Mit dem Kopf voran

30.04.2004 um 16:11 Uhr

Politischer Cartoon

Vor sechzig Jahren erschien Friedrich A. Hayek's (Nobel-Preis für Ökonomie 1974) Buch  "Der Weg zur Knechtschaft", eine wegweisende Analyse der fatalen Folgen des politischen Glaubens an die Notwendigkeit der Planung einer Volkswirtschaft. Wenn auch zeitlich in den dreißiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts angesiedelt, die zentralen Aussagen haben nichts an ihrer Aktualität eingebüßt.
 
 
 
Hier die vollständige Cartoon-Fassung und hier eine Kurzfassung des Buches in englischer Sprache.
 

29.04.2004 um 23:00 Uhr

Schröder für europäisches Steuerkartell

Ein Kartell, das bei Politikern als Todsünde der Marktwirtschaft gilt, wird für die erweiterte EU und deren Steuerpolitik nicht einmal klammheimlich, sondern von Gerhard Schröder persönlich eingefordert. Während man in Berlin und Brüssel nicht müde wird Tankstellen oder Bauunternehmen diverse Preisabsprachen vorzuwerfen und rechtliche Schritte dagegen unternimmt, fordern neben unserem Bundeskanzler auch andere deutsche Politiker eine EU-weite Mindestbesteuerung, die letztlich nichts anderes als ein Kartellzwang über den Preis für die Dienstleistungen der Nationalstaaten ist. Hiermit soll der Standortwettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmen, der eben auch über günstige steuerliche Bedingungen der europäischen Nationalstaaten geführt wird, unterdrückt werden.

 

Sicherlich kann man nicht negieren, dass von den übrigen EU-Staaten auch erhebliche Subventionen in die neuen, geringere Steuersätze erhebenden Beitrittsstaaten fließen. Doch genau hier liegt ein Problem der EU. In einem solchen System von einheitlichen Steuern und zentral verteilten Subventionen hat kein Einzelstaat mehr den Anreiz, eine auf die jeweiligen nationalen Bedingungen optimal abgestimmte Steuer- und Fiskalpolitik umzusetzen. Ein Kartell, dass irgendwann an seiner eigenen Ineffizienz zu ersticken droht.

 

28.04.2004 um 17:55 Uhr

Nichts ist unmöglich...

Offenbar gibt es für fast alles einen Markt. Jetzt kann man sich im Internet sogar eine virtuelle Freundin suchen, mit fast allem was dazu gehört: Liebesbriefe, Chat, Telefongespräche, sogar die Trennung kann irgendwann nach Lust und Laune zelebriert werden. Nur eins gibt es nicht... Sex.
 
Dank an Marginal Revolution für den Link.
 

28.04.2004 um 09:08 Uhr

Die Beste Waffe gegen Spam...

... ist Ignoranz.
 
Zwar müssen Spam-Mailer zunächst noch mehr Spam versenden, um die Wenigen, die auf Online-Viagra-Angebote oder alle Arten von Verlängerungen hereinfallen, auf ihre Fährte zu locken, doch schließlich wird der Versand von Spam-Mails und die Mühe, die modernen und immer wirkungsvolleren Spam-Filter zu umgehen, unrentabel. Sicher ist daher eins, wer Spam-Mails beachtet, der provoziert nicht nur Müll in seinem eignem Postfach, sondern auch dem aller anderen.
 
Mehr hierzu im Cafe Hayek.
 

27.04.2004 um 15:41 Uhr

Sind Politiker lernfähig?

Offenbar nicht. Denn das mit Steuermitteln finanzierte wirtschaftliche Desaster des Transrapid in Shanghai sollte, wenn es nach Deutschlands Technologiestrategegen aus Politik und Wirtschaft ginge, gleich noch einmal in München wiederholt werden. Ja richtig, man will wohl überprüfen, ob nur Chinesen keine Lust haben mit atemberaubender Geschwindigkeit in ihren Flieger geschossen zu werden.
 
Da die private Wirtschaft bekanntermaßen risikoscheu ist, wollen Vater Staat und die EU - wie der Tagesspiegel meldet - für fast 70 % der Investitionskosten von 1,6 Mrd. Euro aufkommen. Offenbar scheint aber das leere Staatssäckel dem Abenteuer zunächst den Garaus zu machen. Da kann man nur hoffen, dass Bund und Länder auch zukünftig an chronischem Geldmangel leiden. Denn wer weiß was unsere Bundesregierung im Namen der deutschen Technologieführerschaft sonst noch so zwischen Rügen und dem Bodensee in den Sand setzen würde.
 

27.04.2004 um 12:00 Uhr

Kampf der Malaria – Teil 2

Der Kampf gegen die Malaria ist ein sehr fruchtbares Thema. In Dänemark wird derzeit an einer Methode gearbeitet die Krankheit mit Hilfe sterilisierter Anopheles-Mücken zu bekämpfen. Die Mücke, als Überträger des Krankheitserregers, hat eine sehr kurze Paarungszeit von etwa zwei Wochen. Geplant ist nun in dieser kurzen Zeit große Mengen künstlich aufgezogener männlicher Mücken, die vorher mittels Radioaktivität sterilisiert wurden, freizusetzen. Diese würden mit den „Wildmännchen“ um die vorhandenen Weibchen konkurrieren und bei Erfolg viele begatten, die so keinen Nachwuchs hervorbringen würden. Bei der Anopheles-Mücke sind es auch nur die Weibchen, die die Menschen stechen, um so Blut für die Aufzucht des Nachwuchses zu bekommen.

 

 

Fraglich bei dieser Technik ist aber nun ob die künstlich aufgezogenen Mückenmännchen auch in der Lage sind sich erfolgreich gegen die Wildverwandten durchzusetzen, um ausreichend Weibchen zu begatten und ob diese Technik, in der in sehr kurzer Zeit sehr viele Insekten produziert, durch eine entsprechende radioaktive Quelle sterilisiert und mit Flugzeugen freigesetzt werden müssen, für z.B. afrikanische Staaten überhaupt anwendbar ist. Bei all diesen Ideen der Malariabekämpfung die meist in Ländern entwickelt werden, die nicht von diesem Problem betroffen sind, stellt sich die Frage, inwieweit sie überhaupt in den betroffenen Ländern zum Einsatz kommen können. Wünschenswert wäre es deshalb in sehr enger Kooperation mit den Staaten, wo dieses Problem besteht, Methoden zu entwickeln, um so nicht viel Geld für Forschung und Technologieentwicklung auszugeben, die völlig an der Anwendbarkeit vorbei geplant wurde.

26.04.2004 um 14:48 Uhr

Echter Zufall

Marginal Revolution hat eine Quelle echten Zufalls gefunden. Dort wird auch erklärt, warum es so schwer wird wirklich zufällige Zahlenreihen zu generieren und unser Heim-PC nur Pseudo-Zufall produziert.
 
Hier eine kleine Kostprobe sechs echter zufälliger Zahlen von 0 - 49:
 
 
Was kann man damit anfangen? Hm? Lotto spielen.
 

26.04.2004 um 14:18 Uhr

Cartoon des Tages

Gefunden im Reason-Magazine.
 

24.04.2004 um 17:03 Uhr

Wachstum des Ozonlochs gebremst

Amerikanische Wissenschaftler sehen die ersten Anzeichen für ein vermindertes Wachstum des Ozonlochs und einer Abnahme der Konzentration des ozonzerstörenden FCKWs in der Troposphäre.

Offenbar beginnt die mit Hilfe internationaler Vereinbarungen (Montrealer Protokoll und Folgekonferenzen) erreichte Reduzierung der FCKW-Emissionen erste Wirkungen zu zeigen.

Ein sehr informative Webseite zu diesem Thema ist hier zu finden.

 

23.04.2004 um 15:40 Uhr

Kohlendioxidkonzentration der Atmosphäre durch Meeresdüngung senken?

Forscher aus den USA und Deutschland beschäftigen sich in jüngster Zeit damit, inwieweit es möglich ist das Klimagas CO2 aus der Atmosphäre über eine künstliche Steigerung der Planktonproduktion in dafür ausgesuchten Meeresgebieten zu reduzieren. Gedacht ist daran auf technischem Wege dem Kohlendioxidanstieg resultierend aus der Verbrennung fossiler Energieträger, welcher mit einer Klimaveränderung in Verbindung gebracht wird, entgegen zu wirken.  Die letzten Forschungsergebnisse belegen, dass eine Düngung bestimmter Meeresgebiet mit Eisen (Eisen ist in diesen Gebieten der limitierende Faktor für die  Phytoplanktonproduktion) zu einer erhöhten Algenproduktion führt und über diesem Wege längerfristig Kohlendioxid im Meeressediment gebunden werden kann. Für die Produktion von organischer Biomasse wie Algen wird CO2 verbraucht, welches aus der Atmosphäre stammt. Nachdem die Mikroalgen abgestorben sind, sinken sie zum Meeresboden, werden zum Teil auf diesem Wege von Planktonfressern konsumiert, die wiederum Ausscheidungsprodukte abgeben und irgendwann gelangen nur noch wenig verdauliche aus Kohlenstoffen aufgebauten Bestandteile der Organismen ins Meeressediment, wo sie längerfristig oder auch für immer gebunden werden.

 

Klingt nach einer guten Idee, auf biologische Art und Weise das Kohlendioxidproblem zu bekämpfen. Allerdings fragt mich sich sofort nicht zu unrecht, wieso man auf der einen Seite Kohlendioxid massiv in die Umwelt abgibt, um es dann an anderer Stelle wieder künstlich zu binden. Jedem leuchtet es ein, dass es doch erheblich sinnvoller ist, dann lieber gleich die Freisetzung von CO2 zu reduzieren. Der nächste wesentliche Punkt ist, was für Folgen hätte es, wenn man anfangen würde massiv große Flächen der Ozeane mit Eisen zu düngen. Das dies ein tiefer Eingriff in diese Ökosysteme wäre, müsste jedem sofort einleuchten, wenn man sich alleine nur anschaut, was für negative Folgen die Überdüngung auf die Meeresgebiete vor unserer Haustür wie Nord- und Ostsee hatte. Wenn man diese Erfahrungen berücksichtigt, kann man die Idee die Ozeane im großen Maßstab zu düngen, nicht gerade als verantwortungsvoll bezeichnen. Bisher wissen wir noch sehr wenig über die Lebensräume der fernen Ozeane. Die meisten der dort in der Tiefsee vorkommenden Tierarten sind bisher nicht  beschrieben und von Menschen gesehen worden. Vermutlich ist gerade mal 1 % der Tiefsee bisher ansatzweise von Menschen erforscht worden. Jedem Ökologen muss es kalte Schauer erzeugen bei der Vorstellung dort in solch einer Weise in diesen Lebensraum einzugreifen. Die Meere werden ja bereits von menschlicher Aktivität wie Fischerei und Verschmutzung in Mitleidenschaft gezogen. Am Beispiel der Fischerei ist am besten ersichtlich das solche Veränderungen  nicht nur ökologische sondern auch wirtschaftlich Folgen hat. Meeresfisch wird langsam zur Delikatesse.

 

Ein Teil der Wissenschaftler gibt offen zu, dass sie in keiner Weise voraussagen können, was für Folgen die Eisendüngung im großen Maßstab haben würde. Die Prozesse in den Ozeanen sind sehr komplex. Temperatur, Sonneneinstrahlung, Wind, CO2-Gehalt in der Atmosphäre sind alles Faktoren die in unterschiedlicher Weise auf die Meere wirken und sich gegenseitig beeinflussen. Selbst die besten Computermodelle sind weit davon entfernt diese Prozesse zufriedenstellend berechnen zu können. Fragt sich nun warum angesehene Naturwissenschaftler unter denen auch Biologen sind, sich mit so einem Projekt beschäftigen. Es ging hierbei ja nicht im wesentlichen darum, zu zeigen was für Risiken solch eine Technik hätte, sondern ob sie erfolgsversprechend wäre. Der Mensch wird zwar weiterhin Ökosysteme beeinflussen und verändern, aber müssen solche Eingriffe in solch massiver Weise dann noch von Wissenschaftlern vortrieb geleistet werden, die doch eigentlich wissen wie unabsehbar die Konsequenzen sind. Man kann nur hoffen die Wissenschaft hat eine gute Begründung parat wenn nach ihrer Motivation hinter dieser übrigens nicht ganz preisgünstigen Forschung gefragt wird. Ansonsten könnte man meinen, es treibt sie nur die Publizität, der Wunsch natürliche Prozesse steuern zu können oder nur der Konkurrenzkampf um Forschungsgelder. Ökonomisch und ökologisch ist es mit Sicherheit sinnvoller Geld in die Erforschung von Techniken zu stecken, wie man den Kohlendioxidausstoß besonders bei der Energieerzeugung weiter reduzieren kann und wir bei dem bleiben, was wir einigermaßen beherrschen oder wenigstens grob überschauen können.

 

 

 

23.04.2004 um 10:08 Uhr

Shanghais leerer Transrapid

 
Ein anschauliches Beispiel für Investitionen, die mit Hilfe enormer staatlicher Subventionen glatt an der Nachfrage der Konsumenten vorbeischießen, liefert der Transrapid in Shanghai. Bekanntermaßen hat das hochsubventionierte Prestigeobjekt von Industrie und Bundesregierung einen Einsatzort im fernen China gefunden. Zwar ist der Superzug in der Lage mit einer Geschwindigkeit von über 400 km/h die Entfernung zwischen Flughafen und Innenstadt dieser chinesischen Metropole in 8 Minuten zu überwinden, doch die Betreiber haben ein Problem: Zu wenig Fahrgäste. Lediglich 4000 Personen nutzen den Zug täglich, weniger als ein Sechstel der tatsächlichen Transportkapazität. Ob die kürzlich durchgeführte Preissenkung von 10 $ pro Ticket auf 6 $ dieses Defizit behebt, erscheint unsicher. Aber vielleicht schießt ja die Bundesregierung für ihr Lieblingskind noch ein paar Millionen nach? Frei nach dem Motto: Made in Germany, made for nobody.
 

22.04.2004 um 19:12 Uhr

Freiheit und Wohlstand

Zum zehnten mal ist dieses Jahr der Index of Economic Freedom der Heritage Foundation und des Wallstreet Journals erschienen. Ziel dieses Index ist die Analyse der nationalen Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand im internationalen Vergleich. Der Index besteht aus einer Reihe von Variablen u.a. aus den Kategorien Internationaler Handel, Steuer- und Fiskalpolitik, staatliche Regulierung des Wirtschaftssystems und Arbeitsmarktpolitik.
 
Weltweit hat die wirtschaftliche Freiheit etwas zugenommen, gegenüber 75 Gewinnern hat es 69 Verlierer gegeben.  Die geringste Freiheit herrscht in Asien. Erwartungsgemäß die größten wirtschaftlichen Freiheiten genießen Nordamerika und Europa. Gegenüber der Vergangenheit hat es in den welteiten Regionen unterschiedliche Veränderungen gegeben. Während Nordamerika, Europa und Mittel- und Südafrika an Freiheit gewonnen haben, verschlechterte sich die Situation in Asien und Latainamerika. In Nordafrika und im Mittleren Osten blieb die Situation gegenüber dem letzten Jahr unverändert.
 
Nicht neu, doch nach wie vor nur wenig berücksichtigt, ist jedoch das wichtigste Ergebnis der Studie. Wirtschaftliche Freiheit, Wachstum und Wohlstand gehen Hand in Hand. Während das Quintil der Länder mit der größten Freiheit zwischen 1995 und 2002 fast 5% Wirtschaftswachstum verbuchen konnte, lag das Wachstum des unfreisten Quintils nur bei 2,5%.
 

22.04.2004 um 01:09 Uhr

Apocalypse Not

Mit Sicherheit wird der weltweite Start des Hollywood Blockbusters "The Day After Tomorow", indem die katastrophalen Folgen des Versiegens des Golfstroms in furchterregenden Filmszenen verewigt wurden, wieder für einige Panikmache in Sachen globaler Klimaerwärmung und deren mutmaßlich anthropogene Ursachen sorgen. Nicht nur das. Auch hochoffizielle Studien, wie etwa ein vom Pentagon kürzlich veröffentliches Gutachten über die dramatischen Folgen des Klimawandels, lassen einem beim oberflächlichen Hinschauen das Blut in den Adern gefrieren.

Doch bevor einem dieser mediale Strudel die Lust am Leben vereitelt, sollte man sich mit Argumenten der Wissenschaft eine dicke Jacke gegen die drohende Kälte der Welt der Panikmache anziehen. So relativierten führende Klimaforscher kürzlich im New Scientist die durch Film und Presse geisternden apokalyptischen Szenarien. Selbst der sonst zum Klimaaktivismus neigende Wissenschaftler des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung Stefan Rahmstorf, eigentlich entschiedener Verfechter der Theorie vom versiegenden Golfstrom, warnt davor die drastischen Schilderungen allzu ernst zu nehmen. Er betont, dass die Szenarien der Pentagonstudie extrem unwahrscheinlich sind.

Doch selbst Rahmstorfs Modellwelt, die ohne drastische Klimaschutzmaßnahmen ein Versiegen des Golfstroms in hundert Jahren prophezeit, ist nicht unumstritten. Zu solchen ultimativen Aussagen sind die Klimaforscher und deren Modelle beim aktuellen Stand der Forschung schlichtweg nicht in der Lage.

Also statt lähmende Angst vor allzu großer Kälte zu bekommen, heißt es eher einen kühlen Kopf bewahren. Denn merke, Filmemacher wie Roland Emmerich, das Pentagon oder Spiegel-Online haben ziemlich wenig mit seriöser Wissenschaft zu tun.

 

21.04.2004 um 10:24 Uhr

Subventionsgrab Deutschland

Laut Beihilfenanzeiger der Europäischen Kommission zahlt Deutschland vor Frankreich und Italien EU-weit die meisten Subventionen, meldet die gestrige Ausgabe der Netzzeitung.

Macht man sich noch einmal klar, dass Subventionen nur für die Produktion von Gütern notwendig sind, deren Erlöse aus der Marktnachfrage nicht ausreichen, die Produktionskosten zu decken, dann kann man ohne Bedenken sagen: Die Bundesregierung gibt europaweit das meiste Geld für Dinge aus, die kein Konsument haben will. Also pure Ressourcenverschwendung. Lobbyisten und Politiker sehen das natürlich ganz anders...

 

20.04.2004 um 16:01 Uhr

Datenbank der Funktionen von humanen Genen im Internet veröffentlicht

Während die Veröffentlichung der reinen Gensequenzen des menschlichen Genoms vor drei Jahren zwar eine Sensation, der Informationsgewinn aber sehr umstritten, war, ist mit der neuen Datenbank durchaus ein spektakulärer Zugewinn an Erkenntnis der Allgemeinheit zugänglich gemacht worden. Hier finden sich nun Informationen über die Funktionen von etwa 20 000 menschlichen Genen. Die Entschlüsselung, für welche Funktion ein Gen kodiert ist, ist der eigentliche große Schritt in Richtung des Verständnisses des menschlichen Genoms. Sehr beeindruckend ist dabei, in welch kurzer Zeit es möglich war, solch eine Datenfülle zu gewinnen und Dank dem Internet nun auch jedem zugänglich zu machen. Der Fortschritt den wir in der Erforschung der Grundlage des Lebens, der DNA, in den letzten Jahren gemacht haben, ist selbst für einen Naturwissenschaftler der sich ansonsten von keiner technischen Neuerung erschüttern lässt doch sehr beeindruckend.

 

Man sollte allerdings jetzt nicht davon ausgehen, dass es aufgrund dieser Daten nun sehr bald möglich sein wird, sämtliche Erbkrankheiten für immer zu heilen. Davon sind wir wohl noch sehr weit entfernt. Bisher wurden nur gegen sehr wenige Krankheiten Gentherapien entwickelt geschweige denn getestet. Um Missverständnisse zu vermeiden, bei einer Gentherapie geht es meistens nicht darum das Genom zu verändern, sondern vorhandene Gene mit Hilfe bestimmter Substanzen an- oder abzuschalten. Die Vorstellung der direkten Eingriffnahme am menschlichen Genom erzeugt ja bei vielen sofort die Assoziation mit Frankenstein und ist aus ethischen Gründen sehr umstritten und bei uns nicht erlaubt. Auch glaube ich nicht, dass wir ab demnächst zu jedem Vorstellungsgespräch unseren DNA-Code mitbringen müssen. Was wir in Zukunft mit diesem neuen Wissen anfangen werden, ist wie immer in unserer Hand und Risiken wie Missbrauch sind in keinem Fall auszuschließen.

20.04.2004 um 00:06 Uhr

Frage des Tages

Donald Boudreaux von der amerikanischen George Mason University in Virginia formuliert auf Cafe Hayek eine interessante Frage:

If no sensible person accepts the mantra “in the long run we’re all dead” as an argument against environmental laws and efforts to reduce the budget deficit, why does this mantra have credence in debates over free trade?

Und tatsächlich, nicht nur bei der Diskussion um das Outsourcing von Jobs, werden kurzfristige Einkommens- oder Arbeitsplatzverluste gegenüber langfristigen Produktivitäts- und Wohlstandsgewinnen überbetont. Insbesondere, wenn es um wirtschaftspolitische Maßnahmen wie etwa die kurzfristige Defizitfinanzierung einer nachfragestimulierenden Konjunkturpolitik, Subventionen für Unternehmen oder andere zusätzliche Staatsausgaben geht, werden die langfristig negativen Wirkungen von den Politikern häufig unter den Tisch gekehrt.

Wenn es wirklich immer sinnvoll wäre langfristige Politikfolgen zugunsten kurzfristiger Konfliktminimierung zu ignorieren, dann müßten auch

  • Umweltgesetze, deren Nutzen erst in der Zukunft ihre volle Wirkung entfalten, abgeschafft werden oder
  • soziale Sicherungsmaßnahmen, wie Arbeitslosen-, Kranken- oder Rentenversicherungen, gekürzt werden, weil sie zunächst nur viel Geld kosten und oft erst nach Jahren Vorteile für die Empfänger bringen.

Derartige logische Gedankenspiele können sinnvoll sein, will man die häufig anzutreffende Doppelzüngigkeit aktueller Tagespolitik richtig verstehen.

17.04.2004 um 17:55 Uhr

Jobmotor Umweltschutz?

Mit welcher Beharrlichkeit die Bundesregierung versucht ihre Politik gesund zu rechnen, ist schon erstaunlich. Und diesmal muß dazu der Umweltschutz als Schrittmacher herhalten. Stolz verkündet das Umweltbundesamt, dass der Umweltschutz in Deutschland mindestens 1,5 Mio. Menschen Lohn und Brot bringt. Doch seien wir mal ehrlich, so wichtig der Umweltschutz auch ist, Geld ausgeben bringt in der Regel immer Jobs, egal wofür.

Meine Lieblingspassage der Pressemeldung:

Die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zu 1998 ist insbesondere bei den erneuerbaren Energien (+ 52.000), dem Export von Umwelttechnologie (+ 25.000) sowie bei den umweltbezogenen Dienstleistungen (+ 22.500, davon 3.000 im Zusammenhang mit erneuerbare Energien) gestiegen. Damit konnten Beschäftigungsrückgänge, die auf geringere Umweltschutzinvestitionen insbesondere bei den Gebietskörperschaften und das konjunkturbedingte niedrige Niveau der Ausgaben im produzierenden Gewerbe zurückzuführen sind, mehr als kompensiert werden.

Mmh? Was aber, wenn die Investitionen und Förderprogramme für erneuerbare Energien, Umwelttechnologien und umweltbezogene Dienstleistungen nun zur Verdrängung anderer Investitionen und Konsumausgaben und damit von Arbeitsplätzen beigetragen haben. Bekanntlich kann man einen Euro nur einmal ausgeben und damit auch nur einmal Jobs schaffen. Auch das Umweltbundesamt kommt an dem Grundsatz "There is no free lunch" nicht vorbei.

Umweltschutz ist wichtig, bedeutet mehr Lebensqualität und dadurch auch mehr Wohlstand. Ein Joker für andere ungelöste Probleme der Bundesregierung ist er jedoch nicht.

 

17.04.2004 um 17:33 Uhr

Fair Trade?

Wie csmonitor.com berichtet, läßt sich das deutsche Transfair-Label die Zertifizierung des "fair" gehandelten Kaffees ganz üppig bezahlen:

Another sticking point inside the movement are the requirements for being certified. Germany's Fair Labeling Organization (FLO), which certifies all fair-trade coffee in the world, charges farmers $2431 to certify plus an annual base of $607 for recertification and $0.02 per 2.2 pounds of coffee sold under the fair-trade label.

Wer mehr über die Hintergründe der Preisbildung auf dem Kaffemarkt erfahren möchte, dem sein dieses Paper des amerikanischen Cato Institute empfohlen.

 

16.04.2004 um 11:48 Uhr

Zunehmend mehr Bakterien resistent gegen Antibiotika

Ein sehr wichtiges und zunehmend brisanteres Thema in der medizinischen Therapie von Infektionskrankheiten ist die extreme Zunahme von antibiotikaresistenten Krankheitserregern. Erschreckend dabei ist die geradezu explosionsartige Zunahme dieser Unempfindlichkeit von verschiedensten Bakterien gegen diese Wirkstoffe. Es gibt bereits Erregerstämme die gegen verschiedenste Antibiotika gleichzeitig resistent sind. Menschen die durch diese Erreger erkranken können durch fehlgeschlagene Therapieversuche in lebensbedrohliche Zustände geraten. Besonders betroffen davon sind Krankenhauspatienten mit einem schwachen Immunsystem wie AIDS-Kranke, alte Menschen und natürlich auch Säuglinge. In Russland wurden bereits resistente Tuberkulosestämme gefunden, die mit keinem bisher bekannten Antibiotikum behandelbar sind. Die Folge davon ist, dass Infektionskrankheiten, von denen man glaubte diese für immer im Griff zu haben, wieder auf dem Vormarsch sind. Mit dieser Entwicklung beschäftigen sich inzwischen zahlreiche Mediziner und warnen vor den möglichen Konsequenzen, wenn nicht umgehend auf diese Entwicklung reagiert wird.

 

Dabei ist dieses Problem zu einem sehr hohen Anteil hausgemacht. Es werden immer noch viel zu schnell und oftmals auch falsche Antibiotika verschrieben. Man weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell selbst einem normal gesundem Erwachsenen schon bei einem einfachen grippalen Infekt gerne mal ein Breitbandantibiotikum verschrieben wird. Mit der zunehmenden und falschen Anwendung steigt natürlich auch erheblich die Bildung von resistenten Bakterienstämmen. Aber nicht nur Ärzte verhalten sich in dieser Hinsicht verantwortungslos. Auch in der Fleischwirtschaft und in der Fischzucht werden gerne Antibiotika zur Produktionssteigerung eingesetzt. Obwohl die Verwendung von solchen Wirkstoffen zur Fleisch- und Fischproduktion eingeschränkt wurden, reicht dies wohl noch in keiner Weise aus, um dem Problem her zu werden. Zwar sucht die Pharmaindustrie fleißig nach neuen Wirkstoffen gegen Bakterien, aber dieser Prozess dauert zu lange und reicht nicht aus, um auf diese neue Bedrohung ausreichend reagieren zu können. Angesichts der leeren Kassen der Versicherungen wäre es so oder so wünschenswert, wenn endlich damit auf gehört würde, viel zu schnell viel zu teure und gar nicht erforderliche Medikamente zu verschreiben.

 

Man sollte nicht vergessen, dass der Mensch ein extrem ausgeklügeltes Immunsystem besitzt, welches dafür bestimmt ist, unter normalen Bedingungen mit Krankheiten fertig zu werden. Zur Entwicklung und Stimulation dieses Systems ist es nun mal auch erforderlich, dass dieses regelmäßig gefordert wird. Das beste Immunsystem haben übrigens Kinder die auf den Müllhalden Brasiliens leben. Diese Lebensweise muss uns jetzt nicht unbedingt Vorbild sein, aber nicht umsonst wird darüber spekuliert, ob Erkrankungen wie Allergien in Industrienationen deshalb so stark zunehmen, weil unser Immunsystem nicht mehr ausreichend stimuliert wird und sich so natürliche Stoffe sucht, auf das es reagieren kann (Allergien sind vereinfacht ausgedrückt eine Fehlreaktion des Immunsystems, was Stoffe wie Pollen als Pathogene erkennt und so auf diese Substanzen überreagiert). Der Slogan "schickt Eure Kinder wieder in den Dreck um sie gesünder zu machen" hat durchaus seine Berechtigung.

16.04.2004 um 01:09 Uhr

Dauerbrenner Filesharing

Edward W. Felten, Professor für Informatik an amerikanischen Princeton University, hat aus der Analyse aktueller Studien über den Zusammenhang zwischen dem Tausch von Musikdateien im Internet und dem Absatz von Musik-CDs einige interessante Thesen zur Frage „Welchen Einfluss hat MP3-Filesharing auf die Musikindustrie?“ entwickelt.

 

Die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Studien sind:

 

  • Befragungen von Internetusern belegen, dass diejenigen, die die eifrig Musikdateien über das Internet tauschen tatsächlich weniger CDs kaufen.
  • Eine aktuelle ökonometrische Studie von Oberholzer und Strumpf kommt zu dem Ergebnis, das Filesharing lediglich einen minimalen Effekt auf den CD-Absatz hat.
  • Eine Studie von Eric Boorstin, individuelle Einkommensunterschiede berücksichtigend, zeigt, dass es einen starken positiven Zusammenhang zwischen der Internetnutzung und dem Kauf von CDs gibt, und zwar für alle Altersgruppen ausser die Gruppe der 15 bis 25jährigen. Für diese korreliert die Internetnutzung negativ mit dem CD-Kauf.

 

Angesichts dieser Resultate, so Felten, lassen sich die Nutzer des Filesharings in zwei Gruppen, die Trittbrettfahrer (Free-Rider) und die Testnutzer (Sampler), unterscheiden.

 

Die Trittbrettfahrer sind generell jüngere Leute, sehen Filesharing als Alternative zum CD-Kauf an und haben keinerlei moralische Bedenken das zu tun. Die Testnutzer sind eher älter und weniger risikofreudig. Sie verbinden Raubkopien mit einem moralischen Problem, sie nutzen Filesharing für den Download kostenloser Songs oder Musik, die sie anderweitig nicht kaufen würden. Musik, die wirklich mögen, kaufen sie, Filesharing erweitert ihren Musikhorizont und erhöht somit den CD-Absatz.

 

Können diese Thesen die Resultate der Studien erklären?

 

Bei den Befragungen gibt ein Teil der Befragungen die Nutzung der Internettauschbörsen offen zu und bestätigt, weniger CDs zu kaufen. Die Testnutzer dagegen geben dieses Verhalten gegenüber den Interviewern nicht zu, so dass die Gruppe der trittbrettfahrer in diesen Studien überrepräsentiert ist. Folglich ergibt sich ein negativer Zusammenhang zwischen Filesharing und CD-Erwerb. Oberholzer und Strumpf messen die tatsächliche Wirkung von Trittbrettfahrern und Testnutzern und erhalten eine Kompensation der Absatzverluste von Trittbrettfahrern durch Mehrkäufe der Testnutzer. Boorstins Studie bestätigt diese Ergebnisse durch die Belege alterstypischer Unterschiede.

 

Wenn also momentan der Effekt des Filesharing auf den CD-Absatz annähernd null ist, so hängt er in der Zukunft davon ab, was aus den Trittbrettfahrern wird. Mutieren sie zu Testnutzern oder behalten sie ihr Verhalten bei?

 

Unsere Thesen: Das Einkommen und die dem Nutzer zur Verfügung stehende Zeit dürften ebenfalls eine erhebliche Rolle spielen. Mit steigendem Einkommen sinkt der relative Preis von CDs, man kann sie sich schlichtweg leisten. Dagegen können viele Musikliebhaber mit steigendem Einkommen die Zeit für die Suche und den Download von Musikdateien sowie das Brennen auf eine CD nicht mehr erübrigen. Auch hier sind es wieder die Opportunitätskosten der Zeit die den Weg zum Plattenladen oder Amazon.de attraktiver erscheinen lassen. Den Nettoeffekt wird die Zukunft zeigen. Wir bleiben auf Empfang…