Jaris Büchergebrabbel

26.03.2012 um 17:39 Uhr

[Rezension] Die vier Jahreszeiten

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Entsprechend den vier Jahreszeiten wurden hier vier längere Kurzgeschichten Stephen Kings versammelt. Der Frühling wird durch "Rita Hayworth and Shawshank Redemption" versinnbildlicht, für den Sommer steht "Apt Pupil", der Herbst ist "The Body" und "The Breathing Method" verkörpert den Winter.

Im Frühling geht es um den Neuanfang, im Sommer kann man nur schwer atmen, im Herbst geht etwas zu Ende und im Winter ist dann alles wieder vorbei... 

Meine Meinung:

"Different Seasons" von Stephen King ist ein voluminöses Werk, das jedoch nur zustande kam, da die einzelnen Geschichten zu kurz für ein Buch waren, aber zu lang für Kurzgeschichten. Als Leser kann man jedoch froh sein, dass sie dennoch publiziert wurden.

Stephen King ist Name und Marke in einem. Stephen King produziert einen Bestseller nach dem anderen. Stephen King kennt jedes Kind.

Und er hat es verdient. Stephen King ist nicht bloss eine Sternschnuppe am Literaturhimmel, die aufscheint und verblasst. Stephen King kann's. Er kann schreiben, er hat sich seinen Ruhm verdient.
Dabei schafft er es nicht nur, fantastische Horrorszenarien im Sinne von "Carrie", "Es" und "Der Friedhof der Kuscheltiere" zu produzieren. King kann genau so gut den Horror des menschlichen Wesens beschreiben.

Ohne Effekthascherei beschreibt der Autor, wie seine Protagonisten durch ihr Leben schreiten. Das Böse, das Gute, das Grau eines jeden Menschen. King schafft Figuren, die greifbar sind, hörbar, fühlbar. Und obwohl bloss die letzte Geschichte blutig ist, läuft einem beim Lesen öfter ein Schauer über den Rücken. Wir haben nicht ein Buch vor uns liegen, sondern einen Erzähler direkt neben uns. Deshalb liess mich das Buch kaum mehr los, ich nutzte jede freie Minute, um zu lesen. Ich musste einfach wissen, wie es weitergeht. Es war beinahe schon wie eine Droge.

Meine Lieblingsgeschichten sind "Rita Hayworth and Shawshank Redemption" und "The Body". Es ist einfach unfassbar, wie dicht diese Erzählungen sind. Die Spannung ist zwischen den Zeilen zu spüren. Man merkt, dass so viel mehr hinter diesen Sätzen steckt, die Wörter, das Gesagte, das Geschehene - es bleibt einem im Kopf.

Ich lasse King seinen Thron und verbeuge mich davor. Danke, Stephen King, für dieses Lesevergnügen.
Bis auf die letzte Geschichte habe ich alle Erzählungen sehr genossen. "The Breathing Method" fällt für meinen Geschmack zu sehr in "normalen" Horror zurück, als dass sie zu den anderen drei Geschichten gepasst hätte.

Fazit: 

Ein Buch nicht nur für eingefleischte Fans von Stephen King. Wer sich mehr für das Zwischenmenschliche, das Versteckte in unserem Handeln und Denken interessiert, als für Clowns und Haustiere, der sollte zu "Different Seasons" greifen. Aber auch wer etwas Abwechslung in der Welt von Stephen King sucht, der wird hier ebenfalls fündig.

Ich bin überglücklich, diese athmosphärisch dichten Geschichten endlich gelesen zu haben. Vor allem meine bereits erwähnten Lieblingsstücke haben mich zutiefst beeindruckt. Die psychologische Tiefe der Geschichten lässt viel Spielraum für eigene Interpretationen und Denkübungen. Ganz genial!

Stephen King eben. 

Stephen King
Different Seasons
TB, 2007
Hodder

978-0-340-95260-3 

24.03.2012 um 12:07 Uhr

[Rezension] Er formte meinen Körper neu

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Sechs Geschichten - sechs Frauen. An den unterschiedlichsten Orten mit den unterschiedlichsten Männern geben sie sich der Lust hin, geben und nehmen. Lasst euch ein auf einen Fruchtsalat voller Erotik! 

Meine Meinung:

Ich mochte bereits den Band "Samtene Nächte" von Aveleen Avide sehr gerne, doch mit "Purpurne Lust" hat sie nun ein Buch veröffentlicht, das sich kein Freund erotischer Geschichten entgehen lassen sollte.

Wer meint, dass sich die Erotik bloss um das "Rein und Raus" dreht, liegt falsch.
Avide beweist, dass es vor allem die Liebe zum Detail ist, die aus einer prickelnden Geschichte eine anregende machen. Mit viel Gespür beschreibt die Autorin ihre Figuren und den Hintergrund, vor welchem sie agieren. Sie bedient sich einer ganzen Brandbreite von Ausdrücken, aus welchen sorgsam ausgewählt wird. Kein Wort wirkt deplaziert. Bei Avide stimmt das grosse Ganze.

Auf diese Art und Weise wird der Leser in die Welt der Erotik entführt. Dabei unterscheiden sich die sechs Geschichten stark voneinander und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Vom Luxus-Callgirl bis zum Workaholic, vom Whirlpool bis nach Amerika: Langweilig wird es nicht.

Ich las das Buch "Purpurne Lust" mit grosser Freude, liess mich von manchen Geschichten sogar inspirieren. Leider sind die Erzählungen etwas zu lang, um sie dem Partner vorzulesen, jedoch eignet sich das Buch hervorragend, wenn man sich selbst sinnlich verwöhnen möchte.

Natürlich gefielen mir nicht alle Geschichten gleich gut, aber meiner Ansicht nach ist dies ein grosser Vorteil. Durch diese Vielfältigkeit wird es nicht langweilig. Bei jeder Geschichte fragt man sich aufs Neue: "Was geschieht wohl jetzt?"

Was auch deutlich hervorsticht, ist die Entwicklung der Autorin. Vor einigen Jahren las ich "Samtene Nächte", ein Buch, das im Vergleich zu "Purpurne Lust" viel sanfter mit der Erotik umgeht. Hier kommt die Autorin direkt zur Sprache und lebt die Sinnlichkeit vollkommen aus. Ist "Samtene Nächte" gut, so ist "Purpurne Lust" sehr gut und nun bin ich natürlich auf das nächste Buch der Autorin gespannt.

Was mich etwas weniger reizte, war, dass alle Figuren durchgehend mit makelloser Schönheit aufwarten und dass überall der Luxus durchschimmert. Ich persönlich hätte mich auch mit etwas bodenständigeren Umgebungen zufrieden gegeben. Zu viel Schönheit wirkt auf mich auf die Dauer eher langweilig. 

Fazit: 

"Purpurne Lust" von Aveleen Avide ist eines jener Bücher, das ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Wer Erotik mag, sollte sich den Namen Aveleen Avide merken.

Wer neu ist auf dem Gebiet der Erotik kann auch erst einmal "Samtene Nächte" lesen, um sich an das Genre heranzutasten. Mag man es prickelnd und direkt, so eignet sich "Purpurne Lust" eher als Lektüre.

Meine Lieblingsgeschichte war übrigens "Spiel der Lust". Worum es geht? Selber lesen! 

Aveleen Avide
Purpurne Lust
TB, 2011
Rowohlt

978-3-499-25776-6

Vielen Dank an Aveleen Avide und den Rowohlt Verlag für das bereitgestellte Freiexemplar! 

18.03.2012 um 12:14 Uhr

[Rezension] Why don't you dance?

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Siebzehn Geschichten versammelt das Bändchen "What we talk about when we talk about love". Die meisten Geschichten sind nicht länger als zwei oder drei Seiten. Menschen, Liebe, Alkohol - das sind die Themen Raymond Carvers...

Meine Meinung:

Der Titel "What we talk about when we talk about Love" von Raymond Carver mag romantisch klingen, doch sind sie das nicht. So kurz die Geschichten auch sein mögen, so einprägsam sind sie. "What we talk about when we talk about Love" ist alles andere als ein Wohlfühlbuch, doch trotzdem ist es lesenswert.

Carver beschreibt Menschen, die verloren haben. Die aufgegeben haben. Menschen, die an einem gebrochenen Herzen leiden. Menschen, die zu viel trinken. In den Geschichten geht es um die Liebe. Um kaputte Ehen, Trennungen, Entscheidungen. Dinge, über die wir eigentlich nicht reden wollen, die uns aber tagtäglich begleiten.

Subtil wird erzählt, Carver ist ein Meister der Andeutungen. Seine Sprache ist glasklar, doch merkt man als Leser, dass da noch mehr ist. Die Welt hinter der glasklaren Sprache ist trüb. Was versteckt sich im Nebel? Man erkennt Schemen, man möchte genauer hinschauen. Doch der Autor hilft einem nicht weiter, er überlässt es dem Leser, ob und was er sehen möchte.
Will man dem Autoren vorwerfen, Perversitäten zu beschreiben, so kann sich dieser verteidigen: "Das habe ich nicht gesagt." Und es stimmt. Er hat es nicht gesagt. Aber wir wissen, es ist da.

Genau diese Feinheiten sind es, die dem Leser bleiben. Die fröhliche Runde aus der titelgebenden Geschichte - ist diese wirklich so fröhlich? Was geschah mit dem Baby aus "Popular Mechanics"?
Man fragt sich, man dreht die Geschehnisse, wendet die Gespräche. Auch nachdem man das Buch zur Seite gelegt hat. Das unangenehme Gefühl, das einem während der Lektüre beschleicht, will nicht verschwinden.

Carver bleibt und der Leser versucht, den Nebel zu lichten. 

Fazit: 

Ein eindrückliches, bewegendes Werk. Die Geschichten sind kurz und eindrücklich. Mit klarer Sprache beschreibt Carver die Schrecken des Alltages. 

"What we talk about when we talk about Love" ist nicht für jedermann geeignet. Zu schnell könnte man sich verlieren. Man muss mit den dunklen Seiten der Menschen klarkommen, um Carver zu lesen.

Für mich war eine eine interessante, ergreifende Lektüre, über die ich mir jetzt noch meine Gedanken mache. 

Raymond Carver
What we talk about when we talk about Love
TB, 2009
Vintage Books, London 

978-0-099-53032-9

 Deutsche Ausgabe:

Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden
TB
Fischer Verlag

978-3-596-90388-7 

15.03.2012 um 19:53 Uhr

[Rezension] Ein Tiger namens Richard Parker

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Aufgrund der unruhigen Lage in Indien beschliessen die Eltern von Pi nach Kanada auszuwandern. Ein Grossteil des väterlichen Zoos überquert zwecks Verkauf an andere Zoos mit demselben Schiff wie die Familie den grossen Teich.
Doch mitten in der Nach kentert das Schiff. Es gibt keine Überlebende. Ausser Pi, einer Orang-Utan-Dame, einem Zebra mit gebrochenem Bein, einer Hyäne und einem ausgewachsenen Tiger namens Richard Parker. Zusammen treiben sie in einem Rettungsboot über den weiten Ozean...

Meine Meinung:

"Life of Pi" von Yann Martel heisst auf deutsch "Schiffbruch mit Tiger". So locker-leicht wie der deutsche Titel klingt, ist der Inhalt jedoch nicht.

Lange dachte ich daran, das Buch abzubrechen. "Life of Pi" ist in drei Teile unterteilt und erst der zweite enthält den eigentlichen Handlungsstrang.
Während des ersten Teiles (ca. 100 Seiten) geht es mehr um Pis aktuelles Leben und seine Kindheit im Zoo. Die zum Teil sehr philosophischen Betrachtungen des indischen Lebens und der Tierwelt sind zwar schön zu lesen, jedoch fragte ich mich die ganze Zeit, wann nun endlich die Geschichte losgehe. Ich wurde trotz der anschaulichen Beschreibungen immer ungeduldiger und ruheloser. Ausserdem störten mich die ständigen Unterbrechungen der Rahmenhandlung um einen Autoren auf Ideensuche.
 
Auch Pis dreifache Religion fand ich übertrieben. Die Behauptung, dass man nach der Lektüre an Gott glaubt, kann ich nicht nachvollziehen. Vor allem, da man nicht weiss, an welchen Gott man angeblich glauben wird. Dieser Part wirkt gewollt und ist zwar philosophisch und man kann ihn gut in Leserunden diskutieren, aber meiner Ansicht nach unnötig.

Doch hinterher war ich froh, dass ich mich durch den ersten Part gelesen hatte, denn der Rest des Buches ist wirklich interessant, spannend und packend. Pis Erlebnisse auf hoher See, sein Kampf ums Überleben und seine besondere Beziehung zu Richard Parker sind so intensiv erzählt, dass ich beinahe die brennende Sonne auf meinem Rücken spüren und die Wellen ans Rettungsboot schlagen hören konnte.

Martel lässt Pi klar und ruhig seine Geschichte vortragen, diese Sprache lässt die Vorkommnisse noch gnadenloser scheinen. Pi erzählt alles. Der Kampf ums Überleben ist gnadenlos und blutig, damit muss man als Leser rechnen. Der Kampf ums Überleben dauert an, Pi lernt, mit der Situation zu leben, ständig begleitet in die Angst, Richard Parkers Opfer zu werden.

Doch sie überleben über 200 Tage zusammen in einem kleinen Rettungsboot. Als ich das Buch zuschlug, hatte ich trotz oder gerade wegen der schrecklichen Zustände, die Pi schildert, das Gefühl, ein sehr gutes Buch gelesen zu haben.

Zum Schluss gibt es, als kleines Extra sozusagen, das Protokoll eines Interviews mit zwei Japanern. Dieses Interview hebt sich aufgrund seines Humores vom Rest des Buches ab.
Jedoch muss ich anmerken, dass "Life of Pi" kein unlustiges und todernstes Buch ist. Auch während der Geschichte gibt es Szenen, die einen auflachen lassen. So kommt zum Beispiel der Orang-Utan auf einer Ladung Bananen dahergetrieben. 

Fazit: 

Nach anfänglichen Mühen erwies sich das Buch als überaus spektakulär.
"Life of Pi" ist ein ganz besonderer Abenteuerroman, der mit vielen philosophischen und tiefgründigen Szenen aufwartet. Auch erfährt man einiges über die Natur der Tiere, da Pi ja als Sohn eines Zoodirektors aufwächst. 

 

 Yann Martel
Life of Pi
TB, 2001
Canongate

978-1-84767-601-6

13.03.2012 um 20:23 Uhr

[Abgebrochen] Emma

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Jane Austen - Emma

Jane Austen ist Weltliteratur. Ihre Figuren sind ihrer Zeit voraus, weshalb die Autorin erst unter Pseudonym veröffentlichte.
Jane Austen ist Frauenliteratur. Jane Austen ist kitschig. Um meinen Vorurteilen Austen gegenüber abzubauen, habe ich mich an ihrem letzten Werk namens "Emma" versucht. Leider habe ich das Buch nach ca. 180 Seiten abgebrochen.

Der Hauptgrund war die Geschichte. Hier wurde bereites eines meiner Vorurteile bestätigt: Es ging hauptsächlich darum, wer nun wen heiraten soll, will und wird. Die langen Gespräche drehten sich hauptsächlich um die Taten von anderen Figuren. Dinge, die mich weder in Büchern noch im realen Leben wirklich interessieren.
Emmas Versuche als Kupplerin beeindruckten mich nicht im Geringsten, ich fühlte mich leider auch nicht vom Buch unterhalten. Das Gegenteil war der Fall: Ich langweilte mich.

Auch die Figuren blieben mir fern. Ich konnte sie mir weder plastisch vorstellen, noch mit ihnen warm werden. Für mich blieben sie einfach nur Namen. Emma war mir sogar gänzlich unsympathisch und ich konnte mir ihr nicht wirklich viel anfangen.

Ich bin kein grosser Leser von Liebesromanen und nun weiss ich definitiv, dass Jane Austen nichts für mich ist. Ich vergönne ihr ihren Platz in der Weltliteratur keinesfalls und behaupte auch nicht, dass sie eine untalentierte Schriftstellerin ist oder ihre Bücher schlecht. Das stimmt so nicht. Aber ich bin einfach kein Leser von Jane Austen.

11.03.2012 um 21:34 Uhr

[Rezension] Du bist Schuld! - Nein, du!

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Eine Ente und eine Eule treffen aufeinander. Sie wollen Freundschaft schliessen, doch irgendwie scheint es einfach nicht zu funktionieren. Irgendjemand macht einfach immer etwas falsch. Die Eule kann nicht schwimmen, die Ente nicht auf Bäumen sitzen, die Eule ernährt sich von Mäusen, die Ente sucht sich ihr Essen... Kann das gut gehen?

Meine Meinung:

Hanna Johansens Kinderbuch "Die Ente und die Eule" liegt das Thema des Streitens zugrunde. Liest man das Buch als Erwachsener muss man umgehend schmunzeln, so treffend sind die Streitgewohnheiten von Kindern porträtiert.

Für Kinder jedoch beinhaltet das Werk eine wichtige Botschaft: Nur weil jemand eine Sache anders macht als du, muss es noch lange nicht falsch sein.

Die Ente und die Eule zanken sich über alles Mögliche. Immer wieder fangen sie von vorne an und beschuldigen sich gegenseitig. Dennoch schaffen sie es, sich schlussendlich wieder zusammenzufinden und sich zu vertragen. Dann geht das Streiten von vorne los...

Was das kurze Büchlein zu etwas ganz Besonderem macht und mich wirklich in seinen Bann gezogen hat, ist neben der Botschaft, die Gestaltung.
Die Bilder von Käthi Bhend sind einfach faszinierend. Sie zeichnet liebevoll und detailgetreu. Immer wieder kann man etwas Neues entdecken. Die Zeichnungen erzählen eine ganz eigene Geschichte und laden zum Staunen und Verweilen ein. 

Fazit: 

"Die Ente und die Eule" ist ein pädagogisch wertvolles Buch für Kinder. Es beinhaltet die Botschaft, dass jeder Mensch einzigartig ist und sein Leben auf seine Weise lebt.
Eine Ente kann nun einmal nicht auf einem Baum sitzen, dafür kann sie schwimmen. Die Eule kann nicht schwimmen, dafür aber lautlos durch die Nächte segeln.
Käthi Bhends Zeichnungen laden Gross und Klein auf Entdeckungsreise ein.

Für mich war das Buch eine kurze, aber bereichernde Lektüre, die ich allen ans Herz legen möchte. 

Hanna Johansen
Die Ente und die Eule
HC, 1993
Nagel & Kimche

3-312-00761-5

Mit Illustrationen von Kätzi Bhend 

11.03.2012 um 16:43 Uhr

[Rezension] Final Countdown

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

So weit sich Jem erinnern kann, waren sie da: Die Zahlen, die zeigen, wie lange ein Mensch noch zu leben hat. Jem verrät niemandem ihr Geheimnis und bleibt am liebsten allein. Allein und weit weg, dort, wo sie niemandes Todesdatum einsehen muss.

Doch als Jem auf den Jungen Spider trifft, ändert dieser das einsame Leben des Mädchens. Plötzlich ist da jemand, bei dem sie sich wohl und geborgen fühlt. Nur weiss Jem, dass Spider nicht mehr lange zu leben hat.
Ist Jem dazu in der Lage, das Schicksal zu ändern? 

Meine Meinung:

"Numbers" von Rachel Ward ist ein Buch, das sich mit einem deftigen Thema beschäftigt. Nämlich damit, dass wir alle sterblich sind. Etwas, das wir nur allzu leicht verdrängen.

Jem, die Hauptperson in "Numbers", wird jeden Tag ihres Lebens vom Tod begleitet und schottet sich deswegen von der Gesellschaft und allen Menschen um sie herum ab. Dadurch ist Jem keine einfache Protagonistin.
Die ersten 30 Seiten waren für mich eher ein Jammertal als Leselust. Zwar konnte ich gut verstehen, dass Jem es nicht einfach hat, doch irgendwann hat man begriffen, dass Jem sich mit niemandem abgeben will und dass alles nur doof und blöd ist. Ja, man muss akzeptieren, dass Jem ein Teenager ist. Dies hat die Autorin jedoch sehr gut zum Ausdruck gebracht.

Vielleicht sogar ein bisschen zu gut, denn oft musste ich auch später, als mir das Buch dann besser zu gefallen begann, noch über Jem den Kopf schütteln. Ihre Handlungen sind zwar für ihr Alter nachvollziehbar, jedoch gewann sie durch ihre Hitzköpfigkeit bei mir keine Pluspunkte.

Trotzdem muss ich sagen, dass mir das Buch nach dem zähen Einstieg gefallen hat. Ward hat einen spannenden und rasanten Roadmovie geschrieben und Jem hat sich im Verlauf der Geschichte positiv weiterentwickelt.

Liest man den Klappentext des Buches meint man vielleicht, man hätte es mit einem Buch zu tun, das Themen wie Terrorimus aufgreift, doch tut es das nicht. Diesbezüglich war ich zwar nicht enttäuscht, aber wohl überrascht, als das Buch in eine ganz andere Richtung zu driften schien.

Ein Thriller, wie im Buch selber angegeben, ist es meiner Ansicht nach auch nicht. Es ist die Geschichte eines normalen Mädchens mit einer besonderen Fähigkeit, das sich gegen ihren Willen verliebt.
Ja, mit der Liebe muss man in "Numbers" rechnen. Doch obwohl ich normalerweise meine Probleme mit Liebesgeschichten habe, fand ich die Geschichte um Jem und Spider sehr schön. Mehr und mehr erlebt auch der Leser mit, wie Spider das kalte Mädchen aufzutauen vermag und in ihr Innerstes vordringt. Dies alles hat Ward mit einer nicht übertriebenen, aber dennoch eindringlichen Sprache beschrieben, die an spannenden Stellen das Tempo erhöhte und den ruhigen, tiefen Szenen die Zeit gab, die sie benötigten.

Schon einige Male habe ich gehört, dass die deutsche Übersetzung sprachlich nicht überzeugt. Ich habe die englische Version gelesen und fand an Wards Sprache nichts auszusetzen. Deshalb empfehle ich, das Buch auf englisch zu lesen, wenn das möglich ist. 

Fazit: 

"Numbers" ist ein spannender Roadmovie durch England, eine gefühlvoll erzählte Liebesgeschichte und die Entwicklungsgeschichte eines jungen Mädchens.
Wer nicht zu viel von der Geschichte erwartet, kann das Buch geniessen, wenn auch der Beginn und das Ende zu wünschen übrig lassen. Der Mittelteil war meiner Ansicht nach spannend und packend.

Rachel Ward
Numbers
Time to Run
TB, 2009
Chicken House

978-1-905294-93-0 

06.03.2012 um 20:28 Uhr

[Rezension] Fremde Welten

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Der kleine Cedric und seine Mutter sind arm, aber sie leben ein glückliches Leben und hängen sehr aneinander. Doch von einem Tag auf den anderen soll sich dies ändern, denn Cedric ist der Enkel eines reichen Grafen in England. Dieser will den Jungen nun zu sich in sein Schloss holen. Über den Alten sagt man, dass er jähzornig und mürrisch ist. Wie wird er auf den gutmütigen Cedric reagieren?

Die junge Mary reist nach dem Tod ihrer Mutter von Indien nach England. Dort erwartet sie nichts weiter als ein Moor, ein riesiges Haus und nichts zu tun. Also macht sich das Mädchen auf, diesen Garten zu entdecken. Und plötzlich verändert sich alles auf dem weitläufigen Landsitz ihres Onkels... 

Meine Meinung:

Die Geschichten "Der kleine Lord" und "Der geheime Garten" von Frances Hodgson Burnett gehören zu jenen Jugendbuchklassikern, von denen man schon einmal entfernt etwas gehört hat, ohne sie jedoch je gelesen zu haben. Allerhöchste Zeit, dies nachzuholen!

Diese Ausgabe von Bassermann vereint die beiden berühmtesten Geschichten von Burnett. Liest man sie gleich nacheinander, realisiert man, dass sich die Autorin während der Jahre schriftstellerisch und auch bezüglich der Charaktere weiterentwickelt hat.

Ist in "Der kleine Lord" die Hauptperson Cedric noch von Beginn an ein guter Junge, der zuerst an seine Mitmenschen und erst dann an sich selber denkt, so ist Mary eine Figur, die man erst einmal lieb gewinnen muss.

"Der kleine Lord" ist eine richtige Wohlfühlgeschichte, in der von Anfang an klar ist, dass sie gut ausgehen muss. Ich habe sie sehr gerne gelesen und gewann auch den kleinen Cedric lieb. Es ist eine schöne Geschichte, jedoch wirklich umgehauen hat mich "Der geheime Garten".

Mary ist anfangs ein mürrisches Kind, das man auch als Leser einfach nicht gerne haben kann. Doch je mehr sie sich in den Garten vorwagt, desto mehr verändert sie sich. In dieser Geschichte ist die Charakterentwicklung wirklich gelungen und so verarbeitet, dass sie auch dem Leser glaubhaft erscheint.

Beide Geschichten gehen einem ans Herz. Auch die Beschreibungen der Umgebung lassen einen aufseufzen und man vergisst die Tristesse des Alltages. Ich versank ganz und gar in Burnetts Erzählungen, wozu auch die schöne Sprache beitrug. Die Geschichten, um 1900 geschrieben, lassen den alten englischen Charme aufleben und lassen sich trotzdem noch von Kindern im 21. Jahrhundert lesen. 

Fazit: 

Burnett hat mich mit ihren gefühlvollen Kindergeschichten ganz in ihren Bann gezogen und ich möchte das Buch jedem weiterempfehlen, der gerne Kinderbücher liest.
Das Buch strotzt nur so von altem englischen Charme und ist für jeden geeignet, der England mag. Sucht jemand Futter für die Seele, sind diese Geschichten ebenfalls sehr gut geeignet.

Noch jetzt kehre ich gerne in den geheimen Garten zurück und denke an Marys Abenteuer. Was für eine tolle Geschichte! 

Frances Hodgson Burnett
Der kleine Lord/Der geheime Garten
HC, 2011
Bassermann

9783809428411

Originalausgabe: The Little Lord Fauntleroy/The Secret Garden
 1886 & 1909

02.03.2012 um 19:34 Uhr

[Rezension] Liebeshungrig

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Als die verheiratete Anna Karenina auf den Lebemann Wronski trifft, nimmt eine der berühmtesten Liebesgeschichten der Weltliteratur ihren Lauf. Leidenschaftlich stürzt sich Anna in die Affäre mit Wronski. Doch das Paar hat mit viel Widerstand zu rechnen, brechen sie doch alle Kontroversen der damaligen Zeit…

Meine Meinung:

Leo Tolstois „Anna Karenina“ ist etwas ganz Besonderes. Lange habe ich gezögert, mich an einen der „Grossen Russen“ heranzuwagen, doch ich bin froh, dass ich es getan habe.

Erst einmal will ich anmerken, dass die Übersetzung von Hermann Röhl wirklich angenehm zu lesen ist. Keine Schlangensätze, wie ich es erwartet hatte, keine Ausdrücke, über die man stolpert, und keine ellenlangen Reden. Röhl behält die Sprache des 19. Jahrhunderts bei, was dem Buch seinen Charme lässt. Dennoch war ich überrascht, wie flüssig und süffig sich ein Tolstoi lesen lässt.

Doch nicht nur deswegen war ich bald in der Welt der Anna Karenina versunken.
Tolstoi hat ein Auge fürs Detail. Er beschreibt das Leben und das Lieben im damaligen Russland liebevoll und detailliert. Natürlich entstehen auf diese Weise auch gewisse Längen, die ich nur quer gelesen habe. Aber das Bild im Ganzen ist sehr lebendig und faszinierte mich. Man erfährt so Vieles über das Leben von damals. Oftmals war ich baff, dass die Geschichte eigentlich „erst“ etwa 150 Jahre alt ist. Die Gepflogenheiten von früher sind ganz anders als unsere heutigen.

Trotzdem ist „Anna Karenina“ eine zeitlose Geschichte, die sich mit Themen befasst, die auch im 21. Jahrhundert noch überaus aktuell sind. Die Liebe, das Betrügen, die richtige Entscheidung treffen. Annas Hunger nach Liebe. Aufstehen, nachdem man hingefallen ist.
Mit seiner speziellen Beobachtungsgabe hat es Leo Tolstoi fertig gebracht, Figuren zu zeichnen, mit denen man mitfühlen und mitleiden kann. Die Charaktere sind so plastisch beschrieben, dass man meint, man sässe neben ihnen und höre sie sprechen. Alle auftretenden Figuren haben ihre guten und ihre schlechten Seiten und Tolstoi macht sich die Mühe, sie alle aufzuzeigen. Kein Mensch ist einfach nur gut oder einfach nur schlecht.

Besonders beindruckt hat mich auch Tolstois Beschreibungen der Gefühle. Er lässt nicht nur jeden Charakter zu Worte kommen (sogar den Hund), sondern er lässt den Leser tief in die Gefühlswelt der Protagonisten eintauchen.
Ich war verblüfft, an einigen Stellen meine eigenen Gefühle wiederzuerkennen. Dabei fragte ich mich, wie es ein Mann schafft, die Gefühlswelt einer Frau derart treffend zu beschreiben. Tolstoi über- und untertreibt nicht, er beschreibt bloss, was in den Figuren vor sich geht.

„Anna Karenina“ ist ein Buch zum Weinen und zum Lachen. Manchmal muss man den Kopf schütteln, vielleicht versteht man nicht immer, wieso gewisse Figuren so handeln, wie es tun. Aber ist so nicht das Leben?
Tolstoi beschreibt auch das richtige Leben. Das Leben von damals. Wie Bauern ihre Arbeit verrichten. Die Haltung der höher Gestellten. Wie man Kinder erzog. Auf diese Weise erhält man einen einzigartigen Einblick in eine Welt, die längst vergangen ist. Doch Tolstoi lässt sie für uns wieder auferstehen.

Fazit:

Ein absolut lesenswertes Werk, ich bin sehr froh, dass ich mich an „Anna Karenina“ gewagt habe. Das Buch ist faszinierend, wenn es auch Stellen aufweist, von denen ich dachte „Wieso muss ich das wissen?“.

Es mag kein Buch für jedermann sein. Man muss geduldig sein, mit den Figuren, aber auch mit den knapp tausend Seiten. Ich wurde dafür mit einer ausgezeichneten und unkitschigen Liebesgeschichte belohnt, die ihresgleichen sucht.

Leider ist in der von mir gelesenen Ausgabe kein Glossar vorhanden, was man zum Verständnis ab und an jedoch dringend benötigt.

Leo Tolstoi
Anna Karenina
HC, 2010
Anaconda

978-3-86647-475-8

Aus dem Russischen von Hermann Röhl
Originalausgabe: Anna Karenina
Moskau 1878 

01.03.2012 um 21:11 Uhr

[Rezension] Sturz vom Rande

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt: 

Als der vieräugige Zweiblum in der Stadt Ankh-Morpok auftaucht, steht dort plötzlich alles Kopf. Eigentlich will Zweiblum nichts anderes als sich die Welt ansehen. Als Reiseführer hat er dazu den Zauberer Rincewind auserkoren, der nur rein theoretisch ein Zauberer ist.

Gemeinsam macht sich das Duo auf eine Reise, in der so ziemlich viel schief läuft und Zweiblum sehr vieles zu sehen bekommt, wovon er niemals zu träumen gewagt hätte…

Meine Meinung:

„Die Farben der Magie“ ist der Auftakt zu den unzähligen Romanen um Terry Pratchetts berühmte Scheibenwelt-Romane.

Erst hatte ich einige Mühe, um in das Universum Pratchetts einzusteigen. Vieles wurde bloss angedeutet, es gab zu viele Sprünge in der Geschichte und ich konnte mir schlecht merken, wer wer war. Dies bereitete mir einige Mühe und ich musste mich auch erst an Pratchetts Humor gewöhnen.

Jedoch bin ich froh, dass ich dann doch weitergelesen habe, denn nach den ersten 50 Seiten änderte sich meine Meinung und ich las den Rest des Buches mit grosser Freude.
Rincewind und Zweiblum sind ein sehr unterhaltsames Gespann, das, wenn man Pratchetts Humor mag, wirklich lustige Sachen erleben. Es ist eine rasante Reise quer durch eine faszinierende Welt.

Einige Szenen im Buch hätten vielleicht nicht sein müssen, sind aber trotzdem lustig zu lesen. Vor allem beschreibt Pratchett die Magie der Scheibenwelt aufgrund physikalischer Grundlagen, was der Geschichte etwas Glaubhaftes gibt. Man wedelt nicht bloss mit einem Zauberstab, sondern arbeitet mit Energie. Auch wenn diese Energie manchmal stark an unsere Atomkraft erinnert… 
Überhaupt hat Pratchett viele Dinge eingebaut, die stark an unsere Welt erinnern, jedoch für die Scheibenwelt abgeändert wurde. Diese Parallelen zu entdecken macht Spass und ist ein kleines Bonbon in der Geschichte.

Pratchetts Figuren sind skurril und irgendwie muss man sie in ihrer Eigenartigkeit einfach mögen. Wichtig ist jedoch, dass man sich mit dem Humor des Autoren versteht. Sein Witz ist leicht subtil, er setzt nicht auf den grossen Brüller, sondern auf eine lustige und unterhaltsame Geschichte mit besonderen Ideen.

Fazit:

Als Einstieg in ein neues Universum ist der erste Band immer empfehlenswert, wenn auch hier der Beginn der Geschichte nicht ganz gelungen ist. Wer in die Scheibenwelt einsteigen möchte, findet hier einen lustigen Roadmovie vor, der Lust auf weitere Abenteuer macht. In der Scheibenwelt gibt es viel zu entdecken.

Jedoch sollte man Pratchetts Art von Humor mögen, ansonsten ist das Buch bloss öde und wirkt vielleicht auch etwas gewollt. Nachdem ich mich an Pratchett angenähert hatte, mochte ich seinen Humor sehr gerne.

Nach einem schwierigen Start hat mich die Geschichte dann doch noch gepackt und „Die Farben der Magie“ war sicherlich nicht mein letzter Pratchett.

Terry Pratchett
Die Farben der Magie
Ein Roman von der Bizarren Scheibenwelt
TB, 10. Auflage 2011
Piper

978-3-492-28510-0 

Aus dem Englischen von Andreas Brandhorst
Originalausgabe: The Colour of Magic
Colin Smythe Ltd., Grossbritannien 1983

26.02.2012 um 20:43 Uhr

[Rezension] Das Diktatorenleben will gelernt sein!

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Ratgeber und Selbsthilfebücher gibt es zu allen möglichen Themen. Doch wer hilft einem auf dem Weg zum Diktator? Endlich ist er da - der ultimative Guide um ein waschechter Diktator zu werden. Ob nun die richtige Ausbildung oder das passende Outfit - De Guillaume beantwortet alle Fragen rund ums Diktator-sein.

Meine Meinung:

André De Guillaume hat mit "Weltherrschaft für Anfänger" den wohl ersten Ratgeber geschrieben, der das Thema Diktator behandelt. Er widmet sich allen wichtigen Fragen des Diktatoren-Lebens. Wie wird man Diktator? Was ziehe ich an? Wann gehe ich in Rente? usw.

Das Handbuch ist lusitg, locker und perfekt für Zwischendurch geeignet. Obwohl man das Thema des Buches nicht ganz ernst nehmen sollte lernt man während der Lektüre doch noch einige Dinge. Unter anderem werden grosse Diktatoren der Weltgeschichte vorgestellt und theoretisch sind De Guillaumes Tipps sogar anwendbar.

Die Aufmachung des Titels ist sympathisch und niedlich. Die Bilder sind ansprechend und die Kapitel kurz und knackig. Somit kann man das Büchlein wunderbar als Nachttisch-Lektüre verwenden. 
De Guillaumes Schreibstil ist flüssig und seine Texte unterhaltsam. Vor allem das Kapitel über Diktatoren und die Frauen liess mich einige Male auflachen. Daneben habe ich einiges über die grossen Herrscher der ferneren und näheren Vergangenheit gelernt.

Mit diesem Buch lässt es sich wunderbar die Zeit vertreiben. Natürlich kann man damit auch seine zukünftige Karriere planen. 

Fazit:

"Weltherrschaft für Anfänger" eignet sich besonders als Geschenk für Leute mit Humor und Aufstiegschancen im Diktatoren-Bereich. Natürlich ist es auch zum Hausgebrauch geeignet.

Es ist ein herrlich skurriles Werk, dessen Lektüre mir einige Stunden gute Unterhaltung geboten hat.

                                         

André De Guillaume
Weltherrschaft für Anfänger
Das Handbuch für angehende Diktatoren
TB, 2. Auflage 2008
Bastei Lübbe

978-3-404-60581-1 

Aus dem Englischen von Petra Trinkaus
Originalausgabe: How To Rule The World
Elwin Street Limited, London 2002

21.02.2012 um 10:39 Uhr

[Rezension] Der Tag B

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

"Hütet euch vor der Teufelszunge!" lautet die Botschaft, die die Krieger-Schafe der Eppingham-Farm erhalten. Die furchtlosen Schafe zögern keinen Augenblick und beschliessen, nach Westen zu reisen, um das Monster namens Teufelszunge zu besiegen.
Unterdessen werden in der weit entfernten Wüste Pläne geschmiedet, für deren Fertigstellung es intelligente Tiere braucht. Dem Ehepaar Bummberg kommen die fünf Schafe der Eppingham-Farm dabei gerade recht...

Meine Meinung:

"Ab durch die Wüste" ist das zweite Buch um die fünf Krieger-Schafe aus England.

Auch in diesem Band wird eine rasante Geschichte erzählt, die mit vielen netten Einfällen aufwartet. So landen die Schafe unter anderen auch in Las Vegas, wo sie natürlich sogleich ein Kasino auf den Kopf stellen. Auch ein spannender Showdown lässt nicht lange auf sich warten.

Wie auch der Vorgänger lässt sich das Buch flüssig lesen und man freut sich auf ein Wiedersehen mit den liebgewonnen Figuren. Dass die Charakterentwicklung etwas zu wünschen übrig lässt, kann man nachsehen, da es sich um ein Kinderbuch handelt.

Jedoch fehlte mir in diesem Band irgendetwas. Das Buch liest sich wie eine Wiederholung von "Im Auftrag des Widders". Waren die Idee und die Figuren damals jedoch noch frisch und faszinierend, so sind sie jetzt leider schon allzu verbraucht. Hat man den ersten Band aufmerksam gelesen, kann man gleich im Voraus sagen, was geschehen wird und welches Schaf wie reagieren wird.
Auch die Geschichte um das Ehepaar Bummberg und die Jagd quer durch die Wüste sind bereits aus dem ersten Band bekannt. Man hat einfach andere Figuren und ein anderes Setting gewählt.

Aufgrund dieser Punkte bin ich vom Buch leider ziemlich enttäuscht und der Lesegenuss, den ich aus "Im Auftrag des Widders" noch in Erinnerung hatte, wollte sich einfach nicht einstellen. Schade um die Reihe, denn man hätte bestimmt noch mehr daraus machen können. 

Fazit:

Leider ist "Ab durch die Wüste" nur eine fade Kopie des ersten Bandes. Da man die Bücher aber separat voneinander lesen kann, macht es keinen Unterschied, welches Abenteuer der Schaf-Gäääng man zur Hand nimmt.

Als erwachsener Leser sollte man sich jedoch auf ein Buch beschränken. Junge Leser, die die eigentliche Zielgruppe der Reihe sind, werden jedoch auch mit dem zweiten Teil eine spannende Jagd mit sympathischen und liebevoll gezeichneten Figuren erleben.

Christine & Christopher Russell
Die Schaf-Gäääng
Ab durch die Wüste
HC, 2011
Thienemann

978-3-522-18260-7

Aus dem Englischen von Eva Plorin
Originalausgabe: The Warrior Sheep Go West
Egmont UK Limited, 2011 

05.02.2012 um 08:49 Uhr

[Rezension] Together Forever

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Zusammen leben ist nicht einfach. Obwohl man den Partner über alles liebt, gibt es immer wieder Reibereien. Da ist die benutzte Teetasse oder die Zahnpastatube, die offen herumliegt. Oder der Prinz wird plötzlich zum Pantoffelhelden. Wie sollen sich Paare im Alltagsstress verhalten, damit die Beziehung nicht ausleiert?

Meine Meinung:

Guy Bodenmann und Caroline Brändli haben mit "Was Paare stark macht" einen übersichtlichen und realitätsnahen Ratgeber für Paare geschrieben.

In mehreren Kapiteln wird erläutert, was die Liebe ist und wie man sie lebendig halten kann. Es wird auf unterschiedliche psychologische Vorgänge eingegangen und erklärt, wie man die Situationen am besten lösen kann. Die beiden Autoren legen das Augenmerk vor allem auf eines: Kommunikation.

Bodenmann und Brändli bieten viele Übungen und Tipps, um die Kommunikation unter Paaren zu fördern. Darunter findet man Hinweise, die tatsächlich hilfreich sind und man als Paar gut im Alltag anwenden kann. Dies hat, meiner Ansicht nach, seltenheitswert. Einige der vorgeschlagenen Ideen wurden von uns bereits umgesetzt.

Ebenfalls sehr positiv finde ich die Vielfalt des Duos. Im Gegensatz zu anderen Autoren legen sie sich nicht auf einen Grundsatz fest und ziehen diesen dann durch alle Themen des Paarlebens durch, sondern sie vermögen es, auf jedes Thema einzeln einzugehen und dort die besten Hilfestellungen zu bieten. Auf diese Weise kann man sich zehn Bücher sparen und stattdessen nur dieses eine kaufen.

Der Aufbau des Titels ist zwar übersichlich und das Buch lässt sich gut lesen, jedoch fiel auf, dass man als Leser bloss die separaten Informationsboxen lesen muss, um zu verstehen, worum es geht. Es ist also eigentlich gar nicht nötig, den ganzen Ratgeber zu lesen. Dies kann man als positiv oder negativ empfinden. 

Fazit: 

Ein empfehlenswerter Ratgeber für Paare, die Wert darauf legen, ihre Liebe frisch zu halten. Die Vorschläge des Schweizer Autorenteams sind alltagstauglich und setzen auf unterschiedliche Arten der Kommunikation.

Guy Bodenmann, Caroline Brändli
Was Paare stark macht
Das Geheimnis glücklicher Beziehungen
TB, 2010
Beobachter

978-3-85569-438-9 

04.02.2012 um 22:50 Uhr

[Rezension] Schicksalskarten

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Tarotkarten werden schon seit hunderten von Jahren befragt, wenn man im Leben einen guten Rat braucht. Die Karten geben Hinweise über das Verborgene, zeigen uns aber auch Dinge auf, die direkt vor unseren Augen liegen, wir aber nicht in der Lage sind zu sehen. 
Ist man verliebt oder in einer Beziehungskrise ist guter Rat oftmals teuer. Die altbekannten Ratschläge trösten nicht mehr. Da hilft es, einen Blick auf die Karten zu riskieren.

Meine Meinung:

Eleonore Jacobis "Tarot für Liebe und Partnerschaft" ist ein für Anfänger geeignetes Buch, das den Leser Schritt für Schritt in die Welt des Kartenlegens einführt.

Das Buch ist so gestaltet, dass man das Wichtigste gleich auf den ersten Blick erfassen kann. Die Autorin erklärt dem Leser das Prinzip der Karten und gibt einige Tipps und Hinweise zur Benützung der Karten. Vor allem für Einsteiger sind diese nützlich.

Nach der Einführung folgen die Bedeutung der Karten. Diese sind speziell auf das Liebesleben bezogen. Positiv ist mir dabei aufgefallen, dass auch auf die Bedeutung der Karten, die auf dem Kopf stehen, eingegangen wird. Abgeschlosen wird das Buch mit Legesystemen und Beispielen von Leuten, die sich die Karten haben legen lassen.

Auf den ersten Blick wirkt das Werk sehr handlich und sympathisch, eines jener Bücher, die man der besten Freundin leihen möchte. Doch beginnt man sich näher damit zu befassen, stellt sich jedoch rasch Enttäuschung ein. Jede gezogene Karte scheint etwas Negatives zu bedeuten, das eigene Liebesglück ist scheinbar in weiter Ferne.

Die Deutungen der Karte sind leider derart negativ verfasst, dass einem die Freude am Kartenlegen rasch genommen wird. Entweder ist die Beziehung eingeschlafen, man selbst in einer Traumwelt gefangen oder man belügt sich. Zwar hat jede Karte auch eine ungute Bedeutung, doch scheint Jacobi sich in ihrem Werk bloss auf diese Bedeutung zu manifestieren. Dies ist meiner Meinung nach sehr ungünstig, da so jedem Kartenleger die Laune verdorben wird. Über kurz oder lang fragt man sich, ob die Autorin selbst irgendwelche Probleme hat. 

Fazit: 

"Tarot für Liebe und Partnerschaft" ist leider kein so amüsantes Buch wie es auf den ersten Blick scheint. Obwohl es hübsch und übersichtlich aufgebaut ist, sind die Beschreibungen der einzelnen Karten sehr missglückt und verderben einem die Freude sehr rasch. 

Eleonore Jacobi
Tarot für Liebe und Partnerschaft
Die richtige Fragestellung, die wichtigsten Legesysteme, zahlreiche Deutungsbeispiele
HC, 2005
Bassermann

978-3-8094-1799-8 

04.02.2012 um 21:33 Uhr

[Rezension] Sport ist Mord

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Fünf Jahre in einer Höhle auf der prähistorischen Erde tun niemandem gut - schon gar nicht Arthur Dent. Eines schönen Morgens jedoch taucht Arthurs alter Freund Ford wieder auf und er hat Neuigkeiten mitgebracht. Ihre Aufgabe ist keine geringere als die, das Leben, das Universum und den ganzen Rest zu retten...

Meine Meinung:

Mit "Life, the Universe & Everything" (dt. das Leben, das Universum und der ganze Rest) legt Douglas Adams den dritten Teil seiner "Hitchhiker's"-Reihe vor. 

Sprachlich begiebt man sich auf bekanntes Terrain. Der Autor hat sich nicht gross weiterentwickelt, hält jedoch das Niveau der vorigen Bände. Dies jedoch nur, wenn es um die Sprache geht. Leider ist der dritte Band weitaus weniger lustig geraten als die vorherigen Bände.

Noch immer hat Douglas wundersame Ideen und gute Einfälle, jedoch will es dieses Mal mit den Witzen einfach nicht so gut klappen wie auch schon. Unterhalten tut das Buch natürlich immer noch gut, aber wenn man sich von zwei Bänden mehr gewöhnt ist, fällt es leider auf, wenn die Qualität etwas abnimmt.

Trotzdem hat mir "Life, the Universe & Everything" noch lange nicht die Lust auf die nächsten Bände zerstört, eher bin ich neugierig geworden, ob der Autor es schafft, das Steuer noch einmal herumzureissen. 

Fazit: 

Eine Fortsetzung, die leider nicht ganz das hält, was die ersten Bände der Reihe versprechen. Dennoch bleiben die Abenteuer von Arthur und Ford unterhaltsam und kurzweilig. Fans sollten sich jedoch vor der Lektüre nicht zu viel davon versprechen und das Buch als das akzeptieren, was es ist: Ein typisches Douglas-Buch, mit etwas weniger Witz, aber einigen guten Ideen.

Douglas Adams
Life, the Universe & Everything
TB, 2010
MacMillan

978-0-330-50882-7

Deutsche Ausgabe

Douglas Adams
Das Leben, das Universum und der ganze Rest
TB, 1999
Heyne

978-3-453-14605-1 

01.02.2012 um 16:55 Uhr

[Rezension] Stürmische See

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Stralsund, 1628. Der Dreissigjährige Krieg tobt, trotzdem führen Anneke und ihre Mutter ein schönes, wenn auch bescheidenes Leben. Als jedoch Annekes Mutter stirbt, verändert sich das Leben des jungen Mädchens grundlegend. Ihr reicher Vater nimmt sie zu sich. Anneke trägt nun wunderschöne Kleider und ist eine Dame.
Doch ist auch dieses Leben nicht von Dauer. Der Krieg steht vor der Türe und Annekes Vater sieht nur eine Lösung: Nämlich die, dass Anneke in das entfernte Schweden reisen soll...

Meine Meinung:

Corina Bomann entführt den Leser in "Sturmsegel" in das Deutschland und das Schweden des 17. Jahrhunderts. Mitten hinein in den Dreissigjährigen Krieg.

Die Autorin schafft es auf Anhieb, das damalige Leben und die Atmosphäre in der Stadt Stralsund lebendig zu beschreiben. Anneke ist sich des Krieges bewusst, doch ist er noch in weiter Ferne. Das Leben ist karg, doch sie und ihre Mutter wissen sich zu helfen.
Doch mehr und mehr drängt der Krieg sich in das Leben des Mädchens und ihr Leben verändert sich. Auch hier kann die Autorin punkten, beschreibt sie doch anschaulich, wie aus dem unbedarften Wildfang eine junge Frau wird, die für sich und diejenigen, die sie liebt, eintritt.

Im Buch trifft man auf Personen, die real existiert haben und Geschehnisse, die tatsächlich stattgefunden haben. Bomann hat die fiktiven Charaktere gut in den realen Hintergrund eingearbeitet, die Geschichte ist greifbar und wirkt an keiner Stelle gewollt. Als Leser wird man direkt in die richtige Stimmung versetzt und das Buch liess zumindest mich kaum mehr los.

Ebenfalls positiv fielen mir die eingewobenen schwedischen Sätze auf, die Bomann den Personen in Schweden in den Mund legt. Anfangs fand ich es etwas unrealistisch, dass Anneke überall auf deutschsprachige Menschen trifft, doch wurde dies durch die schwedischen  Sprachfetzen wieder wett gemacht. Die Sätze werden im Glossar am Ende des Buches erklärt, wo man auch die benutzten Ausdrücke aus dem Kriegs- und Volksvokabular nachschlagen kann.

Die Geschichte weist einen für Jugendromane typischen Schreibstil auf, der sich einfach lesen lässt, jedoch trotzdem packend ist. Annekes Gefühle sind greifbar und man kann sich als junger Leser gut mit ihr identifizieren. Man leidet am Tod der Mutter und fühlt Annekes Verliebtheit, als sie in Schweden den Schiffsbauer Ingmar kennenlernt.

Die Liebesgeschichte zwischen Anneke und Ingmar ist zum Glück nicht dramatisiert, sondern wird sehr feinfühlig in die Hintergrundgeschichte über Annekes Leben eingewebt. So lernt man auch einiges über Beziehungen und Eheschliessungen im 17. Jahrhundert.
Zu keiner Zeit drängt die Liebesgeschichte zu sehr in den Vordergrund und sie wird angenehm langsam erzählt. Schritt für Schritt kommen sich die beiden Protagonisten näher und werden durch weitere Schicksalsschläge aneinandergebunden.

Ab und zu war es beinahe zu viel der Schicksalsschläge, doch wenn man bedenkt, zu welchen Zeiten die Geschichte spielt, kann man dies gut akzeptieren.

Fazit: 

"Sturmsegel" ist ein Buch für jugendliche und auch erwachsene Leser, die historische Hintergründe schätzen und es mögen, wenn auch Personen auftreten, die real existiert haben. "Sturmsegel" weist definitv einen gewissen Lerneffekt auf und ist trotzdem angenehm zu lesen. Wer ein Buch zum Thema Dreissigjähriger Krieg sucht, sollte an diesem Buch nicht vorbeigehen.

Corina Bomanns "Sturmsegel" ist definitiv eines der besten Jugendbücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Die Geschichte ist packend und ich fühlte mich auch im historischen Setting zu Hause. Anneke war mir mit ihren Ecken und Kanten sympathisch und ich wollte wirklich wissen, wie es mit ihr weitergeht. Deshalb konnte ich kaum aufhören zu lesen.

Corina Bomann
Sturmsegel
HC, 2010
Ueberreuter

978-3-8000-5532-6 

26.01.2012 um 18:32 Uhr

[Rezension] Jäger & Sammler

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Beeren schmecken lecker und sind gesund. Wer kann schon einer saftigen roten Erdbeere wiederstehen? Doch noch besser schmeckt es, wenn man die Beeren selbst gefunden, gepflückt und verarbeitet hat.
Wie man ganz einfach und ohne weit zu reisen die schmackhaftesten Beeren findet und wie man sie am besten zubereitet, zeigt das Büchlein "Beeren finden!".

Meine Meinung:

Christine Schneider hat mit "Beeren finden!" einen sehr handlichen Begleiter für Ausflüge in die Natur geschrieben. Das Buch ist dünn, lässt sich gut in der Tasche tragen und ist mit einer Schutzhülle versehen, sodass sich auch gelegentliche Drecksspritzer leicht abwaschen lassen.

Das Büchlein selbst ist übersichtlich aufgebaut. Vor allem Anfänger bezüglich der Beerensuche werden so Schritt für Schritt an die Materie herangeführt.
Man erhält einen allgemeinen Überblick über die Welt der Beeren, die besten Hilfsmittel werden erklärt und natürlich werden auch die unterschiedlichsten Beeren und Nüsse auf je einer Doppelseite vorgestellt. Die Vorstellung umfasst alles, was man als Sammler wissen muss. Wie, wo, wann und worauf man achten sollte.

Giftige Beeren werden ebenfalls genannt. Doch fehlte mir dort eine genauere Angabe darüber, was die Einnahme der Pflanze bewirken würde. Dafür gibt es im Schlussteil einen umfassenden Part mit Notfallnummern, falls wirklich einmal etwas schief gehen sollte.
Abgerundet wird "Beeren finden!" mit einigen Rezepten. Manche lassen sich rasch zubereite, andere sind ausgefallen, manche klassisch. Jedoch lief mir bei praktisch jedem das Wasser im Mund zusammen.

Die Gestaltung des Führers ist sympathisch und jung. Man sieht alles Wichtige auf einen Blick, durch die Fotos kann man sofort erkennen, um welche Beerensorte es sich handelt. Die Illustrationen von Daniel Stieglitz passen ins Ambiente und unterstreichen den lockeren Ton dieses Buches. 

Fazit: 

Ein Buch, das sich vor allem für jene eignet, die gerne einmal selbst Beeren sammeln wollen, sich aber noch nicht sicher sind, wie sie das anstellen sollen. Das Buch "Beeren finden!" bietet Antwort auf die wichtigsten Fragen und lässt sich einfach einpacken.
Aufgrund seines schlanken Umfanges ist es jedoch kein Universalratgeber! 

Christine Schneider
Beeren finden!
TB, 2011
Ulmer

978-3-8001-7660-1 

Mit Illustraionen von Daniel Stieglitz 

Herlichen Dank an den Ulmer Verlag!
www.ulmer.de 

24.01.2012 um 08:58 Uhr

[Rezension] Blutroter Mond

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Daggorhorn ist ein düsterer Ort, der in ständiger Angst vor dem Wolf lebt.
Die Schwestern Valerie und Lucie könnten unterschiedlicher nicht sein, dennoch hängen die Beiden sehr aneinander. Doch dann färbt der Vollmond sich blutrot und Lucie fällt dem Wolf zum Opfer.
War es etwa Peter, Valeries Jugendfreund, der nach zehn Jahren wieder ins Dorf zurückgekehrt ist? Und wieso vermag Valerie mit dem Wolf zu sprechen?

Meine Meinung:

"Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond" von Sarah Blakley-Cartwright basiert auf dem Drehbuch von David Leslie Johnson zum gleichnamigen Film. Es ist eine düstere und freie Erzählung des Rotkäppchen-Märchens.

Der Beginn des Buches ist vielversprechend und richtig spannend. Man lernt das Leben in Daggorhorn kennen, die Bewohner und wie sie sich vor dem Werwolf schützen, der das Dorf jeweils zum Vollmond heimsucht. Ebenfalls treffen wir auf die Schwestern Lucie und Valerie. Lucie scheint ein Überwesen zu sein, jung, hübsch und gutherzig. Valerie dagegen ist wild und kann sich nur schlecht in die Dorfgemeinschaft einfügen.

Als die Ménage à troi zwischen Peter, Valerie und Henry beginnt, verlor das Buch für mich etwas an Spannung. Valerie weiss nicht, für wen sie sich entscheiden soll und wem sie trauen kann. Zwar trauert sie um ihre Schwester, aber seltsamerweise griffen ihre Gefühle nicht auf mich über. Es geht mehr darum, wer jetzt das Mädchen bekommt. Die Zielgruppe des Buches mag dies interessieren, für mich persönlich war es aber eher belanglos.

Faszinierend fand ich jedoch das Thema des religiösen Fanatismus, der im Buch zum Vorschein kommt. Vater Solomon wird gerufen, um dem Werwolf den Garaus zum machen. Solomon ist, wie Valerie rasch erkennt, ein Mensch, der nur in Schubladen denkt: gut oder böse. Böses wird gnadenlos zerstört.
Dabei fragte ich mich allerdings, ob dieses Gemetzel und Blutvergiessen in einem Jugendbuch wirklich nötig ist oder ob man jugendliche Leser nicht auch auf andere Arten faszinieren und packen kann. Zwar störten mich die blutigen Szenen nicht, aber ab und an fand ich sie etwas übertrieben.

An einigen Stellen merkt man, dass das Buch auf einem Drehbuch basiert. Manche Bilder, die aufgezeigt werden, sind definitiv leinwandreif: Die weissen Blüten, das schwarze Pferd, das durch die Flammen rennt etc. 
Auf diese Weise werden von der Autorin Bilder beschrieben, die im Kopf bleiben. Leider fehlte mir trotzdem etwas in der Geschichte. Ich kann nicht genau sagen was, aber wirklich gepackt hat es mich nicht. Bis zum Schluss blieb ich relativ teilnahmslos und betrachtete Valerie bloss, wie sie dies tut und jenes geschieht.

Fazit: 

"Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond" ist eine flüssig erzählte Geschichte, die sich gut für Zwischendurch eignet. Das Buch liest sich flott, ist aber teilweise sehr blutig.

Wer Neuerzählungen von Märchen mag, kann sich das Buch sicherlich mal ansehen. Jedoch reicht es meiner Ansicht nach nicht an Broms "Der Kinderdieb" o.ä. heran. Es ist eine Geschichte vor allem für jugendliche Leser, die eine düstere Liebesgeschichte mit Fantasy-Elementen zu schätzen wissen.

Ich meinerseits wurde zwar gut unterhalten, jedoch lässt mich die Geschichte bloss mit einem Schulterzucken zurück. 

Sarah Blakley-Cartwright & David Leslie Johnson
Red Riding Hood
Unter dem Wolfsmond
TB, 1. Auflage 2011
CBT

978-3-570-16124-1

Originalausgabe: Red Riding Hood
Poppy, New York 2011 

16.01.2012 um 21:04 Uhr

[Rezension] Ene, mene, muh

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Robert mag weder die Mathematik, noch seinen Mathelehrer. Ebenso wenig mag er seine Albträume, die ihn des nachts heimsuchen. Doch dann bekommt Robert in seinen Träumen besuch vom Zahlenteufel. Dieser nimmt den Jungen in die Lehre, um aus ihm einen Zauberer zu machen - einen Zahlenzauberer...

Meine Meinung:

Hans Magnus Enzensbergers Buch "Der Zahlenteufel" ist ein Buch für jene, die mit der Mathematik nicht viel anfangen können und sich nicht weiter mit ihr beschäftigen wollen. Robert selbst ist auch einer jener Menschen, die die Mathematik nicht mögen und ihr am liebsten aus dem Weg gehen. Doch mit Hilfe des Zahlenteufels ändert sich das.

Zusammen mit Robert erfährt der Leser die Geheimnisse der Mathematik. So wird zum Beispiel erklärt, welche Bedeutung die Null in unserem Zahlensystem hat, die "Bonatschi"-Zahlen werden durchgenommen und gewissen Zahlenreihen werden Farben zugeordnet.

Das Buch ist einfach und verständlich geschrieben, damit auch jüngere Leser verstehen, was hier eigentlich genau erklärt wird. Meistens besteht die Geschichte aus Gesprächen zwischen Robert und dem Zahlenteufel, die den trockenen mathematischen Begriffen oft lustige Übernamen geben. Die mathematischen Beispiele sind mit bunten Bildern untermalt und der Leser wird Schritt für Schritt an den Kern der Sache herangeführt.
In späteren Kapiteln wird immer wieder auf bereits Erwähntes zurückgegriffen, sodass das Gelesene wieder aktiviert wird. So wird verhindert, dass man eine Erklärung liest und sie gleich daraufhin wieder vergisst.

Zwar brachte mir das Buch nichts grundlegend Neues bei, aber altes Wissen aus der Schule wurde wieder in Erinnerungen gerufen. Das meiste kannte ich bereits von anderen Orten, es war jedoch interessant, die Dinge auf eine solch unterhaltsame Weise erklärt zu bekommen.

Jedoch muss ich auch sagen, dass mir manche Schritte, die im Buch unternommen wurden, bereits wieder verwirrten und ich an anderer Stelle noch einmal nachfragen musste, was dies nun zu bedeuten hätte.

Sagen, dass mir "Der Zahlenteufel" die Angst oder die Abscheu von der Mathematik genommen hat, kann ich nicht. Weder ist mir ein grosses Licht aufgegangen, noch fällt mir der Umgang mit Zahlen nun leichter. Für mich war die Lektüre bloss ein weiterer Ausflug in die unendlichen Weiten der Mathematik.

Fazit: 

Ein gutes Buch für jene, die mehr über die Hintergründe der Mathematik erfahren wollen. "Der Zahlenteufel" bietet einige gute Tricks und Kniffe für das Überleben im Matheunterricht. Es lehrt das Verständnis für Zahlen bis zu einem gewissen Grad.

Für mich leider keine Revolution, aber eine nette Kopfkissenlektüre.

 

Hans Magnus Enzensberger
Der Zahlenteufel
Ein Kopfkissenbuch für alle, die Angst vor der Mathematik haben
HC, 1997
Hanser

3-446-18900-9 

Mit Bildern von Rotraut Susanne Berner 

15.01.2012 um 15:43 Uhr

[Rezension] Future Semi-Conditionally Modified Subinverted Plagal Past Subjunctive Intentional

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Nach der Zerstörung der Erde stecken Arthur Dent und seine Freunde in ziemlichen Schwierigkeiten. Eigentlich wären die Schwierigkeiten ja gar keine Schwierigkeiten, wäre das Raumschiff "Heart of Gold" nicht gerade damit beschäftigt, eine Tasse Tee herzustellen.
Als Zaphod Beeblebrox, seines Zeichens Präsident der Galaxie, sich auf macht, den Herrscher des Universums zu suchen, geht die Odyssee durchs Weltall in die nächste Runde...

Meine Meinung:

"The Restaurant at the End of the Universe" ist der zweite Teil der Hitchhiker-Reihe von Douglas Adams. Wieder einmal besticht der Autor mit munteren Einfällen und kurzweiligen Jagden durch die unendlichen Weiten des Weltraums.

Jedoch sollte man unbedingt den ersten Teil gelesen haben, bevor man sich ins Restaurant begibt. Zwar werden die Ereignisse des ersten Bandes auf zwei Seiten noch einmal kurz zusammengefasst, doch reicht dies bei Weitem nicht aus, um die Charaktere zu verstehen. Auch ich hatte etwas Mühe, da es schon einige Jahre her ist, seit ich den ersten Band "The Hitchhikers Guide to the Galaxy" gelesen habe.

Wer den ersten Band mochte, wird auch vom zweiten Teil nicht enttäuscht sein. Der Humor wird nicht weniger und Adams bringt wieder viel Schwung in die Geschichte. Es bleibt kaum Zeit, einmal richtig Atem zu schöpfen. Auch nicht, als die Charaktere es endlich ins "Restaurant am Ende des Universums" schaffen. Es gibt viel zu Lachen und vor allem Douglas' Ideen (u.a. von wem die Menschheit eigentlich absteht) sind einfach herrlich. Der Autor schafft es, auf eine feine englische Art, die menschliche Lebensweise zu mokieren. 

Die vielen unterschiedlichen Planeten und Landschaften machen es einem leider ab und zu schwierig, einzuordnen, wo man sich örtlich und bezüglich der Geschichte gerade befindet. Diese Sprünge machen es vor allem jenen schwierig, die das Englische noch nicht so gut beherrschen. Für jene empfiehlt es sich, die deutsche Ausgabe zu lesen. 

Fazit: 

"The Restaurant at the End of the Universe" knöpft direkt an den Vorgänger an. Dies nicht nur, was die Handlung betrifft, sondern auch sprachlich. Douglas hat eine gelungene Fortsetzung geschrieben, die Lust macht, sich sofort auf den nächsten Teil zu stürzen.

Douglas Adams
The Restaurant at the End of the Universe
TB, 2010
MacMillan

978-0-330-50881-0

Deutsche Ausgabe

Douglas Adams
Das Restaurant am Ende des Universums
TB, 2009
Heyne

978-3-453-40781-7

Aus dem Englischen von Benjamin Schwarz