Mit dem Kopf voran

30.07.2004 um 13:51 Uhr

Gesundheitspolitik: Wirtschaftsprofessoren für Prämienmodell

Ende Juni wurden die führenden deutschen Wirtschaftswissenschaftler von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zum Reformbedarf und der zukünftigen Finanzierung des Gesundheitssystems befragt. 55 Professoren beteiligten sich an der Umfrage und nahmen Stellung zu drei aktuell diskutierten Finanzierungsmodellen. Hier ein grafische Übersicht über die Ergebnisse:
 
 
Steffen

29.07.2004 um 11:15 Uhr

Heiler weiterhin hohen Zulauf

Auch heute in einer sehr fortschrittlichen Welt in der viele Funktionen des menschlichen Organismus detailiert bis auf die genetische Ebene erklärt werden können und der Erkenntniszugewinn in den Naturwissenschaften rasant verläuf,t gibt es noch viele Menschen die anstelle zum Arzt zu gehen, sich lieber von einem Heiler beraten lassen. Die Motivationen der Menschen diese Heiler aufzusuchen scheinen dabei sehr vielfältig zu sein. Sie reichen von Neugierde bis hin zum Aberglauben oder auch der Suche nach einer Welt die nicht von rationalen Entscheidungen bestimmt wird. Einigen der Hilfesuchenden konnte wiederum von der Schulmedizin nicht geholfen werden und so versuchen auf anderem Wege Heilung zu finden. Scheinbar erfüllt ein Heiler somit viele Funktionen die über die eigentliche „Bekandlung“ einer Krankheit hinaus gehen. Das geht von reiner Unterhaltung über Glaubensberatung und psychologische Betreuung. Erstaunlich in der Tübinger Studie, die sich intensiver mit den Motivationen der Kunden von Heilern beschäftigt hat, ist die Tatsache, dass die Patienten im Unterschied zum Arztbesuch Misserfolge bei der Heilung in den seltensten Fällen dem Heiler sondern eher sich selbst zuschreiben. Die Kunden der in diesem Fall im Mittelpunkt stehenden Heilerin kamen aus allen Gesellschaftsschichten - vom Bauern bis zum Akademiker. Insgesamt zeigt es sich, dass die Bereitschaft oder auch das Bedürfnis an Wunder zu glauben sehr groß ist und wahrscheinlich auch in der Zukunft bestehen bleiben wird. Somit besteht auch bei den Menschen der Neuzeit weiterhin ein großes Bedürfnis an etwas über den Dingen stehenden zu Glauben. Dieses nur als Naivität und Gutgläubigkeit abstempeln zu wollen wäre sehr kurzsichtig. Vielmehr lohnt es sich, wie weiter unten schon geschehen, sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit diesem Thema zu beschäftigen.

29.07.2004 um 00:18 Uhr

AIDS in der Dritten Welt: Bilanz einer medizinischen Katastrophe

Über 42 Millionen Menschen leiden an HIV/AIDS. Nach Angaben des UNAIDS-Programms der UNO erhalten weniger als 150000 der 27 Millionen AIDS-kranken Afrikaner eine Behandlung. Weltweit sind die wichtigsten Risikogruppen nach wie vor Drogenabhängige, die sich die Suchtmittel intravenös injizieren, Homosexuelle und Prostituierte, obgleich in Afrika vor allem Heterosexuelle betroffen sind. Hier wird mehr und mehr deutlich, dass die Verbreitung der Krankheit durch mangelhafte Hygiene bei der arztlichen Behandlung, vor allem verunreinigte Injektionsnadeln und verseuchte Blutkonserven, lange unterschätzt wurde. Afrika, Asien aber auch Russland und Rumänien haben hier traurige Berühmtheit erlangt.

AIDS ist nicht allein eine humanitäre Katastrophe, sondern zieht auch erhebliche wirtschaftliche Probleme nach sich. Nach Angaben der Weltbank reduziert die Krankheit das wirtschaftliche Wachstum Afrikas um jährlich 0,3 bis 1,5 %, weil die sonst besonders produktive Altergruppe der Erwachsenen aufgrund der Krankheit erhebliche Produktivitätsdefizite aufweist. Der Kampf gegen die Krankheit und deren verheerende Folgen wurde durch staatliche geförderte Programme und zunehmende Forschungsanstrengungen der Pharmaindustrie immer effektiver. Inzwischen ermöglichen die Behandlungserfolge mit antiretroviralen Medikamenten in den Industrieländern den Betroffenen ein akzeptables und längeres Leben mit der Krankheit. Der Zugang zu diesen Medikamenten in der Dritten Welt ist jedoch erheblich beeinträchtigt. Dieses Defizit hat erhebliche politische Bewegung und heftige Diskussionen über die Ursachen des miserablen Zugangs zu wirksamen Behandlungsmethoden ausgelöst:

 

Patentschutz:

Gegenwärtig fokussiert sich die politische Diskussion vor allem auf die negative Rolle der Pharmaunternehmen und einen vermeitlich übertriebenen Patentschutz infolge dessen keine ausreichende Versorgung mit kostengünstigen Medikamenten möglich ist. Internationale Hilfsorganisationen wie Oxfam und Ärzte ohne Grenzen äußern diese Vorwürfe besonders laut. So intuitiv einsichtig dieses Argument auch ist, eine nähere Analyse zeigt jedoch, dass derartiger Patentschutz für die betroffenen Länder selten existiert, vielmehr zeigt sich ein geringer Zusammenhang zwischen der Stärke des Patentschutzes und der Verfügbarkeit der Medikamente in den betroffenen Ländern. Auch bei anderen Therapien, die ohne retrovirale Medikamente erfolgen ist der Patentschutz kein wesentliches Hinderniss. In 65 Ländern mit geringem bis mittleren Einkommensniveau ist nach Angaben der WHO Patentschutz für 319 gelistete AIDS-Medikamente selten. Tatsächlich waren auf den untersuchten Märkten mit 4 Milliarden Konsumenten nur 1,4 % der Medikamente patentgeschützt.

 

Infrastrukturmangel und Armut:

Der Ausbau der medizinischen Versorgung und die Organisation der Beschaffung und Verteilung der notwendigen Medikamente muss in vielen Staaten der Dritten Welt als katastrophal bezeichnet werden. Während etwa in den USA etwa 4500$ pro Jahr und Person an Gesundheitsleistungen aufgebracht werden schätzt die Weltbank für afrikanische Länder durchschnittlich 42$. Hygiene und eine hinreichende Wasserversorgung als wesentliche Voraussetzung für eine wirksame Behandlung sind ebenfalls oft nicht gewährleistet. Unter diesen Bedingungen kann auch bei Verfügbarkeit der notwendigen Medikamente keine wirksame Behandlung erfolgen.

 

Politischer Wille und bürokratische Hemmnisse:

Trotz einiger Fortschritte erfolgt in den meisten afrikanischen Ländern nach wie vor eine falsche Prioritätensetzung bezüglich der Verwendung öffentlicher Mittel. Unzureichenden Gesundheitsausgaben stehen oft enorme Militäretats der afrikanischen Regierungen gegenüber. Ein weiteres Hemmnis sind die oftmals erheblichen Kosten und die Zeit, die durch staatliche Zulassung der Medikamente aufgewendet werden muss. Neben einem dichten Regulierungsnetz in den Industrieländern sind hierfür auch die staatlichen Akteure in den Adressatenländern verantwortlich. Obwohl eine Sicherheitskontrolle der Medikamente unabdingbar ist, hat eine Vielzahl der Regulierungen wenig mit Sicherheitsfragen zu tun.

 

Steuern und Zölle auf Medikamente:

Ein erhebliches Problem für die Versorgung der Betroffenen mit kostengünstigen Medikamenten ist häufig hohe Abgabenlast der Importländer. So belasten Länder wie Tansania, Malawi und Südafrika eingeführte Medikamente mit Abgaben zwischen 10 und 15 %. Andere Länder wie Kongo, Äthiopien, Burundi und Ägypten kommen sogar auf eine Abgabenlast von bis zu 30 %.

 

Quelle: Roger Bate, Richard Tren: The Real Obstacles to Sound Treatment of AIDS in Poor Countries, AEI, Juli-August 2004.

 

28.07.2004 um 13:53 Uhr

Zu wenig Gesundheitschutz am Arbeitsplatz?!

Eine Untersuchung der Hans-Böckler Stiftung hat festgestellt, dass die gesundheitliche Belastung am Arbeitsplatz in Deutschland zunehmend wächst. Bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage vielleicht nicht ganz unerwartet. Angeprangert wird, dass Unternehmen nicht bereit sind, sich mit dem Problem auseinander zusetzen, sprich Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Etwas verwunderlich ist dies allerdings schon, wenn man bedenkt, inwieweit diese Entwicklung doch in keiner Weise im Interesse der Unternehmen sein kann. Kranke und unmotivierte Mitarbeiter sind weniger leistungsfähig und erzeugen somit höhere Kosten, was nicht im Sinne des Arbeitgebers sein kann. Von daher müsste er an der Gesundheit seiner Mitarbeiter interessiert sein, solange der Erhalt dieser nicht wiederum übermäßige Kosten erzeugt. Nun stellt sich die Frage, wieso es ihn anscheinend doch nicht interessiert. Die Möglichkeit Kranke und nicht mehr so leistungsfähige Angestellte zu kündigen und durch neue zu ersetzen, kann eigentlich keine Antwort sein, da auch dies erst einmal höhere Kosten verursacht. Vielleicht spielen ja auch andere Dinge eine Rolle, wie zum Beispiel dass es gesellschaftlich eher verpönt ist Schwächen zu zeigen oder sich mit diesen zu beschäftigen. Oder gibt es dafür eine ökonomische Erklärung?

 

Nachtrag von Steffen: Kostendruck bei den Unternehmen, etwa durch Arbeitsmarktregulierung, könnte für eine Vernachlässigung der innerbetrieblichen Arbeitsbedingungen verantwortlich sein.

 

28.07.2004 um 12:09 Uhr

Fast Food nicht Schuld an Fettleibigkeit

Anbei noch mal eine Studie zu dem Thema der zunehmenden Fettleibigkeit in unser Gesellschaft. Dabei wurde mal etwas ernsthafter versucht, die Hintergründe dieser Entwicklung aufzuklären, anstelle nur simplizierte Schuldzuweisungen auszusprechen. Entscheidend für diese von Ärzten als bedenklich angeprangerte Entwicklung ist somit eher das Ernährungsverhalten der Verbraucher und die Faktoren welche dieses bestimmen als ein Überangebot an Fast Food-Nahrung. Wichtiger Punkt spielt dabei wie viel Zeit heute der Verbraucher noch für die Nahrungszubereitung investieren will oder kann. Wenn nicht mehr zu Hause gekocht wird, greift man natürlicher Weise auf die angebotenen Fertigprodukte zurück, dabei aus Kostengründen nicht immer auf die hochwertigsten Produkte. Auffällig in dieser Studie ist auch das Ergebnis, dass speziell Singels sich gerne von Fast-Food Produkten ernähren. Dieses sich allerdings dann wieder ändert, sobald sie Beziehungen eingehen oder eine Familien gründen. Verwunderlich ist dies nicht, denn wer kocht schon gerne nur für sich alleine. Fraglich nur welche Schlüsse auf dieser Studie gezogen werden. Man kann ja niemanden vorschreiben wie er sich ernähren soll, sondern wenn dann kann man nur Anreize für eine bewußtere Ernährung schaffen.

28.07.2004 um 10:37 Uhr

Verbot für Berliner Bauchläden

Ein besonders perfides Beispiel für interessengeleitete Politik präsentiert uns das Bezirksamt Mitte von Berlin. Zum "Schutz" der ortsansässigen Ladenmieter, die „in der jetzigen Wirtschaftslage die mobile Konkurrenz nicht mehr verkraften" wurde jetzt die Vergabe von Standgenehmigungen für Straßenhändler erheblich eingeschränkt.
Wer aber schützt die Konsumenten vor Einzelhändlern, deren Kartell die Politik für ihre Zwecke mißbraucht? Und wer schützt uns vor denkfaulen Lokalpolitikern, die nicht merken vor welchen merkwürdigen Karren sie sich spannen lassen?

28.07.2004 um 07:53 Uhr

Wozu sind Religionen gut?

Aus darwinistischer Perspektive erscheinen Religionen als nutzlose Phänomene, deren Praxis mit Verschwendung, statt mit Aktivitäten im Sinne des Überlebens und der Fortpflanzung verbunden ist. Nach Auffassung von Richard Dawkins, Charles Simonyi Professor of Public Understanding of Science an der Oxford University und Autor des bahnbrechenden Klassikers der modernen Evolutionsbiologie „Das egoistische Gen“ verschaffen Religionen dem Individuum keinen selektiven Vorteil, weil sie - wie häufig angenommen -  den Menschen mit einem Art Placebo-Effekt vor stressbedingten Erkrankungen schützen (der Glaube an die heilende Kraft des Arztes schließt so manche „Wunde“). Auch Gruppenselektionstheorien, nach denen Frühmenschengruppen mit religiösem Eifer in Form im Kampf um Lebensräume und Ressourcen einen selktiven Vorteil gegenüber weniger passionierten Konkurrenten hatten, so dass Religiösität zur dominanten Gruppenstrategie wurde, hält er nicht für eine überzeugende Erklärung der Evolution der Religion.

 

Vielmehr stellt er die Frage, welchen evolutorischen Vorteil religiöses Verhalten, also der blinde Glaube an autoritäre Regeln und die Akzeptanz nicht erklärbarer Phänomene, für ein einzelnes Individuum haben könnte. Aus der evolutionären Entwicklung, während der das kindliche Gehirn mit einer angeborenen, überlebenswichtigen Tendenz zur unhinterfragten Befolgung von Anweisungen der Eltern und erwachsener Autoritäten ausgestattet wurde, folgt für ihn ein Nebeneffekt, der Menschen mit der „Gabe“ ausstattet Legenden und Mythen zu glauben und zu verbreiten, d.h. religiös zu handeln. Genau dieser Effekt macht Menschen anfällig für alle Sorten von Ratschlägen, ungeachtet, ob sie gut oder schlecht sind, ebenso wie das mechanische Abarbeiten programmierter Algorithmen einen Computer anfällig für Viren macht. Daher sei es auch erklärbar, dass sich Religionen ebenso wie Sprachen bei allen Menschen in allen Regionen dieser Welt entwickelt haben und Unterschiede hierbei nur deshalb auftreten, weil im Verlaufe der menschlichen Entwicklung immer wieder Zeiten mit einer hinreichenden räumlichen Isolation von Menschengruppen auftraten.

Insofern sieht Dawkins in Religionen keinen echten Selektionsvorteil, vielmehr verschafft die menschliche Psychologie der Religion und deren Praktikern und Nutznießern einen Vorteil. In diesem Sinne hatte Karl Marx vielleicht doch Recht, als er die Religionen das „Opium des Volkes“ nannte.

 

Quelle: Richard Dawkins: What use is religion?, Free Inquiry magazine, Volume 24, Number 5.

 

Ergänzung von Markus: Ich kann Richard Dawkins (allerdings ohne ihn gelesen zu haben)  nicht ganz zustimmen. Meiner Meinung nach haben auch oder gerade heute Gruppen mit tiefer Religiösität durchaus als Gruppe einen selektiven Vorteil. Zum einen schweißt es diese Gruppe oftmals auch über staatliche Grenzen und großen Entfernung enger zusammen. Außerdem führt deren oftmals gelebte Ablehnung von Empfängnisverhütungsmitteln (so lustig dass auch klingt) dazu, dass sie ein größeres Wachstum aufweisen als andere, weniger religiöse  Gruppen.  Und der Extremfall der religiösen Fanatiker führt sogar dazu, dass sie bereit sind Handlungen durchzuführen die andere aus Selbstschutz nie durchführen würden, womit sie in der Lage sind sogar eigentlich stärkere Gruppen stark unter Druck zu setzen. Ob dies nun zu einem wirklichen selektiven Vorteil führt, kann man erst in der Zukunft beurteilen.

 

27.07.2004 um 11:41 Uhr

Kein Hinweis auf Kapitalmarktspekulationen im Zusammenhang mit dem 11. September Attentat auf das World Trade Center

Immer wieder wurde spekuliert, dass Al Quaida sich durch Insidergeschäfte am Kapitalmarkt unter Ausnutzung von Informationen über das geplante Attentat finanzierte.  Jetzt hat der Bericht einer amerikanischen Regierungskommission dieser Verschwörungstheorie den Boden unter den Füßen weggezogen:

There also have been claims that al Qaeda financed itself through manipulation of the stock market based on its advance knowledge of the 9/11 attacks. Exhaustive investigations by the Securities and Exchange Commission, FBI, and other agencies have uncovered no evidence that anyone with advance knowledge of the attacks profited through securities transactions (pp. 171-172)

Footnote: Highly publicized allegations of insider trading in advance of 9/11 generally rest on reports of unusual pre-9/11 trading activity in companies whose stock plummeted after the attacks. Some unusual trading did in fact occur, but each such trade proved to have an innocuous explanation. For example, the volume of put options—investments that pay off only when a stock drops in price—surged in the parent companies of United Airlines on September 6 and American Airlines on September 10—highly suspicious trading on its face.Yet, further investigation has revealed that the trading had no connection with 9/11. A single U.S.-based institutional investor with no conceivable ties to al Qaeda purchased 95 percent of the UAL puts on September 6 as part of a trading strategy that also included buying 115,000 shares of American on September 10. Similarly,much of the seemingly suspicious trading in American on September 10 was traced to a specific U.S.-based options trading newsletter, faxed to its subscribers on Sunday, September 9, which recommended these trades.These examples typify the evidence examined by the investigation. The SEC and the FBI, aided by other agencies and the securities industry, devoted enormous resources to investigating this issue, including securing the cooperation of many foreign governments.These investigators have found that the apparently suspicious consistently proved innocuous (p. 499).

via Mahalanobis

27.07.2004 um 02:17 Uhr

Bleifussprimaten?

Warum sterben 3 mal soviele Männer wie Frauen im Alter von 20-24 aber nur 1,7 mal soviele mit 60? Die Antwort ist Imponiergehabe, die Suche nach Risiken und die Inkaufnahme von Gewalt auf der Suche nach sexuellen Erfolgserlebnissen. Während Frauen traditionell die meiste Last des Aufzugs von Nachkommen tragen und daher Risiken minimieren, haben Männer entwicklungsgeschichtlich eine Fortpflanzungsstrategie gewählt, die darauf abzielt, möglichst viele Frauen für sich zu erwärmen und das wenns sein muß mit Widerstandskraft demonstrierendem Verhalten und Gewalt gegenüber Konkurrenten. Deshalb übertreffen Männer das weibliche Geschlecht in der Häufigkeit von Todesursachen wie Selbstmord, Mord und allen möglichen Arten von Unfällen. Generell gehen Männer sorgloser mit ihrer Gesundheit um, was sich in schlechteren Ernährungsgewohnheiten und einem höherem Konsum von Tabakwaren und Alkohol äußert. Sogar beim Selbstmord wählen Männer die gefährlicheren Methoden und gehen damit gleichzeitig auf "Nummer sicher". Auch sind sie weniger widerstandfähig gegenüber Parasiten und Infektionskrankheiten, für Wissenschaftler der University of Michigan ein Hinweis darauf, dass Männer schlichtweg mehr Energie fürs Balzgehabe, als für das eigene Wohlbefinden und die Verlängerung ihres irdischen Daseins investieren.
Zu dumm, dass sich die Zeiten geändert haben und dieses prähistorische Gehabe ziemlich anachronistisch daherkommt. Oder etwa nicht meine Damen? Immerhin könnte männliche Mäßigung auf das Niveau der Risikopräferenzen ihrer weiblichen Konterparts einer ganzen Menge von Männern das Leben retten. So schätzen die amerikanischen Wissenschaftler, dass jährlich 375000 ihrer Landsmänner weniger ins Gras beißen würden.
 
Quelle: Daniel J. Kruger,  Randolph M. Nesse: Sexual selection and the Male:Female Mortality Ratio, Evolutionary Psychology 2: 66-85.
 

26.07.2004 um 01:35 Uhr

Sonnenflecken und Erderwärmung

Wissenschaftler haben mit Hilfe von Satellitenmessungen weitere Anhaltspunkte für eine Beeinflussung des globalen Klimas durch eine sich verändernde Sonnenaktivität und die Anzahl der Sonnenflecken erhalten. So konnten sie feststellen, dass eine erhöhte Anzahl von Sonnenflecken im Oktober vergangenen Jahres zu einer Reduzierung der solaren Energieabgabe um 0,3 % führte. Gleichzeitig signalisiert die höhere Anzahl an Sonnenflecken eine höhere Sonnenaktivität, erkennbar an den die Flecken umgebenden sehr hellen Bereichen, den sog. "faculae", die die Wirkung der Sonnenflecken überkompensiert.
 

25.07.2004 um 03:13 Uhr

Hinter den Kulissen von Fahrenheit 9/11

Für alle, die es kaum abwarten können den neusten Streich von Europas Medienliebling Michael Moore Fahrenheit 9/11 im Kino bestaunen zu können, um alten Feindbilder genüßlich neuen Glanz zu verleihen, sei diese recht umfängliche Zusammenstellung von Schnitzern und Halbwahrheiten, von denen diese recht unverhohlene Wahlkampfkanone letztlich lebt, empfohlen.
 
 

25.07.2004 um 01:18 Uhr

Eiszeit in Europa durch Klimawandel?

Spätestens seit Emmerichs Katastrophenfilm "The Day after Tomorrow" und dessen politische Instrumentalisierung befürchten viele Zeitgenossen, dass eine Störung der Nordatlantischen Zirkulation (insbes. Thermohaline Zirkulation) Europa alsbald arktische Kälte bescheren wird. Was an dieser These wissenschaftlich von Substanz ist untersucht eine aktuelle Studie des dänischen Instituts für Umweltbewertung, das noch bis vor wenigen Tagen unter der Leitung von Björn Lomborg, Autor von "Apocalypse No!" und damit Haßfigur der europäischen Umweltbewegung, stand.

Die Studie gibt einen recht ausführlichen Überblick über den Stand der Forschung im Zusammenhang mit möglichen Wechselwirkungen zwischen globalen Klimaveränderungen, deren Einfluß auf die antlantischen Meeresströmungen und die damit verbundenen klimatischen Konsequenzen für Europa. Dabei ist gegenwärtig davon auszugehen, dass Klimaveränderungen nur zu einer graduellen Reduzierung der Meereszirkulation führen dürften und damit eher zu einer Verlangsamung der erwarteten Klimaerwärmung Nordeuropas führen werden.  Zwar kann das Risiko einer abrupten Änderung der Nordatlantischen Zirkulation nicht völlig ausgeschlossen werden, doch weisen aktuelle Forschungsergebnisse darauf hin, dass unter den Bedingungen eines zukünftig wärmeren Klimas die Konequenzen eines Kollapses der Nordatlantischen Zirkulation geringer sind als in kälteren Phasen der globalen Klimageschichte. Der bislang relativ ungesicherte Wissensstand gibt mit Sicherheit keinerlei Anlaß zur Panikmache a la Emmerich oder Trittin.

 

24.07.2004 um 10:25 Uhr

Will Frankenfood Save the Planet?

Over the next half century genetic engineering could feed humanity and solve a raft of environmental ills—if only environmentalists would let it

Mit dieser für europäische Leser ketzerischen These beginnt ein interessanter Artikel in The Antlantic Online, der den Kern der Kontroverse um konventionelle, ökologische und Gentechnik einsetzende Landwirtschaft sehr gut auf den Punkt bringt:

Farming does not go easy on the earth, and never has. To farm is to make war upon millions of plants (weeds, so-called) and animals (pests, so-called) that in the ordinary course of things would crowd out or eat or infest whatever it is a farmer is growing. Crop monocultures, as whole fields of only wheat or corn or any other single plant are called, make poor habitat and are vulnerable to disease and disaster. Although fertilizer runs off and pollutes water, farming without fertilizer will deplete and eventually exhaust the soil. Pesticides can harm the health of human beings and kill desirable or harmless bugs along with pests. Irrigation leaves behind trace elements that can accumulate and poison the soil. And on and on.

 The trade-offs are fundamental. Organic farming, for example, uses no artificial fertilizer, but it does use a lot of manure, which can pollute water and contaminate food. Traditional farmers may use less herbicide, but they also do more ploughing, with all the ensuing environmental complications. Low-input agriculture uses fewer chemicals but more land. The point is not that farming is an environmental crime—it is not—but that there is no escaping the pressure it puts on the planet.

 

23.07.2004 um 06:53 Uhr

Sind die Emanzipation der Frau und freie Märkte miteinander korrelliert?

Das zumindest zeigt eine Grafik von Alex Tabarrok auf Marginal Revolution.
 
 

22.07.2004 um 15:27 Uhr

Alkoflot

Eine verkehrte Welt durften Passagiere eines Aeroflot-Inlandfluges kürzlich über sich ergehen lassen. In diesem Fall waren es nicht betrunkene Fluggäste die das Bordpersonal terrorisierten, sondern umgekehrt, zwei alkoholisierte Besatzungsmitglieder versahen ihren Dienst so intensiv, dass einer der Passagiere die Maschine mit einem blauen Auge verließ.
 
 
Persönlich jagt mir diese Geschichte einen kleinen Schauer über den Rücken, habe ich doch Anfang August das Vergnügen, einen ähnlich Flug von Moskau nach Novosibirsk mit selbiger Airline absolvieren zu dürfen. Das Beste wird wohl sein, der Crew zuvorzukommen und das Unbehagen mit einem Wasserglas voll Wodga wegzuspülen.
 
 

22.07.2004 um 10:02 Uhr

Google um 1960

... so jedenfalls hätte ein Suchformular vor 35 Jahren ausgesehen.



Via Newmark's Door

22.07.2004 um 09:38 Uhr

Frauenmangel als Ursache gesellschaftlicher Konflikte

Die amerikanischen Politikwissenschaftler Valerie M. Hudson und Andrea M. Den Boer diskutieren in einem Beitrag in der Washington Times die gesellschaftlichen Probleme, die ein Mangel an Frauen und der daraus folgenden Konflikte zwischen Männern um ausreichende Gelegenheiten zur Maximierung des Fortpflanzungserfolgs hervorrufen können:

If tens of millions of your society's young men were unable to find wives, would you be concerned? This is the troubling scenario that China and India must now face.
...
When a society prefers sons to daughters to the extent found in parts of contemporary Asia, it not only will have fewer daughters, but it also will create a subclass of young men who are apt to have difficulty finding wives and beginning their own families. Because son preference has been a significant phenomenon in Asia for centuries, the Chinese actually have a term for such young men. They are called guang gun-er or "bare branches," because they are branches of the family tree that will never bear fruit. The girls who should have grown up to be their wives were disposed of instead.


We have already seen in China the resurrection of evils such as the kidnapping and selling of women to provide brides for those who can pay the fee. Scarcity of women leads to a situation in which men with advantages -- money, skills, education -- will marry, but men without such advantages -- poor, unskilled, illiterate -- will not. A permanent subclass of bare branches from the lowest socioeconomic classes is created. In China and India, for example, by the year 2020 bare branches will make up 12 to 15 percent of the young adult male population.

Should the leaders of these nations be worried? The answer is yes. Throughout history, bare branches in East and South Asia have played a role in aggravating societal instability, violent crime and gang formation.
...
More recently, Indian scholars have noted a very strong relationship between sex ratios and violent crime rates in Indian states, which persists even after controlling for a variety of other possible variables. And worldwide, more violent crime is committed by unmarried young adult men than by married young adult men.

According to sociologists, young adult men with no stake in society -- of the lowest socioeconomic classes and with little chance of forming families of their own -- are much more prone to attempt to improve their situation through violent and criminal behavior in a strategy of coalitional aggression with other bare branches.

Parapundit diskutiert diesbezüglich auch mögliche Zusammenhänge zwischen polygamen Gesellschaften, Demokratiedefiziten und Terrorismus.

 

21.07.2004 um 11:48 Uhr

Wie haben sich unsere Vorfahren vor Krebs geschützt?

Sie haben weniger geraucht, weniger gegessen und sind vor allem "rechtzeitig" an anderen Krankheiten gestorben...



21.07.2004 um 06:31 Uhr

Gesundheitssysteme reformbedürftig

Die Finanzierung der Gesundheitsysteme der Industriestaaten wirft immer mehr Probleme auf. Bereits heute wenden viele Staaten erhebliche Anteile ihres Volkseinkommens für  Gesundheitsdienstleistungen auf.
 
 
Doch sind steigende Gesundheitskosten nur dann ein Problem, wenn die Mehrkosten von Gesundheitsleistungen nicht durch einen zusätzlichen Nutzen kompensiert werden. Neue Medikamente und fortschrittliche Behandlungsmethoden haben in den vergangenen Jahren erheblich zur Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung beigetragen. Dennoch läßt das Preis-Leistungsverhältnis vieler Gesundheitssysteme  nach Ansicht der OECD zu wünschen übrig. Qualitätsmängel in der Gesundheitsversorgung - wie z.B. Erbringung von medizinisch nicht indizierten Leistungen, Nichtverordnung indizierter Behandlungsleistungen und ungenügende bzw. fehlerhafte Behandlungen - haben unnötige Todesfälle, Invalidität und sonstige Gesundheitsschäden zur Folge und erhöhen die Kosten. In vielen Ländern bestehen Disparitäten beim Gesundheitszustand und beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, bedingt durch Armut oder soziale Ausgrenzung.
Maßnahmen auf der Seite der Nachfrager nach Gesundheitsleistungen wie moderate Zuzahlungen oder private Zusatzversicherungen, die zu einem besseren Kostenbewußtsein der Patienten führen, können sinnvoll sein, sind jedoch kein Patentrezept, insbesondere dann nicht, wenn sie zur Ausgrenzung sozial schwacher Bevölkerungsgruppen führen. Wirkliche Entlastungen sind allein durch angebotsseitige Maßnahmen möglich, Gesundheitsdienstlern Anreize geben, die Effizienz der medizinischen Leistungen zu vergrößern. Folgende Handlungsfelder werden dabei von Autoren des OECD-Berichts "Auf dem Weg zu leistungsstarken Gesundheitssystemen" hervorgehoben:
  • Anwendung von ökonomischen Anreizen, die eine kosteneffiziente Gesundheitsversorgung begünstigen. So sollten z.B. Vergütungssysteme für Ärzte Anreize zur Erbringung der richtigen Leistung im richtigen Moment bieten und jene Anbieter von Gesundheitsleistungen belohnen, die zur Verbesserung der Gesundheit ihrer Patienten beitragen. Hilfreich wären auch Anreize wie z.B. die Anwendung von Preissystemen für Arzneimittel und sonstige Maßnahmen, die die Patienten zu einer kosteneffizienten Auswahl von Medikamenten und Behandlungen bewegen. Dem wäre hinzuzufügen, dass aber auch solche gesetzlichen Regelungen auf den Prüfstand gestellt werden sollten, die zur vermeindlichen Sicherheits- oder Wettbewerbskontrolle unnötige Gesundheitsausgaben hervorrufen. Nicht einsichtig ist etwa die Kaufpflicht von Gehhilfen, ungeachtet dessen, ob eine Nutzung nur wenige Tage oder über lange Zeiträume notwendig ist. Ebenso sollten die wettbewerbsmindernden Festpreissysteme, die zu einer Zwangskartellisierung von Ärzten und anderen Gesundheitsdienstleistern führen, auf den Prüfstand gestellt werden. Bessere Anreizsysteme sind eine essentielle Voraussetzung für folgende Verbesserungen von Gesundheitsmanagement und Behandlungsmethoden.
  • Die Behebung von Qualitätsmängeln in der Gesundheitsversorgung erfordert zwar zunächst einiges an Investitionen, führt jedoch auf lange Sicht zu Einsparungen. Einfache Praktiken wie z.B. darauf achten, dass Herzinfarktpatienten täglich ein Aspirin einnehmen, um das Risiko eines weiteren Herzinfarkts zu vermindern, können sogar kurzfristig die Kosten reduzieren.
  • Eine Steigerung der Produktivität oder eine Ausweitung der chirurgischen Kapazitäten in Krankenhäusern kann dazu beitragen, die Wartezeiten zu verringern, ist gewöhnlich aber auch mit zusätzlichen Kosten verbunden. Wenn ein chirurgischer Eingriff als gerechtfertigt beurteilt wird, können die Wartezeiten auch durch ein besseres Management der Wartelisten verkürzt werden.
  • Schließlich können technische Neuerungen Kostenentlastungen und Qualitätsverbesserungen erzeugen. Investitionen in elektronische Gesundheitsinformationssysteme einschließlich der Einführung elektronischer Patientenakten mit individuellen Informationen über Gesundheitszustand und bisheriger Behandlung sowie von elektronischen Systemen für die Bearbeitung von Rezepten in Krankenhäusern. Bessere Systeme zur Erfassung und Verfolgung von Daten über die Patienten, ihren Gesundheitszustand und ihre medizinische Versorgung sind von entscheidender Bedeutung, wenn wirklich signifikante Forschritte bei der Versorgungsqualität erzielt werden sollen.
 

20.07.2004 um 12:27 Uhr

Sonne, Sonne scheine ...

Ein deutsch-schweizerisches Forschungsteam unter der Leitung des Direktors des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung Sami Solanki kommt in einem aktuellen Gutachten (Bericht im Telegraph) zu dem Ergebnis, dass die Zunahme der Sonnenaktivitäten einen erheblichen Anteil an der in der Vergangenheit gemessenen Erhöhung der globalen Durchschnittstemperaturen hat:

Dr Sami Solanki, the director of the renowned Max Planck Institute for Solar System Research in Gottingen, Germany, who led the research, said: "The Sun has been at its strongest over the past 60 years and may now be affecting global temperatures.

"The Sun is in a changed state. It is brighter than it was a few hundred years ago and this brightening started relatively recently - in the last 100 to 150 years."

Dr Solanki said that the brighter Sun and higher levels of "greenhouse gases", such as carbon dioxide, both contributed to the change in the Earth's temperature but it was impossible to say which had the greater impact.

...

To determine the Sun's role in global warming, Dr Solanki's research team measured magnetic zones on the Sun's surface known as sunspots, which are believed to intensify the Sun's energy output.

The team studied sunspot data going back several hundred years. They found that a dearth of sunspots signalled a cold period - which could last up to 50 years - but that over the past century their numbers had increased as the Earth's climate grew steadily warmer. The scientists also compared data from ice samples collected during an expedition to Greenland in 1991. The most recent samples contained the lowest recorded levels of beryllium 10 for more than 1,000 years. Beryllium 10 is a particle created by cosmic rays that decreases in the Earth's atmosphere as the magnetic energy from the Sun increases. Scientists can currently trace beryllium 10 levels back 1,150 years.

Dr Solanki does not know what is causing the Sun to burn brighter now or how long this cycle would last.

He says that the increased solar brightness over the past 20 years has not been enough to cause the observed climate changes but believes that the impact of more intense sunshine on the ozone layer and on cloud cover could be affecting the climate more than the sunlight itself.