Mit dem Kopf voran

30.01.2004 um 18:28 Uhr

Entwicklungspolitik - Ranking der Industriestaaten

In der Ausgabe Mai/Juni 2003 von Foreign Policy ist ein umfassendes Ranking der 21 reichsten Industrieländer bezüglich ihrer für die Entwicklungschancen der Dritten Welt maßgeblichen politischen Aktivitäten abgedruckt. Der hierzu verwendete Index enthält die Politikfelder Entwicklungspolitik, Handelspolitik, Investitionen, Einwanderungspolitik, Friedenspolitik und Umweltpolitik. Deutschland liegt dabei nur auf Platz 6, den es sich im wesentlichen durch seine Einwanderungs- und Flüchtigspolitik und seine recht großzügigen Umweltinvestitionen - offenbar vornehmlich in Windkraftanlagen - erkämpfen konnte. Auf Platz 1 sind die Niederlande, die Looserposition hält Japan, knapp hinter den USA. Das Ranking ist vor allem deshalb besonders aussagekräftig, weil es nicht allein die finanzielle Entwicklungshilfe bewertet, sondern auch die anderen, wesentlich bedeutsameren Politikfelder, insbesondere die Handelspolitik (tarifäre und nichttarifäre Handelshemmnisse) und die Einwanderungspolitik einbezieht.

30.01.2004 um 17:27 Uhr

Gefahren der Verstaatlichung irakischer Ölfelder

Offenbar genießt die Privatisierung der irakischen Ölvorkommen nicht mehr die Priorität der amerikanischen Regierung. Häufig werden Bedenken gegenüber einer Privatisierung nationaler Ölvorkommen im Irak, insbesondere aus Befürchtungen vor der potentiellen Übermacht amerikanischer Unternehmen, hervorgebracht. Für die irakische Bevölkerung dürfte jedoch eine Verstaatlichung der Ölquellen  erheblich gefährlicher sein!

Politiker, die über staatliche Förderunternehmen einen uneingeschränkten Zugang zu den Ölquellen ihres Landes haben, laufen Gefahr mit den Erlösen aus dem Ölverkauf weitgehend unkontrolliert ein korruptes, ihre politische Macht missbrauchendes Regime zu finanzieren. Aufgrund der weitgehenden Unabhängigkeit von Steuereinnahmen zur Finanzierung ihrer Staatsausgaben reduziert sich darüber hinaus der Anreiz, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Landes durch eine geeignete Wirtschaftspolitik entwicklungsfördernd zu gestalten.

Allein aus diesem Grund dürfte eine Privatisierung der irakischen Ölfelder für den weiteren Fortschritt der demokratischen Entwicklung des Irak von erheblicher Bedeutung sein. Um eine gerechte Verteilung der Privatisierungserträge zu realisieren, hat der amerikanische Nobelpreisträger für Ökonomie Vernon Smith kürzlich vorgeschlagen, nicht nur die Ölfelder, sondern die gesamte Infrastruktur des Landes international zu versteigern und die Erlöse der Auktion in einen von der UN kontrollierten weltweiten Index-Aktienfond einzuzahlen. Jeder irakische Bürger würde einen Anteil an diesem Fond erhalten und jederzeit eine Auszahlung seines Anteils inklusive der darauf erziehlten Kapitalerträge verlangen können.

30.01.2004 um 16:46 Uhr

"Teefilter" gegen Schlaganfall

Ein israelisches Unternehmen hat einen Filter entwickelt der geeignet ist, Blutgerinsel aus der Blutzufuhr zum Gehirn herauszufiltern. Ende vergangenen Jahres wurde ein derartiger Filter erstmal einem Patienten implantiert. Durch diesen Eingriff könnte jährlich eine Vielzahl von Schlaganfällen  verhindert werden.

30.01.2004 um 16:34 Uhr

Mit Gentechnik gegen Landminen

Nach Angaben von "Nature" entwickelt ein dänisches Unternehmen derzeit eine gentechnisch veränderte Pflanze, die das Vorhandensein von Landminen in unmittelbarer Nähe durch einen Wechsel ihrer Farbe signalisiert. Dabei reagiert die Pflanze auf Stickstoffdioxid, dass von Landminen emittiert wird. Nach drei bis fünf Wochen verändert sich Färbung der Blätter der Pflanze von grün zu rot. Der Farbeffekt wurde durch eine Manipulierung des für den Farbwechsel im Herbst verantwortlichen biologischen Mechanismus erreicht. Bislang sind sich die Forscher noch unsicher, wie sensitiv die Pflanzen auf das Vorhandensein auf Stickstoffdioxid reagieren und ob die aus den Minen ausströmende Gasmenge genügt, um den Farbwechsel zu induzieren. Funktioniert diese Technik, könnte nach Angaben der Forscher die Minenbeseitigung erheblich beschleunigt werden.

Bei allen kritischen Bedenken gegenüber der Gentechnik und der daher benötigten Vorsicht bei ihrem Einsatz wird deutlich, dass auch die Potentiale nicht zu unterschätzen sind. Besser wäre es jedoch, wenn die Minen gar nicht erst gelegt werden. Nach Angaben der UN sind derzeit ca. 110 Mio. Landminen in über 70 Ländern verlegt. Rund 30000 Mensch kommen jährlich durch sie ums Leben oder werden schwer verletzt.

Wir danken Marginal Revolution für diesen Hinweis.

30.01.2004 um 14:21 Uhr

Zehn Grundelemente der Ökonomie - Teil 3: Freier Handel als Motor des wirtschaftlichen Fortschritts

Gegenseitiger Gewinn ist die Grundlage des Handels. Handelspartner einigen sich auf einen Austausch ihrer Produkte mit der Zuversicht auf eine Verbesserung ihrer Wohlfahrtsposition. Handel ist produktiv, weil jeder Handelspartner dadurch mehr von den ihm nutzenstiftenden Gütern erhält. Das ist der Grund warum wir unsere Arbeitskraft gegen Einkommen tauschen, um dieses wieder gegen Güter unserer Wahl zu tauschen. Dieser Tauschhandel ist zwar notwendig, dennoch aber freiwillig, es sei denn die Gegenseite besitzt ein Machtmonopol. In einer marktwirtschaftlichen Ordnung kann es im Allgemeinen nur vom Staat ausgeübt werden.

Es gibt drei Hauptursachen für die Produktivität des Handels, also dessen Potential zur Wohlfahrtssteigerung:

Erstens: Durch den Handel gelangen Güter und Dienstleistungen zu demjenigen Empfänger, der für diese die höchste Wertschätzung hat. So mag ein Softwarehandbuch wertlos für einen Kunsthändler sein, gleichzeitig für einen Programmierer Grund genug einen ordentlichen Packen Geld über den Ladentisch zu schieben. Umgekehrt kommt es vor, dass sich ein Kunstsammler für ein von einem Programmierer unbeachtetes Kunstwerk bis zur Organspende verschuldet.

Zweitens: Der Handel erlaubt es den Handelspartnern sich auf die  Produktion der Dinge zu spezialisieren, von denen sie am meisten verstehen. Menschen, Regionen oder gar Länder können die Menge der produzierten Güter und Dienstleistungen wirksamer erhöhen, wenn sie sich auf das konzentrieren, was sie zu den geringsten Kosten produzieren können. Mit den Handelserlösen dieser Güter sind sie dann in der Lage das zu kaufen, was sie selbst nur mit vergleichsweise hohen Kosten selbst produzieren können.

Drittens: Freiwilliger Handel erlaubt uns zu kooperieren und Produktionskosten durch die Herstellung großer Mengen zu senken. Heute werden nahezu alle Güter vom Bleistift bis zum Kraftfahrzeug arbeitsteilig, hoch spezialisiert und in großen Mengen für Millionen von Menschen produziert. Einschränkungen des Handels reduzieren die Größe des Marktes und hemmen dadurch die Produktivitätsgewinne von Spezialisierung und Massenproduktion.

Fortsetzung folgt!

Quelle:
James D. Gwartney and Richard L. Stroup: Ten Key Elements of Economics


29.01.2004 um 08:54 Uhr

Zehn Grundelemente der Ökonomie - Teil 2: Nichts ist umsonst!

Unsere Welt ist von Knappheit geprägt. Während der Umfang produktiver Ressourcen auf unserem Planeten begrenzt ist, kann hiervon bezüglich der Wünsche und Bedürfnisse der Menschen nicht die Rede sein. Da wir mit der limitierten Menge an Produktionsfaktoren nicht alle Wünsche gleichzeitig erfüllen können, müssen wir unter den uns zur Verfügung stehenden Nutzungsalternativen wählen.

Wenn Material und Arbeitskräfte für den Bau eines Einkaufszentrums verwendet werden, ist es nicht möglich dieselben Produktionsfaktoren für eine andere begehrte Verwendung einzusetzen. Daher entspricht der reale Wert des Shopping-Centers dem am höchsten bewerteten, potentiell produzier- oder konsumierbaren Güterbündel, auf das nun verzichtet werden muss. Also reduziert der Einsatz von Produktionsfaktoren für ein bestimmtes Gut die Produktionsmöglichkeiten anderer Güter. Die Nutzung knapper Ressourcen verursacht also stets Kosten, sog. Opportunitätskosten: There is no free lunch!

Natürlich kann ein Gut kostenlos an einen einzelnen Menschen, ein Unternehmen oder eine Organisation verteilt werden, jedoch nur dann, wenn andere die Rechnung begleichen. Also werden die Kosten lediglich umverteilt, sie verschwinden jedoch nicht. Politiker sprechen häufig von „kostenloser Ausbildung“ oder „kostenloser medizinischer Versorgung“. Diese Bezeichnung ist jedoch irreführend. Keine dieser Leistungen ist kostenlos. Für ihre Produktion müssen knappe Produktionsfaktoren eingesetzt werden. So könnten die Gebäude und die Arbeit, die für Bildungsdienstleistungen genutzt werden, auch für die Produktion von Lebensmitteln, Erholung, Unterhaltung und andere nützliche Dinge zum Einsatz kommen. Die Kosten der Bildung sind also nichts anderes als die Nutzen der Güter, auf die stattdessen verzichtet werden muss. Regierungen können die Kosten ihrer Politik lediglich - mehr oder weniger willkürlich - zwischen den Bürgern verschieben, vermeiden aber nicht.

 

Fortsetzung folgt!

Quelle:
James D. Gwartney and Richard L. Stroup: Ten Key Elements of Economics

28.01.2004 um 19:05 Uhr

Giftpillen gegen die Übernahme von Aventis durch Sanofi

"Feindliche Übernahmen" haben ein dominierendes Ziel, die Entmachtung des bisherigen Managements und die Übernahme der Konzernleitung. Kein Wunder, dass sich das Management von Aventis mit Händen und Füßen, also nicht allein mit Maßnahmen zur Erhöhung des Börsenwertes, sondern auch mit im Börsen-Jargon genannten "Giftpillen" gegen die Übernahme von Sanofis zu wehren versucht.

Die Strategie des Angreifers ist einfach. Da das Unternehmen davon ausgeht die Geschäfte des "Opfers" besser führen zu können als das bisherige Management, kauft es die für einen Führungswechsel notwendige Aktienanzahl auf und spekuliert auf einen Anstieg des Börsenkurses nach erfolgreicher Übernahme der Konzernleitung. Die Kursgewinne sind der Reingewinn der Übernahme.

Die Anwendung der "Giftpillen" schützt lediglich das alte, in den Augen des "Angreifers" offenbar unfähige Management, nützt also den Aktionären herzlich wenig. Ginge es dem Management tatsächlich um das Wohlergehen des Unternehmens und seiner Aktionäre, dann würde es versuchen den Aktionkurs bereits vor der Übernahme zu erhöhen. Es bleibt abzuwarten, welche Strategie gewinnt.

28.01.2004 um 18:25 Uhr

Zehn Grundelemente der Ökonomie - Teil 1: Auf die Anreize kommt es an!

Die ökonomische Theorie basiert auf der Prämisse, dass Veränderungen äußerer Einflüsse (Anreize) das Verhalten der Menschen in einer zumindest teilweise vorausschaubaren Art und Weise beeinflussen. Wenn die Nutzen einer Handlungsoption zunehmen, wählen die Individuen diese mit einer höheren Wahrscheinlichkeit.
So führt die Preissteigerung eines Produktes zur Reduzierung der Marktnachfrage. Die Produzenten reagieren dagegen mit einer Erhöhung des Angebots, da die Preiserhöhung die Rentabilität der Produktion erhöht. Wenn die nachgefragte Menge an Konsumgütern das Angebot übersteigt, kommt es zu Preissteigerungen. Dies wiederum senkt die Nachfrage und erhöht das Angebot solange bis Angebot und Nachfrage ausgeglichen sind. Ist jedoch das Angebot größer als die Nachfrage führt das zu einem Abwärtsdruck auf die Preise. Niedrige Preise stimulieren den Konsum, dämpfen jedoch gleichzeitig den Anreiz zur Produktion und zwar solange bis der Markt im Gleichgewicht ist. Märkte funktionieren, da Konsumenten und Produzenten beiderseits auf Preisanreize reagieren.
Kritiker behaupten, dass die ökonomische Analyse lediglich hilft das Verhalten egoistischer, geiziger Materialisten zu erklären. Diese Sichtweise ist jedoch nicht richtig. Menschen handeln aus einer Vielzahl von Motiven, manche selbstsüchtig, andere aus reiner Nächstenliebe. Die hier formulierte Grundannahme der Ökonomie trifft jedoch sowohl für Egoisten als auch für Altruisten zu. Beider Handlungsentscheidungen werden durch Veränderungen der persönlichen Kosten und Nutzen beeinflußt.
Beispielsweise werden beide mit höherer Wahrscheinlichkeit ein kleines Kind aus einem seichten Swimming-Pool als aus den Niagara-Fällen retten. Beide werden einem Bettler eher ihr Kleingeld als ihre besten Anzüge geben. Anreize beeinflussen die Wahlentscheidungen von beiden.

Fortsetzung folgt!

Quelle: James D. Gwartney and Richard L. Stroup: Ten Key Elements of Economics

28.01.2004 um 11:07 Uhr

Das Ende der Arbeit?

Schon immer war die Furcht der Menschen groß, dass Maschinen über kurz oder lang menschliche Arbeit überflüssig machen. Nicht nur die Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts trieb diese Sorge um, auch heute ängstigen sich viele Menschen, eines Tages durch einen Computer ersetzt zu werden. Technologischer Wandel bewirkt einen Wandel der Beschäftigungsstruktur und verursacht dadurch den Verlust bestimmter Arbeitsplätze, ja sogar die Entwertung lange Jahre hochgeschätzter Qualifikationen. Wo noch vor Jahren Lackierer in Schutzanzügen für Farbe auf den Autos sorgten, versehen heute Roboter stoisch ihren Dienst.

Doch wird damit irgendwann die gesamte menschliche Arbeit obsolet? Ein Wechsel der Betrachtungsperspektive kann hier ganz nützlich sein. Moderne Maschinen setzen Arbeitskräfte frei, die zu ihrem und zum Nutzen der Gesellschaft neue Aufgaben übernehmen können. Was aber, wenn keine Aufgaben übrig bleiben, wenn alles besser und schneller von Computern und Industrierobotern produziert werden kann? Sind wir dann zu ewigem Daumendrehen verdammt?

Zum Glück zeigt ein kleines Gedankenexperiment, dass diese Angst unbegründet ist. Wir leben in einer Tauschwirtschaft. Geld befreit uns lediglich davor, durch die halbe Welt rennen zu müssen, um zu versuchen mit irgendjemandem drei gerade nicht so begehrte Äpfel gegen eine dringend benötigte Flasche Bier zu tauschen. Also arbeiten wir um Güter zu produzieren, die wir dann gegen andere Güter unserer Wahl eintauschen können. Produzieren wir eines dieser Güter X mit Hilfe von Robotern billiger, verlieren sie im Vergleich zu den anderen Gütern Y und Z automatisch an Tauschwert. Also wird es für den Menschen profitabel sich auf die Produktion dieser beiden Güter Y und Z  zu spezialisieren, da man jetzt mit ihnen mehr von Gut X kaufen kann als vorher. Denkt man also in relativen Preisen zwischen den einzelnen Gütern wird klar, dass Maschinen nie alle Jobs zerstören können. Jedes Mal wenn wir also hören, dass neue Technologien eine ganz bestimmte Art von Job verdrängen, dann wissen wir auch, es lohnt sich jetzt für etwas anderes die Ärmel hoch zu krempeln. Allerdings bedeutet das manchmal, dass Qualifikationen obsolet werden oder ein Wohnortwechsel ansteht. Lernen und örtliche Flexibilität sind dann von Vorteil.

27.01.2004 um 16:32 Uhr

Mike Rowe Soft gewinnt: Eine X-Box.

Der wegen seiner Webseite www.mikerowesoft.com mit Microsoft in Clinch geratene canadische Teenager Mike Rowe hat das Feld dem Softwaregiganten nicht preislos geräumt (Wir berichteten über diesen Fall.).

27.01.2004 um 16:11 Uhr

Die Spam-Briefmarke

Die Flut von Spam-Mails zeigt, dass der Vorteil des preislosen Internets auch sehr schnell zum Nachteil werden kann. Die Versender von Spam tragen zwar die Kosten des E-Mail-Versands, jedoch nicht die Kosten an Zeit und Nerven des Empfängers. Folglich wird zu viel Spam versand. Preise für E-Mails könnten dieses Problem reduzieren, doch dürfte diese Lösung kaum auf Gegenliebe stoßen.
Einem interessanten Lösungsansatz hat sich Microsoft mit dem Penny Black Project verschrieben. Das Softwareunternehmen versucht durch technische Tricks den Aufwand an Zeit und Rechnerkapazität für den Versand einer Mail zu erhöhen. Während Otto-Normalverbraucher mit ein paar Dutzend Mails pro Tag nahezu nichts verspürt, führt das bei Massenmailern mit mehreren Tausend Mails pro Tag zu einem erheblichen Mehraufwand an Zeit oder Rechenkapazität. Diese Mehrkosten senken den Anreiz ahnungslose Adressaten mit ungewollten Mails zu überschütten. Das könnte ein Anfang vom Ende des Spam sein.

27.01.2004 um 10:48 Uhr

Das Welt-Sozial-Forum in Mumbai aus indischer Perspektive (Teil 1)

Es ist immer wieder interessant, die Aktionen der Anti-Globalisierungs-Aktivisten im Sinne der Armen der Entwicklungsländer auch aus der Perspektive der Adressaten zu betrachten. Madhu Kishwars recht ironischer, zweiteiliger Report auf Tech Central Station beleuchtet Widersprüche.

27.01.2004 um 09:25 Uhr

Wanted!

Welcher Leser findet in diesem Interview der Berliner Tageszeitung "Der Tagesspiegel" mit dem Attac-Präsidenten Nikonoff ein logisches Argument, eine sinnvolle Kausalkette oder auch nur ein Stückchen empirische Evidenz? Der Preis? Eine angeregte Diskussion der Fakten. Und dazu, wir wollen nicht zu viel versprechen, zwei neue Einträge täglich. Das dürfte doch reichen, oder?

27.01.2004 um 09:07 Uhr

Doch keine Verwandschaft mit den Neanderthalern?

Amerikanische Paleoanthropologen gehen davon aus, dass der Neanderthaler eine eigene Spezies ist, wir sie damit nicht zu unseren Vorfahren zählen dürfen. Von einigen Forschern wurde bislang angenommen, dass es sich beim Neanderthaler um eine Subspezies des modernen Menschen handelt und es im Zuge der europäischen Ausbreitung des Homo sapiens sapiens zu gemeinsamen Nachkommen beider Hominiden kam.
Mit Hilfe eines Meßverfahrens, dass üblicherweise genutzt wird, um das Ausmaß der Variationen zwischen heute lebenden Primaten zu bestimmen, ermittelten Wissenschaftler anhand eines Vergleichs von 15 Besonderheiten der jeweiligen Hirn- und Gesichtsschädel Unterschiede beider Hominiden, die größer sind als die Differenzen zwischen den heute lebenden Schimpansen und Bonobo.

26.01.2004 um 10:37 Uhr

BSE als Beispiel für ein falsches Risikomanagement?

Im Jahr 2000 wurde das erste an BSE erkrankte Rind in Deutschland ermittelt.  In Großbritannien (GB) dagegen gab es bis dahin bereits etwa 180.000 erkrankte Tiere.  Vermutlich in direkten Zusammenhang damit steht die Erkrankungen von etwa  100 Personen bis 2000 an der neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit (CJD) in GB.  Bis heute wurden in der BRD etwa 95 Rinder als seropositiv in bezug auf BSE getestet, im Vergleich zu etwa 7,1 Millionen Rinder die in der gleichen Zeit zum Verzehr geschlachtet wurden. Das Risko an  CJD zu erkranken ist  selbst wenn infiziertes Fleisch verzehrt wird sehr gering.  Die Vorsichtsmaßnahmen die in Deutschland ergriffen wurden im Zusammenhang mit BSE einschließlich der Notschlachtung von etwa 12.300 Rindern erscheinen im nachhinein als völlig übertrieben.  Man könnte somit schnell zu dem Schluß kommen, dass in diesem Fall kein ausgewogenes Risikomanagement stattgefunden hat. Getrieben wurden die Reaktionen auf das Auftreten dieser neuen Erkrankung  besonders durch die teilweise hysterische Berichterstattung der Medien und der Angst der Verantwortlichen nicht rechtzeitig und angemessen auf eine unbekannte Bedrohung für die Bevölkerung reagiert zu haben, wie der fehlenden Erkenntnis über das real bestehende Risiko. Drei Faktoren die bei der gesellschaftlichen Bewertung eines Riskos mit Sicherheit eine sehr wichtige Rolle spielen.  Die übertriebene Reaktion hat allerdings neben dem finanziellen Schaden, der im allgemeinen von Steuerzahler getragen wurde, auch verbesserte Kontrollen der Fleischproduktion und Änderungen in der Zulassung dessen was als Tierfutter zur Fleischproduktion zulässig ist zur Folge gehabt.  Außerdem können wir hoffen, das wir aus den Erfahrungen im Umgang mit BSE für die Zukunft etwas gelernt haben  und als Folge das nächste Risikomanagement ausgewogener gestaltet wird, soweit wir dies wirklich wollen.

26.01.2004 um 10:21 Uhr

Globaler Egoismus?!

Liest man die Parolen des französischen Anti-Globalisierungs-Aktivisten José Bové, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Teil der "Wir retten die Welt"-Rhetorik so selbstlos im Interesse der Armen in der Dritten Welt nicht sein kann.

Hier ein paar Zitate aus dem Berliner Blatt "Der Tagesspiegel":

„Jeder muss das Recht haben, sich selbst aus seiner Region ernähren zu können. Dazu müssen Länder auch in der Lage sein, Handelsbarrieren wieder aufzubauen.“ Damit befindet er sich in bester Gesellschaft mit seinen Gesinnungsgenossen von der EU in Brüssel, die nicht weniger als die Hälfte des EU-Budgets genau für diese Zwecke ausgeben. Der Steuerzahler berappt diese Summe, um eine Branche zu fördern, die gerade einmal 3-4 % des gesamteuropäischen Bruttosozialprodukts erzeugt. Hinzu kommen weitere Handelshemmnisse in Form von Einfuhrzöllen, durch die der europäische Lebensmittelmarkt erfolgreich von der Weltmarktkonkurrenz abgeschottet wird. Und was erhält der EU-Bürger dafür? Lebensmittel, für die er Preise in Höhe von 80-100 % über dem Weltmarktniveau zahlen muss. Und was noch viel schwerer wiegt ist die Tatsache, dass Bovés Ansinnen ein erhebliches Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung in der Dritten Welt darstellt. Deren Bauern können dank der Einfuhrzölle und der großzügigen Exportsubventionen für europäische Landwirtschaftsgüter nicht mit der "Konkurrenz" ihrer europäischen Kollegen mithalten.

„Roquefort produziere ich auf meinem Bauernhof und alle meine Nachbarn auch“, sagt Bové. „Wir waren auf einmal die Geiseln dieses WTO-Konflikts zwischen Europa und den USA.“, war die Reaktion Boves auf die 100%-Erhöhung des amerikanischen Einfuhrzolls auf Roquefort-Käse als Reaktion auf das europäische Einfuhrverbot auf Fleisch von Rindern, die mit Wachstumshormonen behandelt wurden. Plötzlich leidet der französiche Bauer selbst unter Handelshemmnissen und bemerkt nicht, dass er das Recht auf genau dieselben zweifelhaften Methoden auch für sich einfordert.

Fazit: Es wäre interessant zu wissen, wie viele der Anti-Globalisierungs-Kämpfer ihre Aktionen planen, weil sie nicht begreifen wer die eigendlichen Leidtragenden ihres Handels sind und wie viele dabei sind, die den Welthandel blockieren, gerade weil sie wissen wer davon wirklich profitiert.

23.01.2004 um 13:03 Uhr

Stockholm-Syndrom?

Noch heute leidet Russland unter dem politischen und wirtschaftlichen Erbe des Kommunismus. Dennoch genießt der Gründer der Sowjetunion Lenin, der vorgestern vor achtzig Jahren starb, erstaunliche Popularität.

23.01.2004 um 10:50 Uhr

Meeresfischerei: Vom Jäger zum Hüter

Die Situation der Fischbestände im gesamten Bereich der Europäischen Union ist kritisch. Nach Ansicht des WWF sind nahezu zwei Drittel der wirtschaftlich nutzbaren Bestände überfischt, einige Bestände befinden sich sogar kurz vor der kommerziellen Ausrottung. Nicht nur der Fisch, sondern das gesamte maritime Ökosystem leidet unter diesem Raubbau.
Schuld daran trägt jedoch nicht allein die Jagd der Fischer nach dem größten Fang. Auch die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) der EU hat dazu beigetragen, dass der Fischfang oft exzessive Ausmaße angenommen hat. Mit der bis heute anhaltenden Subventionierung der Fangflotten wurden enorme Überkapazitäten geschaffen, aktuelle Umwidmungen der Mittel in die Modernisierung der Fangtechnik und die Verschrottung alter Fangkapaziäten werden daran nicht viel ändern, wenn die Fischer die Mittel zur Steigerung der Effektivität ihrer Fangtechnik nutzen. Technische Anforderungen an die Fanggeräte, räumliche und zeitliche Fangbeschränkungen, Kontrollen und nicht zuletzt der Streit um nationalen Fangquoten haben das Grundproblem der Fischerei, die Konkurrenz um eine gemeinsame Ressource, nicht lösen können. Jeder Fischer weiß, was er nicht fängt verkauft später ein anderer. Also wird das Rennen erbarmungslos.
Fischereiökonomen fordern daher seit langem auch in den Meeren ein Ersatz für den Weidezaun an Land zu schaffen, indem der einzelne Fischer individuelle Verfügungsrechte über eine wohldefinierte Fangmenge erhält und diese ganz wie sein Kollege der Bauer selbst nutzen oder verkaufen kann. Klappt die Überwachung der Fangmenge an Land erübrigt sich die Hast bei der Jagd und der Fischer ist töricht, wenn er sich durch Raubbau an den Fischgründen den Wert seiner eigenen Fangrechte ruiniert. Soweit die Theorie.
Kenneth Green vom kanadischen Fraser-Institute hat die Erfahrungen mit individuellen Fangquoten (ITQ) in der kanadischen Fischerei zusammengetragen und kommt zu einem erstaunlich optimistischen Ergebnis. In acht von neun Fischereien haben sich im Zuge der Reformen die Bestände erholt. Aber auch die Wirtschaftlichkeit der Fischereibetriebe und die Arbeitsbedingungen der Fischer haben sich verbessert. Auch andere Länder wie Island oder Neuseeland haben bereits Erfolge mit diesem Fischereimanagement erzielen können.
Höchste Zeit für die EU von diesen Erfahrungen zu lernen. Vielleicht besteht dann eine Chance, auch in zehn Jahren noch die empfohlene wöchentliche Portion gesunden Fisch genießen zu können.

22.01.2004 um 19:12 Uhr

High Tech und ökologische Landwirtschaft, ein Widerspruch?

Nein, sagt Michael Miersch, wobei er fortschrittliche technische Wege zu mehr Umweltschutz in der Landwirtschaft aufzeigt und dem Idealbild Ökolandbau im Novo-Magazin unangenehme Fragen stellt.

22.01.2004 um 17:50 Uhr

Mal drüber schlafen...

Eine Forschergruppe um Ullrich Wagner vom Fachbereich für Neuroendokrinologie der Universität Lübeck fanden Indizien dafür, dass an der üblichen Redensart "Mal drüber schlafen gehen..." tatsächlich was dran ist. Von den Teilnehmern einer empirischen Studie brachten diejenigen, die statt die Nacht über einer gestellten Aufgabe zu brüten zunächst einmal bis zum Morgen ruhig schlafen gingen, die Lösung mit mehr als der doppelten Wahrscheinlichkeit zustande. Um zu testen, ob dieses Phänomen nicht allein auf Müdigkeit zurückzuführen ist, wurde die Aufgabe einer anderen Gruppe von Probanden über einen achtstündigen Tag aufgegeben. Sie waren genauso gut oder schlecht wie die übernächtigten Knobler.
Offenbar ist eine ordentliche Nachtruhe doch nicht zu unterschätzen. In diesem Sinne: Gute Nacht!