Mit dem Kopf voran

31.03.2005 um 15:57 Uhr

Geraubter Sozialstaat

Der Historiker Götz Aly sorgt mit seinem neuen Buch Hitlers Volksstaat für Aufruhr, denn er versucht darin zu zeigen, dass die Nazis sich die Loyalität der Deutschen durch einen Umverteilungsstaat erkauften, dessen Kosten vor allem durch einen gnadenlosen Raubfeldzug gedeckt wurden. Hier ein Auszug aus einer Rede zur Verleihung des Heinrich-Mann-Preises der Akademie der Künste 2002:

...Wenn man sich klar macht, dass deutsche Soldaten den Hauptteil ihres Soldes in der Währung des Landes erhielten, in dem sie stationiert waren, um den Inflationsdruck auf die Reichsmark zu mindern, wenn man sich zudem klar macht, dass Lazarettaufenthalte deutscher Verwundeter in Ungarn, Polen oder in Böhmen in der jeweiligen Landeswährung bezahlt wurden, ebenso die Lieferung von Abermillionen Tonnen Lebensmitteln, von Dienstleistungen, Industrieprodukten und Rohstoffen an das Reich und an die Wehrmacht, dann wird klar, wo das Vermögen der ermordeten Juden Europas letztlich geblieben ist. Es wurde zu Gunsten und zum Vorteil von Millionen Deutschen verwertet. Ihnen mutete das Regime geringe Kriegslasten zu und zahlte ihren Sold indirekt aus dem Verkauf des Eigentums von Millionen enteigneter und zum großen Teil ermordeter europäischer Juden. Diese Soldaten deckten sich mit dem Geld auf den Schwarzmärkten Europas ein, kauften sich Zigaretten und schickten Millionen Feldpostpäckchen in die Heimat. Der Päckchen- und Paketverkehr in diese Richtung ist auf ausdrücklichen Wunsch Hitlers niemals beschränkt worden.

Damit ist die Frage nach dem Klassencharakter des Nationalsozialismus beantwortet. Wer die klassenbewusste Verteilung der Kriegslasten im Deutschland des Zweiten Weltkriegs betrachtet, kommt zwingend zu dem Ergebnis: Die NSDAP verstand sich als Sachwalterin der kleinen Leute, sah sich dem Egalitarismus der Volksgemeinschaft verpflichtet und vor jeder Zwangsmaßnahme, etwa dem Zwangssparen, und vor jeder breitenwirksamen Steuererhöhung zurück. Hitler-Deutschland wurde im Krieg zum Umverteilungsstaat par excellence. So erklärt sich die hohe innere Stabilität, eine Stabilität allerdings, die - wie in jedem Umverteilungsstaat - immer wieder neu erkauft werden musste. So entwickelte sich eine volkstümliche Einheit von Wirtschafts-, Sozial- und Rassenpolitik. Nicht wenige Ns-Funktionäre sahen im Kriegskommunismus bereits einen Vorgriff auf die Gesellschaftsordnung nach einem deutschen Siegfrieden. Daraus bezog die Sozialutopie des Nationalen Sozialismus ihre politische Schubkraft.

Dieser Einsicht zum Trotz wird in der Publizistik immer wieder die grundverkehrte, weil in die verkehrte Richtung weisende Generalisierung Max Horkheimers bemüht: "Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte vom Faschismus schweigen." So hat sich die öffentliche Diskussion in den vergangenen zehn Jahren anhand der Themen "Raubgold" und "Zwangsarbeit" auf die noch existierenden deutschen (auch österreichischen und schweizerischen) Banken und Industrieunternehmen regelrecht eingeschossen. Die Zielrichtung bleibt jedoch selbst dann falsch, wenn sie von den betroffenen Unternehmen zur Vermeidung größerer Imageschäden schnell akzeptiert wurde. Mit den Firmennamen Dresdner Bank, Allianz, Generali, Daimler-Benz, Deutsche Bank, Krupp, IG-Farben oder Thyssen lässt sich die geschichtliche Hintergrund der sogenannten "Entjudung" antikapitalistisch verschleiern, aber nicht auch nur entfernt erklären. In den Fängen der am kollektiven Raub nicht unbeteiligten Firmen blieb der weitaus kleinere Teil des Erbeuteten. In der Masse wurde die Beute so breit wie nur möglich umverteilt. Anders gesagt: Die Arisierung jüdischen Vermögens gehört in die Kette der Eigentumsrevolutionen des 20. Jahrhunderts; der Nationalsozialismus, einschließlich seiner ungeheuerlichen Verbrechen, steht im größeren Zusammenhang der egalitären Bewegungen und Utopien im 20. Jahrhundert. Nur so lässt sich die explosive politische Dynamik der zwölf kurzen Jahre zwischen 1933 und 1945 angemessen analysieren. Wenn man das tut, dann ist das Ende einer Geschichtsschreibung erreicht, die das Jahrhundert bequem nach Gut und Böse sortiert. Wer sich entschließt, die Ermordung der europäischen Juden als Teil einer Politik zu begreifen, die ihre Kraft aus der Gleichheitsidee bezog, der wird unweigerlich feststellen müssen, dass wir demselben Gleichheitsgedanken viele Selbstverständlichkeiten unseres Lebens verdanken. Er bedeutete und bedeutet für Millionen Europäer einen entscheidenden lebensgeschichtlichen Fortschritt - einen Fortschritt, der eben auch mit den Mitteln des Krieges, des Hasses und des Massenraubmords erreicht worden ist. Wer von den vielen Vorteilen für die Millionen einfacher Deutscher nicht reden will, der sollte vom Nationalsozialismus und vom Holocaust schweigen.

"Wes Brot ich ess', des' Lied ich sing"...

30.03.2005 um 10:08 Uhr

Hoch die internationale Solidarität!

Naomi Braun-Ferenci im ef-magazin über das politische und moralische Versagen nicht nur der Grünen im Zusammenhang mit der "Visum-Affäre":

... Politiker, Sozialpädagogen und Feministinnen erweisen also den meisten Liebesdienerinnen einen Bärendienst, wenn sie sie pauschal als Opfer brandmarken und ihnen die Arbeit madig machen wollen. Und sie sind verlogen und zynisch in ihrer Helferrolle – denn in Wahrheit sind sie mit ihren Arbeitsverboten und Abschiebungen die einzigen Gewalttäter in einem ansonsten freiwilligen Geschäft, bei dem alle Beteiligten – deutsche Kunden wie ukrainische Anbieter – auf ihre Kosten kommen. Sonst würde das Geschäft ja auch gar nicht stattfinden. Nebenbei: Das bei einem ukrainischen Sonderangebot gesparte Geld kann so in andere Branchen fließen und kurbelt damit indirekt auch andere Wirtschaftsbereiche in Deutschland an. Und das gilt nicht nur für die Prostituierten, sondern so gut wie für jeden Ausländer, der in Deutschland schwarz arbeitet. Politiker von links bis rechts, von der Feministin über den Gutmenschensozialarbeiter oder Pfarrer bis hin zum Zero-Tolerance-Sheriff, verstoßen also nicht nur gegen die internationale, sondern auch gegen die nationale Solidarität. (hier weiterlesen)

 

29.03.2005 um 11:10 Uhr

Vom Aufstieg und Fall des modernen Merkantilismus

Peter W.Drucker über die EU und internationale Handelsabkommen als eine verzweifelte Flucht in einen modernen Merkantilismus, einen Versuch Partikularinteressen vor einem globalen, von neuen Informationstechnologien getriebenen Wirtschaftssystem zu schützen:

But mercantilism is increasingly becoming the policy of "blocs" rather than of individual nation-states. These blocs--with the European Union the most structured one, and the U.S.-dominated NAFTA trying to embrace the entire Western Hemisphere (or at least North and Central America)--are becoming the integrating units of the new world economy. Each bloc is trying to establish free trade internally and to abolish within the bloc all hurdles, restrictions and impediments, first to the movement of goods and money and ultimately to the movement of people. The United States, for instance, has proposed extending NAFTA to embrace all of Central America.

At the same time, each bloc is becoming more protectionist against the outside. The most extreme protectionism, as already discussed, consists of rules with respect to agriculture and the protection of farm incomes. But similar protectionism is certain to develop for blue-collar workers in the manufacturing industry, and for the same reason: They are becoming an endangered species, the victims of productivity. In the United States for instance, manufacturing production increased in volume by at least 30 percent during the 1990s. It has at least doubled since 1960, and may even have tripled. (We have only money figures and have to guess at volume.) But manual workers in industrial production in the same period decreased from some 35 percent of the work force to barely more than 13 percent--and their numbers are still going down. Total employment in the manufacturing industry has remained the same proportion of the work force--it probably has even gone up. But the growth has been in white-collar work rather than the manual kind.

...

One example: To get the industrial Midwest with its 140,000 steel workers to vote Republican in congressional elections, President Bush slapped a prohibitive tariff on imports of steel from Europe and Japan in 2001. He got what he wanted: a (bare) Republican majority in the Congress. But while the large steel users (such as automobile makers, railroads and building contractors) were forced by the tariff to buy domestic, they immediately set about cutting their use of steel so as not to spend more on it than they would have had to spend had they been able to buy the imports. Bush's tariff action thus only accelerated the long-term decline of the traditional midwestern steel producers and the jobs they generate. Tariffs, in other words, can still force users to buy domestic, but they are no longer capable of protecting the domestic producers' prices. Those are set through information and on the world-market level.

This development underlies the steady shift in protectionism: from tariffs--the traditional way--to protection through rules, regulations and especially  export subsidies. World trade has grown spectacularly in the last fifty years. The largest growth has been in subsidized farm exports from the developed world: western and central Europe, Australia, Canada and the United States. Farm subsidies are now the only net income of French farmers, as their crops produce nothing but net losses and are grown only as the entitlement for the subsidies. These subsidies are in fact a major--perhaps the major--cement of the Franco-German alliance, and with it, of the European Union.

Via Marginal Revolution.

26.03.2005 um 03:08 Uhr

Der Freischwimmer

Ein kleines Spiel fürs Osterwochenende.

24.03.2005 um 11:48 Uhr

Karikatur des Tages

23.03.2005 um 01:41 Uhr

Klimaschutzpolitik schafft Arbeitsplätze

Michael von Mahalanobis schlägt als politische Maßnahme gegen die steigenden Emissionen des Klimagases Methan eine Furzsteuer vor. Die dürfte nicht nur die Emissionen reduzieren und das Klima schützen, sondern auch Arbeitsplätze schaffen. Denn schließlich müssen die Emissionsquellen erforscht und dann für eine korrekte Besteuerung genau kontrolliert werden. Das Arbeitsplatzpotential wäre riesig, gibt des doch allein in Deutschland rund 14,5 Mio. (2003) Rinder.
 
 

22.03.2005 um 13:40 Uhr

F.A.Z zum "Hockeystick"

Ein Beitrag der F.A.Z zur "Hockeystick"-Kontroverse in der Klimaforschung ...

22.03.2005 um 10:08 Uhr

World Water Day 2005

Passend zum Welt-Wasser-Tag der Aufsatz Water – Can Property Rights and Markets replace Conflict? von Roger Bate über die globalen Probleme des knappen Gutes Wasser, politisches Versagen und Lösungsmöglichkeiten:

...Water, like gas, electricity and telecommunication utilities, is probably best allocated by private provision with government regulation. This combination brings the flexibility and dispersed knowledge of the market, while leaving sufficient power in government hands to set maximum abstraction limits and control abuses of monopoly power.

18.03.2005 um 11:52 Uhr

Wie ökologisch ist die Pfandpflicht auf Einweg-Getränkeverpackungen?

Eine neue Studie im Auftrag der europäischen Association of European Producers of Steel for Packaging kommt zu dem Ergebnis, dass die Einführung eines Pfandsystems auf Einwegverpackungen für Getränke mit getrennter Entsorgung parralell zu einem bereits bestehenden Wertstofferfassungssystem ökologische und ökonomische Nachteile aufweist. So sei mit mehr Verkehr, höheren Treibhausgasemissionen und einer annähernden Verdoppelung der Erfassungskosten pro Tonne transportierten Mülls zu rechnen. 

16.03.2005 um 22:44 Uhr

Welt in Angst

Man mag geteilter Meinung über den Unterhaltungswert der Story des neuen Öko-Thrillers von Michael Chrichton Welt in Angst sein. Das Anliegen hinter dieser Geschichte kann allerdings nicht aktueller und dringlicher sein: Der nahezu religiöse, selten an der Realität gemessene Glaube vieler Menschen an die Unausweichlichkeit der vom Menschen verursachten ökologischen Katastrophe und die hiervon ausgehende Gefahr der Selbstblockade und falschen Prioritätensetzung. In einem Vortrag hatte der Autor zu diesem Problem bereits vor zwei Jahren Stellung genommen:
 
I studied anthropology in college, and one of the things I learned was that certain human social structures always reappear. They can't be eliminated from society. One of those structures is religion. Today it is said we live in a secular society in which many people---the best people, the most enlightened people---do not believe in any religion. But I think that you cannot eliminate religion from the psyche of mankind. If you suppress it in one form, it merely re-emerges in another form. You can not believe in God, but you still have to believe in something that gives meaning to your life, and shapes your sense of the world. Such a belief is religious.

Today, one of the most powerful religions in the Western World is environmentalism. Environmentalism seems to be the religion of choice for urban atheists. Why do I say it's a religion? Well, just look at the beliefs. If you look carefully, you see that environmentalism is in fact a perfect 21st century remapping of traditional Judeo-Christian beliefs and myths.

There's an initial Eden, a paradise, a state of grace and unity with nature, there's a fall from grace into a state of pollution as a result of eating from the tree of knowledge, and as a result of our actions there is a judgment day coming for us all. We are all energy sinners, doomed to die, unless we seek salvation, which is now called sustainability. Sustainability is salvation in the church of the environment. Just as organic food is its communion, that pesticide-free wafer that the right people with the right beliefs, imbibe.

Eden, the fall of man, the loss of grace, the coming doomsday---these are deeply held mythic structures. They are profoundly conservative beliefs. They may even be hard-wired in the brain, for all I know. I certainly don't want to talk anybody out of them, as I don't want to talk anybody out of a belief that Jesus Christ is the son of God who rose from the dead. But the reason I don't want to talk anybody out of these beliefs is that I know that I can't talk anybody out of them. These are not facts that can be argued. These are issues of faith.

And so it is, sadly, with environmentalism. Increasingly it seems facts aren't necessary, because the tenets of environmentalism are all about belief. It's about whether you are going to be a sinner, or saved. Whether you are going to be one of the people on the side of salvation, or on the side of doom. Whether you are going to be one of us, or one of them.

Über die Rolle der Medien und der Wissenschaft in dieser "Welt der Angst" äußerte sich kürzlich auch der deutsche Klimaforscher Hans von Storch in einem Spiegel-Artikel (kostenlose engl. Ausgabe):

The pattern is always the same. The significance of individual events is turned into material suitable for media presentation and is then cleverly dramatized. When the outlook for the future is discussed, the scenario that predicts the highest growth rates for greenhouse gas emissions -- which, of course, comes with the most dramatic climatic consequences -- is always selected from among all possible scenarios. Those predicting significantly smaller increases in greenhouse gas levels are not mentioned.

...

Unfortunately, the corrective mechanisms in science are failing. Public reservations with regard to the standard evidence of climate catastrophe are often viewed as unfortunate within the scientific community, since they harm the "worthy cause," especially because, as scientists claim, they could be "misused by skeptics." Dramatization on a small scale is considered acceptable, whereas correcting exaggeration is viewed as dangerous because it is politically inopportune. This means that doubts are not voiced publicly. Instead, the scientific community creates the impression that the scientific underpinnings of climate change research are solid and only require minor additions and adjustments.

This self-censorship in the minds of scientists ultimately leads to a sort of deafness toward new, surprising insights that compete with or even contradict the conventional explanatory models. Science is deteriorating into a repair shop for conventional, politically opportune scientific claims. Not only does science become impotent; it also loses its ability to objectively inform the public.

Dass diese Darstellung keineswegs aus der Luft gegriffen ist, belegt das Zitat des Klimaforschers Stephen Schneider:

“On the one hand, as scientists we are ethically bound to the scientific method, in effect promising to tell the truth, the whole truth, and nothing but—which means that we must include all the doubts, the caveats, the ifs, ands, and buts. On the other hand, we are not just scientists but human beings as well. And like most people we’d like to see the world a better place, which in this context translates into working to reduce the risk of potentially disastrous climatic change. To do that, we need, to get some broad base support, to capture the public’s imagination. That, of course, entails getting loads of media coverage. So we have to offer up scary scenarios, make simplified, dramatic statements, and make little mention about any doubts we might have. This “double ethical bind” we frequently find ourselves in cannot be solved by any formula. Each of us has to decide what the right balance is between being effective and being honest. I hope that means being both.”

Sein offensichtliches Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. Was bloß, wenn auch der Zweck von zweifelhafter Qualität ist? Also Augen offen halten!

 

16.03.2005 um 09:35 Uhr

Fensterputzer auf dem Mars?

Irgendjemand oder irgendwas hat dem Marsmobil Spirit die Solarzellen geputzt und damit dem Fahrzeug wieder neue Kraft verschafft.

15.03.2005 um 17:19 Uhr

Nichts ist ohne Risiko...

...auch nicht in Sachen Ernährung. Seit Jahren empfehlen Wissenschaftler die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Folsäure, weil diese bei Schwangeren die Häufigkeit der Fehlbildungen der Embryonen reduziert, lebenswichtig bei Herz-Kreislauferkrankungen ist und Vorbeugend gegenüber bestimmten Krebserkrankungen wirkt. So ist in einigen Ländern die Anreicherung von Mehl mit Folsäure gesetzlich vorgeschrieben. Auch deutsche Ärzte fordern diese Maßnahmen. Doch wie immer scheint es einen Pferdefuß zu geben. Kürzlich haben Wissenschaftler Anhaltspunkte (Nature News) für die Häufung eines Gens durch die Folsäureversorgung von Schwangeren in der Gesamtpopulation gefunden, das im Verdacht steht, das spätere Risiko von Herzkrankheiten, Krebs und Schwangerschaftskomplikationen zu erhöhen. Dies wiederum würde eine weitere Erhöhung der Folsäureversorgung notwendig machen:

The researchers point to a small collection of studies showing that the babies of women on diets rich in folic acid tend carry a particular form of a gene involved in metabolizing the vitamin, called 677T MTHFR, than the children of women who did not receive adequate folic acid. A study from 2000, for example, showed that babies were four times more likely to carry this gene variation than were fetuses that were miscarried2.

Such studies suggest that fetuses carrying this gene variant are more likely to survive to birth, if their mothers are getting an adequate or abundant intake of folic acid. And because widespread folic-acid fortification and vitamin supplements ensure that more and more mothers do indeed get high levels of the nutrient, the number of children carrying this variant could be climbing.

This change of genetics could have a negative effect on health over time, Lucock suggests. Several studies have shown that this same form of the gene, 677T MTHFR, may increase the risk of various conditions in adults, including heart disease, certain forms of cancer and complications of pregnancy.

Some studies suggest that these harmful effects of the gene are more common when people's diets are low in folic acid. It's not clear why this might be, but as long as people's diets remain high in folic acid, Lucock proposes, this would compensate for any adverse impacts of 677T MTHFR.

...

However he warns that widespread fortification could effectively create a future population that is artificially dependent on copious quantities of the vitamin - and one that would be more vulnerable to certain fatal diseases if that supply vanished.

At present, Lucock believes that the health benefits of folic-acid fortification for pregnant women outweigh the potential future risk. But until the potential health risks of fortification are clearer, he suggests that governments could consider lowering their recommendation on how much folic acid should be added to food. They might, for example, aim for women to obtain 200 micrograms per day rather than the 400 micrograms currently recommended in the United States. 

Doch wie immer ist Vorsicht bei der Beurteilung dieser Ergebnisse angesagt:

Other nutrition researchers say there is not yet enough evidence to say whether or not this genetic selection is taking place. "It's an interesting hypothesis and worth looking at - but it has not been fully established," says Jesse Gregory, who works on folic acid at the University of Florida, Gainesville.

And human geneticist Larry Brody at the National Human Genome Research Institute in Bethesda, Maryland, says that folic-acid fortification would change the genetics of the population so slowly that the effects would never be seen. "It would probably take a couple of thousand years," he says. "It's not in touch with reality."

15.03.2005 um 00:43 Uhr

Protektionismus und Moral

In seiner neuen Forbes-Kolummne argumentiert Armchair Economist Steven Landsburg sehr treffend, dass Protektionismus nicht nur wachstumsschädigend, sondern auch unmoralisch ist:
 
I hold this truth to be self-evident: It is just plain ugly to care more about total strangers in Detroit than about total strangers in Juarez. Of course we care most about the people closest to us-our families more than our friends and our friends more than our acquaintances. But once you start talking about total strangers, they all ought to be on pretty much the same footing. You could say you care more about white strangers than black strangers because you've got more in common with whites. Does that make it okay to punish firms for hiring blacks?

It's also worth mentioning that laws intended to "protect" Americans raise the price of goods that Americans buy. I won't dwell on this because it's already obvious to anyone with a dollop of economic literacy. Besides, it's tangential to my main point, which is this: Even if Kerry-style (or Nader-style or Buchanan-style) protectionism could improve Americans' well-being at the expense of foreigners, it would still be wrong.

After all, if it's okay to enrich ourselves by denying foreigners the right to earn a living, why not enrich ourselves by invading peaceful countries and seizing their assets? Most of us don't think that's a good idea, and not just because it might backfire. We don't think it's a good idea because we believe human beings have human rights, whatever their color and wherever they live. Stealing assets is wrong, and so is stealing the right to earn a living, no matter where the victim was born.
 
Vor dem Hintergrund der deutschen Blockadementalität in Sachen Liberalisierung des europäischen Dienstleistungsmarktes ein hochaktueller Artikel.

11.03.2005 um 09:36 Uhr

Fünf Jahre EURO

Professor Ottmar Issing, Mitgleid des Vorstands der Europäischen Zentralbank, hat nach fünf Jahren EURO Bilanz gezogen und Potentiale und Grenzen einer einheitlichen europäischen Währungspolitik zusammengefasst:

• The adoption of the euro by twelve EU countries presented a unique challenge for monetary policy, but today the euro is established as a stable currency, appreciated by investors worldwide.

• The adoption of the euro was made significantly easier by the substantial convergence of the EU economies in the late 1990s.

• In order to establish credibility, a systematic framework was necessary to assess the economic situation and future risks to price stability in the euro zone. Independence from political institutions is also important for credibility.

• The ECB is charged with maintaining price stability and it has been the Governing Council of the ECB which has translated this objective into the practical policy of maintaining inflation in the medium term below, but close to, 2 per cent.

• The ECB has not been given an explicit inflation target by its political masters as the Bank of England has been. Also, the ECB does not pursue monetary targeting.

• The ECB has a two-pillar approach to its analytical work, conducting both a monetary analysis and a more general economic analysis. Arguably, monetary analysis plays a more explicit role than it does in the Bank of England’s economic analysis.

• Accountability and transparency are essential if the ECB is to maintain credibility. The success of the ECB in maintaining credibility is indicated by the extent to which long-term interest rates are consistent with the ECB’s interpretation of price stability – that is, consistent with future inflation of 2 per cent. More generally, the ECB enjoys a very high degree of credibility in the markets: there is confidence that the ECB

can deliver its objectives.

• The ECB has been faced with a number of economic shocks and has dealt with these effectively.

• There is concern about slow growth and low employment in the euro area. These problems arise as a result of structural rigidities, especially in the labour market. It is essential that these issues are addressed by member governments and EU institutions. It is important that EU governments do not expect the ECB to solve these problems as it is not within its power to do so.

 

09.03.2005 um 23:39 Uhr

Höhere Steuern für mehr Glück?

Richard Layard, britischer Ökonom und Autor des Buches Die glückliche Gesellschaft, ist der Meinung, dass ein höheres Einkommen ab einem bestimmten Niveau nicht mehr zum Glück des Einzelnen beiträgt, da mehr Arbeit lediglich zur Erhöhung des sozialen Status führt und der Statusgewinn eines Menschen den Statusverlust anderer Menschen bedeutet. Weil es auf "relative Einkommen" ankomme, ist Mehrarbeit gesellschaftliche Verschwendung und müsse notfalls mit höheren Steuern eingedämmt werden. In diese Richtung geht jedenfalls seine Argumentation in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt":

 

DIE WELT: Wie erklären Sie, daß die Zufriedenheit der Bevölkerung nicht mit der Wirtschaft wächst?

Layard: Wenn eine Gesellschaft reicher wird, ändern sich die Normen. Man gewöhnt sich an bestimmte Annehmlichkeiten des Wohlstands. Daß es heute Zentralheizung gibt, ist für uns kein steter Quell des Glücks. Und, das scheint mir zentral zu sein, für die meisten Menschen zählt weniger ihr absolutes als ihr relatives Einkommen. Wenn aber jemand sein Einkommen im Vergleich zu jemand anderem steigern will, ist das für die gesamte Gesellschaft kein profitables Motiv - es ist Zeitverschwendung. Wenn jemand die Status-Leiter hinaufklettert, rutscht ein anderer ab und ist entsprechend weniger glücklich.

DIE WELT: Liegt dieses Denken in Rangordnungen nicht in der menschlichen Natur?

Layard: Natürlich ist die Tendenz zu vergleichen sehr tief in uns verankert - so wie viele unsoziale Verhaltensweisen. In der Geschichte ist es jedoch Stück für Stück gelungen, diese zu überwinden und ein zivilisierteres Wertegerüst zu schaffen. Ein starker Mechanismus, um ein fruchtloses Hauen und Stechen einzudämmen sind übrigens Steuern. Sie nehmen einen Teil des Gewinns der Arbeit und spiegeln dadurch die "Verschmutzung" wider, die im gesamten System verursacht wird. Schließlich erhöht jemand, der mehr und härter arbeitet, die Norm, mit der sich andere vergleichen müssen.

 

Spontan fallen mir zwei Probleme mit dieser Argumentation ein. Erstens, wenn Menschen Zufriedenheit nur dadurch erlangen, dass sie ihren Status zu Lasten anderer verbessern, dann wird die Besteuerung des Einkommens nichts am Statusstreben der Menschen ändern. Es wird sich lediglich die Art der Statussuche verändern. Was heute über die Position im Job oder teure Konsumgüter ausgetragen wird, dürfte dann möglicherweise über den Erwerb von Statussymbolen auf dem Schwarzmarkt oder gar auf dem Weg nicht konsumierbarer Statussymbole wie körperliche Kraft ersetzt werden. Keine besonders reizvolle Vorstellung, entwicklungsfördernde Arbeitsanreize durch unproduktives Rivalitätsstreben zu ersetzen. Zweitens, setzt die Steuer als Instrument zur Reduzierung der gesellschaftlichen "Verschmutzung" im Sinne des Coase Theorems voraus, dass derjenige dessen Einkommen besteuert werden soll auch derjenige ist, dem die Reduktion seines relativen Status die geringsten Kosten bzw. den geringsten Verlust an Zufriedenheit verursacht. Ist das nicht der Fall, weil weniger Verdienende sich angesichts ihres erreichten absoluten Wohlstands den Statusneid ganz einfach auch verkneifen können, dann wäre Layards Pigou-Steuer keine gesellschaftlich vorteilhafte Lösung:

 

So Coase's first point is that externalities are a joint product of "pollutor" and "victim," and that a legal rule that arbitrarily assigns blame to one of the parties only gives the right result if that party happens to be the one who can avoid the problem at the lower cost. Pigou's solution is correct only if the agency making the rules already knows which party is the lower cost avoider. In the more general case, nothing works--whichever party the blame is assigned to, by government regulators or by the courts, the result may be inefficient if the other party could prevent the problem at a lower cost. (D. D. Friedman: The World according to Coase)

 

Es scheint zweifelhaft, ob Layards Methode, die wirtschaftliche Entwicklung durch höhere Steuern auf Einkommen zu behindern, tatsächlich geeignet ist, die Gesellschaft glücklicher zu machen. Das gegenwärtige Deutschland scheint für diese Zweifel nahezu ein Paradebeispiel zu sein. Hoch besteuerte Sparer suchen ihr „Glück“ momentan wohl eher in ausländischen Kapitalanlagen.

Welche methodischen Probleme Layards “Glücksforschung” generell hat, diskutiert Arnold Kling in einem Kapitel seines Buches Learning Economics.

 

 

 

08.03.2005 um 16:17 Uhr

Weitblick

Dieser phantastische Panoramablick vom Mount Everest über das gesamte Dach der Welt ist mein Bild des Tages.

Via Newmark's Door.

06.03.2005 um 09:58 Uhr

Risse im Klimakonsens

Ein längerer Artikel über den bröckelnden Konsens in der Klimaforschung und die Debatte um den "Hockeystick", ausgelöst durch die Forschung der beiden Kanadier Stephen McIntyre und Ross McKitrick (Climate Audit), ist im Märzheft der deutschen Ausgabe von Technology Review zu finden:
 

Seit 16. Februar ist das Kyoto-Protokoll in Kraft. Mehr als 140 Staaten – ohne die USA und die meisten Entwicklungsländer – haben bislang das 1997 beschlossene Klimaschutzabkommen ratifiziert und sich verpflichtet, ihren Ausstoß an Treibhausgasen (vor allem Kohlendioxid und Methan) im Zeitraum von 2008 bis 2012 zu reduzieren; Deutschland hat sich die Latte auf 21 Prozent gelegt. Seit Januar läuft auch das von den EU-Staaten beschlossene Handelssystem für Kohlendioxidemissionen. Der Marktmechanismus soll Kosteneffizienz sicherstellen und so Anreize für geringeren CO2-Ausstoß schaffen. Solche Klimaschutzmaßnahmen basieren nicht zuletzt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Auswirkungen von Treibhausgasen auf die Atmosphäre: Als gesichert gilt, dass Gase wie CO2 zur globalen Erwärmung beitragen, indem sie vom Erdboden abgestrahlte Wärmestrahlung wie ein Treibhausdach festhalten und wieder auf die Erde zurückwerfen. Die ersten Hinweise auf die Rolle des Menschen bei der globalen Erwärmung tauchten bereits auf der ersten Weltklimakonferenz im Jahr 1979 auf. 1988 gründeten die Vereinten Nationen das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), ein Expertengremium mit der Aufgabe, wissenschaftlich fundierte Szenarien zum Klimawandel zu entwickeln. Im jüngsten IPCC-Bericht von 2001 heißt es: „Es gibt neue und stärkere Beweise, dass ein Großteil der in den letzten 50 Jahren beobachteten Erwärmung auf menschliche Aktivitäten zurückgeht.“

Gleichwohl herrscht unter den Klimaforschern Uneinigkeit über Ausmaß und Konsequenzen des globalen Temperaturanstiegs. Dem IPCC wurde immer wieder vorgeworfen, Unsicherheiten in seinem Bericht herunterzuspielen und manche Forschungsergebnisse überzubewerten. Ein Beispiel ist die so genannte Hockeyschläger-Kurve. Ihr zufolge war die Temperatur auf der Nordhalbkugel in den letzten Jahrzehnten höher als im gesamten Jahrtausend zuvor. Um die Stichhaltigkeit dieses Forschungsresultats hat sich ein Streit entsponnen, den wir mit den Beiträgen in diesem Heft dokumentieren wollen. Führende deutsche Forscher nehmen zu der Debatte Stellung. Um unseren Lesern eine möglichst eigenständige Meinungsbildung zu ermöglichen, haben wir die Statements der Wissenschaftler im Originalton festgehalten. weiterlesen

05.03.2005 um 02:52 Uhr

Preisentwicklung in Deutschland

Das Statistische Bundesamt hat sich zum Ziele gesetzt, etwas mehr Transparenz in die Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland zu bringen und versucht daher in seiner neuen Veröffentlichung Im Blickpunkt - Preise in Deutschland (leider nur kostenlose Leseprobe der sonst kostenpflichtigen Veröffentlichung) folgende Fragen zu beantworten:
 
"Die Bevölkerung spricht von heftigen Preissteigerungen seit der Euro-Einführung - wie kommt es, dass die Statistiker sinkende Inflationsraten messen? 
Seit 1999 gibt es die Ökosteuer - wie wirkt sie auf die Verbraucherpreise? Das Wachstum in China treibt die Rohstoffpreise - wie macht sich das in Deutschland bemerkbar?"
 
Damit jeder persönlich abschätzen kann, weshalb und um vieviel sich seine persönliche Wahrnehmung der Preisentwicklung von der Inflationsrate der amtlichen Statistik unterscheidet, hat das Amt einen kostenfreien Indexrechner ins Netz gestellt.
 

04.03.2005 um 00:48 Uhr

Langfristige Entwicklung der Rohstoffpreise

Gegenwärtig betragen die realen Rohstoffpreise 30% des Niveaus des Jahres 1845 (ohne Öl und Gold).
 
 
Der Anstieg der vergangenen Jahre ist im Vergleich zum Preisniedergang in den vergangenen Jahrzehnten offenbar nur sehr gering.
 
 
 
Wie sich die Rohstoffpreise in der Zukunft entwickeln werden und ob der Preisanstieg (etwa beim Öl) ein eher temporäres Phänomen darstellt, ist  allerdings heiß umstritten.
 

01.03.2005 um 00:30 Uhr

Aids in Afrika

Eine schockierende Grafik der Entwicklung der durchschnittlichen Lebenserwartung in den besonders stark von AIDS betroffenen Ländern Afrikas via Mahalanobis bzw. Marginal Revolution:
 
Alex Tabarrok fragt sich auf Marginal Revolution, warum sich die politische Diskussion um den Mangel an Medikamenten und nicht etwa um den unzureichenden Gebrauch von eigentlich billigen Kondomen dreht. Könnte es sein, dass man mit der rhetorischen Konzentration auf den Medikamentenmangel das alte Feindbild des profitgierigen Pharmakonzerns pflegen kann, während die Verantwortung für den Verzicht auf Kondome (oder fehlende Hygiene im Umgang mit Blutkonserven in den materiell und personell unterausgestatteten Krankenhäusern) eher den Menschen und Machthabern in den betroffenen Regionen anzulasten wäre? Politisch schlichtweg unkorrekt und wider den Zeitgeist. An dieser Stelle sei an den alten Eintrag AIDS in der dritten Welt: Bilanz einer medizinischen Katastrophe erinnert. Sehr interessant auch der Beitrag von Michael Stastny auf Mahalanobis.