Jaris Büchergebrabbel

31.08.2014 um 13:58 Uhr

[Rezension] José Saramago - Handbuch der Malerei und Kalligraphie

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Ein Maler, der mit der Kunst hadert, und sich dem Schreiben zuwendet.

Meine Meinung:

Leider kann ich zum Inhalt von Saramagos "Handbuch der Malerei und Kalligraphie" nicht viel mehr sagen. Es passiert nämlich nicht unbedingt viel. Es beginnt damit, dass der Künstler ein Portrait von S. machen soll. Wir beschäftigen uns eine Weile mit S., bis der Künstler mit dessen Sekretärin in die Kiste springt. Danach sind S. und die Sekretärin vergessen, dafür schreibt der Maler H. nun über seine Reisen nach Italien. Am Schluss wird noch ein Freund des Malers verhaftet, das einzig interessante Thema des Buches. Doch anstatt zu beschreiben, wie es dazu kam, wie es in Portugal damals zu und her ging, besucht H. seinen Freund im Gefängnis, turtelt mit dessen Schwester und dann ist das Buch zu Ende. Die Hintergründe der Verhaftung musste ich auf Wikipedia nachschlagen.

Dies könnte vielleicht auch mit der Zeit zusammenhängen, als das Buch damals erschien. Vielleicht durfte er gar nicht mehr schreiben? Dennoch finde ich es schade um diesen Aspekt, daraus hätte man viel mehr machen können.

Saramago gehört noch immer zu meinen Lieblingsautoren, aber dieses Buch sagte mir leider ganz und gar nicht zu. Ich mag leider keine Bücher über Männer in der Midlife-Crisis und das ist dieses Handbuch. Faselt H. einmal nicht darüber, dass er eingentlich kein Künstler ist und gar nicht malen kann, erzählt er uns ausführlich über irgendwelche architektonischen Highlights in Italien. Mich interessiert weder das Eine noch das Andere.

Oft wollte ich H. gerne sagen, dass wenn er sich nicht für fähig hält, Kunst zu machen, er sich doch einfach einen anderen Job suchen sollte. Das schafft er wohl auch nicht. Dafür ist er in der Lage, im Selbstmitleid zu baden wie kein zweiter. Oder sich selber zu widersprechen. Er hat zwar eine Beziehung mit einer Frau, aber das ist alles oberflächlich und sie bedeuten sich nichts. Aber dann ist er doch eingeschnappt, dass das Mädel Schluss macht. Aber dafür kann H. nun noch mehr im Selbstmitleid wälzen.

Der typische Schreibstil, den ich an Saramago so schätze, kommt hier nicht zum Tragen. Die Sätze sind kurz und knapp und es kommt direkte Rede vor. Anstatt die Personen und ihre Feinheiten zu beobachten wie in all den anderen Büchern, die ich gelesen habe, kommt mir H. vor wie ein Elefant, der mit seiner Krise alles andere flach walzt. Manchmal kam er mir vor wie ein zu alter Teenager. Keiner hat mich lieb...

Fazit:

Für alle, die den Saramago aus "Die Stadt der Blinden" mögen: "Handbuch der Malerei und Kaligraphie" ist etwas ganz Anderes und in keinster Weise zu vergleichen. Jene, die noch keinen Saramago gelesen haben: Der Autor kann es auch besser.

Leser, die Geschichten über die Midlife-Crisis und überschwengliche kunsthistorische und architektonische Beschreibungen mögen, werden Freude an diesem Buch haben.

Ich bin froh, dass es vorbei ist.

José Saramago
Handbuch der Malerei und Kalligraphie
TB, 1990
Rowohlt

978-3-499-22304-4

Aus dem Portugiesischen von Maria Eduarda Alvelos
Originalausgabe: Manual de Pintura e Caligrafia
Moraes Editores, Lissabon 1977

30.08.2014 um 20:54 Uhr

[Rezension] Robin Jarvis - Dancing Jax: Zwischenspiel

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

England ist ganz im Bann der "Dancing Jax". Jeder huldigt dem Ismus. Bis auf ein paar Abtrünnlinge, auf die das Buch keinerlei Wirkung zeigt. Um auch sie gefügig zu machen, lädt der Ismus zwanzig Kinder und Jugendliche auf ein Camping-Wochenende ein. Natürlich verfolgt der Ismus ganz andere Pläne...

Meine Meinung:

Dieses Buch kam, holte weit aus und streckte mich nieder. Anders kann ich es nicht beschreiben.

"Dancing Jax" von Robin Jarvis soll bzw. muss man der Reihe nach lesen. Bitte nicht mit Band zwei anfangen. Klar, es geht. Aber man verliert zu viel. Der ganze durchdachte Aufbau der Geschichte, die steigende Spannung, der Höhepunkt, die Explosion. Man kann nicht einfach in der Mitte anfangen und begreifen, worum es geht.

Schon "Auftakt", Band eins, fand ich grossartig. Genial. Und was hab ich mich gegruselt. Mit jeder Seite nahm die Gänsehaut zu und es schauderte mich immer mehr und mehr. Doch jetzt, im zweiten Teil, hat Jarvis alle Fehler des ersten Teiles ausgemerzt. Keine Längen mehr - jede Szene passt und hat ihren Sinn. Keine Überflutung mit Namen, sondern eine Auswahl und dabei bleibt es.

"Zwischenspiel" hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe. 

Und eine ähnliche Verwüstung hinterlassen.

Die ersten Kapitel zeigen uns, worauf wir uns gefasst machen müssen. Doch schon bald wird es etwas harmlos. Die Kinder werden ins Camp gebracht und wir haben ein Wochenende Zeit, sie kennenzulernen. Da ist die Veganerin Jody, die kleine Christina. Der Macho Marcus, der Schotte Alasdair, der rebellische Lee. Charm, die sich nichts sehnlicher wünscht, als berühmt zu werden, und die dicke Maggie, die für alles den passenden Spruch bereit hat. Jim, Spencer, Esther...

Wir sind dabei, wenn sie sich anfreunden, sich streiten, sich näher kommen. Jarvis setzt sein Können dabei so gekonnt ein, dass wir bald nicht nur zuschauen, sondern direkt dabei sind. Wir hören Alasdair beim Gitarre spielen zu, lachen über Maggies Witze und fragen uns, welchen Geschmack Charm uns wohl zuordnen würde. Wir schliessen die Figuren ins Herz, gewinnen sie lieb, finden Freunde.

Und dann ist das schöne Wochenende vorbei und der Schrecken nimmt seinen Anfang.

Die Kinder werden eingesperrt und müssen von nun an schuften. Als Abtrünnlinge sind sie nichts mehr als Spielbälle der perversen Gefängniswärter. Ausserdem hat sich der Ismus in einem der Kinder eingenistet und säht Zwietracht, Lügen und Hass. 

Als Leser rätselt man bis zum Schluss, wo der Ismus nun steckt. Jarvis gibt immer wieder Hinweise. Könnte es dieser Junge sein? Oder der hier? Vielleicht sie hier? Ich habe stundenlang nachgedacht, immer wieder jemand anderen verdächtigt. Aber ich kam nicht drauf. Und das, obwohl ich in den meisten Krimis den Täter ermitteln kann.

Dazu kommt die ständige Gefahr, der die Kinder ausgesetzt sind. Ständig rechnet man mit dem Schlimmsten, mit der Katastrophe. Katastrophen gibt es. Gleich mehrere. Nur weiss man auch als Leser nicht wirklich, wann sie geschehen, und dann trifft es einen völlig unvorbereitet.

Aber es ist nicht einfach nur eine fiktionale Figur, die da stirbt. Diese Kinder sind zu Freunden geworden. Wie oft musste ich mit den Tränen kämpfen? Obwohl ich diesbezüglich nicht nahe am Wasser gebaut bin. Nur die Mitfahrer im Zug hielten mich davon ab, in Tränen auszubrechen. Dafür hätte ich sie manchmal am liebsten erwürgt. Wie kann man so fröhlich über das Wetter und Mitschüler plaudern, während man selber gerade um die Figur trauert, die man von allen am liebsten mochte? Die zum ständigen Begleiter wurde, zum besten Freund, der besten Freundin?

Dieses Buch nahm mich mit wie keines je zuvor. Ich träumte sogar davon. Natürlich wollte ich wissen, wie es weitergeht, dennoch traute ich mich oft gar nicht, weiterzulesen. Fast schon Angst hatte ich vor dem, was auf mich zukam. Jarvis ist so abseits jeglicher Stereotypen, dass man ihn einfach nicht einschätzen kann. Praktisch nichts konnte ich vorhersehen. Und ich habe doch schon einige Bücher gelesen und bereits ziemlich viel Erfahrung.

Klingt das für euch negativ? Ganz im Gegenteil! Wenn ein Buch es schafft, sich so sehr in mein Leben, meine Gedanken, meinen Alltag zu drängen, dann ist es gut. Dann ist es sehr gut. Wahnsinnig, abartig gut. Es ist düster, brutal, ungehalten, geht ans Herz und an die Nieren, es ist lustig, heiter und romantisch.

Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich habe gelitten und geliebt und verloren.

Aber es gibt Hoffnung! Denn was die Kinder im Camp nicht wissen: Unter ihnen befindet sich der Castle Creeper. Er ist der Einzige, der den Ismus vom Thron stossen kann...!

Fazit:

Ich könnte wohl noch weiterhin über "Zwischenspiel" schwärmen, aber ich belasse es bei dem, was ich oben geschrieben habe. Es ist ein Buch wie kein zweites! Ein krasse Steigerung zu Band eins, obwohl der schon gut war. Nichts für schwache Nerven oder zu junge Leser. Perfekt für mich, die ich aussergewöhnliche Bücher liebe und Qualität daran messe, wie sehr mich ein Buch mitreisst.

Dieses hier hat mich nicht mitgerissen. Es hat mich umgehauen und ist auf mir Trampolin gesprungen. Mit Salto.

Kleine Anmerkung am Rande: Die deutschen Cover gefallen mir um einiges besser als die Originale.

Robin Jarvis
Dancing Jax
Zwischenspielt
Broschiert, 1. Auflage 2013
Scrip5

978-3-8390-0135-6

Aus dem Englischen von Nadine Mannchen

 Originalausgabe: Dancing Jax - Freax and Rejex

24.08.2014 um 15:33 Uhr

[Rezension] Paul Auster - Lulu on the Bridge

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Izzy Maurer ist Jazzmusiker, doch als er bei einer Schiesserei verletzt wird, muss er die Musik aufgeben. Er treibt ziellos durchs Leben, bis er eines Tages einen seltsamen Stein findet. Dieser Stein führt ihn zu Celia und endlich hat Izzys Leben wieder Inhalt. Doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer...

Meine Meinung:

Paul Auster gehört zu meinen Lieblingsautoren, deshalb war ich sehr gespannt auf "Lulu on the bridge". Das Buch wurde mir geschenkt, weil es kein Roman, sondern "nur" das Drehbuch für den Film ist. Bisher hatte ich nur Theaterstücke gelesen und keine Drehbücher, deswegen war ich gleich doppelt gespannt auf Lulu.

Selbst dem Drehbuch konnte man die Auster'sche Handschrift anmerken. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass dieser Teil der Geschichte auf der Leinwand noch mehr zum Tragen kommt als in der geschriebenen Fassung.
Man kann sehr viel in den Stein und seine verborgenen Kräfte interpretieren und das Ende fügt der Geschichte eine weitere Ebene hinzu.

Ein wichtiger Teil von "Lulu on the bridge" ist das Stück "Erdgeist" von Wedekind. Ich persönlich habe weder den Text dazu gelesen, noch eine Aufführung gesehen. Davon gehört habe ich bisher ehrlich gesagt auch noch nicht. Wahrscheinlich ist mir damit ein wichtiger Teil des Filmes entgangen.

Celia spielt nämlich "Lulu" in der modernen Fassung des Theaterstückes, daher auch der Titel "Lulu on the bridge". Wir erleben nicht nur Izzys und Celias Weg, sondern sind auch live dabei, wenn Celia Lulu spielt. Es ist bestimmt interessant, mitzuverfolgen, wie Celia und Lulu sich entwickeln.

Man versteht das Drehbuch jedoch auch ohne Kenntnisse von "Erdgeist". Aber wie bereits erwähnt, habe ich das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Der Buchfassung beigefügt sind mehrere Interviews, beginnend natürlich mit Paul Auster selber. Es kommen noch andere Personen zu Wort, die sich am Film beteiligt haben. Aber ich gebe offen zu, dass ich die Interviews nur überflogen habe. Ich kenne weder die Filmfassung, noch bin ich ein so grosser Filmfanatiker, als dass ich mich damit befasse, wie nun das Licht in welcher Szene gedreht werden muss. Das überlasse ich jenen, die damit zu haben bzw. zu tun haben wollen.

Fazit:

Ein spannender Ausflug in die Filmwelt. Auch hier zeigt Paul Auster sein Können, das Phantastische in die Realität einzubauen, ohne dass sie sich beissen. Es ist sein besonderer Blick auf unsere Welt, den ich an Auster so mag. Zwar habe ich noch immer nicht vor, den Film zu sehen, aber das Drehbuch habe ich mit viel Vergnügen gelesen.

Paul Auster
Lulu on the bridge
TB, 1998
Rowohlt

978-3-499-22426-7

Aus dem Englischen von Werner Schmitz
Originalausgabe: "Lulu on the bridge"
Henry Holt, New York 1998

23.08.2014 um 20:58 Uhr

[Comics] Katie Cook/Andy Price - My Little Pony: Freundschaft ist Magie 01 - Die Rückkehr von Königin Chrysalis

von: Jari   Kategorie: Comics

Wenn ich schon unter die Comicleser gehe, dann darf eine Reihe in meinen Regalen nicht fehlen: Die Comics zu My Little Pony.
 
Band eins ist zwischen Staffel zwei und drei angesiedelt und obwohl man die Bände ohne Kenntnisse der Serie lesen kann, ist es doch erfrischend, bereits zu wissen, wer Königin Chrysalis ist. Auch an anderen Orten wird Bezug zur Serie genommen, ist also eher als Zusatz gedacht, um den Fans das Warten auf die nächste Staffel zu erleichtern.
 
Dennoch schlägt der Comic ganz andere Töne an, ist etwas düsterer und auch brutaler als die kindertaugliche Cartoonserie. Eigentlich wird sich im Comic zumindest zum Ende hin ziemlich oft gekloppt. Ich hab ein paar Bilder, um zu verdeutlichen, was ich meine:
 
 
 
An einer Stelle erleben wir z.B. mit, wie Chrysalis und ihre Anhänger in einer Welt voller süsser, niedlicher Wesen landen, und die kleinen Viecher allesamt abschlachten.
 
Ja, ziemlich brutal.
 
Lustig bleibt der Comic aber trotzdem. Vor allem, da die Charaktere originalgetreu übernommen wurden und wie immer ziemlich "lebhaft" sind. Die "Cutie Mark Crusaders", die von der Königin entführt wurden, treiben diese fast schon in den Wahnsinn. Und Pinkie Pie glänzt mit diversen Kostümen und Kuchen. Aber man muss sich schliesslich stärken, wenn man drei Fohlen aus den Fängen einer wahnsinnigen Königin retten muss.
 
An den Zeichnungsstil musste ich mich teilweise etwas gewöhnen, was aber nicht bedeutet, dass er mir nicht gefällt. Er bleibt der Cartoonserie treu, wirkt aber dennoch etwas erwachsener. Das trifft aber, wie bereits verdeutlicht, auf den gesamten Comic zu. So niedlich wie es das deutsche Cover weismachen will, ist die Geschichte keinesfalls.
 
Zwischenzeitlich kommen übrigens noch andere Künstler zu Wort bzw. zu Stift und wir erleben mit, wie Spike Prinzessin Celestia alarmiert oder was Chrysalis angestellt hat, während sie wieder zu Kräften kommen musste.
 
Ich persönlich musste mich noch an die deutsche Übersetzung einiger Wörter gewöhnen. "Schönheitsflecken" fand ich anfangs ganz schlimm. Für mich sind das "Cutie Marks". Dementsprechend stolperte ich auch über den "Schönheitsflecken-Club"... Mit der Zeit konnte ich das dann trotzdem akzeptieren.
 
Um es ganz klar zu machen: Ich mag Ponies, ich mag den Zeichnungssti und ich mag den Comic. Ehrlich? Dieser Band mag ich fast mehr als die komplette vierte Staffel (die konnte mich nur wenig überzeugen). Zum Glück hab ich Band zwei und drei auch schon hier irgendwo rumliegen.
 
Auf die Comics - fertig - lesen!
 
 
Katie Cook, Andy Price & Heather Breckel
My Little Pony: Freundschaft ist Magie 01
Die Rückkehr von Königin Chrysalis
TB, 2013
Panini Comics
 
978-3-86201-778-2

17.08.2014 um 11:53 Uhr

[Rezension] Terry Pratchett - Fliegende Fetzen

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Eine Insel taucht aus dem Nichts auf. Ausgerechnet zwischen Klatsch und Akh-Morpok. Es dauert nicht lange und die Städte liegen im Krieg. Jeder will die Insel für sich haben. Dabei tauchen auch alte Vorurteile auf, Esel erklimmen Minarette und Herr Mumm wird zum Ritter. Und Herr Vetinari hat seine eigenen Pläne...

Meine Meinung:

Bisher gefielen mir alle Pratchett-Bücher, die ich gelesen habe. Es gibt schwächere und stärkere, wobei ich noch keines nicht gut fand. "Fliegende Fetzen" gehört eindeutig zu den stärkeren und gehört definitiv zu meinen bisherigen Lieblingen der Scheibenwelt-Romane.

Mehr denn je hält Pratchett uns einen Spiegel unserer Gesellschaft vor. Aber wie immer macht er das auf eine so angenehme und unterhaltsame Art und Weise, dass es einem entweder gar nicht auffällt, oder einen gar nicht stört, dass wir eigentlich über uns selber lachen. Vor allem die Diskussionen über die Vorurteile der jeweils anderen sind herrlich. Und die Situationen, in die die Charaktere dabei tappen, sind genial zu lesen. Wahrscheinlich haben sich meine Zugnachbarn etwas belästigt gefühlt, weil ich mich mit diesem Buch so gut amüsiert habe.

Aber auch die Figuren überzeugen ein weiteres mal. Angua hat mir wahsinnig gut gefallen, sie hat so eine besondere Art, sich selber nicht allzu ernst zu nehmen. Und Lord Vetinari überrascht auch wieder einmal mit undurchschaubaren Plänen. Selbst ich wurde in paar Mal aus dem Konzept gebracht und fragte mich, was Vetinari nun schon wieder vor hat.

Die Geschichte ist lustig, aber auch ernst - eine Verbindung, die Pratchett ohne weiteres hinbekommt. Bisher habe ich noch nicht viele Autoren gelesen, die auf diese Art kritisieren können. Nämlich in dem sie unterhalten und uns eine spannende Geschichte mit vielen Anspielungen erzählen. Natürlich muss man nicht immer auf diese unterschwellige Gesellschaftskritik eingehen, man kann "Fliegende Fetzen" auch ohne das geniessen.

Und die Fetzen fliegen hier wirklich!

Fazit:

Dieser Scheibenwelt-Roman ist fast schon ein Krimi. Ein fast Toter, ein fast Verdächtiger und ein Ermittler, der alles daran setzt, herauszufinden, wer was getan hat. Fast schon ein Roadmovie und dabei definitiv ein wirklich grossartiges Buch!

 

Terry Pratchett
Fliegende Fetzen
TB, 3.Auflage 2004
Goldmann

978-3-442-45639-0

Aus dem Englischen von Andreas Brandhorst
Originalausgabe: Jingo
Victor Gollancz, London 1997

10.08.2014 um 11:35 Uhr

[Rezension] Catherine Fisher - Incarceron: Fliehen heisst sterben

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Incarceron ist ein riesiges und undurchdringliches Gefängnis. Keiner kommt raus, keiner kommt rein. Finn lebt in diesem Gefängnis, doch sein Gefühl sagt ihm, dass er von "Ausserhalb" stammt. Aber - gibt es "Ausserhalb" überhaupt? Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe macht sich Finn auf die Suche nach Sapphique. Sapphique, der es angeblich geschafft hat, Incarceron zu verlassen...

Meine Meinung:

"Incarceron" von Catherine Fisher war ein richtiges Auf und Ab. Anfangs fand ich es ganz okey, dann musste ich mich durch jede Seite quälen und schlussendlich wurde es dann wieder etwas spannend.

Leider beweist auch dieses Buch, dass die neumodischen "All Age"-Romane nichts für mich sind. Die meisten finde ich ganz in Ordnung, so wie dieses Buch auch, aber weder vermögen mich diese Bücher wirklich zu packen, noch können sie mich ganz überzeugen.

Bei "Incarceron" ist die Grundidee natürlich sehr spannend: Ein Gefängnis, das lebt, und in "Ausserhalb" als perfekt gilt. Und natürlich eben dieses "Ausserhalb", das eine idealisierte Vergangenheit darstellt. Klingt interessant und vor allem am Schluss ist es tatsächlich spannend.

An der Umsetzung hapert es jedoch trotzdem ein wenig. Oft dachte ich nur "hä?", bei einigen Szenen wusste ich nicht, was ich damit anfangen soll und es kam auch vor, dass ich nicht wusste, was mir die Autorin genau sagen will. Die Beschreibungen von Umgebung und Gegenständen ist teilweise recht knarzig und schwerfällig, etwas ungeübt, würde ich sagen.

Was mich vor allem am Mittelteil störte, waren die Hauptfiguren Finn und Claudia. Beide sind mir zu verschwommen, ohne richtigen Charakter. Sie sind zwar nett, aufrichtig und mutig, aber dennoch viel zu schwammig und ohne herausragende Eigenschaften.

Lange Zeit machen Claudia und Finn eigentlich auch gar nichts, ausser sich von den Ereignissen tragen zu lassen. Die eigentlichen Akteure sind die Nebenfiguren. Diese verleihen der Geschichte erst ihren Charm. Vor allem Keiro ist ein sehr interessanter Charakter, von dem man bis zum Schluss nicht weiss, was eigentlich in seinem Kopf vorgeht. Ohne diese Figuren wären Finn und Claudia noch immer dort, wo sie zu Beginn des Buches waren. Auf mich wirken sie somit eher schwach und gestaltlos.

Ausserdem wird vor allem Claudia im Mittelteil vieles zu einfach gemacht. Es muss nichts eingehend erforscht werden, Geheimnisse werden einfach so nebenher aufgelöst und die Geschichte schreitet fort. Ohne dass man sich irgendwelche Mühen hätte machen müssen. Jede ermittlende Figur aus einem Krimi wäre neidisch gewesen.

Was mir des Weiteren aufgefallen ist, ist die sprachliche Beschaffenheit des Buches. Dies gilt jedoch für alle All Age-Bücher, die ich bisher gelesen habe. Dieser Punkt ist einer jener Gründe, weshalb ich die Finger von diesem Genre lassen sollte:

Die Sprache fordert mich nicht. Fisher hat keinen eigenen Sprachstil, sondern reiht einfach Satz an Satz. Dies natürlich, damit alle Altersgruppen mit der Geschichte klar kommen und nicht überfordert werden. Ich dagegen fühle mich eher unterfordert und überspringe immer wieder Sätze, weil ich mich einfach langweile. Es gibt keine zweite Ebene hinter dem Text, nichts, dass es zu erforschen gilt. Es ist einfach alles so, wie es da steht. Ich fand keine Sätze, von denen ich dachte "Wow!" oder "Das muss ich mir notieren". Der Text glibbert einfach so vor sich her. Mir persönlich fehlt da einfach etwas Grundlegendes.

Fazit:

Ein typischer All Age-Roman mit einigen Schwächen, die aber am Schluss aufgeholt werden. Die Autorin hat ein paar interessante Figuren geschaffen, die der einzige Grund für mich darstellen, die nächsten Bände zu lesen.
Wer das Genre mag, erhält mit dieser Reihe interessantes Lesefutter, das einige spannende Themen aufgreift.

 

Catherine Fisher
Incarceron
Fliehen heisst sterben
HC mit Schutzumschlag, 1. Auflage 2013
Penhaligon

978-3-7645-3080-8

Aus dem Englischen von Marianne Schmidt
Originalausgabe: Incarceron
Hodder Children's Book, London 2007

09.08.2014 um 19:05 Uhr

[Kurzgebrabbel] Minecraft: Das Einsteiger-Handbuch

von: Jari   Kategorie: Kurzgebrabbel

Minecraft ist eine Erscheinung und jeder hat zumindest schon einmal davon gehört. Ganze Länder wurden erbaut und wieder zerstört.
 
Aber nicht für jeden ist Minecraft zugänglich. Doch jetzt wird Abhilfe geschaffen! Denn mit dem Einsteiger-Handbuch wird dem Leser Schritt für Schritt die Welt von Minecraft erklärt. Es wird gezeigt, wie man Gegenstände baut, welche Feinde dass es gibt, und die Schöpfer des Spiels werden ebenfalls kurz vorgestellt.
 
Achtung: Es handelt sich hierbei wirklich um ein Buch für Anfänger. Leute, die bereits Erfahrung haben, werden mit diesem Büchlein nicht viel anfangen können. Für jene aber, die wie ich, die Welt von Minecraft betreten und keinen Schimmer haben, was sie jetzt tun sollen, ist das Buch perfekt.
 
Vor der Lektüre des Handbuches wusste ich nicht, dass es einen Ofen braucht, um Gegenstände herzustellen. Eigentlich wusste ich nicht einmal, wie genau man Gegenstände herstellt. Unterdessen habe ich meinen eigenen kleinen Bunker direkt über einer Mine. Im Handbuch wird einem wirklich Schritt für Schritt erklärt, wie man sich eine Welt aufbaut und sich gegen Feinde verteidigt.
 
Mit gerade mal 80 Seiten und mehr Bildern als Text eignet sich dieses Minecraft-Werk auch für Gamer, die Bücher sonst links liegen lassen. Man muss kein Büchernarr und auch kein Sprachgenie sein, um daraus Informationen zu ziehen. Wahrscheinlich ist auch die wenig-lesende Gamerjugend die Zielgruppe des Handbuches.
 
Ich hab es trotzdem gelesen und freue mich schon auf die nächste Runde Minecraft!
 
 
Minecraft
Das Einsteiger-Handbuch: Aller Anfang ist ein Block
HC, 2014
Schneiderbuch
 
978-3-505-13413-5
 
Originalausgabe: Minecraft, Beginner's Handbook
Egmont, London 2013

03.08.2014 um 15:41 Uhr

[Rezension] Strugatzki - Das Experiment

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Das Experiment ist das Experiment. Teil des Experiments ist es, dass man nie lange denselben Beruf hat, es rotiert und wer nicht wechseln will, wird bestraft. Teilnehmer sind Menschen aus allen Teilen der Welt und aus allen historischen Zeiten.

Andrej nimmt freiwillig am Experiment teil und fühlt sich ganz wohl darin. Doch mehr und mehr taucht er ab in die seltsamen Tiefen des Experiments und geht dabei bis an seine Grenzen. An seine eigenen Grenzen und an jene des Experiments.

Meine Meinung:

Die Geschichten der Strugatzki-Brüder liest man nicht einfach so, dementsprechend lange hatte in an dieser Geschichte. Zwischenzeitlich hatte ich längere Lesepausen, dennoch fiel mir der Wiedereinstieg niemals schwer. Alles war sofort wieder da. Dieses Gefühl bleibt auch nach Beendigung des Buches: Diese Geschichte vergisst man nicht so einfach wieder. "Das Experiment" bleibt.

Das Buch bietet viel Stoff. Sehr viel Stoff sogar. Es wird mit Symbolen gearbeitet und es gibt vieles, das Interpretationen zulässt. Das rote Haus zum Beispiel. Der Sinn des Experiments. Der Umsturtz. Die Geschichte geht sehr tief und dabei greift wieder einmal das Sprichwort von den stillen Wassern.

Denn nicht nur Andrej ist eine eher stille Hauptfigur, auch das Buh selber ist still und ruhig erzält. Zum Schluss nimmt die Geschichte an Fahrt auf, dennoch bleibt ein Gefühl von Ruhe und Nachdenklichkeit zurück. Man kommt einfach nicht darum herum, über das Geschriebene nachzudenken. Die Figuren bleiben präsent, ihre Erlebnisse hinterlassen Spuren.

Als Einsteigergeschichte eignet sich "Das Experiment" eher weniger. Vor allem das Ende ist ziemlich wirr oder, sagen wir mal, speziell. Auch jetzt noch studiere ich daran herum. Weiter komme ich aber irgendwie nicht. Deswegen ist dieses Buch auch ein guter Kandidat für einen Re-Read. Wer weiss, vielleicht verstehe ich in ein paar Jahren mehr davon?

Fazit:

Eine exzellente Geschichte, die ihre Ansprüche hat. Weltliteratur vom Feinsten, aber nicht für jedermann geeignet. Für jene, die noch unbedarft sind im grossen Strugatzkiversum, eher weniger geeignet. Wer schon den einen oder anderen Titel gelesen hat, eine weitere Reise in eine düstere, phantastische und faszinierende Welt.

Arkadi & Boris Strugatzki
Das Experiment
TB, 2010
Heyne

978-3-453-52631-7

Aus dem Russischen von Reinhard Fischer, Welta Ehlert und Aljona Möckel
Originalausgabe: Пикник на обочине / За миллиард лет до конца света / Град обреченный

01.08.2014 um 15:27 Uhr

[Monatsstatistik] Juli 2014

von: Jari   Kategorie: Monatsstatistik

Gelesen:

Dinaw Mengestu - Zum Wiedersehen der Sterne
C.S. Lewis - Das Wunder von Narnia (Band 1)
Wittwer, Paul - Eiger, Mord und Jungfrau
Strugatzki - Das Experiment

Gelesen Manga:

Fujiko Kosumi - Samurai Drive 01

Gelesen Comics:

Eastman/Waltz/Duncan - Teenage Mutant Ninja Turtles 2

Abgebrochen:

nix :)

Gesamt gelesen 2014 Bücher: 41
Gesamt gelesen Manga 2014: 24
Gesamt gelesen Comics 2014: 4
Gesamt gehört Hörbuch 2014: 1
Gesamt abgebrochen 2014:

Buch des Monats