Mit dem Kopf voran

03.01.2005 um 08:34 Uhr

Die Kraft der Produktivität

Der McKinsey-Ökonom William W. Lewis hat eine Reihe von empirischen Studien des McKinsey Global Institutes in seinem neuen Buch The Power of Productivity zusammengefasst. Einige wichtige Ergebnisse sind auf der Verlagsseite des Buches abgedruckt:
  • Nicht nur ungeeignete makroökonomische Rahmenbedingungen  eines Landes, die die Flexibilität von Arbeits- und Kapitalmärkten behindern sind die Ursache von mangelhafter wirtschaftlicher Entwicklung, sondern auch falsche sektorspezifische Politiken, mit denen der Wettbewerb innerhalb der einzelnen Produktmärkte behindert wird. Flexible Wechselkurse, niedrige Inflationsraten und niedrige Staatsverschuldung allein sind kein wirtschaftspolitisches Erfolgsrezept.
  • Die Ausbildung wird häufig als Schlüsselfaktor für die Arbeitsproduktivität überschätzt. Fehlen die Bedingungen, die einen Einsatz gut ausgebildeter Arbeitskräfte lohnend machen, nutzt auch eine gute institutionelle Bildungsinfrastruktur wenig.
  • Wirtschaftlich unterentwickelte Länder müssen attraktive Rahmenbedingungen für den Einsatz ausländischen Kapitals schaffen. Allein die Forderung nach mehr ausländischem Kapital reicht nicht aus. Es muß auch profitabel einsetzbar sein.
  • Am Markt vorbei erzwungene Maßnahmen zur Verbesserung der Situation einheimischer Unternehmen und Arbeiter erreichen in der Regel eher das Gegenteil. Einfuhrzölle, Subventionen für klein- und mittelständische Unternehmen, Maßnahmen gegen Entlassungen und Mindestlöhne verzerren die Märkte und reduzieren die Produktivität der Produktionsfaktoren, was die wirtschaftliche und damit auch die soziale Entwicklung verlangsamt und Arbeitslosigkeit erzeugt.
  • Der Staat und dessen politische Eliten sind häufig eher die Ursache, als die Lösung wirtschaftlicher Probleme. Steuern und die politische Manipulation von Güter- und Finanzmärkten wirken Produktivitäts- und damit wachstumshemmend. Politische und wirtschaftliche Eliten sind in der Regel eher eigennutz-, als gemeinnutzorientiert.
  • Die Produktion von Gütern und Dienstleistungen ist kein Selbstzweck, sondern dient der Befriedigung von Konsumenteninteressen. Die staatliche Förderung von Produktionszweigen die am Markt vorbei produzieren verkennt diesen Zweck und kann daher höchstens kurzfristig die Partikularinteressen der produzenten zu Lasten der Konsumenten bedienen.
Eine außerordentlich lohnende Lektüre.