gehöre ich dem bildungsfernen Niveau an, aber das ganze Buch erinnerte mich bloss an einen einzigen, riesigen Drogentripp. Zumindest kann ich mur nur auf diese Weise einen sprechenden Phantasiestrauss erklären. 

13.05.2013 um 20:38 Uhr

[Kurzgebrabbel] Friedrich Dürrenmatt - Die Panne

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

Alfredo Traps hat eine Panne, mitten im Schweizerischen Nirgendwo. Zum Glück kann er bei einem älteren Herren übernachten und dies sogar kostenlos. Jedoch wird Traps darüber aufgeklärt, dass Besuch erwartet wird und die Männerrunde stets ein gewisses Spiel zu spielen beliebt. Traps lässt sich darauf ein, ohne zu wissen, was ihn dieser Abend kosten wird.
 
Die von mir gelesene Ausgabe von Dürrenmatts "Die Panne" ist eine Diogenes Mini-Ausgabe, klein, handlich, kurz. Dennoch hat es die kleine Geschichte in sich. Wenn ich Worte wie "Spiel" und "Dürrenmatt" höre, dann werde ich hellhörig. Das kann ja nicht gut gehen. Das tut es nämlich auch nicht und als Leser schaut man dabei zu, wie Traps sich tiefer und tiefer in das Spiel hineinsinken lässt. Als Leser kann man nichts tun, man hofft, es möge gut ausgehen, aber das tut es nicht. Auf 140 Seiten schafft es der Autor einen am Kragen zu packen, das Gesicht in das Buch und die menschliche Psyche zu drücken und einen auch nach dem Lesen nicht mehr gehen zu lassen. Dürrenmatt ist einfach wahnsinnig gut.
 

06.05.2013 um 16:24 Uhr

[Rezension] Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Der unbedarfte Dorian Gray kommt nach London und schliesst rasch Freundschaft mit einem Maler. Die Schönheit des Jungen raubt dem Künstler Basil Hallward den Atem und rasch schon ist Dorian sein liebstes Motiv. Doch als Lord Henry auf der Bildfläche erscheint, zieht er Dorian mehr und mehr in seinen Bann. Aus dem zurückhaltenden Jungen wird ein genusssüchtiger junger Mann. Aber Dorians dunkelstes Geheimnis sollte nie jemand erfahren. Nie sollte jemand erfahren, dass Dorians Wunsch, nie zu altern Wirklichkeit geworden ist. Dafür ist Basils Meisterwerk, das Bildnis des Dorian Gray, umso entstellter...

Meine Meinung:

Meine gelesene Ausgabe bestand aus zwei Teilen: Einerseits der Märchensammlung "Ein Granatapfelhaus", andererseits der berühmtesten Geschichte Wildes: Das Bildnis des Dorian Gray. 

Die Märchensammlung lässt sich gut an einem warmen Nachmittag im Garten lesen. Denn der Titel hält was er verspricht. Die Märchen sind kurz, aber auch kurzweilig, und entführen in fremde Welten und irgendwie verspürt man plötzlich Lust auf Granatäpfel. Meine erste Begegnung mit Oscar Wilde war somit durchwegs positiv.

Dann kam Dorian. Erst musste ich das Buch noch einmal pausieren, doch beim zweiten Anlauf klappte es dann und wieder zog Oscar Wilde mich in seinen Bann. Er bedient sich einer wahrhaft schönen Sprache. Sie ist weder zu überladen, noch zu ausschweifend, dennoch farbig und schillernd. Obwohl es eine Sprache ist, derer man sich heutzutage nicht mehr bedient, kann man das Buch ohne grössere Probleme lesen. Sobald man sich mal daran gewöhnt hat, geht Wildes Stil einem runter wie geschmolzene Schokolade.

Die Geschichte um Dorian Gray und dessen Veränderung fand ich faszinierend. Immer mehr und mehr lässt er sich von Lord Henry in eine Welt zerren, die ihn ebenso zerstört, wie am Leben hält. Das verfluchte Bild jedoch zeigt Dorians wahres Geschicht. Mehr und mehr verändert es sich, so wie Dorian äusserlich schön bleibt.

Wilde schildert diese Veränderung äusserst geschickt. Es ist nicht etwas, das sich von einem Tag auf den anderen vollzieht, sondern Dorian gerät mehr und mehr in den Sog dieser ach so schillernden Welt und genauso geht seine Veränderung von statten.

Lord Henry seinerseits fand ist sehr, sehr faszinierend. Er hat Ansichten, über die ich ab und zu bloss den Kopf schütteln konnte. Dennoch hörte ich ihm gerne beim Sprechen zu. Woher nahm der nur seine Argumente? Was geschah, damit ein Mensch sich ein solches Weltbild zurechtlegte? Herny erinnerte mich oft an ein Schwarzes Loch. Dass sich Dorian nicht aus seinem Griff winden kann, war mir von Anfang an klar.

In der Mitte des Buches gab es leider einige öde Szenen. Irgendwann hatte ich genug von Abendessen und Tischgesellschaften und Dorians seltsamen Hobbys. Das ist zwar alles ein Teil seines Lebens, aber auf die Dauer strapazieren diese ausführlichen Schilderungen dennoch meine Geduld.

Aber zum Glück wurde es alsbald wieder spannend und ergreifend! Und das bis zum bitteren Ende. 

Fazit: 

Eine äusserst faszinierende und ergreifende Geschichte. Ein strahlender moderner Klassiker, der sehr viel Wahrheit in sich birgt. Nach langer, langer Zeit endlich eine grosse Wissenslücke geschlossen. Toll!

 

Oscar Wilde
Ein Granatapfelhaus/Das Bildnis des Dorian Gray
HC, 2008
Marix

978-3-86539-190-2

Aus dem Englischen von Hedwig Lachmann und Gustav Landauer 

03.05.2013 um 17:51 Uhr

[Rezension] Strugatzki - Picknick am Wegesrand

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

13 Jahre ist seit dem "Besuch" vergangen. Die Ausserirdischen sind gekommen und wieder gegangen. Geblieben sind die Zonen. Es sind Zonen, weil sie gefährlich sind. Weil sie unbekannt sind. Weil der Tod in ihnen lauert.

Dennoch zieht es Menschen in die Zone. Sie werden Stalker genannt. Red ist einer davon. Er lebt von den Dingen, die er in der Zone erbeutet. Bisher hat die Zone sein Leben ermöglicht, doch wie lange noch, bis es sich umkehrt? 

Meine Meinung:

"Picknick am Wegesrand" der Gebrüder Strugatzki ist eine kurze Geschichte, die dafür umso länger im Gedächtnis haften bleibt.

Wer hier grosse Gefechte und epische Schlachten erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Die Geschichte um Red und "seine" Zone ist auffällig ruhig und bedächtig. Es wird sehr viel Wert auf das Innenleben der Figuren, vor allem natürlich von Red, gelegt.

Auch die Beschreibungen der Zone sind so plastisch und greifbar, dass es mich oft schauderte. Das Interessante dabei ist, dass viele Informationen fehlen. Einfach deshalb, weil die Menschen diese Informationen nicht haben. Und wenn es die handelnden Figuren nicht wissen, wie können sie es dann an den Leser weitergeben? Dennoch konnte ich mir die Umgebung sehr gut vorstellen und mich darin zurechtfinden. Doch ebenso plastisch war auch die Angst der Leute, die die Zone betreten.

Red ist ein wirklich interessanter Charakter. Er ist kein strahlender Held, sondern ein Kind, das in der Nähe der Zone aufgewachsen ist und das verbotene Gebiet kennt wie seine Westentasche. Dementsprechend verhält er sich auch. Gegen aussen scheint er ein harter Kerl zu sein, doch für seine Familie riskiert er alles.

Eigentlich hat mich nur eines ein wenig gestört: In jedem zweiten Satz zünden sich die Figuren eine Zigarette an. Ich glaube, ich habe vom blossen Lesen eine Rauchvergiftung aufgeschnappt. 

Fazit: 

Ein Buch, wie man es nicht alle Tage findet. Die Strugatzki-Brüder bedienen sich dieser besonderen russischen Erzähltart, die sich so sehr von der unseren unterscheidet. Auch das Thema, das so viel Stoff bietet und sich nicht kategorisieren lassen will, ist faszinierend. Faszinierend und fremd.

Es war ein Experiment, welches positiv ausgegangen ist. Ich sollte mehr moderne Russen lesen.

Strugatzki
Picknick am Wegesrand
TB, 16. Auflage 1981
Suhrkamp

978-3-518-37170-3 

01.05.2013 um 18:37 Uhr

BücherQuotes #37

von: Jari   Kategorie: BücherQuotes

"Daran erknenn' ich den gelehrten Herrn!
War ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,
Was ihr nicht fasst, das fehlt euch ganz und gar,
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,
Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht."

Mephistopheles
Faust - Der Tragödie zweiter Teil 

01.05.2013 um 13:01 Uhr

[Monatsstatistik] April 2013

von: Jari   Kategorie: Monatsstatistik

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