Jaris Büchergebrabbel

14.01.2012 um 20:31 Uhr

[Rezension] Sommernachtstraum

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

In einer wundervollen Nacht, die auf einen wundervollen Tag folgte, trifft der Erzähler auf das Mädchen Nastenka. Er hilft ihr in einer Notsituation und schon bald merken die Beiden, dass sie ein ganz besonderes Band miteinander verbindet. Doch Nastenka hat ihr Herz bereits verschenkt...

Meine Meinung:

Fjodor Dostojewski entführt den Leser in "Weisse Nächte" in die sommerlichen Nächte St. Petersburg. Die Liebesgeschichte, die auf nur 100 Seiten erzählt wird, vermag trotz der Kürze zu überzeugen und man schlägt das Buch schlussendlich mit einem tiefen Seufzer zu.

Der Erzähler der Geschichte ist ein Träumer, ein einsamer Träumer. Er kennt die Stadt St. Petersburg in- und auswendig, doch mit den Menschen kann er nicht besonders gut umgehen. Doch als er auf Nastenka trifft, ändert sich das. Das Mädchen erobert sein Herz im Sturm und obwohl er weiss, dass sie einen Anderen liebt, treffen sie sich die nächsten vier Nächte und kommen sich immer näher.

Es mag wie eine Geschichte klingen, die bereits hundert Male erzählt wurde, das mag es vielleicht auch sein. Doch Dostojewskis "Weisse Nächte" hat aus seiner kurzen Liebesgeschichte das Maximum herausgeholt. Der Untertitel "Ein empfindsamer Roman" passt perfekt zur Stimmung. Die Sprache im Buch ist sehr gefühlvoll, die Ich-Perspektive lässt uns direkt an den unterschiedlichen Stimmungslagen des Erzählers teilhaben. Ich fieberte mit, hoffte und bangte um das Glück des Paares.

Nur Nastenka ging ab und zu etwas gegen den Strich, da sie immer gleich zu weinen begann, doch dies unterstreicht nur noch mehr, dass "Weisse Nächte" ein sehr russisches Buch ist. 

Fazit: 

"Weisse Nächte" ist eine wunderschöne, tiefgründige und romantische Geschichte, die durch eine besondere und ergreifende Sprache besticht.

Wer gerne in einer schönen Sprache schwelgt, der sollte dieses Büchlein einmal zur Hand nehmen. Es eignet sich hervorragend als Kopfkissen-Lektüre. Wer sich an einen Russen heranwagen möchte, findet hier einen sehr guten Einstieg.

Ich war sofort hin und weg von der wunderschönen Sprache Dostojewskis, die man wirklich als "russisch" bezeichnen kann. Die Geschichte war weder kitschig noch langweilig und hielt mich bis zum Schluss in Atem. 

Fjodor Dostojewski
Weisse Nächte
Ein empfindsamer Roman
(Aus den Erinnerungen eines Träumers)
HC, 2007
Anaconda

978-3-86647-181-8

Aus dem Russischen von Hermann Röhl 

12.01.2012 um 22:07 Uhr

[Rezension] Vom Vater zum Sohn

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Es ist immer der erstgeborene Sohn der Familie Csillag, der mit einer besonderen Gabe gesegnet ist: Er kennt die Vergangenheit. Dies ist das Erbe seiner Väter. Mit diesem Erbe kommt auch "Das Buch der Väter", in dem jeder Erstgeborene seine Lebensgeschichte niederschreibt und es an seinen Sohn weitervererbt.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1705. Wie lange wird die Familie Csillag überdauern und wie gehen die Erben mit ihrem Segen um, der gleichzeitig auch ein Fluch sein kann?

Meine Meinung:

Miklós Vámos's Werk "The Book of Fathers" (deutsch: Das Buch der Väter) ist ein Werk, das die Familiengeschichte der Familie Sternovszky/Stern/Csillag von ihren Ursprüngen im 18ten Jahrhundert bis in die Gegenwart verfolgt.

Vámos ist ein geduldiger Beobachter und ein treuer Erzähler. Obwohl im Buch viel Tragisches geschieht, bleibt die Erzählweise immer ruhig und besonnen. Dennoch wurde ich von der Geschichte der ungarischen Familie gepackt und verlor mich ganz und gar in diesem wundervollen Buch.

Man erlebt Freud und Leid mit dem jeweils erstgeborenen Sohn der Familie. Ist auf seinen Reisen dabei, bei der Familiengründung und erfährt ebenfalls viel über sein Innenleben, da die Söhne jeweils ihre eigenen Notizen ins "Buch der Väter" übertragen. Auch die unterschiedlichen Charaktere der Figuren wurden vom Autoren gut herausgearbeitet, sodass man die Unterschiede zur vorhergehenden Generation deutlich anmerkt.

Doch erlebt man als Leser nicht nur die Entwicklung der Familie, sondern nebenbei erhält man auch einen Einblick in die Geschichte Ungarns. Dieser Part hätte für mich jedoch auch etwas umfassender und detaillierter gewesen sein können, doch dann wäre das Buch wahrscheinlich aus den Nähten geplatzt.

Toll fand ich, dass sich der Autor wirklich Gedanken um sein Buch gemacht hat. So hat er zum Beispiel die Sprache der jeweiligen Epoche so detailgetreu wie möglich wiedergegeben. Dies macht vor allem den Anfang der Geschichte etwas schwieriger zu lesen, doch macht genau dies das Buch so authentisch.

Ebenfalls hat er jedem Charakter ein Tierkreiszeichen zugeordnet und somit den gesamten Sternkreis in "Das Buch der Väter" einbezogen. Der Anfangsbuchstabe der aktuellen Hauptperson deutet an, um welches Sternzeichen es sich handelt. Jedoch handelt es sich dabei um die ungarischen Bezeichnungen, da Vámos Ungare ist. Mir hat das Rätseln sehr viel Spass gemacht, überhaupt ging mir bei den ungarischen Namen und Bezeichnungen das Herz auf.

Trotzdem ist dieser Titel kein Buch für jedermann. Man muss Familiengeschichten mögen, ansonsten ist "Das Buch der Väter" nichts für einen. Ausserdem muss man sich bewusst sein, dass man es mit einer ganzen Fülle von Namen, Daten und Tatsachen zu tun bekommt. Auch ich wusste oftmals nicht mehr, wer wer war oder was in der Geschichte zuvor passiert ist. 

Was ist sehr schade fand, war, dass gegen Ende des Buches, der phantastische Part stark abnahm. War dieser vor allem in der Mitte stark ausgeprägt und ein wichtiger Teil der Geschehnisse, nahmen die Berichte über die Visionen der Männer immer mehr ab.

Fazit: 

Ein Buch für alle, die "Die Buddenbrooks" lieben. Ein Buch für alle, die Familiengeschichten mit realem Hintergrund mögen. Ein Buch für alle, die Ungarn mögen. Wer sich jedoch unsicher ist, sollte besser erst einmal in das Buch hineinlesen. Nicht jeder wird es mögen.

Ich bin froh, dass ich "The Book of Fathers" endlich gelesen habe, es hat es definitv nicht verdient, so lange auf dem SUB zu liegen. Es war eine Lektüre, in die ich mich total versenken konnte, auch wenn sie teilweise ziemlich langatmig und verwirrend war. Dennoch kam ich vom Schicksal der Familie Csillag einfach nicht mehr los.

Miklós Vámos
The Book of Fathers
TB, 2006
Abacus

978-0-349-1931-1 

Aus dem Ungarischen von Peter Sherwood 
Originalausgabe: Apák könyve
Ovo, Budapest 2000

Deutsche Ausgabe: 

Mikós Vámos
Buch der Väter
TB, 2006
BTB 

978-3-442-73490-0

07.01.2012 um 22:08 Uhr

[Rezension] Prinzessin auf der Erbse

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Yeine lebt ihr Leben im hohen Norden des Landes. Doch eines Tages wird sie zu ihrem Grossvater berufen. Ihrem Grossvater - dem Herrscher der gesamten Welt. Offiziell heisst es, dass Yeine als Erbin in Frage kommt und gegen ihre verfeindeten Cousins antreten soll. Doch schnell findet sie heraus, dass hinter den Palastmauern einiges faul ist. Um zu überleben und mehr über den Tod ihrer Mutter herauszufinden, lässt Yeine sich auf einen Handel mit den Göttern ein. Doch diese haben ihren eigenen Plan...

Meine Meinung:

Nora K. Jemisin hat mit "Die Erbin der Welt" einen vielschichtigen und ergreifenden HighFantasy-Roman geschrieben, der einen nicht mehr loslässt. Das Buch ist ein richtiger Page-Turner, die Geschichte fliegt nur so dahin und man möchte gar nicht mehr aufhören zu lesen.

Obwohl das Buch definitv in die Rubrik der HighFantasy gehört, kommt man nicht mit den typischen Völkern der Fantasywelt in Kontakt. Die einzigen übernatürlichen Wesen sind die Götter. Es gibt keine Magier, die Familie Arameri, der auch Yeine angehört und die über die gesamte Welt herrscht, benutzt bloss die Kräfte der gefallenen Götter. Auch wird man nicht gleich von vielen Landschaftsbildern erschlagen, die Geschichte spielt eigentlich bloss im Palast der Arameri-Familie. Hinzu kommt noch die süffige Sprache, was das Buch zu einem geeigneten Einstieg in die HighFantasy macht.

Was mich an "Die Erbin der Welt" vor allem fasziniert hat, ist Yeine selbst und das Leben im Palast. Jemisin beschreibt die junge Protagonistin mit viel Fingerspitzengefühl und beweist Feingefühl beim Ausdruck der Gefühle. Man leidet mit Yeine mit, denn sie hat es wirklich nicht leicht. Yeine ist nicht perfekt, sie wird wütend, traurig, verzweifelt, entscheidet sich falsch - all dies lässt sie menschlich und greifbar machen. Nur durch das blosse Lesen wird einem klar, wie einsam dieses Mädchen eigentlich ist. Mehr als einmal hätte ich sie am liebsten in den Arm genommen.

Dasselbe Gespür beweist die Autorin, wenn sie beschreibt, wie schrecklich es ist, im Hause Arameri zu leben. Die Intrigen, der unterschwellige Hass, der Kampf auf Leben und Tod, die Familiengeheimnisse, Yeines eigenes Schicksal...
Jemisin wirft viele Fragen auf und man erhält viele Fakten. Ab und zu sogar zu viele. Man erhält als Leser viele Informationen, doch erfährt man erst später, was diese zu bedeuten haben. Davon kann einem schon ein wenig der Kopf schwirren. Ebenfalls weiss man zu Beginn nicht, was die angeblichen Selbstgespräche Yeines zu bedeuten haben.
Doch zum Glück erhält man am Schluss die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Daneben wirkt die Liebesgeschichte von Yeine und dem Gott der Dunkelheit Nahadoth etwas gewollt und schon allzu bekannt. Sie ist interessant, bringt aber nichts wirklich Neues.
Die Geschichte, wie die Götter in Gefangenschaft gerieten, ist um einiges spannender.

Fazit: 

Ein Buch, das einen nicht mehr loslässt und sich gut für Leser eignet, die sich nicht an epochale HighFantasy-Werke herantrauen. Man sollte sich jedoch klar darüber sein, dass die Stimmung in der Geschichte ziemlich düster ist, dafür ist sie auch umso packender.

Ich konnte mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören. Yeines Schicksal ging mir sehr nahe, obwohl ich den Schluss etwas seltsam fand. 

N.K. Jemisin
Die Erbin der Welt
Broschiert, 1. Auflage 2010
Blanvalet

978-3-442-26669-2 

Aus dem Amerikanischen von Helga Parmiter
Originalausgabe: The Hundred Thousand Kingdoms
Orbit, 2010

02.01.2012 um 19:37 Uhr

[Rezension] Ein Elefant in Nokia

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Schon seit ihrer Geburt kümmert sich Lucia um die Elefantendame Emilia. Doch seit ein neues Tierschutzgesetz in Kraft getreten ist, ist Emilia als Zirkuselefant arbeitslos. Lucia beschliesst, nach vielen Abenteuern mit dem treuen Dickhäuter, ihren Schützling zurück nach Afrika zu bringen. Eine Reise quer durch Finnland steht den beiden Damen bevor.

Meine Meinung:

Arto Paasilinnas "Ein Elefant im Mückenland" verspricht ein unterhaltsamer und witziger Roadmovie mit einer lustigen Idee zu sein. Die Grundidee wäre auch wirklich reizend, wäre die Umsetzung nicht dermassen misslungen.

Der Rückentext lockt mit der niedlichen Idee, immerhin ist ein Elefant die angebliche Hauptperson, und mit pechschwarzem Humor. Das Einzige, was im Buch davon zu finden war, war der Elefant. Der ist auch der Grund, weshalb ich das Buch nicht abgebrochen habe.

Zum einen störte mich Paasilinnas viel zu einfachen Schreibstil. Er erinnerte mich an einen Schüler, der einen längeren Aufsatz schrieb. Es gab keinen roten Faden, keinen Spannungsaufbau, die Figuren sind seicht und lustig war das Buch eigentlich bloss an einigen kurzen Stellen. Schwarzer Humor fand sich in keiner einzigen Passage.

Während des Lesens musste ich ausserdem ständig den Kopf schütteln. Die selbstverständlich wunderschöne Lucia reist mit ihrem Elefant zuerst durch Russland, diesen Teil der Geschichte war noch einigermassen interessant zu lesen, da man vieles über Russland und Finnland erfährt.

Schon zu diesem Zeitpunkt merkte ich, dass das Buch nicht das ist, was ich mir vom Rückentext versprochen hatte. Dennoch hätte es noch immer zu drei Punkten gereicht.
Doch nachdem sich die in meinen Augen ziemlich oberflächliche Lucia entschlossen hatte, den Elefanten nach Afrika zurückzubringen, sackte die Qualität noch einmal ab.

Es ist einfach unrealistisch, dass Lucia auf so viele Leute trifft, die ihr helfen. Jede Person, die wir im Buch treffen, schenkt dem Elefanten entweder einfach so 200 Kilogramm Kartoffeln oder meint, dass das Tier dort und dort untergebracht werden kann und dass die Miete von dieser Person übernommen wird. Oftmals fragte ich mich, ob die Finnen wirklich so reich sind, dass sie ihre gesamte Ernte oder alle ihre Einkünfte einer vorbeiziehenden Zirkusprimadonna mit Elefant verschenken.
Ebenfalls macht der Elefant oft Dinge kaputt. Da kann Emilia natürlich nichts dafür. Aber wie kommt es, dass keiner, dem etwas kaputt gemacht wird, wütend wird? Ich weiss nicht, ob so verständlich wäre, wenn ein Elefant mir meine Hütte zertrampeln oder meinen Hund töten würde.

Mit diesen Punkten einher geht, dass das letzte bisschen Spannung verloren geht. Die Geschichte treibt so dahin, man kann das Metronom im Hintergrund direkt hören. Bam - bam - bam, immer im gleichen Takt, so liest man sich durch die 250 Seiten. Und wenn der Elefant oder Lucia in Bedrängnis geraten weiss man bald, dass irgendwo wieder ein nobler Helfer wartet und die Beiden beschenkt.

Auch Lucias Überlegungen sind naiv und kindisch. Ein Elefant, der sein Leben lang in Gefangenschaft gelebt hat, kann man nicht einfach in Afrika aussetzen und hoffen, dass er überlebt. Doch genau davon geht das Mädchen aus. Ihr Handeln ist zwar nobel, aber verantwortungslos. 

Fazit: 

All die genannten Punkte machen das Buch "Ein Elefant im Mückenland" zu einem Buch, das ich wirklich nicht weiterempfehlen würde. Es mag leichte Lektüre für zwischendurch sein, doch davon gibt es weitaus Besseres!

Arto Paasilinna
Ein Elefant im Mückenland
TB, 1. Auflage 2008
BLT

978-3-404-92276-5 

Aus dem Finnischen von Regine Pirschel
Originalausgabe: Suomalainen kärsäkirja
WSOY, Helsinki 2006

02.01.2012 um 10:38 Uhr

[Rezension] Ein Dutzend Eier

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Leningrad, 1942: Die Stadt wird von den Deutschen belagert, die Bevölkerung ausgehungert.
In dieser Zeit geschieht es, dass der junge Lew erwischt wird, wie er nach der Ausgangssperre einen toten deutschen Soldaten ausraubt. Doch entgegen seiner Erwartungen wird der Junge nicht exekutiert, sondern er erhält eine schier unlösbare Aufgabe:
Zusammen mit dem ebenso jungen Kolja soll Lew für eine Hochzeit ein Dutzend Eier auftreiben... 

Meine Meinung:

An David Benioffs "Stadt der Diebe" musste ich wohl mit zu hohen Erwartungen herangegangen sein. Anders kann ich mir meine Enttäuschung über die Lektüre nicht erklären. Ich erwartete ein packendes und spannendes Abenteuer, doch das Buch liess mich seltsam unberührt zurück.

Die Szenerie des winterlichen und verarmten Russlands fand ich wirklich interessant. Man erfährt einiges über den Zweiten Weltkrieg, Hintergrundinformationen, die man ansonsten vielleicht nicht gehört hätte. Benioff hat die Umgebung, die Kälte, den Hunger sehr detailiert und gelungen beschrieben. Ich war oftmals froh, dass ich nicht durch kniehohen Schnee stapfen musste.

Dennoch wurde ich weder mit der Geschichte, noch mit den Figuren wirklich warm. Lew war mir zu unpersönlich, ich konnte mir von ihm während der gesamten Geschichte kein wirkliches Bild von ihm machen. Nur zum Schluss, als er aus seiner Passivität erwacht, denn Lew ist eine sehr passive Hauptperson, habe ich ihm etwas Respekt entgegen bringen können.
Auch bei Kolja war ich zwiegespalten. Zu Beginn fand ich ihn umwerfend, doch mit Fortgang des Buches zehrte er mehr und mehr an meinen Nerven. Ein derart pubertärer und von sich eingenommener Mensch. Seine Witze brachten mich einerseits zum Lachen, doch schon im nächsten Satz musste er wieder mit seinen weiblichen Errungenschaften angeben. So wurde er mir zusehends unsympathisch.

Ebenfalls fehlte es mir an Spannung. Die Geschichte ist zwar oftmals berührend und man erschaudert bei den schlimmen Vorfällen, die während des Krieges geschahen, doch irgendwie schien sie mir nicht griffig genug. Anstatt um das Leben der Hauptpersonen zu bangen, war ich bald von den vielen Details und Koljas Angebereien gelangweilt. Nur beim Finale kam wirklich Spannung auf. Dafür vergass ich während dieser paar Seiten beinahe das Atmen. Für das Ende der Geschichte hatte ich dann jedoch nur ein müdes Achselzucken übrig.

Fazit: 

Leider eine Enttäuschung. Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Buch, das während des Zweiten Weltkrieges spielt, mich tatsächlich langweilen könnte. Doch genau dies geschah. "Stadt der Diebe" wurde ein Opfer zu hoher Erwartungen aufgrund all der positiven Stimmen, die ich vernommen hatte.

Leser, die sich gerne mit einem realen Hintergrund beschäftigen, werden hier eine interessante und facettenreiche Landschaft vorfinden, in die man sich vertiefen kann. Ebenfalls erwähnenswert ist die interessant aufgebaute Geschichte der Freundschaft von Lew und Kolja.

David Benioff
Stadt der Diebe
TB, 2010
Heyne

978-3-453-40715-2

Aus dem Amerikanischen von Ursula-Maria Mössner
Originalausgabe: City of Thieves
Random House, 2008 

31.12.2011 um 10:31 Uhr

[Rezension] Betrunkener Rollstuhlfahrer gestoppt

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

In den Nachrichten ist meistens von Tod und Verderben die Rede. Gute Neuigkeiten, oder gar lustige, sind Fehlanzeige. Deshalb gibt es jetzt eine Sammlung der verrücktesten Nachrichten aus aller Welt, die zeigen, wie irrwitzig Zeitungsberichte eigentlich sein können.
Ob geblitzte Enten, lebensrettende Riesenkaninchen oder ein 300 000 Wörter langer Liebesbrief - hier findet man die verrücktesten Nachrichten der Welt versammelt.

Meine Meinung:

Anne und Ingo Reichardt haben mit "Katze führte Doppelleben" ganze Arbeit geleistet und die lustigsten und unterhaltsamsten Neuigkeiten aus der ganzen Welt zusammengetragen.

Die Berichte sind in mehrere Kapitel unterteilt, so kann man sich mit der Tierwelt beschäftigen, der Politik oder Kuriositäten aus anderen Kulturen dieser Welt. Obwohl die Nachrichten zwar keine wahren Brüller beinhalten, so bringen sie den Leser dennoch dazu, ungläubig den Kopf zu schütteln, darüber, was in der Welt so geschieht. Unterhaltsam ist das Buch allemal!

Wohl um die Copyright-Angabe zu umgehen, hat das Paar die originalen Zeitungstexte umgeschrieben, sodass alle Texte gleich klingen und oft auch einige Wortstellungsfehler vorhanden sind. Diese kommen wohl aus der Übersetzung, fallen jedoch trotzdem negativ auf. Eine Sammlung von Zeitungsartikeln mit Kommentar (im Stil von "Happy Aua" zum Beispiel) wäre bestimmt auch interessant gewesen.

Fazit: 

Ein Buch, das jede lange Zugfahrt im Flug vergehen lässt. Es ist perfekt zum Schmökern geeignet. Vor allem jene, die sich für sinnlose Fakten interessieren, werden hier Einiges erfahren, das sie auf der nächsten Party zum Besten geben können. Zum Beispiel dies, dass in China rosarota Waschmaschinen mit Herzchen der Renner sind.

Anne und Ingo Reichardt
Katze führte Doppelleben
Die verrücktesten Nachrichten aus aller Welt
TB, 2001
Marlon Verlag

978-3-943172-03-4 

30.12.2011 um 19:28 Uhr

[Rezension] Katze unterm Weihnachtsbaum

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Ein frisch geschiedener Mann zieht in seine neue Wohnung. Als er des Morgens seinen Briefkasten öffnet, findet er einen Brief. Er enthält eine Geschichte. Von diesem Tag an erhält er ehemalige Beamte jeden Tag eine neue Geschichte, die eines gemeinsam haben: Sie handeln allesamt von Katzen. 
Doch wer ist der heimliche Bote der Geschichten? Wir er sich am 24. Dezember zu erkennen geben?

Meine Meinung:

"Adventskätzchen" ist ein literarischer Adventskalender für Katzenfreunde. Jone Heer hat 24 kätzische Geschichten gesammelt und Thommie Bayer hat die Rahmenhandlung beigesteuert.

Die Geschichten sind sehr unterschiedlich und deshalb unterhaltsam zu lesen. Es ist für jeden etwas dabei. Man trifft auf Geschichten, die einem gefallen, jedoch muss man natürlich auch damit rechnen, dass man manche der Erzählungen nicht so gut finden.
Die Auswahl geht von Haruki Murakami über Andrea Schacht zu Ann Granger und Ernest Hemmingway. Manche Geschichten sind lustig, manche traurig und es gibt sogar welche, die einen erschauern lassen.

Leider spielen die Geschichten nicht alle in der Weihnachtszeit, sodass vor allem zu Beginn des Buches keine wirklich weihnachtliche Stimmung aufkommt. Da spielen die meisten der Erzählungen im Hochsommer.

Ausserdem ist die Rahmenhandlung von Bayer ebenfalls ziemlich lasch und hätte man eigentlich auch weglassen können. Das Ende ist vorhersehbar und auch etwas kitschig. Das Büchlein lebt definitv von der gelungenen Mischung der einzelnen Beiträge.

Empfehlen kann ich übrigens die Geschichte von Cat, einer seefahrenden Katze. Und natürlich auch Haruki Murakamis wundersam-schöne Geschichte von Herrn Nakata.
Weniger gefielen mir die Erzählungen der amerikanischen Autoren, diese ähnelten sich diesbezüglich ziemlich starkt, dass die Geschichten immer damit begonnen, dass die Katze erstmal verjagt oder sich über das Tier beklagt wird. 

Fazit: 

Eine Sammlung für Katzenfreunde, die sich das Warten auf Weihnachten mit einer täglichen Dosis "Katze" verschönern wollen. Länger als 20 Seiten sind die Geschichten nicht, so kann man sie auch gut seinem Stubentiger vorlesen.

Herausgegeben von Jone Heer
Adventskätzchen
Die schönsten Geschichten zum Fest
HC, 2011
PIPER

978-3-492-27269-8 

19.12.2011 um 11:23 Uhr

[Abgebrochen] Marmorera

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Dominik Bernet - Marmorera

Wenn ich für zwei Seiten zwei Tage brauche, ist das kein guter Start. Wenn ich nach fünfzig Seiten das Buch genervt zuschlage und zur Seite schiebe, dann ist das kein gutes Zeichen. Auch wenn das Buch nur knappe 250 Seiten aufweist, ist mir meine Zeit dafür doch zu schade.

Ich kann mit Schweizern nicht, ich mag ihren Schreibstil nicht. Mochte ich nie. "Marmorera" hätte ich nicht angerührt, hätte meine Mutter nicht den Wunsch geäussert, dass ich es lese. Also gab ich mir Mühe. Doch schon die erste Seite war so deprimierend, dass ich lieber nichtstuend in der Kälte stand.

Zur Analyse.

Der Schreibstil: Total aufgeblasen und wichtigtuerisch. Der Autor erinnert mich an einen kleinen Jungen, der zeigen will, wie toll er ist und allen beweisen will, was er schon alles kann. Doch hinter dem Ganzen steckt nicht mehr als heisse Luft.

Die Figuren: Oberflächlich und unsympathisch. Sie verhalten sich so, wie der Autor schreibt. Sie nehmen sich zu wichtig und bestätigen viele Vorurteile Züchern gegenüber. Bernet machte sich nicht die Mühe, die Personen mit einem Charakter auszustatten, sie sind lediglich Figuren, die sich für wichtiger halten, als sie sind. Sie sind kalt, gefühl- und konturlos.

Die Geschichte: Ein Mädchen, das hingeht und wahllos Leute umbringt. Zumindest scheint dies nach fünfzig Seiten die Zusammenfassung zu sein. Wäre das Buch spannend, wäre es bestimmt eine Geschichte gewesen, die mich interessiert hätte. Leider ist es nicht spannend. Als das Mädchen irgendwann in einem Topf voller Fisch stand, fragte ich mich, weshalb ich das wissen muss und ob mich das tatsächlich interessiert.

Nein, tut es nicht.

Obwohl die Geschichte in meiner Heimat spielt und mit dem Hintergrund des gefluteten Dorfes Marmorera eine wahrlich interessante Geschichte hätte hergeben können, hat der Dominik Bernet alles in den Sand gesetzt. Buchflop.

12.12.2011 um 14:04 Uhr

[Rezension] Grosser Glaux!

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Der junge Soren ist noch nicht einmal flügge, als er aus dem Nest fällt. Doch bevor seine Eltern ihn retten können, wird Soren entführt! Man bringt die junge Schleiereule in ein Internat für Waisen, dafür ist er doch gar keine Waise...
Im Sankt-Ägolius-Internat lernt Soren Gylfie kennen und gemeinsam entdecken sie, welche dunklen Machenschaften hinter Sankt-Ägolius stecken. Die Beiden wissen: Sie müssen schnellstmöglich fliehen. Doch wie, wenn man von Feinden umgeben ist und noch nicht einmal fliegen kann?

Meine Meinung:

"Die Entführung" ist der erste Band der "Legende der Wächter"-Reihe von Kathryn Lasky. Das Buch ist ein gelungener Auftakt und macht Lust, die Folgebände zu lesen.

Die Welt, in die Lasky uns versetzt, ist eine Welt, die von Menschen noch unberührt ist. Soren wächst behütet auf, hat eine Schwester, die ihn anhimmelt und Eltern, die ihn lieben. Nur sein grosser Bruder ist eine Nervensäge. Doch Sorens Leben ändert sich dramatisch, als er plötzlich aus dem Nest fällt und nach Sankt-Ägolius gebracht wird.

Bis zu dem Moment, in welchem sich Soren in Sankt-Ägolius wiederfindet, hielt ich "Die Entführung" für ein einfaches, seichtes Jugendbuch. Tatsächlich lässt sich die Geschichte leicht durchlesen, das Buch ist ein wahrer Page-Turner.

Doch Lasky überraschte mich mit Sankt-Ägolius. Denn was dort vor sich geht ist wirklich schauderhaft, auch mir als erwachsenem Leser lief es einige Mal kalt den Rücken hinunter. Die Welt, in der die kleine Gylfie und Soren ums Überleben kämpfen, erinnert sehr stark an KZs oder den Kommunismus: Aufgabe der eigenen Identität, man soll in der Masse untergehen, tatsächlich erhalten die Vögel keine Namen, sondern Nummern. Man marschiert, rezitiert immer dieselben Floskeln und arbeitet unermüdlich.
Ob jüngere Leser das Setting ebenfalls als so bedrückend empfinden, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht braucht es dafür den Blick eines erwachsenen Lesers. Ich konnte jedoch oft nur staunen, wie die beiden Jungvögel sich gegen diese Machenschaften im Internat wehren können.

Überhaupt muss man die Autorin für ihre gefiederten Charaktere loben. Nicht nur kann man nicht andrers als Soren und vor allem die vorlaute Gylfie einfach gern haben, auch erlebt man während des Lesens, wie sich die Figuren weiterentwickeln. Sie lernen dazu, sie wachsen über sich hinaus und ihnen gelingt die Flucht. Somit ein grosses Lob an die Charakterentwicklung!

Leider fehlte mir ab und zu der Zusammenhang zwischen den einzelnen Abschnitten. Von einem Satz zum nächsten vergehen einfach so Tage oder Entschlüsse werden gefasst, von denen der Leser erst später erfährt. Auf diese Weise entsehen Löcher und der Lesefluss wird gestört, da man erst einmal stutzt und sich fragt, ob man etwas überlesen hat.

Auch fehlte mir an manchen Stellen die Ausarbeitung der Gefühle. Soren wird entführt, doch er beobachtet das Ganze überaus distanziert. Hat er keine Angst? Denkt er nicht an seine Eltern? Ruft er nicht um Hilfe? Daran hätte Lasky, obwohl sie den Spannungsaufbau ansonsten gekonnt vorantreibt, noch etwas arbeiten können.

Ebenfalls sollte man erwähnen, dass die Geschichte an manchen Stellen etwas blutig wird und Charaktere auch ihr Leben lassen müssen. Oft muss man sich schon viel zu früh wieder von faszinierenden Eulen verabschieden. 

Fazit: 

Ein spannendes Buch mit einer rasch voranschreitenden Geschichte, von der man nicht genug kriegen kann.
Für Fans von "Warrior Cats" und Eulen. Denn in "Die Legende der Wächter" erfährt man einiges über Eulen, aber vielleicht sollte man ein Nachschlagewerk neben sich liegen haben, um sich die unterschiedlichen Rassen besser vorstellen zu können.

Ich war hin und weg und total in Sorens Abenteuer versunken. Hoffentlich kann ich bald den nächsten Teil lesen und erfahren, wie es mit meinen Lieblingen weitergeht. Gylfie finde ich übrigens herzallerliebst! 

Kathryn Lasky
Die Legende der Wächter
Die Entführung
HC, 2010
Ravensburger

978-473-36807-5

Aus dem Amerikanischen von Katharina Orgass
Originalausgabe: Guardians of Ga'Hoole. The Capture
Scholastic Inc., New York 2003 

10.12.2011 um 22:48 Uhr

[Rezension] Es begann auf einer Parkbank

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Germain will Margueritte adoptieren. Seine eigene Grossmutter aus dem Park. Dort hatten sich die zwei ungleichen Menschen kennengelernt. Der muskulöse Schrank von einem Mann und die kleine, zierliche Margueritte.
Langsam entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den Beiden und mehr und mehr fasziniert sich der zuvor ungebildete Germain für die Welt der Bücher. Dies wirkt sich mehr und mehr auf sein Leben aus...

Meine Meinung:

Auf dem Rücken von "Das Labyrinth der Wörter" von Marie-Sabine Roger steht "Ein zauberhaftes Buch". Dies, das Cover, die Beschreibung und viele positive Rezensionen haben mich auf das Buch aufmerksam werden lassen und ich wollte es sehr gerne lesen.

Leider blieb der oben versprochene Zauber aus. Das Buch war keine Enttäuschung in dem Sinne, jedoch hält es nicht, was es verspricht. Es ist eine nette und süsse Geschichte, die einen auch mal zum Lachen bringen kann. Aber der Zauber fehlt in der Geschichte, er kam auch nicht hinterher, wie das bei Büchern manchmal der Fall ist. Nachdem ich die Geschichte ausgelesen hatte, klappte ich es zu und damit war auch die Geschichte zu Ende.

Die Idee, einen hünenhaften Sozialempfänger mit einer älteren Dame Freundschaft schliessen zu lassen, ist wirklich schön und das Buch hat Szenen, die wirklich hübsch sind. Die Protagonisten sind sympatisch und man fühlt sich als Leser im Setting wohl.

Dennoch blieben mir alle Charaktere zu flach. Auch Germain, der aus der Ich-Perspektive die Geschichte von ihm und Margueritte erzählt und dabei eine einigermassen authentische Sprache benutzt, blieb kontur- und farblos. Die Figuren erlebten Gutes und Schlechtes, dabei blieben sie mir, bis auf eine Ausnahme am Schluss, völlig gleichgültig. 

Es ist hübsch, zu sehen, wie Germain von Margueritte profitiert und Margueritte wiederum von Germain. Dass also jeder eine Wirkung auf den Anderen hat. Doch da die Personen, wie schon erwähnt, zu wenig ausgearbeitet sind, zog auch dies mehr oder weniger an mir vorüber. Das ist wahnsinnig schade, da mir die Idee des Buches eigentlich sehr gut gefallen hätte.

Zugesagt haben mir jedoch die Szenen, in denen die Zwei sich über Bücher unterhielten. Dank Margueritte verspüre ich zum ersten Mal Lust, Camus zu lesen. Es ist interessant, wie Roger Zitate aus Büchern in die Geschichte einbaut. In "Das Labyrinth der Wörter" bekommt man den einen oder anderen Lesetipp mitgegeben, was bestimmt für das Buch spricht.

Fazit: 

Ein nettes Buch für Zwischendurch, das jedoch zu flach bleibt, um wirklich "zauberhaft" zu sein.

"Das Labyrinth der Wörter" ist sicherlich ein Buch für jene, die gerne lesen. Aber es ist kein Must zum Thema, man muss es also nicht wirklich gelesen haben.

Ich für meinen Teil werde keine weiteren Bücher der Autorin lesen, da sie mich zu wenig gepackt hat. 

Marie-Sabine Roger
Das Labyrinth der Wörter
HC mit Schutzumschlag, 2. Auflage 2010
Hoffmann und Campe

978-3-455-40254-4 

Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer
Originalausgabe: La tête en friche
Éditions du Rouergue, 2008

06.12.2011 um 16:07 Uhr

[Rezension] Frühlingserwach(s)en

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Cassie ist tot. Sie starb einsam und allein im Zimmer eines Motels.
33 Anrufe waren es. 33 Versuche, ihre ehemalige Freundin Lia zu erreichen. Aber Lia ist nicht ans Telefon gegangen.

Jetzt, nach Cassies Tod, kämpft Lia mit sich und der Welt. Sie führt einen aussichtslosen Kampf gegen Kalorien und Nährwerte. Lia kämpft darum, das dünnste Mädchen ihrer Schule zu werden...

Meine Meinung:

Selten habe ich so ein eindrückliches Jugendbuch wie Andersons "Wintermädchen" gelesen. Doch gerade wegen seiner Eindrücklichkeit ist dieses Buch nicht für jeden geeignet.

Es fällt mir nicht leicht, meine Meinung zu "Wintermädchen" wiederzugeben, da ich noch immer zu stark in der Geschichte gefangen bin.
Mia erzählt ihre Erlebnisse aus ihrer Sicht, sie kam mir sehr nahe und oft hat mir das Buch den Atem geraubt. Wir erfahren nicht nur, wie Mia mit den Geschehnissen umgeht, sondern in Rückblicken erzählt sie auch von der tiefen Freundschaft zu Cassie, wie die beiden Mädchen in die Magersucht rutschten und wie sie sich schworen, die dünnsten Mädchen der Schule zu werden. Nur um die genaueren Umstände, weshalb die Freundschaft in die Brüche ging, erfahren wir wenig. 

Zuerst muss man sich jedoch an den besonderen Schreibstil von Anderson gewöhnen, es dauert ein wenig, bis man sich darin zurechtgefunden hat. Die Autorin bedient sich einer Sprache, die wie keine andere darstellt, was in der magersüchtigen Lia vor sich geht. Die Wörter treffen den Leser in seinem Innersten, es ist, als würde man selber Lia sein, derartig real kommen einem die Beschreibungen vor.
Genau deswegen würde ich das Buch nicht jedem Leser empfehlen. Lias Gratwanderung zwischen Realität und Traum, Leben und Tod ist blumig, aber überaus realistisch dargestellt. Nicht jeder kann dies verkraften.

Während des Lesens dachte ich ab und zu, dass Mia eine sehr passive Hauptfigur ist, doch stimmt das nicht. Sie agiert und reagiert auf ihre eigene Weise. Ausserdem steht in "Wintermädchen" nicht die Spannung oder die Auflösung im Mittelpunkt der Geschichte, sondern die Gefühlswelt eines Mädchen, das aus der Bahn geraten ist und verzweifelt irgendwo Halt sucht.

Ich kann mich nur wiederholen und sagen, bisher hat mich noch kein Jugendbuch derart berührt und fasziniert, abgeschreckt und betroffen gemacht wie "Wintermädchen". 

Fazit: 

Jeder, der ein intensives Buch lesen möchte, sollte zur Andersons Geschichte greifen. Ebenfalls jene, die mehr über das Leben mit Magersucht erfahren möchten. Mit diesem Buch erhält man einen realitätsnahen Einblick in das Gefühlsleben einer Betroffenen. 
Wer jedoch für düstere Szenerien und Gedanken anfällig ist, sollte das Buch besser meiden.

"Wintermädchen" ist bei Weitem kein Wohlfühlbuch, aber unbedingt wert, gelesen zu werden! 

Laurie Halse Anderson
Wintermädchen
HC mit Schutzumschlag, 2010
Ravensburger Buchverlag

Aus dem Amerikanischen von Salah Naoura
Originalausgabe: Wintergirls
Viking, 2009

978-3-473-35321-7 

Dieses Buch ist Teil der Aktion "Tolle et Lege" und wurde vorgeschlagen von Sandsturm (http://www.blogigo.ch/Gedanken_Geschichten) 

04.12.2011 um 16:32 Uhr

[Rezension] Leben unter Verrückten

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Die junge Veronika entschliesst sich dazu, sich das Leben zu nehmen. Doch sie wird gerettet und findet sich in der Heilanstalt Villete wieder, die einen zweischneidigen Ruf geniesst.
Veronika erhält die Botschaft, dass sie aufgrund der Tabletten, die sie geschluckt hat, ein angeschlagenes Herz hat. Sie hat nur noch ein paar Tage zu leben...

Meine Meinung:

An Paulo Coelhos Werk "Veronika beschliesst zu sterben" ging ich mit gemischten Gefühlen heran, da ich nicht wusste, was mich erwartet. Nun muss ich sagen, dass sich die Lektüre definitv gelohnt hat.

Coelho hat ein einfühlsames Buch geschrieben, das hervorragend in die heutige Zeit passt. Es handelt nicht davon, wie schrecklich das Leben ist, eher im Gegenteil. Zwar gibt sich Veronika vor allem anfangs einigen tristen Gedanken hin, aber man sollte sich davon nicht abschrecken lassen und weiterlesen. Denn sobald Veronika in Villete ist, ändert sich der Grundton des Buches:

Denn Veronika ändert in Villete einiges und Villete ändert einiges an Veronika.

Dies ist die wunderschöne Botschaft des Buches: Steh zu deiner Verrücktheit und geniesse das Leben.

Die Personen, die wir im Irrenhaus kennenlernen, sind einzigartig in ihrer Geschichte und ihren Erlebnissen. Doch sie alle erwachen durch die junge Veronika wieder zu neuem Leben und entscheiden sich dazu, ihr Leben endlich wieder selber in die Hand zu nehmen. Diese Irren, Verrückten, Verängstigten sind mir alle sehr ans Herz gewachsen und ich bewundere sie und Veronika dafür, dass sie den Schritt aus der Routine heraus gewagt haben.

Dabei erscheint Veronika nicht wie ein von Gott nach Villete gesandter Engel, sondern bleibt einfach nur eine junge Frau, die ihre letzten Tage auf Erden dazu nutzen möchte, sich endlich nicht mehr nach den Regeln der anderen zu richten. Die Veränderungen, die Veronika damit loslöst, bemerkt sie nicht direkt. Der berühmte Satz vom Flügelschlag eines Schmetterlings denken, der am anderen Ende der Welt einen Wirbelsturm auslöst, passt perfekt hierzu. 

Ich war total fasziniert von der anfangs sehr emotionslosen Veronika und wie sie sich im Verlaufe der Geschichte veränderte. Sie zeigt uns auf, dass auch wir dazu in der Lage sind, mit unserer inneren Verrücktheit in Kontakt zu treten. Coelho fordert uns dazu auf, das Leben zu fühlen, zu geniessen und zu leben. Sich von den starren Regeln des Alltags loszureissen, unser inneres Kind aufzuwecken und mit ihm durch die Strassen zu tollen.

Es ist nichts Schreckliches dabei, aus der Reihe zu tanzen. Ganz im Gegenteil, wir sollten es öfter tun. 

Fazit: 

Ein kluges Buch mit einer klaren Botschaft, die wir uns alle zu Herzen nehmen sollten.
"Veronika beschliesst zu sterben" ist ein Buch, das jeder lesen sollte, der sein Leben selber in die Hand nehmen möchte oder sich im Alltagstrott gefangen fühlt. Überhaupt denke ich, dass die Lektüre des Buches jedem gut tun wird.

Ein aussergewöhnliches und wundervolles Buch! 

 Paulo Coelho
Veronika beschliesst zu sterben
HC mit Schutzumschlag, 2000
Diogenes

Aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann
Originalausgabe: Veronika Decide Morrer
Editora Objetiva, Rio de Janeiro 1998 

02.12.2011 um 13:16 Uhr

[Rezension] Der Pirat von Berlin

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Wir schreiben das Jahr 1760. Will kämpft sich als "Pirat von Berlin" durch die Kriegswirren und träumt davon, ein richtiger Pirat zu werden.
Als der Meisterdieb dem üblen Baron de Talleyrand ein magisches Amulett klaut, sollen Will und sein Freund Jo gehängt werden. Doch sie entkommen sie nur mit der Hilfe von Pirat Moses Kahiki der Todesstrafe.
Und ganz plötzlich scheint sich Wills Traum zu erfüllen, als er sich in New Nassau, der Pirateninsel, wiederfindet. Gemeinsam mit der Piratin Honky Tonk Hannah wollen sie das geheimnisumwobene Amulett zurückerobern und sehen dabei mehr als nur einer Gefahr ins Auge...

Meine Meinung:

Ich bin mir noch immer nicht ganz sicher was ich von Joachim Masanneks "Honky Tonk Pirates" halten soll. Zum einen gefiel mir das rasante Abenteuer, das erzählt wird, zum anderen gab es einige Punkte, die sich als überaus störend erwiesen.

Auf der positiven Seite hält man mit "Honky Tonk Pirates" eine spannende Abenteuergeschichte in den Händen, die teilweise auch mit Fantasyelementen spielt. Die auftretenden Figuren sind symapthisch und das Buch wartet mit einer starken Frauenpersönlichkeit auf.
All das macht das Buch zu einer angenehmen und entspannenden Lektüre für Erwachsene und zu einer packenden Geschichte für jüngere Leser, die auch die Zielgruppe Masanneks sind.

Doch genau da liegt das Problem. Meiner Ansicht nach wollte der Autor ein Buch für Jugendliche schreiben, landete dann aber bei einem Kinderbuch. Dies führt dazu, dass das vom CBJ-Verlag ab 10 Jahren empfohlene Buch, eben nicht für diese Altersgruppe geeignet ist.

Zum einen ist da die Sprache. Hätte Masannek ein Jugendbuch geschrieben, hätten die Charaktere mit einer authentischen Sprache agieren können, dies wurde hier natürlich zugunsten einer modernen und für junge Leser einfacheren Sprache weggelassen.
Dennoch werden sich junge Leser nicht richtig fliessend durch das Buch lesen können, da zu viele Ausdrücke verwendet werden, die man heutzutage nicht mehr kennt. Da werden Kleidungsstücke benannt und Fachwörter aus der Schifffahrt, die ein 10-Jähriger kaum kennen wird. Somit ist Lesefrust vorporgrammiert.

Was mich neben der fehlenden Charakterentwicklung (der weinerliche Jo ging mehr gegen Ende ziemlich auf die Nerven) jedoch am meisten störte, war Hannah. Zwar ist sie eine starke und unabhängige Frau, demnach eigentlich ein interessanter Charakter, doch verkommt sie unter Masannek zu einem reinen Sexualobjekt.
Die noch nicht einmal 14 Jahre alte Piratin geizt nicht mit ihren Reizen und schon bei ihrem ersten Auftritt ist sie praktisch nackt. Immer wieder wird ihr reizendes Dekolleté erwähnt, ihre langen Beine und wie sie Kapitäne verführt.

Eine solche Literatur würde ich einem 10-Jährigen auch im 21. Jahrhundert nicht zumuten. Es ist schade um die eigentlich gelungene Geschichte um den Piraten von Berlin, aber ich würde das Buch nicht weiterempfehlen. 

Fazit: 

"Honky Tonk Pirates" ist eine eigentlich spannende Geschichte, vor allem für Fans von "Fluch der Karibik", jedoch würde ich es aufgrund der genannten Punkte in meiner Rezension nicht weiterempfehlen. 

Joachim Masannek
Honky Tonk Pirates 1
Das verheissene Land
HC, 1. Auflage 2010
CBJ

978-3-570-15265-2 

27.11.2011 um 21:56 Uhr

[Rezension] Weltenseele

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Seit zwei Jahren streift der Jüngling Santiago nun schon durch Andalusien. Er ist zufrieden und glücklich. Doch dann beginnt er, von den ägyptischen Pyramiden zu träumen. Will er diese Träume zuerst noch ignorieren, verändert sich bald sein Leben. Als Santiago auf den Alchimisten trifft, rät ihm dieser, auf seine Träume zu hören und seiner Bestimmung zu folgen...

Meine Meinung:

"Der Alchimist" von Paulo Coelho zählt zur modernen Weltliteratur und hat Leser auf der ganzen Welt berührt und fasziniert.

Coelho ist einer jener Autoren, die man nur lesen sollte, wenn man in der Stimmung dazu ist. Ist man es nicht, entgeht einem ein Grossteil des Inhaltes. Deshalb habe ich lange gewartet, bis ich das Buch zur Hand nahm. Jetzt hatte ich endlich das Gefühl, Coelho lesen zu können. Und es stimmte: Das Buch passte perfekt zu meiner Lebenssituation.

Santiagos Geschichte handelt vom Schicksal und von seiner eigenen Kraft, seine Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Es handelt von Rückschlägen und davon, dass das Schicksal auf deiner Seite ist, wenn du deinem Weg folgen willst. Aber das Buch handelt ebenso vom Gefühl der Heimat und der Rastlosigkeit.

Coelho zog mich sofort in seinen Bann und oft hatte ich das Gefühl, als würde er mich direkt ansprechen. Er ist ein Autor der Mystik, jedoch hatte ich dieses Mal kein Problem damit. Nur gegen Ende wurde es mir etwas zu viel. Ansonsten bleibt Coelho auf jenem Niveau, das man auch als Agnostiker oder Atheist akzeptieren kann, denn eigentlich geht es in "Der Alchimist" nicht um den Glauben, sondern darum, seinen eigenen Weg zu finden und diesem treu zu bleiben. Sozusagen also den Glauben an sich selbst.

Auf diese Weise kann das Buch dem Leser eine grosse Hilfe in einer schwierigen Situation sein. Es kann Antworten geben und einem Mut machen. Jedoch sollte man sich nicht zu tief darin verstricken, da man ansonsten vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen wird. Oder vor lauter Zeichen das eigene Ziel aus den Augen verliert.

Geschrieben ist das Buch in einer süffigen Sprache, die einen gefangen nimmt. Coelho versetzt den Leser direkt in die Hitze Afrikas und man spürt den Wind und den Sand förmlich auf seinem Gesicht. Die Sprache strahlt eine angenehme Ruhe und Zufriedenheit aus, die auf den Leser übergreift.
All dies macht die Lektüre von "Der Alchimist" zu einer tieferen Erfahrung und das Buch zu einem weisen Ratgeber auf dem eigenen Lebensweg. 

Fazit: 

Ein Buch, das man zur Hand nehmen kann, wenn man Rat und Trost braucht. Doch sollte man es nur dann lesen, wenn einem auch danach ist. 
Freunde von Sergio Bambaren werden auch in Paulo Coelho einen liebevollen Begleiter finden. Umgekehrt gilt dies übrigens auch. 

Ich bin froh, das Buch gelesen zu haben und werde vieles, was Coelho dem Leser in seinem Werk mitgibt, zu Herzen nehmen. Vor allem die Botschaft, dass das ganze Universum auf deiner Seite ist, wenn du nur deinen Weg gehst. 

Paulo Coelho
Der Alchimist
HC, 1993
Diogenes

978-3-257-06126-9

Aus dem Brasilianischen von Cordula Swoboda Herzog
Originalausgabe: O Alquimista
Editora Rocco, Rio de Janeiro 1988 

23.11.2011 um 19:09 Uhr

[Rezension] Stundenblüten

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Obwohl das kleine Mädchen Momo verwahrlost aussieht und im alten Amphitheater wohnt, kommen die Leute der Stadt gerne zu ihr. Auch die Kinder mögen Momo. Denn Momo kann etwas ganz besonders gut: zuhören.

Als jedoch die Grauen Männer in der Stadt auftauchen, verändert sich das Leben aller. Plötzlich hat keiner mehr Zeit. Irgendwann bekommen die Grauen Männer auch Momos Freunde in ihre Gewalt und nun liegt es an dem kleinen Mädchen, den Menschen die gestohlene Zeit zurückzubringen... 

Meine Meinung:

Jeder hat schon von Michael Endes berühmten Roman "Momo" gehört, er ist ein Klassiker der Jugendliteratur und wird von Kindern wie auch Erwachsenen gleichermassen gliebt und geschätzt.

Ende behandelt in seinem Kinderbuch ein Thema, das ebenso fasziniert wie abschreckt: Die Zeit. Wie erklärt man einem Kind die Zeit? Sie lässt sich nicht fassen und ist nur schwer zu beschreiben. Selbst als Erwachsener wird man ihr nicht ganz habhaft.

Doch der Autor schafft es, den Kindern auf leicht verständliche Art und Weise das Wesen der Zeit nahezubringen. Vielleicht kann man als Kind nicht alle Symbole und Hinweise deuten, dennoch werden auch junge Leser die Geschichte begreifen und verstehen können. 
Ich denke, dass man das Buch einige Jahre später noch einmal zur Hand nehmen sollte, da man als Erwachsener eine ganz andere Sicht auf die Geschichte hat. Zum Beispiel gegriff ich erst jetzt, weshalb in "Momo" eine Schildkröte mitspielt.

"Momo" ist atmosphärisch wahnsinnig dicht, man kann sofort in die Geschichte eintauchen und vergisst alles um sich herum. "Momo" hat mich gebannt, gleich von Anfang an. Es ist ein sehr einfühlsames Buch und gespannt verfolgte ich Momos Reise. Das Buch zur Seite zu legen ging nicht. Michael Endes wunderschöne Sprache tat ihr Übriges dazu, dass ich so begeistert bin.

Sehr schön fand ich auch die Geschichten in der Geschichte, sie geben der bereits tiefgründigen Erzählung eine weitere Ebene und das, ohne dass das Buch überlastet wird. Der Kritik, dass Ende mit dem Zeigefinger predigt, kann ich nicht zustimmen. In "Momo" schreibt der Autor meiner Ansicht nach mit sehr viel Feingefühl über unseren Umgang mit der Zeit. Das Buch regt zum Nachdenken an und das ohne überheblich zu sein.

Momo mochte ich von Beginn an, sie ist eine sehr spezielle Heldin, ein Charakter, auf den man nicht oft trifft. Sie ist eine ruhige Hauptperson, die nicht viel redet, aber wenn, dann das Richtige. In unserer heutigen Zeit, in der es auch in den Jugendbüchern hektisch und wild zu und her geht, ist sie eine angenehme Ausnahme. "Momo" ist ein Buch, das zum Verweilen einlädt.

Fazit: 

Eine wunderschöne Geschichte, die mit viel Tiefgründigkeit und Gefühl aufwartet. Ein Kinderbuchklassiker, der jedoch von keinem Erwachsenen umgangen werden sollte. Definitv eines der Highlights im Jugendbuchregal! 

Michael Ende
Momo
oder: Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind,
das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte
HC, 1973
Thienemann

978-3-522-11940-1 

16.11.2011 um 23:20 Uhr

[Rezension] Dreistigkeit und Weisheit

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

  

Inhalt:

Der Chronist ist sich sicher: Der Wirt Kote ist in Wirklichkeit der legendäre Kvothe, um den sich zahlreiche Geschichten und Gerüchte ranken. Unter Aufbietung all seiner Redekunst, schafft der Chronist es, Kvothe dazu zu bringen, ihm seine Lebensgeschichte zu erzählen.

Die nächsten Stunden verbringen die Männer vertieft in die abenteuerliche Geschichte Kvothes, der vom fahrenden Ruh, zum Waisen und zum Universitätsschüler wurde. Es ist die Geschichte eines Jungen, der schon früh zur Legende wurde. Es ist eine Geschichte voller Verlust, harter Kämpfe und echter Freundschaft. Und dann ist da noch Denna... 

Meine Meinung:

Patrick Rothfuss machte mit seinem Buch "Der Name des Windes" von sich reden, er gewann mehrere Preise und sein Erstling wurde hoch gelobt.
Hat er dies verdient? Ja, hat er. Denn "Der Name des Windes" ist ein wundervolles Buch!

Das Buch erzählt von Kvothes Jugend- und Kindheit. Diese wird in die Rahmenhandlung um den Chronisten eingebettet. Die Gegenwart ist ein kriegerischer Ort, der nirgends Sicherheit bietet, und wo jeder schon einmal von "Kvothe" gehört hat. In dieser Gegenwart zeichnet der Chronist Kvothes Erlebnisse auf.

Die Erlebnisse selbst sind aus Kvothes Sicht erzählt. Die Ich-Form lässt den Leser direkt an den Gefühlen des Protagonisten teilhaben und wird in diesem Buch wirklich gekonnt eingesetzt.
Überhaupt ist Rothfuss ein Erzähler, der es schafft, von der ersten Seite an zu begeistern. Er bringt mit ganz einfachen Wörtern eine derart dichte Stimmung zustande, dass ich bereits nach zwei Seiten in die Geschichte eingetaucht bin. Ab und zu beobachtete ich mich, wie ich in aller Öffentlichkeit die Geschehnisse im Buch laut kommentierte, weil ich alles um mich herum vergass.

Ebenfalls wird der Aufbau mit Rahmen- und Binnenhandlung vom Autor geschickt gehandhabt, da er nie die Rahmenhandlung aus dem Blick verliert. Immer wieder kehren wir aus der Vergangenheit in die Gegenwart zurück. Oft geschieht das, wie gegen Ende des Buches, ganz plötzlich durch einen gut eingefädelten Unterbruch. So bleibt die Spannung erhalten und man möchte als Leser unbedingt weiterlesen.

Sowieso lässt einen das Buch nicht mehr los. Ich habe die 820 Seiten in sechs Tagen verschlungen. Es ist ein Wälzer, dieses Werk, dies hat mich zu Anfang etwas abgeschreckt. Doch dann war ich erstaunt darüber, wie leicht es sich weglesen lässt. Im Nu hat man hundert Seiten gelesen und man hat noch immer nicht genung von dieser phantastischen Erzählung.

Rothfuss hat hier eine ganz besondere Welt erschaffen. Eine Welt, die von unterschiedlichen Stämmen mit unterschiedlichen Sprachen, Legenden und Bräuchen bevölktert wird. Die Völkter wirken echt und real, sie sind sehr gut durchdacht und wirken deshalb sehr glaubhaft.
Aber Kvothes Welt wird auch von Dämonen und Wesen aus anderen Welten bevölkert. Es herrschen Krieg und raue Sitten.

Das ganze Buch ist eine interessante Mischung aus Steampunk und Mittelalterfantasy. Auch ist zu bemerken, dass in "Der Name des Windes" eine ganz neue Art von Magie benutzt wird. Hier fuchtelt man nicht mit einem Zauberstab, sondern die Magie erinnert hier stark an Physik. Sie hat ihre eigenen Regeln und Zusammenhänge, die sich nicht jedem offenbaren. Und mit manchen Sachen sollte man lieber vorsichtig sein.

Wie schon gesagt, ist die Athmosphäre sehr dicht. Man kann die dreckigen Strassen vor sich sehen, durch die Kvothe schleicht. Man hört die Peitschenhiebe, die er erhält. Und man kann das Feuer riechen, vor dem er sitzt.
Die Universitätsszenen erinnern in mancher Hinsicht tatsächlich an Harry Potter, wie auch schon von anderer Seite erwähnt wurde. Ebenfalls muss man mit einer Menge an unterschiedlichen Namen und Wendungen rechnen, wie man es aus der Highfantasy kennt. Ich konnte mich bei weitem nicht immer an alle Personen und deren Aussehen erinnern.

Auch etwas missfallen hat mir Kvothes Hochmut, der ab und zu durchsickert. An vielen Stellen lässt er Bemerkungen fallen, die den beschränkten Erfahrungsschatz seiner Zuhörer und des Lesers herausheben.

Was mir jedoch überhaupt nicht gepasst hat, war das Ende. Natürlich wusste ich, dass es eine Reihe ist und somit nicht alle Fragen beantwortet werden. Aber hier schien es mir so, als hätte der Autor nach 800 Seiten einfach keine Lust mehr aufs Schreiben gehabt und einfach einen Schlussstrich gezogen.
Die wenigsten Fragen, die aufgeworfen wurden (und davon gibt es viele), wurden beantwortet. Man befindet sich in der Geschichte gerade einmal am Anfang, so scheint es. Ich habe das Gefühl, noch überhaupt nicht vom Fleck gekommen zu sein. 
Ich denke, dass auch in einer Reihe die Titel so abgeschlossen werden können, dass zum Ende hin zumindest einige wichtige Punkte abgehakt sind. Hier hänge ich zu sehr in der Luft, um wirklich zufrieden zu sein. Dieses abrupte Ende hat mir den ganzen Zauber dieses wunderschönen Buches zerstört.

Da der Rest jedoch so spannend und schön zu lesen war, werde ich mir die Fortsetzung kaufen. Ansonsten wäre dieses Ende tödlich gewesen. 

Fazit: 

Eine wunderschöne Geschichte, die den Leser von Beginn an fasziniert und in die man stundenlang eintauchen kann. Jeder, der Highfantasy mag, sollte zu diesem Buch greifen.
Als Einstieg in die Highfantasy ist es wahrscheinlich ungeeignet, da man durch die unterschiedlichen Namen und Bezeichnungen rasch verwirrt werden könnte.

Für mich wäre es ein 5-Sterne-Buch geworden, wenn nicht das Ende zu viel kaputt gemacht hätte. 

Patrick Rothfuss
Der Name des Windes
Die Königsmörder-Chronik
Erster Tag
TB, 2010
Klett-Cotta

978-3-608-93878-4

Aus dem Englischen von Jochen Schwarzer
Originalausgabe: The Name of the Wind. The Kingkiller Chronicle: Day One
Daw Books, New York 2007 

Dieses Buch ist Teil der Aktion "Tolle Et Lege" und wurde vorgeschlagen von BlueNa (http://bluenaversum.blogspot.com/) 

14.11.2011 um 13:59 Uhr

[Rezension] Des Pudels Kern

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Es war an einem jener Tage, als Mephisto Gott wieder ziemlich auf den Keks ging, als Gott sich zu einer Wette überreden liess. Immerhin ging es um zwei Ramazotti-Kisten! 
Der Zufall will es, dass der Taxifahrer Faust Teil dieser Wette wird und deshalb die Bekanntschaft mit Mephisto macht. Der ahnungslose Faust ist mit dem Angebot, das ihm gemacht wird, einverstanden. Immerhin geht es um Wunscherfüllung!
Und dann lernt Faust Gretchen kennen, die Türkin aus dem Bioladen...

Meine Meinung:

Klingt irgendwie bekannt? Natürlich, denn mit "Faust" hat der Berliner Comiczeichner Flix eine liebevolle Version von Goethes Faust geschaffen. 

Die Comicversion spielt im Berlin des 21ten Jahrhunderts, Faust ist Taxifahrer, Wagner ein Schwarzer im Rollstuhl und Gott mit der modernen Technologie leicht überfordert. Aber im Grunde ist es immer noch Faust: Faust, der von Mephisto verführt wird. Faust, der sich in Gretchen verliebt und am Schluss die grosse Tragödie.

Nur ist bei Flix selbst die Tragödie einfach nur lustig. Goethes ernster und schwerer Stoff wird von Flix in eine herrlich amüsante, lockerleichte und kurzweilige Form gepackt, ohne dieses grossartige Werk zu veräppeln oder zu sehr durch den Dreck zu ziehen. Der Comic ist sehr liebevoll gestaltet und Flix hat sich bestimmt seine Gedanken gemacht, als er an diesem Band gearbeitet hat.

In diesem Comicband wird jedoch nicht nur der alte Stoff aufbereitet, sondern es werden auch aktuelle Themen angesprochen. So ist Gretchen eine Türkin, die eigentlich Özlem heisst. Ebenso hat Allah seinen Auftritt, wie auch gewisse Drogen. 

Die Zeichnungen sind sehr detailiert und man erkennt deren Schöpfer auf den ersten Blick. Flix schafft es, mit oder ohne Sprechblasen viel Stimmung aufzubauen und den Leser zu packen. Und vor allem bringt er den Leser zum Lachen.
Meine Mitbewohnerin fragte mich am Tag nach der Lektüre, was denn so lustig gewesen sei, dass ich derart hätte lachen müssen.

Ich denke, das alles spricht für Flix und seine moderene Faust-Version. 

Fazit: 

Ein Comic für alle Flix-Fans natürlich. Ebenso für alle, die zu faul sind, den Originalfaust zu lesen; die Grundzüge immerhin sind vorhanden. Natürlich auch für jene, die Comicadaptionen von Büchern mögen.
Und nicht zu vergessen, vor allem jene, die Faust lieben und es ertragen, dass hier mit den Themen des Buches und seinen Figuren gespielt wird.

Für mich ein wahres Highlight der Comickunst. Flix hat hier etwas Grossartiges geleistet. 

Flix
Faust
Der Tragödie erster Teil
HC, Originalausgabe 2010
Carlsen

978-3-551-78977-8 

10.11.2011 um 19:05 Uhr

[Rezension] Der Weise von Orphalese

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

12 Jahre musste der weise Almustafa auf das Boot, das ihn in seine Heimat bringen würde, warten. Nun ist es an der Zeit, den Ort Orphalese zu verlassen. Die Einwohner der Stadt wollen ihren Weisen ein letztes Mal reden hören, damit seine Worte in ihren Herzen weiterleben und die Menschen sie an ihre Kinder weitergeben können.
Die Menschen von Orphalese sind dem Weisen ans Herz gewachsen, deshalb nimmt er sich die Zeit, um mit ihnen über die wichtigen Dinge des Lebens zu sprechen.

Meine Meinung:

"The Prophet" von Kahlil Gibran ist ein bekanntes Buch, das gerne als Geschenk weitergereicht wird. Gibran erzählt in Form von Almustafa von und aus dem Leben und den Dingen, die uns wichtig sind. Es ist ein Buch über den Alltag, die Liebe, Kinder und den Tod - ein Buch über den Kreislauf des Lebens.

And forget not that the earth delights to feel your bare feet and the winds long to play with your hair.

Die Worte des Weisen sind einfach, doch oft übersehen wir genau das, was direkt vor uns liegt. Oft sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Dann ist es schön, "The Prophet" von Gibran zur Hand zu nehmen und darin zu Blättern. Die Worte sollen uns Kraft geben, uns aufbauen und uns auch zum Nachdenken anregen.

Als Leser sollte man das Buch nicht in einem Zug durchlesen, dadurch geht einem viel von der versteckten Magie des Buches verloren. Liest man zu viel davon, liegt einem das Werk wie ein schwerer Stein im Magen und man verschliesst sich der Botschaft.
Geniesst man zu viel davon, verliert sich die gute Wirkung und man hat auf einmal genug vom Propheten. Dann sind seine Worte nur noch Geschwafel, man kann sich nicht mehr konzentrieren und der Weise wirkt auf einmal hochmütig und selbstzufrieden. Deshalb sollte man hier auf die Dosierung achten.

Auch wenn man sich nicht sehr für die mystische Lektüre interessiert, hat "The Prophet" bestimmt den einen oder anderen Ansatz, den man für sein Leben verwenden kann. Nicht umsonst wird sehr oft aus diesem Buch zitiert.

For thought is a bird of space, that in a cage of words may indeed unfold its wings but cannot fly. 

Leider verwendet Gibran keine einfache Sprache, sodass Leser, die keine grosse Erfahrung mit Englisch haben, das Buch besser auf Deutsch lesen sollten.
Das Buch ist in einer überschwänglichen Rede gehalten und es wird mit hochtrabenden Wörtern um sich geworfen. So wie man es von einem Propheten erwartet. Jedoch ist es ein kurzes Buch und die grosse Schrift hilft dem Leser. Ausserdem ist diese Ausgabe mit Illustrationen des Autoren ausgestattet, die ebenfalls etwas von der Schwere des Textes nehmen. 

Fazit: 

Ein schönes und lebenskluges Buch, das vor allem Leute in ihrem Regal stehen haben sollten, die gerne zitieren oder in Poesiealbem schreiben. Dafür eignet sich Gibran hervorragend. Auch philosophisch angehauchte Naturen werden hier genug finden, über das sie nachdenken können.
Im Alltag kann Gibran eine kleine Hilfe darstellen und uns etwas Kraft zurückgeben.

You are the bows from which your children as living arrows are sent forth. 

 

Kahlil Gibran
The Prophet
TB, 2005
Arrow Books

978-0-0999-41693-7 

09.11.2011 um 14:25 Uhr

[Rezension] Himmlische Hochzeit

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Der alte Christian Rosenkreutz erhält eine Einladung zu einer Hochzeit. Doch ist dies durchaus keine gewöhnliche Hochzeit. Nur schon der Umstand, dass die Einladung von einem Engel überbracht wurde und dass nur Leute zur Feier erscheinen sollen, die auch würdig sind, bestätigen dies. 

Durch einen Traum bestätigt begibt Rosenkreutz sich auf zur Hochzeit und erlebt dort die Auswahl der Reinen, die Enthauptung des Königspaares und deren Wiederauferstehung. Auch erhascht Rosenkreutz einen Blick auf die Göttin Venus, was ihm beinahe zum Verhängnis wurde. 

Meine Meinung:

Was soll ich zu "Die Chymische Hochzeit" sagen? Es ist eines der drei Bücher, die der Gesellschaft der Rosenkreuzer zugrunde liegen. Dass die Hauptperson Rosenkreutz heisst, ist kein Zufall.

Das Buch erstreckt sich über genau sieben Tage und beginnt dabei überaus religiös, weshalb ich mir noch keinen Reim darauf machen konnte. Erst im Verlauf der Geschichte eröffnete sich mir der alchemistische Hintergrund des Werkes.

In "Die Chymische Hochzeit" wird selbstverständlich stark mit Symbolen gearbeitet. Vor allem ab der Mitte der Erzählung liest man eigentlich nur noch Symbolhaftes. Für Leser, die sich mit der Symbolik nicht auskennen, wird das Buch wahrscheinlich keinen weiteren Sinn ergeben.

Es ist ein sehr kurzes Buch, das man auch dann rasch durch hat, wenn man nicht wirklich versteht, was dahintersteckt. Ich habe mich bisher nie gross mit den Rosenkreuzern beschäftigt und werde es wohl auch weiterhin nicht tun, aber es war dennoch aufschlussreich, "Die Chymische Hochzeit" zu lesen und sich auf das Denken der Rosenkreuzer einzulassen. 

Fazit: 

Definitv kein Buch für die breite Masse. Man sollte sich für das Thema der Rosenkreuzer, der Geheimbünde und für die Alchemie interessieren, sollte man sich an dieses Werk wagen. 

Für mich war die Lektüre zwar etwas wundersam, aber dennoch überaus faszinierend. 

07.11.2011 um 15:44 Uhr

[Rezension] Die liebe Liebe

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Die Liebe ist das schönste und das schrecklichste aller Gefühle. Ob es nun einen jungen Soldaten trifft, der von einer schönen Unbekannten einen Kuss erhält oder ob es um die Faszination des Fremden und Unbekannten geht - Tschechow weiss davon zu berichten.

Meine Meinung:

In "Von der Liebe" sind sieben Erzählungen von Anton Tschechow versammelt, die sich alle um dieses grosse Thema drehen: die Liebe. 
Bei den Geschichten handelt es sich um folgende Titel: Von der Liebe, Der Kuss, Agafja, Das Haus mit dem Mezzanin, Erzählung der Frau N.N, Werotschka, Die Dame mit dem Hündchen. Beim Letzteren wird es sich um die wohl berühmteste Erzählung Tschechows handeln.

Es fällt mir nicht leicht, über dieses Buch zu berichten. Das mag daran liegen, dass es im Allgemeinen schwer ist, über einzelne Geschichten zu berichten, ohne zu viel zu verraten oder einzelne Erzählungen zu vernachlässigen.
Bei Tschechow kommt hinzu, dass ich bereits kurz nachdem ich eine Geschichte zu Ende gelesen hatte, nicht mehr wusste, worum es in der Geschichte überhaupt gegangen ist. Drei der insgesamt sieben Erzählungen kann ich noch rekapitulieren, die anderen sagen mir auch beim Durchblättern der Seiten nichts mehr.

Woran mag das liegen? Wahrscheinlich daran, dass bei Tschechow, oder zumindest bei den hier ausgewählten Titeln, sich vieles ähnelt. Die Figuren, das Setting, der Aufbau - sie gleichen sich von Geschichte zu Geschichte.
Die Hauptperson ist ein oft in ärmlichen Verhältnissen lebender Mann, die weibliche Hauptperson ist reich, oft bereits verheiratet und gutmütig. Die Geschichten spielen allesamt auf dem Lande. Die Geschcihten enden unmittelbar mit der Trennung.
Hier fehlte mir eindeutig die Abwechslung. Ob es an der Auswahl oder am Schriftsteller liegt kann ich jedoch nicht beurteilen, da es mein erstes Buch von Anton Tschechow ist.

Trotzdem blieben vor allem "Das Haus mit dem Mazzanin" und "Die Dame mit dem Hündchen" bei mir in guter Erinnerungen. Diese beiden Geschichten haben mir sehr gefallen. Denn sieht man von der oben genannten Einfallslosigkeit ab, schreibt Anton Tschechow sehr schön.
Tschechow beschreibt das Wunder der Liebe, das Durcheinander der Gefühle mit grosser Präzision, schafft es jedoch, dabei unkitschig und sogar sehr real zu bleiben. Der Autor bleibt Beobachter und hält sich zurück, gerade das macht die Geschichten Tschechows sehr schön zu lesen.
Genau diese Fähigkeit, Gefühle hervorzurufen, ohne dabei theatralisch zu wirken, macht Tschechow deshalb in meinen Augen zu einem grossen Erzähler. 

Fazit: 

Eine leider etwas eintönige Sammlung von Geschichten Tschewchows zum Thema Liebe. Ein grosser Erzähler, der es sicher lohnt, entdeckt zu werden.

Freunde Russlands und russischer Literatur erhalten hier einen schönen Einblick in das russische Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Wer gerne einmal Liebesgeschichten lesen möchte, die vom altbekannten abweichen und auch mit der Melancholie zurecht kommt, könnte sich vielleicht auch für "Von der Liebe" interessieren. 

 

Anton Tschechow
Von der Liebe
Sieben Erzählungen
HC, 2009
Anaconda

978-3-86647-442-0

Aus dem Russischen von Alexander Eliasberg