Berechtigte Kritik an Gaspreiserhöhungen?
Erdgas steht in einem außerordentlich engen Substitutionsverhältnis zu anderen fossilen Energieträgern. Vor allem jedoch zu leichtem und schwerem Heizöl, weil diese Energieträger in industriellen Verbrennungsprozessen besonders leicht durcheinander ersetzt werden können. Eine Verknappung des Erdöls führt daher nicht nur zu einer Erhöhung des Erdölpreises, sondern auch zu einer erhöhten Nachfrage nach dem nächstbesten Alternativbrennstoff Erdgas. Dementsprechend steigen die Preise für Erdgas auch an. Das jedoch führt bei gegeben Produktionsmöglichkeiten zu einer Verknappung des am Markt verfügbaren Erdgas. Selbst wenn die Gasversorger ihr Erdgas auf Basis langfristiger Lieferverträge mit entsprechenden Preisklauseln beziehen, stehen sie nun vor einer anderen Marktsituation. Verzichten sie darauf die Preise für ihre Haushaltkunden zu erhöhen, müssen sie zwangsläufig auch darauf verzichten ein Teil des Erdgases gewinnbringend auf den Energiemärkten zum höheren aktuellen Erdgaspreis abzusetzen. Will man den Energieversorgern hieraus einen Vorwurf machen, sollte man sich selbst überlegen, ob man sein Eigenheim, ursprünglich für ein paar 10000 DM in den 60iger gebaut, trotz Immobilienpreissteigerungen tatsächlich für diesen Preis verkaufen würde oder aber triumphierend ein Vielfaches der Baukosten als Verkaufserlös in der Geldbörse verschwinden läßt. Zudem sind Preise Knappheitssignale und diese Funktion sollten sie auch bei den Verbrauchern erfüllen. Höhere Preise bedeuten dabei nicht unbedingt mehr physische Knappheit, sondern eine Vielzahl neuer produktiver Verwendungen des Brennstoffs, deren Wert unter den neuen Marktbedingungen den der Verbrennung in der heimischen Heizung übersteigt. Das Preissignal soll daher die Haushalte dazu animieren Heizenergie und damit Erdgas einzusparen, damit mehr von diesem Energieträger für höherwertige Verwendungen zur Verfügung stehen. Geschieht diese Anpassung nicht, weil die Politik die Gasversorger an einer Preisanpassung hindert, werden diese Einsparungen nicht vorgenommen und die Gaspreise steigen wegen noch höherer Nachfrage weiter. Was die Haushalte an Energiekosten einsparen geben sie dann für noch teurere energieintensiv produzierte Konsumgüter wieder aus.
