Inhalt:
Der Chronist ist sich sicher: Der Wirt Kote ist in Wirklichkeit der legendäre Kvothe, um den sich zahlreiche Geschichten und Gerüchte ranken. Unter Aufbietung all seiner Redekunst, schafft der Chronist es, Kvothe dazu zu bringen, ihm seine Lebensgeschichte zu erzählen.
Die nächsten Stunden verbringen die Männer vertieft in die abenteuerliche Geschichte Kvothes, der vom fahrenden Ruh, zum Waisen und zum Universitätsschüler wurde. Es ist die Geschichte eines Jungen, der schon früh zur Legende wurde. Es ist eine Geschichte voller Verlust, harter Kämpfe und echter Freundschaft. Und dann ist da noch Denna...
Meine Meinung:
Patrick Rothfuss machte mit seinem Buch "Der Name des Windes" von sich reden, er gewann mehrere Preise und sein Erstling wurde hoch gelobt.
Hat er dies verdient? Ja, hat er. Denn "Der Name des Windes" ist ein wundervolles Buch!
Das Buch erzählt von Kvothes Jugend- und Kindheit. Diese wird in die Rahmenhandlung um den Chronisten eingebettet. Die Gegenwart ist ein kriegerischer Ort, der nirgends Sicherheit bietet, und wo jeder schon einmal von "Kvothe" gehört hat. In dieser Gegenwart zeichnet der Chronist Kvothes Erlebnisse auf.
Die Erlebnisse selbst sind aus Kvothes Sicht erzählt. Die Ich-Form lässt den Leser direkt an den Gefühlen des Protagonisten teilhaben und wird in diesem Buch wirklich gekonnt eingesetzt.
Überhaupt ist Rothfuss ein Erzähler, der es schafft, von der ersten Seite an zu begeistern. Er bringt mit ganz einfachen Wörtern eine derart dichte Stimmung zustande, dass ich bereits nach zwei Seiten in die Geschichte eingetaucht bin. Ab und zu beobachtete ich mich, wie ich in aller Öffentlichkeit die Geschehnisse im Buch laut kommentierte, weil ich alles um mich herum vergass.
Ebenfalls wird der Aufbau mit Rahmen- und Binnenhandlung vom Autor geschickt gehandhabt, da er nie die Rahmenhandlung aus dem Blick verliert. Immer wieder kehren wir aus der Vergangenheit in die Gegenwart zurück. Oft geschieht das, wie gegen Ende des Buches, ganz plötzlich durch einen gut eingefädelten Unterbruch. So bleibt die Spannung erhalten und man möchte als Leser unbedingt weiterlesen.
Sowieso lässt einen das Buch nicht mehr los. Ich habe die 820 Seiten in sechs Tagen verschlungen. Es ist ein Wälzer, dieses Werk, dies hat mich zu Anfang etwas abgeschreckt. Doch dann war ich erstaunt darüber, wie leicht es sich weglesen lässt. Im Nu hat man hundert Seiten gelesen und man hat noch immer nicht genung von dieser phantastischen Erzählung.
Rothfuss hat hier eine ganz besondere Welt erschaffen. Eine Welt, die von unterschiedlichen Stämmen mit unterschiedlichen Sprachen, Legenden und Bräuchen bevölktert wird. Die Völkter wirken echt und real, sie sind sehr gut durchdacht und wirken deshalb sehr glaubhaft.
Aber Kvothes Welt wird auch von Dämonen und Wesen aus anderen Welten bevölkert. Es herrschen Krieg und raue Sitten.
Das ganze Buch ist eine interessante Mischung aus Steampunk und Mittelalterfantasy. Auch ist zu bemerken, dass in "Der Name des Windes" eine ganz neue Art von Magie benutzt wird. Hier fuchtelt man nicht mit einem Zauberstab, sondern die Magie erinnert hier stark an Physik. Sie hat ihre eigenen Regeln und Zusammenhänge, die sich nicht jedem offenbaren. Und mit manchen Sachen sollte man lieber vorsichtig sein.
Wie schon gesagt, ist die Athmosphäre sehr dicht. Man kann die dreckigen Strassen vor sich sehen, durch die Kvothe schleicht. Man hört die Peitschenhiebe, die er erhält. Und man kann das Feuer riechen, vor dem er sitzt.
Die Universitätsszenen erinnern in mancher Hinsicht tatsächlich an Harry Potter, wie auch schon von anderer Seite erwähnt wurde. Ebenfalls muss man mit einer Menge an unterschiedlichen Namen und Wendungen rechnen, wie man es aus der Highfantasy kennt. Ich konnte mich bei weitem nicht immer an alle Personen und deren Aussehen erinnern.
Auch etwas missfallen hat mir Kvothes Hochmut, der ab und zu durchsickert. An vielen Stellen lässt er Bemerkungen fallen, die den beschränkten Erfahrungsschatz seiner Zuhörer und des Lesers herausheben.
Was mir jedoch überhaupt nicht gepasst hat, war das Ende. Natürlich wusste ich, dass es eine Reihe ist und somit nicht alle Fragen beantwortet werden. Aber hier schien es mir so, als hätte der Autor nach 800 Seiten einfach keine Lust mehr aufs Schreiben gehabt und einfach einen Schlussstrich gezogen.
Die wenigsten Fragen, die aufgeworfen wurden (und davon gibt es viele), wurden beantwortet. Man befindet sich in der Geschichte gerade einmal am Anfang, so scheint es. Ich habe das Gefühl, noch überhaupt nicht vom Fleck gekommen zu sein.
Ich denke, dass auch in einer Reihe die Titel so abgeschlossen werden können, dass zum Ende hin zumindest einige wichtige Punkte abgehakt sind. Hier hänge ich zu sehr in der Luft, um wirklich zufrieden zu sein. Dieses abrupte Ende hat mir den ganzen Zauber dieses wunderschönen Buches zerstört.
Da der Rest jedoch so spannend und schön zu lesen war, werde ich mir die Fortsetzung kaufen. Ansonsten wäre dieses Ende tödlich gewesen.
Fazit:
Eine wunderschöne Geschichte, die den Leser von Beginn an fasziniert und in die man stundenlang eintauchen kann. Jeder, der Highfantasy mag, sollte zu diesem Buch greifen.
Als Einstieg in die Highfantasy ist es wahrscheinlich ungeeignet, da man durch die unterschiedlichen Namen und Bezeichnungen rasch verwirrt werden könnte.
Für mich wäre es ein 5-Sterne-Buch geworden, wenn nicht das Ende zu viel kaputt gemacht hätte.
Patrick Rothfuss
Der Name des Windes
Die Königsmörder-Chronik
Erster Tag
TB, 2010
Klett-Cotta
978-3-608-93878-4
Aus dem Englischen von Jochen Schwarzer
Originalausgabe: The Name of the Wind. The Kingkiller Chronicle: Day One
Daw Books, New York 2007
Dieses Buch ist Teil der Aktion "Tolle Et Lege" und wurde vorgeschlagen von BlueNa (http://bluenaversum.blogspot.com/)