Jaris Büchergebrabbel

02.01.2013 um 22:41 Uhr

[BücherFilme] Zwei an einem Tag

von: Jari   Kategorie: BücherFilme

Das Buch:

2009 erschien David Nicholls Erfolgsroman "One Day" auf Englisch, zwei Jahre später erschien dann die deutsche Ausgabe, die ebenfalls die Hitparaden stürmte. Hier findet ihr meine Rezension zum Buch:
http://www.blogigo.de/jaris_buechergebrabbel/Rezension-David-Nicholls-Zwei-an-einem-Tag/1026

Der Film:

Natürlich lässt eine Verfilmung nicht lange auf sich warten. Ein so erfolgreiches Buch muss schliesslich auf die Leinwand (ausserdem scheint Hollywood die Ideen auszugehen...). Im August 2011 flimmerte "One Day" zum ersten Mal über die amerikanischen Leinwände.

Regie führte die Dänin Lone Scherfig, die Hauptrollen ergatterten Anne Hathaway (Em) und Jim Sturgess (Dex). Für das Drehbuch zeichnete sich niemand geringerer als David Nicholls selbst verantwortlich. Vielleicht ist der Film deshalb nicht in die Hose gegangen.

Nachdem mir das Buch sehr zugesagt hat, war ich einigermassen neugierig auf den Film, und wollte wissen, wie er umgesetzt wurde. Und ich muss zugeben, es ist eine Buchverfilmung, die man sehen kann. Auch dann, wenn man das Buch gelesen hat.

Anne Hathaway und Jim Sturgess spielen ihre Rollen wirklich gut und sie passten äusserlich sowie charakterlich gut zu den Romanfiguren. Daran gab es nichts auszusetzen.
Auch an weggelassenen Szenen gab es sehr wenige und diejenigen, die herausgeschnitten wurden, vermisste man nicht.

Die Jahressprünge sind auch im Film gut gemacht und man erfährt alles, was man im Buch ebenfalls über die Figuren und ihr Leben erfährt.

Es wurden einige Änderungen gemacht, die ich persönlich nicht nachvollziehen kann. So fahren Dex und Em eigentlich nach Griechenland in die Ferien und nicht nach Frankreich und, was ich sehr schade fand, die Szene im Labyrinth verschob man auf eine Dachterrasse.

Fazit: 

Doch wie gesagt, dies sind kleine Dinge, über die man gut hinwegsehen kann. Ich bin kritisch, was Verfilmungen von Büchern betrifft, aber "Zwei an einem Tag" habe ich mir gerne angeschaut. Auch wenn das Buch natürlich immer noch besser ist ;) 

04.02.2012 um 23:08 Uhr

[BücherFilme] Red Riding Hood: Unter dem Wolfsmond

von: Jari   Kategorie: BücherFilme

Das Buch:

Zuerst gab es das Drehbuch zum Fillm, danach wurde daraus noch ein Jugendbuch erarbeitet. Die Rezension zur Buchversion findet ihr hier: http://www.blogigo.de/jaris_buechergebrabbel/Rezension-Blutroter-Mond/805/

Der Film: 

Normalerweise existiert zuerst ein Buch, danach wird es von Hollywood und Co. in einen Kinofilm umgewandelt. Bei "Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond" verhält es sich jedoch ein wenig anders. Hier wurde zuerst das Drehbuch verfasst. Dann stellten die Produzenten jedoch fest, dass sich die Charaktere verselbstständigten und etnschieden sich dazu, das gleichnamige Jugendbuch zu veröffentlichen.

Gleich zu Beginn stellt man fest, dass einem die Stimmung und die Bilder irgendwie bekannt vorkommen und man fühlt sich direkt in die Twilight-Filme hineinversetzt. So falsch ist dies nicht, denn die beiden Filme stammen von derselben Regisseurin. Das heisst, es wird grossen Wert auf stimmungsvolle und atmosphärische Bilder gelegt. Auch bei "Red Riding Hood" spürt man das. Die mittelalterliche Dorfwelt wird mit denselben tristen Farben dargestellt, die man kennt. Valerie sticht dabei aus der Eintönigkeit heraus. Ein interessanter Effekt, um die Hauptperson noch mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu lenken.

Doch stellt man gleichzeitig fest, dass bereits von Anfang an grosse Unterschiede zwischen Buch und Film auftauchen. So ist zum Beispiel Valeries Schwester im Buch ein wunderschönes Mädchen, das von allen geliebt und verehrt wird. Im Film dagegen taucht sie nur auf, um zu sterben und schien dazu noch ein etwas dicklicheres Mädchen gewesen zu sein. Wohl um Valerie als die Hübschere der Schwestern zu verkörpern? Auch andere Dinge wurden für die gedruckte Version verändert, sind jedoch nicht weiter erwähnenswert.

Die Mitte des Filmes verläuft dann tatsächlich wie im Buch, sodass man sich gut am Gelesenen orientieren kann. Pater Solomon hätte meiner Ansicht nach noch etwas autoritärer auftreten können, aber ansonsten gibt es nicht viel auszusetzen. Wie in den Twilight-Filmen scheint die Stimmung eher kalt und distanziert zu sein, während im Buch die Feierlichkeiten toll und wild wirken, lässt einen im Film die Szene eher die Haare sträuben.

Doch scheint die Regisseurin genau daruf aus zu sein: Wie im Buch kommt die Geheimniskrämerei im Dorf auch im Buch gut rüber. Man merkt, dass die Dorfbewohner beginnen, sich gegenseitig zu misstrauen. Dass man sich fragt, wer wohl der Wolf sein könnte. Auch hier werden Schuldzuweisungen gemacht und der Zuschauer rätselt mit, wer nun tatsächlich der Wolf sein könnte.

Das Ende wiederum... Tja, das Ende gab es im Buch nicht. Die gedruckte Version endet offen, während der Film noch weiter geht. Und das ein gutes Stück. Da fragte ich mich, weshalb die Autoren sich entschieden hatten, einfach mittendrin sozusagen mit dem Schreiben aufzuhören. Um die Leser in den Film zu locken? Um nicht zu viel zu verraten? Damit das Buch nicht zu umfangreich wird? Fragen über Fragen...

Zum Ende noch ein Kommentar als Spoiler, um das Ende nicht zu verraten. Spoiler: Ich kann Valeries Verhalten am Schluss überhaupt nicht nachvollziehen. Sie tötet ihren eigenen Vater, weil er der Wolf ist, bleibt aber bei Peter, obwohl auch er sich in einen Werwolf verwandeln wird? Ehrlich?! Was für ein undankbares Gör! Spoiler Ende.

Fazit: 

Ein netter Film, der vor allem Fans von Twilight gutes Futter bietet, da "Red Riding Hood" oftmals sehr an die Vampirgeschichte erinnert. Man sollte von diesem Film nicht zu viel erwarten, aber für einen netten Kinoabend reicht es allemal.

Ich persönlich bin nicht überzeugt, finde den Film einfach "ganz nett". Aber der Wolf, der hat es mir angetan, da sehr gut animiert. 

01.01.2012 um 19:54 Uhr

[BücherFilme] Die Legende der Wächter

von: Jari   Kategorie: BücherFilme

Das Buch:

Der Film "Die Legende der Wächter" basiert auf der gleichnamigen Jugendbuchreihe von Kathryn Lasky. Meine Rezension zum ersten Buch findet ihr hier: 
http://www.blogigo.de/jaris_buechergebrabbel/Rezension-Grosser-Glaux/777/

Der Film:

Da die Produzenten des Filmes eine Altersfreigabe ab 6 Jahren anstrebten, wurden einige Szenen für die Kinoversion geschnitten. Die ungeschnittene Version, welche ich auch gesehen habe, erhielt FSK12.

Was bereits in den ersten Minuten auffällt, ist die tolle Grafik. Die Landschaften sind liebevoll gestaltet und die Lichteffekte bringen viel Stimmung in den Kinderfilm. Auch das Charakterdesign ist gut gelungen, man kann die Figuren unterscheiden und es stellt sich sofort der gewünschte "Süss-Effekt" ein.
"Die Legende der Wächter" ist somit vor allem ein toller Augenschmaus.

Nach anfänglicher Verwirrung darüber, weshalb Sorens Bruder ebenfalls aus dem Nest gefallen ist, wurde rasch ersichtlich, dass der Film die ersten drei Bände der Reihe beinhaltet. Leider habe ich erst den ersten Band gelesen und kann somit inhaltlich bloss den ersten Teil beurteilen.

Im Grossen und Ganzen hält sich die Filmversion einigermassen anständig an die Buchvorlage, nur wurde alles natürlich um einiges schneller vorangetrieben. Der wahre Schrecken der Schule kommt nicht wirklich zum Vorschein, da die Eulen innerhalb der gefühlten ersten Minuten wieder von dort verschwunden sind. Typisch für solche Filme wurde das Hauptaugenmerk auf den Endkampf gelegt. Daran kann man sich stören, muss man aber nicht. Inhaltlich bekommt der Film von mir ein "ganz passabel, lässt sich schauen".

Es gibt jedoch ein grosses Aber, das mir die Freude an dem eigentlich wirklich hübschen Film sehr zunichte machte. Hierbei muss ich zwangsweise darauf hinweisen, dass die Verfilmung aus den USA stammt, deren Filmen grösstenteils einem vorgegebenen Muster folgen.

Doch was dieses Muster aus meiner Lieblingsfigur Gylfie gemacht hat, halte ich unverzeihlich. Auch Soren konnte ich vom Charakter her kaum wiedererkennen.

Im Buch, dessen Autorin sich mit der Entwicklung ihrer Figuren wirklich Mühe gibt, ist Gylfie ein freches, vorlautes und mutiges Mädchen. Klein, aber oho. Sie nimmt selten bis gar nicht ein Blatt vor den Schnabel und ist schon fast flügge. Soren ist freundlich, nachdenklich, etwas scheu und unsicher. Wächst jedoch wirklich über sich hinaus. Aufgrund dieser Konstellation ist es oft Gylfie, die Soren Mut macht und ihn ab und zu zwickt, damit er in die Gänge kommt.
Die beiden Charaktere harmonieren wunderbar miteinander und sie geben ein stimmiges Bild ab. Beide profitieren voneinander, da Soren u.a. ein sehr aufmerksamer Beobachter ist und Gylfie auf manches hinweisen kann.

In der Filmversion, wie soll es anders sein, ist Gyflie ein Häufchen Elend und Soren der grosse Held. Anscheinen kommt Amerika nicht damit klar, dass es auch starke Mädchenfiguren gibt.
Gylfie ist wahnsinnig ängstlich, verletzlich und bedarf des Schutzes des heldenhaften Soren. Er ist so heldenhaft, wie es ein amerikanischer Superheld nur sein kann. Beide Charaktere wurden derart übertrieben, dass es mir beim Zusehen beinahe schlecht wurde.
"Mainstream" passt als Wort sehr gut zum Film. Vor allem zu den Figuren. Natürlich ist auch der Filmverlauf Mainstream und vorhersehbar, aber dass die Figuren, die man im Buch liebgewonnen hat, auf eine solch brutale Art und Weise verunstaltet wurden, damit kann ich beim besten Willen nicht umgehen.

Fazit:

Ein Kinderfilm, der sehr schön und lebendig gestaltet wurde und viele liebevolle Details beinhaltet. Die Änderungen an der Geschichte kann man verschmerzen, Freunde des Reihe sollten jedoch Vorsicht walten lassen, bevor sie sich zu sehr auf ihre Lieblinge freuen und keine zu grossen Erwartungen haben. 

11.12.2011 um 16:23 Uhr

[BücherFilme] Veronika decides to die

von: Jari   Kategorie: BücherFilme

Das Buch:

Der Film "Veronika decides to die" beruht auf dem Roman von Paulo Coelho mit dem Namen "Veronika beschliesst zu sterben". Meine Rezension zum Buch findet ihr hier: 
http://www.blogigo.de/jaris_buechergebrabbel/Rezension-Leben-unter-Verrueckten/764/ 

Der Film:

12 Minuten. 12 Minuten des Filmes habe ich gesehen, dann habe ich ausgeschaltet, da er es nicht wert ist, 90 Minuten meines Lebens darauf zu verschwenden. 

Wie es dazu kommt? Hier folgt die Begründung:

Schon nach dieser kurzen Zeit, die ja eigentlich nur die Einführung in den Film beinhaltet, hatte sich meine Plus/Minus-Bilanz deutlich ins Negative verändert. Einen Punkt auf der Plus-Seite, eine ganze Liste von Punkten auf der Minus-Seite.

Als positiv habe ich notiert, dass Passagen aus dem Buch zitiert wurden. Veronikas Gedanken über ihr Leben wurden direkt übernommen. Das war es jedoch auch schon, was ich als positiv empfand. Den Rest beschreibe ich als "amerikanischen Einheitsbrei". 

Mein grösster Kritikpunkt ist das Setting.
"Veronika beschliesst zu sterben" spielt im Sloweninen der 90er Jahre.

Doch anscheinend sind die Amerikaner unfähig, dieses Land auf der Karte oder Google Maps zu finden, denn die ganze Geschichte wurde einfach so ins Amerika des 21. Jahrhunderts versetzt.

Der Grund, weshalb mich diese Änderung derart stört, ist dass damit Veronikas ganzer Hintergrund einfach ausgelöscht wird.
Die Herkunft prägt einen, man identifiziert sich mit seinem Land, seiner Heimat. Ebenso hat Coelho in sein Buch das Land in die Geschichte einfliessen lassen. Veronika ist eine Slowenin und keine Amerikanerin. 

So schreibt sie keine E-Mail an ein Modejournal, sondern einen Abschiedsbrief an einen Journalisten, der die Frage stellt: "Wo liegt denn Slowenien?". Im Film beschäftigt sich Veronika mit der Frage, ob Gründ das neue Schwarz ist. Doch wen interessiert das bitteschön?

Zwar ist Sarah Michelle Gellar bestimmt eine talentierte Schauspielerin und spielt ihre Rolle wirklich gut, doch sie ist keine Veronika. Nicht Coelhos Veronika. Nicht die echte, originale Veronika, sondern eine Plastikversion.

Während der 12 Minuten Film musste ich oft an meine letzte Buchverfilmung zurückdenken. Diese war "Slumdog Millionaire (http://www.blogigo.de/jaris_buechergebrabbel/BuecherFilme-Slumdog-Millionaire/534/). Der Film hat mir deshalb so gut gefallen, weil man das Buch und den Film gut auseinander nehemen konnte. Der Film erzählt eine andere Geschichte als das Buch und ist deshalb keine Beleidigung für die Geschichte.

Bei Veronika klappt das nicht. Die Macher des Filmes schienen sich die Vorlage vorgenommen zu haben, um dann überall mit Rotstift Änderungen einzufügen. Ein Beispiel war der erwähnte Abschiedsbrief.

Des Weitern wurde Veronika als depressive junge Frau dargestellt. Doch Coelhos Veronika ist nicht depressiv, sie ist gefasst und zu Allem entschlossen. Der Film ist diesbezüglich überdramatisiert und will auf die Tränendrüse drücken, typisch für amerikanische Filme. Ich muss sagen, die Buch-Veronika war mir um einiges sympathischer als die Filmversion.

Fazit:

Amerikaner sollten ihre Finger von Büchern lassen. Wer das Buch mag sollte sich diese Verfilmung nicht ansehen. 

26.04.2011 um 13:12 Uhr

[BücherFilme] Slumdog Millionaire

von: Jari   Kategorie: BücherFilme

Das Buch

Die Vorlage zum Film "Slumdog Millionaire" ist Vikas Swarups Buch "Rupien! Rupien!". Meine Rezension findet ihr hier: http://www.blogigo.de/jaris_buechergebrabbel/Rezension-Die-Gluecksmuenze/530/

Der Film

Der Film "Slumdog Millionaire" basiert auf "Rupien! Rupien!", aber Leser des Buches werden schon beim Titel stutzig. Millionär? Eine Million? Im Buch ging es um eine MILLIARDE!
Die Unstimmigkeiten gehen weiter und schlussendlich muss der Leser feststellen, dass von der eigentlichen Geschichte nur noch das Grundgerüst steht:

Ein Junge aus Indiens Slums, der niemals eine Schule besucht hat, gewinnt in einer Quizshow den Hauptgewinn und wird deshalb verhaftet. Man denkt, dass er ein Betrüger sei. Doch als der junge Mann seine Geschichte zu erzählen beginnt, wird einem bewusst, dass der Junge einfach nur Glück hatte. Oder dass es Schicksal war.

Ansonsten ist vom Buch nicht mehr viel übrig. Aus Ram wurde Jamal, aus einem jüngeren Freund ein älterer Bruder und irgendwo kam noch eine Latika vor, von der Leser nicht viel wusste. Ausserdem war Ram ein Waisenkind, im Film gab es eine gewisse Zeit lang noch eine Mutter. Auch die Fragen für die Quizshow sind geändert worden.

Fazit: Eine überaus schlechte Buchverfilmung.

ABER... 

... Jari hat der Film gefallen. Der Film. Genauso habe ich es gesehen. Es ist eine überaus schlechte Buchverfilmung, aber als Film ist er wirklich gut. Vielleicht stehe ich genau deswegen dem Film so positiv gegenüber: Es wurde keine literarische Vorlage zerstört, sondern aus einer Idee etwas Neues geschaffen. Somit gibt es keine grosse Enttäuschung, da man eh nicht weiss, was gleich geschehen wird, obwohl man das Buch gelesen hat.

Mir hat Dev Patel als Jamal gefallen, der wirklich so aussah, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Ebenso fand ich es toll, dass auch der Film das Klassensystem in Indien darstellt, die Unterschiede zwischen Arm und Reich.
Ausserdem konnte ich mir bisher kein wirkliches Bild der Ausmassen der indischen Slums machen, der Film zeigt genau das, was auch da Buch aufgezeigt hat. Die Bilder des Filmes fesselten mich.
Danny Boyle hat das Ganze gut hinbekommen. Vielleicht hat er sich extra nur am Gerüst bedient, um kritische Bücherliebhaber nicht zu verärgern? ;)

Schlussendliches Fazit: Als literarische Verfilmung grottenschlecht, aber als Film wirklich gelungen. Eine berührende Geschichte, erzählt in Rückblicken, die, im Gegensatz zum Buch, chronologisch verlaufen. Der Film hat alles, was es braucht: eine gute Portion realer Hintergrund, ein sympathischer Hauptdarsteller, Liebe und natürlich auch Spannung.


Wer das Buch gelesen hat und nicht erwartet, eine 1:1-Verfilmung vorzufinden, wird mit dem Film einen interessanten "Zusatz" zum Buch erhalten. Wer lieber detailgetreue Verfilmungen hat, sollte "Slumdog Millionaire" jedoch besser sein lassen.

05.06.2010 um 23:00 Uhr

Jakob der Lügner

von: Jari   Kategorie: BücherFilme

Hier findet ihr die Rezension zu Jurek Beckers "Jakob der Lügner".

Am Anfang spielt die Geige. Sie wird uns durch den Film begleiten und alle wichtigen Szenen unterstreichen, ihr Lied wird uns auch später noch in den Ohren klingen. 
Doch macht nicht nur die Musik die Stimmung dieses wunderbaren Filmes aus, sondern auch die Farben. Das Leben im Ghetto ist grau und eintönig. Die Erinnerungen, die Träume und Wünsche der Protagonisten sind jedoch in satten bunten Farben gehalten.

Und auch wenn die Darsteller oft etwas hilflos wirken und ihr Text auswendig gelernt klingen mag, machen sie ihre Sache doch sehr gut und man nimmt ihnen ihre Rolle ab. Man erkennt sie auf den ersten Blick wieder und auch ihre Art ist derer aus dem Buch derart ähnlich, als ob die Buchfiguren in die Schauspieler geschlüpft seien.

Überhaupt ist das ganze Buch in diesen Film geschlüpft! Textzeilen wurden 1:1 übernommen, nur einige kleine Szenen fallen weg, aber da man heutzutage ob gut gemachter Buchverfilmungen nur noch staunen kann, fällt einem das gar nicht mehr auf.

Ja! Eine gelungene Buchverfilmung! Wunderbar in seiner Machart, auch wenn ich bezweifle, dass die Mädchen im Ghetto mit hochhackigen Schuhen rumgelaufen sind...

Zwar wirkt das Buch insgesamt poetischer, da man alle Gedankengänge mitverfolgen kann. Doch wurden diese so gut wie möglich mit Erinnerungen und Selbstgesprächen einbezogen. Auch fehlt im Film der auktoriale Erzähler, der die Tragik des Endes mit seiner Sehnsucht nach Bäumen unterstreicht.

Ob die amerikanische Neuverfilmung mit Robin Williams mit diesem Film mitzuhalten vermag, bezweifle ich sehr stark, kommt doch dieser Film aus der DDR von 1974 ohne jedes amerikanische Pathos aus, ohne Kitsch und ohne Special-Effekts. Der Film entbehrt jeglicher Effekthascherhei. Er ist ruhig, unaufgeregt und geht ans Herz.

Für Bücherfreunde, die ab den schlechten Buchverfilmungen der letzten Jahre verzweifeln, sei dieser Film wärmstens empfohlen. Er ist Balsam für die geschundene Bücherseele!

Jakob der Lügner
DDR, 1974
FSK 12
Regisseur: Frank Beyer
Jakob: Vlastimil Brodsky
Kowalski: Erwin Geschonneck
Mischa: Henry Hübchen
Lina: Manuela Simon

  

20.04.2010 um 20:05 Uhr

Die Frau des Zeitreisenden

von: Jari   Kategorie: BücherFilme

Die Rezension zu Audrey Niffeneggers Buch "Die Frau des Zeitreisenden" findet ihr hier. Da der Film in den grundlegenden Zügen dem Buch folgt, erübrigt sich eine eigene Inhaltszusammenfassung.
Wie schon gesagt, folgt der gleichnamige Film in den Grundstrukturen dem Buch. Dennoch erscheint es, als ob der Regisseur das Buch in tausend Stücke gerissen, in die Luft geworfen und neu zusammengesetzt hat. Bibliophilen Pedanten wird auch sogleicht der Anfang schlecht aufstossen.
Natürlich kann man keinen Schinken wie diesen detailgetreu wiedergeben, dennoch fehlen viele Szenen, die das Buch zu dem machen, was es ist. So fehlt zum Beispiel auch die ganze Jugendgeschichte Claires. Im Film trifft Henry nur ein paar Mal auf die jugendliche Claire.
Was der Film jedoch an Szenen wegschneidet, versucht er, durch gefühlvolle Stimmungen und passende Details wieder wettzumachen. Lichter, Musik und Farben spielen eine grosse Rolle und vermitteln eine schöne Atmosphäre, wie sie zu einer solchen Geschichte passt.
Auch die Darsteller spielen ihre Rollen gut, obwohl vor allem Rachel McAdams Claire etwas älter erscheinen lässt, als dass sie wirklich ist. Eric Bana mimt Henry und ist in dieser Rolle sehr überzeugend.
Alles in allem ist der Film eine gelungene Umsetzung, wenn auch etwas unvollständig und etwas kitschiger als das Buch. Als Zuschauer kommt man gut mit, auch wenn die Szenen für diejenigen, die das Buch nicht kennen, etwas zu schnell wechseln, der Film also sehr rasch voranschreitet, ohne dass man richtig in die Szenen hineinkommt. Diejenigen, die das Buch kennen, werden einige Szenen vermissen.
Dennoch kann man sich den Film anschauen, ohne gleich die Hoffnung in die Filmeindustrie und Literaturverfilmungen zu verlieren.
Die Frau des Zeitreisenden
USA, 2009
FSK 12
Regisseur: Robert Schwentke
Claire DeTamble: Rachel McAdams
Junge Claie: Brooklyn Proulx
Henry DeTamble: Eric Bana
Alba: Hailey McCann

21.12.2009 um 20:45 Uhr

Der Name der Rose

von: Jari   Kategorie: BücherFilme

Das Buch: 
 
Der junge Adson von Melk folgt seinem Meister, dem berühmten und überaus intelligenten William von Baskerville, in ein abgelegenes Kloster in Italien.
William ist in einem wichtigen Auftrag unterwegs: Er soll einem Treffen der Franziskanermönche und der päpstlichen Delegation, die sich aufgrund verschiedener Ansichten spinnefeind sind, zu einem erfolgreichen Ende verhelfen.
Bei dieser einen Herausforderung bleibt es jedoch nicht. Kaum im Kloster angekommen, wird William damit beauftragt, den Mord am jungen Mönch Adelmus aufzuklären.
MIt grossem Eifer und für diese Zeit äussert modernem Gerät, macht William sich an die Aufklärung des Rätsels, stets begleitet von Adson, der zu seinem Meister aufblickt und ihn verehrt.
Doch nicht überall stossen sie auf offene Türen. Welches Geheimnis verbirgt die sagenumwobene Bibliothek? Und was verbergen die eigentlich so frommen Mönche des Klosters?
Als weitere Morde geschehen und die berüchtigte päpstliche Delegation vor den Klostertüren stehen, greift William zu härteren Massnehmen und dringt in die Bibliothek ein...
 
"Der Name der Rose" ist keine leichte Kost. Das Buch ist gespickt mit Fremdwörtern und Exkursen in die theologische Geschichte. Die Sprache der Personen ist grösstenteils auch einer älteren Ausdrucksweise nachempfunden. Doch sind es genau diese Punkte, die dem Buch seine Authenzität verleihen.
Man sollte sich nicht leichtfertig für dieses Buch entscheiden; wer sich jedoch darauf einlässt, dem öffnet sich eine Welt, die einem das Leben und Denken des Mittelalters eröffnet. Der Zwist zwischen Aufklärung und Absolutismus ist in den Charakteren von William und Jorge sehr gut dargestellt.
 
Dieses Buch wird dem Leser ein weiser Freund und Begleiter, denn "einfach so" lesen lässt es sich nicht. "Der Name der Rose" hat seine Stellung in der Weltliteratur eindeutig verdient und gehört zum besten, was der Literaturmarkt zu bieten hat!
Und denkt daran: Tolle et lege!
 
  
Umberto Eco
 Der Name der Rose
TB, 31. Auflage 2008, Erstauflage 1986
DTV Verlag
978-3-423-10551-4 
 
Originalausgabe:
"Il nome dells rosa"
Gruppo Editoriale Fabbri-Bompiani, 1980 
 
Der Film: 
Im Allgemeinen stehe ich Literaturverfilmungen kritisch gegenüber. Weggelassene Szenen, falsch dargestellte Charaktere und auch eine falsche oder neue Interpretation des Stoffes, stossen negativ auf.
Nicht so in dieser Verflimung. Regisseur Jean-Jacques Annaud und sein Team haben bei der Verfilmung dieses sicherlich nicht einfachen Stoffes ganze Arbeit geleistet.
Die Grundstimmung des Filmes stimmt mit der spannenden und etwas düsteren Stimmung des Buches überein, wobei der Film beinahe noch etwas dunkler ausgefallen ist, was dem Film jedoch nur zu Gute kommt.
Die Schauspieler leisten hervorragende Arbeit. Die Personen wurden sehr gut dargestellt und man erkennt sie sofort wieder. Da der Autor im Buch grösstenteils auf Personenbeschreibungen verzichtet, hatte das Filmteam grosse künstlerische Freiheit beim Charakterdesign. Dies ist ihnen sehr gut gelungen und die Darstellung der zum Teil sehr komplexen und eigenartigen Figuren ist überaus beeindruckend. Hier denke ich vor allem an Ron Perlman, der den eigenartigen und missgestalteten Salvatore besser nicht hätte darstellen können.
 
Zwar wurden auch hier Änderungen vorgenommen, doch geschahen diese grösstenteils nur, um die Verständlichkeit des hochkomplexen Stoffes zu vereinfachen. Das Ende des Filmes deckt sich nicht mit dem des Buches, so wurden die Verurteilten nach Frankreich abgeführt und nicht wie im Film, auf dem Klostergelände verbrannt. Doch ist diese Szene derart gut inszeniert, dass man auch hier ein Auge zudrücken kann.
Leider kommt Adsons Zwiegespaltenheit in Bezug auf das Mädchen und ihre gemeinsame Nacht etwas zu wenig zum Zuge, doch ist dies bei jedem Film so. Im Buch beschreibt Adson eindrücklich und nachvollziehbar seine Gefühle, im Film fallen diese Selbstzweifel weg.
 
Dennoch ist der Film auch für Freunde des Buches ein absolutes Must! Die Verfilmung aus dem Jahre 1986 ist, wie das Buch selber, ein Highlight und findet in seiner Umsetzung und den darstellerischen Leistung nur selten Nachahmer. Absolut sehenswert!
 
 
Der Name der Rose
D, F, I, 1986
FSK 16
Regisseur: Jean-Jacques Annaud
William von Baskerville: Sean Connery
Adson von Melk: Christian Slater