Mit dem Kopf voran

29.09.2005 um 17:40 Uhr

Aktive Sterbehilfe: Konkurrenz der Sensenmänner?

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Das Ansinnen der Schweizer Sterbehilfe-Organisation Dignitas eine Zweigstelle in Hannover zu eröffnen hat nicht nur bei einigen Politikern, sondern vor allem auch bei der Ärzteschaft einen Aufschrei der Empörung ausgelöst. Doch wirklich überzeugend sind die Argument gegen ein selbstbestimmtes Sterben mit fremder Hilfe nicht. Sollte es etwa andere, nicht offen genannte Gründe seitens der Ärzte gegen die aktive Sterbehilfe privater Hilfsorganisationen geben? Immerhin ist ein in den Freitod gegangener todkranker Krebspatient keine Einnahmequelle mehr für die Intensivmedizin. Zudem deutet die rechtliche Zulässigkeit der indirekten Sterbehilfe in Deutschland darauf hin, dass die deutschen Ärzte befürchten müssen, durch Dignitas das Monopol auf die Sterbehilfe zu verlieren.

29.09.2005 um 17:21 Uhr

Klimapolitik: Trägheitsfaktor Politik

Nico Stehr und Hans von Storch in der FAZ zu notwendigen umweltpolitischen Lehren aus der Hurrican-Katastrophe in den USA:

Die katastrophalen Folgen des Hurrikans Katrina in der Stadt und in den umliegenden Staaten sind ein Paradebeispiel für eine verfehlte Klimapolitik. Allerdings liegt der Fehler nicht, wie von Umweltminister Trittin bemängelt, bei der Regierung Bush, die sich weigert, dem Kyoto-Protokoll zuzustimmen. Denn es ergibt keinen Sinn, nach der katastrophalen Kraft Katrinas zu neuen Superlativen zu greifen und zu behaupten, dieses Wetterextrem sei ein weiterer Beleg dafür, daß Stärke und Dauer tropischer Wirbelstürme künftig zunehmen werden. Statt dessen sollten Klimawissenschaftler gefragt werden, wann wir Verbesserungen sähen, wenn die Vereinigten Staaten, aber auch China, Rußland und Indien, ihren Ausstoß an Treibhausgasen drastisch reduzieren würden. Würden dann die Folgen von Hurrikanen wie Katrina weniger gravierend sein, und wie groß genau würden diese geringeren Schäden ausfallen?

Noch wichtiger für unsere Gesellschaften ist es aber zu fragen, wie wir uns in den kommenden Jahrzehnten vor Wetterphänomenen wie dem Hurrikan Katrina, Hitzewellen, Überschwemmungen und anderen Extremen schützen können und wie eine Klimapolitik aussehen müßte, die genau dies zum Ziel hat? Bei der Beantwortung dieser Frage stoßen wir zunächst auf einige Gemeinsamkeiten von Umwelt-, Bildungs- und Forschungspolitik. Erträge oder Verluste dieser Politikfelder lassen sich schwer berechnen; ihre Erfolge und Schäden zeigen sich, wenn überhaupt, erst nach langer Zeit; kommende Generationen ernten ihre Früchte oder leiden unter ihren Fehlern.

Die Alternative zu dieser Denkart heißt Anpassung. Es geht um Maßnahmen, die sich - zwar nicht ausschließlich, aber doch in erster Linie - der Frage einer Anpassung an die erwarteten Klimaveränderungen widmen. Worin liegt gegenüber dem Gewohnten der Unterschied? Beim bisherigen Konsens über die Ursache der Klimaveränderung kommt politisch immer dasselbe raus: Treibhausgase will man reduzieren, insbesondere die Kohlendioxyd-Emissionen. CO2 ist schlecht. Das wird unaufhörlich betont. Es handelt sich um Mäßigungsstrategien. Heute aber geht es um Überleben durch Vorsorge und eine Vielzahl von konkreten Maßnahmen mit dem Ziel, erlebten und erwarteten Extremen des Wetters zukünftig ohne massive Schäden begegnen zu können. Die holländische Reaktion auf die verheerende Sturmflut in einer kalten Winternacht des Jahres 1953 ist dafür beispielhaft. Die gegen Überflutungen gerichteten Bauwerke in der Themse vor London sind ein weiteres Beispiel... (weiterlesen)