Mit dem Kopf voran

31.05.2004 um 23:11 Uhr

Legitime Übertreibungen?

Eine clevere Analogie zur Sinnhaftigkeit filmischer Übertreibungen ala "The Day after Tomorrow" hat Don Boudreaux auf Cafe Hayek formuliert:
"A ten-cent increase in the federal minimum wage casts millions of blacks and Hispanics into permanent unemployment and despair; all of the unemployed women scrape up pennies by offering themselves as prostitutes, while all of the unemployed men swarm to the suburbs to rape soccer-moms and then riot so violently in the cities that the Empire State building, the U.S. Capitol, the Sears Tower, and the Bank of America building all crash violently to the ground, killing tens of thousands of innocent civilians, including a kindly book-peddler specializing in works by and about Ayn Rand.
...
I’m confident that, should any such silly movie ever be made, no president of a market-oriented thinktank would say about it that “the depiction of the economics is exaggerated and at times misleading, but the scale of the threat and the underlying politics are all too true."
Ob auch hierzulande irgendein Ökonom oder FDP-Politiker der Meinung wäre, eine derartige Überspitzung sei ein legitimes Mittel zur Beschreibung der Folgen rot-grüner Wirtschafts- und Sozialpolitik, mag ebenso bezweifelt werden.
 

31.05.2004 um 22:52 Uhr

Sex, Einkommen und Zufriedenheit

Eine empirische Studie über den Zusammenhang zwischen sexueller Aktivität, Einkommen und Zufriedenheit hat das National Bureau of Economic Research herausgegeben. Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick:
  • Sex und Zufriedenheit stehen erwartungsgemäß in einem statistisch signifikant positiven Zusammenhang.
  • Ein höheres Einkommen führt weder zu mehr Sex noch zu mehr Sexualpartnern.
  • Verheiratete Menschen haben durchschnittlich häufiger Sex als Singles, geschiedene, verwitwete oder getrennt lebende Zeitgenossen.
  • Sex hat bei höher gebildeten Menschen eine größere Bedeutung für die individuelle Zufriedenheit als bei Personen mit geringerem Bildungsniveau.
  • Höher gebildete Frauen haben durchschnittlich weniger Sexualpartner.
  • Mit einem Partner pro Jahr maximiert man statistisch seine Zufriedenheit.
  • Homosexualität hat keinen negativen Einfluß auf die Zufriedenheit.
Was sagt uns das? Viel lernen, um später mehr Geld zu verdienen muß sich sexuell nicht unbedingt auszahlen. Nicht nur, dass die Paukerei für die Karriere nicht mehr Bewegung auf der Matratze bringt, nein, der Grips macht einen gefühlsmäßig auch noch sexuell beeinflußbarer. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass die Ergebnisse aus methodischen Gründen mit einer gewissen Vorsicht zu behandeln sind.
 
 

29.05.2004 um 01:34 Uhr

Todesstrafe für Computer-Hacker?

"If we execute murderers, why don't we execute the people who write computer worms? It would probably be a better investment."

Mit diesen Worten beginnt Steven Landsburg seine aktuelle Slate-Kolumne, in der er anhand einer Nutzen-Kosten-Analyse recht eindrucksvoll analysiert, warum die ökonomische Logik der Todesstrafe für Mord, als juristisches Instrument der Abschreckung von Gewalttaten strenggenommen auch zur Verhinderung von bisweilen enorme wirtschaftliche Schäden produzierenden Virenattacken im Internet zur Anwendung kommen müßte. Trotz der bestechenden Logik, ein Beispiel für die Grenzen ökonomischer Rationalität in der gesellschaftlichen Realität.

 

28.05.2004 um 16:55 Uhr

Hart aber ... wirkungslos?

Das faktische Verbot des File-Sharing von Film- und Musikdateien im Internet in den USA und die abzusehende Verschärfung des Urheberrechts in Europa scheinen nach einer im New Scientist zitierten Studie bislang keine spürbare Wirkung auf die Downloadaktivitäten der Internetgemeinde ausgelöst zu haben.
 
 
So ist der Anteil des Datenverkehrs auf sog. Peer-to-Peer-Netzwerken in den USA nur um 5 Prozentpunkte von 70 auf 65 Prozent gesunken. In Europa ist dieser Anteil bei steigender Gesamtnutzung sogar von 70 auf 80 Prozent gestiegen.
 
Bis heute streiten sich die Experten, ob die Verbreitung illegaler Musikkopien über das Internet überhaupt negative Wirkungen auf die Musikindustrie hat.
 

27.05.2004 um 01:05 Uhr

Jürgen goes to Hollywood

von: steffenh   Stichwörter: Klimapolitik

Soweit ist es gekommen. Für die Durchsetzung von Politik scheint inzwischen jedes Mittel recht zu sein. Dass man sich inzwischen auch in Deutschland Hollywoods Katastrophenfilmspezialisten bedient, war aber eigentlich zu erwarten. So findet Bundesumweltminister Jürgen Trittin es "legitim", dass Emmerich in seinem neuen Film "The Day after Tomorrow" nahezu alle Gesetze der Physik außer Kraft setzt, um die Leute in Sachen Klimaschutz auf die Fährte seines Ministeriums zu bekommen. Dabei erhält er dann gleich noch Schützenhilfe von Prof. Dr. "Ich-kenne-mich-überall-aus." Alexander S. Kekule, der in seiner Kolumne "Was Wissen schafft" im Tagesspiegel meint "Emmerichs Film ist Unsinn - aber wichtig", um uns dann zu erzählen, das der Film trotz "Fiktion und Übertreibung ... eine wahre Geschichte" erzählt. Dann fährt er fort, das selbe oberflächliche, pseudowissenschaftlich zurechtgestutzte Konsensgeschwafel über die jetzt schon absehbaren Folgen des vom Menschen gemachten Klimawandels zu wiederholen, dass bereits seit mehr als einem Jahrzehnt durch die Presse geht. Wie lückenhaft diese ganze Argumentation auch heute noch in all ihren Einzelheiten, vom Abreißen des Golfstroms, über den Anstieg der Temperaturen bis hin zu den extremen Wetterereignissen ist, haben wir in den vergangenen Monaten schon mehrfach auf diesem Weblog angesprochen.

Für wie blöd wird der Durchschnittsdeutsche eigentlich gehalten, dass die Herren meinen, es bräuchte pseudowissenschaftlichen Nonsens aus Hollywood, um uns endlich wach zu rütteln? Und wofür eigentlich? Damit wir dem Jürgen für sein nahezu wirkungsloses Kyoto-Klimaabkommen den Rücken stärken? Damit niemand, auch nicht der Spiegel, mehr über die Verschwendung von Steuergeldern in teure, aber das Klima wenig schützende Windkraftanlagen murrt. Damit wir die Kompetenzen über die Verwendung der Steuergelder noch leichter an Berlin und Brüssels Bürokraten abgeben?

Welchen Wert haben solche Übertreibungen? Brauchen wir eine Stimmung im Land, die Politiker legitimiert, eine Politik an wissenschaftlich ungesicherten Extremszenarien auszurichten? Wenn sie es dann wenigstens machen würde? Bislang war die europäische Klimaschutzpolitik ein teures und unwirksames Herumgedümpel zwischen einer lückenhaften Ökosteuer mit Unmengen von Ausnahmeregelungen und der Verschwendung öffentlicher Mittel für erneuerbare Energieprojekte, die bis zu zehnmal so hohe Kohlendioxid-Vermeidungskosten wie eine klassische Kraftwerksoptimierung aufweisen. Wenn das so weitergeht, dann wird der Film eines mit Sicherheit nicht schaffen: Das Klima schützen.

26.05.2004 um 11:30 Uhr

Weniger Leid für Versuchstiere

Während bisher die medizinische und biologische Forschung in erster Linie dem Menschen dient und gleichzeitig zu einer stetigen Zunahme von Tierversuchen geführt hat, gibt es Dank neu entwickelter Testmethoden z.B. für die Wirkung von Substanzen unterschiedlicher Art nun auch Möglichkeiten, Tierversuche zu substituieren. Die OECD hat erstmals solche Testverfahren zugelassen. Damit kann in Zukunft in vielen Fällen auf den Einsatz von Tierversuchen verzichtet werden. Interessanter Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass durch immer strengere Vorgaben bei der Durchführung von Tierversuchen, diese immer teurer geworden sind und es dadurch für Forschungseinrichtungen und Unternehmen zunehmend interessanter wird, sich nach Alternativen umzusehen. Tierversuche sind ja immer noch ein echtes Reizthema für unterschiedlichste Interessensgruppen. Gleichzeitig sind sie in der medizinischen Forschung unersetzlich.

 

26.05.2004 um 11:25 Uhr

Abzocke der Autofahrer?

Die Ankündigung der Grünen für eine City-Maut in München hat für enormen Aufruhr gesorgt. Moderne Wegelagerei und Eingriffe in die Privatsphäre der Autofahrer befürchten die einen, eine "Schwächung des Wirtschaftsstandorts" und den "Todesstoß für die Innenstadt" die anderen. Was ist an diesen Vorwürfen dran?

Zunächst ist es aus ökonomischer Perspektive sehr sinnvoll, dass der einzelne Infrastrukturnutzer die individuellen Kosten der Straßenbenutzung trägt. Was hier für Aufruhr sorgt, ist bei den Benutzern der Bahn oder des Flugzeugs ganz normal. Und hierzu zählen nicht nur die privaten Kosten fürs Auto, sondern auch der Unterhalt der Straße und Übernahme der Kosten für den Straßenbau. Hinzu kommen die Kosten verkehrsbedingter Umweltkosten und die Kosten, die sich Autofahrer untereinander durch die von ihnen erzeugten Staus gegenseitig bescheren. Eine individuelle Anlastung dieser Kosten induziert bei den Verkehrsteilnehmern den Anreiz, ihr Fahrverhalten an die wahren Kosten des Straßenverkehrs anzupassen. Die verkehrsdichte reduziert sich, die durchschnittliche Geschwindigkeit im Stadtverkehr steigt und die Umweltverschmutzung durch Lärm und Abgase geht zurück. Die gegenwärtige Umlagefinanzierung der Straßen aus der Mineralöl- und KFZ-Steuer kann das Problem der fehlenden individuellen Kostenanlastung nicht lösen und wirkt daher wie eine Subvention der städtischen Autofahrer durch die Steuerzahler vom Land. Umweltschäden und Staukosten sind in den heutigen Infrastrukturbeiträgen der Steuerzahler nahezu nicht enthalten.

Berechtigt sind die Beschwerden jedoch, wenn es allein darum geht, eine neue Finanzierungsquelle des Staates zu erschließen. Daher sollte die Politik langfristig dazu übergehen, die gesamte Infrastrukturfinanzierung auf ein verursachergerechtes Mautsystem umzustellen. Dadurch lassen sich die Mineralöl- und KFZ-Steuern wesentlich reduzieren und die Straßen werden nicht nur kostengerecht genutzt, sondern auch bedarfsgerecht gebaut. Politische Prestigeprojekte, bei gleichzeitiger Unterversorgung einzelner Regionen gehören dann hoffentlich der Vergangenheit an.

Bevor die City-Maut in München also in Grund und Boden kritisiert wird, sollte man sich erst einmal eingehend mit den internationalen Erfahrungen auseinandersetzen. Und die sind interessanterweise überwiegend positiv. LondonSingapur und die norwegischen Städte Oslo, Trondheim und Bergen sind nur einige Beispiele hierfür. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Anzahl derjenigen, die unterm Strich durch eine City-Maut zu den Verlieren zählen relativ gering ist und eine Kompensation durch Einkommenszuschläge oder Senkung lokaler Steuern möglich ist. Was die Kosten betrifft sind alle bisherigen Systeme mit einer positiven Kosten-Ertrags-Relation verbunden gewesen. So stehen etwa den jährlichen Kosten der Londoner City-Maut von 100 Mill. Pfund Erträge von jährlich 160 Mill. Pfund gegenüber, die für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs eingesetzt werden.

Online-Lesetip: Urban Road Charging, ein Überblick über Funktion, Umsetzung und Erfahrungen internationaler City-Maut-Systeme des Institute for Transport Studies der University of Leeds.

26.05.2004 um 10:20 Uhr

Irak aus erster Hand

Die drei Iraker Mohammed, Ali und Omar nutzen ihre wiedergewonnene Freiheit und berichten auf ihrem Weblog IRAQ THE MODEL über den schwierigen Weg des Landes in eine neue, hoffentlich friedliche Realität.

 

25.05.2004 um 12:33 Uhr

Wissenschaft und Massenmedien

Zu einem ernüchternden Ergebnis über die Sachlichkeit der Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse in den Massenmedien kommt eine kanadische Studie im Canadian Medical Association Journal. Die wichtigsten Ergebnisse einer Analyse von 637 Zeitschriftenartikeln basierend auf 111 Studien aus 24 medizinischen Fachzeitschriften waren:
  • 37 % der Zeitschriftenartikel dramatisierten die Ergebnisse der Originalstudien
  • 18 % der Artikel machten Fehler bei der wissenschaftlichen Präsentation der Forschungsergebnisse
  • obwohl der Mensch nur bei 41 % der Studien Untersuchungsgegenstand war, extrapolierten 87 % der wissenschaftliche Zeitschriften und 98 % der Massenmedien die Ergebnisse einfach auf den Menschen
  • nur 15 % der Zeitschriftenartikel beschäftigten sich mit den Kosten und Risiken der Forschungsergebnisse, die Nutzen wurden dagegen von 97 % der Artikel angepriesen
Keine vertrauenerweckende Bilanz für die Massenmedien. Ein Glück, dass es Weblogs gibt.
 

25.05.2004 um 12:06 Uhr

Energieträgerabhängigkeit und strategische Ölreserven

von: steffenh   Kategorie: Energiemärkte

Die politische Instabilität im arabischen Raum und die hohen Rohölpreise rücken gegenwärtig die Diskussion um Möglichkeiten der Reduzierung der Energieträgerabhängigkeit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Dabei wird immer wieder die Rolle nationaler strategischer Ölreserven diskutiert. Arnold Kling argumentiert in einem Beitrag auf Techcentral Station recht anschaulich, dass derartige Ölreserven nicht notwendig sind, eine künstliche Verknappung der Ölversorgung verursachen und zudem die Preissetzungsmacht der Ölproduzenten erhöhen.

So kann es in Abhängigkeit von den gegenwärtigen Ölpreisen, zukünftigen Preiserwartungen und dem herrschenden Marktzins ökonomisch sinnvoll sein, in einer Hochpreisphase wie jetzt Ölvorräte zu verkaufen und von dem Erlös auf dem Terminmarkt relativ billige Optionen für die Lieferung in der Zukunft zu erwerben. Eine künstliche Aufrechterhaltung der Lagerhaltung verursacht nicht nur überflüssige Lagerhaltungskosten, sondern treibt die gegenwärtigen Ölpreise überflüssig in die Höhe. Private Unternehmen haben von sich aus einen Anreiz, sich auf dem Terminmarkt gegen heftige Ölpreisschwankungen abzusichern. Eine zusätzliche Lagerhaltung durch den Staat ist daher nicht notwendig. Öl-Embargos, die immer wieder vorgebrachte Begründung für eine staatliche Reservenbildung, sind wirkungslose politische Drohgebahren, die auf einem interdependenten Weltmarkt durch Reimporte wirksam unterlaufen werden können. Die Sicherheit der Energieversorgung und Energiepreise sind weltweite Probleme, die durch nationale Reservenbildung nicht gelöst werden können.

23.05.2004 um 13:19 Uhr

Die zwei Seiten des Patentschutzes

Laut einer Meldung des Magazins Die Zeit will die EU in Zukunft den Patentschutz stärker auf den Bereich der Computer-Software ausdehnen und damit die Wettbewerbsposition europäischer Programmierer gegenüber der US-amerikanischen Konkurrenz, die inzwischen bereits Patente auf in Software umgesetzte Anwendungen und Geschäftsmodelle erhalten, verbessern.
 
Patentschutz von intellektuellem Eigentum ist ein kompliziertes Feld, die ökonomische Bewertung ist schwierig. Da Ideen nicht verschleißen und die Nutzung einer Idee durch den einen nicht deren Verwendung durch einen anderen ausschließt, ist es aus der Perspektive der gesamten Gesellschaft sinnvoll, wenn sie jeder nutzen kann. Das jedoch vermindert die Anreize derjenigen, die Investitionen in den Aufbau dieser Ideen vornehmen müssen, neues Wissen zu produzieren. Der Umfang und die Dauer von Patentschutz ist also eine Gradwanderung zwischen hinreichenden Anreizen zur Wissensgenerierung und gesamtwirtschaftlich optimaler Wissensnutzung. Aus ökonomischer Perspektive ist darüber hinaus relevant, wie hoch die Kosten der Wissensproduktion sind. Erfordert die Produktion eines neuen Medikaments etwa horrende Anfangsinvestitionen, kann ein langfristiger Patentschutz notwendig sein, Unternehmen überhaupt einen Anreiz zur Produktion neuer Medikamente zu geben. Politiken die einen Patentschutz zu früh unterlaufen, wie etwa die häufige Forderung nach rascher Zulassung von Generika, können hier kontraproduktiv sein. Weniger kostenintensive Ideen jedoch, wie etwa Amazons patentgeschützte "on-click shopping"-Option, bedürfen nach dieser Argumentation keinen langanhaltenden Patentschutz erhalten. Vielmehr wird hierdurch eine Monopolsituation staatlich gefördert, deren gesamtwirtschaftlicher Schaden die positiven Anreizeffekte weit übersteigen dürfte.
 
Aus diesem Grund bleibt zu hoffen, dass die EU sich hier nicht zu einem Patentwettrennen mit den USA zu Lasten der gesamten Gesellschaft aufschwingt. Egal wie übertrieben der US-Patentschutz sein mag, ein Mitziehen der EU zur Verbesserung der Wettbewerbsfähig europäischer Unternehmen kann sehr leicht zu Lasten aller Konsumenten gehen. Und Patentschutzpolitik sollte in erster Linie langfristige Konsumentenschutzpolitik sein, kein Nachgeben des politischen Lobbyismus. Auch die Amerikaner tun sich und ihrer Wirtschaft keinen Gefallen, wenn sie dem Druck von Unternehmen in jedem Fall nachgeben und übertriebenen Patentschutz zulassen. Langfristig wirkt sich die suboptimale Nutzung von Ideen schlecht auf die Produktivität der Gesellschaft und damit auf die wirtschaftliche Entwicklung aus.
Es erscheint ratsam, ungeachtet der amerikanischen Politik, Ausmaß und Dauer des Patentschutzes an den konkreten Kosten der Entwicklung von Wissen, Ideen und neuen Produkten auszurichten. Schlaue Einfälle, die jederman innerhalb von 20 Sekunden durch den Kopf schießen können, gehören dann sicher nicht in die Zuständigkeit des Patentamtes.
 
Lektüretip: Alexander Tabarrok (2002) "Patent Theory versus Patent Law", Contributions to Economic Analysis & Policy: Vol. 1: No. 1, Article 9.  (Exzerpt hier)
 

23.05.2004 um 00:11 Uhr

Geht uns das Licht aus?

"Die Welt wird dunkler.", ist in Nature zu lesen. Man spricht bereits vom "Global dimming" und meint die Verdunklung der Erde durch verstärkte Wolkenbildung und eine erhöhte Anreicherung von Aerosolen. Dies wirke auf Pflanzen wie ein "Doping mit Stereoriden", was die Photosynthese verstärkt und somit zu einer vermehrten Absorbtion von Kohlendioxid aus der Atmosphäre führt. Dieser Effekt und die verminderte Intensität der Sonnenstrahlung könnten der befürchteten Klimaerwärmung entgegenwirken.
 
Was sagt uns dieses Forschungsergebnis? Das Klima wandelt sich, niemand weiß bis heute genau in welche Richtung und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Der globale Klimawandel muß in seiner gesamten Komplexität untersucht und bewertet werden. Und dabei heißt es einen kühlen Kopf bewahren, damit die vermeintlich katastrophalen Folgen von "The Day after Tomorrow"  nicht wegen falscher Prioritätensetzung, von Armut, AIDS und globalen Verteilungskonflikten in den Schatten gestellt werden.
 

22.05.2004 um 23:46 Uhr

Macht Zucker zuckerkrank?

Laut einer in Nature veröffentlichten Studie könnte an Omas These, dass zuviel Süßigkeiten die Erkrankung an Diabetis mellitus Typ 2 - inzwischen zur "Volksseuche" mutiert - fördern, sogar etwas dran sein. Forscher der Harvard School of Public Health in Boston haben langjährige Daten zu Ernährungsgewohnheiten und Diabetis-Häufigkeit untersucht und festgestellt, dass die Häufigkeit der Erkrankung mit der Zunahme der tagesdurchschnittlichen Kalorienaufnahme zunimmt, jedoch kein Hinweis auf einen Zusammenhang zur Aufnahme von Fetten und Eiweißen gefunden.
 
 
Daher vermuten sie, dass der Konsum von rafinierten Kohlenhydraten das Diabetis-Risiko erhöht. Dabei gehen sie von der These aus, dass die von den Kohlenhydraten induzierte Produktion zusätzlichen Insuliens langfristig Diabetis auslösen könnte. Allerdings betonen die Wissenschaftler, keinen Beweis für diese These vorlegen zu können. Auch hier gilt, Korrelation ist keine Kausalität. Dennoch wird deutlich, die jahrelange einseitige Warnung vor allzu fettreicher Nahrung hat mit dazu beigetragen, dass Fette zunehmend durch Kohlenhydrate substituiert wurden. Ein Trend der sich im Nachhinein als weniger gesundheitsförderlich herausstellen könnte.
 

22.05.2004 um 23:13 Uhr

Klingelei

Marginal Revolution berichtet von einem Beitrag im britischen Gardian Unlimited, nach dem der Umsatz aus dem Verkauf von Klingeltönes fürs Handy inzwischen 10 % des weltweiten Musikmarktes ausmacht. Etwas verwundert sind die Autoren darüber, dass Teenager zwar bereit sind bis zu £3,99  für einen Klingelton auszugeben, den selben Preis für eine Musik-Single jedoch als zu teuer empfinden:
The rise of the ringtone throws up some puzzling questions for the music industry. "One of the things we have to look at is why kids are perfectly happy to spend £3.99 on a ringtone, but they think a similar amount is too much to pay for a single,"
Könnte das unter anderem daher rühren, dass Klingeltöne inzwischen nicht mehr allein ihren primären Zweck als Anrufsignal erfüllen, sondern zudem auch noch "cool" sind und somit unter Teenagern "stilprägend" wirken? Um Exklusivität zu wahren, werden die Klingeltöne dann nicht so bereitwillig weitergegeben wie etwa Kopien von Music-Singles als MP3. Somit könnten Klingeltöne das knappere Gut sein, weil weniger frei verfügbar, mit der Folge einer höheren Zahlungsbereitschaft der Konsumenten.
 
Welche Gründe könnten noch für dieses Phänomen sprechen?
 

21.05.2004 um 12:50 Uhr

Fallende Ölpreise trotz sinkender Vorräte?

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftstheorie

Der amerikanische Ökonom Russell Roberts beschreibt auf seinem Weblog Cafe Hayek sehr einleuchtend das ökonomische Rationalkalkül der Ölproduzenten und macht deutlich, warum die Förderkosten die entscheidende Determinante der Preisentwicklung sind:

Oil is an asset. If you think oil prices over the next year will rise by 1% when interest rates are only 5%, you're better off selling your oil, taking the money, and putting it in the bank to earn interest. That urge to sell today lowers price today and steepens the growth rate in prices over the next year. If you think oil prices are going to rise by 10% when interest rates are only 5%, you're better off keeping the oil in the ground rather than selling it. That pushes up prices today and lowers the growth in prices. Only when prices rise by roughly the rate of interest are people content with their decision to leave some oil in the ground and to sell some.

...

In the real world, there is an extraction cost, but over time, it doesn't stay constant. And it doesn't just change. It falls steadily over time, driven by technology. This allows the real price of oil to fall over time. To see the intuition, if oil prices are expected to rise at 1% when interest rates are 5%, that would normally encourage me to sell my oil today, driving down the price today and pushing the rate of growth in oil prices up toward 5%. But if I expect it to be a lot cheaper to extract oil next year because of technological improvements in extraction, my net return can actually be higher keeping the oil in the ground and harvesting it next year when extraction costs will be lower than they are today.

Aus eben diesem Grund dürfte auch die Wirksamkeit der Förderung alternativer Energieträger zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen begrenzt sein. Wenn Erdölproduzenten die zukünftigen Energiepreise antizipieren und feststellen, dass erneuerbare Energieträger zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz werden, macht es für sie weniger Sinn, ihre Reserven für die Zukunft aufzuheben. Folglich werden sie ihr heutiges Angebot erhöhen, der Marktpreis sinkt und die nachgefragte Menge steigt. Die Emissionsreduktion des Einsatzes erneuerbarer Energieträger wird durch den Mehrverbrauch von fossilen Energieträgern an anderer Stelle teilweise kompensiert. Ein weiterer Grund, die Eignung der Förderung erneuerbarer Energieträger als Klimaschutzinstrument noch einmal gründlich zu überdenken. Ökosteuern oder Emissionshandel, Instrumente die direkt am Schadstoff ansetzen, sind für diesen Zweck allemal besser geeignet.

Literaturtip: Denjenigen, die es nicht für möglich halten, dass man eine romantische Liebesgeschichte, einen spannenden Krimi und eine Menge Ökonomie in einem Buch vereinen kann, sei Russell Roberts Roman The Invisible Heart: An Economic Romance empfohlen. Wer sich in Romanform mit der ökonomischen Logik des internationalen Handels auseinandersetzen möchte, hat dazu bei der Lektüre von The Choice: A Fable of Free Trade and Protectionism die beste Gelegenheit. Beispielkapitel beider Bücher sind hier zu finden.

 

21.05.2004 um 12:22 Uhr

Mafia Economics

Die sizilianische Mafia versucht mit einem cleveren Schachzug ihre Einnahmen zu vergrößern. Statt mehr Schutzgelder von den bestehenden "Klienten" einzunehmen, hat sie den finanziellen Druck und die Gewaltandrohungen gegenüber den Einzelnen reduziert, dagegen jedoch die Anzahl der "Klienten" erhöht. Selbst kleine Ladenbesitzer werden jetzt unter den speziellen "Schutz" der Mafia gestellt.
 
Nichts anderes als das Prinzip der nach dem amerikanischen Ökonom Arthur Laffer genannten Laffer-Kurve kommt hier zur Anwendung. Die Reduzierung eines Steuersatzes erhöht den Anreiz der Steuerzahler zu arbeiten, folglich erhöht sich die Produktion, die dann, besteuert mit den niedrigeren Sätzen, zu höheren Steuereinnahmen führt. Die Kunst ist es, den optimalen Steuersatz zu finden, der die Einnahmen maximiert.
 
 
 
 
Vielleicht sollte sich die Bundesregierung hieran mal ein Beispiel nehmen und ihre Steuerpolitik nach dem Vorbild der Mafia optimieren. Einen Wermutstropfen hat die Sache allerdings. Mit zunehmenden Einnahmen wächst die Macht der Mafia und ihr Einfluß auf Gesellschaft und Politik. So auch in Sizilien. Insofern kann auch ein auf Einnahmenmaximierung getrimmtes Steuersystem des Staates problematisch sein, wenn es dazu beiträgt die Macht des Staates und dessen Einfluß auf die Zivilgesellschaft zu maximieren.
 

19.05.2004 um 17:20 Uhr

Apotheke aus dem Meer

Ein sehr interessantes Forschungsgebiet beschäftigt sich mit sogenannten Naturstoffen aus dem Meer. Im Mittelpunkt dabei steht die Suche nach möglichen neuen Pharmazeutikern für die Human- oder auch Tiermedizin in verschiedensten Meeresorganismen. Besonders vielversprechend erwiesen sich dabei Schwämme (sehr einfach gebaute und alte Organismen) und Pilze (vergleichbar mit Schimmelpilzen und nicht mit Champignons). Diese Organismen beinhalten oft ein interessantes Spektrum sehr wirksamer Substanzen, um sich zum Beispiel vor Bakterien oder Aufwuchs von Algen zu schützen. Inzwischen wurden bereits einige vielversprechende Substanzen identifiziert. Vielleicht heißt es demnächst ja dann Kampf dem Krebs mit Hilfe des gemeinen Badeschwamms. Unter diesem Aspekt bekommt der Erhalt der ökologischen Vielfalt im Meer eine neue, zusätzliche Bedeutung.

 

19.05.2004 um 10:53 Uhr

Macht selbst verdientes Geld zufriedener?

Hirnforscher vom Department of Psychiatry and Behavioral Sciences der amerikanischen Emory University haben anhand von Untersuchungen des menschlichen Gehirns in Experimenten mit freiwilligen Probanden festgestellt, dass selbstverdientes Geld zufriedener macht, als ohne Gegenleistung empfangene Gaben. Sie schlußfolgerten:

"Being actively engaged in the pursuit of rewards is a highly important function for the brain, much more so than receiving the same rewards passively," Dr. Berns explains. "It is like the difference between winning the lottery and earning the same amount of money. From the brain’s perspective, earning it is more meaningful, and probably more satisfying."

Eine interessante soziophilosophische Interpretation dieser Ergebnisse hat der Weblog Future Pundit:

It makes sense from an evolutionary perspective that the brain is wired up to reward itself for successfully engaging in activities that bring gains to one's position. History has already provided copious quantities of evidence that the political philosophy of Karl Marx is incompatible with human nature. Even before communist revolutionaries swept into power there were older theories of human nature that predicted the failure of a creed based on "from each according to his ability and to each according to his need". But advances in brain imaging technology has produced tools that are allowing reductionist brain scientists to start unravelling the deep seated mechanisms of our brains that alwayts doomed Marxism to failure.

A more general observation here is that by discovering the mechanisms that govern our behavior science is discovering limits to the malleability of human nature. As brain science advances its results are increasingly going to be used to judge whether proposals for changes in social order are going to compatible with human nature as science comes to understand it. Radical advocates of new social orders are going to increasingly be challenged by results from scientific research labs.

18.05.2004 um 22:24 Uhr

Stilsichere Suche im Musikdschungel

Wer Lust hat, sich von seiner Lieblingsband ausgehend durch den Dschungel der Popmusik zu schlagen, um seinen musikalischen Horizont zu erweitern ist bei Musicplasma bestens aufgehoben.
 

18.05.2004 um 11:14 Uhr

Schneller als die Polizei erlaubt...

... dürfte mit diesem italienischen Polizeiwagen wohl nicht mehr möglich sein.
 
 
Um endlich noch den letzten Raser unter Kontrolle zu bringen, fährt Italiens Polizei jetzt einen Lamborghini. Da können ihre  deutschen Kollegen mit ihren schlappen BMWs nicht mithalten.