Jaris Büchergebrabbel

30.08.2013 um 13:45 Uhr

[Rezension] Julie Otsuka - The Buddha in the Attic

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Eine Gruppe unterschiedlicher japanischer Frauen auf ihrem Weg nach San Francisco. Sie haben Männer geheiratet, die sie nur aus Briefen kennen. Sie alle hoffen auf ein besseres Leben. Ein besseres Leben an der Seite eines reichen, jungen Mannes. Ihre Träume werden enttäuscht, aber das Leben geht weiter...

Meine Meinung:

Intensiv. Anders kann ich das Buch "The Buddha in the Attic" von Julie Otsuka nicht beschreiben. Die Autorin wählt keine Hauptfigur aus, es gibt bloss die Gruppe. Das "Wir". Die Anonymität wird nur in einzelnen Aufzählungen durchbrochen und dennoch reicht es aus, um bleibende Bilder zu zeichnen.

Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt, die dem Lebensweg der Japanerinnen folgt. Der Aufbruch - die Reise - die Männer - die Kinder und dann: Der Krieg. Das Leid setzt jedoch nicht erst mit dem Krieg ein, viele der Frauen zerbrechen, doch die meisten halten ihre Köpfe hoch und ertragen das Leben, das ihnen gegeben ist.

Ich hatte Tränen in den Augen. So weit ist es mit mir gekommen, während ich dieses Buch las. So sehr litt ich mit den Frauen mit. Vielleicht war das Otsukas Ziel: Durch das kollektive "Wir" wird die Grenze zwischen Leser und Figur aufgehoben. Es gibt keine Chance, sich als Aussenstehenden zu sehen. All dies geschieht "uns", nicht "ihr" oder "ihm". Uns.

Auf gerade Mal 130 Seiten gibt Otsuka ein eindrückliches Stück Zeitgeschichte wieder, denn die "Picture Brides" gab es tatsächlich. Auch erhält man Einblicke in das Leben als japanische Einwanderer. In guten, wie in schlechten Zeiten. 

Fazit: 

Ein wundervolles, berührendes Buch. Einzigartig in seiner Erzählform. Mir wird es sicherlich erhalten bleiben.

Eine Empfehlung nicht nur für jene, die sich für Japan interessieren, sondern für alle. Es ist ein Buch für uns.

 

Julie Otsuka
The Buddha in the Attic
TB, 2011
Anchor Books

978-0-307-74442-5 

29.08.2013 um 16:39 Uhr

[Kurzgebrabbel] Douglas Adams - Mostly harmless

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

  
 
Der letzte Teil der Reihe: Hier dreht Adams noch einmal voll auf und zeigt einem, warum die Serie toll ist. Wenn man die mittleren Teile weglässt. Viel Humor und seltsame Dinge. Viele Dinge, von denen man denkt, hä? Die dann aber zum Glück aufgeklärt werden. Meine Lieblingsstelle war ja der Ritt auf den Absolut Normalen Viechern. Leider muss ich mich fragen, wieso es kein Buch/keine Reihe gibt, die auf ein nerviges, pubertierendes Gör verzichten kann. Ne, diese junge "Dame" hätte es nicht gebraucht. Ebensowenig hätte es Teil vier gebraucht - aber das ist ein anderes Thema.
Hey - ich habe eine Reihe abgeschlossen...
Vielleicht lese ich den offiziellen inoffiziellen sechsten Teil doch noch?

27.08.2013 um 16:17 Uhr

[Rezension] Melanie Joy - Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Wer bestimmt, welche Tierarten wir essen und welche nicht? Denn seien wir ehrlich: Wer würde einen Hamburger mit Hundefleisch essen? Schweine und Kühe dagegen verputzen wir nur zu gerne. Woher kommt das und vor allem, wohin führt das?

Meine Meinung:

In diesem Buch zerrt Melanie Joy den bis anhin verdeckten Fleischkonsum ans Licht und gibt ihm einen Namen: Karnismus. Bisher wurden nur Vegetarier und Veganer "beim Namen" genannt, der Konsum von Fleisch wird als "normal" betrachtet und muss deshalb nicht extra benennt werden. Joy überschreitet diese Grenze und gibt dem Karnismus einen Namen.

Ebenfalls zeigt die Autorin die Hintergründe des Fleischessens auf: Warum essen wir Fleisch? Wieso wird es als normal angesehen, dass Milliarden von Tiere leiden und sterben, damit wir unsere Gelüste befriedigen können? Wieso aber essen wir keine Hunde?

Joy zeigt die Mechanismen hinter dem Fleischessen auf, unsere Gesellschaft. Zwar ist das Buch aus amerikanischer Sicht geschrieben, doch Fussnuten ergänzen das Buch um die Zustände in Deutschland. Hier kommt ans Licht, was sich eigentlich verstecken wollte: Lobbyismus, Konformitätsdruck und Vorurteile.

Ich habe einiges an neuen interessanten Fakten aus dieser Lektüre gewonnen und konnte einen eindrücklichen Blick hinter die Kulissen unserer Gesellschaft werfen. Dort sieht es nicht schön aus. Nicht für die Tiere, aber auch nicht für die Menschen. Es stimmt: Tierschutz ist auch Menschenschutz.

Als Vegetarier/Veganer bekommt man durch dieses Buch viele neue Hinweise geliefert, die einem vielleicht auch in der einen oder anderen (aufgezwungenen?) Diskussion hilfreich sein kann.

Leider muss ich sagen, dass das Buch damit die Zielgruppe trifft: Vegetarier und Veganer. Eigentlich ist das Buch auch für Narnisten gedacht und auch diese werden hier die Realität vorfinden. Aber leider auch Joys erhobenen Zeigefinger. Ab und an wurde es mir sogar zuviel damit, das letzte Kapitel mochte ich gar nicht mehr lesen.

Dass sich ein Karnist nach der Lektüre von Joys Werk tatsächlich dem vegetarischen/veganen Leben zuwendet - ich weiss es nicht. Ich selber mag den Zeigefinger nämlich auch nicht und wer Fleisch isst, bekommt ihn in diesem Buch deutlich zu spüren. 

Fazit: 

Ein aufschlussreiches Werk, das mich nachhaltig beeinflusst hat. Zum vollwertigen Veganer werde ich es wohl nicht schaffen, aber ich vermeide nun noch bewusster Milchprodukte als zuvor. Vielleicht hilft das Buch einigen Karnisten dabei, sich mehr Gedanken zu machen, was eigentlich alles nötig war, damit ihr Steak nun so auf dem Teller liegt, wie es das nun eben tut.

 

Melanie Joy
Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen
Karnismus - Eine Einführung
TB, 2. Auflage 2013
Compassion Media

978-3-9814621-7-3

Aus dem Amerikanischen von Achim Stammberger
Originalausgabe: Why We Love Dogs, Eat Pigs, And Wear Cows
Conari Press, San Francisco 2010 

22.08.2013 um 10:44 Uhr

[Rezension] José Saramago - Die Reise des Elefanten

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Was soll man als König von Portugal dem Grossherzog aus Wien bloss schenken? Es muss schon etwas Grosses sein, etwas, das Macht und Reichtum demonstriert. Da bestinnt sich die Königin von Portugal des Elefanten, der seit zwei Jahren ein trostloses Dasein in Portugal führt. Das perfekte Geschenk ist gefunden!

So macht sich Salomon, so der Name des Elefanten auf, zusammen mit seinem Mahut Subhro auf eine Reise von Portugal nach Wien. Eine Reise, die im 16. Jahrhundert einiges beschwerlicher war als heutzutage. 

Meine Meinung:

Wieso nur lag "Die Reise des Elefanten" von José Saramago so lange auf meinem SUB? Dieses Buch hat sich bereits nach den ersten Seiten zu einem meiner Lieblingsbücher des Autoren gemausert. Denn es ist einfach ein grandioses Werk!

In manchen Büchern mag Saramagos Sprachstil anstrengend und mühsam wirken, doch die Geschichte des Elefanten Salomon erzählt der Autor so gekonnt, dass das Buch einfach so flutscht. Und das, ohne dass Saramago seinem speziellen Stil untreu wird. Es ist definitiv ein Saramago und definitiv einer der besten!

Saramago erzählt uns die Geschichte, als würde er selber im Trupp um Salomon mitreisen, es sei er direkt dabei und dabei trotzdem im 21. Jahrhundert. Oft stellt er Vergleiche an, greift voraus (zum Beispiel bei den Verwandtschaftsgrad des Königs) oder aber er gibt zu, manche Dinge auch nicht zu wissen. Aber wer weiss schon, was ein Elefant denkt?

Dabei erzählt der Autor die Geschichte mit so viel Liebe und Detailverliebheit, dass man meint, selbst im schweren Schneesturm zu stecken und selbst versucht, die Eisschicht von der Haut des Elefanten abzukratzen. Die Figuren sind alle stimmig, vor allem Subhro sticht heraus. Er ist ein sehr intelligenter und weiser Mann, versteckt das aber hinter seiner Bescheidenheit. Es sind vor allem Subhros Kommentare, die das Buch zu einem klugen und tiefsinnigen Werk werden lassen.

Auch lernt man das Europa des 16. Jahrhunderts kennen. Man erfährt von den Kreuzzügen, von den Königshäusern, von den Gepflogenheiten damals. Man hört von Wundern, ist bei manchen selbst dabei, man hört von Abschieden und muss selbst einige Tränen zurückhalten, weil es einfach so berührend ist. Gleichzeitig finde ich, ist es einer der humoristischeren Bücher Saramagos. Der Autor schlägt oft einen leicht sarkastischen, aber niemals verletzenden Tonfall an und hat mich damit oft zum Lachen gebracht. Saramagos scharfen Augen entgeht einfach nichts!

Saramago, Sie haben mich ein weiteres Mal begeistert!

Schade nur, dass in diesem Buch keine Karte eingezeichnet ist. Denn dieses Road-Movie mit Elefant schreit doch förmlich danach, mit einer Karte ausgestattet zu werden. Ich jedenfalls hätte gerne Salomons Weg mitverfolgt. Da ist dem Verlag etwas entgangen! 

Fazit: 

Ein wunderbares Buch, ergreifend, bewegend und vor allem: mit Elefant!

"Die Reise des Elefanten" kann man gut als Einsteiger lesen, wenn man sich mit Saramagos Schreibstil vertraut machen möchte. Hier kann man den Autoren gut kennen lernen und sehen, ob einem diese Art zu schreiben liegt.

José Saramago
Die Reise des Elefanten
HC, 1. Auflage 2010
Hoffmann und Campe

978-3-455-40279-7 

Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis
Originalausgabe: A viagem do elefante
Editorial Caminho, Lissabon 2008 

19.08.2013 um 16:37 Uhr

[Kurzgebrabbel] Viele bunte Bücher!

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Ich glaube, so viele Bücher hatte ich noch in keinem Eintrag. Vier sind es an der Zahl, also fangen wir am besten mal an:

Der vierte Teil von Douglas Adams' Hitchhiker-Reihe konnte mich leider nicht überzeugen. Der Titel gefällt mir: "So long, and thanks for all the fish" und wie immer gibt es einige lustige Szenen und auch Adams leicht ironischer Schreibstil ist noch immer derselbe, aber inhaltlich hält das Buch nicht, was es verspricht. Vielleicht liegt es daran, dass ich einfach keine Lust mehr auf Liebesgeplänkel habe? Dann das ist dieser Band: Eine Liebesgeschichte. Mit sehr wenig Ausserirdischen. Schade, bisher haben mir nämlich alle Bände gut gefallen. Natürlich werde ich den letzten auch noch lesen, aber meine Erwartungen sind drastisch gesunken.

  

 

Friedrich Dürrenmatt zählt zu meinen Lieblingsautoren, und das, obwohl er Schweizer ist! Im Büchlein "Der Gedankenschlosser" werden einzelne Auszüge aus verschienen Texten gesammelt und vereint. Dabei geht es von A wie Alltag bis zu Z wie Zukunft. Nur schon in diesen kleinen Textchen und Auszügen zeigt sich der brilliante Verstand Dürrenmatts. Ich bin zwar etwas skeptisch gegenüber solchen Auszügen, werden sie doch direkt aus dem Kontext gerissen und unterliegen immer denjenigen, die sie zusammenstellen. Dennoch war es erfrischend, dieses kleine Büchlein zu lesen. Es hilft auch, Dürrenmatts Verstand besser zu verstehen.

 

Nachdem mir "Zusammen ist man weniger allein" von Anna Gavalda sehr gefallen hat, freute ich mich auf ihr nächstes Buch, das ich lesen durfte. Auf Umwegen geriet ich an "Ein geschenkter Tag", das nur schon vom Cover her sehr toll aussieht. Doch blüht auf dem Cover noch der Lavendel, so ist er innen drin so ziemlich verrottet und gärt vor sich hin. Platte und unsympathische Figuren am laufenden Band, eine Geschichte ohne jegliche Spannung und ohne Inhalt. Von Seite zu Seite wurde mir übler und ich fragte mich, ob das wirklich dieselbe Autorin von "Zusammen ist man weniger allein" ist. Keine Empfehlung meinerseits. Sollten ihre anderen Bücher auch so sein, werde ich von Gavalda zukunftig die Finger lassen.

 

 

Beziehungsratgeber gibt's wie Sand am Meer. Die gute Nachricht: Im Buch "Männer verstehen in 60 Minuten" sind sie alle vereint. Lest dieses Buch und ihr könnt euch alle anderen sparen. Da ich bereits alle anderen gelesen habe, kann mir dieser Titel nichts mehr beibringen, aber vielleicht hilft es ja einigen anderen. Leider bedient sich das Buch zu oft an gängigen Vorurteilen, was den positiven Gesamteindruck stark mindert. Als Geschenk für eine verzweiflte Frau oder einen Jungsellinnenabschied hervorragend geeignet.

  

18.08.2013 um 20:44 Uhr

[Rezension] Joseph Conrad - Herz der Finsternis

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Ende des 19ten Jahrhunderts macht sich Kapitän Marlow auf in den noch kaum erforschten Kongo. Seine Reise führt ihn in ein fremdes Land mit fremden Sitten. Die Belgier beanspruchen das Land für sich und es soll vor allem eines: Elfenbein liefern. Marlow hört von einem Mann namens Kurtz und gerät in dessen Bann. Doch der Dschungel hat Kurtz bereits gebrochen...

Meine Meinung:

"Herz der Finsternis" von Joseph Conrad ist ebenfalls einer jener Klassiker, die ich schon lange einmal lesen wollte und das ich jetzt endlich von meiner Liste streichen kann.

Ich bin sehr beeindruckt von dieser Geschichte und Conrad hat mich mit seinen Schilderungen gefesselt. Conrad hat eine sehr spezielle Art, seine Geschichte zu erzählen. Das liegt nicht an der Rahmen- und der Binnenhandlung, sondern mehr an seiner Wortwahl.

Es hat wohl keiner bisher den Dschungel, die Gefahren, die dort lauern, und die korrupten Machenschaften der Menschheit so stilisiert und einfühlsam erzählt. Man merkt, dass Conrad weiss, wovon er schreibt, ist er doch selber auch zur See gefahren und hat den Kongo erlebt.

Was mir von diesem Buch bleiben wird, ist die Stimmung. Sie ist weder bedrohlich, noch fröhlich. Aber sie ist drückend. Sie drückt sogar jetzt noch. Es ist wie ein sanftes Vibrieren in der Luft, das Sirren eines Pfeiles, der einem am Ohr vorbeisaust, der kleine Stich einer Mücke.

Leider muss ich trotzdem sagen, dass ich mich wahrscheinlich bald nicht mehr wirklich an die Geschichte erinnern können werde. Wahrscheinlich bleibt mir die Stimmung erhalten, aber der Erzählstrang und auch die Rahmenhandlung auf der Themse werden bald vergessen sein. Ich kann nicht sagen, woran das liegt, es ist wie ein schleichender Nebel, der einsetzte sobald ich das Buch ausgelesen hatte.

Fazit:

Ein faszinierendes und tiefgründiges Werk über die Kolonialzeit und das Wesen der Menschen. Es ist bestimmt kein leichtes Stück Literatur, aber lesenswert allemal.

 

Joseph Conrad
Herz der Finsternis
TB, 1. Auflage 2006
Reclam Leipzig

978-3-379-20135-3

Aus dem Englischen von Daniel Göske
Originalausgabe: Heart of Darkness 

17.08.2013 um 18:15 Uhr

[Manga] Yana Toboso - Black Butler

von: Jari   Kategorie: Manga

Sandsturm ist mir zuvor gekommen, aber auch ich trage die Idee mit den Manga schon länger mit mir herum. Jetzt habe ich den perfekten Manga gefunden, um ihm einen Eintrag zu widmen:
 
"Black Butler" erzählt die Geschichte des Butlers des jungen Earl Phantomhives. Klingt langweilig? Man müsste noch erwähnen, dass der Earl mit 12 Jahren bereits ein Spieleimperium führt und sein Butler aus der Hölle stammt.
 
Der Zeichnungsstil richtet sich mit seinen feinen Linien und seiner Detailverliebtheit vor allem an ein weibliches Publikum, was natürlich auch für den wirklich schmucken Butler gilt *räusper* 
Die Geschichte ist zumindest in den ersten Bänden in kleinere Kapitel unterteilt, die die Welt des Earls und des Butlers darstellen. Ehrlich - es geht nicht immer ganz unblutig zu. Aber wer wagt es schon, sich mit einem Butler aus der Hölle anzulegen? Vor allem, wenn er pünktlich den Tee servieren will.
 
Auch die anderen Bediensteten des Earls sind klasse. Die haben zwar keinerlei Talent (wirklich - keiner!), aber genau deshalb mag ich diese Truppe so gerne.
 
Weniger gut gefällt mir die Übersetzung *Game*. Natürlich ist dagegen nichts einzuwenden, aber es passt einfach nicht. *Spiel* hätte viel besser gepasst. Dann war da noch diese nervige Verlobte des Earls, die mich nicht deswegen nervte, weil sie die Verlobte ist, sondern einfach deswegen, weil ihr andauerndes Gefasel von wegen "süss!" echt wahnsinnig nervig ist.
 
Eigentlich gibt es sonst wirklich nichts an der Reihe auszusetzen. Zum Glück hab ich mich gleich mit mehreren Bänen eingedeckt!
 
 
Yana Toboso
Black Butler
Carlsen
 
Bände: 17+ 

13.08.2013 um 18:32 Uhr

[Rezension] Alice Walker - The Color Purple

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Das Leben meint es nicht sonderlich gut mit Celie. Sie ist nicht nur schwarz und lebt im Süden Amerikas, sie hat auch das Pech, ein Mädchen zu sein. Schon früh leidet sie unter ihrem Vater, dann unter der lieblosen Ehe. Ihre einzige Liebe, ihre Schwester Nettie, wird ihr ebenfalls genommen. Celies Leben ändert sich, als Shug Avery in ihr Leben tritt. Anfangs können sich die beiden Frauen nicht ausstehen, doch sie entwickeln eine tiefe Freundschaft, die sie beide prägen wird...

Meine Meinung:

"The Color Purple" (dt. Die Farbe Lila) von Alice Walker ist einer jener Werke, die ich oft von weiten betrachtet, aber mich nie so richtig daran heran gewagt habe. Nun gab ich mir aber endlich mal einen Ruck und hab mir das Buch besorgt.

Jedoch dauerte es eine Weile, bis ich mich in diesem Buch zurecht fand. Der ganze Roman findet in Briefform statt. Erst schreibt Celie ihre Briefe direkt an Gott, später kommen Briefe an Nettie hinzu. Zwar ist durch die Briefform das Buch in lauter kurze Kapitel eingeteilt, was an und für sich praktisch ist, doch Celies Sprachstil machte mir vor allem zu Beginn sehr viel Mühe. Denn sie schreibt so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Da ich das Buch auch noch auf englisch lesen wollte, hatte ich oft Schwierigkeiten, Celie zu verstehen. Oft tauchten zum Beispiel plötzlich irgendwelche Namen auf, von denen ich gar nicht wusste, zu welcher Figur sie gehörten.

Trotz aller Schwierigkeiten zog mich das Buch in seinen Bann. Celie hat es wirklich nicht leicht und ich hatte wirklich Mitleid mit dem armen Mädchen. Doch dann taucht Shug auf und man merkt, welchen Einfluss diese selbstständige, eigensinnige Frau auf die eher zurückhaltend wirkende Celie hat. Als Celie dann endlich für sich selber spricht dachte ich nur noch "Wow! Gut gemacht!"

Das Buch kommt fast ohne Jahreszahlen aus, man muss sich also selber irgendwie zurechtfinden. Auf dem Buchrücken meiner Ausgabe steht "in the deep American South between the wars", also musste ich mich selber etwas informieren, in welche zeitliche Epoch ich Celie einordnen muss. Auch zwischen den einzelnen Briefen vergeht viel Zeit. Dies hat mich aber nie wirklich gestört, denn ich denke, es unterstützt den Charakter der Briefe. 

Fazit: 

Ein Meilenstein der Literatur und ein Plädoyer für die Rechte der Frau. Kein einfaches Buch, aber ich bin froh, dass ich es endlich gelesen habe. Ich durfte einiges darüber erfahren, was es hiess vor 100 - 150 Jahren eine Frau zu sein. Oder besser: eine schwarze Frau.

Alice Walker
The Color Purple
TB, 2004
Phoenix

978-0-7538-1892-3 

09.08.2013 um 12:32 Uhr

[Rezension] Carl Heyd - Papa und die Motorradrocker

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Papa ist Privatdetektiv und noch nicht einmal ein schlechter. Er hat sogar einen ziemlich guten Ruf. Wahrscheinlich wendet sich deshalb der besorgte Lokalpolitiker an Papa. Der Sprössling des Politikers treibt sich in letzter Zeit mit einer Motorradgang herum. Das geht natürlich gar nicht! Papa nimmt den Fall an, doch als plötzlich ein bewaffnetes Skelett auf einem Motorrad auftaucht, weiss Papa, dass die Sache mit dem Junior nur eine klitzekleine Sache ist...

Meine Meinung:

Ja, Carl Heyd trifft mit seinem paranormalen Krimi "Papa und die Motorradrocker" genau meinen Nerv. Schon lange habe ich genug von deprimierten Kripo-Menschen und Krimis, in denen mir unschön mitgeteilt wird, wie es um die Menschheit und die Welt steht. Da kommt mir der unkonventionelle Privatdetektiv Papa recht. Der ist zwar auch nicht einer wie aus dem Ei geprellt, aber genau das macht ihn so sympathisch.

Alles beginnt wie ein ganz normaler Krimi: Ein Fall wird angenommen, man ermittelt und observiert. Doch das dauert nicht allzulange, denn bald wird eine neue Ära eingeläutet: Untote, Werwölfe, Vampire... Niemand weiss, woher sie kommen und was sie wollen, aber sie sind einfach plötzlich da. Und bald schon verstricken sich Papas Ermittlungen mit den neuen Geschehnissen.

Papa war mir von Anfang an sympathisch. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, weiss aber genau, was er tut. Auch die anderen Figuren, alle mit ihren Stärken und Schwächen, waren glaubhaft und passten in die locker erzählte Geschichte. Einen Extra-Punkt gibt es dafür, dass mich der Name meines Schatzes gleich auf der ersten Seite angelacht hat. Somit wurde die ganze Geschichte noch eine Spur unterhaltsamer ;)

Die Geschichte hat einen klaren Bezug zum Jahr 2013. Markennamen werden genannt, Politiker ebenfalls, Fernsehsendungen etc. Im Grossen und Ganzen störte mich das nicht, nur Papas Ausflug in die Welt der Kuppelshows fand ich unnötig. Diese Passage erschien mir eher wie eine Notlösung um dem Buch ein paar Seiten mehr zu geben.

Ansonsten muss ich sagen: Schade, dass es das Buch nicht in gedruckter Form gibt, das Cover würde sich in meinem Schrank nämlich sehr gut machen! 

Fazit: 

Ein Buch, das vielleicht nicht jeden anspricht, aber wie für mich geschrieben wurde. Fortsetzungen soll es im Rythmus von drei Monaten geben. ich bin gespannt darauf, wie sich dies auf die Qualität der Geschichten auswirkt. Band eins war jedenfalls top!

  

Carl Heyd
Papa und die Motorradrocker
E-Book 

07.08.2013 um 16:53 Uhr

[Rezension] Andrea Schacht - Jägermond

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Wie konnte das nur passieren?! Aufgrund eines üblen Zwischenfalls ist die Königin von Trefélin in der Welt der Menschen gefangen! Ein junger Kater und seine Freunde werden ausgesandt, um die Königin wieder nach Hause zu holen.

Unterdessen trauert Feli noch immer um ihre verstorbene Grossmutter. Doch was hat es mit dem Ohrring auf sich, den das Mädchen von seiner Grossmutter geerbt hat? Und dann ist da noch der schwarze Kater, um den sie sich kümmert, der sich gar nicht wie ein normaler Kater verhält...

Meine Meinung:

Ach, was soll ich zu "Jägermond" von Andrea Schacht bloss sagen? Ich meine, ausser dass es ein supertolles, spannendes, lustiges Buch mit tollen Figuren ist? Denn eigentlich habe ich damit schon alles gesagt...

Ich habe die Geschichte innert kürzester Zeit durchgehabt und finde es noch immer schade. Schade finde ich es auch, dass mir der Zugang zu Trefélin verwehrt bleibt und ich nie tigergrosse Katzen in echt erleben darf. Aber vielleicht will ich das ja gar nicht? Obwohl so eine Lektion im Schnurren bestimmt ganz interessant wäre.

Das Buch spielt einerseits in unserer Welt und zum anderen in Trefélin. Vor allem die Welt der Katzen hat mir sehr gut gefallen. Schacht hat diese fremde Welt so gut ausgearbeitet, dass ich mir alles lebhaft vorstellen konnte und selbst das Gefühl hatte, von grossen Katzen umgeben zu sein.

Überhaupt hat Andrea Schacht das Leben der Katzen toll geschildert. Das der Trefélingeborenen und ebenso dasjenige unserer kleinen Hauskatzen.

Auch die Figuren waren mir allesamt sypmathisch, sogar Finn, obwohl er mit seinem Verhalten eigentlich nicht im meiner Sympathieliste gestande hätte. Aber eben, die Charaktere entwickeln sich und lernen. Als Leser kann man das ganz toll miterleben und hat das Gefühl, seinen Kindern beim Grosswerden zuzusehen.

Seit ich dieses Buch gelesen habe, sehe ich Katzen mit anderen Augen. 

Fazit: 

Toll! Ich finds so toll, toll, toll! Alle, die Katzen mögen: Hier, lesen. Hast du gutes Buch, jawohl! Auch Jugendliche können sich nach Trefélin wagen, da Andrea Schacht sehr angenehm schreibt. Vor allem Leser der Kampfkätzchen können hier eine kleine Atempause von den sich ständig raufenden Katzen einlegen. Und das, ohne auf Katzen verzichten zu müssen!

Andrea Schacht
Jägermond
Im Reich der Katzenkönigin
TB, 1. Auflage 2012
Blanvalet

978-3-442-26897-9 

04.08.2013 um 20:35 Uhr

[Monatsstatistik] Juli 2013

von: Jari   Kategorie: Monatsstatistik

Gelesen:

Tony DiTerlizzi & Holly Black: Die Spiderwick-Geheimnisse - Die Rache der Kobolde
Love: Der Fuchs
John Lanchester - Kapital
Jackie Kessler - Ein Sukkubus in Nöten
Karl Ploberger - Gärtnern für intelligente Faule
Konrad Hansen - Die Männer vom Meer
Ray Bradbury - Fahrenheit 451
David Lubar - Plötzlich Zombie: So ein Mist!
Craig Silvey - Wer hat Angst vor Jasper Jones?
Susanna Tamaro - Mein Herz ruft deinen Namen
Thomas Daigeler - Führen
Andrea Schacht - Jägermond
Heike B. Tschirner - Meerschweinchen... was uns glücklich macht
Carl Heyd - Papa und die Motorradrocker

Gesamt gelesen 2013:  90

Buch des Monats

Es ist sooo toll! 

03.08.2013 um 17:18 Uhr

[Rezension] Susanna Tamaro - Mein Herz ruft deinen Namen

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Nach einem tragischen Ereignis zieht Matteo sich in eine einsame Hütte in den Bergen zurück, wo er immer wieder von Wanderern Besuch erhält. Langsam aber sicher verarbeitet er seine Vergangenheit und trifft schlussendlich auf die Zukunft...

Meine Meinung:

Achtung: Enthält Spoiler!!! 

Vor einigen Jahren las ich das Buch "Luisito" von Susanna Tamaro und war tief berührt. Als mir dann "Mein Herz ruft deinen Namen" in die Hände bekam, war ich begeistert. Tolles Cover, vielversprechender Inhalt, schöner Titel und ein positives Erlebnis zuvor. Wunderbar!

Auch wenn man nach Rezensionen zu diesem Buch sucht findet sich nur Positives. Die Rezensenten überschlagen sich mit Lobeshymnen, von "so schön", über "wundervoll", bis hin zum Meisterwerk ist alles dabei. Angeblich soll dieses Buch das beste sein, das Tamaro geschrieben hat.

Filmriss.

Wenn das das Beste ist, was Tamaro zu bieten hat, dann bleibt mir bittesehr mit allen anderen Büchern der Autorin vom Leib!
Das E-Book hatte bloss 150 Seiten und das ist der einzige Grund, warum mein E-Reader noch lebt und nicht an der Wand klebt.

Ich mag es ja, wenn man eine Figur kennenlernen kann und miterlebt, wie sie sich entwickelt. Diese Voraussetzung ist ja schon einmal da. Nennen wir ihn mal Matteo. Der wird total weise, weil er sich aus der Dunkelheit emporgekämpft hat.

Nein, hat er nicht. Ich glaube, Matteo ist der verweichliste, unsympathischste, jämmerlichste Charakter, der mir je untergekommen ist. Anfangs stand ich ihm neutral gegenüber, doch je weiter die Seitenzahl fortschritt, desto mehr verachtete ich ihn.

Die Geschichte geht so: Matteo liebt Weibchen (wie hiess die noch gleich?), Weibchen stirbt, Kind gleich mit. Matteo fällt ins Loch. Wird zum Alki, zerstört das Leben aller, die ihm helfen wollen, inklusive dasjenige einer jungen Frau, die ihn wirklich mag, und erzählt der dann, das Kind in ihrem Bauch hätte kein Gehirn. Matteo findet alte Hütte, baut die wieder auf, wird zum Einsiedler und wird superduper weise. Weiss natürlich immer alles besser, ne? Zum Schluss taucht dann noch das Kind ohne Gehirn wieder auf, aber hey! Das hat seinem Einsiedler-Vater verziehen und die jetzt nicht mehr so junge Frau ebenfalls. Ach - was haben wir uns alle lieb!

Matteo mit seinen weisen Sprüchen hört sich an, als hätte er einen Lieferwagen voller Paulo Coelhos gefressen, Matteos Weibchen ist auch nicht besser. Ich muss sagen, dann doch lieber Paulo Coelho, denn der schafft es wenigstens, in mir das Gefühl von Lebensfreude zu wecken, während es bei Tamaro darauf hinausläuft, dass ich mich von der Brücke stürzen sollte.

Ich weiss, dass das Leben kein Ponyhof ist, aber muss man es mir dann gleich so reinwürgen? Während der gesamten Lektüre fühlte es sich an, als würde Tamaro mir mit einer faulen Tomate im Gesicht rumwischen. Das Ganze kam mir so vor, als würde die Dame laut rufen: Schaut mal, was ich kann! Und wie tiefgründig ich bin! Habt mich lieb, ja? Habt mich lieb!

Dieses ganze Gesülze über das Leben, das Sterben und dann auch noch Matteos direkte Anrede des Lesers mit "du", wobei er jedoch sein Weibchen meint - nein, danke. Ach ja, Matteo: Ich bin nicht die, für die du mich hältst. Ich wäre niemals mit so einer Spassbremse ausgegen.

Wie ihr merkt: Ich gehöre NICHZ zur Zielgruppe dieses Buches. Falls ihr etwas Ähnliches finden solltet und es ach, so schön findet. Bitte, bitte, bitte, bleibt mir damit vom Leibe, ja?

Irgendwie haben mir da die Männer vom Meer noch besser gefallen. Die versuchten wenigstens nicht, philosophisch zu sein... 

Fazit: 

NEIN!

Susanna Tamaro
Mein Herz ruft deinen Namen
HC mit Schutzumschlag, 2012
Piper

978-3-492-05509-3