Mit dem Kopf voran

29.02.2004 um 22:09 Uhr

Heiliges Geschäft

Das Merchandising für die Einahmen der Filmindustrie von nicht unerheblicher Bedeutung ist, dürfte ja jedem klar sein. Wenn aber Filme mit explizit religiöser Botschaft wie Mel Gibsons "The Passion of the Christ" davon besonders offensiv gebrauch machen, dann ist man selbst als Ökonom etwas überrascht. Leider ist der Kaffeepott mit dem Kreuz des Jesus schon ausverkauft...

29.02.2004 um 10:49 Uhr

Globalisierung und Bürgerkrieg

Einen Vergleich der Wirkung zweier alternativer Politikstrategien auf die politische Stabilität eines Landes und die Häufigkeit bewaffneter innenpolitischer Auseinandersetzung hat in einer von der Weltbank veröffentlichten Studie das Freihandelsszenario gegenüber einem globalisierungskritischem Politikstil für sich entschieden.

Die an dem Gutachten beteiligten Wissenschaftler stellten fest, dass freier Warenverkehr zwar nicht direkt, jedoch indirekt über seine positiven Wachstumseffekte und sein Potential zur Steigerung der politischen Stabilität eine Reduzierung innenpolitischer Gewalt induziert. Die wirtschaftliche Öffnung eines Landes trägt offenbar generell zur Verbesserung der Wachstumschancen bei, auch arme Länder sind hiervon nicht ausgenommen. 

Allerdings konstatieren die Autoren, dass Freihandel zunächst zu einer Erhöhung der Einkommensungleichverteilung führen kann. Wenngleich es einen positiven Zusammenhang zwischen Ungleichverteilung und Gewaltkriminalität gibt, so läßt sich dieser Zusammenhang nicht für die ungleiche Einkommensverteilung und die Gefahr bzw. Härte von Bürgerkriegen finden. Freier Handel und politische Stabilität stehen in einem positiven Zusammenhang, offenbar unabhängig davon, ob es sich um eine demokratische oder diktatorische Regierungsform handelt.

Letztlich führt die wirtschaftliche Öffnung eines Landes nicht zu einer Erhöhung der Wahrscheinlichkeit von Bürgerkriegen. Vielmehr haben Länder mit einem hohen durchschnittlichen Einkommensniveau und innenpolitischer Stabilität ein niedriges Bürgerkriegsrisiko.

28.02.2004 um 21:55 Uhr

Bewegung in Sachen City-Maut?

Albert Schmidt, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, hat die City-Maut jetzt auch für deutsche Großstädte angeregt. Staus, Schadstoffemissionen, Lärm und ein hohes Unfallrisiko sind die unangenehmen Folgen des dichten Verkehrs in den Großstädten. Hier kann ein verursachergerechter Preis für die Nutzung der Straßen Linderung schaffen. Zwar zahlt der deutsche Autofahrer einen großen Teil der Kosten des Ausbaus und Erhaltung des deutschen Straßennetzes über die KFZ- und Mineralölsteuer, doch ist diese Kostenanlastung nicht geeignet, dem Autofahrer die unmittelbaren Kosten der Straßenbenutzung zu präsentieren. Die Folge ist eine zu starke Nutzung der Straßen. Muss der Autofahrer dagegen unmittelbar für die Straßennutzung zahlen, hat er einen Anreiz sein Fahrverhalten anzupassen und weniger wichtige Fahrten zu reduzieren. Folglich sinkt die Verkehrsbelastung und wichtige Fahrten können erheblich beschleunigt werden. Die besonders durch Staus erhöhte Belastung durch Schadstoffemissionen reduziert sich.

Jüngstes Beispiel für eine erfolgreiche Einführung eines City-Maut-Systems ist die Innenstadt von London. So ist der Autoverkehr bereits in den ersten Monaten seit Einführung der Maut um 20% zurückgegangen. Der Anteil privater PKW am Gesamtverkehr sank um 10%. Von denjenigen Kraftfahrern, die ihr Fahrverhalten verändert haben, ist der überwiegende Teil auf den öffentlichen Nahverkehr umgestiegen. Innerhalb der Mautzone hat sich die Staugefahr erheblich reduziert und der Verkehrsfluss deutlich beschleunigt. Die durch Staus in der Rush-Hour bedingten Fahrzeitverzögerungen sind um 30% gesunken, bei Bussen sogar um 50%. Insgesamt ist die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit von 11km/h auf 17km/h, um 30% gestiegen. Vor allem die Londoner Busse werden jetzt mehr benutzt, aufgrund der kürzeren Fahrzeiten sind auch die Taxifahrkosten spürbar gesunken. Fahrradfahrer, Fußgänger aber auch Mopedfahrer haben ebenfalls von der Mauteinführung profitiert.

Obgleich Kritiker negative Folgen für den innerstädtischen Einzelhandel anführten, ist bislang keine Verschlechterung der Situation für das Londoner Geschäftsleben spürbar. Zwar hat sich der Zugang zur Innenstadt verteuert, doch wird dieser Effekt durch die bessere und schnellere Erreichbarkeit teilweise sogar überkompensiert.

Insofern sollten sich die Skeptiker der City-Maut etwas eingehender mit den internationalen Erfahrungen beschäftigen. Neben London, haben auch Oslo, Trondheim und Singapur recht gute Erfahrungen machen können. Eine gute Zusammenfassung der Londoner Erfahrungen ist hier (pdf) zu finden. Einen sehr interessanten Überblick über das Road Pricing allgemein hat Deloitte Research kürzlich veröffentlicht.

27.02.2004 um 12:19 Uhr

Die Realität des "Outsourcing"

In einem vergangenem Beitrag hatten wir darauf aufmerksam gemacht, dass die Auslagerung von Arbeitskräften im Gegenzug zu einer höheren Nachfrage nach inländischen Gütern aus dem Ausland führt. Einen anschaulichen Beleg für die USA liefert Thomas Friedman in einer Kolumne für die New York Times:

"Yes, I want to be able to huff and puff about complex issues — like outsourcing of jobs to India — without any reference to reality. Unfortunately, in this life, I'm stuck in the body of a reporter/columnist. So when I came to the 24/7 Customer call center in Bangalore to observe hundreds of Indian young people doing service jobs via long distance — answering the phones for U.S. firms, providing technical support for U.S. computer giants or selling credit cards for global banks — I was prepared to denounce the whole thing. "How can it be good for America to have all these Indians doing our white-collar jobs?" I asked 24/7's founder, S. Nagarajan.
Well, he answered patiently, "look around this office." All the computers are from Compaq. The basic software is from Microsoft. The phones are from Lucent. The air-conditioning is by Carrier, and even the bottled water is by Coke, because when it comes to drinking water in India, people want a trusted brand. On top of all this, says Mr. Nagarajan, 90 percent of the shares in 24/7 are owned by U.S. investors. This explains why, although the U.S. has lost some service jobs to India, total exports from U.S. companies to India have grown from $2.5 billion in 1990 to $4.1 billion in 2002. What goes around comes around, and also benefits Americans."

Im Übrigen, in dem Maße wie deutsche Unternehmen sich an der Produktion dieser Güter über den internationalen Handel von Gütern und Dienstleistungen beteiligen werden auch Arbeitsplätze in Deutschland erhalten und geschaffen.

26.02.2004 um 09:58 Uhr

Von wegen "Dismal Science"

Ökonomen und ihre Wissenschaft sind gemeinhin als trocken und humorlos verschrien. Dass dies oft ein Vorurteil ist, stellt der Ökonom Xavier Sala-i-Martin von der amerikanischen Columbia University unter Beweis. Auf seiner etwas schrägen Webseite gibt es nicht nur eine Menge nützlicher Informationen zur Wachstumsökonomie, sondern auch eine kleine Sammlung politischer Kuriositäten. Mein Favorit ist der Link zu einer Sammlung von Belegen für die "segensreiche" Wirkung staatlicher Konjunkturstützung.

25.02.2004 um 18:24 Uhr

Insider kontra Outsider

Von wem anders als von den Gewerkschaften, ist die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn für Langzeitarbeitslose zu erwarten? Was auf den ersten Blick als ein Akt des Kampfes für die Rechte der Arbeitslosen erscheint, ist in Wahrheit ein Versuch der Gewerkschaften ihre beschäftigten Mitglieder vor Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zu schützen. Jedenfalls sind solche Forderungen nicht geeignet, Unternehmen dazu zu bewegen, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Wer Arbeit hat profitiert zunächst von gesetzlichen Mindestlöhnen, wer keine hat bekommt sie erst recht nicht.  Langfristig hilft diese Forderung keinem, da Mindestlöhne in schwierigen Zeiten noch eher zu Entlassungen führen können. Höhere Arbeitskosten erhöhen die Produktionskosten und das wiederum die Güterpreise. Dadurch sinkt die Güternachfrage und es werden weniger Arbeitskräfte zur Produktion gebraucht. Der Kreis schließt sich. Und damit hat dann die Gewerkschaft ihren eigenen Mitgliedern einen Bärendienst erwiesen.

Eine ausführliche Debatte und viel Material über die volkswirtschaftlichen Effekte von Mindestlöhnen ist hier zu finden.

25.02.2004 um 18:04 Uhr

Und wer fragt den Konsumenten?

Berlins Taxifahrer bekommen Konkurrenz und wer hätte es gedacht, statt sich dem Wettbewerb zu stellen wollen sie klagen. Man darf gespannt sein, ob sich hier die Taxifahrer vor Gericht ihre Pfründe erhalten können oder ob ein fähiger Richter endlich einmal für die Konsumenten Partei ergreift. Während Preiswettbewerb im alltäglichen Leben die normalste Sache der Welt ist, will uns der Taxifahrerverband das Versprechen der "Airport Limousine GmbH", immer fünf Prozent billiger als ein Taxi zu sein, als Wettbewerbsverzerrung verkaufen. Und prompt tappen die Berliner Behörden in diese Falle und wittern eine Benachteilung für die armen Taxifahrer, weil die Fahrer der Konkurrenz möglicherweise keine Fachkundigenprüfung bei der IHK abgelegt hätten oder ohne Personenbeförderungsberechtigung fahren würden. Eigenartig, dass genau diese Voraussetzungen neben anderen Markteintrittsbarrieren der Schlüssel für die Quasi-Monopolposition der Taxifahrer sind. Kein Personenbeförderungsunternehmen wird unfähige Fahrer anstellen, wenn es sich eine langfristige Reputation für einen sicheren, pünktlichen und preiswerten Services aufbauen möchte. Teure Zertifizierungspflichten sind daher nichts anderes als Markteintrittsbarrieren, die für sich genommen bereits den Wettbewerb verzerren.

24.02.2004 um 15:26 Uhr

Nachtrag zu "Blut ist keine Ware"

Co-Blogger Markus hat mich freundlicherweise auf einen unangenehmen Nebeneffekt der Bezahlung für Blutspenden aufmerksam gemacht. Problematisch ist, dass eine Vergütung der Spende gerade solche Spender zur Spende bewegen würde, die ein höheres Krankheitsrisiko tragen und daher einen Anreiz haben dieses Risiko zu verschweigen (zB. Junkies mit erhöhtem AIDS-Risiko). Auch das DRK sieht hier ein erhöhte Gefahr verunreinigten Spenderbluts und höhere Kosten einer hinreichenden Qualitätskontrolle.

Wie läßt sich dieses Dilemma einer negativen Selektion der Spender umgehen? Denkbar wäre etwa die steuerliche Absetzbarkeit des Gegenwerts der Spende von der Einkommenssteuer. Davon profitieren nur diejenigen Spender, die ein regelmäßiges Einkommen haben und mit hoher Wahrscheinlichkeit keiner Risikogruppe angehören. Leider eine sehr zentralistische Lösung mit hohem administrativen Aufwand. Auch könnten das DRK oder die Hersteller von Blutprodukten mit Unternehmen vertragliche Vereinbarungen eingehen, ihren Mitarbeitern verstärkte Anreize zur Blutspende in Form von Lohnzuschlägen oder geringerer Arbeitszeit zu gewähren. Auch über die Krankenkassen wären solche Motivationsanreize denkbar, wenn etwa gegen Blutspenden Abschläge von den monatlichen Versicherungsbeiträgen vereinbart werden könnten. Auch hier ist gesichert, dass Versicherte mit eigenen Beitragsleistungen nicht unbedingt zu den Risikogruppen innerhalb der Gesellschaft gehören. Nicht berufstätige Spender könnten hierbei nach wie vor durch eine ausreichend genaue Selbstauskunft und eine Testphase als Zahlungsvoraussetzung in den Genuß einer Vergütung ihrer Spende kommen. Wichtig ist, dass nur solche Spenden honoriert werden, deren Qualität zur medizinischen Weiterverwendung ausreicht.

Warum sollten Institution, die eine Versorgungen mit qualitätiv hochwertigen Spenderblut sicherstellen können, auf diesem Markt nicht stärkere Aktivitäten entfalten? Eine andere Frage ist, warum sie es bislang nicht tun. Es wäre interessant, die gesundheitspolitischen Gründe hierfür einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Die von ethischen Grundsätzen geprägte, kategorische Forderung des DRK "Blut darf keine Handelsware werden!" scheint jedenfalls wenig zur Lösung des Problems beizutragen.

23.02.2004 um 15:48 Uhr

Tödliche Impfung

AIDS, als Infektionskrankheit mit meist tödlichem Ausgang hat in Europa inzwischen einen Teil seines Schreckens verloren, und nicht nur dadurch, dass es nur noch selten als Thema in den Medien aufgegriffen wird, sondern durch die doch verbesserte Medikation, die es ermöglicht relativ lange mit dem Virus zu leben, bevor die Krankheit ausbricht. In Afrika, speziell im Sub-Sahara-Bereich ist AIDS ein zunehmendes Problem der Gegenwart mit gesellschaftlichen Konsequenzen der Zukunft, die nicht absehbar sind. Alleine im Süden des afrikanischen Kontinents sind im Jahr 2003 etwa 2,3 Mio. Menschen an der Krankheit gestorben. Bisher ist auch die WHO davon ausgegangen, dass die Übertragung des Virus hauptsächlich über den ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgt. Neuere Studien zeigen aber auf alarmierende Art und Weise wie nicht sterilisierte Nadeln, die unter anderem bei der Impfung gegen andere Krankheiten verwendet werden, zur Ausbreitung der Seuche beitragen und auch in der Vergangenheit beigetragen haben. Es gibt bereits Schätzungen das etwa 12 bis 33 % der Infektionen über diesen Übertragungsweg erfolgen. Die WHO geht selbst von nur maximal 2,5 % aus. Dabei steckt die Weltgesundheitsorganisation natürlich auch in einem fatalem Dilemma. Zuzugeben, dass viele von der WHO durchgeführten Impfschutzprogramme dazu beigetragen haben, den tödlichen HIV-Virus im Kontinent zu verbreiten, ist natürlich das Eingeständnis, sich in der Vergangenheit zu wenig Gedanken über die Auswirkungen der gut gemeinten Gesundheitspolitik für afrikanische Entwicklungsländer gemacht zu haben. Auf der anderen Seite werden aber solange die WHO nicht zu der Erkenntnis kommt, dass dieser Infektionsweg eingedämmt werden muss, auch keine Maßnahmen ergriffen, um das Gesundheitssystem in den betroffenen afrikanischen Staaten so weit zu sanieren, dass nur noch sterile Nadeln für Injektionen verwendet werden. Diese Maßnahme wäre aber auf jeden Fall mit weit weniger Geld und größerem Erfolg durchführbar, als die Aufklärungskampagnen für „safer sex“. Die Umsetzung und damit die Annahme dieses Problems ist aber dringend geboten, besonders wenn man berücksichtigt, dass in Asien, wo AIDS in den meisten Ländern noch keine so große Rolle spielt wie in manchen afrikanischen Staaten, etwa 75 % der Injektionen in den Krankenhäusern mit unsterilen Nadeln durchgeführt werden.

23.02.2004 um 00:10 Uhr

DRK:„Blut ist keine Ware?“ Warum eigentlich nicht?

Eine aktuelle Werbekampagne des DRK wirbt mit eindringlichen Slogans wie „Taschentücher gibt’s im Supermarkt. Blut nicht.“ für eine höhere Bereitschaft der Bevölkerung zur Spende lebensrettenden Blutes. Im selben Atemzug wie die Kampagne appelliert, dass Blut keine Ware ist, stellt der DRK ganz richtig fest, dass Blut ein wertvolles Gut ist.

Und genau hier liegt das Problem, weshalb die Wirkung derartiger Appelle an das Bewusstsein der Menschen wenig von Erfolg gekrönt sein wird. Denn Blut ist nicht nur wertvoll, weil es für Bedürftige lebensrettend sein kann, sondern weil dessen Spende oft mit erheblichen Kosten in Form von zeitlichem Aufwand und sonstigen Unannehmlichkeiten für den Spender verbunden ist. Den edlen Spendern fehlen schlichtweg die nötigen Anreize, ihre wertvolle Zeit im Spendenlabor zu verbringen und die Schmerzen oder das eventuelle Unwohlsein zu ertragen. Warum also den Spender nicht ausreichend dafür kompensieren? Ein gratis Whopper Menü mag da zwar ein kleines Entgegenkommen sein, dürfte aber kaum ausreichen, um einen Berufstätigen mit einem mehrfachen Stundenlohn des Whopper-Preises dazu zu bewegen, seinen Arbeitsplatz vorzeitig zu verlassen oder seine knappe Freizeit zu opfern. Selbst Rentner, Arbeitslose und Studenten neigen dazu, ihre wertvolle Zeit höher als eine pappige Boulette und fettige Pommes zu bewerten.

Man mag es moralisch verwerflich finden, Spender angemessen für ihren Aufwand bezahlen zu müssen. Doch ist es nicht allemal besser, als hilflos zuzusehen, wie Bedürftige mangels ausreichender Blutkonserven länger leiden oder gar sterben? Auch spart das Gesundheitssystem keinen Euro durch die immer wiederholten Appelle zur „kostenlosen“ Spende. Ist die Blutversorgung knapp, steigen die Kosten das richtige Blut in ausreichender Menge für die Bedürftigen bereitzustellen. Es muss von weiter her herangefahren werden, der Bedarf an Blutersatzstoffen ist größer und letztlich gibt es Kosten nichtmonetärer Natur, wenn das Leiden der Kranken sich vergrößert und die Genesung verzögert wird. All diese Kosten trägt auch dass Gesundheitssystem. Es könnte sie sich und seinen Patienten ersparen, würde es die moralische Keule an den Nagel hängen und Blut und seine Spender einfach wie ein wertvolles Gut behandeln, indem es den Spendern endlich ausreichend Anreize in Form einer ordentlichen Bezahlung zugesteht.

 

Das diese Überlegungen zum Teil auch für die Organspende gelten und wie das Problem reduzierbar wäre, können interessierte Leser hier nachlesen.

21.02.2004 um 14:50 Uhr

Wissenswertes zum "besten Stück" des Mannes

Wer schon immer wissen wollte, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Penis des Mannes und einer Kolbenpumpe gibt und welche Konsequenzen diese Ähnlichkeit für weibliche und männliche Sexualstrategien hat, dem sei folgender Artikel wärmstens ans Herz gelegt. Wem diese Enthüllungen nicht ausreichen, der sollte sich in die Lektüre von Robin Bakers Krieg der Spermien vertiefen. Schon verblüffend was die Evolution so mit uns angestellt hat.

21.02.2004 um 14:27 Uhr

130000 IT-Arbeitsplätze durch Auslagerung bedroht?

Auch hierzulande beginnt die Angst vor der Auslagerung von Arbeitsplätzen und deren negative Folgen für den deutschen Wirtschaftstandort Wellen zu schlagen. Nachdem sich bereits ein Großteil des amerikanischen Wahlkampfes um dieses Problem dreht, hat nun auch die deutsche Presse den Braten gerochen, mit Horrorstories über die dramatischen Folgen der Auslagerung von IT-Arbeitsplätzen Schlagzeilen machen zu können. Wir berichten auf diesem Weblog nicht zum ersten Mal über Probleme, die einige Kommentatoren mit dem Phänomen Welthandel und Globalisierung haben. Auch in der Diskussion über das „Outsourcing“ von IT-Dienstleistungen zeigt sich, dass es vielen Mitmenschen und vor allem den meisten Journalisten am notwendigen Verständnis der Mechanismen der weltweiten Arbeitsteilung mangelt. Daher hier ein Versuch, etwas mehr Licht ins Dickicht der Probleme und Chancen der Auslagerung von IT-Jobs zu bringen.

 

Zweifellos steckt hinter der Auslagerung von IT-Arbeitsplätzen das Streben der Unternehmen Kosten einzusparen. Aus diesem Grund gehen sie mit der Produktion von Dienstleistungen, die sich in Deutschland unter den herrschenden Arbeitsmarktbedingungen nicht mehr kostendeckend realisieren lassen ins Ausland und zwar in solche Länder, die einen komparativen Vorteil in der Produktion von arbeitsintensiven IT-Dienstleistungen haben. Länder mit einer hohen Anzahl unterdurchschnittlich ausgebildeter Arbeitskräfte, aber einer geringen Kapitalausstattung haben einen komparativen Vorteil bei der Produktion arbeitsintensiver, vergleichsweise wenig produktiver Produkte und sind daher der ideale Standort für Call Center und ähnliche IT-bezogene Dienstleistungen. Ist diese Entwicklung schlecht für die Bevölkerung eines Industrielandes wie Deutschland? Ist sie schlecht für die Menschen in den Ländern in die die Auslagerungen erfolgen?

 

Die Nutzung dieser komparativen Kostenvorteile ist nicht nur Ursache des Handels zwischen Menschen und Nationen, sondern auch die Triebkraft wirtschaftlichen Wachstums. Denn nur dann, wenn es gelingt die täglich nachgefragten Güter so kostengünstig wie möglich zu produzieren verbleiben hinreichend Produktionsfaktoren, um neue Produkte und Dienstleistungen mit potentieller Nachfrage zu schaffen und damit Einkommen und Arbeitsplätze zu generieren. Behindert man diesen Prozess, bleiben dem Wirtschaftssystem Kostensenkungspotentiale verschlossen und die Produkte und Dienstleistungen werden mit einem unnötig hohen Einsatz von Produktionsfaktoren produziert bzw. werden von Menschen produziert, die für die Produktion anderer Güter sinnvoller einsetzbar wären. Hierunter leiden alle: Konsumenten zahlen höhere Preise, unrentable Unternehmen werden vom Markt verdrängt und müssen ihre Belegschaft entlassen, neue Arbeitsplätze werden nicht geschaffen und es verbleibt weniger Einkommen, um es in Form von Investitionen oder Ausbildung für die Zukunft zu sparen.

 

Aber ist es wirklich so, dass die130000 verlagerten IT-Arbeitsplätze ein glatter Netto-Verlust für Deutschland sind? Man kann (und sollte) sich den internationalen Handel vereinfacht als ein Naturalienhandel zwischen zwei Steinzeitmenschen vorstellen, um dieser Frage nachzugehen. Lagern wir IT-Dienstleistungen aus, so müssen wir sie später wieder importieren und irgendwie bezahlen. Das machen wir, indem wir wiederum Güter liefern, die wir in Deutschland produktiver herstellen können. Das heißt die zusätzlichen Einkommen die im Ausland durch die Auslagerung entstanden sind werden bei uns nachfragewirksam, die Nachfrage nach Arbeitskräften in der deutschen Exportwirtschaft steigt und sie absorbiert bei steigenden Löhnen einen Teil der vorher verloren gegangenen Arbeitsplätze. Weitere Arbeitsplätze werden neu geschaffen, weil die Welt und damit auch Deutschland durch die Kostensenkung des Handelns mehr Güter mit dem gleichen Aufwand wie vorher produzieren kann, also jetzt reicher ist. Mit diesen zusätzlichen Einkommen werden neue Güter nachgefragt, die auf neu geschaffenen Arbeitsplätzen produziert werden. Was in diesem Prozess geschieht ist nichts anderes als eine Verlagerung der Arbeitskräfte in Jobs, in denen sie produktiver sind, d.h. eine höhere Menge an nutzbringenden Gütern und damit ein höheres Einkommen erwirtschaften.

Offenbar werden in der Öffentlichkeit oft nur der Arbeitsplatzverlust und die damit zweifellos verbundenen sozialen Anpassungsschwierigkeiten der Betroffenen problematisiert. Dass diese Hiobsbotschaften jedoch oft übertrieben sind und viele der Betroffenen in der Lage sind sich über kurz oder lang zu ihrem Vorteil an diese Situation anzupassen wird dabei beflissentlich übersehen. Besonders ärgerlich ist jedoch, dass die enormen Chancen dieses Prozesses, eben das, was unseren enormen Wohlstandsschub in der Vergangenheit ausgemacht hat, schlichtweg ignoriert werden. Ganz abgesehen von der Ignoranz gegenüber den anderen potentiellen Gewinnern der Auslagerung der IT-Jobs, den indischen Programmierern oder der Telefonistin in einem chinesischen Call-Center. Beide haben eine Verbesserung ihrer Situation besonders nötig.

Lesenswerte Kommentare zu diesem Thema sind hier und hier sowie hier zu finden.

20.02.2004 um 21:20 Uhr

Aber meine Damen...

Laut einer im amerikanischen Wissenschaftsmagazin Nature erschienenen Studie tendieren Frauen während der fruchtbarsten Phase ihres monatlichen Zyklus dazu, das Äußere ihrer potentenziellen weiblichen Konkurrenten besonders kritisch zu beurteilen.  Und das nicht nur aufgrund einer gewissen Launenhaftigkeit, denn die Phase des Menstruationszyklus hat offenbar keinerlei Einfluß auf die Bewertung der Attraktivität ihrer männlichen Kontraparts.

In der Studie wurden 57 Frauen und 47 Männern Abbildungen von weiblichen und männlichen Gesichtern gezeigt, um eine Bewertung von "extrem attraktiv" bis "extrem unattraktiv" abzugeben. Während die Herren der Schöpfung ziemlich beständig in ihrem Urteil blieben, war das Urteil der Vertreterinen des schönen Geschlechts leicht, doch immerhin statistisch signifikant, von der Phase des Menstruationszyklus beeinflußt. Frauen in der zweiten bis dritten Woche nach ihrer Menstruation stuften die Attraktivität der weiblichen Gesichter auf der Bewertungsskala um einen halben Punkt niedriger ein als ihre Geschlechtsgenossinen, die sich in einer anderen Phase ihres Zyklus befanden.  Nach Ansicht der federführenden Wissenschaftlerin ist diese besonders kritische Bewertung das Pendant zur abschätzigen Bemerkung über eine potentielle Konkurrentin, ein wohl häufiges Phänomen weiblicher Kommunikation auf der Damentoilette.

Die Ursache hierfür dürfte, laut Aussage eines kanadischen Evolutionspsychologen die Konkurrenz unter Frauen um potenzielle Partner sein, ein Kampf, der gerade in der fertilen Phase besonders heftig geführt wird. Bislang wird nur vermutet, dass hormonelle Veränderungen, insbesondere ein steigender Östrogen-Level, der Schlüssel für diese Verhaltensänderung ist.

Die Studie ergab darüber hinaus, dass Frauen wie Männer das weibliche Geschlecht generell als attraktiver empfanden. Das mag darauf zurückzuführen sein, dass Schönheit eher für Frauen ein Wettbewerbsvorteil ist, wohingegen Männer mehr mit physischer Stärke, materiellem Wohlstand aber auch Aggressivität konkurrieren.  Wenn Attraktivität für Frauen von so großer Bedeutung ist, dann mag es nicht verwundern, wenn die eine oder andere gehässige Bemerkung zur Verbesserung der eigenen Position oder auch nur zur Steigerung des eigenen Selbstwertgefühls abgegeben wird.

19.02.2004 um 16:47 Uhr

Haie; die eigentlichen Opfer der Fischerei

In den meisten Fällen wo das Problem der Überfischung der Weltmeere dargestellt wird, steht der Rückgang der Speisefischarten im Vordergrund. Auch die wissenschaftliche Forschung konzentriert sich im Wesentlichen auf die Auswirkung der Fischerei auf die sogenannten Zielfischarten. Viel weniger Beachtung fanden bisher die Auswirkungen der Fischerei auf andere Fischarten, wie zum Beispiel den Haien. Die Bestände dieser Knorpelfische sind im weit höheren Maße als die meisten Zielfischbestände von den Auswirkungen der übermäßigen Fischereiaktivität betroffen. Zum Einen werden sie direkt verfolgt, da Haifischflossen immer noch eine Delikatesse darstellen, zum Anderen werden sie als unerwünschter Beifang zum Beispiel in der Thunfischfischerei mit angelandet. Das größte Problem für Haie ist, das sie eine sehr geringe Anzahl an Nachkommen haben und sich erst spät fortpflanzen. Dezimierte Bestände können so nur sehr langsam wieder aufgefüllt werden. Auch wenn es dem Menschen nicht gelingen wird, die meisten Zielfischbestände ganz auszurotten, weil nach dem Zusammenbruch der Bestände die Fischerei meist nicht mehr lukrativ ist und somit immer noch einer kleiner Rest an Fisch erhalten bleibt – ob dieser dann aber ausreicht, um wieder die alte Größe des Bestandes zu erreichen ist ungewiss – könnte es schon eher gelingen viele Haifischarten in bestimmten Meeresgebieten vollständig auszurotten. In diesem Fall muss man froh sein, dass sich inzwischen Umweltschutzverbände den Erhalt dieser Knorpelfische, die ansonsten über keine sehr gute Lobby verfügen, auf ihre Fahne geschrieben haben und das Problem öffentlich machen.

18.02.2004 um 19:24 Uhr

Risiko Geländewagen

Auch hierzulande gewinnen komfortable Geländewagen (SUVs) mit hochwertiger Ausstattung, starken Motor und flottem Design mehr und mehr Liebhaber. Sehr zum Leidwesen aller, wie eine aktuelle Studie im Journal of Risk and Uncertainty nahelegt. Nicht allein deshalb, weil diese Fahrzeuge aufgrund ihres hohen Spritverbrauchs vergleichsweise hohen Schadstoffemissionen verursachen, sondern vor allem, weil sie unsere Straßen unsicherer machen. Zwar gelten die Fahrzeuge für die Insassen als ausgesprochen sicher, was häufig als Argument für ihre Anschaffung angeführt wird. Doch umso höher ist das Risiko, dass diese schweren und oft schnellen Fahrzeuge für andere Verkehrsteilnehmer darstellen. Zusätzlich stellen die Autoren der Studie fest, dass SUVs mit einer je nach amerikanischem Bundesstaat bis zu vierfachen Wahrscheinlichkeit in tödliche Unfälle verwickelt werden wie normale PKW. Das führt sie zu dem Ergebnis, dass eine Erhöhung der Anzahl von SUVs rein statistisch zu einer höheren Menge an zusätzlichen Todesopfern im Straßenverkehr führt, wie ein gleichhoher Zuwachs normaler PKW.

Nicht ganz klar ist die Ursache für die erhöhte Unfallwahrscheinlichkeit der SUVs. Gregg Easterbrock geht davon aus, dass der Charakter der Fahrzeuge besonders agressive Fahrer reizt und ihnen darüberhinaus noch ein erhebliches Sicherheitsgefühl verschafft, was sich in einem überdurchschnittlich rücksichtlosen Fahrstil äußert.

Schwierig wird es, diese Erkenntnis in politische Schlußfolgerungen umzusetzen. Den erhöhten Schadstoffemissionen kann über eine ausreichende Besteuerung des Kraftstoffs Rechnung getragen werden. Das hohe Sicherheitsrisiko wird gegenwärtig jedoch nicht berücksichtigt. Zwar besteht die Möglichkeit einen Zuschlag auf die Kraftfahrzeugsteuer zu erheben, doch steht dies nur in einem sehr indirekten Zusammenhang zum eigentlichen Fahrzeugeinsatz. Eine höhere Haftpflichtversicherung könnte ebenfalls einen Ausgleich für das überdurchschnittliche Risiko schaffen. Optimal wäre wohl eine höhere Straßennutzungsgebühr im Rahmen einer allgemeinen Straßenmaut für alle Fahrzeuge, ein Lösungsansatz, der trotz seiner erheblichen Vorteile hierzulande bisher auf wenig Gegenliebe gestoßen ist. Der verpatzte Start der LKW-Maut hat den Freunden einer effizienten und gerechten Anlastung der Kosten des Straßenverkehrs jedenfalls einen Bärendienst erwiesen.

18.02.2004 um 17:14 Uhr

Naturkatastrophen und Armut

Naturkatastrophen treffen in Regel immer am heftigsten die ärmsten Länder dieser Erde. Ein weiteres Beispiel hierfür ist die schleichende Vergiftung des Trinkwassers in Bangladesh durch Arsen. In diesem Fall gelangt dieses neurotoxische und krebserregende Halbmetall über den Abfluss des Ganges aus dem Himalaja, wo es besonders arsenhaltige Gesteinschichten gibt, ins Land und in das Trinkwasser. Die Folgen für die Bevölkerung äußern sich in einer schleichenden Arsenvergiftung von der inzwischen etwa 150 Mio. Menschen betroffen sind; bei ca. 1 Mio. finden sich bereits Symptome einer chronischen Vergiftung.  Die Erkrankung zeigt sich zuerst anhand von Veränderungen der Hautpigmentierungen, die sich später zu Hautkrebs entwickeln können. Es folgen organische und neurologische Erkrankungen. Die Arsen-Konzentrationen im Trinkwasser erreichen in Bangladesh bis zu mehreren Hundert Mikrogramm. Der Grenzwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit wurde von der WHO auf 10 µg/l festgesetzt und wird somit in dieser Region der Erde deutlich überschritten. Die meisten Arsentrennungsverfahren sind für die Bevölkerung eines der ärmsten Länder der Welt viel zu aufwendig und kostspielig. Briten haben inzwischen eine einfache und weniger teuere Methode entwickelt, um den Arsengehalt im Wasser auf ein Viertel zu senken. Dies ist mit Sicherheit eine Hoffnung nicht nur für die betroffenen Bengalen sondern auch andere Nationen wie Vietnam, die ebenfalls an bedenklich hohen Arsenkonzentrationen im Trinkwasser leiden.

17.02.2004 um 17:24 Uhr

Therapeutisches Klonen möglich

Das Thema menschliches Klonen sorgt weiterhin für Schlagzeilen. Jetzt haben Wissenschaftler aus Korea in der angesehenen Wissenschaftszeitung Science einen Artikel darüber veröffentlicht, dass es ihnen gelungen ist 30 menschliche Embryonen (100-Zellstadium) über das Klonen zu erzeugen. Weiter war es möglich aus einer menschlichen Eizelle, nach dem deren Gene entfernt wurden und der Verschmelzung mit einer somatischen Zelle embryonale Stammzellen herzustellen. Stammzellen sind sogenannte pluripotente Zellen, die sich in jede Art von Gewebe entwickeln können. Dies ist der erste Schritt auf dem Weg hin zum therapeutischen Klonen. In der Zukunft wäre es mit einer solchen Technologie möglich, Zellen und sogar Gewebe herstellen, welche(s) die identische genetische Information enthalten wie die Spenderzelle, was für Transplantationen ein großer Fortschritt wäre. Bisher sind Transplantationen immer noch mit einem hohen Risiko verbunden, da der Körper fremdes Gewebe oder Organe abstößt. Euphorische Wissenschaftler sprechen bereits davon, das es auf diesen Wege in Zukunft möglich sein wird Krankheiten wie Parkinson oder Diabetes zu heilen. Allerdings bisher stehen die Forscher noch ganz am Anfang der Entwicklung hin zum therapeutischen Klonen. Außerdem ist eine Behandlung mit menschlichen Stammzellen nach dem bisherigen Stand der Erkenntnis auch mit einem hohen Risiko verbunden, weil diese sehr teilungsfreudigen Zellen sehr leicht zu Tumorzellen entarten könnten. 

Besonders kritisch wird bisher auch die Verwendung von menschlichen Eizellen in der Forschung begutachtet. In Deutschland ist es bisher verboten an aufgegebenen menschlichen Embryonen zu forschen. Während das Klonen zur Herstellung von Menschenkopien mit Recht ethisch sehr zweifelhaft ist, stellt sich beim therapeutischen Klonen natürlich schon eher die Frage, ob wir auf den möglichen Nutzen einer solchen Forschung wirklich verzichten wollen. Diese Diskussion wird mit Sicherheit noch weiter geführt werden müssen und die Frage, ob wir eine solche Forschung in Zukunft auch in Deutschland zulassen wollen, ist mit Sicherheit noch nicht abschließend beantwortet.

16.02.2004 um 10:54 Uhr

Digitale Kameratechnik beim Schutz vor Überfischung der Meere

Die Überfischung der Meere ist weiterhin ein zentrales Problem im Schutz der marinen Umwelt vor den Eingriffen des Menschen. Dabei ist der Erhalt eines gesunden und ertragreichen Fischbestandes nicht nur wichtig für den Schutz des Ökosystems, sondern auch wesentlich für die Fischer und die Fischereiindustrie, damit diese auch in der Zukunft diese natürlichen Ressourcen nutzen können und somit viele Arbeitsplätze an der Küste erhalten bleiben. Ein nicht unerheblicher Grund für die Überfischung ist der immer noch übermäßige Fang von nicht kommerziell verwertbaren Jungfischen und Nicht-Zielarten. Diese Fische müssen nach dem sie an Bord des Schiffes aussortiert wurden, wieder über Bord geworfen werden, wobei der Großteil diese Prozedur nicht überlebt. Norwegische Wissenschaftler haben jetzt eine Technik entwickelt, die eventuell dazu beitragen kann, dieses verschwenderische Töten von Jungfischen, die dem Bestand verloren gehen bevor sie sich Fortpflanzen konnten, zu reduzieren. Mit einer Digitalen Kamera wird noch während das Netz im Wasser ist, eine Aufnahme des Fangs gemacht und mittels entsprechender Software kann dann berechnet werden, wie viele Fische in welcher Größe sich in einem Netz befinden. Hat man fast nur Jungfische im Netz, kann man dieses noch im Wasser öffnen und so haben die Fische eine höhere Chance zu überleben. Frage bleibt noch, wie man es technisch hinbekommen will, einen Anteil von beispielsweise 40% Jungfische aus dem Netz auszusortieren, während das Netz noch im Wasser hängt und wieweit diese Technik empfindlichen Fischarten helfen soll, die erst aus 80m Tiefe bis fast an die Oberfläche geholt wurden und deren Schwimmblase aufgrund des Druckunterschiedskurz kurz davor ist zu platzen. Es bleibt mit Sicherheit noch einiges zu tun, bis diese Technik einsetzbar ist und ein effektiver Schutz der Fischbestände in unseren Meeren kann in erster Linie durch ein vernünftiges Managen dieser natürlichen Ressource erreicht werden.

13.02.2004 um 17:07 Uhr

Nordkorea im World Wide Web

Auch die Volksrepublik Korea ist im Internet vertreten. Neben einer offiziellen Webseite, auf der das Land seine "Errungenschaften" feiert, präsentiert auch der sog. Freundeskreis der Juche-Ideologie in der Kommunistischen Partei Deutschlands das Land in den schillernsten Farben. Was dabei jedoch verschwiegen wird ist die Tatsache, dass Nordkorea mit lediglich ca. 700 US$ Jahres-Pro-Kopf-Einkommen (2001) zu den ärmsten Ländern der Welt zählt (zum Vergleich, das Jahres-Pro-Kopf-Einkomen Deutschlands betrug im gleichen Jahr fast 23000 US$), seit Jahren von einer verheerenden Hungerkatastrophe heimgesucht wird und seinen Bürgern laut Amnesty International kaum die elementarsten Menschenrechte garantiert.

13.02.2004 um 11:58 Uhr

Bald keine Aale mehr?

Der Europäische Aal, uns allen bekannt in geräucherter Form meist auf Brötchen, sehr wohlschmeckend und fettig, steht kurz davor von der Bildfläche zu verschwinden. Noch gibt es Aale in den Flüssen und manchen Bächen und Seen, aber die große wissenschaftliche Organisation zum Schutz der Meere, der ICES, warnt schon seit eingen Jahren davor, dass der Bestand dieser Art kurz davor steht zu kollabieren. Gründe dafür sind vielfältig. Die zu intensive Fischerei auf Glasaale, die verbauten Wasserwege und die Schadstoffbelastungen der Fließgewässer und Meere spielen mit Sicherheit eine wichtige Rolle. Der Aal ist eine Fischart mit einer extrem faszinierenden Lebensweise. Sein Laichgebiet liegt im Atlantik in der Sargasso-See. Das genaue Fortpflanzungsverhalten ist aufgrund der wenig zugänglichen Lage des Laichgebietes noch sehr unbekannt. Auch ist die Frage, wie die Larven den weiten Weg in die Europäischen Gewässer finden, nur begrenzt aufgeklärt. Nur eine gesamteuropäische Strategie zur Erhaltung dieser Art kann gewährleisten, dass wir in Zukunft an den allgemein sehr beliebten Ständen mit Fischbrötchen weiterhin auch Aalbrötchen genießen können.