- TOM'S JAZZ BAR -

12.02.2006 um 11:49 Uhr

Coleman Hawkins' "DESAFINADO" - THE JAZZ GOES LATIN

von: tomrice

Die CD "Desafinado" des besten Tenor-Saxophonisten der Welt, Coleman Hawkins (in ständiger Konkurrenz zu Lester Young), erschien 1962 beim Impulse-Label und erzählt viel von der Weltklasse-Musikalität des Pianisten, Cellisten, Saxophonisten und Bandleaders Coleman Hawkins, der mir mit dieser CD beim ersten Hören den Eindruck vermittelt, Stan Getz hätte nach dem Konsum mehrerer Getränkedosen eines Taurin-haltigen Getränks der neueren Jahrzente seine Finger und die Saxophonklappen geölt, um mit der perfekten Begleitband seine Mambo-, Bossa Nova-und Samba-Hits der 60er Jahre für zeitgemäße Tonträger, wie MP3-Player und iPODs, unserer heutigen Zeit neu verfügbar zu machen. Der historische Haken daran liegt nur in der zeitlichen Sequenz der musikalischen Präsenz beider Saxophonisten Stan Getz bzw. Coleman Hawkins: Coleman Hawkins war ein erfolgreicher, weltbekannter JAZZer, BEVOR Stan Getz mit seinen Bands (z.B. Astrud Gilberto, ihrem Ex-Mann Joao Gilberto u. a.) Platten aufnahm und auf Welttournee ging.

Für Informationen über den JAZZer Coleman Hawkins möchte ich hier einen Extrakt einer wirklich gelungenen "Jazzportrait"-Website zitieren:

'Stil und Zeit in einer Person vereint: Coleman Hawkins,

-der Tenorist, der sein Instrument nicht nur "erfand", sondern es gleich auch noch als das heute wohl wichtigste im Jazz überhaupt etablierte,

-der Stilist, der hunderte von Epigonen auf den Trip schickte und als unauslöschlicher Schatten noch immer schickt,

-der Traditionalist, der, wiewohl nie selbst Bebopper, der damals revolutionären Musik dennoch mit den Weg ebnete und nahezu bis an sein Lebensende allem Neuen stets aufgeschlossen gegenüberstand,

-der Balladier, der mit "Body And Soul" das bis heute verbindliche Muster der bis in die Tiefe schürfenden Improvisation in die Welt setzte, und

-der notorische Einzelgänger, der aus der Reibung des "Bean gegen den Rest der Welt" immer wieder hochexplosive Funken schlug.

"Für Hawkins war die ganze reiche Ära, die er durchlebt hat, nicht so vielgestaltig, wie sie uns Heutigen erscheint. Es war ein Stil und eine Zeit. Der Stil hieß Jazz, und es war die Zeit des Jazz", brachte Joachim Ernst Berendt einst den "Vater des Tenorsaxophons" auf den Punkt, und ein umfassenderes Kompliment, so will es scheinen, kann man eigentlich gar nicht mehr machen.'

(aus: http://alisch.trilithium.de/jazzportraits/hawkins.htm )

Von derselben Website stammt auch die folgende glossenhafte Analyse über die gegensätzlichen und unersetzlichen Spielweisen der für die proaktive Entwicklung des Saxophon-JAZZ von 1920-1960 so wichtigen Kontrahenten Hawkins & Young, deren musikalische und stilistische Prägungen direkt oder indirekt wohl die Spielweise jedes heutigen JAZZ-Saxophonisten irgendwie beeinflussen:

'Don Heckman widmete der Hawkins-Young-Kontroverse im Januar 1963 in "Down Beat" sogar einen eigenen mehrseitigen Artikel: "Mit Coleman Hawkins und Lester Young brachten die 30er Jahre zwei prägende Köpfe des Tenor-Spiels hervor", befand der zeitweilige Mit-Herausgeber des US-Fachblatts, "Hawkins bedient sich eines schweren Vibratos, Young hingegen fast gar nicht. Verglichen mit Young, klingt Hawkins fast barock. Seine Musik ist voll von Ornamenten und Dekorationen. Young dagegen ist kein so komplizierter Spieler. Er benutzt Riffs wie van Gogh die Farbe, und seine Soli sind nicht formal strukturiert, sondern reflektieren eher seine momentane Stimmung. Hawkins‘ Soli sind denen Youngs diametral entgegengesetzt". Das freilich war vor über drei Jahrzehnten, und so, wie einst Napoleon im gut dialektischen Dreischritt die Widersprüche zwischen der fortwirkenden Gironde und dem Nachbeben der Jakobiner aufhob, indem er mit seinem Staatsstreich die französische Revolution unter seiner Kaiser-Diktatur kurzerhand exekutierte, so löste sich die Spannung Hawkins-Young zwar mitnichten in Wohlgefallen, dafür jedoch auf einer höheren Ebene auf, als mit John Coltrane der Stern eines Musikers zu erstrahlen begann, der beides in sich vereinte, die Vitalität "Beans" ebenso wie den Lyrizismus von "Pres". Was freilich weder dem historischen Stellenwert des einen noch des anderen den geringsten Abbruch tat und ohne die beide heute beispielsweise ein Jan Garbarek wohl kaum denkbar wäre.' (Zitat Ende)

Die "Desafinado"-Aufnahmen sind für mich eine gelungene, virtuose, lyrische Wiedereinspielung bekannter Latin-Jazz-Stücke wie "One Note Samba", "O Pato", "Desafinado" oder "Stumpy Bossa Nova", welche in den Interpretationen von Coleman Hawkins eindrucksvoll umgesetzt und auf höchstem musikalischen Niveau gespielt in sehr guter Klanqualität mindestens so elegant und niveauvoll sind wie die stylischen Klamotten, die Coleman Hawkins bis vor seine alkoholische Selbstzerstörung gegen Ende seiner über 60järigen Lebens- u. Schaffensperiode trug.

Somit ist diese CD für alle JAZZ-Fans in nahezu allen Lebenssituationen sehr zu empfehlen und denkbar gut geeignet für jede JAZZ-Bar, ohne deshalb den Lebensstil des JAZZ-Stars weiterempfehlen zu wollen.

22.10.2005 um 21:08 Uhr

George Benson - Summertime - Meet Mr "Jazz 'n' Blues-Guitar" Benson

von: tomrice

Beim Hören dieser sehr raren (heutzutage weder auf LP oder CD oder DVD erhältlichen) LP von Mr George Benson und seiner Band (Lonnie Smith Keyboards, Ronnie Cuber oder Howard Johnson Baritone Saxophone, Harold Ousley Tenor Saxophone, Jimmy Lovelace oder Ray Lucas oder Marion Booker oder Charlie Persip Drums, Al Michelle oder George Benson Guitar, George Benson Vocal) wird ersichtlich, wie wichtig doch eine solide Jazz- und Blues-Ausbildung für jeden (Gitarren-)Musiker und Sänger ist, unabhängig davon, ob er später mit "Rhythm and Blues" oder Disco-Interpretationen und Balladen ein Star werden will.

Die LP enthält viele der virtuosen Instrumental-Gitarren-Blues-/Jazz-Stücke des frühen George Benson, bevor er richtig berühmt wurde. Die Aufnahmen sind aus den 60er Jahren, genauer aus den Jahren 1966 und 1967, und wurden von dem bemerkenswerten Talentsucher John Hammond produziert und 1976, als George Benson bereits ein Star im Musikgeschäft war, auf LP veröffentlicht. In meinem Plattenschrank steht eine preisgünstige, in den Niederlanden hergestellte Nachpressung aus dem Jahr 1977. Der Text auf dem LP-Cover spricht eine deutliche Sprache:

Er erzählt vom American Dream, den George Benson so erfolgreich vorgelebt hat und klingt doch ein wenig verbittert darüber, wie wenig finanziellen Vorteil die frühen Entdecker und Förderer George Bensons doch aus seinem späteren Ruhm nachträglich ziehen konnten.  Beschleicht uns beim Gedanken an das Verschwinden der LP aus den Sortimenten aller Musikgeschäfte, beim Gedanken an den Verlust dieser Aufnahmen, dieser wirklich wunderbaren, gelungenen, facettenreichen, Jazz-/Blues-Platte nicht ein leichtes Gefühl von Melancholie über das Verschwinden dieses Zeugnisses aus den frühen Gitarristen-Jahren George Bensons? -Mich schon.

Hier der Original-Ton von 1976:
"When a decade ago critic Leonard Feather called the then little-known jazz guitarist George Benson 'one of the genuine new stars of the sixties', he could scarcely have realised the pop-superstar status that awaited Benson in the mid-seventies. Today one of the most popular instrumentalists in the world, his career started at the age of eight playing and singing on the street corners of his home town of Pittsburgh. Not long after he was earning 30 dollars a night playing the local clubs. Passing through various rock and roll bands, he became increasingly influenced by the recordings of several major jazz guitarists, notably Hank Garland, Charlie Christian, Grant Green and Wes Montgomery. Then came two years with organist Jack McDuff, during which time Benson consolidated these various musical influences."

Meiner Meinung nach eine sehr gelungene, musikalische Konsolidierung, deren Stil ein wenig an die Virtuosität und Phrasierungen des Pat Metheny der frühen 80er Jahre erinnert. Ganz so, als hätten beide Musiker früher dieselben Vorbilder gehabt und wären später, bedingt durch unterschiedliche Verbindungen im Musikgeschäft, einfach verschiedene musikalische Wege gegangen (verbunden mit unterschiedlichem finanziellen Erfolg). Als gefallenen Engel der Blues- bzw. Jazz-Gitarre würde ich George Benson keineswegs bezeichnen, da er bis heute trotz seiner vielen kommerziellen Hits auf seinen Live-Konzerten (z.B. 2004 in der Frankfurter Oper) immer wieder Instrumentalstücke mit hohem musikalischem Anspruch in neuen Bearbeitungen ohne Band-Begleitung präsentiert, um sich auf diesem Weg zu seinen musikalischen Wurzeln und zu seiner Identität als sehr guter Jazz-und Blues-Gitarrist zu bekennen. Als ein Gitarrist, der auch ohne viele Effektgeräte sehr gut rüberkommt und von seiner Virtuosität und seinem Können überzeugt.

Would you please play it again, Mr Benson? -Thank you so much.

18.07.2005 um 22:34 Uhr

Werner Hucks - DREAMTIME (FEAT. CHARLIE MARIANO ON SAX)

von: tomrice

Wo nimmt Werner Hucks eigentlich die tollen Musikstücke  und Gitarrensounds her und wie schafft er es, so außergewöhnlich exakt zu spielen ... so gut mit den anderen Instrumenten zu harmonieren, ohne es zu harmonisch klingen zu lassen ? Sind es überhaupt alles andere Instrumente, spielt er nicht auch noch auf seiner Gitarre mit Hilfe bester digitaler Signalverarbeitung/-filterung die Melodien der anderen Instrumente mit ? Eins wird mir beim Hören klarer und klarer: Hier haben Weltklasse-Musiker (unter anderem Charlie Mariano am Saxophon) eine außergewöhnliche, zeitlose Weltmusik-CD aufgenommen, die zum Träumen, Nachdenken, Meditieren, Mitspielen, ... einlädt. Obwohl vermutlich niemand auf alle gestellten Fragen sofort Antworten erwarten wird, gibt die CD-Hülle viele Informationen über die einzelnen Stücke und deren Hintergrund.  Auf der CD kommen Musiker durch ihre Instrumente zu Wort. Nach dem dritten Stück "Blueberry Island" und auch nach dem letzten Stück "One More Blues (REPRISE)" möchte man anschließend eine der neueren CDs von Charlie Mariano (z. B. Deep In A Dream (c) 2002, erschienen bei Soulfood Music Distribution) auflegen, mit ähnlich melancholischen Melodieführungen und Harmonisierungen und danach vielleicht eine ältere CD von Miles Davis ("Workin' With The Miles Davis Quintet", oder "Relaxin' With The Miles Davis Quintet"), und danach... ... 

Wer auch in der Musik bereits dem "Wenn man eine CD gehört hat, kennt man alle"-Prinzip verfallen war, sollte sich selbst eine neue Chance geben und diese handgemachte, hochmusikalische, anspruchsvolle Gitarren-/Saxophon-Mischung von Werner Hucks und seiner Band (featuring Charlie Mariano) öfters hören. Diese Dreamtime-CD ist eine sehr gut gelungene, vielseitige Mischung aus Blues-, JAZZ-, Samba- und Bossa-Musikstücken, Gitarren- und Saxophon-Sounds, mit einem bewegenden, funky Bass (Helmut Jost) und klangmalender Rhythmus-Gruppe (Martin Stoeck (dr), Mario Argandona (perc)), wodurch man automatisch Lust bekommt, mehr JAZZ und Fusion-Musik zu hören oder vielleicht selber wieder aktiv JAZZ-Musik zu machen. Musikalisch ist die CD viel mehr als eine Zeitreise von den "roots" mit Blues und Bebop über Cool JAZZ über Bossa Nova und Samba über die weltbekannten JAZZ-Rock und Fusion-Hymnen des Charlie Mariano Mitte der 80er Jahre bis heute zu der zeitgemäßen Jazz-Musik,dem Jazz-Rock-,dem Latin-Jazz- oder der (Afro-) Jazz-Musik, die alle Stilelemente mehr oder weniger vereint, aus dem Vollen schöpft, um beste JAZZ-Musik zu sein. Vor allem aber bietet diese CD exzellenten "JAZZ OHNE GRENZEN" voller Spielfreude, der einladen möchte zur "Dreamtime". Diese Einladung nehme ich gerne an.

17.07.2005 um 18:48 Uhr

NIGEL KENNEDY PLAYS JAZZ - AT CHURCH OF ST. GEORGE (BLOOMSBURY, LONDON, JAN 1984)

von: tomrice

1984 ist beim Label CHANDOS von Brian Couzens (Recording Producer and Sound Engineer) ein für jede JAZZ BAR extrem gut geeignetes Piano-Geigen-JAZZ-Album aufgenommen worden. Der Violinist: kein Geringerer als der weltberühmte Nigel Kennedy, der zusammen mit Peter Pettinger (Piano) wirklich hinhörenswerte JAZZ-Standards improvisiert und in der wunderbaren Akustik der St.George-Kirche eingespielt hat. Nigel Kennedy spielt hier ganz im Geist der frühen 80er Jahre extrem virtuos auf (einem Eddie Van Halen der Jazz-Violine gleich) und wird auf solide und harmonisch-rhythmisch sehr kreative Art von Peter Pettinger auf dem Piano begleitet. Beide JAZZ-Musiker sind perfekt aufeinander abgestimmt, verstehen ihr Handwerk und haben hörbar (man achte auf den Einsatz wechselnder Tempi und Dynamik und den klassisch-kontrapunktischen Satz in den gleichzeitigen Improvisationen von Piano und Violine) extreme, sehr tiefe, musikalische, in klassischer Schule erarbeitete Kenntnisse. Ein wunderbares Album. Im Klappentext der CD belegt Nigel Kennedy die Spontaneität der Aufnahmen dieser beiden Spitzenmusiker (die täglich ganz sicher sehr viel auf ihren Instrumenten üben) mit eigenen Worten:

"In this day and age of unspontaneous music making, even in the fields of pop and jazz music, Peter Pettinger and I for this disc, at least, were totally unrehearsed. And I hope that spontaneity which arose because of this has more than made up for the lack of rehearsal. I, certainly, can imagine having spent far more time and worry on a worse disc ... but let me tell you how the disc came to be in the first place: To be honest, I suppose I should say I am more well known as a classical musician, and in this guise that Peter Pettinger went happily to the pub having just finished recording the Elgar sonata and pieces four hours ahead of schedule. After a drink we both felt like playing again and Brian Couzens (our producer) was game enough to come and record us. My years playing with Stephane Grappelli and in clubs in New York have left me with an insatiable appetite for playing jazz (and, incidentially, any other kind of music) and since Peter Pettinger is such a tremendous jazz pianist we decided to play e few standards. Here is what we came up with, completely unreheased and unedited. Stephane Grappelli often used to call me his musical grandson, so I hope he likes this disc but will allow his "grandson" to misbehave once in a while..."

 (Nigel Kennedy)

Wer einmal eine Reise nach London unternimmt, sollte sich deshalb einen Besuch in Ronnie Scott's Londoner JAZZ-Club, wo Nigel Kennedy bereits auftrat, nicht entgehen lassen: http://www.ronniescotts.co.uk/

 

02.04.2005 um 01:40 Uhr

Faszination Gitarre - Werner Hucks At His Best

von: tomrice

- f a s z i n a t i o n  g i t a r r e -

Der ganze Werner Hucks in allen seinen musikalischen Möglichkeiten und unglaublich vielen, faszinierenden Klangfarben bringt uns näher, was er spielen will. Wie er und seine Band-Musiker es bringen, ist unglaublich faszinierend und unglaublich schön zu hören. Werner Hucks ist viel mehr als nur ein sehr guter Ausnahme-Gitarrist und extrem präziser Studiomusiker. Er ist ein Meister der Gitarre, auf dieser CD so wunderbar kraftvoll und klar, wie wir ihn auch aus seinen Live-Auftritten kennen. Das Besondere ist, wie er und die anderen Musiker ihr ganzes Können einsetzen, um diese CD zu einer einzigartigen CD voller Spielfreude, genialer Arrangements, musikalischer Disziplin und Instrumentenbeherrschung werden zu lassen. Dabei ist das verwendete Musikmaterial eine einzige Herausforderung an jeden (christlichen, JAZZ-, Studio-, klassischen) Musiker, denn es reicht von jazzigen Landschaftsbeschreibungen und Urlaubserinnerungen, über klassisches und kirchliches Liedgut bis zu romantischen Liebesliedern früherer Jahrhunderte und bis Heute. Wie Werner Hucks und seine Musiker es lebendig und zum einzigartigen Hörerlebnis werden lassen, vermag ich (sonst eher beredt) mit Worten kaum zu beschreiben. Es ist eine CD, die mich gefühlsmäßig trifft, wie ich es mir immer gewünscht habe, auch nur für 5 Minuten auf meiner Gitarre spielen zu können, so wunderbar musizieren zu können, wie Werner Hucks und Band es auf dieser CD tun, mit so wunderschönen Liedern, die jeden Moment allein oder mit guten Freunden, mit dem Freund/der Freundin, oder im Familienkreis zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen. Dies ist eine sehr persönliche CD, die ich gerne mit Menschen, die mir persönlich wichtig sind, gemeinsam höre. Vielen Dank WERNER HUCKS und Band für diese wunderbare CD, diese "faszination gitarre".

http://www.werner-hucks.de/site.htm