Mit dem Kopf voran

31.01.2005 um 00:36 Uhr

Zuckerbrot und Peitsche

Zwischen 1993 und 2000 konnte Dänemark seine Arbeitslosigkeit von 11% auf 5% reduzieren. Dem voran ging eine Arbeitsmarktreform, die durch zeitliche Befristungen der Arbeitslosenunterstützung, eine Zahlungsobergrenze der wöchentlichen Zahlungen (500$) sowie Verpflichtungen zur Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen und zur aktiven Arbeitssuche strikte Anreize zur Erhöhung des Arbeitsangebots setzte. Im Unterschied zu Deutschland wurde diese Reform von allen Seiten des politischen Spektrums unterstützt. Jacob Kirkegaard in A Danish Lesson for Germany :
 
Surprisingly to many perhaps, the benefits themselves were not cut. Rather, they remain at a very generous 90% of previously earned wages — an OECD high.

However, Danish unemployment benefits are capped at a maximum of about $500 (Dkr 3,203) per week. This means that people with higher wages who become unemployed do not get anywhere near 90% of previously earned wages.

In other words, the system favors lower income individuals and thus strongly reflects the egalitarian norm in Danish society.

...
 
Fortunately, there is a solid consensus in Denmark that receiving generous benefits requires the active participation of the unemployed — he or she has to pull their weight, too. If not, the unemployed can be punished by the public administrator for a violation of the society’s spirit of meaningful solidarity.
 
In other words, laziness can be punished — and since the sanction is highly credible, if provides an effective incentive to changing the behavior of the unemployed.

They know that if they do not participate in training and are available to take the jobs offered to them, their benefits will be immediately cut.

So the lesson from Denmark to neighboring Germany and all the other high-unemployment countries in the EU is this: A welfare state need not be dismantled to provide the right incentives for its beneficiaries — but it does need a big and credible stick.

29.01.2005 um 10:45 Uhr

Wie unsonzial sind Studiengebühren?

Mitte dieser Woche hat das Bundesverfassungsgericht das Verbot von Studiengebühren in Deutschland für verfassungswidrig erklärt (Spiegel-Online). Bereits im Vorab war der Sturm der Entrüstung unter den Studenten über  diese vermeintliche soziale Katastrophe nicht zu übersehen. Auch Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hatte davor gewarnt, mit Studiengebühren eine neue Hürde für den Hochschulzugang für junge Menschen aus sozial schwachen Familien zu errichten. Auf den ersten Blick eine plausible Befürchtung. Doch was sagt die Realität im internationalen Vergleich?
Um etwas Licht in den Schatten dieser Frage zu bringen, halte ich mich an der üppigen Sammlung statistischer Daten des neuen Buchs von Olaf Gersemann Amerikanische Verhältnisse schadlos. Deutschland hat ein Problem mit der Finanzierung seiner Bildung. Im Jahr 2000 gab der deutsche Staat lediglich 1 % des Brutto-Nationaleinkommens für seine Universitäten aus, etwa so viel wie Frankreich (1,1 %) und nur wenig mehr als Italien (0,9 %). Die USA, immer wieder als Beleg für die soziale Schieflage eines mit Studiengebühren finanzierten universitären Bildungssystems gebrandmarkt, geben dagegen 2,7 % ihres Volkseinkommens für ihre Studenten aus. Pro Student geben sie mehr als das Doppelte (16982 $ in Kaufkraftparitäten) als die Deutschen (6634 $) aus.  Ganz klar, der überwiegende Teil geht nicht erst über Steuern in die Hände von "Vater Staat", um dann wie mit der Gießkanne über die unübersichtliche Zahl von begierig trinkenden "Ausgabentöpfen" gegossen zu werden, wovon dann zufällig ein paar Tropfen bei den Unis hängen bleiben, sondern wird von den privaten Haushalten genau dort abgeliefert wo er eigentlich hin soll, in den Universitäten.
Gut, so lautet der häufige Einwand, so etwas können sich nur die Reichen leisten. Wie sieht es damit aus? Laut Gersemanns Statistiken war jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Amerikaner des untersten Fünftel der amerikanischen Einkommen die Uni begann im Jahr 2002 größer, als die eines Deutschen aus einer Familie mit dem deutschen Durchschnittseinkommen. Lediglich 13 % der deutschen Studenten haben ihre Wurzeln in der Arbeiterklasse.
Schließlich die Frage nach der Gerechtigkeit. Wer zahlt eigentlich der Deutschen universitäre Ausbildung? Laut einer Studie des Erlanger Wirrtschaftsprofessors Karl-Dieter-Grüske zahlen diejenigen Steuerzahler, die keine einzige Vorlesung als Student erlebt haben, bis zu 90 % der gesamten Kosten der universitären Bildung. Damit ist das ach so soziale staatsfinanzierte Unisystem in diesem Lande, eine gigantische Umverteilungsmaschine aus den Taschen der Nicht-Akademiker in die Geldbeutel unserer Bildungselite.
Vor diesem Hintergrund sollte es weniger um das Für und Wider von Studiengebühren gehen, sondern vielmehr darum, dass diese in Zukunft wirklich dort hingehen wo sie ankommen sollen. Da gibt es in der Tat noch einiges zu tun.

29.01.2005 um 02:02 Uhr

Die "Bevölkerungsbombe": Katastrophe oder Knallfrosch ?

Paul Ehrlich, Professor of Population Studies, Department of Biological Sciences, Stanford University und Autor des Buches The Population Bomb, seit Jahrzehnten Verfechter der pessimistischen These des selbstzerstörerischen Wachstums von Bevölkerung und Konsum der Menschheit liefert sich auf Uncommon Knowledge ein interessantes Streitgespräch mit Steven Hayward, Senior Fellow, Pacific Research Institute, einem Vertreter einer empirisch nicht unbegründeten, eher optimistischen Sichtweise auf die Konsequenzen von Bevölkerungswachstum und Konsum für unsere natürlichen Lebensgrundlagen.

26.01.2005 um 00:00 Uhr

Gibt es ein Gen für Nächstenliebe?

Ein israelisches Psychologen-Team meint jedenfalls ein Gen auf dem Chromosom Nr. 11 gefunden zu haben, dass Nächstenliebe fördert. Viel faszinierender noch ist die Frage, wie sich ein Gen, dass nicht egoistisches, sondern selbstloses Verhalten befördert, in der Evolution behaupten kann?
Hierzu (und zu anderen vermeintlichen Widersprüchen zwischen Nächstenliebe und Darwinismus) Robert Wright und Randy Cohen in einem Beitrag im Slate-Magazine:
 
Thanks to the biologist William Hamilton, it is now clear why people feel brotherly love in the literal sense--and sisterly love, maternal love, and paternal love. It's all due to the operation of "kin selection" during evolution. A greatly oversimplified textbook example: Two million years ago, two hominids, Loveless Bob and Loving Bob, stand on two different riverbanks, in identical situations. Each is watching his full sibling Bill drown. Loving Bob has a gene inclining him to love his brother and thus jump in the raging river, even though his risk of dying is 10 percent. Loveless Bob has no such gene, and thus stands on the bank wondering whether his brother's corpse will attract any large, edible fish. Which Bob's genes will survive the Darwinian reaper--genes for love or for cold indifference?

Love triumphs. True, there's a one-in-10 chance that the love gene will sink along with Loving Bob. But consider the upside. There's a one-in-two chance that Bob's full sibling Bill has the same gene and, thus, that a successful rescue mission will pluck an otherwise doomed copy of the gene from the dustbin of history. Do the math, and you'll see that, over time, Loving Bobs send more genes to posterity than Loveless Bobs. As love genes spread at the expense of indifference genes, Loveless Bobs slowly become extinct. Die, selfish scum! Genes for sibling love come to permeate our species--as, in fact, they now do. So do genes for maternal love and paternal love. All brought to you by kin selection.

Via Marginal Revolution.

21.01.2005 um 07:16 Uhr

Trouble wegen Zweifeln an wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit eines IPCC-Mitglieds

Ob die wissenschaftliche Befangenheit von Mitgliedern des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) durch die Amtsniederlegung von Chris Landsea, Wissenschaftler am NOAA's Atlantic Oceanographic and Meteorological Laboratory, endlich in die Schlagzeilen kommt, ist noch offen. Jedenfalls begründet der Wissenschaftler, Experte für die Erforschung des Zusammenhangs von Klimawandel und Wirbelstürmen, in einem offenen Brief  seinen Ausstieg aus dem internationalen Wissenschaftlergremimium mit seiner Enttäuschung über öffentliche Äußerungen eines federführenden Autors, die nicht mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Forscher im Einklang stehen:
 
"I personally cannot in good faith continue to contribute to a process that I view as both being motivated by pre-conceived agendas and being scientifically unsound. "

20.01.2005 um 23:59 Uhr

Eifersucht und Geschlechterdifferenzen

Bielefelder Psychologen haben die evolutionspsychologische These, das Frauen stärker auf emotionale Untreue und Männer stärker auf sexuelle Untreue mit Eifersucht reagieren, in einem Experiment mit weiblichen und männlichen Probanden getestet. Die Ergebnisse des Tests, bei dem die Zeit für die Entscheidung, welcher Aspekt der Untreue (emotional oder sexuell) eher abgelehnt wird, gemessen wurde, bestätigen diese These. Die Männer benötigten weniger Zeit, sich über die sexuelle Komponente eines  Seitensprung aufzuregen, als über die damit verbundene emotionale Untreue. Frauen dagegen reagierten genau umgekehrt.

Mean decision times for women and men selecting emotional or sexual infidelity as eliciting more intense jealousy.

Evolutionspsychologen meinen, dass Frauen eher auf emotionale Untreue eifersüchtig reagieren, weil bei Seitensprüngen mit emotionaler Untreue die Gefahr des Verlust des Ernährers der Familie größer ist als bei rein sexueller Untreue. Umgekehrt reagieren Männer eher auf sexuelle Seitensprünge ihrer Partnerinnen allergisch, da hier die Gefahr, ein "Kuckucksei" ins Nest gelegt zu bekommen, besonders groß ist. 

19.01.2005 um 14:38 Uhr

Gesundheitssysteme im Vergleich

Gefunden im Cato Letter, Winter 2005:

"Among women who are diagnosed with breast cancer, only one fifth die in the United States, compared to one third in France and Germany, and almost half in the United Kingdom and New Zealand. Among men who are diagnosed with prostate cancer, fewer than one fifth die in the United States, compared to one fourth in Canada, almost half in France, and more than half in the United Kingdom."

Via Techcentralstation.

18.01.2005 um 14:28 Uhr

Zivilcourage

Ein erstes visuelles Zeichen des Widerstands gegen die kommunistischen Machthaber in Nordkorea. Das läßt hoffen...

"The first known visual evidence of dissent within the world's most secretive state emerged yesterday when video footage taken in a North Korean factory showed a portrait of the dictator, Kim Jong-il, defaced with graffiti demanding freedom and democracy.

The 35-minute video clip, said to have been taken in November, was posted on the website of an opposition group based in South Korea. It shows a poster of Kim scrawled over with the words: "Down with Kim Jong-il. Let's all rise to drive out the dictatorial regime.'' (mehr hier)

Via Instapundit.

17.01.2005 um 22:41 Uhr

Hilfe für Tsunami-Opfer

Was Will Willkinson im Reason-Magazine als gute Methode der Flutopferhilfe ausmacht, würde auch der deutschen Einwanderungspolitik gut zu Gesicht stehen:
 
How can the United States best help the millions of people who were rocked by the Indian Ocean tsunami? America's generosity has been impressive. The federal government has pledged $350 million; private, voluntary donations from Americans will soon surpass that amount. American helicopters and aid workers have been critical for rendering aid in the aftermath of the disaster. All this will help.

But there is something more we can do that will have long-term positive benefits for the citizens of tsunami-battered nations—something that will buy us goodwill but cost us almost nothing.

Let them work in the U.S.

When migrants earn money while working abroad and then send it back to their families living in their home country, it's called a remittance. Not many people know that total remittances around the world now add up to $80 billion a year. That's impressive because it's twice the amount of government foreign aid.

Via Marginal Revolution.

14.01.2005 um 18:57 Uhr

Das Trugbild des Exportweltmeisters

Johann Eekhoff, Ökonomie-Professor an der Uni Köln, im Handelsblatt über die trügerischen Vorteile eines Exportüberschusses: 

Wenn gravierende Beschäftigungsprobleme im Inland bestehen, hilft es nicht, auf hohe Exportüberschüsse und auf den starken Euro und damit auf eine vermeintliche Wettbewerbsfähigkeit zu verweisen. Denn insbesondere Exportüberschüsse können ein Indikator für wirtschaftliche Schwierigkeiten sein. Eine zu starke Regulierung, zu hohe Steuern und Abgaben gemessen an den staatlichen Leistungen, zu hohe Löhne und Lohnzusatzkosten, zu hohe Energiekosten usw. können nicht nur gleichzeitig mit hohen Exportüberschüssen auftreten; sie können die Ursache der Exportüberschüsse sein, aber im negativen Sinne, nämlich als Kapitalflucht. Deshalb sollte sich niemand an das schöne Bild des Exportweltmeisters klammern, sondern beharrlich dafür eintreten, die Produktions- und Beschäftigungsbedingungen im eigenen Land zu verbessern, um mobiles Risikokapitel anzuziehen.

13.01.2005 um 09:28 Uhr

Naturgewalten

Nature hat einen eindrucksvollen Artikel über die Kraft der seismischen Aktivitäten, die den Tsunami in Südostasien verursacht haben.

12.01.2005 um 14:16 Uhr

Das "Gott"-Gen

Gibt es eine genetische Prägung für Religiösität? Der Molekulargenetiker Dean Hamer versucht dieser Frage in seinem neuen Buch THE GOD GENE How Faith Is Hard-Wired Into Our Genes nachzugehen. Hier ein interessantes Review im International Harald Tribune:

Dean Hamer, a molecular geneticist, argues persuasively that genes predispose humans to believe that "spirituality is one of our basic human inheritances," and that, indeed, there is a specific individual gene associated with faith. "I propose," he writes, "that spirituality has a biological mechanism akin to birdsong, albeit a far more complex and nuanced one."

Genes, Hamer adds, do not tell the whole story. Humans' genetic predisposition for spiritual belief is expressed in response to personal experience and the cultural environment, and it is shaped by them. But the genes, he says, "act by influencing the brain's capability for various types and forms of consciousness, which become the basis for spiritual experiences."

In other words, an inclination toward religious faith is no accident. What captured Hamer's attention was a gene, called VMAT2, that controls the flow of mood-regulating chemicals called monoamines in the brain. Crucial to making the connection was a scale called "self-transcendence," which, the author writes, "provides a numerical measure of people's capacity to reach out beyond themselves - to see everything in the world as part of one great totality."

 

09.01.2005 um 08:34 Uhr

Das Kartell der guten Absichten

Hilfe für die Opfer der Tsunami-Katastrophe in Südostasien ist dringend notwendig, doch weist dieser Artikel von William Easterly im  Foreign Policy Magazine darauf hin, dass die üblichen Kanäle der staatlichen Entwicklungshilfe mit Argwohn zu betrachten sind:
 
While aid advocates have been effective in increasing aid flows (if all foreign aid given since 1950 had been invested in US Treasury Bills, the cumulative assets of poor countries by 2001 would have amounted to $2.3 trillion), the goal of increased living standards and reduced poverty in the typical poor country has not been attained. In response (and fitting in with the campaign to estimate aid requirements of achieving certain goals) aid agencies have tended to redefine their mission as being more one of disbursing money than achieving economic development. Thus, such aid agencies have established a tradition of focusing on the volume rather than the effectiveness of aid.
 
 
 

08.01.2005 um 07:44 Uhr

Ironie des Zufalls

Gerade hat Randolph Nesse, Psychatrie-Professor von der University of Michigan, auf die Frage "Woran glauben sie, auch wenn sie es nicht beweisen können?" gemeint, dass er glaubt, das Menschen einen selektiven Vorteil gerade daraus erlangen, dass sie an Dinge glauben, die sie nicht beweisen können, folgt in der Liste der befragten Wissenschaftler die Antwort des  Biologen und Klimaforschers Stephen Schneider, er glaube an einen Anteil des Menschen am Treibhauseffekt von mindestens 50 %. Auch er kann das nicht mit hinreichender Sicherheit belegen (Welche absurden Ausmaße dieser Glaube haben kann, zeigen jüngste Behauptungen nach denen auch die jüngste Tsunami-Katastrophe schon mit dem vom Menschen verursachten Treibhauseffekt in Zusammenhang steht.). Jenseits dieser Kuriosität sehr interessante Antworten von 120 Wissenschaftlern auf diese wichtige Frage.
 
Entdeckt über Marginal Revolution.  

07.01.2005 um 08:10 Uhr

Preistheorie für die Praxis

Ein Softwareentwickler erklärt wie man den profitmaximale Preis für eine Software herausbekommt und warum man dabei und vor allem wie möglichst jedem Kunden einen Preis auf den Leib schneidert. Hier erfährt man, warum Microsoft statt einer einheitlichen Version, die beiden nahezu identischen Betriebssystemvarianten Windows XP Home Edition und Windows XP Pro verkauft. Und wenn ich morgen die Heimreise nach Deutschland antrete, werde ich sehen, wie einfach es ist, dem Business-Fluggast ein wenig mehr Beinfreiheit und etwas weniger pappige Brötchen für den doppelten Flugpreis zu verkaufen...
 

06.01.2005 um 07:46 Uhr

Religiösität und Wirtschaftswachstum

Passend zu meinem Auffenthalt in Boston ein Nachtrag zum Thema Religion und Ökonomie, einem Steckenpferd des Harvard-Ökonoms Robert Barro. Hier ein zwar bereits etwas betagtes, doch nach wie vor lesenswertes Interview mit ihm in der FAZ.

05.01.2005 um 07:39 Uhr

Wirtschaftliche Freiheit: Rang 18 für Deutschland

Die Heritage Foundation hat soeben den Economic Freedom Index des Jahres 2005 veröffentlicht. Deutschland, bekannt für seine regulierungsfreudigen Politiker, kann leider nur den Status "größtenteils frei" für sich verbuchen und fällt damit im Index hinter die Spitzenreiter Hong Kong, Singapore und Luxemburg sowie einige andere EU-Mitgliedstaaten zurück. Estland hat offenbar als einziges ehemaliges Ostblockland aus dem planwirtschaftlichen Desaster der Vergangenheit gelernt und liegt heute auf Platz vier, was mit Sicherheit zu dem erstaunlichen Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre beigetragen hat. Offenbar kann die mangelhafte wirtschaftspolitische Flexibilität nicht ausschließlich auf die externen Zwänge der EU-Mitgliedschaft geschoben werden.

04.01.2005 um 06:46 Uhr

Bildung: Eine Staatsaufgabe hinterfragt

David Friedman, amerikanischer Ökonomieprofessor und Autor des fabelhaften Buches Der ökonomische Code, setzt sich in dem Artikel The Weak Case for Public Schooling kritisch mit den weitverbreiteten Argumenten für eine staatliche Bildungsfinanzierung und -organisation auseinander und kommt zu der Schlußfolgerung, dass weder das Argument positiver externer Effekte, die Unfähigkeit der Eltern und Schüler das richtige Maß an Bildung zu wählen, das Versagen der Märkte bei der Bildungsfinanzierung, noch egalitäre Argumente des Zugangs zu Bildung wirklich überzeugen können:
 
It is often said that Adam Smith, despite his general belief in Laissez-faire, made an exception for education. That is not entirely true. In the course of a lengthy and interesting discussion, Smith argues both that education is a legitimate government function, at least in some societies, and that it is a function which governments perform very badly. His conclusion is that while it is legitimate for government to subsidize education, it may be more prudent to leave education entirely private.

My purpose in this essay is to argue that Smith'’s conjecture was correct. While government schooling, free and compulsory, is at present nearly universal in developed societies, the case for it is unconvincing. There are arguments for government provision of schooling, as there are arguments for government provision of any good or service, but the arguments in favor are weaker, and the arguments against stronger, than the corresponding arguments for other goods and services that we routinely leave to the private market.

Via Mahalanobis.

03.01.2005 um 08:34 Uhr

Die Kraft der Produktivität

Der McKinsey-Ökonom William W. Lewis hat eine Reihe von empirischen Studien des McKinsey Global Institutes in seinem neuen Buch The Power of Productivity zusammengefasst. Einige wichtige Ergebnisse sind auf der Verlagsseite des Buches abgedruckt:
  • Nicht nur ungeeignete makroökonomische Rahmenbedingungen  eines Landes, die die Flexibilität von Arbeits- und Kapitalmärkten behindern sind die Ursache von mangelhafter wirtschaftlicher Entwicklung, sondern auch falsche sektorspezifische Politiken, mit denen der Wettbewerb innerhalb der einzelnen Produktmärkte behindert wird. Flexible Wechselkurse, niedrige Inflationsraten und niedrige Staatsverschuldung allein sind kein wirtschaftspolitisches Erfolgsrezept.
  • Die Ausbildung wird häufig als Schlüsselfaktor für die Arbeitsproduktivität überschätzt. Fehlen die Bedingungen, die einen Einsatz gut ausgebildeter Arbeitskräfte lohnend machen, nutzt auch eine gute institutionelle Bildungsinfrastruktur wenig.
  • Wirtschaftlich unterentwickelte Länder müssen attraktive Rahmenbedingungen für den Einsatz ausländischen Kapitals schaffen. Allein die Forderung nach mehr ausländischem Kapital reicht nicht aus. Es muß auch profitabel einsetzbar sein.
  • Am Markt vorbei erzwungene Maßnahmen zur Verbesserung der Situation einheimischer Unternehmen und Arbeiter erreichen in der Regel eher das Gegenteil. Einfuhrzölle, Subventionen für klein- und mittelständische Unternehmen, Maßnahmen gegen Entlassungen und Mindestlöhne verzerren die Märkte und reduzieren die Produktivität der Produktionsfaktoren, was die wirtschaftliche und damit auch die soziale Entwicklung verlangsamt und Arbeitslosigkeit erzeugt.
  • Der Staat und dessen politische Eliten sind häufig eher die Ursache, als die Lösung wirtschaftlicher Probleme. Steuern und die politische Manipulation von Güter- und Finanzmärkten wirken Produktivitäts- und damit wachstumshemmend. Politische und wirtschaftliche Eliten sind in der Regel eher eigennutz-, als gemeinnutzorientiert.
  • Die Produktion von Gütern und Dienstleistungen ist kein Selbstzweck, sondern dient der Befriedigung von Konsumenteninteressen. Die staatliche Förderung von Produktionszweigen die am Markt vorbei produzieren verkennt diesen Zweck und kann daher höchstens kurzfristig die Partikularinteressen der produzenten zu Lasten der Konsumenten bedienen.
Eine außerordentlich lohnende Lektüre.

01.01.2005 um 00:01 Uhr

Einen guten Rutsch ins neue Jahr...

... fuer alle treuen Leser dieses Webblogs wuenscht der momentan etwas schreibfaule Autor aus seinem kanadischen Urlaubsdomizil Quebec.