Jaris Büchergebrabbel

07.12.2014 um 11:27 Uhr

[Rezension] Alex Jahnke & Marcus Rauchfuss - Steampunk: kurz & geek

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Steampunk? Was ist das nun wieder? Gehört hat man den Ausdruck bestimmt schon einmal irgendwo. Aber was genau damit gemeint ist, bleibt oft unerklärt und wenig greifbar. Für all jene, die sich weiter mit dem Thema "Steampunk" beschäftigen möchten, hat der Verlag O'Reilly das Buch "Steampunk - kurz & geek" veröffentlicht.

Meine Meinung:

Steampunk ist ein faszinierendes Thema. Doch was genau verbirgt sich dahinter? Woher kommt dieses Genre und worum genau geht es überhaupt? All diese Fragen erklären Jahnke und Rauchfuss in ihrem Buch "Steampunk - kurz & geek". Dieses Buch ist der perfekte Begleiter für alle, die sich für das Thema interessieren und sich tiefer damit befassen wollen. Es werden nicht nur die Ursprünge des Steampunk erklärt, sondern auch verwandte Genres wie Dieselpunk, Atompunk oder Teslapunk. Natürlich wird auch die Do-it-yourself-Mentalität der Seampunkter beleuchtet, wichtige Homepages vorgestellt und Musik, Filme, Games und Bücher dazu besprochen.

Somit bietet dieses Buch ein solides Grundwerk zum Thema und sei allen ans Herz gelegt, die sich für Steampunk interessieren. Es gibt noch einiges zu lernen! Das Buch liest sich flott und locker, die Autoren (beides Koriphäen im Bereich Steampunk) halten nichts von der trockenen Vermittlung der Materie. Hier schimmert definitiv der Punk durch und es wird gescherzt und auch ein paar Seitenhiebe ausgeteilt. Etwas Werbung für eigene Blogs und Projekte liegt natürlich auch drin, ist aber keineswegs störend. Man merkt sofort, dass hier ein Autorenteam am Werk ist, das weiss, wovon es schreibt.

Als Kritikpunk fielen mir die vielen Rechtschreibfehler auf, teilweise waren ein paar peinliche dabei. Bei einem Verlag wie O'Reilly kann man definitiv erwarten, dass das Lektorat sorgfältiger durchgeführt wird. Ausserdem werden einige Themen für meinen Geschmack etwas zu kurz behandelt. Natürlich heisst das Buch "kurz & geek", aber teilweise hätte es gereicht, wenn man ein paar Sätze mehr geschrieben hätte. Zum Beispiel zum Thema "Idealisierung der Vergangenheit". Ausserdem stimme ich mit dem schlussendlichen Fazit, dass Steampunk auch ohne die Mode existieren sollte, nicht zu 100% überein.

Fazit:

Ein gelungenes und empfehlenswertes Buch zum Thema "Steampunk". Es ist für Leute gedacht, die noch sehr unbedarft sind bezüglich des Themas. Die Erklärungen sind handfest und gelungen, sodass man auch als absoluter Neuling das Gefühl hat, die Welt des Steampunks etwas besser zu verstehen.

Alex Jahnke & Marcus Rauchfuss
Steampunk
kurz & geek
1. Auflage 2012
O'Reilly

978-3-86899-367-7

29.11.2014 um 17:49 Uhr

[Rezension] Antal Szerb - Reise im Mondlicht

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Erzsi und Mihály sind auf Hochzeitsreise, doch dann steigt Mihály mehr oder weniger aus Versehen in den falschen Zug und ihre Wege trennen sich. Während Erzsi nach Paris fährt, begibt Mihály sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit, von der er sich nie ganz lösen konnte...

Meine Meinung:

Wow - das war krass! Nachdem ich "Die Pendragon-Legende" von Antal Szerb so gut fand, freute ich mich auch auf "Reise im Mondlicht". Ich erwartete nicht, dass dieses Buch genauso gut sein würde, wie das erste, aber die knallharte Realität:

Ich hätte "Reise im Mondlicht" beinahe abgebrochen.

Doch ich wollte dieses Jahr kein Buch mehr abbrechen, also habe ich mich durchgequält. Wieso es mir nicht gefallen hat?

Einerseits wusste ich von Anfang an nicht, worauf das Buch hinaus will. Das ist mir auch jezt noch nicht ganz klar, denn schlussendlich steht man wieder dort, wo man angefangen hat. Bloss, dass Mihály wohl keine Frau mehr hat.

Ausserdem waren die Protagonisten so durch den Wind, dass ich beide einfach nicht verstehen konnte. Auf dem Cover des Buches steht ein Zitat von The Guardian: "Dieses Buch ist total verliebt in das Leben." Nun, meiner Meinung nach ist in diesem Buch überhaupt keiner verliebt. Oder einfach alle in die glorreiche Éva, Mihálys Jugendliebe. Obwohl Mihály natürlich nicht in sie verliebt ist, nein. Überhaupt nicht. Im nächsten Satz sagt er aber wieder, dass er es war und nervt sich dann ab Erzsi, weil sie ihn nicht verstehen kann. Echt jetzt? Würde mein Mann mir sowas erzählen, würde ich ihn auch nicht verstehen. Entscheide dich endlich.

Erzsi wiederum mag wohl Männer, die sie nicht für voll nehmen. Ihr erster betrügt sie ständig mit anderen Frauen, nur um dann Mihály einen Brief zu schreiben, wie er Erzsi richtig behandeln soll. Der nächste Mann, den sich Erzsi nimmt, haut ab, um einer gottähnlichen Frau nachzulaufen, von der er 20 Jahre lang nichts wissen wollte. Der guten Erzsi ist das natürlich egal und flirtet in Paris mit Mihálys Freund und meint, sie hätte den Typen ja geheiratet, eben weil er anders ist als die anderen. Deshalb muss sie das so akzeptieren. Nun gut, wenn man bedenkt, wann das Buch geschrieben worden ist, muss eine Frau das wohl einfach so hinnehmen.

Wahrscheinlich ist "Reise im Mondlicht" wohl die Geschichte einer Mid-Life-Crisis. Aber zu der Zeit, als das Buch entstand, gab es diesen Begriff noch nicht. Jedenfalls rennt Mihály also durch Italien und verzettelt sich in Beschreibungen von irgendwelchen architektonischen und künstlerischen Beschreibungen, die überhaupt nichts zur Geschichte beitragen.

In "Die Pendragon-Legende" kamen solche Beschreibungen auch vor. Aber da waren sie wichtig für den Fortgang des Buches und gaben einen guten Einblick in die Umgebung. Hier ödeten sie mich an. Man kann Seiten überspringen und ist dann doch noch immer am selben Ort und nichts hat sich getan.

Fast am schlimmsten fand ich die ständigen Zufälle. Ganz per Zufall trifft ein alter Freund in Venedig auf das frisch angetraute Ehepaar, ganz per Zufall trifft Mihály auf jemanden, der jemanden kennt, der vielleicht auch ein alter Freund sein könnte. Und ja- natürlich, von allen Mönchen in Italien findet Mihaly dann genau den richtigen. Per Zufall natürlich. Und ganz per Zufall trifft er in Rom auf Éva.

Das sind mir einfach zu viele Zufälle, als dass das Ganze noch glaubhaft wirkt. Ja, im Leben geschehen oft lustige Zufälle. Aber hier wird gleich ein ganzer Sack davon ausgeschüttet. Nein, also wirklich. Muss das sein?

Fazit:

Interessant, wie unterschiedlich man die Titel desselben Autors wahrnehmen kann. Jetzt bin ich mal gespannt, was passiert, wenn ich das nächste Buch von Szerb lese. Jetzt hab ich eins, das ich absolut genial finde, und eines, das ich absolut schrecklich finde. Diesen Umstand finde ich eigentlich ganz lustig.

Auch wenn die Zeit, die ich mit dem Mondlicht verbracht habe, ganz und gar nicht lustig war.



Antal Szerb
Reise im Mondlicht
Broschiert, 5. Auflage 2004
dtv

978-3-423-24370-4

Aus dem Ungarischen von Christina Viragh
Originalausgabe: Utas és holdvilág
Révai, Budapest 1937

23.11.2014 um 09:40 Uhr

[Rezension] Stefan Bachmann - The Whatnot

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Niemand darf das Geheimnis von Pikeys Auge erfahren, denn würden die Leute erfahren, was es damit auf sich hat, käme er ins Feengefängnis. Doch dann taucht Bartholomew in Pikeys Leben auf und gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der entführten Hettie. Endlich hat Pikey einen Freund und ein Ziel im Leben gefunden...

Meine Meinung:

"The Whatnot" ist die Fortsetzung zu Bachmanns Erstlingswerk "The Peculiar" und ich bin verblüfft, welche Fortschritte Bachmann gemacht hat. Alles, was im ersten Teil nicht überzeugen konnte, wird hier wieder gut gemacht.

Nur schon der Spannungsaufbau und die Handlung sind besser durchdacht. Während das erste Buch aus zu vielen Beschreibungen und Hängern bestand, wird man nun direkt in die Geschichte hineingeworfen und von ihr gepackt. Dieses Mal wirken auch die Personen real und fest. Man gewinnt sie lieb, vor allem Pikey, und hofft und wünscht mit ihnen. Man schleicht mit Hettie durch dieses seltsame Haus und wundert sich über diese seltsam fremde Feenwelt.

Das Buch tendiert nun mehr Richtung Fantasy, während der Vorgänger noch viel mehr im Bereich des Steampunk angesiedelt war. Aber es ist eine düstere Fantasy, die einschüchtert. Nein, ich würde auf keinen Fall freiwillig diese Feenwelt betreten, die Bachmann hier beschreibt.

Aber bis auf einige unklare Stellen beschreibt er diese Welt sehr gut. Bachmann hat sein vorhandenes Talent ausgebaut und sich, wie bereits erwähnt, stark weiterentwickelt. Nachdem mich "The Peculiar" nur teilweise überzeugen konnte, bin ich froh, dass ich diesem Buch noch eine Chance gegeben habe.

Ein weiterer Pluspunkt: Dieses Mal gab es ein richtiges Ende. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass Bachmann nicht auf den Punkt kommen konnte und einfach keine Lust mehr hatte. Sondern dass sich der Autor wirklich Gedanken über den Aufbau gemacht hat und dies so auch erreicht hat.

Fazit:

Ein Buch, das aufzeigt, wie sehr sich ein Autor verbessern und weiterentwickeln kann. "The Whatnot" ist eine faszinierende Reise in eine dunkle und gefährliche Welt, die aber durch die Liebe eines Bruders zu seiner Schwester erhellt wird. Das klingt jetzt kitschig, aber das ist mir egal. Jedenfalls bin ich gespannt auf das nächste Werk Bachmanns.



Stefan Bachmann
The Whatnot
TB, 2013
Greenwillow Books

978-0-06-219521-0

22.11.2014 um 14:52 Uhr

[Rezension] Jonathan Stroud - Lockwood & Co.: Der Wispernde Schädel

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Eigentlich hätte es eine Routineaufgabe werden sollen: Die drei Mitglieder von Lockwood & Co. erhalten den Auftrag auf einem Friedhof ein geheimnisvolles Artefakt zu bergen. Doch dabei kommen ihnen nicht nur die Konkurrenten der Agentur Fittes in die Quere, sondern auch ein sehr starker Geist. Dieser scheint an den Spiegel gebunden zu sein, den Lockwood & Co. sichergestellt haben. Bringt dieser Spiegel tatsächlich Weisheit oder nur den Tod? Und was weiss der Wispernde Schädel darüber?

Meine Meinung:

Hat mir Band eins von „Lockwood & Co.“ bereits sehr gut gefallen, so hat Stroud sich in Teil zwei noch einmal getoppt! Das Lesen hat im wahrsten Sinne des Wortes „unheimlich“ viel Spass gemacht. Unheimlich geht es in dieser Geschichte tatsächlich zu und her und somit passt dieses Buch perfekt in die dunkle Jahreszeit. Denn man kann sich angenehm gruseln, während man gemütlich auf dem Sofa sitzt und dabei eine Tasse Tee trinkt.

Stroud ist ein Meister des Stimmungsaufbaus und des roten Fadens. Langsam werden Geheimnisse gelüftet, manche aber nur grad so, dass man sich bereits jetzt nach dem nächsten Band sehnt. Der Aufbau ist durchdacht und Handlungen geschickt eingefädelt.

Nein, aufhören zu lesen ist keine Option.

Mir hat Band zwei fast noch besser gefallen als der erste Teil, auch wenn dieser etwas spritziger war. Was nicht heissen soll, dass "Der Wispernde Schädel" nicht ebenfalls mit schnellen Wortgefechten und unterhaltsamen Verlgeichen überzeugen kann. Aber wenn es um den Gruseleffekt geht, dann überragt „Der wispernde Schädel“ Band eins um einiges. Ich habe jede Seite des Buches genossen, habe mitgefiebert und mitgerätselt. Es war ein richtiger Genuss!

Man kann den Schädel lesen, auch ohne den ersten Band der Lockwood-Reihe gelesen zu haben. Die Figuren werden noch einmal vorgestellt und ein paar Dinge aus Teil eins werden ebenfalls erklärt. Dennoch empfehle ich, wie bei jeder Reihe, am Anfang anzufangen. Es ist herrlich, zu erleben, wie sich die Charaktere entwickeln, oder mehr aus ihrer Vergangenheit zu erfahren.

Fazit:

Eine grandiose Fortsetzung der Reihe, die Lust auf mehr macht. Jonathan Stroud ist einer, der schreiben kann, der erzählen kann. Und bitte, er soll damit nicht aufhören! Ob nun Bartimäus oder Lockwood – ich brauche mehr davon!

Jonathan Stroud
Lockwood & Co.
Der Wispernde Schädel
HC mit Schutzumschlag, 1. Auflage 2014
CBJ

978-3-570-15710-7

Aus dem Englischen von Katharina Orgass und Gerald Jung
Originalausgabe: Lockwood & Co. - The Whispering Skull
Doubleday, London 2014

15.11.2014 um 20:42 Uhr

[Rezension] Kristina Ohlsson - Glaskinder

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Obwohl Billie nicht aus der Stadt weg will, möchte ihre Mutter einen Neuanfang machen und sie ziehen in ein seltsames Haus auf dem Land. Doch schon bald merkt Billie, dass mit diesem Haus etwas nicht stimmt. Seltsame Dinge geschehen, auf die sie keine Antwort findet. Kann es sein, dass es in diesem Haus spukt? Gemeinsam mit ihren Freunden Simona und Aladdin macht sich Billie auf die Suche nach Antworten und dabei findetn sie die "Glaskinder"...

Meine Meinung:

"Glaskinder" von Kristina Ohlsson ist ein Thriller für Kinder ab ca. 10 Jahren. Das hielt mich natürlich nicht davon ab, das Buch zu lesen. Bereut habe ich es übrigens auch nicht.

Natürlich muss man bedenken, dass Erwachsene nicht die Zielgruppe dieses Buches sind, bevor man sich ans Lesen macht. Die Sätze sind kurz und knapp und die Handlung schreitet rasch voran. Auch einen Gruseleffekt im Sinne eines Stephen King sollte man nicht erwarten.

Versetzt man sich aber in die Position eines Zehnjährigen, so ist das Buch doch sehr gruselig. Teilweise schauderte es auch mich. Wo kommt dieser Handabdruck her? Und ehrlich - auch ich hätte Angst, wenn jemand mitten in der Nacht an mein Fenster klopfen würde. Das Thema der Glaskinder hat Ohlsson schön in die Geschichte eingewebt, lässt es aber bis zum Schluss spannend, was es nun mit ihnen auf sich hat.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet. Vor allem Billie mochte ich sehr gerne. Ich denke mal, jedes junge Mädchen (Jungen vielleicht ebenso?) kann sich mit ihr identifizieren. Sie hadert teilweise mit sich selber, findet sich nicht mutig genug und genau das spornt sie an, sich noch mehr in die Sache reinzuhängen. Auch Streit mit den Eltern, Unverständnis gegenüber der jeweils anderen Person, Einsamkeit und Verlust wird angesprochen und kindgerecht bearbeitet.

Kristina Ohlsson bedient sich einer wunderbaren Sprache, die uns direkt in Billies Situation versetzt. Es ist keine Sprache, die ein Kind überfordern würde, sondern sie fordert an der richtigen Stelle. Dies überraschte mich und gilt für mich als Pluspunkt.

Fazit:

Ein toller Krimi/Thriller für junge Leser. Ein packendes Buch und eine gute Mischung aus Abenteuer und Gruselgeschichte. Mal sehen, vielleicht werde ich "Glaskinder" mal an mein Kind weitergeben und es zu Halloween lesen lassen. Das ist nämlich die perfekte Jahreszeit für diese Geschichte!



Kristina Ohlsson
Glaskinder
HC, 1. Auflage 2014
CBT

978-3-570-16280-4

Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
Originalausgabe: Glasbarnet
Lilla Piratförlaget, Stockholm 2013

15.11.2014 um 17:31 Uhr

[Rezension] Cees Nooteboom - Rituale

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Inni Wintrop gehört zu jenen, die sich treiben lassen. Als seine geliebte Zita ihn verlässt, verliert er jeglichen Halt. Erst als Inni den alten Taads kennen lernt, nimmt sein Leben wieder Form an. Der Kreis schliesst sich, als Inni Jahre später auf Taads' Sohn trifft, der so anders und doch ganz gleich ist wie der Vater.

Meine Meinung:

Rituale von Cees Nooteboom ist eines jener Bücher, von denen ich nicht so einfach sagen kann, was ich davon halte. Oder gar, worum es wirklich geht. Oder ob ich es gut oder schlecht fand. Es ist eines jener Bücher, das sich einem entzieht und immer, wenn ich danach greifen will, bückt es sich unter meiner Hand weg.

Was ich dazu sagen kann, ist, dass mir Nootebooms Sprache sehr gut gefällt. Es ist eine poetische Sprache, die Unpoetisches ausdrücken kann, ohne dass es fehl am Platze wirkt. Ich weiss zwar nicht genau, was ich von Nooteboom erwartet habe, aber jedenfalls nicht, dass ich seinen Schreibstil als schön empfinde.

Die Geschichte selber ist sehr eigenwillig. Genauso wie Inni, die Hauptfigur von „Rituale“. Anfangs konnte ich die Geschehnisse schlecht zuordnen, da man einfach mitten in die Handlung hineingeworfen wird. Dieser Erzählstrang ist dann aber auch gleich darauf beendet und Ini lernt den ersten Taads kennen.

Man muss sich in diesem Buch erst ein wenig zurecht finden. Nach dieser Szene konnte ich mich einigermassen in der Geschichte einleben und den Erzählstil akzeptieren wie er ist. Taads ist eine Klasse für sich, genauso wie sein Sohn, den wir später ebenfalls antreffen. Der Apfel fällt nicht weit vom Baum.

Der Titel passt sehr gut zur Geschichte. Jede der Figuren hat ihre eigenen Rituale, die für uns Aussenstehende teilweise nicht nachvollziehbar sind. Selbst Inni, der entwurzelt wirkt, hat seine persönlichen Rituale, denen er folgt oder folgen muss. Ob er dies bewusst tut, das kann ich nicht sagen.

Nooteboom wirft viele Fragen auf, greift nach heiklen Themen und serviert sie uns wie eine heisse Suppe. Glasklar und ohne Umschweife. Der kurze Rückentext verspricht Erotik, doch ich persönlich empfinde dies als irreführend. Sie ist ein Teil der Geschichte, aber es ist kein dominanter Part. Der körperliche Teil ergänzt das Buch in etwa so, wie es unser Leben ergänzt.

Ich persönlich empfand die tiefgründigen Diskussionen als tragender als die Erotik. Die Figuren für sich wirken stärker als ihre Interaktionen. Man redet über Gott, Leben, Sterben, was richtig und was falsch ist. Wollte Nooteboom so seine Gedanken sortieren? Ihnen Form geben? Fühlt er sich vielleicht selbst ein wenig wie Inni, der sich eher treiben lässt, als selber zu handeln?

Obwohl die Sprache, wie eingangs erwähnt, sehr poetisch ist, fühlte ich mich davon doch rasch ermüdet. Dies kann jedoch auch am Inhalt liegen, der tatsächlich schwer verdaulich ist.

Fazit:

Ein Buch, das seltsam anders ist. Speziell. Das nicht so recht zu den anderen Büchern in meinem Regal passen will. Ein Buch, zu dem ich wohl nicht gegriffen hätte. Es hat meinen Lesehorizont um einen faszinierenden Aspekt erweitert, auch wenn ich nicht ganz sicher bin, was ich mit diesem Aspekt nun anfangen soll.

Cees Nooteboom
Rituale
Broschiert, 1. Auflage 1998
Suhrkamp

978-3-518-39362-8

Aus dem Niederländischen von Hans Herrfurth
Originalausgabe: Rituelen
De Arbeiderspers, Amsterdam 1980

09.11.2014 um 10:46 Uhr

[Rezension] Mechtild Borrmann - Die andere Hälfte der Hoffnung

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Walentyna lebt in der verbotenen Zone Tschernobyls, dort, wo auch jetzt noch alles verseucht ist. Sie wartet auf die Rückkehr ihrer Tochter, die nach Deutschland gegangen und dort verschwunden ist. Dabei beginnt sie, ihre eigene Geschichte aufzuschreiben. Das Leben in der Ukraine, das Reaktorunglück, die Jahre danach...

Unterdessen versteckt Lessmann auf seinem Hof ein fremdes Mädchen, das auf der Suche nach ihrer Freundin ist. Auch Leonid ist auf der Suche nach einem Mädchen und riskiert dabei so einiges.

Meine Meinung:

"Die andere Hälfte der Hoffnung" ist das dritte Buch, das ich von Mechtild Borrmann lese und ebenso wie die Vorgänger bin ich auch von dieser Geschichte restlos begeistert. Borrmann hat ein feines Gespür für Figuren und ihre Erlebnisse, Borrmann kann erzählen, sodass man alles andere vergisst und man vollkommen in die Geschehnisse des Buches eintauchen kann.

Seit ich als Kind für die Schule das Buch "Die Wolke" gelesen habe, hat mich das Thema Tschernobyl und Atomkraft nicht mehr losgelassen. Deshalb war ich umso gespannter, wie Borrmann damit umgehen wird. Denn auch nach der Katarstrophe in Fukushima wird noch immer auf AKWs gesetzt, die Gefahren, die davon ausgehen, zu sehr ausgeblendet.

Genau dafür braucht es Bücher wie "Die andere Hälfte der Hoffnung", die uns wieder vor Augen führen, womit wir es eigentlich zu tun haben. Die Autorin schafft es, Bilder in uns entstehen zu lassen, die uns nicht mehr loslassen. Die uns erschaudern lassen. Die uns fragen lassen, ob das wirklich hätte sein müssen.

Gekonnt webt Borrmann noch eine andere harte Problematik mit ein: Menschenhandel, Prostitution. Dinge, die vor unseren Augen geschehen und die dennoch keiner sieht.

Dennoch wirkt das Buch nicht überladen. Ein Wohlfühlbuch ist es nicht, nein, das muss es aber auch nicht sein. Die drei Stränge von Walentyna, Lessmann und Leonid verbinden sich zu einem grossen Bild und ergänzen sich wunderbar. Es kommt nicht zu Widersprüchlichkeiten und schlussendlich erfahren wir alles, das es zu erfahren gibt.

Fazit:

"Die andere Hälfte der Hoffnung" ist ein starkes, aussagekräftiges Buch, das einen so schnell nicht mehr loslässt. Flüssig und eindrücklich geschrieben zeigt es, dass Mechtild Borrmann eine talentierte Autorin ist, die ihr Handwerk versteht.

Dieses Buch ging mehr sehr nahe. So nahe, wie schon lange keines mehr. Obwohl es nicht zu dick ist und klar und einfach geschrieben, konnte ich immer nur ein paar Seiten pro Tag lesen. Mehr ging nicht. Die Figuren sind so real dargestellt, dass man ihnen so nahe ist, dass man ihr Leid förmlich spüren kann.

Trotzdem schafft es Borrmann, nicht ins Theatralische oder Dramatische abzudriften. Ganz grosse Klasse!



Mechtild Borrmann
Die andere Hälfte der Hoffnung
HC mit Schutzumschlag, 2014
Droemer

978-3-426-28100-0

02.11.2014 um 10:44 Uhr

[Rezension] Jörg Nagler - Abraham Lincoln

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Um kaum einen anderen Präsidenten Amerikas wird so ein grosser Mythos gesponnen wie um Abraham Lincoln. Er tötet Vampire und Zombies, inspiriert Kinder und Erwachsene und sein Kopf ziert den 5-Dollar-Schein.
Doch lassen wir mal Zombies und Vampire weg - wer war Abraham Lincoln eigentlich? Was hat er erreicht? Wie zeigt sich sein Wirken? Naglers Biographie führt uns Lincolns Lebensweg vom Anfang bis zu Ende, mit all seinen Höhen und Tiefen, vor Augen.

Meine Meinung:

Nachdem ich "Abraham Lincoln - Vampirjäger" gelesen hatte, wurde mein Interesse geweckt. Wie viel von diesem Buch war wahr? Wer war Abraham Lincoln wirklich? Ich wollte mehr erfahren über diesen faszinierenden Menschen. Das Buch "Abraham Lincoln - Amerikas grosser Präsident" von Jörg Nagler wurde durchwegs positiv bewertet, weshalb ich mich seit Jahren mal wieder auf eine Biographie stürtzte.

Hiermit schliesse ich mich den positiven Meinungen an. Dieses Buch lässt keine Fragen offen und wir begleiten Lincoln durch sein gesamtes Leben. Nagler greift auch immer wieder Thesen und Myhten auf und erklärt diese. Der Autor möchte Lincoln keineswegs auf einen Stockel stellen, sondern beleuchtet ihn als Mann und Menschen. Fehler werden nicht unter den Teppich gekehrt, aber auch nicht mit dem Zeigefinger darauf gezeigt.

Unterdessen stelle ich auch im Alltag immer wieder fest, wie viel ich nicht nur über Lincoln, sondern auch über Amerika gelernt habe. Es ist ein sehr umfassendes Werk, dennoch habe ich wohl weniger vergessen, als ich anfangs angenommen hatte. Noch immer habe ich das Gefühl, ein wirklich rundes Bild von "Honest Abe" vermittelt bekommen zu haben.

Es ist jedoch von Vorteil, wenn man bereits ein wenig über das Wahlsystem Amerikas Bescheid weiss. Die Wahlen waren mir teilweise etwas unklar, denn das System wird von Nagler nicht erklärt. Auch hätte ich gerne mehr Originaltexte von Lincoln gelesen und nicht nur kurze Auszüge davon. Die Biographie ist stark handlungsorientiert, dabei geht mir persönlich aber etwas vom Seelenleben des 16. Präsidenten verloren. Wobei ich natürlich auch verstehe, dass es schwierig ist, dieses nach so langer Zeit zu rekonstruieren.

Das Buch ist klar geschrieben, aber man sollte schon ein geübter Leser sein, um damit klarzukommen. Nagler verwendet viele Fremdwörter und auch seine Satzkonstruktionen sind nicht immer simpel. Natürlich ist diese Biographie auch stark politisch orientiert und man muss wirklich konzentriert sein, um sich all die Namen und Begebenheiten merken zu können. Mehr als zehn oder zwanzig Seiten pro Tag habe ich nicht geschafft.

Fazit:

Trotz des anfangs etwas gewöhnungsbedürftigen Schreibstiles möchte ich diese Biographie jedem ans Herz legen, der sich für Abraham Lincoln interessiert. Keine andere Biographie hat mir bisher so viel vermittelt, wie diese. Man merkt, dass Nagler weiss, worüber er schreibt, und es ihm wichtig ist.

Dass sehr viel Arbeit hinter diesem Buch steckt, zeigt auch das abschliessende Register. Es ist sehr umfangreich und bietet haufenweise weiterführende Literatur bzw. Quellen an.



Jörg Nagler
Abraham Lincoln
Amerikas grosser Präsident
TB, 2. Auflage 2013
C.H. Beck

978-3-406-62215-1

15.10.2014 um 16:09 Uhr

[Rezension] Andrea Camilleri - Das Netz der grossen Fische

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Eine junge Frau, Tochter eines hohen Politikers, wird ermordet. Der einzige Verdächtige ist ihr Verlobter. Caruso, Programmdirektor beim Fernsehsender RAI, hält diese Meldung zurück. Nach und nach zeigt sich das wahre Gesicht dieses Falles...

Meine Meinung:

"Das Netz der grossen Fische" war mein erster Camilleri und wahrscheinlich werde ich so schnell keinen mehr lesen. Der Stil ist überhaupt nicht meiner, die Geschichte erschliesst sich mir ganz und gar nicht.

Schon auf den ersten Seiten fällt auf, dass das Buch hauptsächlich in der direkten Rede spielt. Schon bald verlor ich den Faden, wer nun was gesagt hat. Dazu kommt, dass gleich zu Beginn viele, eher unbekannt klingende Namen in die Runde geworfen wurden. So verlor ich noch mehr den Überblick, wer nun was zu wem gesagt hat und wer wann was getan hat oder wer mit wem eine Affaire hat. Da hat mir auch das Personenverzeichnis nichts gebracht.

Aufgrund der ständigen direkten Rede bleibt man als Leser aussen vor gelassen. Keine Figur nahm in meinem Kopf Form an, ihre Schicksale blieben mir gleichgültig. Was interessiert es mich, ob die Lady nebenher noch einen weiteren Mann in ihr Bett lässt? Was geht mich die Freundin der Toten an? Was interessiert es mich, ob jetzt schon wieder jemand anruft?

Die Hintergrundinformationen darüber, wer das eigentliche Sagen in der Welt der Medien und Politik hat, ist zwar interessant, aber unbeholfen umgesetzt. Ich hatte sowieso keinen Überblick mehr, welche Figur wohin gehört, dass ich mich auch nicht weiter mit den Beziehungsgeflechten beschäftigen wollte. Wer da jetzt wem geholfen hat - nun gut, Vitamin B ist auch hierzulande ein Türöffner. Dass bei den Medien nicht alles so zu und her geht, wie es sollte, das weiss man. Dazu gibt es andere Titel, die das Thema besser aufgreifen.

Dass Camilleri schlussendlich zugibt, vom ganzen Betrieb keine Ahnung zu haben und auch keinerlei Recherche betrieben hat (so klang es in meinen Ohren), machte es für mich auch nicht besser. Sondern klang eher so, als hätte sich der Autor gelangweilt und mal schnell was niedergeschrieben.

Fazit:

Dieses Buch ist wohl eher etwas für eingefleischte Camilleri-Fans, die sich auch nicht daran stören, dass Montalbano hier nur in einem Nebensatz erwähnt wird.

Nein, Camilleri und ich werden wohl definitiv keine Freunde.



Andrea Camilleri
Das Netz der grossen Fische
TB, 1. Auflage 2012
Bastei Lübbe

978-3-404-16749-4

Aus dem Italienischen von Moshe Kahn
Originalausgabe: La Rizzagliata
Sellerio editore, Palermo 2009

14.10.2014 um 13:16 Uhr

[Rezension] Amelie Fried - Traumfrau mit Nebenwirkungen

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Cora, gerade erst 30 geworden, ist erfolgreich in ihrem Beruf als PR-Spezialistin, selbstbewusst und kommt bei den Männern wirklich gut an. Dass diese sie jedoch immer wieder verlassen und Cora regelmässig auf die Falschen hereinfällt, ist erst einmal nebensächlich.
Erst als Coras schwangere Freundin Uli bei ihr einzieht und ein Künstler Cora damit beauftragt, Geld für ein Kinderheim zu sammeln, ändert sich einiges...

Meine Meinung:

Ab und zu muss auch ich typische Frauenromane lesen. Es passiert selten, aber trotzdem tut es ab und an gut, sich mit den typischen Problemen einer Frau auseinanderzusetzen. Die da wären: 30 werden, Männer, die beste Freundin, Männer, der Sinn des Lebens, DER Mann.

Cora war mir von Anfang an sympathisch. Sie geht mit dem Kopf durch die Wand, auch wenn dabei das ganze Haus einstürzt. Sie sagt, was sie denkt, auch wenn sie damit allen vor den Kopf stösst. Sie lebt ihr Leben so, wie sie es will. Eine richtige Powerfrau. Somit ist Cora auch das genaue Gegenteil von mir und oft konnte ich ihre Handlungen nicht verstehen. Aber genau das machte sie für mich nur noch faszinierender.

Zum Glück gibt es Leute in Coras Umgebung, die sie immer wieder auf den Boden holen. Jede dieser Figuren ist liebevoll ausgearbeitet und trägt ihren Teil zur Geschichte bei. Nur bei den Männern findet man ein paar, die übertrieben mies dargestellt sind. Aber auch das braucht frau mal.

Die Lektüre des Buches macht Spass und ist kurzweilig. Es ist kein typischer Komödienroman, aber dennoch mit Witz und Pfeffer geschrieben. Viel Pfeffer steuert nur schon allein Hauptfigur Cora bei. Auf diese Art und Weise wird einem das Lesen kurzweilig und man blättert sich so durch. "Traumfrau mit Nebenwirkungen" ist das perfekte Buch nach einem harten Tag, den man in die Tonne werfen könnte. Man leidet mit Cora mit, weiss aber, dass zumindest bei ihr der rettende Telefonanruf nie weit entfernt ist und dass schon alles irgendwie richtig kommt.

Das tut es dann natürlich auch. Leider verliert das letzte Drittel der Geschichte am erwähnten Pfeffer und nimmt deutlich an Kitsch zu. Die Beziehung zwischen Cora und Ivan geht, nachdem sie erst nur nebensächlich war, ziemlich schnell. Etwas zu schnell würde ich sagen. Ausserdem verändert sich Cora, was eigentlich gut ist, da Charakterentwicklung ein wichtiger Punkt in einer Geschichte ist. Aber danach fand ich sie eigentlich nur noch fade. Aus einem Wildfang wurde ein gezähmtes Pony mit Heiligenschein. Das war dann doch etwas zu viel für meinen Geschmack.

Fazit:

Ein Buch, das lange wahnsinnig viel Spass und gute Laune macht. Die Traumfrau hat mir ein paar Arbeitstage versüsst, weil alles irgendwie doch nicht so schlimm sein kann. Schade, dass die Geschichte auf den letzten Seiten merklich schwächelt und viele positive Seiten einbüsst.

"Traumfrau mit Nebenwirkungen" ist definitiv auf ein modernes weibliches Publikum zugeschnitten, das mitten im Leben steht und sich nichts entgehen lassen möchte.



Amelie Fried
Traumfrau mit Nebenwirkungen
TB, 2. Auflage 2014
Heyne

978-3-453-41785-4

12.10.2014 um 10:49 Uhr

[Rezension] Antal Szerb - Die Pendragon-Legende

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

János Bátky aus Budapest ist Philosoph und hat ein Faible für die Mystiker des 17. Jahrhunderts. Als er eines Abends dem Earl of Gwynned vorgestellt wird, verändert sich János ruhiges Leben auf einen Schlag. Der Earl lädt ihn auf sein Schloss ein, um dort in der Bibliothek zu studieren. Da kann der junge Wissenschaftler natürlich nicht nein sagen und zusammen mit Maloney und dem jungen Osborne Pendragon reist er nach Wales. Doch dort geschehen merkwürdige Dinge. Jemand trachtet dem Earl nach dem Leben. Tote stehen wieder auf. Ein Junge wird entführt und was macht der Earl für seltsame Versuche?

Meine Meinung:

Ich habe schon einige Ungarn gelesen, teilweise auch auf Ungarisch, und deshalb ordnete ich Antal Szerb automatisch in derselben Ecke ein. Immer ein wenig traurig, etwas melancholisch und wahnsinnig stolz auf ihr Land, ihre Sprache, ihre Heimat.

Tja, ich habe mich getäuscht.

Denn Szerb ist alles anderes als melancholisch oder heimwehgeplagt. Eher das Gegenteil ist der Fall. Antal Szerb schreibt beschwingt, modern und richtig witzig. Bisher habe ich noch keines seiner Bücher im Original gelesen, aber das sollte ich wirklich mal nachholen. Denn das Buch liest sich weg wie nichts.

Natürlich kommt ab und an etwas Fachjargon vor, aber das stört nicht. Genausowenig János Abdriften in andere Geschichten, die er dem Leser unbedingt mitteilen will. Denn diese eingefügten historischen Teile sind nie langatmig, sondern spannend, und ziehen auch das Buch nicht unnötig in die Länge. Szerb platziert jeden Abschnitt so präzise, dass es einfach passt.

Die Geschichte um die Pendragon-Legende ist teilweise Krimi, teilweise magischer Realismus, teilweise historischer Roman - von allem ist etwas dabei. Man kann als Leser wunderbar miträtseln und einige Dinge waren mir klar, bevor der studierte János überhaupt darauf kam. So hat das Lesen richtig viel Spass gemacht.

János war mir von anfang an sympathisch und ich schloss ihn sofort ins Herz, teilweise konnte ich mich sehr gut mit ihm identifizieren. Auch das Trio um János, Osborne und Maloney war herrlich. Schade, dass dann ein paar Geheimnisse aufgedeckt werden.

Trotz der teilweise düsteren Stellen bleibt die Geschichte heiter bis zum Schluss. Ist jemand schon mal in einer walisischen Ruine herumgeirrt? Schon irgendwie gruselig... vor allem, wenn man an das Familienmotto der Pendragons denkt: "Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches". Ich gebe es gerne zu: Ein wenig gegruselt habe ich mich schon...

Fazit:

Ein Buch genau nach meinem Geschmack. "Die Pendragon-Legende" ist eine gelungene Mischung aus Krimi, Fantastik und historischen Details und das, ohne grosse Töne zu Werfen. Die Figuren sind lebensecht und abwechslungsreich und einige davon hätte ich gerne selbst als Freunde gehabt.

Eine rasante und spannende Geschichte, die Lust auf mehr macht!



Antal Szerb
Die Pendragon-Legende
Broschiert, 4. Auflage 2007
dtv premium

978-3-423-24425-1

Aus dem Ungarischen von Susanna Grossmann-Vendrey
Originalausgabe: A Pendragon Legenda
Révai, Budapest 1934

11.10.2014 um 19:23 Uhr

[Rezension] Lora Leigh - Callans Schicksal

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Achtung: Harte Sprache.

Inhalt:

Schon als Meriuns zum ersten Mal Callans Bild sah, wusste sie, dass sie ihm helfen musste. Callan, an dem genetische Experimente vorgenommen wurden und Löwen-DNA in sich trägt, schwebt in grosser Gefahr. Merinus heftet sich an die Fersen des attraktiven Mannes, doch ihr Zusammenstossen hätte sich die Journalistin nicht anders vorstellen können...

Meine Meinung:

Der erste Band der "Breeds"-Reihe von Lora Leigh lässt mich etwas gespalten zurück. Einerseits gab es ein paar richtig gute (Sex-)Szenen und freche Dialoge, andererseits konnte das Buch nicht wirklich überzeugen. Vor allem am Anfang geht einiges zu schnell und ehe man die Charaktere richtig kennenlernen konnte, liegen sie schon zusammen in der Kiste. Und kommen da auch fast nicht mehr raus.

Sex wird in diesem Buch gross geschrieben. Handlung ist zumindest auf den ersten Seiten eher nebensächlich. Da habe ich vielleicht etwas zu viel erwartet. Schlussendlich wird es dann aber doch noch spannend und der Faden wird tatsächlich rot. Viele Stellen wirkten auf mich jedoch etwas zu gestellt oder unrealistisch. Die Figuren bleiben trotz schlimmen Schicksals eher oberflächlich. Auch fand ich es seltsam, dass in den unpassendsten Momenten immer jemand zur Tür hereinkam und sich niemand daran stört.

Die erotischen Teile des Buches sind jedoch wirklich gelungen. Gut beschrieben und gekonnt aufgebaut. Für mich persönlich war es fast schon etwas zuviel des Guten, ich hätte mehr Geschichte gut geheissen. Für alle, die es einschlägig und direkt mögen, passt das Buch perfekt.

Für mich war auch immer eine Spur zu viel Dramatik mit von der Partie. Gegen Ende hin webt die Autorin noch ein paar schlimme Erinnerungen anderer Figuren mit ein, was auf mich überladen wirkte. Vor allem, da die Geschichte erst zum Schluss wirklich verfolgt wird.

Auch das Hin und Her zwischen Callan und Merinus ging mir zu lange. Ihre Gespräche drehen sich im Kreis und eigentlich geht es ständig um dasselbe. Irgendwann fand ich das nicht mehr spannend oder interessant, sondern nur noch langweilig. Ab einem Punkt dachte ich bloss noch: "Jetzt fickt euch doch endlich!"

Fazit:

Ob ich diese Reihe wirklich weiterverfolgen werde, kann ich aktuell nicht sagen. "Callans Schicksal" war teilweise ganz in Ordnung, aber auf zu langen Strecken geschieht immer wieder dasselbe.
Die Sexszenen, die Pfeiler des Buches, sind definitv gelungen, jedoch nicht geeignet für allzu junge Leser. Aber der Zusatz "Erotischer Roman" weist deutlich genug darauf hin.



Lora Leigh
Callans Schicksal
Breeds
Broschiert, 1. Auflage
LYX

978-3-8025-8656-9

Aus dem Englischen von Anna Martin
Originalausgabe: Tempting the Beast
Ellora's Cave Publishing, Akron 2003

04.10.2014 um 19:35 Uhr

[Rezension] Seth Grahame-Smith - Abraham Lincoln: Vampirjäger

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Abraham Lincoln, 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, ist ein Held. Nicht nur, weil er die Sklaverei abgeschafft, sondern weil er uns alle vor einer grossen Katastrophe bewahrt hat. Er war es, der Amerika von den Vampiren befreite...

Meine Meinung:

Ich gehöre, wenn ich denn das überhaupt zugeben darf, nicht zu den grossen Anhängern der Vampir-Romane. Vielleicht, weil ich als hauptsächlich tagaktiver Mensch keinerlei Interesse an einem Leben in der Dunkelheit habe und mich auch nicht nur von Blut ernähren möchte. Oder in der Sonne glitzern.

Dennoch faszinierte mich der Gedanke an Abe Lincoln als Vampirjäger. Lincoln ist sowieso eine jener grossen Figuren, zu denen man automatisch aufschaut. Amerikaner oder nicht. Und die Idee, wie der Präsident mit seiner Axt Vampire köpft - doch, das könnte mir gefallen.

Und das tat es dann auch. Mehr als ich je erwartet hätte. Dieses Buch war um Längen besser, als ich ursprünglich (vielleicht auch vom Film beeinflusst) erwartet hatte. Der Vampirjäger Abe hat mich so sehr begeistert, dass ich aktuell sogar eine realitätsnähere Biographie von Abraham Lincoln lese.

Die Geschichte beginnt mit der Rahmenhandlung von Grahame-Smith selbst. Wie er sein Leben führte, dann plötzlich ein Paket erhielt, in welchem sich Lincolns geheimes Tagebuch befand. Aufgrund dieses Tagebuches erzählt uns Seth Grahame-Smith dann die wahre Geschichte von Abraham Lincoln.

Wie er sich hocharbeitete, auf Vampire traf und beschloss, diese zu töten. Wie Abe Henry kennenlernte, der sein Mentor wurde. Und was die Vampire damit zu tun hatten, dass Abraham Lincoln der 16. Präsident Amerikas wurde...

Grahame-Smiths Stil ist sehr flüssig und kompakt, das Buch liest sich weg wie nichts. Und trotzdem schafft es der Autor, durch die Sprache das Gefühl der damaligen Zeit auferstehen zu lassen. Er erzählt vom Werdegang seiner Figuren und betrachtet auch Familie und Freunde Lincolns. Es werden Briefe abgedruckt, Auszüge aus Lincolns Tagebuch und sogar Bilder findet man.

So macht das Lesen richtig Spass. Denn alles zusammen ergibt ein stimmiges Bild und regt zum Weiterlesen an. Die Mischung aus Biographie und Fantasy ist damit sehr gut geglückt. Denn dass man viel über Abraham Lincoln erfährt, kann man nicht abstreiten. Grahame-Smith hat sehr gut recherchiert, was ich durch die aktuelle Lektüre von Naglers Lincoln-Biographie nur bestätigen kann.

Besonders gefallen hat mir übrigens Henry Sturges, ein überaus interessanter Vampir. Das muss sogar ich zugeben.

Fazit:

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mir diese Geschichte so sehr gefallen würde. Aber schlussendlich konnte ich mit dem Lesen nicht mehr aufhören. Die Figur des Abraham Lincoln gefiel mir immer besser und besser und durch die persönlichen Tagebucheinträge kommt man ihm sehr nahe.

Ein rasantes und brisantes Buch. Und hey - wer sagt eigentlich, dass es sich hier um "Fantasy" handelt? Vielleicht hat Abraham Lincoln ja tatsächlich gegen Vampire gekämpft?



Seth Grahame-Smith
Abraham Lincoln: Vampirjäger
TB, 2. Auflage 2012
Heyne

978-3-453-52832-1

Aus dem Englischen von Carolin Müller
Originalausgabe: Abraham Lincoln - Vampire Hunter
2010

28.09.2014 um 11:02 Uhr

[Rezension] Gaito Gasdanow - Das Phantom des Alexander Wolf

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Während des Bürgerkrieges hat der damals knapp 16-jährige Ich-Erzähler einen jungen Mann getötet. Dieses Ereignis überschattet das restliche Leben des Erzählers. Als er im Buch eines englischen Autors jedoch auf eine Geschichte stösst, die dem damaligen Ereignis aufs Haar gleicht, nimmt der Held die Spur des Schriftstellers auf. Könnte es sein, dass der junge Mann von damals überlebt hat?

Meine Meinung:

"Das Phantom Alexander Wolf" von Gaito Gasdanow wurde von den Kritikern begeistert aufgenommen, der Autor wird gar als "russischer Camus" bezeichnet. Auch das stimmungsvolle Cover trug dazu bei, dass das Buch meine Aufmerksamkeit errang.

Gasdanows Schreibstil bleibt den klassischen Russen treu, ist aber ein Tick moderner. Wahrscheinlich weil er laut der Übersetzerin, der "französischste Russe" war (im Nachwort). Es ist eine gehobene Sprache, ohne allzu anspruchsvoll zu sein. Deshalb ist Gasdanow meiner Ansicht nach auch einer guter Einstieg in die Welt der russischen Literatur.

Der Beginn der Geschichte um Alexander Wolf gestaltet sich sehr spannend. Der namenlose Erzähler berichtet davon, was geschehen ist, und wie er darunter leidet, einen Menschen getötet zu haben. Dann die Erlösung: Es könnte sein, dass der Mann doch noch lebt und unter dem Namen Alexander Wolf sein Erlebnis niedergeschrieben hat! Doch erste Nachforschungen verlaufen im Sand und somit entsteht das "Phantom Alexander Wolf".

Bis dahin hatte Gasdanow meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Doch nach den spannenden ersten 50 Seiten verlor er immer mehr mein Interesse. Unser Held verliebt sich und die nächsten 70 Seiten beschäftigt er sich eigentlich nur noch mit seiner Freundin. Im Grossen und Ganzen betrachtet ergibt diese Romanze einen schönen Kontrast zur bedrückenden Vergangenheit und der Suche nach Wolf. Doch bei einem Buch, das 170 Seiten hat, war es mir zu viel des Geturtels. Ich las das Buch wegen Alexander Wolf und nicht wegen einer hübschen Frau (obwohl ich es dem Erzähler gönnen mag). Leider kommt durch die Liebe die gesamte Suche nach dem Phantom zum Erliegen und als Leser weiss man eigentlich schon von Anfang an, worauf die Beziehung hinausläuft. Dieser Teil hat mir somit viel Lesegenuss geraubt.

Dann endlich geht der Plot doch noch weiter und die Geschichte wird noch einmal spannend. Das Ende ist gelungen und gut inszeniert. Es passt zu der Geschichte und schliesst sie somit gut ab.
Gasdanow schreibt sehr ruhig, tiefsinnig und philosophiert sehr viel. Der Erzähler denkt über seine eigenen Beweggründe nach, das Leben, den Tod. Natürlich auch die Liebe und was uns antreibt. Die Melancholie ist stets zu spüren, nimmt jedoch nicht Überhand. Das Gefühl der Liebe ist da (s.o.) und auch die Figur des Wosnessenski heitert die Stimmung auf.

Fazit:

Ein ergreifend geschriebenes Werk, wenn auch der Beziehungsteil etwas kürzer gestaltet hätte werden können. Weshalb das Buch teilweise als Krimi beschrieben wird, ist mir nicht ganz klar. Es geht um die Suche nach Wolf, das sehr wohl, dennoch wäre es nichts für einen Leser, der einen Krimi im klassischen Stile lesen möchte.
"Das Phantom des Alexander Wolf" ist ein Buch wie ein Teich. Auf den ersten Blick harmlos, aber es kann einen rasch in die Tiefe ziehen.




Gaito Gasdanow
Das Phantom des Alexander Wolf
HC mit Schutzumschlag
Hanser

978-3-446-23853-4

Aus dem Russischen von Rosemarie Tietze
Originalausgabe: Prizrak Aleksandra Vol'fa
The New Review, New York 1947-1948

27.09.2014 um 11:32 Uhr

[Rezension] Hermann Hesse - Siddhartha

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Siddhartha ist ein fleissiger, gelehrsamer und kluger Junge. Jeder im Dorf weiss, dass Siddhartha etwas Besonderes ist. Als der Junge heranwächst, macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit. Sein Lebensweg führt ihn an unterschiedliche Orte und zu unterschiedlichen Menschen. Siddhartha wird viele Lehrer haben, aber der weiseste unter ihnen ist der Fluss...

Meine Meinung:

Hermann Hesses "Siddhartha" taucht auf den unterschiedlichsten Bücherlisten auf. Immer wieder stoplert man über diesen Titel und so kam es, dass ich irgendwann den Entschluss fasste, "Siddhartha" auch irgendwann mal zu lesen. Irgendwann. So geschah es, dass eine Kollegin mir von diesem Werk vorschwärmte und entsetzt darüber war, dass ich Siddi noch nicht gelesen hatte. Am nächsten Tag wurde mir das Buch in die Hand gedrückt und jetzt kann ich von mir behaupten, zu den vielen zu gehören, die "Siddhartha" gelesen haben.

Anfangs hatte ich etwas Mühe mit Siddi, der mir allzu perfekt schien. Schmunzeln musste ich über seine Aktion, als sein Vater sich weigerte, den Sohn gehen zu lassen. Da erinnerte mich Siddhartha eher an ein 6-jähriges Kind, das droht, so lange die Luft anzuhalten, bis es erstickt. Das soll der grosse Buddha sein?

Doch mit der Zeit wird auch ein Siddhartha erwachsen und reift heran. Er hat seine eigenen Gedanken, seine eigene Sicht auf die Welt und geht seinen eigenen Weg. Ab da fand ich das Buch schon interessanter und ich ertappte mich dabei, während des Lesens innezuhalten und einige Sätze in Gedanken noch einmal zu wiederholen.

Die innere Ruhe Siddharthas gefällt mir sehr gut. Davon hätte ich gerne mehr. Schlussendlich beweist Siddhartha, dass er tatsächlich das gefunden hat, wonach er gesucht hat. Und ich habe mich für ihn gefreut und war froh, ihn auf seinem Weg begleitet haben zu dürfen.

Dennoch war das Buch für mich kein Höhepunkt oder hat mich wahnsinnig fasziniert. Diesbezüglich muss ich jedoch auch zugeben, dass ich kein grosser Anhänger der philosophisch/nachdenklich angehauchten Literatur bin. Coelho war ganz in Ordnung, habe ich aber schnell wieder vergessen, Bambaren war gar nichts für mich und "Siddhartha" war zwar teilweise interessant, mit schönen Sätzen geschmückt, aber auch wiederum nichts, das mir die Augen geöffnet hätte. Da habe ich aus anderen Büchern mehr mitgenommen.

Ich persönlich habe das Gefühl, dass ich das meiste aus dem Buch bald wieder vergessen haben werde. Aber eigentlich wusste ich das auch schon von vornherein, da ich meinen Lesegeschmack unterdessen doch recht gut einschätzen kann. Und "Siddhartha" ist eines jener Bücher, die ich nur gelesen habe, um sie gelesen zu haben. Wahrscheinlich werde ich auch nicht gross darüber diskutieren können, da mir das Buch nicht nahe genug ging. Es war zu viel zwischen mir und Siddhartha. Was wohl daran liegen mag, dass ich mich nicht mit einem Gott identifizieren kann. Auch wenn dieser mal ein Mensch gewesen sein mag. Siddhartha ist so viel weiser und klüger als ich es bin, wie sollte ich denn jemals auf die Idee kommen, mich mit ihn identifizieren zu wollen?

Fazit:

Es tut gut, dieses Buch gelesen zu haben. Einfach, weil ich es jetzt gelesen habe und seinen Inhalt kenne. Dass ich kein Leser von Hesse bin, wusste ich bereits. Aber es war weniger schlimm, als ich erwartet hätte.
So, wie ich mich kenne, werde ich nun eine Zeit lang versuchen, mehr innere Ruhe zu suchen, es dann aber irgendwann, wenn das Buch langsam verblasst, wieder aufgeben.
Meine Seele hat noch einen langen Weg vor sich...



Hermann Hesse
Siddhartha
TB, 63. Auflage 2013
Suhrkamp

978-3-518-36682-0

15.09.2014 um 22:26 Uhr

[Rezension] Cormac McCarthy - Die Strasse

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Ein Vater und sein Sohn schleppen sich durch eine zerstörte Welt. Kälte, Hunger, Angst begleiten sie. Ihr Ziel ist der wärmere Süden. Doch wo will man noch hingehen, wenn es nichts mehr gibt?

Meine Meinung:

Cormac McCarthys Abhandlung über das Ende der Welt ist kurz und eindrücklich. Vielleicht werde ich mich in ein paar Jahren nicht mehr an die eigentliche Handlung der Reise erinnern, aber bestimmt immer an die düsteren Bilder, die das Buch zeichnet.

Was passiert ist, wird nicht gesagt. Denn für Vater und Sohn ist es irrelevant. Es geht nur darum, dass es passiert ist. Der Rest ist Überleben. Traue niemanden, helfe niemanden, sei immer vorsichtig.
Die Erde ist kaputt, Asche fliegt durch die Luft, nichts wächst mehr. Lebensmittel sind rar. Städte geplündert, die Strassen voller Leichen.

Der Autor beschreibt den Weg seiner Protagonisten kurz und knapp, als ob sogar Worte Mangelware wären. Dadurch schafft McCarthy eine Intensität, die sich sofort auf den Leser überträgt. Die Erlebnisse der Figuren sind in kurzen, fast episodenhaften Abschnitten geschildert. Teilweise sind zeitliche Lücken dazwischen, sodass man Leser rasch schalten muss.

Die Angst liest immer mit. Es sind grauenhafte Bilder, Szenen, die da Gestalt annehmen. Traurige Gespräche, aber dennoch gehen Vater und Sohn immer weiter. Schliesslich müssen sie das Feuer bewahren.

Fazit:

Ein sehr eindrückliches Buch, das seine Spuren hinterlässt. Teilweise sehr harter Tobak. Aber es war jede Seite Wert und ich bin froh, dieses berühmte Werk endlich gelesen zu haben.



Cormac McCarthy
Die Strasse
TB, 7. Auflage 2012
Rowohlt

978-3-499-24600-5

Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl
Originalausgabe: The Road
Alfred A. Knopf, New York 2006

14.09.2014 um 22:00 Uhr

[Rezension] Kevin Hearne - Die Chronik des Eisernen Druiden: Die Hetzjagd

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Obwohl Atticus vorgibt, 21 zu sein, ist er doch ein paar Jahrhunderte älter. Ausserdem ist er nicht bloss ein einfacher Ladenbesitzer, sondern ein Druide. Der letzte seiner Art. Doch das ruhige Leben in Arizona, das er sich aufgebaut hat, ist nur Schein: Atticus lebt in ständiger Bedrohung. Denn einst hat er ein mächtiges Schwert geklaut und dessen rechtmässiger Besitzer möchte es zurück. Blöd nur, dass dieser ehemalige Besitzer niemand anderes ist als ein einflussreicher irischer Gott...

Meine Meinung:

Dieses Buch ist ganz grosse Klasse! Ich falle ja selten so mit der Tür ins Haus, aber anders kann ich Kevin Hearnes Reihenauftakt gar nicht beschreiben.

Es gab schon einige Versuche, darüber zu berichten, was die alten Götter im 21. Jahrhundert so anstellen, aber die meisten davon, die ich gelesen habe, waren eher mau. Bei Hearne dagegen geht die Post ab. Schon auf den ersten Seiten wird sich geprügelt, gezaubert und gerannt. Dazwischen gibt es zwar immer wieder ein paar ruhige Szenen, aber im Grossen und Ganzen wird sich viel geprügelt, es wird viel gezaubert und viel gerannt. Ach ja, es wird auch viel getrunken. Alkoholisches, versteht sich.

Das mag unruhig wirken, ist es aber nicht. Der Autor schafft es, die Spannung so hoch zu halten, dass sie beständig surrt und die Handlung vorantreibt. Gewürzt ist das Ganze mit witzigen Dialogen, einem Irischen Wolfshund (meine Lieblingsfigur), vielen Informationen über Irland und irische Götter und einer angenehmen Prise Erotik.

Man muss keinerlei Vorwissen über irische Todesgötter, die Tuatha Dé Dannan oder den Druidenkult haben, alles Notwendige wird erklärt und mehr braucht es eigentlich nicht. Im Anhang ist noch die Aussprache erläutert, jedoch weist der Autor explizit darauf hin, dass sich deswegen keiner einen Kopf machen soll. Ich habe trotzdem immer wieder geblättert und mich in Irischem Gälisch geübt.

Damit es nicht langweilig wird, tauchen neben den Göttern aber auch noch Hexen, Werwölfe, Vampire und was es sonst noch so gibt auf. Arizona ist für das übersinnliche Volk einfach der perfekte Ort. Wieso wird im Buch auch erklärt. Ebenso erfährt man, wieso Atticus der "Eiserne Druide" ist. Fragen werden also gut geklärt und nicht offen gelassen.

Die Geschichte liest sich flux weg, da sie sehr gerade und direkt erzählt ist. Was natürlich zum Tempo des Buches passt. Hier geht es Schlag auf Schlag und eines führt zum nächsten. Schlussendlich findet sich Atticus, und mit ihm auch der Leser, in einer Intrige der besonderen Art...

Was einige Leser vielleicht stören könnte, mir aber kaum aufgefallen ist, sind die in Grossbuchstaben gehaltenen  Götternamen. Beim ersten Mal war ich etwas verwirrt davon, habe mich aber rasch daran gewöhnt.

Fazit:

Ein Buch ganz nach meinem Geschmack. Nur eine Figur konnte mich nicht überzeugen, aber ich hoffe, dass sie sich noch etwas entwickeln wird.

Warnung eins: Es kommen sehr viele Leute mit roten Haaren darin vor.
Warnung zwei: Das wirklich schöne, tolle, gelungene Hardcover wird nicht weitergeführt. Band zwei und weiter werden in Broschur erscheinen und die wirklich nicht schönen, nicht tollen, nicht gelungenen amerikanischen Cover tragen. Wer auch immer sich für diese Entscheidung verantwortlich zeigt, soll sich dafür ganz, ganz fest schämen. So richtig. Nein, mehr. Noch mehr...



Kevin Hearne
Die Chronik des Eisernen Druiden
Die Hetzjagd
HC mit Schutzumschlag, 2013
Klett-Cotta
978-3-608-93931-6

Aus dem Englischen von Alexander Wagner
Originalausgabe: The Iron Druid Chronicles 1: Hounded
Ballantine Books, New York 2011

31.08.2014 um 13:58 Uhr

[Rezension] José Saramago - Handbuch der Malerei und Kalligraphie

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Ein Maler, der mit der Kunst hadert, und sich dem Schreiben zuwendet.

Meine Meinung:

Leider kann ich zum Inhalt von Saramagos "Handbuch der Malerei und Kalligraphie" nicht viel mehr sagen. Es passiert nämlich nicht unbedingt viel. Es beginnt damit, dass der Künstler ein Portrait von S. machen soll. Wir beschäftigen uns eine Weile mit S., bis der Künstler mit dessen Sekretärin in die Kiste springt. Danach sind S. und die Sekretärin vergessen, dafür schreibt der Maler H. nun über seine Reisen nach Italien. Am Schluss wird noch ein Freund des Malers verhaftet, das einzig interessante Thema des Buches. Doch anstatt zu beschreiben, wie es dazu kam, wie es in Portugal damals zu und her ging, besucht H. seinen Freund im Gefängnis, turtelt mit dessen Schwester und dann ist das Buch zu Ende. Die Hintergründe der Verhaftung musste ich auf Wikipedia nachschlagen.

Dies könnte vielleicht auch mit der Zeit zusammenhängen, als das Buch damals erschien. Vielleicht durfte er gar nicht mehr schreiben? Dennoch finde ich es schade um diesen Aspekt, daraus hätte man viel mehr machen können.

Saramago gehört noch immer zu meinen Lieblingsautoren, aber dieses Buch sagte mir leider ganz und gar nicht zu. Ich mag leider keine Bücher über Männer in der Midlife-Crisis und das ist dieses Handbuch. Faselt H. einmal nicht darüber, dass er eingentlich kein Künstler ist und gar nicht malen kann, erzählt er uns ausführlich über irgendwelche architektonischen Highlights in Italien. Mich interessiert weder das Eine noch das Andere.

Oft wollte ich H. gerne sagen, dass wenn er sich nicht für fähig hält, Kunst zu machen, er sich doch einfach einen anderen Job suchen sollte. Das schafft er wohl auch nicht. Dafür ist er in der Lage, im Selbstmitleid zu baden wie kein zweiter. Oder sich selber zu widersprechen. Er hat zwar eine Beziehung mit einer Frau, aber das ist alles oberflächlich und sie bedeuten sich nichts. Aber dann ist er doch eingeschnappt, dass das Mädel Schluss macht. Aber dafür kann H. nun noch mehr im Selbstmitleid wälzen.

Der typische Schreibstil, den ich an Saramago so schätze, kommt hier nicht zum Tragen. Die Sätze sind kurz und knapp und es kommt direkte Rede vor. Anstatt die Personen und ihre Feinheiten zu beobachten wie in all den anderen Büchern, die ich gelesen habe, kommt mir H. vor wie ein Elefant, der mit seiner Krise alles andere flach walzt. Manchmal kam er mir vor wie ein zu alter Teenager. Keiner hat mich lieb...

Fazit:

Für alle, die den Saramago aus "Die Stadt der Blinden" mögen: "Handbuch der Malerei und Kaligraphie" ist etwas ganz Anderes und in keinster Weise zu vergleichen. Jene, die noch keinen Saramago gelesen haben: Der Autor kann es auch besser.

Leser, die Geschichten über die Midlife-Crisis und überschwengliche kunsthistorische und architektonische Beschreibungen mögen, werden Freude an diesem Buch haben.

Ich bin froh, dass es vorbei ist.

José Saramago
Handbuch der Malerei und Kalligraphie
TB, 1990
Rowohlt

978-3-499-22304-4

Aus dem Portugiesischen von Maria Eduarda Alvelos
Originalausgabe: Manual de Pintura e Caligrafia
Moraes Editores, Lissabon 1977

30.08.2014 um 20:54 Uhr

[Rezension] Robin Jarvis - Dancing Jax: Zwischenspiel

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

England ist ganz im Bann der "Dancing Jax". Jeder huldigt dem Ismus. Bis auf ein paar Abtrünnlinge, auf die das Buch keinerlei Wirkung zeigt. Um auch sie gefügig zu machen, lädt der Ismus zwanzig Kinder und Jugendliche auf ein Camping-Wochenende ein. Natürlich verfolgt der Ismus ganz andere Pläne...

Meine Meinung:

Dieses Buch kam, holte weit aus und streckte mich nieder. Anders kann ich es nicht beschreiben.

"Dancing Jax" von Robin Jarvis soll bzw. muss man der Reihe nach lesen. Bitte nicht mit Band zwei anfangen. Klar, es geht. Aber man verliert zu viel. Der ganze durchdachte Aufbau der Geschichte, die steigende Spannung, der Höhepunkt, die Explosion. Man kann nicht einfach in der Mitte anfangen und begreifen, worum es geht.

Schon "Auftakt", Band eins, fand ich grossartig. Genial. Und was hab ich mich gegruselt. Mit jeder Seite nahm die Gänsehaut zu und es schauderte mich immer mehr und mehr. Doch jetzt, im zweiten Teil, hat Jarvis alle Fehler des ersten Teiles ausgemerzt. Keine Längen mehr - jede Szene passt und hat ihren Sinn. Keine Überflutung mit Namen, sondern eine Auswahl und dabei bleibt es.

"Zwischenspiel" hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe. 

Und eine ähnliche Verwüstung hinterlassen.

Die ersten Kapitel zeigen uns, worauf wir uns gefasst machen müssen. Doch schon bald wird es etwas harmlos. Die Kinder werden ins Camp gebracht und wir haben ein Wochenende Zeit, sie kennenzulernen. Da ist die Veganerin Jody, die kleine Christina. Der Macho Marcus, der Schotte Alasdair, der rebellische Lee. Charm, die sich nichts sehnlicher wünscht, als berühmt zu werden, und die dicke Maggie, die für alles den passenden Spruch bereit hat. Jim, Spencer, Esther...

Wir sind dabei, wenn sie sich anfreunden, sich streiten, sich näher kommen. Jarvis setzt sein Können dabei so gekonnt ein, dass wir bald nicht nur zuschauen, sondern direkt dabei sind. Wir hören Alasdair beim Gitarre spielen zu, lachen über Maggies Witze und fragen uns, welchen Geschmack Charm uns wohl zuordnen würde. Wir schliessen die Figuren ins Herz, gewinnen sie lieb, finden Freunde.

Und dann ist das schöne Wochenende vorbei und der Schrecken nimmt seinen Anfang.

Die Kinder werden eingesperrt und müssen von nun an schuften. Als Abtrünnlinge sind sie nichts mehr als Spielbälle der perversen Gefängniswärter. Ausserdem hat sich der Ismus in einem der Kinder eingenistet und säht Zwietracht, Lügen und Hass. 

Als Leser rätselt man bis zum Schluss, wo der Ismus nun steckt. Jarvis gibt immer wieder Hinweise. Könnte es dieser Junge sein? Oder der hier? Vielleicht sie hier? Ich habe stundenlang nachgedacht, immer wieder jemand anderen verdächtigt. Aber ich kam nicht drauf. Und das, obwohl ich in den meisten Krimis den Täter ermitteln kann.

Dazu kommt die ständige Gefahr, der die Kinder ausgesetzt sind. Ständig rechnet man mit dem Schlimmsten, mit der Katastrophe. Katastrophen gibt es. Gleich mehrere. Nur weiss man auch als Leser nicht wirklich, wann sie geschehen, und dann trifft es einen völlig unvorbereitet.

Aber es ist nicht einfach nur eine fiktionale Figur, die da stirbt. Diese Kinder sind zu Freunden geworden. Wie oft musste ich mit den Tränen kämpfen? Obwohl ich diesbezüglich nicht nahe am Wasser gebaut bin. Nur die Mitfahrer im Zug hielten mich davon ab, in Tränen auszubrechen. Dafür hätte ich sie manchmal am liebsten erwürgt. Wie kann man so fröhlich über das Wetter und Mitschüler plaudern, während man selber gerade um die Figur trauert, die man von allen am liebsten mochte? Die zum ständigen Begleiter wurde, zum besten Freund, der besten Freundin?

Dieses Buch nahm mich mit wie keines je zuvor. Ich träumte sogar davon. Natürlich wollte ich wissen, wie es weitergeht, dennoch traute ich mich oft gar nicht, weiterzulesen. Fast schon Angst hatte ich vor dem, was auf mich zukam. Jarvis ist so abseits jeglicher Stereotypen, dass man ihn einfach nicht einschätzen kann. Praktisch nichts konnte ich vorhersehen. Und ich habe doch schon einige Bücher gelesen und bereits ziemlich viel Erfahrung.

Klingt das für euch negativ? Ganz im Gegenteil! Wenn ein Buch es schafft, sich so sehr in mein Leben, meine Gedanken, meinen Alltag zu drängen, dann ist es gut. Dann ist es sehr gut. Wahnsinnig, abartig gut. Es ist düster, brutal, ungehalten, geht ans Herz und an die Nieren, es ist lustig, heiter und romantisch.

Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich habe gelitten und geliebt und verloren.

Aber es gibt Hoffnung! Denn was die Kinder im Camp nicht wissen: Unter ihnen befindet sich der Castle Creeper. Er ist der Einzige, der den Ismus vom Thron stossen kann...!

Fazit:

Ich könnte wohl noch weiterhin über "Zwischenspiel" schwärmen, aber ich belasse es bei dem, was ich oben geschrieben habe. Es ist ein Buch wie kein zweites! Ein krasse Steigerung zu Band eins, obwohl der schon gut war. Nichts für schwache Nerven oder zu junge Leser. Perfekt für mich, die ich aussergewöhnliche Bücher liebe und Qualität daran messe, wie sehr mich ein Buch mitreisst.

Dieses hier hat mich nicht mitgerissen. Es hat mich umgehauen und ist auf mir Trampolin gesprungen. Mit Salto.

Kleine Anmerkung am Rande: Die deutschen Cover gefallen mir um einiges besser als die Originale.

Robin Jarvis
Dancing Jax
Zwischenspielt
Broschiert, 1. Auflage 2013
Scrip5

978-3-8390-0135-6

Aus dem Englischen von Nadine Mannchen

 Originalausgabe: Dancing Jax - Freax and Rejex

24.08.2014 um 15:33 Uhr

[Rezension] Paul Auster - Lulu on the Bridge

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Izzy Maurer ist Jazzmusiker, doch als er bei einer Schiesserei verletzt wird, muss er die Musik aufgeben. Er treibt ziellos durchs Leben, bis er eines Tages einen seltsamen Stein findet. Dieser Stein führt ihn zu Celia und endlich hat Izzys Leben wieder Inhalt. Doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer...

Meine Meinung:

Paul Auster gehört zu meinen Lieblingsautoren, deshalb war ich sehr gespannt auf "Lulu on the bridge". Das Buch wurde mir geschenkt, weil es kein Roman, sondern "nur" das Drehbuch für den Film ist. Bisher hatte ich nur Theaterstücke gelesen und keine Drehbücher, deswegen war ich gleich doppelt gespannt auf Lulu.

Selbst dem Drehbuch konnte man die Auster'sche Handschrift anmerken. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass dieser Teil der Geschichte auf der Leinwand noch mehr zum Tragen kommt als in der geschriebenen Fassung.
Man kann sehr viel in den Stein und seine verborgenen Kräfte interpretieren und das Ende fügt der Geschichte eine weitere Ebene hinzu.

Ein wichtiger Teil von "Lulu on the bridge" ist das Stück "Erdgeist" von Wedekind. Ich persönlich habe weder den Text dazu gelesen, noch eine Aufführung gesehen. Davon gehört habe ich bisher ehrlich gesagt auch noch nicht. Wahrscheinlich ist mir damit ein wichtiger Teil des Filmes entgangen.

Celia spielt nämlich "Lulu" in der modernen Fassung des Theaterstückes, daher auch der Titel "Lulu on the bridge". Wir erleben nicht nur Izzys und Celias Weg, sondern sind auch live dabei, wenn Celia Lulu spielt. Es ist bestimmt interessant, mitzuverfolgen, wie Celia und Lulu sich entwickeln.

Man versteht das Drehbuch jedoch auch ohne Kenntnisse von "Erdgeist". Aber wie bereits erwähnt, habe ich das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Der Buchfassung beigefügt sind mehrere Interviews, beginnend natürlich mit Paul Auster selber. Es kommen noch andere Personen zu Wort, die sich am Film beteiligt haben. Aber ich gebe offen zu, dass ich die Interviews nur überflogen habe. Ich kenne weder die Filmfassung, noch bin ich ein so grosser Filmfanatiker, als dass ich mich damit befasse, wie nun das Licht in welcher Szene gedreht werden muss. Das überlasse ich jenen, die damit zu haben bzw. zu tun haben wollen.

Fazit:

Ein spannender Ausflug in die Filmwelt. Auch hier zeigt Paul Auster sein Können, das Phantastische in die Realität einzubauen, ohne dass sie sich beissen. Es ist sein besonderer Blick auf unsere Welt, den ich an Auster so mag. Zwar habe ich noch immer nicht vor, den Film zu sehen, aber das Drehbuch habe ich mit viel Vergnügen gelesen.

Paul Auster
Lulu on the bridge
TB, 1998
Rowohlt

978-3-499-22426-7

Aus dem Englischen von Werner Schmitz
Originalausgabe: "Lulu on the bridge"
Henry Holt, New York 1998