Jaris Büchergebrabbel

03.01.2012 um 19:01 Uhr

[Dänische Bücher] Die heimatlose Prinzessin

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Die Prinzessin, die kein Königreich hat, reist mit ihrem Pony Bella durch die Welt, immer auf der Suche nach ihrem Königreich. Einmal dachte sie beinahe, dass sie es gefunden hätte, doch sie irrte sich und zog weiter. Kann denn eine Prinzessin ohne Königreich jemals eine Königin werden?

Meine Meinung:

Leider gibt es von Ursula Jones und Sarah Gibbs Bilderbuch "Prinsessen som ikke havde noget kongerige" (Die Prinzessin, die kein Königreich hatte) noch keine deutsche Ausgabe. Ich hoffe wirklich sehr, dass dieses wunderbare Buch bald auch auf dem deutschen Markt erhältlich ist.

Ich habe mich auf den ersten Blick in der verträumte Cover verliebt und der Inhalt hat mich nicht enttäuscht. Es ist ein zauberhaftes Bilderbuch, das nicht nur durch die wunderschönen Illustrationen von Sarah Gibb überzeugt, sondern auch durch eine zarte und feinfühlige Geschichte.

Manchen mag das Buch etwas kitschig erscheinen, was es vielleicht durchaus sein mag, aber ich war hin und weg davon. Vor allem durch die schon erwähnten Illustrationen, die an Scherenschnitte erinnern. Gibb hat ein wirklich feines Gespür für Details und man kann sich an den Bildern gar nicht satt sehen. Deshalb möchte ich euch hier einige präsentieren:

Die Geschichte um die Prinzessin ohne Königreich ist lieblich, wie das gesamte Buch, und obwohl es ein modernes Märchen ist, hebt es sich von den altbekannten Mustern ab. Ja, es ist eine Liebesgeschichte, doch der Traumprinz erhält in diesem Buch einen Korb (oder eher eine Torte).

Die Prinzessin ist zwar niedlich und süss, steht jedoch auf ihren eigenen Beinen und hört auf ihr Herz. Sie tut, was sie für richtig hält und gibt ihre Träume nicht auf. Sie ist "Die Prinzessin, die kein Königreich hat", also muss sie eine Prinzessin sein und irgendwo muss sich ihr Königreich befinden!

Fazit: 

Ein Bilderbuch, das nicht nur die kleinen Mädchen anspricht, sondern auch die grossen, die noch immer an Märchen glauben und auf der Suche nach ihrem eigenen Königreich sind. Es ist ein Buch, das verzaubert und zum Verweilen einlädt.
Im Übrigen eignet sich dieses Bilderbuch auch hervorragend als Hochzeitsgeschenk. 

Das Buch gibt es bereits in folgenden Sprachen: Englisch, Französisch, Dänsich, Niederländisch, Ungarisch. Hoffen wir, dass auch die deutschen Prinzessin bald in den Genuss dieses Buches kommen dürfen! 



Ursula Jones & Sarah Gibb
Prinsessen som ikke havde noget kongerige
HC, 1. Auflage 2010
Carlsen

978-87-1143-935-7

Aus dem Englischen von Kina Bodenhoff
Originalausgabe: The Princess Who Had No Kingdom
Orchard Books, England 2009

 

28.11.2011 um 13:30 Uhr

[Dänische Bücher] Ich bin ER

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Ein Renter wird ermordet in seiner Kellerwohnung aufgefunden. Erschlagen mit einem Aschenbecher. Bei der Leiche findet sich eine Notiz, die niemand versteht.
Kriminalispektor Erlendur wird auf den Fall angesetzt. Während die Polizei denkt, der Alte sei ein Opfer eines Raubmordes geworden, denkt Erlendur weiter. Er beginnt, in der Vergangenheit des Opfers zu schnüffeln und deckt Abscheuliches auf...

Meine Meinung:

Arnaldur Indridasons "Nordmosen" (deutsch: Nordermoor) ist ein typischer Krimi mit einem typischen Ermittler und ebenso typischem Wetter. Es regnet nämlich die ganze Zeit.

Da ich kein Fan von typischen Krimis bin, dauerte es etwas, bis ich mit der Handllung warm wurde. Nur Ermittler Erlendur war und blieb mir unsympatisch. Er ist mir zu kalt, zu distanziert, zu sehr in sich selbst eingeschlossen. Er kennt kein Mitgefühl und oftmals wollte ich ihm einfach nur eine Ohrfeige verpassen, weil er so ungehobelt ist. 
Im Übrigen erinnerte mich das Buch stark an die Wallander-Krimis.

Doch was man Indridason lassen muss, ist, dass er einen wirklich guten Plot aufgebaut hat. Die Geschichte entrollt und entwirrt sich immer mehr und dabei entdeckt man immer schlimmere Geschehnisse. Der Autor hat das Gespür für einen dramatischen Aufbau und bringt die wichtigen Dinge erst dann zur Sprache, wenn es auch passt. Der Spannungsaufbau ist gekonnt inszeniert und immer wieder geschieht etwas Unvorhergesehenes.

Das Thema des Krimis (Spoler: Vergewaltigung) ist jedoch nicht für zarte Seelen geeignet, zwar ist es kein blutiges Buch, aber dennoch handelt es von den Abgründen des menschlichen Handelns. Das Buch wirft Fragen auf und stellt gewisse Entscheidungen in Frage. Dennoch ist es ein Buch, das bestimmt nicht einfach zu verdauen ist.

Fazit: 

Ein typischer Krimi mit einem guten Aufbau und einem harten Thema.
Fans der Wallander-Reihe werden sich auch mit Indridason anfreunden können, auch Leser von Krimis im Allgemeinen finden hier gute, aber düstere, Lektüre.

 

Arnaldur Indridason
Nordmosen
TB, 3. Auflage 2008
Rosinante

978-87-638-0879-8

Aus dem Isländischen von Kim Lembek
Originalausgabe: Mýrin
Edda, 2002

Deutsche Ausgabe 

Arnaldur Indridason
Nordermoor
HC, 2006
Bastei-Lübbe

978-3-404-77187-5

26.11.2011 um 15:19 Uhr

[Dänische Bücher] Tyskersvin

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Der Junge Knud wächst im Dänemark der 60er-Jahre auf. Er bekommt von seinen Eltern alles, was er will. Seine Mutter liebt ihn abgöttisch und ebenso lieben sich seine Eltern. Dennoch ist die Kindheit nicht glücklich. Knud wird in der Schule verspottet und ausgestossen. Der Grund: seine Mutter ist eine Deutsche...

Meine Meinung:

In "Den som blinker er bange for døden" (deutscher Titel: Wer blinzelt, hat Angst vor dem Tod) erzählt Knud Romer von seiner Kindheit in Nykøbing, Dänemark, und die Geschichte seiner deutsch-dänischen Familie.

Das Buch ist sehr eigenwillig, die Erzählweise erinnert teilweise stark an den Bewusstseinsstrom (stream of consciousness). Romer folgt einer Begebenheit, nur um dann ganz rasch wieder in die Vergangenheit oder die erzählerische Gegenwart zu wechseln. Dieser Wechsel geschieht meist ganz plötzlich, da Romer sich während des Berichtens an ein Geschehnis erinnert und dann beginnt, davon zu erzählen.
Es ist eine interessante und spannende Weise eine Geschichte zu erzählen, jedoch war ich mit der Fremdsprache dabei oft überfordert. Ich verlor den Faden und wusste dann plötzlich nicht mehr, wo ich mich befand. Das war sehr schade, da ich deswegen wichtige Teile des Buches nicht ganz erfassen konnte.

Knud Romers autobiografischer Bericht ist voller schöner und schrecklicher Erlebnisse. Er erzählt von seinen Grosseltern, von seinen Eltern und seinem eigenen Leben. Dabei sticht die Geschichte seiner Eltern heraus: Ein Däne, der sich in eine Deutsche verliebt.
Von Beginn an hatte Knuds Mutter damit zu kämpfen, dass sie eine Deutsche ist. Und auch der kleine Knud hat es nicht leicht. Er wird als "Tyskersvin" (Deutsches Schwein) beschimpft und man macht sich über seine Mutter lustig.
Dem gegenüber steht die Liebe, die Knud zu Hause umgibt. Seine Eltern leben in Harmonie und verwöhnen ihr einziges Kind nach Strich und Faden. Daran, wie Romer schreibt, merkt man, wie sehr er seine Mutter liebt und an ihr hängt.

Die Mutter, Hildchen, faszinierte mich dabei sehr. Sie ist eine sehr starke Frau, obwohl das nicht offen gesagt wird. Während des Zweiten Weltkrieges gehörte sie zum Widerstand gegen das Hitlerregime und später in Dänemark geht sie hoch erhobenen Hauptes durch die Stadt, obwohl sie überall nur  mit Feindlichkeit gestraft wird.
Dies geht jedoch auch an dieser besonderen Person nicht unbemerkt vorbei, wie wir schlussendlich erfahren werden. 

Fazit: 

"Den som blinker er bange for døden" ist ein empfindsames und sehr feinfühliges Buch, das auf Zwischentöne setzt und ein Thema behandelt, das vor allem jene ansprechen wird, die in den 60ern gross geworden sind und sich mit der Geschichte ihrer Familie während des Zweiten Weltkrieges auseinandergesetzt haben.
Wer sich für Bücher (Familiengeschichten) mit realem Hintergrund interessiert, sollte dieses Buch ebenfalls lesen.

Für mich ging durch Romers Sprunghaftigkeit leider vieles verloren und ich hatte oft Mühe, mich auf die Lektüre zu konzentrieren. Dieses Buch hätte ich besser auf deutsch gelesen. 

Knud Romer
Den som blinker er bange for Døden
TB, 4. Auflage 2006
Athene

87-11-17106-5 

Deutsche Ausgabe

 Knud Romer
Wer blinzelt, hat Angst vor dem Tod
HC, 2007
Insel

978-3-458-17360-1 

22.11.2011 um 19:03 Uhr

[Dänische Bücher] Aufwärts und aufwärts, wieder und wieder

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Seit sein Vater die Familie verlassen hat, läuft bei Jared einfach nichts mehr, wie es soll. Er prügelt sich in der Schule und nun muss er auch noch in das alte Haus von Grosstante Lucinda ziehen. Jared, seinem Zwillingsbruder Simon und ihrer grossen Schwester Mallory gefällt das überhaupt nicht.

Bald schon realisiert Jared, dass in dem Haus seltsame Dinge vor sich gehen. Er entdeckt ein geheimes Zimmer und ein Handbuch, in dem fantastische Wesen beschrieben sind. Doch kann es wirklich sein, dass Trolle, Elfen und Feen wirklich existieren? 

Meine Meinung:

Die Reihe um die Spiderwick-Geheimnisse sind zumindest seit der Verfilmung weltberühmt. Die Geschichte handelt von einer zerbrochenen Familie und von Wesen, die für unsere Augen unsichtbar sind.

Im ersten Band "Felthåndbogen" kommt die Geschichte erst in Gang, es geschieht noch nicht sonderlich viel, deshalb empfehle ich, gleich Band zwei nebenan liegen zu haben.
Wir lernen die einzelnen Familienmitglieder und ihre Beziehung zueinander kennen. Ausserdem geschehen seltsame Dinge und ein kleiner Elf taucht auf.

Richtig in Schwung kommt die Geschichte erst in Band zwei, als Mallory und Jared aufbrechen müssen, um ihren Bruder aus den Klauen von Gnomen zu retten. Dieser Band ist dementsprechend um einiges spannender als der erste Teil.

Beide Teile sind einfach zu lesen und bieten Kindern einen altersgerechten Einstieg in die Fantasylektüre. DiTerlizzi passt seine Sprache der jungen Zielgruppe an, sodass Kinder, die bereits lesen können, sich das Buch ruhig selber vornehmen können. Ansonsten eignet sich die Geschichte auch gut zum Vorlesen.

Die Ideen, die Terlizzi verarbeitet, sind einfach, aber schön, und öffnen uns die Augen, für Dinge, die wir vielleicht gar nicht wahrnehmen. Anstatt die Fantasythematik mit grossen Schlachten und epischen Kriegen aufzuziehen, hat der Autor ein Auge für das Kleine und Alltägliche. Dies macht mir die Geschichte um Jared nur noch sympatischer. 

Die Bücher sind aufwendig illustriert und ausgestattet. Die Bilder von Holly Black sind liebevoll und passen zur Erzählung. Sie unterstreichen die Geschehnisse und laden zum Hinschauen ein. Auch die Karte zu Anfang des Buches ist schön gestaltet.

Alles in allem also eine sehr schöne Kinderbuch-Reihe. 

Fazit: 

Der Einstieg ist etwas lang, doch ab dem zweiten Band wird die Geschichte richtig spannend. Die Bücher sind dazu noch sehr schön gestaltet und sind somit ein kleiner, aber feiner Hingucker.


Die Reihe eignet sich für kleine und grosse Fantasyfans, denn auch Erwachsene sollten sich nicht scheuen, sich die Serie etwas genauer anzusehen. Für erwachsene Leser sind die Büchlein jedoch eher ein kleiner Snack für Zwischendurch.
 
Ich mochte die Geschichte sehr gerne und freue mich bereits auf die Fortsetzung! 

 

  

Tonz DiTerlizzi, Holy Black
Spiderwick Fortællingerne
Bog 1: Felthåndbogen
Bog 2: Øjet i Stenen
HC, 4. Auflage 2009/ 2. Auflage 2008
Gyldendal

978-87-02-02054-0
978-87-02-02055-7

Aus dem Englischen von Erik Egholm
Originalausgabe: The Field Guide
Simon & Schuster, New Zork 2003
The Seeing Stone
Simon & Schuster, New Zork 2003

Deutsche Ausgabe

  

 Tonz DiTerlizzi, Holy Black
Die Spiderwick-Geheimnisse
Band 1: Eine unglaubliche Entdeckung
Band 2: Gefährliche Suche
HC, 2004
CBJ

978-3-570-12863-3
978-3-570-12864-0

Aus dem Englischen von Anne Brauner
Originalausgabe: s.o.

03.11.2011 um 12:00 Uhr

[Dänische Bücher] Sei gegrüsst, mächtiger Sturm!

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Rook ist ein sogenannter "Ritter der Bibliothek". Als er eines Tages einen Ausflug über das Land Kanten macht, wird sein Flugwesen, die "Säbelwespe" von etwas getroffen und Rook stürzt ab. Damit beginnt für den Jungen eine Reise zurück in die Bibliothek. Er muss viele Gefahren bestehen und trifft dabei auch alte Bekannte wieder.
Doch unterdessen ist das Land Kanten einer weitaus grösseren Gefahr ausgesetzt. Bald soll das gesamte Land von einem mächtigen Sturm heimgesucht werden!

Meine Meinung:

"VOX" von Paul Stewart und Chris Riddell reiht sich in eine ganze Serie von Büchern um den Ritter Rook ein. Dies ist bereits der sechste Band aus dem Land Kanten.

Die Bücher bauen aufeinander auf und sollten deshalb chronologisch gelesen werden. Wenn man sich mit den Lücken anfreunden kann, können die Titel auch einzeln gelesen werden. Einige Fragen zumindest werden rasch beantwortet.
Dennoch entging mir zum Beispiel die Geschichte um Felix, Rooks alten Freund, den er endlich wieder getroffen hat.

Auch dauerte es etwas, bis ich mich in der neuen Welt zurechtgefunden hatte. Die Zeichnungen halfen mir dabei, ebenso waren sie sehr hilfreich, wenn es zu den einzelnen Wesen dieser Welt kommt. Denn die Autoren machen sich nicht die Mühe, diese noch gross zu beschreiben. Deshalb musste ich mich diesbezüglich an die Illustrationen halten. Das fand ich jedoch schade, da ich mir gerne selber ein Bild mache.

Die Geschichte and und für sich gefiehl mir erst ab der Mitte des Buches. Der Anfang erzählt einfach nur Rooks Reise durch unterschiedliche Gebiete des Landes und seine Erlebnisse. Die Dinge, die Rook erlebt, sind zwar einigermassen spannend, dennoch fehlt dem Leser dabei der Zusammenhang. Weshalb erzählt uns der Autor das? Die endlose Aneinanderreihung von Erlebnissen hat mir schon bei früheren Büchern nicht gefallen und dieses Buch stellt keine Ausnahme dar.

Doch ab der Hälfte geht die eigentliche Geschichte erst richtig los und endlich findet sich auch ein roter Faden. Ab da wird die Geschichte richtig spannend.
Es gibt viele unterschiedliche Parteien, die sich alle gegenseitig austricksen und hintergehen. Nie weiss man wirklich, was die Figur eigentlich vor hat.
Ausserdem nimmt die Geschichte und auch die Sprache an Fahrt auf, wodruch die Spannung noch etwas mehr erhöht wird. Zwar kann man sich in etwa denken, wie die Geschichte ausgeht, dennoch hat mir das Buch gegen Schluss doch noch sehr gut gefallen.

Fazit: 

Eine nette Geschichte, die man um die Hälfte hätte kürzen können. Wer in Rooks Welt eintauchen will, sollte jedoch besser bei Band Nummer eins anfangen.

Die Kanten-Welt ist eine düstere und ab und zu auch sehr blutige Welt und ist vor allem für Jugendliche und passionierte Fantasyleser passender Lesestoff. Ausserdem bietet es einen guten und einfachen Einstieg in die High-Fantasy.

Paul Stewart & Chris Riddell
VOX
En historie fra Kanten
HC, 1. Auflage 2004
Carlsen

87-626-0123-7

Aus dem Englischen von Klavs Brøndum

Deutsche Ausgabe

 

Paul Stewart & Chris Riddell
Rook und der schwarze Mahlstrom
Die Klippenland-Chroniken VI
HC, 1. Auflage 2005
Sauerländer

978-3-7941-6039-6 

30.10.2011 um 21:07 Uhr

[Dänische Bücher] Auf dem Pferderücken

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Ein ruhiges Haus in Norwegens Abgeschiedenheit: so möchte Trond seine letzten Jahre verbringen. Das Haus wieder auf Vordermann bringen und mit seinem Hund Lyra die Wälder durchstreifen. Die letzten drei Jahre nagen am alten Mann und nun möchte er endlich Ruhe finden.
Doch als er seinen Nachbarn kennenlernt, beginnt Trond, an seine Jugend zurückzudenken. Damals, an den Sommer 1948. Damals, als Trond 15 war und mit seinem Vater den Sommer in einer Hütte nahe der schwedischen Grenze verbrachte. Damals, als Tronds Freund Jon auf die Idee kam, Pferde stehlen zu gehen. Was zu einer Katastrophe führte.
Und der Sommer, in dem Trond seinen Vater erst richtig kennenlernte.

Meine Meinung:

Per Pettersons "Ud og stjæle heste" (Hinaus und Pferde stehlen) ist ein ruhiges und besonnenes Buch, genauso wie es seine Hauptfigur Trond ist. Das Buch entführt uns in Norwegens Natur und in ein abgelegenes Dorf der Nachkriegszeit.

Die Geschichte erzählt Trond aus der Ich-Perspektive. Dabei springt er immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit, die Sprünge lassen sich jedoch leicht hinausfiltern, da Tronds Gegenwart im Präsens erzählt wird und seine Vergangenheit im Präteritum.

"Ud og stjæle heste" ist ein Buch, das meiner Ansicht nach viele gute Ansatzpunkte hat. Vor allem die Geschichte von Tronds Vater ist geheimnisvoll und spannend. Leider hat Petterson diese Punkte  nach nicht genug herausgearbeitet und ihnen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Dinge, die mich wirklich interessiert hätten, schneidet der Autor nur an, erzählt kurz davon und geht dann weiter. Vielleicht möchte der Autor den Leser auf diese Weise zum Nachdenken animieren, für mich ging dadurch jedoch jede Menge Spannung verloren.

Dagegen erzählt der Autor die unterschiedlichsten Dinge über Tronds Leben in den norwegischen Wäldern. Diese sind zum Teil sehr athmosphärisch, aber ich empfand mich während des Lesens leider nicht als geeignete Zielgruppe.
Was Trond und sein Vater während ihres Ausritts im Wald so alles sehen oder Tronds spätere Spaziergänge am Fluss entlang - es interessierte mich nicht. Mir fehlte es im Buch definitv an Spannung und einem roten Faden. Dabei möchte ich nicht sagen, dass das Buch langweilig ist, sondern bloss, dass Petterson sein Buch einer älteren Leserschaft gewidmet hat, die diese Art des Erzählens zu schätzen weiss.

Trond ist ein in sich gekehrter Mann, der die Einsamkeit sucht. Er passt perfekt in die Grundstimmung des Buches. Doch da Trond eine sehr verschlossene Person ist, konnte ich mit ihm nicht wirklich warm werden. Genauso, wie ich auch mit dem Buch nicht wirklich warm wurde. Leider, wie ich zugeben muss.

Fazit: 

Ein schönes Buch, das vor allem Lesern gefällt, die detailierte Beschreibungen des Alltags und der Natur mögen. Aufgrund fehlenden Spannung würde ich das Buch jüngeren Lesern nicht empfehlen.

Ich war vom Buch etwas enttäuscht. So hatte man zum Beispiel auch aus der Tragödie von Jons Geschwistern viel mehr machen können. Irgenwann las ich nur noch quer, was diesem philosophischen und nachdenklichem Buch bestimmt nicht gerecht wird.

Per Petterson
Ud og stjæle heste
HC, 1. Auflage 2004
Batzer & Co.

Aus dem Norwegischen von Annelise Ebbe
Originalausgabe: Ut og stjæle heste

87-90524-57-8

Deutsche Ausgabe 

Per Petterson
Pferde stehlen
TB, 2008
Fischer

978-3-596-17518-5 

26.09.2011 um 17:19 Uhr

[Dänische Bücher] Den Bach runter

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Als der Tod seiner Grossmutter näher rückt, kehrt der junge Künstler Asger aus den Niederlanden nach Dänemark zurück. Dort erwarten ihn nicht nur seine Schwester und das Haus seiner Kindheit, auch die alten Geschichten, die sich um seine Familie ranken, prasseln auf Asger ein und warten darauf, erzählt zu werden.

Wir beginnen mit Asgers Grossvater in den 1930ern und hören in der Gegenwart bei ihm, Asger, auf. Dazwischen entdecken wir Schmuggler, Ausreisser, künstlerische Ambitionen, Waldbrände und drekige Ohren. Alles, was eine Familie ausmacht...

Meine Meinung:

Morten Ramslands "Hundehoved" (deutsch: Hundekopf) beinhaltet alles, was ein Familienroman braucht. Liebe, Intrigen, Drama und einen spezielle Art Humor.

Asger erzählt die Geschichte seiner Familie sehr eindrücklich, doch springt er dabei immer wieder in der Zeit herum. Einmal ist er in der Vergangenheit, dann plötzlich ist er wieder in der Gegenwart und unterhält sich mit seiner Schwester. Das machte es mir als fremdsprachigem Leser oft schwer, der Geschichte zu folgen.

Dabei schreibt Ramsland in einer träumerischen, manchmal auch leicht ironischen Sprache. Er schafft es, Stimmung aufzubauen und hat ein Händchen für die unterschwelligen Gefühle und Gedanken, die in jeder Familie vorkommen.
Der Autor portraitiert die Familie passend, die Figuren sind glaubhaft und liebevoll gestaltet. Sie alle haben ihre guten und ihre weniger guten Seiten. Dies lässt sie real und menschlich erscheinen, sodass man sich als Leser zu fragen beginnt, wie viel der Geschichte erfunden und wie viel autobiografisch ist.

Manchmal waren die Geschichten jedoch etwas in die Länge gezogen und aufgrund der Dichte von Geschehnissen und Personen konnte ich mich gegen Ende hin nicht mehr an alles erinnern, was zuvor geschehen ist, und konnte nicht mehr alle Personen einordnen. Dies waren jedoch oft nur Nebenpersonen, da Ramslands Figuren allesamt sehr eigen sind und deshalb auch einen hohen Wiedererkennungswert haben. 

Fazit: 

Eine skurrile und liebevoll gestaltete Familiensaga, die von Norwegen nach Dänemark führt und mit vielen Figuren aufwartet, die man einfach lieb haben muss. Oder eben nicht. Eine glaubhafte Geschichte, erzählt mit einer guten Prise dänischem Humor.

Für alle Freunde von Familiengeschichten empfiehlt sich dieses Buch hervorragend.
Mir hat das Lesen grossen Spass gemacht, auch wenn mir die erste Hälfte besser gefiel als die zweite. 

Morten Ramsland
Hundehoved
Broschiert, 8. Auflage 2005
Rosinante 

87-621-0454-3

 Deutsche Ausgabe

Morten Ramsland
Hundsköpfe
TB, 2008
Btb

978-3-442-73629-4 

 

23.09.2011 um 23:58 Uhr

[Dänische Bücher] Auf einmal ist alles anders

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Gustav ist sauer auf seine grosse Schwester: Wegen ihr musste der tolle Urlaub auf Teneriffa schon zwei Mal verschoben werden. Nur weil Saras Erkältung einfach nicht besser werden will.
Doch eines Tages wird Sara ins Krankenhaus eingeliefert. Dort stellen die Ärzte fest: Das Mädchen leidet an Leukämie.

Von nun an ist Gustavs Leben nicht mer das, was es einmal war. Er sieht seine Eltern kaum noch, seine Schwester verliert alle Haare, in der Schule wird er verspottet und er weiss nicht einmal mehr, in welchem Haus er das Wochenende verbringen wird.
Und über alle dem schwebt die Frage: Wird Sara sterben?

Meine Meinung:

Im Buch "Da Gustavs søster blev syg" (Als Gustavs Schwester krank wurde) von Aske Panduro erfahren wir, wie es ist, der Bruder eines leukämie-kranken Mädchens zu sein. Herausgegeben wurde das Buch von der dänsichen Organisation "Kræftens Bekæmpelse", die sich um Krebspatienten kümmert und sich somit auf diesem Gebiet bestens auskennt.

Bereits vor einigen Jahren erschien das Buch "Da Sara fik kræft" (Als Sara Krebs bekam), in welchem Sara von ihrem Leidensweg erzählt, und nun erscheint mit "Da Gustavs søster blev syg" ein weiteres Kinderbuch zum Thema Kinder mit Krebs.
Nur wird die Geschichte dieses Mal aus Gustavs Sicht erzählt. Der Leser erfährt, wie sich der vernachlässtige Bruder fühlt. Vor allem seine Schuldgefühle gegenüber Sara sind mir bei der Lektüre sehr nahe gegangen. Der Kleine bekommt Albträume und fühlt sich alleine. Er liebt seine Schwester und möchte, dass sie wieder gesund wird. Dennoch möchte er auch wieder etwas mehr Aufmerksamkeit von seinen Eltern.

All diese Gefühle und Gedanken bringt einem das hübsch illustrierte Buch auf eine kindgerechte Art und Weise näher. Die Geschichte ist als Hilfestellung für Geschwister und Eltern krebskranker Kinder gedacht und ist deshalb sehr feinfühlig und sorgfältig erzählt.
Panduro macht der ganzen Familie Mut und zeigt vor allem Eltern auf, dass sie auch das gesunde Kind nicht vernachlässigen sollten, denn es leidet genauso mit, wie sie selber.
Ebenso wird im Buch eine dänische Hilfsorganisation erwähnt, die Betroffenen eine Stütze sein kann. Gustav nimmt an einer sorggruppe (Sorgengruppe) teil, in der seine Gefühle auszudrücken lernt und andere Kinder kennen lernt, die kranke Geschwister haben.
Somit ist das Bilderbuch auf mehrere Art eine gute Stütze für betroffene Familien. Im Schlussteil des Buches findet der Leser auch Kontaktadressen, an die er sich wenden kann.

"Da Gustavs søster blev syg" ist mit Illustrationen von Pia Thaulov versehen. Die Bilder sind stimmungsvoll, aber etwas einfach gehalten. Dennoch richten sich die Bilder meiner Ansicht nach eher an Erwachsene, als an Kinder. 

Fazit: 

Aske Panduros "Da Gustavs søster blev syg" ist ein Buch für Familien mit krebskranken Kindern. Die Geschichte hilft allen Mitgliedern, sich in die Position des gesunden Kindes zu versetzen. Mit den Sorggruppen bietet das Buch auch einen Hinweis, an welche Stellen sich die betroffenen Familien wenden können.

Das Buch erhielt ich als Werbegeschenk und las es eigentlich nur aus Langeweile. Doch bald schon wollte ich gar nicht mehr aufhören, zu lesen, da die Geschichte richtig gut erzählt wird. Ich konnte sofort mit Beiden mitfühlen: Mit der kranken Sara und dem kleinen Gustav.
Schlussendlich war es eine gute Geschichte, die sich um ein schwieriges und trauriges Thema dreht. 

Aske Panduro
Da Gustavs søster blev syg
- og alt blev anderledes
HC, 1. Auflage 2011
Kræftens Bekæmpelse

Mit Illustrationen von Pia Thaulov 

08.09.2011 um 21:44 Uhr

[Dänische Bücher] Märchenstunde

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Auch Zauberer brauchen Märchen. Die berühmtesten Erzählungen der Zaubererwelt stammen von Beedle dem Barden. In diesen besonderen Märchen trifft man auf gute Zauberer und böse Zauberer, Animagi und auch auf die drei Brüder, die dem Tod begegnet sind...

Meine Meinung:

"Barden Beedles Eventyr" (Die Märchen von Beedle dem Barden) sammelt mehrere Märchen aus der Welt von Harry Potter, von denen das berühmteste wohl "Das Märchen von den drei Brüdern" ist, das im letzten Band um Harry eine wichtige Rolle spielt.

Vom Buch war ich deswegen ein klein wenig enttäuscht, da es bloss fünf Märchen enthält, der Rest des Umfangs geht an die Notizen von Albus Dumbledore und ans Vor- und Nachwort. Das Buch macht von aussen inhaltlich etwas mehr her, als von innen.
Dies enttäuscht mich deswegen, weil ich die Märchen wahnsinnig gerne gelesen habe und eigentlich noch mehr haben möchte. Dumbledores Anmerkungen sind sehr interessant und geben einen weiteren Einblick in J.K. Rowlings Welt um Harry Potter. Aber Rowling hätte ruhig noch ein paar Märchen mehr schreiben können, wenn es nach mir gehen würde!

Ich war überrascht, wie leicht ich das Buch auf dänisch lesen konnte. Die grosse Schrift half natürlich, aber Rowlings Sprache ist einfach gehalten und zum Glück kannte ich viele magische Ausdrücke bereits aus den Bänden von "Harry Potter", die ich gelesen habe. Somit hatte ich überhaupt kein Problem damit, mich in der dänischen Version von Beedles Märchen zurecht zu finden.
Also können sich auch Nicht-Dänen, die die Bücher auf deutsch kennen und über ein fortgeschrittenes Sprachniveau verfügen, sich an das Buch heranwagen.

"Barden Beedles Eventyr" ist wunderhübsch gestaltet und mit Bildern der Autorin versehen. Das ganze Buch macht einfach Lust auf Lesen!
Eben, es hätte mehr Märchen gebraucht! 

Fazit: 

Ein leicht verständliches Werk aus der grossen Welt des Harry Potter! Zwar muss man auf den Zauberer selbst verzichten, aber dafür kommt Albus Dumbledore zu Wort und man erhält einen weiteren Einblick in Harrys Welt.

Fans sollten sich das hübsche Büchlein, das in jede Tasche passt, nicht entgehen lassen. Es macht auch im Bücherregal etwas her! Am meisten natürlich neben sieben schön aufgereihten Harry Potter-Bänden.

J.K. Rowling
Barden Beedles Eventyr
HC, 1. Auflage 2008
Gyldendal

978-87-020-7494-9

Aus dem Englischen von Hanna Lützen
Originalausgabe: The Tales of Beedle the Bard
Bloomsbury, London 2008 

06.09.2011 um 20:47 Uhr

[Dänische Bücher] Jede Stimme zählt

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Eines Tages macht der Elefant Horton während des Badens eine seltsame Entdeckung: Von einem vorbeischwebenden Staubkorn hört er Stimmen!
Und tatsächlich leben auf dem kleinen Fussel noch viel kleine Lebewesen, die Horton im letzten Moment vor dem nassen Tod gerettet hat. Der Riese schliesst mit den Kleinen Freundschaft, abernicht jeder im Dschungel glaubt, dass das kleine Volk tatsächlich existiert.
Doch Horton wird alles daran setzen, seine neuen Freunde zu beschützen!

Meine Meinung:

"Horton og Støvfolket" (Horton hört ein Hu!) von Dr. Seuss ist ein vergessner Klassiker, der erst mit der Verfilmung von vor einigen Jahren wieder zum Leben erweckt wurde.

Obwohl jeder die Figuren von Dr. Seuss kennt, weiss doch selten jemand, dass sie von ihm stammen oder gar, wer dieser Dr. Seuss überhaupt ist. So ist auch der berühmte Grinch eine Figur von Theodor Seuss Geisel.

Hortons Abenteuer mit dem "Staubfolk", wie sie auf dänisch heissen, gehört mitunter zu den berühmtesten Figuren Seuss'. Und dies ganz zu Recht, wie ich einräumen muss, ist die Geschichte doch von Beginn an herzerwärmend, nicht nur für kleine Leser.

Schon die erste Seite hatte einen eindeutigen "Aww-Effekt" auf mich und damit ging es immer weiter. Dabei war auch die Geschichte richtig spannend, wie ich sie von Bilderbüchern eigentlich gar nicht kenne. Ich fieberte richtig mit, ob Horton es nun schafft, die anderen Tiere davon zu überzeugen, dass die Hus tatäschlich existieren. Seuss hat es geschafft, auf nur wenigen Seiten, viel Spannung und Gefühl zu erzeugen, wofür ich ihm meinen Respekt zolle.
Nur leider war das Ende dann, im Vergleich zum Aufbau zuvor, viel zu schnell da und zu wenig ausgeklügelt.

Die Bilder, die die Geschichte untermalen, sind sehr liebevoll gestaltet. Vor allem die Welt der kleinen Hus ist einfach wundervoll. Dabei wird, für heutige Verhältnisse ungewöhnlich, sehr wenig Farbe verwendet. Meist findet nur die Farbe blau Anwendung, ab und zu kommt noch orange dazu. Obwohl dies nicht unbedingt meine Lieblingsfarben sind, fand ich, dass sie sehr gut zu der Geschichte passen und es mehr Farbe gar nicht braucht. 

"Horton og Støvfolket" hat mehr als nur eine Botschaft an seine Leser, die Dr. Seuss auf sehr sympathische Art hinüberbringt. Das Kind lernt, dass es nicht auf die Grösse ankommt, "eine Person -wenn auch noch so klein- ist dennoch eine Person!" und dass es auf den Einsatz eines jeden von uns ankommt. Hier verbirgt sich auch eine politische Botschaft, wie in den meisten von Seuss' Büchern. Horton erschien erstmals zur Zeit des Kalten Krieges, was für die älteren Leser sicherlich Denkstoff bietet.

Das Lesen des Buches, obwohl es ein Bilderbuch ist, war für mich etwas total Neues - denn zum ersten Mal wurde ich mit dänsichen Reimen konfrontiert. Es machte wahnsinnig Spass, diese Reime zu lesen und auch aufzusagen, dabei kam auch der Humor des Autoren zum Vorschein. Es werden jedoch viele besondere Formen benutzt, die Anfänger Schwierigkeiten bereiten könnten.

Fazit: 

Ein Bilderbuch, das ich nicht nur Kindern ans Herz legen möchte. "Horton og Støvfolket" ist etwas vom Besten, was ich bisher in dieser Kategorie gelesen habe.
Es ist lustig, niedlich, spannend und beinhaltet wichtige Botschaften an den jungen und junggebliebenen Leser. Ein wirkliches Highlight der Kinderliteratur!

Dr. Seuss
Horton og Støvfolket
HC, 1. Auflage 2007
Forlaget Vandkunsten

978-87-7695-051-4

Aus dem Englischen von Allan Daastrup
Originalausgabe: Horton Hears A Who 

31.08.2011 um 20:12 Uhr

[Dänische Bücher] Unterwasserwelt

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Es ist ein Jahr her, seit der Zauberer Flood das Sternenland überflutet und somit die Macht an sich gerissen hat. Von der ehemaligen Königsfamilie leben nur noch Asa und ihr Bruder Rollo. Doch sie müssen sie versteckt halten und leben in ständiger Angst vor Flood.
Als eines Tages ein seltsamer Mann bei ihnen auftaucht, erfahren die Geschwister etwas Unglaubliches: Könnte es sein, dass ihre kleine Schwester Una noch am Leben ist?
Auf einem magischen Schiff machen sich Asa und Rollo auf, Una zu retten.

Meine Meinung:

"Det Magiske Skib" (Das Magische Schiff) ist der Auftakt zu Kim Wilkins Reihe "Det Sunkne Kongerige" (Das Versunkene Königreich). 

Die Geschichte entführt uns in ein nordisches und fantastisches Land, das seit Floods Angriff versunken ist. Nur noch auf den Hügeln lässt es sich leben. Nebel liegt über dem Land. Somit herrscht quer durch das Kinderbuch hindurch eine düstere und traurige Stimmung. Kim Wilkins Reihe erinnert sehr an die vergangene Welt der Wikinger, was durch das Boot, das die Königskinder erhalten, noch verstärkt wird.

"Det Magiske Skib" ist in kurzen und einfachen Sätzen erzählt, sodass Kinder die Geschichte gut lesen können. Auch Sprachlerner werden gut mit dem Buch zurechtkommen. Die Bilder von D.M. Cornisch unterstreichen die Erzählung stimmungsvoll. Jedoch wirken die Figuren des Illustratoren weitaus älter als die eigentlichen Protagonisten. 

Man merkt jedoch rasch, dass es sich bei diesem Buch bloss um den Auftakt zu einer Reihe handelt. Die Handlung kommt noch gar nicht richtig in Fahrt, da ist das Buch schon zu Ende. Viele Fragen bleiben offen und natürlich muss der grosse Bösewicht erst noch besiegt werden.

Trotzdem ist "Det Magiske Skib" ein spannender und gelungener Beginn und macht Lust auf den nächsten Band. 

Fazit: 

Eine Kinderbuchreihe für Freunde der Wikinger. Jüngere Leser sollten jedoch auf die düstere Stimmung aufmerksam gemacht werden.
Für Dänischlernende ist diese Reihe gut geeignet, um sich ins Fantasygenre einzulesen und sich mit ersten Worten, wie zum Beispiel "Zauberer", "Magie" und "Verwandlung" vertraut zu machen.

Kim Wilkins
Det Magiske Skib
Det Sunkne Kongerige 1
TB, erste Auflage 2007
Zoom Forum

Mit Illustrationen von D.M Cornisch
Aus dem Englischen von Grit Feldsted Radich 

30.08.2011 um 21:40 Uhr

[Dänische Bücher] Einmal Weltreise, bitte!

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Der seltsame Phileas Fogg wettet mit seinen Freunden, dass er es schafft, in genau achtzig Tagen einmal um die Welt zu reisen. Zusammen mit seinem treuen Diener Passepartout macht sich Mr. Fogg auf den Weg. Doch was sie nicht wissen, ist, dass ihnen Kommissar Fix dicht auf den Versen ist. Fix glaubt nämlich, dass Fogg eine Bank überfallen hat und sich nun auf der Flucht befindet...

Meine Meinung:

Jules Vernes "Um die Welt in achtzig Tagen" habe ich bereits auf deutsch gelesen und war begeistert von der rasanten und abenteuerlichen Reise des Phileas Fogg. Nun habe ich das Buch ein weiteres Mal gelesen - dieses Mal jedoch auf dänisch. 

Diese Ausgabe erschien als Teil der Reihe "Mine første klassikere" (Meine ersten Klassiker) und ist eine gekürzte und vereinfachte Ausgabe für Kinder und Jugendliche.

Trotz der Kürzungen geht nichts von der Geschichte verloren. Die Charaktere dürfen sich ausleben und man gewinnt sie genauso lieb, wie in der ungekürzten Version. Auch Vernes Humor kommt nicht zu kurz, die Geschichte unterhält wie eh und je. Natürlich wurde auch darauf geachtet, das Buch spannend zu halten, damit die Zielgruppe nicht zu rasch das Interesse verliert.

Das grosse Schriftbild macht ein rasches Vorankommen möglich, wenn man über den nötigen Wortschatz verfügt. Jugendliche Muttersprachler sollten mit dem Buch keine Schwierigkeiten haben, Fremdsprachler sollten bereits fortgeschritten sein, da auch darauf Wert gelegt wurde, Vernes Sprache nicht zu sehr zu verfälschen. Somit trifft man häufig auf ältere bzw. unbekannte Worte und Ausdrücke, die man im Alltag nicht oder nur selten findet. 

Fazit: 

Eine rasante Geschichte mit vielen Twists. Beim Lesen wird einem nur selten Langweilig, man sollte jedoch bereits über fortgeschrittene Dänischkenntnisse verfügen. Wer den passenden Wortschatz besitzt, wird hier ein weiteres Mal miterleben dürfen, wie Fogg, Passepartout und Fix von einer seltsamen Situation in die andere stürzen und sich wieder daraus retten.

Jules Verne
Jorden rundt i 80 dage
Mine første klassikere
HC, 2. Auflage 2004
Sesam

87-11-13436-4

Bearbeitet von Grete Juel Jørgensen
Originalausgabe: Le tour du monde en quatre-vingts jours
 

29.03.2011 um 19:26 Uhr

[Dänische Bücher] Der Elefant mit den sieben Stosszähnen

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Ein Elefant in Kopenhagen! Was für eine Sensation! Natürlich dürfen der junge Mikkel und sein kleiner Bruder Gabriel das nicht verpassen, obwohl ihnen harte Strafen drohen, wenn ihr Fernbleiben von der Arbeit entdeckt wird.
Das Abenteuer der Brüder droht jedoch in einer Katastrophe zu enden: Nicht nur, dass Gabriel beinahe von einer Kutsche überrollt wird und dabei seinen Milchzahn verliert, ausserdem wird ihr Ziehvater Haldar wegen Mordes angeklagt, da er Mikkel und Gabriel beschützen wollte.

Als die Brüder daraufhin Hemamala und Danta kennen lernen, wird ihr Leben noch aufregender. Zusammen mit Haldar und den beiden Fremden machen sich Mikkel und Gabriel auf in ein fernes Land namens Lanka. Niemand weiss, was sie dort erwartet.
Mit an Bord des Schiffes befindet sich ausserdem ein Schatz von grosser Wichtigkeit: Der Heilige Dalada, Buddhas rechter Eckzahn, ein Heiligtum von grosser Macht. 

Doch es gibt eine weitere Macht, die den Heiligen Dalada in ihren Besitz bringen will. Und diese Leute schrecken vor keinem Opfer zurück, um das zu bekommen, was sie wollen...

Meine Meinung:

Kim Langer erzählt in "Kongen af Kandy" (Der König von Kandy) die Geschichte der fiktiven Brüder Mikkel und Gabriel aus Kopenhagen und ihren Abenteuern. Doch Langer webt in diese fantastisch angehauchte Geschichte gekonnt realen Fakten ein. Der Leser erfährt einiges über Dänemarks Kolonialzeit und über Sri Lanka und den Buddhismus.

Langers Sprache ist so gewählt, dass auch Kinder und Jugendliche sich das Leben um 1600 gut vorstellen können, jedoch fehlten mir doch ab und zu die Details (Kleidung zum Beispiel), auch hätten die Charaktere etwas besser ausgearbeitet werden könnnen. Da es sich jedoch um ein Buch für 10 - 13-Jährige handelt, kann man darüber hinwegsehen. 

Spannung im eigentlichen Sinne kam für mich leider weniger auf, das könnte jedoch auch daran liegen, dass die Zielgruppe wesentlich jünger ist. Dennoch haben mich die Erlebnisse der Gebrüder Haldarson gepackt und ich wurde sofort mit den beiden Wildfangen warm. Ausserdem gefiel mir Elefant Syvtand (Siebenzahn), der als Symbol über allen Geschehnissen thront. 

Um den Reisen der Protagonisten zu folgen, verfügt das Buch in den Umschlagdeckeln über Karten, die den Reiseweg von Kopenhagen nach Sri Lanka und auch den Weg im inneren der Insel aufzeigen. Ausserdem werden alle fünf Teile des Buches mit Zitaten real existierender Personen eingeleitet. Dies macht den realen Inhalt des Buches noch greifbarer.

Leider weiss ich nicht, wie viel des Inhaltes im dänischen Geschichtsunterricht gelehrt wird und leider fehlten mir auch viele Informationen darüber, ob gewisse Personen erfunden waren oder wirklich existiert haben. Da musste ich  mir einiges selber aufarbeiten. Jedoch endet das Buch mit einem kleinen Kapitel darüber, was nach den Geschehnissen im Buch weiter geschehen ist. Da auch wurde mir erst bewusst, dass der König von Kandy, Senarat, wirklich existiert haben muss. 

Fazit: 

Für Leser im Alter zwischen 10 und 14 bietet das Buch spannende Abenteuer mit leicht phantastischen Elementen. Ausserdem spielt die Geschichte vor einem historischen Hintergrund, somit kann man während der Lektüre noch die eine oder andere Information aufschnappen.

Obwohl das Buch für männliche Leser geschrieben ist, können auch Mädchen getrost zu "Kongen af Kandy" greifen. Die Abenteuergeschichte wird mit einer kleinen Portion Romantik gemischt, sodass jeder auf seine Kosten kommen kann.

Kim Langers Buch ist eine kurzweilige Geschichte mit sehr sympatischen Helden, deren Lektüre mir grossen Spass gemacht hat. Und nebenbei hab ich gleich noch etwas gelernt!

Kim Langer
Kongen af Kandy
HC, 2006
Forlaget Sesam

87-11-22753-2

Mit Illustrationen von Mårdøn Smet

22.02.2011 um 14:10 Uhr

[Dänische Bücher] Weihnachtsdebakel

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Es ist eine Woche vor Weihnachten und die Gebrüder Neshov gehen ihren alltäglichen Arbeiten und Pflichten nach. Der älteste Bruder, Tor, kümmert sich um die Schweine der elterlichen Farm in Nordnorwegen, Margido arbeitet als Bestattungsunternehmer und muss einen 17-jährigen Selbstmörder beerdigen und der jüngste, Erlend, lebt mit seinem Lebensgefährten in Kopenhagen und hat seit seiner Jugend keinen Fuss mehr auf das elterliche Gründstück gesetzt.

Doch dann erleidet Anna, die Mutter der drei Brüder einen Schlaganfall und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Ein Ereignis, das die Familie seit Jahren wieder zusammenbringt...
 
Meine Meinung:

Anne B. Ragde erzählt in "Berlinerpoplerne" die Geschichte der Familie Neshov, wobei die drei Brüder Tor, Margido und Erlend im Mittelpunkt stehen.

Das Buch ist in drei Teile unterteilt. Der erste erzählt die Tagesroutine der Brüder, ihre Erlebnisse, ihre Gedanken, ihr Umfeld. Im zweiten Teil wird mit Torunn, Tors unehelicher Tochter, eine weitere Hauptfigur eingeführt. Hier wird der Krankheitsverlauf der Mutter erzählt und wie die Brüder wieder zusammenkommen. Im letzten Teil erfahren wir, wie die Figuren mit der Tragödie umgehen und sie bewältigen.

Wer aufgrund des hellen Covers eine heitere Familiengeschichte erwartet, wird schwer enttäuscht werden. Die Geschichte ist alles andere als heiter, was auch am Schreibstil der Autorin liegt. Gleich zu Beginn des Buches wird man mit dem Selbstmord eines Jugendlichen konfrontiert. Die Grundstimmung im Buch ist trist und traurig.

Genauso tirst und traurig erschienen mir die Figuren. Sie alle schienen keinerlei Beziehung zueinander oder anderen Figuren zu haben und sich in ihren eintönigen Alltag eingefügt zu haben. Eine Ausnahme ist dabei Erlend, der in Krumme die Liebe seines Lebens gefundet hat. Auch die Beziehung von Erlend zu seiner Nichte Torunn ist eine Ausnahme im Buch, da die beiden sich sehr nahe kommen und einander ins Herz schliessen.
Alle anderen Figuren scheinen nur für sich selbst zu agieren. Dabei bleiben einem auch Erlend und Torunn seltsam fremd. Ragde macht sich selten die Mühe, die Personen zu beschreiben, so sahen für mich alle Brüder in etwa gleich aus. Auch sind ihre Gefühle und Taten sehr konstruiert und manchmal wenig glaubhaft. Dass Ragde beinahe die Hälfte des Buches damit verbringt, uns die Tagesabläufe der Brüder zu erzählen, hilft dabei auch nicht sonderlich. Die Geschehnisse sind zähflüssig und als Leser fragt man sich, was man mit all den Informationen anfangen soll und wann die eigentliche Geschichte endlich losgeht.

Doch auch nach nachdem die Brüder aufeinandergetroffen sind, steigert sich die Atmosphäre nicht. Die Kälte zwischen den Agierenden bleibt bestehen. Nur am Ende, als Weihnachten gefeiert wird, erwärmt sich das Verhältnis ein wenig. Dass dabei noch ein erschreckendes Geheimnis zu Tage gefördert wird, macht das Ende spannend. Diese Offenbarung gibt dem Buch einen spannenden Schluss. Schade, dass dies erst auf den letzten zehn Seiten geschieht.

Fazit:

Ich muss leider sagen, dass mir das Buch weniger gefallen hat. "Berlinerpoplerne" ist eine Familiengeschichte, die gut mit 100 Seiten weniger ausgekommen wäre. Die Figuren blieben mir bis zum Schluss fremd. Die depressive Grundstimmung des Buches und der fehlende Spannungsbogen liessen bei mir keine Lesefreude aufkommen.
Da ich bisher kein weiteres Buch der Autorin gelesen habe, habe ich leider keinerlei Vergleichsmöglichkeiten. Deshalb würde ich das Buch nur Fans der Autorin empfehlen.


Anne B. Ragde
Berlinerpoplerne
TB, 2. Auflage 2009
Rosinante pocket

978-87-638-0878-1

Aus dem Norwegischen von Karen Fastrup und Niels Lyngsø
Originalausgabe: Berlinerpoplene
Forlaget Oktober, 2004

28.01.2011 um 12:45 Uhr

[Dänische Bücher] Welch ein Hundeleben!

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Er kam eines Tages zu ihr und Talia ist sich sicher, dass er sie ausgesucht hat. Halbtot fällt dem Mädchen eines heissen Sommertages ein Hund vor die Füsse. Das Tier wurde entsetzlich gequält und misshandelt. Talia setzt alles daran, um den Hund, der sich selbst den Namen Wasserman aussucht, zu retten. Niemand glaubt gross an ein Überleben des Tieres, doch Wasserman kommt durch und wird zu einem engen Freund Talias.
Als Wasserman jedoch eines Tages sein Geheimnis offenbart, ruft das auf der Stelle grosse Reaktionen hervor. Plötzlich findet Talia sich umringt von Fotografen und Journalisten und Fernsehreportern. Doch diese Aufmerksamkeit ruft eben genau jenen Mann auf den Plan, der den armen Wasserman so gequält hat. Und der Mann will den Hund um jeden Preis zurück...

Meine Meinung:

"Wasserman - En fortælling om mødet med en hund" (Wasserman - Eine Geschichte über die Begegnung mit einem Hund) von Yoram Kaniuk erzählt eine ergreifende und herzerwärmende Geschichte über die Freundschaft zwischen Hund und Mensch und gleichzeitig über das Erwachsenwerden.

Denn Talia beschäftigt sich nicht nur mit Hunde-retten und Fisch-sitten, sondern ist in Gedanken auch oft bei ihrem einzigen und besten Freund Gidi. Das Thema Liebe verwirrt und fasziniert sie zugleich. Überhaupt ist Talia eine grosse Denkerin und im Buch, das aus der Ich-Perspektiver erzählt wird, erhalten wir immer wieder Einblick in ihr tiefes Seelenleben. Oftmals sind ihre Gedanken und Erlebnisse von einer solch versteckten Tiefgründigkeit, dass ich mich frage, ob es sich wirklich um ein Kinderbuch handelt. Für einen erwachsenen Leser machen aber genau diese Zeilen dieses Werk zu so einem wundervollen Buch, während für den jüngeren Leser eher die Freundschaft zu Wasserman und die Abenteuergeschichte im Vordergrund steht.

Die Geschichte ist im Tel Aviv der 80er-Jahre angesiedelt, doch wird darauf eher weniger eingegangen, das Ganze könnte sich so auch bei Müllers um die Ecke abspielen, obwohl Kaniuk gerne mit den mysitschen Elementen spielt. Was hat es mit dem "Röntgen-Blick" von Talias Vater auf sich? Woher kommt Talias tieferes Verständnis für das Leben? Und welche weiteren Gaben besitzt Wasserman? Alles Fragen, auf die der Leser selbst eine Antwort finden muss.

Talia erzählt ihre Geschichte in einer passend kindlich-erwachsenen Sichtweise. Wir fiebern mit, wenn Talia alles daran setzt, das arme Tier zu retten, wir lachen über Wassermans Fröhlichkeit und erinnern uns an unsere erste Liebe zurück, wenn sich Talia und Gidi langsam näher kommen. Und wir staunen mit, wenn Talia Herr Chaims Fische "fisch-sittet" und plötzlich hunderte Fische vor unserem inneren Auge auftauchen... All dies vermag Yoram Kaniuk mit seiner einfachen, aber einprägsamen und gestaltenden Sprache bei uns auszulösen.

Fazit: 

"Wasserman" ist eine wunderschöne und tiefgründige Geschichte, die mehr beinhaltet, als sie preisgibt. Ein Buch für Kinder und Erwachsene und jene, die Bücher gerne ein zweites Mal lesen.
Ein Buch über Freundschaft, innere Stärke, Verzweiflung und das Mysteriöse im Alltag. "Wasserman" unterhält und verzaubert gleichermassen!

  

Yoram Kaniuk
Wasserman
En fortælling om mødet med en hund
TB, 1988
Gyldendal

 87-00-14136-4

Aus dem Hebräischen von Anna Poulsen Schier
Originalsausgabe: Hakibbutz Hameuchad Publishing House, 1988

11.01.2011 um 17:53 Uhr

[Dänische Bücher] Geschichten der Welt

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Sieben Geschichen versammelt das keine Büchlein von Peter Bichsel, namens "Børnehistorier" (Kindergeschichten). In den Geschichten geht es um das normale in unserer Welt, und das ausserordentliche, das sich dahinter verbirgt. Es geht um grosse Ideen und Gedanken, um Unternehmungen, die die Welt verändern und Taten, die den Menschen verändern.
Sieben Geschichten für erwachsene Kinder.

Meine Meinung:

Die sieben Geschichten, die Bichsel in den "Børnehistorier" erzählt, zeigen eine uns bekannte Welt. Alles ist wie immer, alles altbekannt. Doch Bichsels Figuren fallen aus dem Rahmen, meistens geschieht das von einem Moment auf den anderen. Plötzlich fällt ihnen etwas ein, sie wollen alles wissen, was es zu wissen gibt, oder gleich im Gegenteil, nichts mehr wissen. Sie entdecken Kontinente, die es nicht gibt, oder lernen den Fahrplan auswending.

Bichsels Realität ist eine sonderliche, die aufzeigt, dass nicht immer alles so gehen muss, wie es bisher immer war. Manchmal tun Veränderungen gut. Oder eben nicht. Doch Bichsel verurteilt seine Charaktere nicht, er erzählt einfach nur von ihnen. Der Erzählstil geht nicht in die Tiefe, selten wird hinterfragt, die Beschreibungen bleiben oberflächlich - das Nachdenken wird dem Leser überlassen.
 
Erzählen tut der Autor in einer sehr speziellen Sprache. Seine Wortwahl ist überaus einfach gehalten, jedoch sind die Satzstrukturen etwas komplexer gehalten. Deshalb ist das Buch, möge es auch noch so kurz sein, nur für jene geeignet, die auch mit längeren, durch viele Komata getrennte Sätzen umgehen können.

Fazit:

Peter Bichsels "Børnehistorier" (Kindergeschichten) sind für Leser mit guten Dänischkenntnissen geeignet, die sich mit Bichsels Nüchternheit anfreunden können. Trotz dieser Nüchternheit verfügen die sieben Geschichten über eine gewisse Tiefgründigkeit, manchmal sogar mit Humor gespickt, die man selber entdecken soll.

  

Peter Bichsel
Børnehistorier
TB, 2001
Tiger

87-00-76018-8 

Dänisch von Birte Svensson
Originalausgabe: Kindergeschichten
Hermann Luchterhand Verlag, 1969 

07.01.2011 um 22:52 Uhr

[Dänische Bücher] Der spukende Pirat

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Wie jeden Sommer verbringt Lukas mit seinen vier Brüdern und seinen Eltern die Ferien am Meer. Lukas kann es akzeptieren, mit vier Brüdern in einem Zimmer zu schlafen, wäre da nicht die Geschichte um Kapitän Krähes Zähne, die sein grosser Bruder Martin erzählt.
Als Lukas am nächsten Tag nach der Kinderdisko alleine nach Hause muss, kommt er dem gefährlichen Kapitän Krähe entsetzlich nahe...

Meine Meinung: 

Vielen ist Eoin Colfer durch die "Artemis Fowl"-Reihe bekannt, jedoch hat der Ire auch viele weitere Bücher für Kinder und Jugendliche geschrieben. "Kaptajn Krages Tænder" (Kapitän Krähes Zähne" ist ein Buch für Kinder zwischen acht und zehn Jahre.

Die Sprache ist schon etwas fortgeschrittener als in meinem letzten Buch (Das magische Baumhaus), die Sätze sind länger und so sind es die Kapitel, eine angenehme Steigerung des Niveaus, die durchaus empfehlenswert ist. Auffallend ist ebenfalls, dass auch weniger Bilder vorkommen. Dennoch sind die strichartigen Illustrationen sehr nett anzusehen und passen zum lockeren Erzählstil des Kinderbuches.

"Kaptjan Krages Tænder" ist aus Lukas' Sicht erzählt und man erhält als älterer Leser einen amüsanten Einblick in die Gedankenwelt eines Neunjährigen. So fühlen wir uns schnell an unsere eigene Kindheit erinnert, als wir uns vor Gespenstern fürchteten und uns über unsere älteren Geschwister ärgerten. Ebenso offenbart die Lektüre eines Kinderbuches wie unterschiedlich die Sichten eines Kindes und eines erwachsenen ist.

Seltsam fand ich jedoch, dass die Geschichte des Iren Colfer von den Übersetzern nach Dänemark versetzt wurde (ink. Namen der Protagonisten und der Ferieninsel). Ob das in Dänemark so üblich ist, die Geschichte tatsächlich im nordischen Land spielt, oder diese Entscheidung getroffen wurde, um den Kindern das Lesen zu erleichtern, wird mir wohl ein Rätsel bleiben. Dies tut der herzerwärmenden Geschichte aber keinen Abbruch. 

Fazit:

Mir hat Eoin Colfers Geschichte um Lukas und Kapitän Krähes Zähne wahnsinnig gut gefallen und oft musste ich lachen oder lächeln, weil Lukas' Gedanken mich berührt haben und es mir ermöglicht haben, für kurze Zeit wieder Angst vor Gespenstern zu haben.
Für Kinder ist die Geschichte auf jeden Fall empfehlenswert, da es aufzeigt, dass man doch nicht immer alles zu glauben braucht, was der ältere Bruder erzählt ;)

 

Eoin Colfer
Kaptajn Kragers Tænder
HC, 2006
Forlaget sesam

87-11-22467-3

Illustrationen von Tony Ross
Dänisch von Mathias Vejerslev
Originalausgabe: Captain Crow's Teeth
Penguin Group, 2006

02.01.2011 um 16:52 Uhr

[Dänische Bücher] Abenteuer im Regenwald

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Jacob und Anne reisen mit ihrem magischen Baumhaus durch viele Länder und Zeiten, auf der Suche nach vier verschiedenen Artefakten, mit denen sie die Magierin Morgan aus der Gefangenschaft retten können.
Dieses Mal werden die Geschwister in die Welt des Regenwaldes reisen, wo sie viele gefährliche Abenteuer bestehen müssen. Aber wie findet man in einem riesigen Urwald ein magisches Artefakt? Doch dann erhalten sie Hilfe von einem Freund...

Meine Meinung:

"Det magiske hus i træet 6 - På flugt i regnskoven" (Das magische Baumhaus 6 - Auf der Flucht im Regenwald) ist die dänische Ausgabe der auch bei uns bekannten "Das Magische Baumhaus"-Reihe von Mary Pope Osborne.

Die Reihe ist für jüngere Leser gedacht, sodass die Sätze sehr einfach konstruiert sind und durch viele Bilder untermalt wird. Die grosse Schrift hilft beim Lesen und Dänischlernende können sich gut Notizen zwischen den Zeilen machen.
 
Aufgrund dessen, und auch aufgrund seiner angenehmen Länge von gerade mal 74 Seiten, kann man die ganze Reihe sehr gut für den Sprachunterricht gebrauchen. Jedoch werden ältere Leser die Geschichte schnell durchschauen, während sie für Kinder viele gefährliche Abenteuer bietet.
Band 6 hat dazu noch eine schöne Botschaft für die Leser: Dass man nämlich Tiere am besten einfach Tiere sein lässt und wenn wir ihnen nichts tun, werden sie uns auch nichts tun. Dieser Punkt fällt sehr angenehm auf.
 
Ich hatte grossen Spass beim Lesen, auch wenn mir die Sätze schon fast zu einfach aufgebaut waren. Trotzdem werde ich mir sicher noch einige Bände kaufen, um mich weiter im Dänischen fortzubilden.

Fazit:

"Det magiske hus i træet 6 - På flugt i regnskoven" ist für etwas fortgeschrittene Dänischlernen gut geeignet, um sich in die Sprache einzulesen. Man sollte jedoch mit der Vergangenheitsform vertraut sein.
Die Bücher sind nicht zu lange und warten mit interessanten Geschichten und Abenteuern auf, die auch älteren Lesern, die aus einem anderen Sprachkreis stammen, Freude machen werden.

Mary Pope Osborne
Det Magiske Hus i Træet 6
På flugt i regnskoven
TB, 2006
Carlsen

978-87-626-0343-1

Illustrationen von Sal Murdocca
Aus dem Amerikanischen von Claes Johansen
Originalausgabe: Magic Tree House #6: Afternoon at the Amazon 

28.12.2010 um 00:03 Uhr

[Dänische Bücher] Das immerwährende Licht

von: Jari   Kategorie: Dänische Bücher

Inhalt:

Die Kerze, die nicht ausgehen will, die Schwalbe, die immer mehr haben will, oder das Kleeblatt, das ein Blatt zu viel hat - sie alle sind in diesem Buch versammelt, das mehrere Märchen für Erwachsene enthält. Mal spielen sie sich am Strand ab, mal unter dem Meer, mal in einem Garten. Man trifft auf Fische und Pflanzen und Feen und Elfen. Und jede einzelne Geschichte hat ihre ganz eigene Botschaft.

 

Meine Meinung:

Kirsten Ahlburgs "Lyset der ikke ville gå ud - og andre eventyr" (Die Kerze, die nicht ausgehen wollte - und andere Märchen) vereint zehn für Erwachsene geschriebene Märchen in sich, von denen das längste "Lyset der ikke ville gå ud" ist. Die meisten Geschichten erstrecken sich über gerade mal fünf Seiten, dazu kommen eine grosse Schrift und häufige Absätze - somit ist dieses Buch als Lektüre für Spracheinsteiger sehr gut geeignet. Ebenfalls ist die Sprache sehr einfach gehalten und die Sätze sind nicht zu verschachelt, sodass man auch als Anfänger in Dänisch das Buch gut lesen kann.
Die Illustrationen im Buch machen das Verständnis der Geschichten zudem etwas einfacher, da man gleich zu Beginn weiss, womit man es zu tun hat. 
 
Die Märchen sind sehr unterschiedlich und spielen sich in unterschiedlichen Gebieten ab und es kommen immer wieder andere Charaktere vor. Auch die Themen, die die Autorin beschreibt, unterscheiden sich. Ob es um das Anderssein geht, oder um die Hoffnung, oder um häusliche Gewalt - Ahlburgs Themen sind sehr vielfältig, was jedes Märchen interessant macht.
 
Leider wiederholen sich manche Symbole zu oft, in dem Buch kommt gerade mal ein einziger Junge vor, während es von jungen Mädchen nur so wimmelt. Auch der Aufbau der Erzählungen ähneln sich so stark, dass man ab der Hälfte weiss, wie das Märchen ausgeht, was einem leider etwas die Freude am Lesen nimmt, sodass das Buch auf Dauer etwas langweilt.

 

Fazit: 

"Lyset der ikke ville gå ud" ist perfekt für Dänischlernende geeignet und kann auch im Sprachunterricht verwendet werden. Zwar handelt es sich um schöne Geschichten, doch aufgrund der allzuoften Wiederholungen langweilt das Buch auf Dauer etwas zu sehr.

 

Kirsten Ahlburg
Lyset der ikke ville gå ud
Og andre eventyr
TB, 2007
Forlaget ABZebra

978-87-91687-30-3 

Illustrationen von Regitze Schmidt