Mit dem Kopf voran

29.09.2005 um 17:40 Uhr

Aktive Sterbehilfe: Konkurrenz der Sensenmänner?

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Das Ansinnen der Schweizer Sterbehilfe-Organisation Dignitas eine Zweigstelle in Hannover zu eröffnen hat nicht nur bei einigen Politikern, sondern vor allem auch bei der Ärzteschaft einen Aufschrei der Empörung ausgelöst. Doch wirklich überzeugend sind die Argument gegen ein selbstbestimmtes Sterben mit fremder Hilfe nicht. Sollte es etwa andere, nicht offen genannte Gründe seitens der Ärzte gegen die aktive Sterbehilfe privater Hilfsorganisationen geben? Immerhin ist ein in den Freitod gegangener todkranker Krebspatient keine Einnahmequelle mehr für die Intensivmedizin. Zudem deutet die rechtliche Zulässigkeit der indirekten Sterbehilfe in Deutschland darauf hin, dass die deutschen Ärzte befürchten müssen, durch Dignitas das Monopol auf die Sterbehilfe zu verlieren.

29.09.2005 um 17:21 Uhr

Klimapolitik: Trägheitsfaktor Politik

Nico Stehr und Hans von Storch in der FAZ zu notwendigen umweltpolitischen Lehren aus der Hurrican-Katastrophe in den USA:

Die katastrophalen Folgen des Hurrikans Katrina in der Stadt und in den umliegenden Staaten sind ein Paradebeispiel für eine verfehlte Klimapolitik. Allerdings liegt der Fehler nicht, wie von Umweltminister Trittin bemängelt, bei der Regierung Bush, die sich weigert, dem Kyoto-Protokoll zuzustimmen. Denn es ergibt keinen Sinn, nach der katastrophalen Kraft Katrinas zu neuen Superlativen zu greifen und zu behaupten, dieses Wetterextrem sei ein weiterer Beleg dafür, daß Stärke und Dauer tropischer Wirbelstürme künftig zunehmen werden. Statt dessen sollten Klimawissenschaftler gefragt werden, wann wir Verbesserungen sähen, wenn die Vereinigten Staaten, aber auch China, Rußland und Indien, ihren Ausstoß an Treibhausgasen drastisch reduzieren würden. Würden dann die Folgen von Hurrikanen wie Katrina weniger gravierend sein, und wie groß genau würden diese geringeren Schäden ausfallen?

Noch wichtiger für unsere Gesellschaften ist es aber zu fragen, wie wir uns in den kommenden Jahrzehnten vor Wetterphänomenen wie dem Hurrikan Katrina, Hitzewellen, Überschwemmungen und anderen Extremen schützen können und wie eine Klimapolitik aussehen müßte, die genau dies zum Ziel hat? Bei der Beantwortung dieser Frage stoßen wir zunächst auf einige Gemeinsamkeiten von Umwelt-, Bildungs- und Forschungspolitik. Erträge oder Verluste dieser Politikfelder lassen sich schwer berechnen; ihre Erfolge und Schäden zeigen sich, wenn überhaupt, erst nach langer Zeit; kommende Generationen ernten ihre Früchte oder leiden unter ihren Fehlern.

Die Alternative zu dieser Denkart heißt Anpassung. Es geht um Maßnahmen, die sich - zwar nicht ausschließlich, aber doch in erster Linie - der Frage einer Anpassung an die erwarteten Klimaveränderungen widmen. Worin liegt gegenüber dem Gewohnten der Unterschied? Beim bisherigen Konsens über die Ursache der Klimaveränderung kommt politisch immer dasselbe raus: Treibhausgase will man reduzieren, insbesondere die Kohlendioxyd-Emissionen. CO2 ist schlecht. Das wird unaufhörlich betont. Es handelt sich um Mäßigungsstrategien. Heute aber geht es um Überleben durch Vorsorge und eine Vielzahl von konkreten Maßnahmen mit dem Ziel, erlebten und erwarteten Extremen des Wetters zukünftig ohne massive Schäden begegnen zu können. Die holländische Reaktion auf die verheerende Sturmflut in einer kalten Winternacht des Jahres 1953 ist dafür beispielhaft. Die gegen Überflutungen gerichteten Bauwerke in der Themse vor London sind ein weiteres Beispiel... (weiterlesen)

28.09.2005 um 10:25 Uhr

Schwarzbuch 2005: Extreme Steuerverschwendung

Der Bund der Steuerzahler hat sein diesjähriges Schwarzbuch veröffentlicht und dort die Verschwendung von Steuergeldern in Milliardenhöhe angeprangert. Hier eine Auswahl der skurilsten Fälle. Doch was dort drin steht ist eigentlich nur die Spitze des Eisbergs. Wer unter die "Wasseroberfläche" schauen möchte sollte doch gleich mal aufmerksam die regelmäßigen Subventionsberichte des Bundesfinanzministeriums lesen.

27.09.2005 um 14:27 Uhr

Ökonomie im Radio

Auf der englischsprachigen Webseite Radio Economics werden Interviews mit interessanten Ökonomen wie Nobelpreisträger Gary S. Becker und Co-Blogger Richard Posner (Becker-Posner-Blog), James Hamilton (Econbrowser), Donald Boudreaux (Cafe Hayek), Craig Newmark (Newmarks Door) und vielen anderen präsentiert. Feiner Tip für alle, die nicht nur die englische Sprache, sondern auch lebendige Ökonomie spielend lernen wollen.

Via Marginal Revolution.

27.09.2005 um 11:24 Uhr

Wenden auf der Autobahn?

NRW-Innenminister Wolf will Staus durch das Wenden auf der Autobahn auflösen. Ein klassischer Fall für den Versuch, ein Problem durch die Behandlung seiner Symptome zu lösen. Dabei ist die Ursachenbekämpfung, die Auflösung des Trittbrettfahrer-Problems der vermeintlich "kostenlosen" Autobahnbenutzung, nicht nur naheliegend, sondern auch technisch ohne weiteres möglich. Die Ausweitung der Autobahnmaut auf PKWs, deren Differenzierung nach Straßenbelastung und Tageszeiten und die Verwendung der Einnahmen zur Finanzierung der Straßen (und damit Senkung der Mineralölsteuer) dürfte wohl wesentlich mehr Straßenentlastung und Verkehrsverflüssigung bringen als ein mit großem Polizeiaufgebot reguliertes Verkehrschaos.

27.09.2005 um 10:48 Uhr

Wider das politische Rechts- und Linksschema

In dem aktuellen Text "Kritische Einführung in die Ökonomie des Sozialstaats" argumentiert Stefan Blankertz, dass die politischen Alltagsstereotype "linker" und "rechter" Politik am Kern des Problems vorbeigehen. Ursache des Problems ist viel mehr der staatliche Interventionismus:

Der Interventionismus der Steuerungsökonomie lebt von der Erweiterung der Basis der Menschen die ausgebeutet werden können. Das Ziel des Interventionismus ist immer, auf dem Markt geschaffene Werte den Eigentümern zu nehmen, um sie an Personen umzuverteilen, die keine Werte geschaffen haben. Die Möglichkeit an der Umverteilung teilzuhaben, setzt Beherrschung des politischen Prozesses voraus. Darum können nur solche Personengruppen netto gewinnen, die mächtig und einflußreich sind. Umverteilung von "oben nach unten" ist die Ideologie, mit der Umverteilung von "unten nach oben" verschleiert wird.

Warum Interventionismus des Staates in der Öffentlichkeit ein so hohes Ansehen genießt versucht der amerikanische Ökonom Daniel B. Klein in "The Peoples Romance: Why People Love Government (as Much as They DO)?" zu erklären.

23.09.2005 um 21:08 Uhr

Katastrophenhilfe

von: steffenh   Kategorie: Klimawandel

Nüchtern betrachtet ist die Ursache für die Opfer, menschlichen Tragödien und verhehrenden Schäden von Naturkatastrophen nicht die Natur, sondern der Mensch. Nicht etwa wegen eines wagen Zusammenhangs zwischen den Unwettern und dem vom Menschen beeinflussten Klimawandel, vielmehr aufgrund der zunehmenden Besiedlung und des wachsenden materiellen Wohlstands in den gefährdeten Küstenregionen. So rechnet uns Roger Pielke in einer Kolummne in der Los Angeles Times vor, dass auf jeden Dollar Schaden der durch einen Klimawandel bis 2050 verursachten Unwetter weitere 22 bis 60 US-$ Schaden durch eine weiter zunehmende Besiedlung von Risikoregionen  zu erwarten sind. Doch was fällt der amerikanischen Regierung in dieser Situation als Problemlösung ein. Nichts besseres, als eine durch den Staat geförderte Neubesiedlung der durch den Hurrikan Katrina zerstörten Gebiete. Dabei sollen Unternehmen Steuererleichterungen und Subventionen erhalten, wenn sie im Katastrophengebiet neu investieren und neue Arbeitsplätze schaffen. Damit wird der Standort, der aufgrund des hohen Risikopotentials im ökonomischen Sinne nicht gerade billig ist, erst billig gemacht. Zukünftige Katastrophen sind damit vorprogramiert.

Einen wesentlich sinnvolleren Vorschlag hat da Steven E. Landsburg in seiner Slate-Kolummne Hurricane Relief? Or a $ 200000 Check? zu bieten. Er ist der Meinung, dass sagen wir 200 Mrd. US $ Katastrophen- und Aufbauhilfe einfach auf die rund 1 Mio. Betroffenen als Barzahlung aufgeteilt werden sollten, was für eine vierköpfige Familie stolze 800000 US $ bedeutet. Vor die Wahl gestellt, was den Opfern lieber ist, ein Barscheck über diese Summe oder ein staatliches Wiederaufbauprogramm der Katastrophenregion, könne man sich denken wofür sich die Mehrheit der größtenteils armen Betroffenen entscheiden würde. Vor allem ist davon auszugehen, dass die Empfänger sich damit an einem sichereren Ort wiederansiedeln würden. Diejenigen die denoch blieben, würden für das höhere Risiko wohl mit äußerst niedrigen Wohnkosten entschädigt, da die Nachfrage nach Häusern in der Region wohl zukünftig erheblich sinken dürfte. Doch was spricht gegen diese einfache und unbürokratische Lösung? Sie ist eben unbürokratisch und kann nicht von politisch einflußreichen Unternehmen und Politikern ganz gezielt instrumentalisiert werden. Man braucht keine personalstarken staatlichen Behörden und Planungsstäbe, kein zusätzlicher Bürokrat wird beschäftigt. Kein Politiker kann sich profilieren und publikumswirksam bei der Einweihung neuerrichteter Gebäude und Infrastrukturprojekte seine Existenzberechtigung feiern. Wenn 1 Mio. Menschen mit jeweils 200000 $ irgendwo in den USA eine neue Existenz beginnen, ist das keine Schlagzeile in der Zeitung wert.

Für mich hat diese Idee etwas Bestechendes. Warum nicht ein paar mehr der teuren und häufig wenig wirksamen Methoden sozialer Sicherung auf diese einfache und unbürokratische Weise lösen. Wie das geht zeigt ansatzweise das Wohngeld, eine wesentlich elegantere Lösung als der mißbrauchsanfällige soziale Wohnungsbau. Aber auch andere Einsatzgebiete wären denkbar gewesen. Zum Beispiel könnte man den rund 36000 Beschäftigten im deutschen Steinkohlebergbau bei rund 2,2 Mrd. € Jahressubventionen (2004) jährlich ca. 62000 € in die Hand drücken statt sie in gefährliche 1000 m Tiefe zu schicken, um nicht wettbewerbsfähige Steinkohle ans Tageslicht zu bringen (Hier zieht auch nicht das Argument der Unabhängigkeit von der Energieträgerversorgung, denn wer Angst vor dem Ende der Rohstoffversorgung hat sollte seine eigenen Reserven erhalten und nicht zu einem unnötig frühen Zeitpunkt verbrauchen.). Oder man hätte vor fünf Jahren den 800 Ex-Mitarbeitern des Berliner Werks für Fernsehelektronik einfach 35000 € überweisen sollen, als mit 28 Mio. € Samsung in die Stadt zu locken, um fünf Jahre später mit ansehen zu müssen, wie sich das Unternehmen mangels Rentabilität wieder vom Acker macht.

22.09.2005 um 09:46 Uhr

Katrina, Rita und Klimawandel

Roger Pielke, Direktor des Center for Scince and Technology Policy und Co-Author des Science-Blogs Prometheus in "Making Sense of Trends in Disaster Losses":

Record rainfall and over a thousand dead in Mumbai.  Devastating floods in central Europe. A record hurricane season in the Atlantic, including more than $100 billion dollars in damage from Hurricane Katrina. The summer of 2005 seems to have witnessed more than its fair share of weather-related disasters. And, perhaps understandably, no weather-related disaster occurs without someone linking it to the issue of global warming. For example, Klaus Töpfer, director of the United Nations Environment Programme, made such a connection in an interview with the Financial Times Deutschland. “We live already in climate change. The worldwide increase in strong rains, droughts and (wind)storms are indications that the greenhouse effect is having an influence …”

But as logical and enticing as it may seem to connect the ever-growing toll of disasters with global warming, the current state of science simply does not support making such a connection. While politicians and political advocates might be expected to stretch the bounds of scientific accuracy, it is particularly troubling to see leading scientists join them. For instance, the former head of the UN’s Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), Sir John Houghton, testified before the US Senate last July that increasing disaster losses could be attributed to increased storminess. And Rajendra Pachuri, the current head of the IPCC, suggested last February that the escalating costs of disasters could be attributed in part  to climate change. Yet such claims are simply not supported by scientific research.

...

As Hans von Storch and Nico Stehr wrote earlier this year in Der Spiegel, when scientists invoke unsubstantiated claims to support a political agenda, it creates fodder for obstructionists to action on climate, and misleads the public and policy makers. There are good reasons for more substantial action on energy policies, particularly in the United States; and there are good reasons for concern about the growing toll of disaster losses around the world.  But suggestions that the escalating disaster losses should motivate action on energy policy are not grounded in science, and cannot be an effective approach to disaster management. If you think that the recent trend of increasing disasters is a result of climate change, take a closer look at the available science because the connection has yet to be proved.

21.09.2005 um 21:08 Uhr

Hausaufgabe

Cafe Hayek's Russell Roberts gibt seinen Lesern in Find the Mistake ein interessantes umweltökonomisches Rätsel auf. Nicht das ich hier die Lösung verraten möchte, aber eine Bemerkung kann ich nicht für mich behalten:
Für manche ist Klimaschutz offenbar nur dann richtiger Klimaschutz, wenn er teuer ist und möglichst weh tut. Während die einen meinen man müsse gerade den Luftverkehr für die Minderungen der Kohlendioxid-Emissionen heranziehen, denken die anderen mit Windenergie, Bioenergie und Photovoltaik läßt sich die Welt retten. Ob dieser Enthusiasmus für klimapolitische Geldverschwendung damit was zu tun hat, dass die Protagonisten dieser Politik ungefragt das Geld fremder Leute ausgeben?

Update: Hier ist die Lösung und ich hab die Hausaufgabe verpatzt. Naja, nicht wirklich, aber es gab noch einen viel offensichtlicheren Fehler.

21.09.2005 um 17:37 Uhr

FDA: Behörden- oder Rinderwahn?

Die amerikanische Food and Drug Administration hat britische Lebensmittellieferungen unter dem Verweis auf ungenügende Lebensmittelsicherheit nicht zur Verteilung an bedürftige Überschwemmungsopfer der Katrina-Katastrophe zugelassen (Bericht im "Mirror": Up in Flames). Hintergrund sind offenbar angebliche BSE-Risiken (Infos Verbraucherschutzministerium) des Fleischanteils der Lebensmittel. Allein die Tatsache, das die Lebensmittel aus Großbritanien kommen reicht für die Regulierer der FDA aus einen Generalverdacht auszusprechen. Dabei handelt es sich bei den Lieferungen um von der NATO offiziell zugelassene Militär-Rationen, mit denen britische Truppen u.a. bei ihrem Irak-Einsatz versorgt werden. Derzeit besteht die Gefahr, dass 400000 in die USA eingeführte Lebensmittelrationen statt in hungrige Mäuler auf den Scheiterhaufen wandern. Sonderbarer Verbraucherschutz.

20.09.2005 um 10:33 Uhr

Klassenkampf im grünen Mäntelchen?

Die Journalisten Maxeiner & Miersch bringen es in ihrer Welt-Kolumne "Im falschen Film" auf den Punkt:

Man kommt sich dabei vor wie im falschen Film: Bis vor kurzem nämlich wurde dem Volk noch erzählt, daß Deutschlands ökologisches Heil nur durch die segensreiche Lenkungswirkung höherer Energiepreise erreicht werden könne. Der Schutz des Weltklimas oder die Förderung des Schienenverkehrs wurden zur Begründung für umfangreiche Eingriffe in die Energiepreise herangezogen. Mineralölsteuer, Ökosteuer, die Subventionierung von Windkraftanlagen, der Emissionshandel nach dem Kyoto-Protokoll und viele weitere Maßnahmen verteuern die Energie in Deutschland. Als Zielmarke wurde von den Grünen seinerzeit ein Benzinpreis von fünf Mark angepeilt.

Und jetzt klettern die Preise nicht nur in Deutschland tatsächlich in solche Regionen, weil Öl knapp wird und der Weltmarkt darauf reagiert. Und was sagen nun unsere Energiestrategen, allen voran die Grünen? Verbraucherschutzministerin Renate Künast beklagt die "Abzocke" der Ölkonzerne, andere fordern staatliche Preiskontrollen beispielsweise beim Strom. Ausgerechnet diejenigen, die den Verbraucher bislang gar nicht genug schröpfen konnten, schwingen sich plötzlich zu Anwälten des armen Autofahrers auf. Als Motto scheint dabei zu gelten: Hohe Energiepreise sind nur dann gut, wenn sie vom Staat aus volkspädagogischen Gründen verhängt werden; sind sie hingegen das Ergebnis des Marktes, dann zeigt der widerwärtige Kapitalismus seine häßliche Fratze. Die Tatsache, daß es der Umwelt vollkommen egal ist, aus welchen Gründen weniger Ressourcen verbraucht werden, ist unseren Weltenrettern nicht zu vermitteln.

19.09.2005 um 19:06 Uhr

Große Koalition? Keine Katastrophe?

Der amerikanische Ökonom Tyler Cowen präsentiert auf Marginal Revolution eine interessante Kurzanalyse der Wahlsituation in Deutschland aus der Perspektive der Public Choice Theory:

Two parties in a Grand Coalition will reap low gains from trade.  Neither party will much mind if the Grand Coalition collapses.  Stability is "knife-edge."  But the parties therefore might be willing to take more chances.  What do they have to lose?  A Grand Coalition does not mean certain policy gridlock (in contrast to this pessimistic view). 

And let us say that both parties recognize the need for reforms, but are held back by voters.  An arrangement where accountability is low and "each party can blame the other" might be exactly what is needed.

To cite reality for just a moment, Germany had a "Grand Coalition" from 1966 to 1969, and this was no obvious disaster.  Student revolts aside, many Germans consider these years a golden age. The earlier Grand Coalition passed important economic legislation in 1967 and restricted civil liberties in a controversial manner.  Modern German politics is often slow, but in relative terms this period was not a time of gridlock.

19.09.2005 um 18:45 Uhr

Ressourcenknappheit?

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Wie weit Prognosen neben der Wirklichkeit liegen können hat uns gerade der Wahlalltag in Deutschland gezeigt. Niemand kann die Anpassung der Menschen an sich ändernde Bedingungen exakt voraussagen. Doch nicht immer stochern die Macher von Prognosen so im Trüben wie bei der Prognose von Wahlergebnissen. Eine gute Theorie und eine genaue Beobachtung des Anpassungsverhaltens der Menschen an sich verändernde Umweltbedingungen können einen strategischen Vorteil ausmachen. Diesen hat der amerikanische Ökonom Julian Simon genutzt als er 1980 mit dem Biologen Paul Ehrlich eine weltberühmte Wette abschloß. Simon wählte fünf verschiedene Rohstoffe (Chrom, Kupfer, Nickel, Zinn und Tungsten) aus und versprach Ehrlich für den Fall, dass eine Investition von 1000 $ zehn Jahre später zu einer realen (inflationsbereinigten) Wertsteigerung führen würde, einen Scheck mit der Differenz zu senden. Beide hatten sich darauf geeinigt, dass eine Preiserhöhung bei Rohstoffen einer guter Indikator für eine physische Verknappung sei, eine Abnahme der Rohstoffreserven somit zu steigenden Rohstoffpreisen führen müßte. Zehn Jahre später hatte Ehrlich die Wette verloren. Weil alle fünf Rohstoffe billiger geworden waren, mußte er Simon einen Scheck in Höhe von 576 $ auszahlen.

Warum war sich Simon so sicher die Wette zu gewinnen und Ehrlich so ein Pessimist? Simon wußte, dass die Preise nahezu aller Rohstoffe trotz steigendem Verbrauch seit mehr als hundert Jahren trotz häufiger Auf und Abs gefallen waren und dass die Ursache in der Reaktion der Menschen auf temporäre Verknappungen und Preisanstiege, die Suche nach neuen Quellen, Verbesserung der Explorationstechnik, die Nutzung alternativer Rohstoffe, kurz technischem Fortschritt lag. Der stetige Drang der Unternehmen im Wettbewerb um die Kunden die Produktionskosten durch sinkenden Rohstoffeinsatz zu senken, hat das Übrige getan. Ehrlich dagegen hat sich durch seinen Pessimismus und seine Ignoranz gegenüber der Anpassungsflexibilität der Märkte leiten lassen und folgerichtig den kürzeren gezogen.


Grafik 1: Index der Rohstoffpreise (1950 = 1)

Grafik 2: Mengenindex der Weltrohstoffproduktion (1950 = 1)



Simon hätte die Wette wohl auch heute gewonnen, denn ein Blick auf die obigen Grafiken zeigt: Trotz erheblicher Preisschwankungen (Grafik 1) und mitunter enormen Verbrauchszuwächsen (Grafik 2) sind viele Rohstoffe heute nicht teurer, sondern sogar billiger als vor einhundert Jahren. Pessimistische Prognosen über die Verfügbarkeit von Rohstoffen sollten also mit der gebotenen Vorsicht vorgenommen werden. Wer die Kreativität und Findigkeit der Menschen unterschätzt kann schnell mal eine Wette verlieren.

Hierzu auch Betting on the Wealth of Nature.

16.09.2005 um 09:19 Uhr

Die Macht des Status Quo

Ein interessanter Kommentar zur Steuerreformdebatte im Wahlkampf von Nico Wirtz auf Tech Central Station:
In all this, SPD, Greens and the CDU/CSU have a tendency to forget that Germany's prolific welfare state and exuberant government spending are not limited to helping those in need and distress. German automobile manufactures, the country's fledging movie industry, farmers and artists -- just to name a few -- live off government support programs. Therefore, "reform" in Germany means and will continue to mean only one thing: More money and more rights for everybody who has a vested interest in maintaining the status quo.

16.09.2005 um 00:02 Uhr

In den Wind geschrieben

Eine Kosten-Nutzen-Analyse schottischer Onshore-Windkraftparks hat nach Aussagen von Wissenschaftlers der britischen Stirling University eine negative Bilanz ergeben. Den Umweltnutzen von 3 £ pro Megawattstunde  stehen offenbar Kosten von 7 £ für einen durchschnittlichen schottischen Haushalt gegenüber. Der Kommentar eines der Forscher hierzu:
“We have quantified what ordinary people, rather than the experts, think about the environment — and that is what’s important from a public policy point of view.”

Eine Langfassung der Studie "Valuing the Attributes of Renewable Energy Investments in Scotland" steht für den interessierten Leser im Internet zur Verfügung.

14.09.2005 um 23:01 Uhr

Causa Kirchhof

Es gibt ihn noch, den guten Wahlkampf-Kommentar in der deutschen Presselandschaft. Und deshalb verlinke auch ich Frank Schirrmachers Der Professor und das Nichts aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

13.09.2005 um 14:39 Uhr

Update: Wirtschaftliche Freiheit

Die perfekte Ergänzung zum Beitrag Wirtschaftliche Freiheit 2005 ist diese Tabelle auf einer Webseite der Weltbank (Doing Business Database). Hieraus ist sehr schön ersichtlich woraus sich Deutschlands Platz 19 von  insgesamt 155 Staaten bezüglich der wirtschaftlichen Freiheit bildet:

Aufwand bei der Unternehmensgründung:              47
Aufwand für die Beschaffung von Genehmigungen:  20
Arbeitsmarktregulierung:                                     131
Klärung von Eigentumsrechten:                             33
Kreditverfügbarkeit:                                               5

Unklar ist allerdings, aus welchem Grund nach Angaben von tagesschau.de der Weltbank-Vicepräsident gerade Deutschland  für seine Arbeitsmarktpolitik gelobt haben soll. Von 155 möglichen Plätzen den Rang 131 einzunehmen deutet mir trotz einiger Fortschritte auf alles andere als eine erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik hin. Aber vielleicht kann/will sich die ARD in diesen "schweren" Zeiten keine Kritik an der Politik ihres aktuellen Geldgebers leisten. Immerhin sind die Öffentlich Rechtlichen inzwischen bekannt für ihre dezente Art der Schleichwerbung. Ein Schelm der Böses dabei denkt.

11.09.2005 um 22:30 Uhr

Volkswirtschaftliche Kosten Katrinas im Vergleich

Der Hurricane Katrina dürfte nach ersten Schätzungen wohl einen nie gesehenen Schadensrekord in den USA markieren. Ein realistisches Bild der Schäden ist allerdings nur möglich, wenn man die Schäden mit anderen schweren Stürmen vergleicht, wobei hierzu eine Normalisierung der Schäden unter Berücksichtigung des soziodemographischen Wandels in den betroffenen Regionen notwendig ist. Roger Pielke, Experte auf dem Gebiet der Schadensschätzung von Naturkatastrophen, hat einen vorläufigen Versuch der Schadensmessung unternommen und kommt zu folgendem Ranking:
 
1. Katrina, 2005: Mrd. US$ 125
2. Florida, Miami 1926: Mrd. US$ 102
3. Andrew, 1992: Mrd. US$ 43
4. Galveston, 1900: Mrd. US$ 38
5. Galveston, 1915: Mrd. US$ 32
 
Die komplette Schadensstatistik amerikanischer Zyklone seit 1900 zeigt hierbei, dass nur 5 der 20 zerstörerischsten Wirbelstüme nach 1970 wüteten. Der vielbeschworene Zusammenhang zwischen der Klimaerwärmung und der Intensität tropischer Wirbelstürme kann hieraus nicht abgelesen werden. Vielmehr deutet einiges darauf hin, dass sich tropische Wirbelstürme langfristig zyklisch verhalten und in Abhängigkeit von den globalen Klimaphänomenen El Niño und La Niña (Pielke, Landsea: La Niña, El Niño, and Atlantic Hurricane Damages in the United States) in ihrer Zerstörungskraft variieren. Ausführlicher hierzu der Science-Weblog Prometheus von Roger Pielke & Co. Interessante Gedanken und Grafiken (siehe unten) zu Menschenopfern und wirtschaftlichen Schäden von Unwettern sind auch auf dem Commons Blog nachzulesen.
 
 

11.09.2005 um 02:22 Uhr

Report: Wirtschaftliche Freiheit 2005

Soeben hat das amerikanische Cato Institute den diesjährigen Economic Freedom of the World: 2005 Annual Report veröffentlicht. Einige Highlights:
  • Weltweit ist die wirtschaftliche Freiheit in den vergangenen zwei Jahrzehnten gestiegen. Der entsprechende Index der jährlich veröffentlichen Studie erhöhte sich im Durchschnitt von 5,17 (von 10 Punkten) auf 6,4. 88% der 109 untersuchten Länder konnten einen Zuwachs bei den wirtschaftlichen Freiheiten erreichen, gut 6% der Länder haben ihre wirtschaftlichen Freiheiten reduziert und in knapp 6% der Staaten stagnierte die Situation fast. Spitzenreiter sind Hongkong, Singapur, Neuseeland, die Schweiz und die USA. Die Schlußlichter sind Burundi, Guinea Bissau, die DR Kongo, Venezuela, Simbabwe und Mayanmar. Deutschland steht mit Platz 19 zwar nicht an der Spitze, aber immerhin noch besser da als Japan (30), Frankreich (38) und Italien (54).
  • Wirtschaftliche Freiheit macht wohlhabend, schafft Beschäftigung und verlängert das Leben: Wirtschaftlich freie Staaten übertreffen wirtschaftlich eher unfreie Staaten beim Wohlstand. Staaten im obersten Quintil haben ein durchschnittliches Pro-Kopf-Jahreseinkommen von 25000 US$ (Wirtschaftswachstum 2,5%, Arbeitslosigkeit 5,2%, Lebenserwartung 77,7 Jahre), die Bevölkerung der Länder des untersten Quintils muß sich dagegen mit einem Jahreseinkommen von durchschnittlich 2400 US$ (Wirtschaftswachstum 0,6%, Arbeitslosigkeit 13%, Lebenserwartung 52,5 Jahre) begnügen.
  • Wirtschaftliche Freiheit reduziert die Armut der Ärmsten: Die ärmsten 10% im freisten Quintil der Länder haben ein Jahreseinkommen von knapp 6500 US$ pro Kopf, im am wenigsten freien Quintil dagegen nur knapp 1200 US$.
  • Wirtschaftliche Freiheit fördert politische Rechte: Länder des obersten Quintils der wirtschaftlichen Freiheit gewähren ihren Bürgern deutlich höhere politische Rechte als Länder des untersten Quintils (1,7 vs. 5 auf einer Skala von 1 bis 7, wobei 1 das Maximum politischer Rechte markiert) 
  • Wirtschaftliche Freiheit reduziert gewaltsame Konflikte: Geht es um die Erhaltung von Frieden ist wirtschaftliche Freiheit fünfzig mal wirksamer als Demokratie. Andere Einflüsse, wie etwa die Mitgliedschaft in der EU, der Besitz von Kernwaffen oder die geographische Lage verändern das Ergebnis nicht.
  • Wirtschaftliche Freiheit und Wettbewerb fördern friedliche Koexistenz: Wohlstand entsteht durch Wettbewerb und Produktivitätsfortschritt, nicht durch die Eroberung und Ausplünderung von Ländern und Rohstoffen. Handel und wirtschaftlicher Wettbewerb machen Kriege schlichtweg unwirtschaftlich. Kriege verletzen und verunsichern Eigentumsrechte und reduzieren dadurch die Anreize zur Produktion und Investition.
Hier die englische Kurzfassung der Studie. Die Langfassung inklusive der Länderdaten kann hier gelesen werden.
 
Deutschland könnte trotz der Position unter den Top 20 durchaus ein Lifting vertragen. In ein paar Tagen haben wir die Chance die geeignete Regierung für dieses Unterfangen zu wählen. CARPE DIEM!
 
 

08.09.2005 um 14:19 Uhr

Veranstaltungstip: Ist Globalisierung gut für Deutschland?

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft lädt ein zur IV. Ludwig-Erhard-Lecture mit Professor Dr. Jagdish Bhagwati. Er wird über die Chancen Deutschlands in Zeiten der Globalisierung sprechen.

Professor Jagdish Bhagwati ist ein weltweit anerkannter Verfechter des freien Handels. Als Berater der Vereinten Nationen und der WTO nahm der in Indien geborene amerikanische Ökonom Einfluss auf die Gestaltung der Globalisierung. Die öffentliche Globalisierungsdebatte bereichert der auch "Freihandelspapst" genannte Fellow des Council on Foreign Relations durch zahlreiche geistreiche, aber auch provokative Artikel und Bücher. Bhagwati ist überzeugt, dass die Globalisierung neben positiven ökonomischen Effekten auch ein menschliches Gesicht hat.

Datum: 06.10.2005

Ort: 
Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom, Französische Straße 33 a-c, Berlin-Mitte

Beginn: 11:00 Uhr

Begrüßung und Einführung: Prof. Dr. Hans Tietmeyer, Kuratoriumsvorsitzender der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Lecture: Prof. Dr. Jagdish Bhagwati, Professor an der Columbia University New York, Senior Fellow in International Economics des Council on Foreign Relations

Der Vortrag wird simultan ins Deutsche übersetzt.

Empfang mit Buffet

Bitte melden Sie sich per E-Mail unter anmeldung@insm.de zu der Veranstaltung an.

Via ISNM.