Stehpinkeln ist Kunst!
Die Befähigung des Menschen zum Stehpinkeln ist die direkte Folge oder
geht zumindest einher mit der Entwicklung des aufrechten Ganges und erhebt,
wie eben dieser, den Homo sapiens endgültig und eindeutig über die animalische Kreatur.
Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle, dass es durchaus Hypothesen gibt,
nach denen ein bereits frühen Hominiden innewohnender natürlicher Drang zum Stehpinkeln
als ursächlich für die Entwicklung des aufrechten Gangs anzusehen sei.
Wie dem auch sei, im Laufe der weiteren Evolutionsgeschichte hat sich das Stehpinkeln
als höhere Form des Wasserabschlagens unbestritten zu einer der überlegenen Kulturtechniken
entwickelt. Verschiedenste Posen und Techniken haben sich herausgebildet. So unterscheidet
man zum Beispiel einhändige, beidhändige und freihändige Haltungen.
Durch kontinuierliche Verfeinerung gelangte das Stehpinkeln schließlich in den Rang
einer Kunstform.
Das Kunstpinkeln, als höchste Stufe des Stehpinkelns lässt sich im Großen und Ganzen
in zwei Arten kategorisieren Man unterscheidet Zielkunstpinkler und freie Kunstpinkler.
Die Kunst der Zielkunstpinkler besteht darin, mit höchster Kunst (wie der Name schon sagt)
in ein möglichst kleines Ziel möglichst zielgenau und spritzvermeidend hinein- und im Idealfalle
sogar durch es hindurch zu pinkeln.
Die Ausrichtung auf bewegliche Ziele gehört jedoch nicht zum Zielkunstpinkeln, sie ist eher
dem Bereich Spieltrieb zuzuordnen.
Die meisten heutigen Zielkunstpinkler beginnen ihre Karriere an Flachspülern im eigenen Haushalt.
Sie erlernen die Kunst, den Strahl gezielt und zuverlässig in die relativ kleine Öffnung vor der
Plattform zu dirigieren um so die unkontrollierte, sogenannte Streuspritzung zu minimieren.
Höchste Expertise erwarb im Jahre 1978 der Zielkunstpinkler Ewald Strullski,
dem es nach
jahrelangem Training in einem tibetanischen Höhenkloster gelang,
verlustfrei durch ein
Nadelöhr zu pinkeln!
Routinierte und erfahrene Zielkunstpinkler sind heute in der Industrie gesuchte Spezialisten.
So ist seit langem bekannt, dass das manuelle Andocken der Space-Shuttles an der ISS
nur von fähigen Zielkunstpinklern übernommen werden kann!
Und schon im 17. Jahrhundert wurden, so ist überliefert, am französischen Hof versierte
Zielkunstpinkler zur Bekämpfung von Schlossbränden in der frühen Phase ihrer
Entstehung eingesetzt.
Später löschten napoleonische Zielkunstpinkler bei der Überrennung der feindlichen Linien
die brennenden Lunten der gegnerischen Kanonen und hatten damit entscheidenden Anteil am
Siegeszug Bonapartes und der Gestaltung des modernen Europa!
Etwas mehr als ein knappes Jahrhundert später ließen sich geniale Konstrukteure von den
beeindruckenden Leistungen der Zielkunstpinkler inspirieren und entwickelten auf Basis dieses
zielorientierten Strahl-Prinzips den leistungsgesteigerten Einspritzmotor, welcher bis heute als
Krone des Automobilbaus gilt!
Freie Kunstpinkler pinkeln im Freien (wie der Name schon sagt) und kunstvoll (wie der Name
schon sagt). Sie lassen Muster, symbolhafte Zeichen, spontane Tags oder kalligrafisch
anspruchsvolle Werke auf geeigneten Untergründen, Böden und Materialien entstehen.
Sand, Schnee oder vegetationsfreie Waldböden markieren sie ebenso kunstvoll wie Bäume
oder Sandsteinfelsen. Mit kühnem Schung oder feiner Zieselierung.
Ihre Werke können provokativ sein, aber auch still und versöhnlich. Selten sind sie spektakulär,
oftmals ein
Gedankenanstoß oder ein Anlass zum Innehalten.
Das freie Kunstpinkeln ist oftmals spontane Reflexion und Dialog mit der Umwelt im Kontext
vorgefundener Alltagssituationen.
Diese künstlerischen Hinterlassenschaften sind aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften
jedoch ausgesprochen flüchtig und nicht für die Ewigkeit. Sie werden daher von der Kunst- und
Kulturgeschichte nahezu vollständig ignoriert.
Während die Fußabdrücke, die frühgeschichtliche Freikunstpinkler in den von ihnen kunstvoll
erweichten Böden nach der Erschaffung ihrer Werke hinterließen oftmals jahrtausendelang
erhalten blieben und von stolzen Archäologen entdeckt, ausgewertet und gedeutet wurden,
bleiben die Werke selbst auf immer verloren und damit unentschlüsselt.
Besonders deutlich zeigt sich bis heute das Moment dieser Vergänglichkeit, wenn die Kunst
der freien Kunstpinkler auf die Urgewalten der Gezeiten trifft:
Das mit flirrender Leichtigkeit auf den Strand geworfene Meisterwerk wird schon in der nächsten
Sekunde für immer fortgespült und dem Auge des Betrachters entrissen von der erbarmungslosen
Welle, die mit erosiver Kraft unaufhörlich ihre auslöschende Wirkung entfaltet.
Sowohl das Zielkunstpinkeln, als auch das freie Kunstpinkeln ist deutlich zu trennen von kunstlos
statischem Schaupinkeln, wie es zum Beispiel vom berühmten Maneken Pis verkörpert wird.
Als Sonderform des Kunstpinkelns kann dagegen das mobile Kunstpinkeln gelten.
Es handelt sich allerdings um ein Spezialistenpinkeln, welches von Fernfahrern und im Radsport
auf unterschiedliche Art und Weise praktiziert wird:
Das mobile Kunstpinkeln der Fernfahrer weist eine deutliche Nähe zur Zielkunstpinkelei auf, da es
dabei darauf ankommt, den Strahl während der Fahrt verlustfrei in enghalsige Gefäße zu leiten.
So werden unnötige und zeitraubende Fahrtunterbrechungen vermieden: Vorsprung durch Technik!
Das gleiche Ziel verfolgen die Radprofis, jedoch tritt bei ihnen das Zielen als Ziel klar in den
Hintergrund: Es gilt vielmehr auf dem Weg zum Ziel weder sich selbst, noch das hochwertige
Sportgerät zu treffen, was hierbei die große Kunst ist.
Und was ganz nebenbei eine mögliche Beweissicherung außerhalb der B-Probe verhindert.
Die ausgesprochene Sonderstellung des mobilen Kunstpinkelns begründet sich auch in der
ausgesprochenen Sonderstellung bei der Verrichtung:
Es findet im Sitzen statt.
Somit ist das mobile Kunstpinkeln nicht betroffen von der offenen Anfeindung des Steh- und
Kunstpinkelns durch weite Teile der weiblichen Bevölkerung in Deutschland.
Offenbar handelt es sich dabei um einen Neidkomplex gegenüber den erworbenen Fertigkeiten
stolzer Kunstpinkler.
Doch anstatt sich ebenfalls im Laufe der Geschichte Kunstpinkel-Kompetenzen aufzubauen,
pinkelten Frauen jahrhundertelang in kunstloser Hockstellung oder heute bequem sitzend und
ohne weiteren Anspruch.
Und wollen nun den Rest der Welt in die gleiche anachronistische Haltung zwingen.
Wer Kunstpinkler bekämpft, bekämpft nicht nur die Kultur.
Hätten sie damit Erfolg, bedeutete das nichts Geringeres als einen Atavismus auf Zustände vor
dem aufrechten Gang und einen Rückschritt in der Evolution.
Ist das der Masterplan?
Soweit darf es nicht kommen! Wehret den Anfängen!
Männer, die Ihr noch nicht gebrochen seid, stolze Kunstpinkler:
Steht auf wie ein Mann und strahlt
es kunstvoll an jede Wand:
Neue Kunstpinkler braucht das Land!