Jaris Büchergebrabbel

29.11.2014 um 17:49 Uhr

[Rezension] Antal Szerb - Reise im Mondlicht

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Erzsi und Mihály sind auf Hochzeitsreise, doch dann steigt Mihály mehr oder weniger aus Versehen in den falschen Zug und ihre Wege trennen sich. Während Erzsi nach Paris fährt, begibt Mihály sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit, von der er sich nie ganz lösen konnte...

Meine Meinung:

Wow - das war krass! Nachdem ich "Die Pendragon-Legende" von Antal Szerb so gut fand, freute ich mich auch auf "Reise im Mondlicht". Ich erwartete nicht, dass dieses Buch genauso gut sein würde, wie das erste, aber die knallharte Realität:

Ich hätte "Reise im Mondlicht" beinahe abgebrochen.

Doch ich wollte dieses Jahr kein Buch mehr abbrechen, also habe ich mich durchgequält. Wieso es mir nicht gefallen hat?

Einerseits wusste ich von Anfang an nicht, worauf das Buch hinaus will. Das ist mir auch jezt noch nicht ganz klar, denn schlussendlich steht man wieder dort, wo man angefangen hat. Bloss, dass Mihály wohl keine Frau mehr hat.

Ausserdem waren die Protagonisten so durch den Wind, dass ich beide einfach nicht verstehen konnte. Auf dem Cover des Buches steht ein Zitat von The Guardian: "Dieses Buch ist total verliebt in das Leben." Nun, meiner Meinung nach ist in diesem Buch überhaupt keiner verliebt. Oder einfach alle in die glorreiche Éva, Mihálys Jugendliebe. Obwohl Mihály natürlich nicht in sie verliebt ist, nein. Überhaupt nicht. Im nächsten Satz sagt er aber wieder, dass er es war und nervt sich dann ab Erzsi, weil sie ihn nicht verstehen kann. Echt jetzt? Würde mein Mann mir sowas erzählen, würde ich ihn auch nicht verstehen. Entscheide dich endlich.

Erzsi wiederum mag wohl Männer, die sie nicht für voll nehmen. Ihr erster betrügt sie ständig mit anderen Frauen, nur um dann Mihály einen Brief zu schreiben, wie er Erzsi richtig behandeln soll. Der nächste Mann, den sich Erzsi nimmt, haut ab, um einer gottähnlichen Frau nachzulaufen, von der er 20 Jahre lang nichts wissen wollte. Der guten Erzsi ist das natürlich egal und flirtet in Paris mit Mihálys Freund und meint, sie hätte den Typen ja geheiratet, eben weil er anders ist als die anderen. Deshalb muss sie das so akzeptieren. Nun gut, wenn man bedenkt, wann das Buch geschrieben worden ist, muss eine Frau das wohl einfach so hinnehmen.

Wahrscheinlich ist "Reise im Mondlicht" wohl die Geschichte einer Mid-Life-Crisis. Aber zu der Zeit, als das Buch entstand, gab es diesen Begriff noch nicht. Jedenfalls rennt Mihály also durch Italien und verzettelt sich in Beschreibungen von irgendwelchen architektonischen und künstlerischen Beschreibungen, die überhaupt nichts zur Geschichte beitragen.

In "Die Pendragon-Legende" kamen solche Beschreibungen auch vor. Aber da waren sie wichtig für den Fortgang des Buches und gaben einen guten Einblick in die Umgebung. Hier ödeten sie mich an. Man kann Seiten überspringen und ist dann doch noch immer am selben Ort und nichts hat sich getan.

Fast am schlimmsten fand ich die ständigen Zufälle. Ganz per Zufall trifft ein alter Freund in Venedig auf das frisch angetraute Ehepaar, ganz per Zufall trifft Mihály auf jemanden, der jemanden kennt, der vielleicht auch ein alter Freund sein könnte. Und ja- natürlich, von allen Mönchen in Italien findet Mihaly dann genau den richtigen. Per Zufall natürlich. Und ganz per Zufall trifft er in Rom auf Éva.

Das sind mir einfach zu viele Zufälle, als dass das Ganze noch glaubhaft wirkt. Ja, im Leben geschehen oft lustige Zufälle. Aber hier wird gleich ein ganzer Sack davon ausgeschüttet. Nein, also wirklich. Muss das sein?

Fazit:

Interessant, wie unterschiedlich man die Titel desselben Autors wahrnehmen kann. Jetzt bin ich mal gespannt, was passiert, wenn ich das nächste Buch von Szerb lese. Jetzt hab ich eins, das ich absolut genial finde, und eines, das ich absolut schrecklich finde. Diesen Umstand finde ich eigentlich ganz lustig.

Auch wenn die Zeit, die ich mit dem Mondlicht verbracht habe, ganz und gar nicht lustig war.



Antal Szerb
Reise im Mondlicht
Broschiert, 5. Auflage 2004
dtv

978-3-423-24370-4

Aus dem Ungarischen von Christina Viragh
Originalausgabe: Utas és holdvilág
Révai, Budapest 1937

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