Jaris Büchergebrabbel

05.02.2012 um 08:49 Uhr

[Rezension] Together Forever

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Zusammen leben ist nicht einfach. Obwohl man den Partner über alles liebt, gibt es immer wieder Reibereien. Da ist die benutzte Teetasse oder die Zahnpastatube, die offen herumliegt. Oder der Prinz wird plötzlich zum Pantoffelhelden. Wie sollen sich Paare im Alltagsstress verhalten, damit die Beziehung nicht ausleiert?

Meine Meinung:

Guy Bodenmann und Caroline Brändli haben mit "Was Paare stark macht" einen übersichtlichen und realitätsnahen Ratgeber für Paare geschrieben.

In mehreren Kapiteln wird erläutert, was die Liebe ist und wie man sie lebendig halten kann. Es wird auf unterschiedliche psychologische Vorgänge eingegangen und erklärt, wie man die Situationen am besten lösen kann. Die beiden Autoren legen das Augenmerk vor allem auf eines: Kommunikation.

Bodenmann und Brändli bieten viele Übungen und Tipps, um die Kommunikation unter Paaren zu fördern. Darunter findet man Hinweise, die tatsächlich hilfreich sind und man als Paar gut im Alltag anwenden kann. Dies hat, meiner Ansicht nach, seltenheitswert. Einige der vorgeschlagenen Ideen wurden von uns bereits umgesetzt.

Ebenfalls sehr positiv finde ich die Vielfalt des Duos. Im Gegensatz zu anderen Autoren legen sie sich nicht auf einen Grundsatz fest und ziehen diesen dann durch alle Themen des Paarlebens durch, sondern sie vermögen es, auf jedes Thema einzeln einzugehen und dort die besten Hilfestellungen zu bieten. Auf diese Weise kann man sich zehn Bücher sparen und stattdessen nur dieses eine kaufen.

Der Aufbau des Titels ist zwar übersichlich und das Buch lässt sich gut lesen, jedoch fiel auf, dass man als Leser bloss die separaten Informationsboxen lesen muss, um zu verstehen, worum es geht. Es ist also eigentlich gar nicht nötig, den ganzen Ratgeber zu lesen. Dies kann man als positiv oder negativ empfinden. 

Fazit: 

Ein empfehlenswerter Ratgeber für Paare, die Wert darauf legen, ihre Liebe frisch zu halten. Die Vorschläge des Schweizer Autorenteams sind alltagstauglich und setzen auf unterschiedliche Arten der Kommunikation.

Guy Bodenmann, Caroline Brändli
Was Paare stark macht
Das Geheimnis glücklicher Beziehungen
TB, 2010
Beobachter

978-3-85569-438-9 

04.02.2012 um 22:50 Uhr

[Rezension] Schicksalskarten

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Tarotkarten werden schon seit hunderten von Jahren befragt, wenn man im Leben einen guten Rat braucht. Die Karten geben Hinweise über das Verborgene, zeigen uns aber auch Dinge auf, die direkt vor unseren Augen liegen, wir aber nicht in der Lage sind zu sehen. 
Ist man verliebt oder in einer Beziehungskrise ist guter Rat oftmals teuer. Die altbekannten Ratschläge trösten nicht mehr. Da hilft es, einen Blick auf die Karten zu riskieren.

Meine Meinung:

Eleonore Jacobis "Tarot für Liebe und Partnerschaft" ist ein für Anfänger geeignetes Buch, das den Leser Schritt für Schritt in die Welt des Kartenlegens einführt.

Das Buch ist so gestaltet, dass man das Wichtigste gleich auf den ersten Blick erfassen kann. Die Autorin erklärt dem Leser das Prinzip der Karten und gibt einige Tipps und Hinweise zur Benützung der Karten. Vor allem für Einsteiger sind diese nützlich.

Nach der Einführung folgen die Bedeutung der Karten. Diese sind speziell auf das Liebesleben bezogen. Positiv ist mir dabei aufgefallen, dass auch auf die Bedeutung der Karten, die auf dem Kopf stehen, eingegangen wird. Abgeschlosen wird das Buch mit Legesystemen und Beispielen von Leuten, die sich die Karten haben legen lassen.

Auf den ersten Blick wirkt das Werk sehr handlich und sympathisch, eines jener Bücher, die man der besten Freundin leihen möchte. Doch beginnt man sich näher damit zu befassen, stellt sich jedoch rasch Enttäuschung ein. Jede gezogene Karte scheint etwas Negatives zu bedeuten, das eigene Liebesglück ist scheinbar in weiter Ferne.

Die Deutungen der Karte sind leider derart negativ verfasst, dass einem die Freude am Kartenlegen rasch genommen wird. Entweder ist die Beziehung eingeschlafen, man selbst in einer Traumwelt gefangen oder man belügt sich. Zwar hat jede Karte auch eine ungute Bedeutung, doch scheint Jacobi sich in ihrem Werk bloss auf diese Bedeutung zu manifestieren. Dies ist meiner Meinung nach sehr ungünstig, da so jedem Kartenleger die Laune verdorben wird. Über kurz oder lang fragt man sich, ob die Autorin selbst irgendwelche Probleme hat. 

Fazit: 

"Tarot für Liebe und Partnerschaft" ist leider kein so amüsantes Buch wie es auf den ersten Blick scheint. Obwohl es hübsch und übersichtlich aufgebaut ist, sind die Beschreibungen der einzelnen Karten sehr missglückt und verderben einem die Freude sehr rasch. 

Eleonore Jacobi
Tarot für Liebe und Partnerschaft
Die richtige Fragestellung, die wichtigsten Legesysteme, zahlreiche Deutungsbeispiele
HC, 2005
Bassermann

978-3-8094-1799-8 

04.02.2012 um 21:33 Uhr

[Rezension] Sport ist Mord

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Fünf Jahre in einer Höhle auf der prähistorischen Erde tun niemandem gut - schon gar nicht Arthur Dent. Eines schönen Morgens jedoch taucht Arthurs alter Freund Ford wieder auf und er hat Neuigkeiten mitgebracht. Ihre Aufgabe ist keine geringere als die, das Leben, das Universum und den ganzen Rest zu retten...

Meine Meinung:

Mit "Life, the Universe & Everything" (dt. das Leben, das Universum und der ganze Rest) legt Douglas Adams den dritten Teil seiner "Hitchhiker's"-Reihe vor. 

Sprachlich begiebt man sich auf bekanntes Terrain. Der Autor hat sich nicht gross weiterentwickelt, hält jedoch das Niveau der vorigen Bände. Dies jedoch nur, wenn es um die Sprache geht. Leider ist der dritte Band weitaus weniger lustig geraten als die vorherigen Bände.

Noch immer hat Douglas wundersame Ideen und gute Einfälle, jedoch will es dieses Mal mit den Witzen einfach nicht so gut klappen wie auch schon. Unterhalten tut das Buch natürlich immer noch gut, aber wenn man sich von zwei Bänden mehr gewöhnt ist, fällt es leider auf, wenn die Qualität etwas abnimmt.

Trotzdem hat mir "Life, the Universe & Everything" noch lange nicht die Lust auf die nächsten Bände zerstört, eher bin ich neugierig geworden, ob der Autor es schafft, das Steuer noch einmal herumzureissen. 

Fazit: 

Eine Fortsetzung, die leider nicht ganz das hält, was die ersten Bände der Reihe versprechen. Dennoch bleiben die Abenteuer von Arthur und Ford unterhaltsam und kurzweilig. Fans sollten sich jedoch vor der Lektüre nicht zu viel davon versprechen und das Buch als das akzeptieren, was es ist: Ein typisches Douglas-Buch, mit etwas weniger Witz, aber einigen guten Ideen.

Douglas Adams
Life, the Universe & Everything
TB, 2010
MacMillan

978-0-330-50882-7

Deutsche Ausgabe

Douglas Adams
Das Leben, das Universum und der ganze Rest
TB, 1999
Heyne

978-3-453-14605-1 

01.02.2012 um 16:55 Uhr

[Rezension] Stürmische See

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Stralsund, 1628. Der Dreissigjährige Krieg tobt, trotzdem führen Anneke und ihre Mutter ein schönes, wenn auch bescheidenes Leben. Als jedoch Annekes Mutter stirbt, verändert sich das Leben des jungen Mädchens grundlegend. Ihr reicher Vater nimmt sie zu sich. Anneke trägt nun wunderschöne Kleider und ist eine Dame.
Doch ist auch dieses Leben nicht von Dauer. Der Krieg steht vor der Türe und Annekes Vater sieht nur eine Lösung: Nämlich die, dass Anneke in das entfernte Schweden reisen soll...

Meine Meinung:

Corina Bomann entführt den Leser in "Sturmsegel" in das Deutschland und das Schweden des 17. Jahrhunderts. Mitten hinein in den Dreissigjährigen Krieg.

Die Autorin schafft es auf Anhieb, das damalige Leben und die Atmosphäre in der Stadt Stralsund lebendig zu beschreiben. Anneke ist sich des Krieges bewusst, doch ist er noch in weiter Ferne. Das Leben ist karg, doch sie und ihre Mutter wissen sich zu helfen.
Doch mehr und mehr drängt der Krieg sich in das Leben des Mädchens und ihr Leben verändert sich. Auch hier kann die Autorin punkten, beschreibt sie doch anschaulich, wie aus dem unbedarften Wildfang eine junge Frau wird, die für sich und diejenigen, die sie liebt, eintritt.

Im Buch trifft man auf Personen, die real existiert haben und Geschehnisse, die tatsächlich stattgefunden haben. Bomann hat die fiktiven Charaktere gut in den realen Hintergrund eingearbeitet, die Geschichte ist greifbar und wirkt an keiner Stelle gewollt. Als Leser wird man direkt in die richtige Stimmung versetzt und das Buch liess zumindest mich kaum mehr los.

Ebenfalls positiv fielen mir die eingewobenen schwedischen Sätze auf, die Bomann den Personen in Schweden in den Mund legt. Anfangs fand ich es etwas unrealistisch, dass Anneke überall auf deutschsprachige Menschen trifft, doch wurde dies durch die schwedischen  Sprachfetzen wieder wett gemacht. Die Sätze werden im Glossar am Ende des Buches erklärt, wo man auch die benutzten Ausdrücke aus dem Kriegs- und Volksvokabular nachschlagen kann.

Die Geschichte weist einen für Jugendromane typischen Schreibstil auf, der sich einfach lesen lässt, jedoch trotzdem packend ist. Annekes Gefühle sind greifbar und man kann sich als junger Leser gut mit ihr identifizieren. Man leidet am Tod der Mutter und fühlt Annekes Verliebtheit, als sie in Schweden den Schiffsbauer Ingmar kennenlernt.

Die Liebesgeschichte zwischen Anneke und Ingmar ist zum Glück nicht dramatisiert, sondern wird sehr feinfühlig in die Hintergrundgeschichte über Annekes Leben eingewebt. So lernt man auch einiges über Beziehungen und Eheschliessungen im 17. Jahrhundert.
Zu keiner Zeit drängt die Liebesgeschichte zu sehr in den Vordergrund und sie wird angenehm langsam erzählt. Schritt für Schritt kommen sich die beiden Protagonisten näher und werden durch weitere Schicksalsschläge aneinandergebunden.

Ab und zu war es beinahe zu viel der Schicksalsschläge, doch wenn man bedenkt, zu welchen Zeiten die Geschichte spielt, kann man dies gut akzeptieren.

Fazit: 

"Sturmsegel" ist ein Buch für jugendliche und auch erwachsene Leser, die historische Hintergründe schätzen und es mögen, wenn auch Personen auftreten, die real existiert haben. "Sturmsegel" weist definitv einen gewissen Lerneffekt auf und ist trotzdem angenehm zu lesen. Wer ein Buch zum Thema Dreissigjähriger Krieg sucht, sollte an diesem Buch nicht vorbeigehen.

Corina Bomanns "Sturmsegel" ist definitiv eines der besten Jugendbücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Die Geschichte ist packend und ich fühlte mich auch im historischen Setting zu Hause. Anneke war mir mit ihren Ecken und Kanten sympathisch und ich wollte wirklich wissen, wie es mit ihr weitergeht. Deshalb konnte ich kaum aufhören zu lesen.

Corina Bomann
Sturmsegel
HC, 2010
Ueberreuter

978-3-8000-5532-6 

26.01.2012 um 18:32 Uhr

[Rezension] Jäger & Sammler

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Beeren schmecken lecker und sind gesund. Wer kann schon einer saftigen roten Erdbeere wiederstehen? Doch noch besser schmeckt es, wenn man die Beeren selbst gefunden, gepflückt und verarbeitet hat.
Wie man ganz einfach und ohne weit zu reisen die schmackhaftesten Beeren findet und wie man sie am besten zubereitet, zeigt das Büchlein "Beeren finden!".

Meine Meinung:

Christine Schneider hat mit "Beeren finden!" einen sehr handlichen Begleiter für Ausflüge in die Natur geschrieben. Das Buch ist dünn, lässt sich gut in der Tasche tragen und ist mit einer Schutzhülle versehen, sodass sich auch gelegentliche Drecksspritzer leicht abwaschen lassen.

Das Büchlein selbst ist übersichtlich aufgebaut. Vor allem Anfänger bezüglich der Beerensuche werden so Schritt für Schritt an die Materie herangeführt.
Man erhält einen allgemeinen Überblick über die Welt der Beeren, die besten Hilfsmittel werden erklärt und natürlich werden auch die unterschiedlichsten Beeren und Nüsse auf je einer Doppelseite vorgestellt. Die Vorstellung umfasst alles, was man als Sammler wissen muss. Wie, wo, wann und worauf man achten sollte.

Giftige Beeren werden ebenfalls genannt. Doch fehlte mir dort eine genauere Angabe darüber, was die Einnahme der Pflanze bewirken würde. Dafür gibt es im Schlussteil einen umfassenden Part mit Notfallnummern, falls wirklich einmal etwas schief gehen sollte.
Abgerundet wird "Beeren finden!" mit einigen Rezepten. Manche lassen sich rasch zubereite, andere sind ausgefallen, manche klassisch. Jedoch lief mir bei praktisch jedem das Wasser im Mund zusammen.

Die Gestaltung des Führers ist sympathisch und jung. Man sieht alles Wichtige auf einen Blick, durch die Fotos kann man sofort erkennen, um welche Beerensorte es sich handelt. Die Illustrationen von Daniel Stieglitz passen ins Ambiente und unterstreichen den lockeren Ton dieses Buches. 

Fazit: 

Ein Buch, das sich vor allem für jene eignet, die gerne einmal selbst Beeren sammeln wollen, sich aber noch nicht sicher sind, wie sie das anstellen sollen. Das Buch "Beeren finden!" bietet Antwort auf die wichtigsten Fragen und lässt sich einfach einpacken.
Aufgrund seines schlanken Umfanges ist es jedoch kein Universalratgeber! 

Christine Schneider
Beeren finden!
TB, 2011
Ulmer

978-3-8001-7660-1 

Mit Illustraionen von Daniel Stieglitz 

Herlichen Dank an den Ulmer Verlag!
www.ulmer.de 

24.01.2012 um 08:58 Uhr

[Rezension] Blutroter Mond

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Daggorhorn ist ein düsterer Ort, der in ständiger Angst vor dem Wolf lebt.
Die Schwestern Valerie und Lucie könnten unterschiedlicher nicht sein, dennoch hängen die Beiden sehr aneinander. Doch dann färbt der Vollmond sich blutrot und Lucie fällt dem Wolf zum Opfer.
War es etwa Peter, Valeries Jugendfreund, der nach zehn Jahren wieder ins Dorf zurückgekehrt ist? Und wieso vermag Valerie mit dem Wolf zu sprechen?

Meine Meinung:

"Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond" von Sarah Blakley-Cartwright basiert auf dem Drehbuch von David Leslie Johnson zum gleichnamigen Film. Es ist eine düstere und freie Erzählung des Rotkäppchen-Märchens.

Der Beginn des Buches ist vielversprechend und richtig spannend. Man lernt das Leben in Daggorhorn kennen, die Bewohner und wie sie sich vor dem Werwolf schützen, der das Dorf jeweils zum Vollmond heimsucht. Ebenfalls treffen wir auf die Schwestern Lucie und Valerie. Lucie scheint ein Überwesen zu sein, jung, hübsch und gutherzig. Valerie dagegen ist wild und kann sich nur schlecht in die Dorfgemeinschaft einfügen.

Als die Ménage à troi zwischen Peter, Valerie und Henry beginnt, verlor das Buch für mich etwas an Spannung. Valerie weiss nicht, für wen sie sich entscheiden soll und wem sie trauen kann. Zwar trauert sie um ihre Schwester, aber seltsamerweise griffen ihre Gefühle nicht auf mich über. Es geht mehr darum, wer jetzt das Mädchen bekommt. Die Zielgruppe des Buches mag dies interessieren, für mich persönlich war es aber eher belanglos.

Faszinierend fand ich jedoch das Thema des religiösen Fanatismus, der im Buch zum Vorschein kommt. Vater Solomon wird gerufen, um dem Werwolf den Garaus zum machen. Solomon ist, wie Valerie rasch erkennt, ein Mensch, der nur in Schubladen denkt: gut oder böse. Böses wird gnadenlos zerstört.
Dabei fragte ich mich allerdings, ob dieses Gemetzel und Blutvergiessen in einem Jugendbuch wirklich nötig ist oder ob man jugendliche Leser nicht auch auf andere Arten faszinieren und packen kann. Zwar störten mich die blutigen Szenen nicht, aber ab und an fand ich sie etwas übertrieben.

An einigen Stellen merkt man, dass das Buch auf einem Drehbuch basiert. Manche Bilder, die aufgezeigt werden, sind definitiv leinwandreif: Die weissen Blüten, das schwarze Pferd, das durch die Flammen rennt etc. 
Auf diese Weise werden von der Autorin Bilder beschrieben, die im Kopf bleiben. Leider fehlte mir trotzdem etwas in der Geschichte. Ich kann nicht genau sagen was, aber wirklich gepackt hat es mich nicht. Bis zum Schluss blieb ich relativ teilnahmslos und betrachtete Valerie bloss, wie sie dies tut und jenes geschieht.

Fazit: 

"Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond" ist eine flüssig erzählte Geschichte, die sich gut für Zwischendurch eignet. Das Buch liest sich flott, ist aber teilweise sehr blutig.

Wer Neuerzählungen von Märchen mag, kann sich das Buch sicherlich mal ansehen. Jedoch reicht es meiner Ansicht nach nicht an Broms "Der Kinderdieb" o.ä. heran. Es ist eine Geschichte vor allem für jugendliche Leser, die eine düstere Liebesgeschichte mit Fantasy-Elementen zu schätzen wissen.

Ich meinerseits wurde zwar gut unterhalten, jedoch lässt mich die Geschichte bloss mit einem Schulterzucken zurück. 

Sarah Blakley-Cartwright & David Leslie Johnson
Red Riding Hood
Unter dem Wolfsmond
TB, 1. Auflage 2011
CBT

978-3-570-16124-1

Originalausgabe: Red Riding Hood
Poppy, New York 2011 

16.01.2012 um 21:04 Uhr

[Rezension] Ene, mene, muh

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Robert mag weder die Mathematik, noch seinen Mathelehrer. Ebenso wenig mag er seine Albträume, die ihn des nachts heimsuchen. Doch dann bekommt Robert in seinen Träumen besuch vom Zahlenteufel. Dieser nimmt den Jungen in die Lehre, um aus ihm einen Zauberer zu machen - einen Zahlenzauberer...

Meine Meinung:

Hans Magnus Enzensbergers Buch "Der Zahlenteufel" ist ein Buch für jene, die mit der Mathematik nicht viel anfangen können und sich nicht weiter mit ihr beschäftigen wollen. Robert selbst ist auch einer jener Menschen, die die Mathematik nicht mögen und ihr am liebsten aus dem Weg gehen. Doch mit Hilfe des Zahlenteufels ändert sich das.

Zusammen mit Robert erfährt der Leser die Geheimnisse der Mathematik. So wird zum Beispiel erklärt, welche Bedeutung die Null in unserem Zahlensystem hat, die "Bonatschi"-Zahlen werden durchgenommen und gewissen Zahlenreihen werden Farben zugeordnet.

Das Buch ist einfach und verständlich geschrieben, damit auch jüngere Leser verstehen, was hier eigentlich genau erklärt wird. Meistens besteht die Geschichte aus Gesprächen zwischen Robert und dem Zahlenteufel, die den trockenen mathematischen Begriffen oft lustige Übernamen geben. Die mathematischen Beispiele sind mit bunten Bildern untermalt und der Leser wird Schritt für Schritt an den Kern der Sache herangeführt.
In späteren Kapiteln wird immer wieder auf bereits Erwähntes zurückgegriffen, sodass das Gelesene wieder aktiviert wird. So wird verhindert, dass man eine Erklärung liest und sie gleich daraufhin wieder vergisst.

Zwar brachte mir das Buch nichts grundlegend Neues bei, aber altes Wissen aus der Schule wurde wieder in Erinnerungen gerufen. Das meiste kannte ich bereits von anderen Orten, es war jedoch interessant, die Dinge auf eine solch unterhaltsame Weise erklärt zu bekommen.

Jedoch muss ich auch sagen, dass mir manche Schritte, die im Buch unternommen wurden, bereits wieder verwirrten und ich an anderer Stelle noch einmal nachfragen musste, was dies nun zu bedeuten hätte.

Sagen, dass mir "Der Zahlenteufel" die Angst oder die Abscheu von der Mathematik genommen hat, kann ich nicht. Weder ist mir ein grosses Licht aufgegangen, noch fällt mir der Umgang mit Zahlen nun leichter. Für mich war die Lektüre bloss ein weiterer Ausflug in die unendlichen Weiten der Mathematik.

Fazit: 

Ein gutes Buch für jene, die mehr über die Hintergründe der Mathematik erfahren wollen. "Der Zahlenteufel" bietet einige gute Tricks und Kniffe für das Überleben im Matheunterricht. Es lehrt das Verständnis für Zahlen bis zu einem gewissen Grad.

Für mich leider keine Revolution, aber eine nette Kopfkissenlektüre.

 

Hans Magnus Enzensberger
Der Zahlenteufel
Ein Kopfkissenbuch für alle, die Angst vor der Mathematik haben
HC, 1997
Hanser

3-446-18900-9 

Mit Bildern von Rotraut Susanne Berner 

15.01.2012 um 15:43 Uhr

[Rezension] Future Semi-Conditionally Modified Subinverted Plagal Past Subjunctive Intentional

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Nach der Zerstörung der Erde stecken Arthur Dent und seine Freunde in ziemlichen Schwierigkeiten. Eigentlich wären die Schwierigkeiten ja gar keine Schwierigkeiten, wäre das Raumschiff "Heart of Gold" nicht gerade damit beschäftigt, eine Tasse Tee herzustellen.
Als Zaphod Beeblebrox, seines Zeichens Präsident der Galaxie, sich auf macht, den Herrscher des Universums zu suchen, geht die Odyssee durchs Weltall in die nächste Runde...

Meine Meinung:

"The Restaurant at the End of the Universe" ist der zweite Teil der Hitchhiker-Reihe von Douglas Adams. Wieder einmal besticht der Autor mit munteren Einfällen und kurzweiligen Jagden durch die unendlichen Weiten des Weltraums.

Jedoch sollte man unbedingt den ersten Teil gelesen haben, bevor man sich ins Restaurant begibt. Zwar werden die Ereignisse des ersten Bandes auf zwei Seiten noch einmal kurz zusammengefasst, doch reicht dies bei Weitem nicht aus, um die Charaktere zu verstehen. Auch ich hatte etwas Mühe, da es schon einige Jahre her ist, seit ich den ersten Band "The Hitchhikers Guide to the Galaxy" gelesen habe.

Wer den ersten Band mochte, wird auch vom zweiten Teil nicht enttäuscht sein. Der Humor wird nicht weniger und Adams bringt wieder viel Schwung in die Geschichte. Es bleibt kaum Zeit, einmal richtig Atem zu schöpfen. Auch nicht, als die Charaktere es endlich ins "Restaurant am Ende des Universums" schaffen. Es gibt viel zu Lachen und vor allem Douglas' Ideen (u.a. von wem die Menschheit eigentlich absteht) sind einfach herrlich. Der Autor schafft es, auf eine feine englische Art, die menschliche Lebensweise zu mokieren. 

Die vielen unterschiedlichen Planeten und Landschaften machen es einem leider ab und zu schwierig, einzuordnen, wo man sich örtlich und bezüglich der Geschichte gerade befindet. Diese Sprünge machen es vor allem jenen schwierig, die das Englische noch nicht so gut beherrschen. Für jene empfiehlt es sich, die deutsche Ausgabe zu lesen. 

Fazit: 

"The Restaurant at the End of the Universe" knöpft direkt an den Vorgänger an. Dies nicht nur, was die Handlung betrifft, sondern auch sprachlich. Douglas hat eine gelungene Fortsetzung geschrieben, die Lust macht, sich sofort auf den nächsten Teil zu stürzen.

Douglas Adams
The Restaurant at the End of the Universe
TB, 2010
MacMillan

978-0-330-50881-0

Deutsche Ausgabe

Douglas Adams
Das Restaurant am Ende des Universums
TB, 2009
Heyne

978-3-453-40781-7

Aus dem Englischen von Benjamin Schwarz 

14.01.2012 um 20:31 Uhr

[Rezension] Sommernachtstraum

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

In einer wundervollen Nacht, die auf einen wundervollen Tag folgte, trifft der Erzähler auf das Mädchen Nastenka. Er hilft ihr in einer Notsituation und schon bald merken die Beiden, dass sie ein ganz besonderes Band miteinander verbindet. Doch Nastenka hat ihr Herz bereits verschenkt...

Meine Meinung:

Fjodor Dostojewski entführt den Leser in "Weisse Nächte" in die sommerlichen Nächte St. Petersburg. Die Liebesgeschichte, die auf nur 100 Seiten erzählt wird, vermag trotz der Kürze zu überzeugen und man schlägt das Buch schlussendlich mit einem tiefen Seufzer zu.

Der Erzähler der Geschichte ist ein Träumer, ein einsamer Träumer. Er kennt die Stadt St. Petersburg in- und auswendig, doch mit den Menschen kann er nicht besonders gut umgehen. Doch als er auf Nastenka trifft, ändert sich das. Das Mädchen erobert sein Herz im Sturm und obwohl er weiss, dass sie einen Anderen liebt, treffen sie sich die nächsten vier Nächte und kommen sich immer näher.

Es mag wie eine Geschichte klingen, die bereits hundert Male erzählt wurde, das mag es vielleicht auch sein. Doch Dostojewskis "Weisse Nächte" hat aus seiner kurzen Liebesgeschichte das Maximum herausgeholt. Der Untertitel "Ein empfindsamer Roman" passt perfekt zur Stimmung. Die Sprache im Buch ist sehr gefühlvoll, die Ich-Perspektive lässt uns direkt an den unterschiedlichen Stimmungslagen des Erzählers teilhaben. Ich fieberte mit, hoffte und bangte um das Glück des Paares.

Nur Nastenka ging ab und zu etwas gegen den Strich, da sie immer gleich zu weinen begann, doch dies unterstreicht nur noch mehr, dass "Weisse Nächte" ein sehr russisches Buch ist. 

Fazit: 

"Weisse Nächte" ist eine wunderschöne, tiefgründige und romantische Geschichte, die durch eine besondere und ergreifende Sprache besticht.

Wer gerne in einer schönen Sprache schwelgt, der sollte dieses Büchlein einmal zur Hand nehmen. Es eignet sich hervorragend als Kopfkissen-Lektüre. Wer sich an einen Russen heranwagen möchte, findet hier einen sehr guten Einstieg.

Ich war sofort hin und weg von der wunderschönen Sprache Dostojewskis, die man wirklich als "russisch" bezeichnen kann. Die Geschichte war weder kitschig noch langweilig und hielt mich bis zum Schluss in Atem. 

Fjodor Dostojewski
Weisse Nächte
Ein empfindsamer Roman
(Aus den Erinnerungen eines Träumers)
HC, 2007
Anaconda

978-3-86647-181-8

Aus dem Russischen von Hermann Röhl 

12.01.2012 um 22:07 Uhr

[Rezension] Vom Vater zum Sohn

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Es ist immer der erstgeborene Sohn der Familie Csillag, der mit einer besonderen Gabe gesegnet ist: Er kennt die Vergangenheit. Dies ist das Erbe seiner Väter. Mit diesem Erbe kommt auch "Das Buch der Väter", in dem jeder Erstgeborene seine Lebensgeschichte niederschreibt und es an seinen Sohn weitervererbt.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1705. Wie lange wird die Familie Csillag überdauern und wie gehen die Erben mit ihrem Segen um, der gleichzeitig auch ein Fluch sein kann?

Meine Meinung:

Miklós Vámos's Werk "The Book of Fathers" (deutsch: Das Buch der Väter) ist ein Werk, das die Familiengeschichte der Familie Sternovszky/Stern/Csillag von ihren Ursprüngen im 18ten Jahrhundert bis in die Gegenwart verfolgt.

Vámos ist ein geduldiger Beobachter und ein treuer Erzähler. Obwohl im Buch viel Tragisches geschieht, bleibt die Erzählweise immer ruhig und besonnen. Dennoch wurde ich von der Geschichte der ungarischen Familie gepackt und verlor mich ganz und gar in diesem wundervollen Buch.

Man erlebt Freud und Leid mit dem jeweils erstgeborenen Sohn der Familie. Ist auf seinen Reisen dabei, bei der Familiengründung und erfährt ebenfalls viel über sein Innenleben, da die Söhne jeweils ihre eigenen Notizen ins "Buch der Väter" übertragen. Auch die unterschiedlichen Charaktere der Figuren wurden vom Autoren gut herausgearbeitet, sodass man die Unterschiede zur vorhergehenden Generation deutlich anmerkt.

Doch erlebt man als Leser nicht nur die Entwicklung der Familie, sondern nebenbei erhält man auch einen Einblick in die Geschichte Ungarns. Dieser Part hätte für mich jedoch auch etwas umfassender und detaillierter gewesen sein können, doch dann wäre das Buch wahrscheinlich aus den Nähten geplatzt.

Toll fand ich, dass sich der Autor wirklich Gedanken um sein Buch gemacht hat. So hat er zum Beispiel die Sprache der jeweiligen Epoche so detailgetreu wie möglich wiedergegeben. Dies macht vor allem den Anfang der Geschichte etwas schwieriger zu lesen, doch macht genau dies das Buch so authentisch.

Ebenfalls hat er jedem Charakter ein Tierkreiszeichen zugeordnet und somit den gesamten Sternkreis in "Das Buch der Väter" einbezogen. Der Anfangsbuchstabe der aktuellen Hauptperson deutet an, um welches Sternzeichen es sich handelt. Jedoch handelt es sich dabei um die ungarischen Bezeichnungen, da Vámos Ungare ist. Mir hat das Rätseln sehr viel Spass gemacht, überhaupt ging mir bei den ungarischen Namen und Bezeichnungen das Herz auf.

Trotzdem ist dieser Titel kein Buch für jedermann. Man muss Familiengeschichten mögen, ansonsten ist "Das Buch der Väter" nichts für einen. Ausserdem muss man sich bewusst sein, dass man es mit einer ganzen Fülle von Namen, Daten und Tatsachen zu tun bekommt. Auch ich wusste oftmals nicht mehr, wer wer war oder was in der Geschichte zuvor passiert ist. 

Was ist sehr schade fand, war, dass gegen Ende des Buches, der phantastische Part stark abnahm. War dieser vor allem in der Mitte stark ausgeprägt und ein wichtiger Teil der Geschehnisse, nahmen die Berichte über die Visionen der Männer immer mehr ab.

Fazit: 

Ein Buch für alle, die "Die Buddenbrooks" lieben. Ein Buch für alle, die Familiengeschichten mit realem Hintergrund mögen. Ein Buch für alle, die Ungarn mögen. Wer sich jedoch unsicher ist, sollte besser erst einmal in das Buch hineinlesen. Nicht jeder wird es mögen.

Ich bin froh, dass ich "The Book of Fathers" endlich gelesen habe, es hat es definitv nicht verdient, so lange auf dem SUB zu liegen. Es war eine Lektüre, in die ich mich total versenken konnte, auch wenn sie teilweise ziemlich langatmig und verwirrend war. Dennoch kam ich vom Schicksal der Familie Csillag einfach nicht mehr los.

Miklós Vámos
The Book of Fathers
TB, 2006
Abacus

978-0-349-1931-1 

Aus dem Ungarischen von Peter Sherwood 
Originalausgabe: Apák könyve
Ovo, Budapest 2000

Deutsche Ausgabe: 

Mikós Vámos
Buch der Väter
TB, 2006
BTB 

978-3-442-73490-0

07.01.2012 um 22:08 Uhr

[Rezension] Prinzessin auf der Erbse

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Yeine lebt ihr Leben im hohen Norden des Landes. Doch eines Tages wird sie zu ihrem Grossvater berufen. Ihrem Grossvater - dem Herrscher der gesamten Welt. Offiziell heisst es, dass Yeine als Erbin in Frage kommt und gegen ihre verfeindeten Cousins antreten soll. Doch schnell findet sie heraus, dass hinter den Palastmauern einiges faul ist. Um zu überleben und mehr über den Tod ihrer Mutter herauszufinden, lässt Yeine sich auf einen Handel mit den Göttern ein. Doch diese haben ihren eigenen Plan...

Meine Meinung:

Nora K. Jemisin hat mit "Die Erbin der Welt" einen vielschichtigen und ergreifenden HighFantasy-Roman geschrieben, der einen nicht mehr loslässt. Das Buch ist ein richtiger Page-Turner, die Geschichte fliegt nur so dahin und man möchte gar nicht mehr aufhören zu lesen.

Obwohl das Buch definitv in die Rubrik der HighFantasy gehört, kommt man nicht mit den typischen Völkern der Fantasywelt in Kontakt. Die einzigen übernatürlichen Wesen sind die Götter. Es gibt keine Magier, die Familie Arameri, der auch Yeine angehört und die über die gesamte Welt herrscht, benutzt bloss die Kräfte der gefallenen Götter. Auch wird man nicht gleich von vielen Landschaftsbildern erschlagen, die Geschichte spielt eigentlich bloss im Palast der Arameri-Familie. Hinzu kommt noch die süffige Sprache, was das Buch zu einem geeigneten Einstieg in die HighFantasy macht.

Was mich an "Die Erbin der Welt" vor allem fasziniert hat, ist Yeine selbst und das Leben im Palast. Jemisin beschreibt die junge Protagonistin mit viel Fingerspitzengefühl und beweist Feingefühl beim Ausdruck der Gefühle. Man leidet mit Yeine mit, denn sie hat es wirklich nicht leicht. Yeine ist nicht perfekt, sie wird wütend, traurig, verzweifelt, entscheidet sich falsch - all dies lässt sie menschlich und greifbar machen. Nur durch das blosse Lesen wird einem klar, wie einsam dieses Mädchen eigentlich ist. Mehr als einmal hätte ich sie am liebsten in den Arm genommen.

Dasselbe Gespür beweist die Autorin, wenn sie beschreibt, wie schrecklich es ist, im Hause Arameri zu leben. Die Intrigen, der unterschwellige Hass, der Kampf auf Leben und Tod, die Familiengeheimnisse, Yeines eigenes Schicksal...
Jemisin wirft viele Fragen auf und man erhält viele Fakten. Ab und zu sogar zu viele. Man erhält als Leser viele Informationen, doch erfährt man erst später, was diese zu bedeuten haben. Davon kann einem schon ein wenig der Kopf schwirren. Ebenfalls weiss man zu Beginn nicht, was die angeblichen Selbstgespräche Yeines zu bedeuten haben.
Doch zum Glück erhält man am Schluss die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Daneben wirkt die Liebesgeschichte von Yeine und dem Gott der Dunkelheit Nahadoth etwas gewollt und schon allzu bekannt. Sie ist interessant, bringt aber nichts wirklich Neues.
Die Geschichte, wie die Götter in Gefangenschaft gerieten, ist um einiges spannender.

Fazit: 

Ein Buch, das einen nicht mehr loslässt und sich gut für Leser eignet, die sich nicht an epochale HighFantasy-Werke herantrauen. Man sollte sich jedoch klar darüber sein, dass die Stimmung in der Geschichte ziemlich düster ist, dafür ist sie auch umso packender.

Ich konnte mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören. Yeines Schicksal ging mir sehr nahe, obwohl ich den Schluss etwas seltsam fand. 

N.K. Jemisin
Die Erbin der Welt
Broschiert, 1. Auflage 2010
Blanvalet

978-3-442-26669-2 

Aus dem Amerikanischen von Helga Parmiter
Originalausgabe: The Hundred Thousand Kingdoms
Orbit, 2010

02.01.2012 um 19:37 Uhr

[Rezension] Ein Elefant in Nokia

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Schon seit ihrer Geburt kümmert sich Lucia um die Elefantendame Emilia. Doch seit ein neues Tierschutzgesetz in Kraft getreten ist, ist Emilia als Zirkuselefant arbeitslos. Lucia beschliesst, nach vielen Abenteuern mit dem treuen Dickhäuter, ihren Schützling zurück nach Afrika zu bringen. Eine Reise quer durch Finnland steht den beiden Damen bevor.

Meine Meinung:

Arto Paasilinnas "Ein Elefant im Mückenland" verspricht ein unterhaltsamer und witziger Roadmovie mit einer lustigen Idee zu sein. Die Grundidee wäre auch wirklich reizend, wäre die Umsetzung nicht dermassen misslungen.

Der Rückentext lockt mit der niedlichen Idee, immerhin ist ein Elefant die angebliche Hauptperson, und mit pechschwarzem Humor. Das Einzige, was im Buch davon zu finden war, war der Elefant. Der ist auch der Grund, weshalb ich das Buch nicht abgebrochen habe.

Zum einen störte mich Paasilinnas viel zu einfachen Schreibstil. Er erinnerte mich an einen Schüler, der einen längeren Aufsatz schrieb. Es gab keinen roten Faden, keinen Spannungsaufbau, die Figuren sind seicht und lustig war das Buch eigentlich bloss an einigen kurzen Stellen. Schwarzer Humor fand sich in keiner einzigen Passage.

Während des Lesens musste ich ausserdem ständig den Kopf schütteln. Die selbstverständlich wunderschöne Lucia reist mit ihrem Elefant zuerst durch Russland, diesen Teil der Geschichte war noch einigermassen interessant zu lesen, da man vieles über Russland und Finnland erfährt.

Schon zu diesem Zeitpunkt merkte ich, dass das Buch nicht das ist, was ich mir vom Rückentext versprochen hatte. Dennoch hätte es noch immer zu drei Punkten gereicht.
Doch nachdem sich die in meinen Augen ziemlich oberflächliche Lucia entschlossen hatte, den Elefanten nach Afrika zurückzubringen, sackte die Qualität noch einmal ab.

Es ist einfach unrealistisch, dass Lucia auf so viele Leute trifft, die ihr helfen. Jede Person, die wir im Buch treffen, schenkt dem Elefanten entweder einfach so 200 Kilogramm Kartoffeln oder meint, dass das Tier dort und dort untergebracht werden kann und dass die Miete von dieser Person übernommen wird. Oftmals fragte ich mich, ob die Finnen wirklich so reich sind, dass sie ihre gesamte Ernte oder alle ihre Einkünfte einer vorbeiziehenden Zirkusprimadonna mit Elefant verschenken.
Ebenfalls macht der Elefant oft Dinge kaputt. Da kann Emilia natürlich nichts dafür. Aber wie kommt es, dass keiner, dem etwas kaputt gemacht wird, wütend wird? Ich weiss nicht, ob so verständlich wäre, wenn ein Elefant mir meine Hütte zertrampeln oder meinen Hund töten würde.

Mit diesen Punkten einher geht, dass das letzte bisschen Spannung verloren geht. Die Geschichte treibt so dahin, man kann das Metronom im Hintergrund direkt hören. Bam - bam - bam, immer im gleichen Takt, so liest man sich durch die 250 Seiten. Und wenn der Elefant oder Lucia in Bedrängnis geraten weiss man bald, dass irgendwo wieder ein nobler Helfer wartet und die Beiden beschenkt.

Auch Lucias Überlegungen sind naiv und kindisch. Ein Elefant, der sein Leben lang in Gefangenschaft gelebt hat, kann man nicht einfach in Afrika aussetzen und hoffen, dass er überlebt. Doch genau davon geht das Mädchen aus. Ihr Handeln ist zwar nobel, aber verantwortungslos. 

Fazit: 

All die genannten Punkte machen das Buch "Ein Elefant im Mückenland" zu einem Buch, das ich wirklich nicht weiterempfehlen würde. Es mag leichte Lektüre für zwischendurch sein, doch davon gibt es weitaus Besseres!

Arto Paasilinna
Ein Elefant im Mückenland
TB, 1. Auflage 2008
BLT

978-3-404-92276-5 

Aus dem Finnischen von Regine Pirschel
Originalausgabe: Suomalainen kärsäkirja
WSOY, Helsinki 2006

02.01.2012 um 10:38 Uhr

[Rezension] Ein Dutzend Eier

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Leningrad, 1942: Die Stadt wird von den Deutschen belagert, die Bevölkerung ausgehungert.
In dieser Zeit geschieht es, dass der junge Lew erwischt wird, wie er nach der Ausgangssperre einen toten deutschen Soldaten ausraubt. Doch entgegen seiner Erwartungen wird der Junge nicht exekutiert, sondern er erhält eine schier unlösbare Aufgabe:
Zusammen mit dem ebenso jungen Kolja soll Lew für eine Hochzeit ein Dutzend Eier auftreiben... 

Meine Meinung:

An David Benioffs "Stadt der Diebe" musste ich wohl mit zu hohen Erwartungen herangegangen sein. Anders kann ich mir meine Enttäuschung über die Lektüre nicht erklären. Ich erwartete ein packendes und spannendes Abenteuer, doch das Buch liess mich seltsam unberührt zurück.

Die Szenerie des winterlichen und verarmten Russlands fand ich wirklich interessant. Man erfährt einiges über den Zweiten Weltkrieg, Hintergrundinformationen, die man ansonsten vielleicht nicht gehört hätte. Benioff hat die Umgebung, die Kälte, den Hunger sehr detailiert und gelungen beschrieben. Ich war oftmals froh, dass ich nicht durch kniehohen Schnee stapfen musste.

Dennoch wurde ich weder mit der Geschichte, noch mit den Figuren wirklich warm. Lew war mir zu unpersönlich, ich konnte mir von ihm während der gesamten Geschichte kein wirkliches Bild von ihm machen. Nur zum Schluss, als er aus seiner Passivität erwacht, denn Lew ist eine sehr passive Hauptperson, habe ich ihm etwas Respekt entgegen bringen können.
Auch bei Kolja war ich zwiegespalten. Zu Beginn fand ich ihn umwerfend, doch mit Fortgang des Buches zehrte er mehr und mehr an meinen Nerven. Ein derart pubertärer und von sich eingenommener Mensch. Seine Witze brachten mich einerseits zum Lachen, doch schon im nächsten Satz musste er wieder mit seinen weiblichen Errungenschaften angeben. So wurde er mir zusehends unsympathisch.

Ebenfalls fehlte es mir an Spannung. Die Geschichte ist zwar oftmals berührend und man erschaudert bei den schlimmen Vorfällen, die während des Krieges geschahen, doch irgendwie schien sie mir nicht griffig genug. Anstatt um das Leben der Hauptpersonen zu bangen, war ich bald von den vielen Details und Koljas Angebereien gelangweilt. Nur beim Finale kam wirklich Spannung auf. Dafür vergass ich während dieser paar Seiten beinahe das Atmen. Für das Ende der Geschichte hatte ich dann jedoch nur ein müdes Achselzucken übrig.

Fazit: 

Leider eine Enttäuschung. Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Buch, das während des Zweiten Weltkrieges spielt, mich tatsächlich langweilen könnte. Doch genau dies geschah. "Stadt der Diebe" wurde ein Opfer zu hoher Erwartungen aufgrund all der positiven Stimmen, die ich vernommen hatte.

Leser, die sich gerne mit einem realen Hintergrund beschäftigen, werden hier eine interessante und facettenreiche Landschaft vorfinden, in die man sich vertiefen kann. Ebenfalls erwähnenswert ist die interessant aufgebaute Geschichte der Freundschaft von Lew und Kolja.

David Benioff
Stadt der Diebe
TB, 2010
Heyne

978-3-453-40715-2

Aus dem Amerikanischen von Ursula-Maria Mössner
Originalausgabe: City of Thieves
Random House, 2008 

31.12.2011 um 10:31 Uhr

[Rezension] Betrunkener Rollstuhlfahrer gestoppt

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

In den Nachrichten ist meistens von Tod und Verderben die Rede. Gute Neuigkeiten, oder gar lustige, sind Fehlanzeige. Deshalb gibt es jetzt eine Sammlung der verrücktesten Nachrichten aus aller Welt, die zeigen, wie irrwitzig Zeitungsberichte eigentlich sein können.
Ob geblitzte Enten, lebensrettende Riesenkaninchen oder ein 300 000 Wörter langer Liebesbrief - hier findet man die verrücktesten Nachrichten der Welt versammelt.

Meine Meinung:

Anne und Ingo Reichardt haben mit "Katze führte Doppelleben" ganze Arbeit geleistet und die lustigsten und unterhaltsamsten Neuigkeiten aus der ganzen Welt zusammengetragen.

Die Berichte sind in mehrere Kapitel unterteilt, so kann man sich mit der Tierwelt beschäftigen, der Politik oder Kuriositäten aus anderen Kulturen dieser Welt. Obwohl die Nachrichten zwar keine wahren Brüller beinhalten, so bringen sie den Leser dennoch dazu, ungläubig den Kopf zu schütteln, darüber, was in der Welt so geschieht. Unterhaltsam ist das Buch allemal!

Wohl um die Copyright-Angabe zu umgehen, hat das Paar die originalen Zeitungstexte umgeschrieben, sodass alle Texte gleich klingen und oft auch einige Wortstellungsfehler vorhanden sind. Diese kommen wohl aus der Übersetzung, fallen jedoch trotzdem negativ auf. Eine Sammlung von Zeitungsartikeln mit Kommentar (im Stil von "Happy Aua" zum Beispiel) wäre bestimmt auch interessant gewesen.

Fazit: 

Ein Buch, das jede lange Zugfahrt im Flug vergehen lässt. Es ist perfekt zum Schmökern geeignet. Vor allem jene, die sich für sinnlose Fakten interessieren, werden hier Einiges erfahren, das sie auf der nächsten Party zum Besten geben können. Zum Beispiel dies, dass in China rosarota Waschmaschinen mit Herzchen der Renner sind.

Anne und Ingo Reichardt
Katze führte Doppelleben
Die verrücktesten Nachrichten aus aller Welt
TB, 2001
Marlon Verlag

978-3-943172-03-4 

30.12.2011 um 19:28 Uhr

[Rezension] Katze unterm Weihnachtsbaum

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Ein frisch geschiedener Mann zieht in seine neue Wohnung. Als er des Morgens seinen Briefkasten öffnet, findet er einen Brief. Er enthält eine Geschichte. Von diesem Tag an erhält er ehemalige Beamte jeden Tag eine neue Geschichte, die eines gemeinsam haben: Sie handeln allesamt von Katzen. 
Doch wer ist der heimliche Bote der Geschichten? Wir er sich am 24. Dezember zu erkennen geben?

Meine Meinung:

"Adventskätzchen" ist ein literarischer Adventskalender für Katzenfreunde. Jone Heer hat 24 kätzische Geschichten gesammelt und Thommie Bayer hat die Rahmenhandlung beigesteuert.

Die Geschichten sind sehr unterschiedlich und deshalb unterhaltsam zu lesen. Es ist für jeden etwas dabei. Man trifft auf Geschichten, die einem gefallen, jedoch muss man natürlich auch damit rechnen, dass man manche der Erzählungen nicht so gut finden.
Die Auswahl geht von Haruki Murakami über Andrea Schacht zu Ann Granger und Ernest Hemmingway. Manche Geschichten sind lustig, manche traurig und es gibt sogar welche, die einen erschauern lassen.

Leider spielen die Geschichten nicht alle in der Weihnachtszeit, sodass vor allem zu Beginn des Buches keine wirklich weihnachtliche Stimmung aufkommt. Da spielen die meisten der Erzählungen im Hochsommer.

Ausserdem ist die Rahmenhandlung von Bayer ebenfalls ziemlich lasch und hätte man eigentlich auch weglassen können. Das Ende ist vorhersehbar und auch etwas kitschig. Das Büchlein lebt definitv von der gelungenen Mischung der einzelnen Beiträge.

Empfehlen kann ich übrigens die Geschichte von Cat, einer seefahrenden Katze. Und natürlich auch Haruki Murakamis wundersam-schöne Geschichte von Herrn Nakata.
Weniger gefielen mir die Erzählungen der amerikanischen Autoren, diese ähnelten sich diesbezüglich ziemlich starkt, dass die Geschichten immer damit begonnen, dass die Katze erstmal verjagt oder sich über das Tier beklagt wird. 

Fazit: 

Eine Sammlung für Katzenfreunde, die sich das Warten auf Weihnachten mit einer täglichen Dosis "Katze" verschönern wollen. Länger als 20 Seiten sind die Geschichten nicht, so kann man sie auch gut seinem Stubentiger vorlesen.

Herausgegeben von Jone Heer
Adventskätzchen
Die schönsten Geschichten zum Fest
HC, 2011
PIPER

978-3-492-27269-8 

19.12.2011 um 11:23 Uhr

[Abgebrochen] Marmorera

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Dominik Bernet - Marmorera

Wenn ich für zwei Seiten zwei Tage brauche, ist das kein guter Start. Wenn ich nach fünfzig Seiten das Buch genervt zuschlage und zur Seite schiebe, dann ist das kein gutes Zeichen. Auch wenn das Buch nur knappe 250 Seiten aufweist, ist mir meine Zeit dafür doch zu schade.

Ich kann mit Schweizern nicht, ich mag ihren Schreibstil nicht. Mochte ich nie. "Marmorera" hätte ich nicht angerührt, hätte meine Mutter nicht den Wunsch geäussert, dass ich es lese. Also gab ich mir Mühe. Doch schon die erste Seite war so deprimierend, dass ich lieber nichtstuend in der Kälte stand.

Zur Analyse.

Der Schreibstil: Total aufgeblasen und wichtigtuerisch. Der Autor erinnert mich an einen kleinen Jungen, der zeigen will, wie toll er ist und allen beweisen will, was er schon alles kann. Doch hinter dem Ganzen steckt nicht mehr als heisse Luft.

Die Figuren: Oberflächlich und unsympathisch. Sie verhalten sich so, wie der Autor schreibt. Sie nehmen sich zu wichtig und bestätigen viele Vorurteile Züchern gegenüber. Bernet machte sich nicht die Mühe, die Personen mit einem Charakter auszustatten, sie sind lediglich Figuren, die sich für wichtiger halten, als sie sind. Sie sind kalt, gefühl- und konturlos.

Die Geschichte: Ein Mädchen, das hingeht und wahllos Leute umbringt. Zumindest scheint dies nach fünfzig Seiten die Zusammenfassung zu sein. Wäre das Buch spannend, wäre es bestimmt eine Geschichte gewesen, die mich interessiert hätte. Leider ist es nicht spannend. Als das Mädchen irgendwann in einem Topf voller Fisch stand, fragte ich mich, weshalb ich das wissen muss und ob mich das tatsächlich interessiert.

Nein, tut es nicht.

Obwohl die Geschichte in meiner Heimat spielt und mit dem Hintergrund des gefluteten Dorfes Marmorera eine wahrlich interessante Geschichte hätte hergeben können, hat der Dominik Bernet alles in den Sand gesetzt. Buchflop.

12.12.2011 um 14:04 Uhr

[Rezension] Grosser Glaux!

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Der junge Soren ist noch nicht einmal flügge, als er aus dem Nest fällt. Doch bevor seine Eltern ihn retten können, wird Soren entführt! Man bringt die junge Schleiereule in ein Internat für Waisen, dafür ist er doch gar keine Waise...
Im Sankt-Ägolius-Internat lernt Soren Gylfie kennen und gemeinsam entdecken sie, welche dunklen Machenschaften hinter Sankt-Ägolius stecken. Die Beiden wissen: Sie müssen schnellstmöglich fliehen. Doch wie, wenn man von Feinden umgeben ist und noch nicht einmal fliegen kann?

Meine Meinung:

"Die Entführung" ist der erste Band der "Legende der Wächter"-Reihe von Kathryn Lasky. Das Buch ist ein gelungener Auftakt und macht Lust, die Folgebände zu lesen.

Die Welt, in die Lasky uns versetzt, ist eine Welt, die von Menschen noch unberührt ist. Soren wächst behütet auf, hat eine Schwester, die ihn anhimmelt und Eltern, die ihn lieben. Nur sein grosser Bruder ist eine Nervensäge. Doch Sorens Leben ändert sich dramatisch, als er plötzlich aus dem Nest fällt und nach Sankt-Ägolius gebracht wird.

Bis zu dem Moment, in welchem sich Soren in Sankt-Ägolius wiederfindet, hielt ich "Die Entführung" für ein einfaches, seichtes Jugendbuch. Tatsächlich lässt sich die Geschichte leicht durchlesen, das Buch ist ein wahrer Page-Turner.

Doch Lasky überraschte mich mit Sankt-Ägolius. Denn was dort vor sich geht ist wirklich schauderhaft, auch mir als erwachsenem Leser lief es einige Mal kalt den Rücken hinunter. Die Welt, in der die kleine Gylfie und Soren ums Überleben kämpfen, erinnert sehr stark an KZs oder den Kommunismus: Aufgabe der eigenen Identität, man soll in der Masse untergehen, tatsächlich erhalten die Vögel keine Namen, sondern Nummern. Man marschiert, rezitiert immer dieselben Floskeln und arbeitet unermüdlich.
Ob jüngere Leser das Setting ebenfalls als so bedrückend empfinden, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht braucht es dafür den Blick eines erwachsenen Lesers. Ich konnte jedoch oft nur staunen, wie die beiden Jungvögel sich gegen diese Machenschaften im Internat wehren können.

Überhaupt muss man die Autorin für ihre gefiederten Charaktere loben. Nicht nur kann man nicht andrers als Soren und vor allem die vorlaute Gylfie einfach gern haben, auch erlebt man während des Lesens, wie sich die Figuren weiterentwickeln. Sie lernen dazu, sie wachsen über sich hinaus und ihnen gelingt die Flucht. Somit ein grosses Lob an die Charakterentwicklung!

Leider fehlte mir ab und zu der Zusammenhang zwischen den einzelnen Abschnitten. Von einem Satz zum nächsten vergehen einfach so Tage oder Entschlüsse werden gefasst, von denen der Leser erst später erfährt. Auf diese Weise entsehen Löcher und der Lesefluss wird gestört, da man erst einmal stutzt und sich fragt, ob man etwas überlesen hat.

Auch fehlte mir an manchen Stellen die Ausarbeitung der Gefühle. Soren wird entführt, doch er beobachtet das Ganze überaus distanziert. Hat er keine Angst? Denkt er nicht an seine Eltern? Ruft er nicht um Hilfe? Daran hätte Lasky, obwohl sie den Spannungsaufbau ansonsten gekonnt vorantreibt, noch etwas arbeiten können.

Ebenfalls sollte man erwähnen, dass die Geschichte an manchen Stellen etwas blutig wird und Charaktere auch ihr Leben lassen müssen. Oft muss man sich schon viel zu früh wieder von faszinierenden Eulen verabschieden. 

Fazit: 

Ein spannendes Buch mit einer rasch voranschreitenden Geschichte, von der man nicht genug kriegen kann.
Für Fans von "Warrior Cats" und Eulen. Denn in "Die Legende der Wächter" erfährt man einiges über Eulen, aber vielleicht sollte man ein Nachschlagewerk neben sich liegen haben, um sich die unterschiedlichen Rassen besser vorstellen zu können.

Ich war hin und weg und total in Sorens Abenteuer versunken. Hoffentlich kann ich bald den nächsten Teil lesen und erfahren, wie es mit meinen Lieblingen weitergeht. Gylfie finde ich übrigens herzallerliebst! 

Kathryn Lasky
Die Legende der Wächter
Die Entführung
HC, 2010
Ravensburger

978-473-36807-5

Aus dem Amerikanischen von Katharina Orgass
Originalausgabe: Guardians of Ga'Hoole. The Capture
Scholastic Inc., New York 2003 

10.12.2011 um 22:48 Uhr

[Rezension] Es begann auf einer Parkbank

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Germain will Margueritte adoptieren. Seine eigene Grossmutter aus dem Park. Dort hatten sich die zwei ungleichen Menschen kennengelernt. Der muskulöse Schrank von einem Mann und die kleine, zierliche Margueritte.
Langsam entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den Beiden und mehr und mehr fasziniert sich der zuvor ungebildete Germain für die Welt der Bücher. Dies wirkt sich mehr und mehr auf sein Leben aus...

Meine Meinung:

Auf dem Rücken von "Das Labyrinth der Wörter" von Marie-Sabine Roger steht "Ein zauberhaftes Buch". Dies, das Cover, die Beschreibung und viele positive Rezensionen haben mich auf das Buch aufmerksam werden lassen und ich wollte es sehr gerne lesen.

Leider blieb der oben versprochene Zauber aus. Das Buch war keine Enttäuschung in dem Sinne, jedoch hält es nicht, was es verspricht. Es ist eine nette und süsse Geschichte, die einen auch mal zum Lachen bringen kann. Aber der Zauber fehlt in der Geschichte, er kam auch nicht hinterher, wie das bei Büchern manchmal der Fall ist. Nachdem ich die Geschichte ausgelesen hatte, klappte ich es zu und damit war auch die Geschichte zu Ende.

Die Idee, einen hünenhaften Sozialempfänger mit einer älteren Dame Freundschaft schliessen zu lassen, ist wirklich schön und das Buch hat Szenen, die wirklich hübsch sind. Die Protagonisten sind sympatisch und man fühlt sich als Leser im Setting wohl.

Dennoch blieben mir alle Charaktere zu flach. Auch Germain, der aus der Ich-Perspektive die Geschichte von ihm und Margueritte erzählt und dabei eine einigermassen authentische Sprache benutzt, blieb kontur- und farblos. Die Figuren erlebten Gutes und Schlechtes, dabei blieben sie mir, bis auf eine Ausnahme am Schluss, völlig gleichgültig. 

Es ist hübsch, zu sehen, wie Germain von Margueritte profitiert und Margueritte wiederum von Germain. Dass also jeder eine Wirkung auf den Anderen hat. Doch da die Personen, wie schon erwähnt, zu wenig ausgearbeitet sind, zog auch dies mehr oder weniger an mir vorüber. Das ist wahnsinnig schade, da mir die Idee des Buches eigentlich sehr gut gefallen hätte.

Zugesagt haben mir jedoch die Szenen, in denen die Zwei sich über Bücher unterhielten. Dank Margueritte verspüre ich zum ersten Mal Lust, Camus zu lesen. Es ist interessant, wie Roger Zitate aus Büchern in die Geschichte einbaut. In "Das Labyrinth der Wörter" bekommt man den einen oder anderen Lesetipp mitgegeben, was bestimmt für das Buch spricht.

Fazit: 

Ein nettes Buch für Zwischendurch, das jedoch zu flach bleibt, um wirklich "zauberhaft" zu sein.

"Das Labyrinth der Wörter" ist sicherlich ein Buch für jene, die gerne lesen. Aber es ist kein Must zum Thema, man muss es also nicht wirklich gelesen haben.

Ich für meinen Teil werde keine weiteren Bücher der Autorin lesen, da sie mich zu wenig gepackt hat. 

Marie-Sabine Roger
Das Labyrinth der Wörter
HC mit Schutzumschlag, 2. Auflage 2010
Hoffmann und Campe

978-3-455-40254-4 

Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer
Originalausgabe: La tête en friche
Éditions du Rouergue, 2008

06.12.2011 um 16:07 Uhr

[Rezension] Frühlingserwach(s)en

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Cassie ist tot. Sie starb einsam und allein im Zimmer eines Motels.
33 Anrufe waren es. 33 Versuche, ihre ehemalige Freundin Lia zu erreichen. Aber Lia ist nicht ans Telefon gegangen.

Jetzt, nach Cassies Tod, kämpft Lia mit sich und der Welt. Sie führt einen aussichtslosen Kampf gegen Kalorien und Nährwerte. Lia kämpft darum, das dünnste Mädchen ihrer Schule zu werden...

Meine Meinung:

Selten habe ich so ein eindrückliches Jugendbuch wie Andersons "Wintermädchen" gelesen. Doch gerade wegen seiner Eindrücklichkeit ist dieses Buch nicht für jeden geeignet.

Es fällt mir nicht leicht, meine Meinung zu "Wintermädchen" wiederzugeben, da ich noch immer zu stark in der Geschichte gefangen bin.
Mia erzählt ihre Erlebnisse aus ihrer Sicht, sie kam mir sehr nahe und oft hat mir das Buch den Atem geraubt. Wir erfahren nicht nur, wie Mia mit den Geschehnissen umgeht, sondern in Rückblicken erzählt sie auch von der tiefen Freundschaft zu Cassie, wie die beiden Mädchen in die Magersucht rutschten und wie sie sich schworen, die dünnsten Mädchen der Schule zu werden. Nur um die genaueren Umstände, weshalb die Freundschaft in die Brüche ging, erfahren wir wenig. 

Zuerst muss man sich jedoch an den besonderen Schreibstil von Anderson gewöhnen, es dauert ein wenig, bis man sich darin zurechtgefunden hat. Die Autorin bedient sich einer Sprache, die wie keine andere darstellt, was in der magersüchtigen Lia vor sich geht. Die Wörter treffen den Leser in seinem Innersten, es ist, als würde man selber Lia sein, derartig real kommen einem die Beschreibungen vor.
Genau deswegen würde ich das Buch nicht jedem Leser empfehlen. Lias Gratwanderung zwischen Realität und Traum, Leben und Tod ist blumig, aber überaus realistisch dargestellt. Nicht jeder kann dies verkraften.

Während des Lesens dachte ich ab und zu, dass Mia eine sehr passive Hauptfigur ist, doch stimmt das nicht. Sie agiert und reagiert auf ihre eigene Weise. Ausserdem steht in "Wintermädchen" nicht die Spannung oder die Auflösung im Mittelpunkt der Geschichte, sondern die Gefühlswelt eines Mädchen, das aus der Bahn geraten ist und verzweifelt irgendwo Halt sucht.

Ich kann mich nur wiederholen und sagen, bisher hat mich noch kein Jugendbuch derart berührt und fasziniert, abgeschreckt und betroffen gemacht wie "Wintermädchen". 

Fazit: 

Jeder, der ein intensives Buch lesen möchte, sollte zur Andersons Geschichte greifen. Ebenfalls jene, die mehr über das Leben mit Magersucht erfahren möchten. Mit diesem Buch erhält man einen realitätsnahen Einblick in das Gefühlsleben einer Betroffenen. 
Wer jedoch für düstere Szenerien und Gedanken anfällig ist, sollte das Buch besser meiden.

"Wintermädchen" ist bei Weitem kein Wohlfühlbuch, aber unbedingt wert, gelesen zu werden! 

Laurie Halse Anderson
Wintermädchen
HC mit Schutzumschlag, 2010
Ravensburger Buchverlag

Aus dem Amerikanischen von Salah Naoura
Originalausgabe: Wintergirls
Viking, 2009

978-3-473-35321-7 

Dieses Buch ist Teil der Aktion "Tolle et Lege" und wurde vorgeschlagen von Sandsturm (http://www.blogigo.ch/Gedanken_Geschichten) 

04.12.2011 um 16:32 Uhr

[Rezension] Leben unter Verrückten

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Die junge Veronika entschliesst sich dazu, sich das Leben zu nehmen. Doch sie wird gerettet und findet sich in der Heilanstalt Villete wieder, die einen zweischneidigen Ruf geniesst.
Veronika erhält die Botschaft, dass sie aufgrund der Tabletten, die sie geschluckt hat, ein angeschlagenes Herz hat. Sie hat nur noch ein paar Tage zu leben...

Meine Meinung:

An Paulo Coelhos Werk "Veronika beschliesst zu sterben" ging ich mit gemischten Gefühlen heran, da ich nicht wusste, was mich erwartet. Nun muss ich sagen, dass sich die Lektüre definitv gelohnt hat.

Coelho hat ein einfühlsames Buch geschrieben, das hervorragend in die heutige Zeit passt. Es handelt nicht davon, wie schrecklich das Leben ist, eher im Gegenteil. Zwar gibt sich Veronika vor allem anfangs einigen tristen Gedanken hin, aber man sollte sich davon nicht abschrecken lassen und weiterlesen. Denn sobald Veronika in Villete ist, ändert sich der Grundton des Buches:

Denn Veronika ändert in Villete einiges und Villete ändert einiges an Veronika.

Dies ist die wunderschöne Botschaft des Buches: Steh zu deiner Verrücktheit und geniesse das Leben.

Die Personen, die wir im Irrenhaus kennenlernen, sind einzigartig in ihrer Geschichte und ihren Erlebnissen. Doch sie alle erwachen durch die junge Veronika wieder zu neuem Leben und entscheiden sich dazu, ihr Leben endlich wieder selber in die Hand zu nehmen. Diese Irren, Verrückten, Verängstigten sind mir alle sehr ans Herz gewachsen und ich bewundere sie und Veronika dafür, dass sie den Schritt aus der Routine heraus gewagt haben.

Dabei erscheint Veronika nicht wie ein von Gott nach Villete gesandter Engel, sondern bleibt einfach nur eine junge Frau, die ihre letzten Tage auf Erden dazu nutzen möchte, sich endlich nicht mehr nach den Regeln der anderen zu richten. Die Veränderungen, die Veronika damit loslöst, bemerkt sie nicht direkt. Der berühmte Satz vom Flügelschlag eines Schmetterlings denken, der am anderen Ende der Welt einen Wirbelsturm auslöst, passt perfekt hierzu. 

Ich war total fasziniert von der anfangs sehr emotionslosen Veronika und wie sie sich im Verlaufe der Geschichte veränderte. Sie zeigt uns auf, dass auch wir dazu in der Lage sind, mit unserer inneren Verrücktheit in Kontakt zu treten. Coelho fordert uns dazu auf, das Leben zu fühlen, zu geniessen und zu leben. Sich von den starren Regeln des Alltags loszureissen, unser inneres Kind aufzuwecken und mit ihm durch die Strassen zu tollen.

Es ist nichts Schreckliches dabei, aus der Reihe zu tanzen. Ganz im Gegenteil, wir sollten es öfter tun. 

Fazit: 

Ein kluges Buch mit einer klaren Botschaft, die wir uns alle zu Herzen nehmen sollten.
"Veronika beschliesst zu sterben" ist ein Buch, das jeder lesen sollte, der sein Leben selber in die Hand nehmen möchte oder sich im Alltagstrott gefangen fühlt. Überhaupt denke ich, dass die Lektüre des Buches jedem gut tun wird.

Ein aussergewöhnliches und wundervolles Buch! 

 Paulo Coelho
Veronika beschliesst zu sterben
HC mit Schutzumschlag, 2000
Diogenes

Aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann
Originalausgabe: Veronika Decide Morrer
Editora Objetiva, Rio de Janeiro 1998