Jaris Büchergebrabbel

15.11.2014 um 17:31 Uhr

[Rezension] Cees Nooteboom - Rituale

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Inni Wintrop gehört zu jenen, die sich treiben lassen. Als seine geliebte Zita ihn verlässt, verliert er jeglichen Halt. Erst als Inni den alten Taads kennen lernt, nimmt sein Leben wieder Form an. Der Kreis schliesst sich, als Inni Jahre später auf Taads' Sohn trifft, der so anders und doch ganz gleich ist wie der Vater.

Meine Meinung:

Rituale von Cees Nooteboom ist eines jener Bücher, von denen ich nicht so einfach sagen kann, was ich davon halte. Oder gar, worum es wirklich geht. Oder ob ich es gut oder schlecht fand. Es ist eines jener Bücher, das sich einem entzieht und immer, wenn ich danach greifen will, bückt es sich unter meiner Hand weg.

Was ich dazu sagen kann, ist, dass mir Nootebooms Sprache sehr gut gefällt. Es ist eine poetische Sprache, die Unpoetisches ausdrücken kann, ohne dass es fehl am Platze wirkt. Ich weiss zwar nicht genau, was ich von Nooteboom erwartet habe, aber jedenfalls nicht, dass ich seinen Schreibstil als schön empfinde.

Die Geschichte selber ist sehr eigenwillig. Genauso wie Inni, die Hauptfigur von „Rituale“. Anfangs konnte ich die Geschehnisse schlecht zuordnen, da man einfach mitten in die Handlung hineingeworfen wird. Dieser Erzählstrang ist dann aber auch gleich darauf beendet und Ini lernt den ersten Taads kennen.

Man muss sich in diesem Buch erst ein wenig zurecht finden. Nach dieser Szene konnte ich mich einigermassen in der Geschichte einleben und den Erzählstil akzeptieren wie er ist. Taads ist eine Klasse für sich, genauso wie sein Sohn, den wir später ebenfalls antreffen. Der Apfel fällt nicht weit vom Baum.

Der Titel passt sehr gut zur Geschichte. Jede der Figuren hat ihre eigenen Rituale, die für uns Aussenstehende teilweise nicht nachvollziehbar sind. Selbst Inni, der entwurzelt wirkt, hat seine persönlichen Rituale, denen er folgt oder folgen muss. Ob er dies bewusst tut, das kann ich nicht sagen.

Nooteboom wirft viele Fragen auf, greift nach heiklen Themen und serviert sie uns wie eine heisse Suppe. Glasklar und ohne Umschweife. Der kurze Rückentext verspricht Erotik, doch ich persönlich empfinde dies als irreführend. Sie ist ein Teil der Geschichte, aber es ist kein dominanter Part. Der körperliche Teil ergänzt das Buch in etwa so, wie es unser Leben ergänzt.

Ich persönlich empfand die tiefgründigen Diskussionen als tragender als die Erotik. Die Figuren für sich wirken stärker als ihre Interaktionen. Man redet über Gott, Leben, Sterben, was richtig und was falsch ist. Wollte Nooteboom so seine Gedanken sortieren? Ihnen Form geben? Fühlt er sich vielleicht selbst ein wenig wie Inni, der sich eher treiben lässt, als selber zu handeln?

Obwohl die Sprache, wie eingangs erwähnt, sehr poetisch ist, fühlte ich mich davon doch rasch ermüdet. Dies kann jedoch auch am Inhalt liegen, der tatsächlich schwer verdaulich ist.

Fazit:

Ein Buch, das seltsam anders ist. Speziell. Das nicht so recht zu den anderen Büchern in meinem Regal passen will. Ein Buch, zu dem ich wohl nicht gegriffen hätte. Es hat meinen Lesehorizont um einen faszinierenden Aspekt erweitert, auch wenn ich nicht ganz sicher bin, was ich mit diesem Aspekt nun anfangen soll.

Cees Nooteboom
Rituale
Broschiert, 1. Auflage 1998
Suhrkamp

978-3-518-39362-8

Aus dem Niederländischen von Hans Herrfurth
Originalausgabe: Rituelen
De Arbeiderspers, Amsterdam 1980


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