Mit dem Kopf voran

31.03.2004 um 17:40 Uhr

Fruchtbare Schönheit

Laut einer in Nature veröffentlichten Studie steigt die Attraktivität einer Frau sowohl für weibliche als auch männliche Betrachter im Höhepunkt ihrer fertilen Phase während des Menstruationszykluses. Besonders interessant ist dabei, dass Frauen diesen Effekt stärker wahrnehmen als Männer. Dieses Phänomen könnte mit der weiblichen Konkurrenz um Männer zusammenhängen. So wäre es für eine Frau möglich, durch eine größere Sensibilität für die Phase der Zyklus der Geschlechtsgenossinen rechtzeitig ihre stärksten Konkurrentinnen zu erkennen.

31.03.2004 um 09:53 Uhr

Vorsicht vor Verallgemeinerungen

Ein ganz wesentlicher Punkt der Ökonomen und Toxikologen unterscheidet, ist die Neigung von Ökonomen Erkenntnisse zu verallgemeinern, während Naturwissenschaftler, die sich mit der Biologie des Menschen oder der Natur auseinandersetzen, wissen (müssten), dass das Leben nicht so einfach funktioniert, wie es gerne mal in einem Modell dargestellt wird. Prinzipiell ist mit Sicherheit etwas daran, dass geringe Dosen schädigender Substanzen die Abwehrmechanismen im Organismen stimulieren und damit auch einen positiven Effekt haben können. Diese Erkenntnis kommt aber wiederum aus Untersuchungen mit Tieren, wo immer nur eine Substanz oder auch der Einfluss einer radioaktiven Strahlung alleine getestet wurde. Sprechen wir aber von Belastungen in der Umwelt, haben wir es zum einem mit einem Schadstoffcocktail zu tun, der auf den Organismus wirkt und wir haben sehr unterschiedliche Wirkungen auf Mensch und Tier.

 

Neben mehr oder weniger direkten toxischen Wirkungen gibt es auch die Neigung vieler Schadstoffe im Organismus zu akkumulieren und/oder auch allergische Neigungen zu verstärken wie auch das Hormonsystem zu beeinflussen. Gerade beim letzten gibt es in der Entwicklung von Mensch und Tier sensible Phasen, wo schon extrem geringe Stoffkonzentrationen eine Wirkung zeigen und wo in keiner Weise irgendwelche Reparaturmechanismen stimuliert werden. Bei Allergikern (bei uns ist davon immerhin schon jeder 6. betroffen) führen wiederum auch sehr geringe Schädigungen zu einer Verstärkung der Symptome, da bei diesen Personengruppen die natürlichen Reparaturmechanismen schon durch die Erkrankung alleine völlig überfordert sind. Wie der Schadstoffcocktail aus der Umwelt auf Mensch und Tier wirklich wirkt, davon haben wir bisher nicht einmal eine Spur einer Ahnung.

 

Solche Weisheiten wie „was uns nicht tötet härtet uns ab“ haben zwar ihren wahren Kern, sind aber nur Verallgemeinerungen die nicht tauglich sind, um bestehende Problemen zu lösen. Darin drückt sich nur der fehlende Respekt oder die Unfähigkeit aus, sich mit der Komplexizität des Lebens auseinander zusetzen.

 

31.03.2004 um 00:26 Uhr

Was Haben Toxikologen und Ökonomen gemeinsam?

Beide sagen, dass es Situationen und Schadstoffe gibt, bei denen gar keine Emissionen schlechter sind als eine geringe Belastung. Während Ökonomen betonen, dass z.B. eine extreme Luftreinhaltung Kosten verursachen kann, die den Nutzen der sauberen Luft bei weitem übersteigt, haben Toxikologen herausgefunden, dass eine minimale Schadstoffdosis sogar gesundheitsfördernd sein kann.

Sollte in Nietsches sinngemäßen Spruch "Was uns nicht tötet macht uns hart." doch ein Fünktchen Wahrheit liegen?

31.03.2004 um 00:04 Uhr

File Sharing: Ein Problem für die Musikindustrie?

Laut einer amerikanischen Studie der Harvard Business School und der University of North Carolina, Chapel Hill wirkt sich der Tausch von MP3s übers Internet entgegen anderslautender Meinungen nicht negativ auf den Verkauf von CDs aus:

The authors, Associate Professor Felix Oberholzer-Gee of Harvard Business School in Boston and Professor Koleman Strumpf of the University of North Carolina, Chapel Hill, conclude that "File sharing had no effect on the sale of popular CDs in the second half of 2002. While downloads occurred on a vast scale during this period - 3 million simultaneous users shared 500 million files on the popular network FastTrack/KaZaA alone - most people who shared files appear to be individuals who would not have bought the albums that they downloaded," say the authors.

Nach Auffassung der Autoren kann File-Sharing nicht die Ursache für den Absatzrückgang der CD-Verkäufe sein:

Even in the professors' most pessimistic statistical model, it takes 5,000 downloads to reduce the sales of an album by a single copy. If this worst-case scenario were true, file sharing would have reduced CD sales by 2 million copies in 2002. To provide a point of reference, CD sales actually declined by 139 million copies from 2000 to 2002.

Interessant ist, dass vor allem populäre Alben vom File-Sharing profitieren, wogegen weniger erfolgreiche Alben eher das Nachsehen haben:

The effect of file sharing on sales depends on the popularity of a release, according to the researchers. For the least popular albums (with sales of less than 36,000 copies) the authors found a small negative effect. In contrast, for the top 25 percent of albums (with sales of more than 600,000 copies) they found a positive effect: 150 downloads increase sales by one copy. This effect is particularly important because the profitability of the music industry depends almost entirely on the success of the most popular albums.

       File Sharers Download a Small Selection of Songs In this study, the researchers track downloads of songs on 680 popular albums. All albums in their study were included in one of the Billboard Charts in the fall of 2002. Although these albums do well commercially (the average release sells more than 150,000 copies), more than 50 percent of the songs on these albums are never downloaded. 75 percent of the songs are downloaded no more than two times, 90 percent are downloaded fewer than 11 times.

Not surprisingly, not all types of music are equally popular among file sharers. Songs from albums that are on the "Top Current" Billboard Chart are most likely to be downloaded. "Alternative Albums" are the second most popular musical genre among file sharers, followed by "Hard Rock" and "Catalogue" albums. The least likely to be downloaded are songs in the categories "Jazz," "Latin," and "New Artists."  

Wie nicht anders zu erwarten tummeln sich die meisten MP3-Tauscher in den USA. Aber das Beste ist: Deutschland stellt mit 16% aller Downloads die wichtigste ausländische MP3-Quelle für die Amerikaner dar. 

Die komplette Studie steht hier zum "download" zur Verfügung. Ob also Strafanzeigen gegen Musiktauschbörsen außer Beschäftigung für Rechtsanwälte und Bürokraten etwas bringen, sollte stark bezweifelt werden.

 

29.03.2004 um 18:26 Uhr

Die zehn größten Kleptokraten des späten 20. Jahrhunderts

Transparency International listet die zehn diebischsten Politiker des ausgehenden letzten Jahrhunderts auf (in Klammern dahinter Pro-Kopf-Jahreseinkommen des Landes):

1. Mohamed Suharto President of Indonesia from 1967-98: US$ 15 to 35 billion ( 695 US$)
2. Ferdinand Marcos President of the Philippines from 1972-86 US$ 5 to 10 billion (912 US$)
3. Mobutu Sese Seko President of Zaire from 1965-97 US$ 5 billion (99 US$)
4. Sani Abacha President of Nigeria from 1993-98 US$ 2 to 5 billion (319 US$)
5. Slobodan Milosevic President of Serbia/Yugoslavia from 1989-2000 US$ 1 billion (n/a) 
6. Jean-Claude Duvalier President of Haiti from 1971-86 US$300 to 800 million ( 460 US$)
7. Alberto Fujimori President of Peru from 1990-2000 US$ 600 million (2051 US$)
8. Pavlo Lazarenko Prime Minister of Ukraine from 1996-97 US$ 114 to 200 million (766 US$)
9. Arnoldo Alemán President of Nicaragua from 1997-2002 US$ 100 million (490 US$)
10. Joseph Estrada President of the Philippines from 1998-2001 US$ 78 to 80 million (912 US$)

Wie Indonesiens Ex-Präsident Suharto das angestellt hat kann hier nachgelesen werden.

 

29.03.2004 um 17:05 Uhr

Neue Möglichkeit zur Malariabekämpfung entdeckt

Welches großes Problem auch heute noch die Malaria gerade für die tropischen Gebiete darstellt, wurde hier schon  in einem früheren Beitrag dargelegt. Jetzt gibt es aus der Welt der Wissenschaft wieder neue Hoffnung für die Bekämpfung dieser Tropenkrankheit, dessen Erreger über die Anopheles-Mücke übertragen wird. Wissenschaftler fanden jetzt zwei Eiweiße in den Mücken, die den Erreger vor dem Immunsystem des Insektes schützen. Werden die Gene für diese Proteine abgeschaltet, so können diese nicht mehr produziert werden und der Großteil der Erreger wird durch das doch sehr effiziente Immunsystem der Mücke getötet.

 

Die Mücke ist der sogenannte Zwischenwirt des Erregers, nimmt diesen durch den Stich des Menschen auf, dieser entwickelt sich im Insekt weiter und wird dann an eines der nächsten Opfer weitergegeben. Bekannt war den Forschern schon länger, dass einige Mücken nicht zur Ausbreitung der Malaria beitragen. Die Erklärung liegt nun darin, dass diese Tiere die entsprechenden Eiweiße zum Schutz des Erregers nicht produzierten. Gelingt es nun mittels der Gentechnik, auch bei den anderen Mücken die Produktion dieser Schutzeiweiße zu unterbinden, könnte ein sehr großer Schritt im Kampf gegen die Malaria erreicht werden.

29.03.2004 um 11:55 Uhr

"Akkord"-Lohn

Kein Scherz. Die Violinisten des Bonner Beethoven-Orchesters haben auf eine höhere Bezahlung gegenüber ihren anderen Musikerkollegen geklagt, weil sie im Durchschnitt mehr Noten als diese spielen müßten. Offenbar sind sie der Meinung, dass der Wert ihres Spiels für die Konsumenten von der Anzahl der gespielten Noten abhängt. Ich denke ein guter Test wäre der Versuch, in einem der nächsten Konzerte eine hochfrequente Aneinanderreihung willkürlicher Noten zu spielen. Wenn sie dann in den folgenden Vorstellungen die Hallen vollbekommen, wäre das Ansinnen vielleicht nicht völlig von der Hand zu weisen.

Wieder einmal eine gute Illustration der inhaltlichen Widersprüchlichkeit der marxschen Arbeitswertlehre, die davon ausgeht, dass der Tauschwert einer Ware durch physikalisch meßbare Arbeitsinputs in die hergestellten Güter determiniert wird. Hier kann man nur fragen: Ist das Ausgraben und Zuschütten einer Grube mehr wert als das Backen eines Brötchens, weil Ersteres nicht zwanzig Minuten, sondern einen ganzen Arbeitstag braucht? Sollten wir Schriftsteller nach der Anzahl der beschriebenen Seiten oder nach dem Inhalt ihrer Bücher honorieren?

Wir danken Marginal Revolution für diesen Hinweis.

26.03.2004 um 12:15 Uhr

Farbige Nummernschilder für Alkohol am Steuer

Laut Fox-News führt der US-amerikanische Bundesstaat Ohio jetzt gelbe Nummernschilder mit roten Buchstaben und Zahlen für alkoholisiert erwischte Kraftfahrer ein. Eine sehr interessante Methode zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Erstens kann jedermann jetzt erkennen, ob er es mit einem zur Rücksichtslosigkeit neigenden Verkehrteilnehmer zu tun hat. Zweitens führt so ein "Aushängeschild" zu einer gewissen sozialen Stigmatisierung von Fahrern mit rücksichtlosen Lebensgewohnheiten, was dazu beitragen kann, sie möglicherweise auf den Pfad der Tugend zurück zubringen.

Bußgelder oder Punkte haben sich nur als begrenzt wirksam erwiesen, da sie die je nach Einkommen der Verkehrsrowdies unterschiedlich wirken. Fahrer mit hohem Einkommen haben bei zu niedrigen Strafen nur geringe Anreize ihr Verhalten zu ändern, da sie einerseits die Strafe weniger spüren, andererseits die Kosten der Zeit in Form entgangener Einkommen zu hoch sind, um etwa wegen einer relativ niedrigen Geldstrafe langsamer zu fahren.

Finnland etwa versucht dieses Problem mit einkommensabhängigen Geldstrafen zu lösen. Dies jedoch steht wiederum im Widerspruch zu dem eigentlich verursachten Risiko von Fehlverhalten im Straßenverkehr, denn die Gefahr ist bestenfalls indirekt vom Einkommen des Fahrers abhängig. Das wäre nur dann der Fall, wenn reiche Autofahrer generell schnellere und größere Autos fahren, die mit einem höheren Risiko für andere Verkehrsteilnehmer verbunden sind.

26.03.2004 um 11:45 Uhr

China blockiert Blogger!

Eine Woche nachdem China sich offiziell dazu verflichtet hat, die Respektierung grundlegender Menschenrechte in seine Verfassung aufzunehmen, hat das Land alle Seiten des Blogger-Portals typepad.com bzw. blogs.com blockiert. Nachdem letzte Woche bereits mehreren inländischen Seiten der Netzzugang versperrt wurde, weitet die chinesische Führung ihre Informationsblockade jetzt auch auf Informationen von außen aus. Offenbar wird trotz aller guten Vorsätze ein ganz besonderes Menschenrecht, das Recht auf Redefreiheit in China weiter mit den Füßen getreten.

Mehr hierzu bei Glutter.

26.03.2004 um 10:55 Uhr

Ökoschweine produzieren weniger Umweltschäden

Diese Nachricht ist mit Sicherheit nicht verwunderlich. Aber in einer gerade erschienen Studie wurde versucht darzulegen, wie sich die Produktion von ökologischem Schweinefleisch in seinen Umweltauswirkungen und damit auch externen Kosten von herkömmlich produzierten Schnitzeln unterscheidet. Derzeit werden in Deutschland nur etwa 0,5 % der Schweine in sogenannten Ökobetrieben gemästet.

 

Ein Vorteil der ökologischen Produktion sind der Verzicht von Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger bei der Futterproduktion. Laut Studie ist außerdem der Primärenergieverbrauch um ein Viertel geringer, und die Stickstoffeinträge in Gewässer sind um mehr als drei Viertel niedriger. Letzterer ist ein durchaus wichtiger Punkt, wenn man die weiterhin bestehenden großen Probleme für die Gewässer durch Überdüngung berücksichtigt. Die konventionelle Schweinemast trägt zusätzlich bezogen auf ein Kilogramm Fleisch viermal so viel zum Treibhauseffekt bei. Bisher trägt die Gesellschaft die Kosten für die Umweltschäden aus der Landwirtschaft. Bei einer Externalisierung der Kosten müsste der Preis von einem Kilo herkömmlich hergestelltem Fleisch um etwa 50 Cent mehr ansteigen als der des  Ökoprodukts. Bisher zahlt man im Laden etwa das doppelte für ökologisch produziertes Fleisch im Vergleich zur Ware aus konventioneller Herstellung. Wohl der wesentliche Grund, warum dieses Fleisch bisher deutlich weniger nachgefragt wird. Meiner Meinung nach sind der Geschmack und ethische Aspekte weitere Gründe, die dafür sprechen, durchaus mal öfter zum Fleisch mit dem Ökosiegel zu greifen.

25.03.2004 um 15:35 Uhr

Schwur zur Enthaltsamkeit kein guter Schutz vor Geschlechtskrankheiten

Eine US-Studie, die sogar zum Teil öffentlich finanziert wurde, hat gerade herausgefunden, dass ein Gelübde zur Enthaltsamkeit kein größeren Schutz vor Geschlechtskrankheiten bietet. Zwar konnte nachgewiesen werden, dass Jugendliche die solch ein Gelübde ablegen, später Sex hatten und früher heirateten, aber in der Häufigkeit wie bei ihnen Geschlechtskrankheiten auftraten, bestand kein Unterschied zur der Vergleichsgruppe, die nicht auf Sex verzichtete. Diese Studie ist noch in einem weiteren Sinne für die US-Regierung peinlich, welche ja derzeit eine aktive Kampagne für die Enthaltsamkeit unter anderem zum Schutz vor Geschlechtskrankheiten betreibt. So zeigte sich, dass immerhin noch 88 % der jungen Menschen trotz des abgelegten Gelübdes Sex vor der Ehe hatten im Vergleich zu 99 % der Vergleichsgruppe. Der Grund warum die Gruppe mit dem Gelübde genauso oft Geschlechtskrankheiten bekamen lag wohl daran, dass sie weniger gut mit Kondomen ausgestattet waren als die Vergleichsgruppe, die sich bereits mit Sexualität auseinandergesetzt hatte und so zwar insgesamt weniger Sex aber prozentual öfter ungeschützten Verkehr hatten. Positiv ist wohl das Verhalten der Jugendlichen zu bewerten, die sich trotz moralischen Drucks, der ja wohl in erster Linie von Außen kommt, nur sehr begrenzt davon abhalten ließen ihre Sexualität auszuleben. 

24.03.2004 um 18:50 Uhr

Bromierte Flammschutzmittel in Nahrungsergänzungsstoffen aus Fischöl

Die Nachricht, dass in Fischölprodukten bromierte Flammschutzmittel gefunden wurden, ist zuerst einmal für den sogenannten Otto-Normalverbraucher erklärungsbedürftig. Bromierte Flammschutzmittel sind Substanzen, die in verschiedensten Produkten wie z.B. Computer als (wie der Name ja sagt) Entflammhemmer eingesetzt werden. In Jüngster Zeit gab es wiederholt Nachrichten darüber, dass in verschiedensten Medien wie zum Beispiel Muttermilch, Spuren dieser Verbindungen gefunden wurden. Bromierte Flammschutzmittel gehören zu den Stoffen, die sehr langlebig (persistent) sind, sich im Fettgewebe von Mensch und Tier anreichern und überall in der Umwelt ausbreiten. Über die Wirkung dieser Stoffgruppe ist bisher noch sehr wenig bekannt und deshalb ist man sehr unsicher, wie man mit der Erkenntnis umgehen soll, dass diese Flammschutzmittel inzwischen weit verbreitet in der Umwelt zu finden sind.

 

Diese Substanzen sind ein sehr gutes Beispiel für eine mehr oder weniger neue Stoffproblematik, mit der sich die Toxikologen und Ökotoxikologen herumschlagen müssen. Das sind organische (Schad)stoffe die aus Produkten in die Umwelt gelangen und aufgrund mangelndem mikrobiellen und sonstigen Abbauprozessen dort sehr stabil vorliegen. Solange nur wenig Informationen über die Wirkungen der Stoffe bekannt sind, kann frei darüber spekuliert werden, ob dies nun eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellt oder nicht. Würde man nun zu der Erkenntnis gelangen, dass diese Stoffe schädlich für den Menschen oder andere Organismen sind, kann man sie nicht mehr aus der Umwelt zurückholen. Die extrem besorgte Gruppe plädiert nun dafür, dass schon bei den Stoffeigenschaften der Anreicherung und Langlebigkeit aus Vorsorgegründen auf die Verwendung der Substanzen verzichtet werden sollte. Das andere Extrem vertritt die Meinung, erst wenn definitiv bekannt ist, welchen Schaden ein Stoff verursachen kann, Maßnahmen ergriffen werden sollten. Wie man nun in der Zukunft mit dieser Problematik umgeht, wird dann wohl im Diskurs zu entscheiden sein.

24.03.2004 um 09:34 Uhr

Alle Jahre wieder

Es ist interessant zu erfahren, dass die Angst der Musikbranche durch Tonkonserven und Raubkopien vor die Hunde zu gehen gar nicht so neu ist. Bereits in den 40iger Jahren versuchte die American Federation of Musicians (AFM) mit Streiks die aufstrebende Plattenindustrie aufzuhalten, weil sie das Aus für die Live-Musik befürchteten. Selbst Ende der 50iger Jahre war der Protest noch nicht verstummt. Warum die Musikbranche trotz Tonband, Kasettenrecorder und MP3 auch 60 Jahre später noch floriert kann hier nachgelesen werden. 

23.03.2004 um 13:47 Uhr

CO2-Konzentration in der Atmosphäre nimmt weiter zu

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre hat einen neuen Höchststand erreicht. Wissenschaftler der USA haben für das Jahr 2003 einen Jahresmittelhöchstwert für CO2 in der Atmosphäre ermittelt (hier die Original-Daten zwischen 1958 und 2002). Die Erkenntnis, dass die Konzentration dieses Klimagases weiter zunimmt, kommt nicht sehr überraschend. Aus Emissionsberechnungen war ja schon bekannt, dass zunehmend mehr Kohledioxid durch Verbrennungsprozesse freigesetzt wird. Gründe für einen Anstieg in den CO2-Emissionen sind zum Beispiel die industrielle Entwicklung in Ländern wie China und Indien. Befürchtet wird auch eine vermehrte CO2-Freisetzung aus den Böden und den Ozeanen bei steigender Temperatur.

 

In welchem Maße die globale Temperatur aufgrund der Zunahme der CO2-Konzentration ansteigen wird oder bereits ansteigt ist noch unklar und wird auch von Seiten der Wissenschaft durchaus kontrovers diskutiert. Die möglichen Szenarien für die Zukunft reichen von einer Temperaturentwicklung, die noch völlig im natürlichen Rahmen liegt, bis hin zu einer Temperaturzunahme in den nächsten 50 Jahren um bis zu 5°C mit tiefgreifenden Änderungen des hiesigen klimatischen Systems (beispielsweise Abriss des Golfstroms). Es kann aber nicht geleugnet werden, dass Veränderungen der CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre Auswirkungen auf unser Klima haben wird und hat.

23.03.2004 um 09:51 Uhr

Outsourcing again

USA Today erklärt das unpopuläre Argument: Outsourcing ist gut für ein Land (nicht nur für Amerika). Wer gern in die Niederungen von Ricardos Theory des Komparativen Kostenvorteils vordringen möchte kann dieses Vorhaben in dem Original "On the Principles of Political Economy and Taxation" in Angriff nehmen.

Nachtrag: Brandaktuell ein Beitrag zu diesem Thema des amerikanischen Politologen Daniel Drezner in Foreign Affairs .

23.03.2004 um 00:14 Uhr

Demokratie ist gut für die Gesundheit

Ein Vergleich der jüngsten polnischen und russischen Entwicklung bezüglich der Volksgesundheit in der Washington Post stellt Polen ein deutlich besseres Zeugnis aus.

Noch in den frühen achtziger jahren war die Situation in beiden Staaten ähnlich. Die Häufigkeit von Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen stieg gemeinsam mit ihren wichtigsten Ursachen Rauchen und übermäßiger Alkoholgenuss an. Während jedoch Russland unter der autokratischen Herrschaft von Wladimir Putin auch heute noch mit sinkender Lebenserwartung, zunehmenden Unfall-Krankheitsraten und einer epidemischen Ausbreitung von AIDS zu kämpfen hat, ist die Situation in Polen von deutlichen Verbesserungen geprägt.

So liegt die durchschnittliche Lebenserwartung polnischer Männer mit 70 Jahren 10 Jahre über der russischer Männer, ist die Häufigkeit von Herz-Kreislauferkrankungen in der letzten Dekade um 20% gesunken (Russland +25%) und der Anteil von Unfällen und gewaltsamer Todesarten nicht wie in Russland gestiegen, sondern um 19% zurückgegangen. Polen hat eine der niedrigsten AIDS-Ansteckungsraten Europas, Russland dagegen weltweit eine der höchsten Neuinfektionsraten. Auch andere ehemalige Ostblockstaaten wie die Czechische Republik, Ungarn oder die Baltischen Staaten, die sich entgegen Russland, Weißrussland und der Ukraine wirtschaftlich wesentlich besser entwickelt, demokratisiert und dem Westen geöffnet haben können ähnliche Erfolge verbuchen.

Während wirtschaftliche Entwicklung den Aufbau wirksamerer Gesundheitssysteme bezahlbar macht erlaubt der Demokratisierungsprozess nach Ansicht des polnischen Epidemiologen Witold Zatonski einen Zuwachs an gesundheitlicher Aufklärung der Bevölkerung durch unabhängige Verbraucherschutzorganisationen.

22.03.2004 um 00:08 Uhr

Die Ökonomik des Orgasmus

Steven Landsburg meldet sich nach längerer Pause in seiner Slate-Kolumne Everyday Economics mit einem pikanten Thema zurück. Was sind die Ursachen für vorgespielte Orgasmen?

The obvious reason to fake is to please your partner. But what about a woman who doesn't particularly care about her partner? Might she still fake? Mialon [Autor der Original-Studie] concocts a scenario—though a contrived one—where the answer is yes. Suppose Adam is very insecure and always suspects Eve of faking. Suppose the one thing Eve really hates is having a partner who's always wrong. Then since Adam always thinks she's faking, she has to fake to make him right. Eve's fakery reinforces Adam's skepticism and Adam's skepticism reinforces Eve's fakery, so we have what economists call equilibrium.

On the other hand, this equilibrium holds up only if Adam has a good reason to be insecure in the first place. Why might Adam be insecure? Well, it's thought that women reach the peak of their sexual responsiveness around age 30. So if Eve is very far from age 30 in either direction, her age might be enough to trigger Adam's insecurity. Thus Mialon predicts that very young and very old women are more likely to fake than women in their 30s.

Things get much more complicated—and much more realistic—if Adam and Eve are in love, in which case they care about each others' happiness and care about keeping each other interested. A bit of elementary game theory leads Mialon to conclude that women are more likely to fake when they're in love, and that this effect is magnified when women are far from the age of 30.

Interessant auch, was der Orgasmus-Survey, die inspirierende Quelle dieser Studie, so aufdeckt:

  • 72% der Frauen und nur 26% der Männer (Hm?) geben zu, in ihrer letzten Beziehung einen Orgasmus vorgespielt zu haben.
  • Wirklich verliebte Menschen täuschen Orgasmen häufiger vor. Die positive Korrelation zwischen Liebe und vorgetäuschtem Orgasmus ist bei Frauen größer als bei Männern.
  • Frauen stört es weniger als Männer, wenn der Partner bzw. die Partnerin einen Orgasmus simuliert.
  • Das Vortäuschen von Orgasmen ist positiv mit dem Alter korreliert.
  • Mit zunehmender Intelligenz steigt die Neigung, Orgasmen zu simulieren.

Eins Frage ich mich allerdings. Wie simulieren 26% der Männer einen Orgasmus?

20.03.2004 um 04:22 Uhr

Windige Logik

Die von Bundeswirtschaftsminister Clement geübte Kritik an der Dauersubventionierung der Erneuerbaren Energien ist nicht nur beim Umweltminister, sondern insbesondere bei der Windkraftlobby auf heftigen Widerstand gestoßen. So argumentierte Peter Amels, Präsident des Bundesverbands Windenergie im NDR: „Es geht dem Wirtschaftsminister offenbar nicht darum, Kosten zu senken, sondern die erneuerbaren Energien platt zu machen."

Besonders hart stößt den Profiteuren des EEG die Forderung Clements nach einem Förderinstrument auf, dass endlich mehr Effizienz statt eine bloße "Tonnenideologie" und damit erhebliche Mitnahmeeffekte zur Maxime der Förderpolitik machen sollte. Dazu hatte der Wirtschaftsminister ein Ausschreibungsmodell vorgeschlagen, bei dem nur die günstigsten Anbieter von Strom aus Erneuerbaren Energien eine Einspeisevergütung erhalten.

Auch das wäre nur eine halbherzige Lösung eines der eher traurigen Kapitel der bundesdeutschen Klimaschutzpolitik gewesen. Wir hatten bereits in der Vergangenheit auf erhebliche Bedenken gegenüber der Wirksamkeit und Effizienz der Subventionierung Erneuerbarer Energien als Klimaschutzinstrument hingewiesen. Spätestens mit der Umsetzung des Treibhausgashandels auf europäischer Ebene wird die Förderpolitik vollends obsolet. Ganz grundsätzliche Bedenken hatten wir bereits in einem kürzlichen Kommentar geäußert.

Schließlich geht auch die jüngste Rechtfertigung des Umweltministers an der Kritik Clements und des Wissenschaftlichen Beirats beim BMWA an der Förderung Erneuerbarer Energieträger vorbei. Trittins Rechtfertigung der Förderpolitik stützt sich dabei auf ein aktuelles Gemeinschaftsgutachten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR, Stuttgart), des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu, Heidelberg) und des Wuppertal Instituts für Klima, Energie und Umwelt (WI). Die Gutachter betonen die erheblichen Potentiale Erneuerbarer Energien in Deutschland vernachlässigen dabei jedoch vollständig, dass es sich bei der Nutzung dieser Energiequellen einzig um einen Beitrag zum Klimaschutz und nicht um einen Selbstzweck handelt. So können sie nicht belegen, ob und warum gerade die Handvoll der im EEG geförderten Energieträger die wirkungsvollste und kostengünstigste technische Lösung zur Reduktion der Kohlendioxidemissionen sein sollte. Die von ihnen verwendeten Ökobilanzen sind für diesen Nachweis gänzlich ungeeignet, da sie in keiner Weise die Kosten der erreichten Verringerung der Umweltbelastung berücksichtigen. Selbst unter der Prämisse, dass die geförderten Technologien bessere Ökobilanzen als bisherige Energieumwandlungstechniken aufweisen kann nicht behauptet werden, dass hiermit die wirksamste Klimaschutzlösung gefunden wurde. Dies gelingt nur dann, wenn die Kosten der Umweltbeeinträchtigungen sich in den Preisen der Energieprodukte widerspiegeln und somit auf allen Ebenen der Industrie, der Haushalte und des Verkehrs nach den kostenminimalen Vermeidungsmaßnahmen gesucht wird. Hierzu sind jedoch nur preislich wirkende Instrumente wie die Ökosteuer oder der Treibhausgashandel in der Lage. Hier haben die Gutachter und damit der Umweltminister nur schwache Argumente zu bieten, die immer wieder mit ebenso hinkenden Verweisen auf Arbeitsplätze und Exportpotentiale aufgepäppelt werden. Hier wird einfach unterschlagen, dass jede andere Verwendung der Förder- und Investitionsmittel ähnliche Effekte hervorrufen würde.

Kostenbewußtsein wird in der Klimaschutzpolitik offenbar nur vom lobbylosen Steuerzahler bzw. denjenigen erwartet, die subventionionsbedingt überhöhte Energierechnungen zu begleichen haben. Im Umweltministerium und vor allem in den Vorstandsetagen der "grünen" Strom- und Wärmeproduzenten sowie der Anlagenhersteller nimmt man es dagegen mit der Notwendigkeit eines sparsamen Umgangs mit den knappen Steuereinnahmen der Bürger nicht so ernst. Zum Schluß weiß man nicht mehr, wer den Klimawandel verhindern will oder wer einfach nur ordentlich daran verdienen möchte. Dass sich einige Umweltorganisation für diesen Deal instrumentalisieren lassen, ist dabei besonders bedauerlich.

20.03.2004 um 03:27 Uhr

Globalisierung reduziert Kinderarbeit

Eine als NBER-Working Paper erschienene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Öffnung eines Landes gegenüber dem internationalen Handel nicht zu mehr, sondern zu weniger Kinderarbeit führt. Dabei ermitteln die Forscher für arme Länder einen Rückgang der Kinderarbeit von 0,7 Prozent bei der Zunahme des für die Öffnung eines Landes gegenüber internationalem Handels verwendeten Indikators um 1 Prozent. Mit 0,9 Prozent ist der Rückgang der Kinderarbeit bei einem einprozentigen Zuwachs des Handels in reicheren Ländern sogar noch etwas größer. Diese Elastizitätsbeziehungen sind in erster Linie durch den positiven Zusammenhang zwischen Handel und Volkseinkommen erklärbar.

Vielen Dank an Marginal Revolution für diesen Link!

20.03.2004 um 03:18 Uhr

Debatte um künstliche Herzen

Der skeptische Kommentar von Alex Tabarrok auf Marginal Revolution zur lebensrettenden Funktion der ersten Generation künstlicher Herzen ist auf erheblichen Widerspruch gestoßen (hier und hier). Hier die Entgegnung von Alex auf Marginal Revolution.

Kleiner Nachtrag: Unter der Maßgabe einer potentiellen Subventionierung der Entwicklung und Produktion dieser Herzen durch den Staat, ließe sich sogar vermuten, dass nicht nur keine Leben gerettet werden, sondern extrem ausgedrückt sogar Menschenleben riskiert werden. Das wäre zumindest dann der Fall, wenn man davon ausgeht, dass die Subventionsmittel alternativ für wesentlich wirksamere lebensrettende Maßnahmen eingesetzt werden könnten.