Nico Stehr und Hans von Storch in der FAZ zu notwendigen umweltpolitischen Lehren aus der Hurrican-Katastrophe in den USA:
Die katastrophalen Folgen des Hurrikans Katrina in der Stadt und in den
umliegenden Staaten sind ein Paradebeispiel für eine verfehlte
Klimapolitik. Allerdings liegt der Fehler nicht, wie von Umweltminister
Trittin bemängelt, bei der Regierung Bush, die sich weigert, dem
Kyoto-Protokoll zuzustimmen. Denn es ergibt keinen Sinn, nach der
katastrophalen Kraft Katrinas zu neuen Superlativen zu greifen und zu
behaupten, dieses Wetterextrem sei ein weiterer Beleg dafür, daß Stärke
und Dauer tropischer Wirbelstürme künftig zunehmen werden. Statt dessen
sollten Klimawissenschaftler gefragt werden, wann wir Verbesserungen
sähen, wenn die Vereinigten Staaten, aber auch China, Rußland und
Indien, ihren Ausstoß an Treibhausgasen drastisch reduzieren würden.
Würden dann die Folgen von Hurrikanen wie Katrina weniger gravierend
sein, und wie groß genau würden diese geringeren Schäden ausfallen?
Noch
wichtiger für unsere Gesellschaften ist es aber zu fragen, wie wir uns
in den kommenden Jahrzehnten vor Wetterphänomenen wie dem Hurrikan
Katrina, Hitzewellen, Überschwemmungen und anderen Extremen schützen
können und wie eine Klimapolitik aussehen müßte, die genau dies zum
Ziel hat? Bei der Beantwortung dieser Frage stoßen wir zunächst auf
einige Gemeinsamkeiten von Umwelt-, Bildungs- und Forschungspolitik.
Erträge oder Verluste dieser Politikfelder lassen sich schwer
berechnen; ihre Erfolge und Schäden zeigen sich, wenn überhaupt, erst
nach langer Zeit; kommende Generationen ernten ihre Früchte oder leiden
unter ihren Fehlern.
Die Alternative zu dieser Denkart heißt
Anpassung. Es geht um Maßnahmen, die sich - zwar nicht ausschließlich,
aber doch in erster Linie - der Frage einer Anpassung an die erwarteten
Klimaveränderungen widmen. Worin liegt gegenüber dem Gewohnten der
Unterschied? Beim bisherigen Konsens über die Ursache der
Klimaveränderung kommt politisch immer dasselbe raus: Treibhausgase
will man reduzieren, insbesondere die Kohlendioxyd-Emissionen. CO2 ist
schlecht. Das wird unaufhörlich betont. Es handelt sich um
Mäßigungsstrategien. Heute aber geht es um Überleben durch Vorsorge und
eine Vielzahl von konkreten Maßnahmen mit dem Ziel, erlebten und
erwarteten Extremen des Wetters zukünftig ohne massive Schäden begegnen
zu können. Die holländische Reaktion auf die verheerende Sturmflut in
einer kalten Winternacht des Jahres 1953 ist dafür beispielhaft. Die
gegen Überflutungen gerichteten Bauwerke in der Themse vor London sind
ein weiteres Beispiel... (
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