Mit dem Kopf voran

31.10.2005 um 01:34 Uhr

Erneuerbare Energieträger - Kein Ende der Verschwendung

von: steffenh   Kategorie: Umweltschutz

Dass Wahlkampfaussagen in der Regel nicht die Tinte wert sind, mit der sie aufs Papier gebracht werden, zeigen die Koalitionsverhandlungen bei der Frage der Förderung erneuerbarer Energieträger. Noch vor Wochen hatte Frau Merkel eine lange überfällige Überprüfung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) verkündet, doch bereits jetzt sind alle guten Vorsätze vergessen.

Die Förderung Erneuerbarer Energien hat in diesem Lande noch nie ökonomischer oder auch ökologischer, sondern stets einer politischen Logik gehorcht. Warum sonst hält die Bundesregierung an einem Fördermodell fest, dass aus reinem umweltpolitischen Symbolismus Jahr für Jahr Milliardenbeträge in eine Klimaschutzmaßnahme stopft, die genaugenommen nichts anderes als eine faktische Kohlendioxid-Produktion bedeutet. Mit den gegenwärtig 95 bis 198 €/t-Kohlendioxid, die für den Klimaschutz mit Windkraftanlagen aufzubringen sind, wäre bei einem Kohlendioxid-Zertifikatspreis von rd. 22 € /t-CO2 im Kraftwerksbereich mehr als der vierfache Klimaschutz zu erreichen. Ganz zu schweigen von den CO2-Vermeidungskosten die unserer Volkswirtschaft von der Förderung anderer Erneuerbarer Energieträger aufgezwungen werden. Beispielweise liegen die Kosten bei der Biomassenutzung zwischen 120 und 400 €/t-CO2.

Der verzweifelte Versuch, diese Verschwendung mit dem Rückgriff auf Arbeitsplätze, Rohstoffknappheit und Energiesicherheit zu rechtfertigen hält auch keiner näheren Betrachtung des Problems stand.

Arbeitsplätze, die durch eine ineffiziente Produktion von Konsumgütern und Produktionsfaktoren entstehen, sind faktisch nichts anderes als der Verzicht auf den Bagger durch den Rückgriff auf eine Armee von Spatenträgern. Arbeitsplätze, die nicht durch den Wert ihrer Produktion, sondern durch Subventionen erzeugt werden, sind selbst unter Vernachlässigung der Arbeitplatzverluste durch die notwendige Gegenfinanzierung der Förderung kein gesellschaftlicher Gewinn. Ineffizientes Wirtschaften reduziert die Produktivität einer Volkswirtschaft und damit Einkommen, die wiederum bitter nötig sind um neue Beschäftigungsmöglichkeiten in völlig neuen Dienstleistungsbereichen zu schaffen. Jenseits von diesen Überlegungen zeigen empirische Studien schon heute, dass das EEG in absehbarer Zeit netto keine Arbeitsplätze schaffen wird.

Sicherlich werden die Erneuerbaren Energieträger ihren Beitrag zur Energieversorgung der Zukunft leisten müssen. Doch hier ist es sinnvoll, erst dann auf sie umzuschwenken, wenn ihre Nutzung kostengünstiger als die konventioneller Energieträger ist. Auch hier gilt, dass die hohen Kosten für handverlesene Energiealternativen eine unwirtschaftliche Bindung wertvoller Ressourcen bedeutet, die für andere nutzbringende Güterproduktionen nicht mehr zur Verfügung stehen. Schließlich sind flukturierende Energiequellen wie die meisten Erbeuerbaren Energieträger keine geeignete Option für die Herstellung der Energieversorgungssicherheit, da sie ohne konventionelle Energieversorgungskapazitäten nicht auskommen. Generell kann sich kein Land von den Folgen globaler Energiepreisschwankungen abkoppeln, wenn es durch Energie- und Gütermärkte mit dem globalen Markt verbunden ist. Da Energie für alle Produktionsvorgänge wichtiger Input ist, werden die Handelsströme und Güterpreise sehr schnell auf Energieknappheiten an jedem beliebigem Ort dieser Welt reagieren. Wie sicher dieser Effekt international eintritt haben erst kürzlich die Benzinpreissteigerungen in Deutschland als Reaktion auf eine Verknappung der Rafeneriekapazitäten in den USA gezeigt.

29.10.2005 um 01:34 Uhr

WTO-Agrar-Subventionspoker

Es kommt Bewegung in die WTO-Verhandlungen um die weltweiten Agrarsubventionen. Immerhin bietet die EU eine Senkung ihrer Einfuhrzölle für landwirtschaftliche Produkte im Durchschnitt um 47 % an, für bestimmte Produkte sogar um 60 %. Doch wie immer sind diese Angebote konditionell, es wird erwartet, dass die ebenfalls subventionsschweren WTO-Partner gleichermaßen Zugeständnisse machen. Frei nach dem Motto, nur wenn ihr aufhört euch ins Knie zu schießen, hör ich auf mein eignes Knie zu durchlöchern, wird hier suggeriert, daß einseitige Vorleistungen nicht akzeptabel oder gar nützlich wären. Doch ist das ganze Gegenteil der Fall. Eine einseitige Lockerung der Handelsbeschränkung würde zwar dem einen oder anderen Bauern vorübergehend das Leben schwer machen, aber für die europäischen Bevölkerung insgesamt erhebliche Erleichterungen bedeuten. Nicht nur, dass dann Lebensmittel zum geringeren Weltmarktpreis bei uns in die Regale kämen, auch würden wir von den subventionierten Lebensmitteln der Handelspartner profitieren. Nach wie vor betreiben die EU-Protektionisten, allen voran die Franzosen, eine Kartellpolitik, die den Wettbewerb innerhalb der europäischen Landwirtschaft und auf globaler Ebene zu Lasten der Mehrheit der Bevölkerung wirksam verhindert (Hintergrundliteratur). Von den Schäden für die Bevölkerung der dritten Welt ganz zu schweigen. Der Bildungsroman zum Thema: Russell Roberts - The Choice: A Fable of Free Trade and Protectionism.

28.10.2005 um 15:47 Uhr

A Real Free Lunch

Für alle Leser, die sich den Tip nicht schon persönlich bei Marginal Revolution abgeholt haben, hier noch einmal der Link zu Online Economics Textbooks. Ob Einsteiger oder Fortgeschrittener, eher für statistische oder ökonometrische Verfahren interessierte Leser, für nahezu jeden Ökonomie-Interessierten ist zu jeder wichtigen Teildisziplin etwas zu finden. Mein ewiger Favorit: David Friedman's Price Theory: An Intermediate Text.

27.10.2005 um 00:00 Uhr

Armes Deutschland...

...muß man zwangsläufig denken, wenn man sich die Veränderung des Rankings des Bruttoinlandsprodukts (in Kaufkraftstandards) der wichtigsten Industrieländer im Vergleich zum Durchschnitt der EU 25-Länder für die Jahre 1995 und 2004 anschaut. Beeindruckender dagegen die Performance unserer Nachbarn in Luxemburg und der Iren.


Quelle: Eurostat

25.10.2005 um 15:37 Uhr

"Ressourcenknappheit" made in Germany

von: steffenh   Stichwörter: Energiepolitik

Hohe Kraftstoffpreise können ein Indikator für knapper werdendes Rohöl sein. Müssen sie aber nicht, jedenfalls nicht in Deutschland. Denn würde der Fiskus mit Mineralöl- und Ökosteuer nicht so heftig zugreifen, läge der Benzinpreis hierzulande noch immer unterhalb des Niveaus der Hochpreisära der ersten Hälfte der achtziger Jahre (ohne Steuern). Angesichts der Umweltschäden des Straßenverkehrs sind diese jedoch nicht ohne Rechtfertigung. Für die Finanzierung der Infrastruktur gibt es allerdings mit einer orts-, zeit- und entfernungsabhängigen Maut für alle Fahrzeuge eine verursachergerechtere Lösung. Auf jeden Fall muß man sich sehr genau überlegen, wem man die hohen Preise hierzulande in die Schuhe schiebt.




Quelle: Statistisches Bundesamt (Einzelhandelspreisindex), Mineralölzahlen 2004

25.10.2005 um 01:25 Uhr

Erstes Bloggertreffen in Wien!

Vielen Dank an Michael (links) von Mahalanobis (dem besten Weblog aus Österreich) und Christian (rechts) aus Wien für die amüsante Einführung in die Höhen und Tiefen des Wiener Nachtlebens an diesem Wochenende. Bloggen verbindet.


20.10.2005 um 00:49 Uhr

DDR: Nachhaltige Kopfwäsche

In ihrem aktuellen Aufsatz Good bye Lenin (or not?): The effect of Communism on people's preferences kommt das Autoren-Duo Alberto Alesina und Nicola Fuchs-Schündeln von der amerikanischen Harvard-University zu einer Reihe interessanter Ergebnisse:

  • Ostdeutsche präferieren staatliche Interventionen und Umverteilungsmaßnahmen generell mehr als Westdeutsche. Obgleich eine schlechtere Einkommensposition, Arbeitslosigkeit und eine aktuelle Abhängigkeit von Transferleistungen die Neigung zum Staatsinterventionismus verstärkt und Selbstständigkeit das Gegenteil bewirkt bleibt die stärkere Neigung der Ostdeutschen für Staatseingriffe trotz einer Kontrolle dieser Variablen vorhanden.
  • Auch im Westen lebende Ostdeutsche sehen lieber einen starken Staat als ihre Westdeutschen Nachbarn. Trotzdem sind bodenständige Ostdeutsche noch stärker von der Verantwortlichkeit des Staates für die Härten des Lebens überzeugt.
  • Die Stärke der Präferenzen ist in allen fünf ostdeutschen Bundesländern etwa gleich groß. Der einzige Ausreißer ist Mecklenburg-Vorpommern , wo erstaunlicherweise etwas weniger auf den Staat gesetzt wird.
  • Die Staatsgläubigkeit ist auch zwischen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen sehr homogen. Jedoch hat das Lebensalter einen positiven Effekt auf das Vertrauen in den Staat. Je länger jemand in der DDR gelebt hat umso stärker verläßt er sich auf staatliche Interventionen bzw. fordert sie ein. Dieser Effekt überkompensiert das sonst mit dem Alter nachlassende Vertrauen in den Staat.
  • Offenbar glauben Ostdeutsche stärker als ihre westdeutschen Landsleute, dass Armut, Arbeitslosigkeit oder Hilfebedürftigkeit nicht individuelle, sondern gesellschaftliche Ursachen hat. Dementsprechend fordern sie von der Gesellschaft eine Lösung dieser Probleme ein. Vor allem ältere Bürger sind von der gesellschaftlichen Verantwortung für individuelles Scheitern überzeugt. Trotz gleicher Beantwortung der Schuldfrage für Schicksalschläge neigen Ostdeutsche stärker zur Lösung des Problems durch den Staat.
  • Ein Vergleich der Ergebnisse der Untersuchung der Daten von 1997 und 2002 deutet auf eine Konvergenz der Präferenzen hin. Die Ostdeutschen verlieren nur sehr langsam ihre Staatsgläubigkeit. Der Anpassungsprozess dürfte ein bis zwei Generationen dauern. Allerdings wächst auch die Staatsgläubigkeit im Westen, so dass Ost- und Westdeutsche sich irgendwo in der "Mitte" treffen dürften.
  • Männer vertrauen dem Staat weniger als Frauen. Große Familien mehr. Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes können eher auf die Nothilfe des Staates verzichten (Warum wohl?). Höheres Bildungsniveau und Selbstständigkeit fördern die Skepsis gegenüber der staatlichen Sozialverantwortung.
Angesichts dieser Erkenntnisse ist das diesjährige Wahlergebnis nicht weiter verwunderlich. Die stärkeren Präferenzen der Ostdeutschen für das linke Parteienspektrum scheinen also nicht nur eine Konsequenz der aktuellen wirtschaftlichen Probleme, sondern die noch immer nicht enden wollenden Nachwehen einer jahrzehntelangen sozialistischen Kopfwäsche zu sein. Auch meine Eltern meinen noch heute, ich müsste der DDR dankbar sein, dass aus mir etwas halbwegs Vernünftiges geworden ist. Das Bewußtsein für ihren eignen Beitrag haben sie wohl irgendwann dem Glauben an den sozialen Großmut der "Partei- und Staatsführung der DDR" geopfert.

19.10.2005 um 23:32 Uhr

Klimaforschung: Hockeystick revisited

Auf Ökologismus.de hat eine interessante Serie zur nach wie vor aktuellen Hockeystick-Debatte begonnen.  Prädikat: Empfehlenswert!

19.10.2005 um 09:48 Uhr

Marktanreize und Verbraucherschutz

Ein sehr schönes Beispiel dafür, dass es nicht zwangsläufig die geballte Macht des Staates braucht, um die Interessen der Konsumenten auf dem Markt zu verteidigen, ist ein Landwirt aus Rheinland-Pfalz. Der hatte seine Hühner bereits vor einer staatlichen Auflage (wie jetzt in Bayern) der Stallhaltung von Zuchtgeflügel zum Schutz vor der Vogelgrippe weggesperrt und weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen:

Kunz ist einer, der sich nicht auf Verordnungen von oben verlässt. Er sieht zu, wie er die Sache selbst in den Griff bekommt. Und er muss handeln. Seine Kunden sind verunsichert und fragen, ob er denn seine Tiere nicht schützen will gegen die Pest. Nun vermeidet der Landwirt einfach alles, was ihm die Viren auf den Hof bringen könnte. Keine Führungen mehr für Kunden, die wissen wollen, ob das Huhn, von dem das Ei stammt, das sie beim Frühstück aufschlagen, auch wirklich glücklich lebt. Er bleibt jetzt mit ihnen am Zaun stehen und schaut von weitem auf den Stall. Nur Journalisten dürfen noch rein – wenn sie nicht in den letzten Wochen in eines der Virenländer, nach Asien, in die Türkei, nach Kasachstan oder Rumänien gereist sind.

Gewinn, Qualität und Kundenzufriedenheit sind eben kein Widerspruch. Aber es gibt auch schwarze Schafe, die langfristig ihre Reputation verspielen.

18.10.2005 um 01:27 Uhr

Energieexpertin?

Meine "Lieblings-Energieexpertin" vom DIW hat in einem Interview mit dem Deutschlandfunk wieder eine "denkwürdige Leistung" abgegeben und meinem fachlichen Vertrauen in den akademischen Nachwuchs der deutschen Wirtschaftsforschung einen ordentlichen Dämpfer gegeben:

Ja, die Mineralölkonzerne haben hier auch - gerade die Preisaufschläge, die wir in der vergangenen Woche gesehen haben, von 14 Cent - natürlich ordentlich zugeschlagen. Also die haben wirklich versucht, diese Gewinnmargen, die es gab in Deutschland, noch mal auszuschöpfen. Denn steuerlich hatte sich ja gar nichts geändert, nur eben halt der Ölpreis. Und das wurde vollständig auf den Spritpreis umgelegt. Hier kann man nur appellieren an die Großmineralölkonzerne, dies nicht zu tun in einer solchen Krisensituation, wie durch den Hurrikan. Aber mehr als Appelle kann man da auch nicht tun.
Fein, eine volle Breitseite gegen die gierigen Unternehmer. Nur haben wir das Problem, dass nicht nur Erdölplattformen in der Karibik, sondern auch Rafineriekapazitäten auf dem amerikanischen Festland durch den Hurrikan zerstört worden sind. Das muß zwangsläufig zu einem stärkeren Anstieg der Benzinpreise als der Rohölpreise führen, weil die Versorgungsengpässe in den USA zu einem Abzug von Benzin aus dem europäischen Markt führen. Im übrigen ist eine volle Überwälzung der gestiegenen Rohölbezugskosten auf die Benzinpreise an den Tankstellen nicht möglich, da die Benzinnachfrage nicht völlig unelastisch ist und die Kraftfahrer auf steigende Preise mit Verbrauchssenkungen reagieren. Die Reaktionen betragen nach empirischen Studien kurzfristig immerhin - 2,5 % auf eine 10 %ige Preissteigerung, langfristig ist sogar mit mehr als - 6 % zu rechnen. Das zeigt sich dann auch im Einfluß der diesjährigen Rohölpreissteigerung auf den Benzinpreisanstieg. Während der Welt-Rohölpreis zwischen Januar und September um gut 65 % zulegte, betrug der Zuwachs bei den Benzinpreisen in Deutschland knappe 25 %.

Der Rest des Interviews erschöpft sich in der üblichen Kritik an der Profitgier der Ölmarkt-Spekulanten. Das derartige Terminmarkttransaktionen als Mittel zur Absicherung gegen Preisschwankungen und Versorgung der Märkte mit Liquidität durchaus ihre Berechtigung haben, kommt der Autorin offenbar nicht in den Sinn. Deshalb empfiehlt sie auch das so alte wie untaugliche Instrument der "Tobin Steuer" gegen Spekulationsgewinne.

Wer also eher Interesse an einer fundierten Analyse der Preisbildung von Rohöl und Benzin hat dem empfehle ich die Lektüre des jüngsten Monatsberichts der Europäischen Zentralbank (ab S. 36) oder die interessanten Artikel von James Hamilton auf Econbrowser

17.10.2005 um 23:16 Uhr

Obst und Gemüse gegen Krebs?

von: steffenh   Kategorie: Gesundheitspolitik

Die finanziell durch die EU unterstütze und vom Verbraucherschutzministerium promotete Ernährungskampagne "5 am Tag" der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. wirbt zur Krebsvorsorge für mehr Obst und Gemüse auf deutschen Speiseplänen. Nur hat die Kampagne einen Haken: Nach der derzeitigen Datenlage ist das Krebs-präventiv-Potential von Obst und Gemüse geringer als angenommen und auf nur wenige Krebsarten beschränkt. So schreibt jedenfalls das Deutsche Institut für Ernährungsforschung:
Die Auswertung der beiden amerikanischen Kohorten Nurses Health Study und Health Professional Study (insgesamt 109,000 Teilnehmer, 2500 Krebsfälle) zeigte keinen Einfluss des Obst- und Gemüseverzehrs auf das gesamte Krebsrisiko und nur eine geringe (und nicht signifikante) Absenkung des Erkrankungsrisikos für chronische Erkrankungen (5%) insgesamt (Hung et al., 2004). Dieses Ergebnis schließt jedoch nicht aus, dass es für einzelne Krebsarten und in anderen Populationen signifikante Assoziationen gibt. Deshalb sollten zur Beurteilung der Datenlage alle prospektiv angelegten Untersuchungen, die nach Krebsart differenzieren, insbesondere auch die wichtigsten europäischen Studien, herangezogen werden (siehe hierzu die Tabelle auf der Webseite).
Die Daten der prospektiven Kohortenstudien zeigen übereinstimmend, dass zwischen dem Verzehr von Obst und Gemüse und dem Risiko einer Brustkrebserkrankung keine Assoziation besteht (Smith-Warner et al., 2001; van Gils et al., 2005). Sie zeigen aber ein signifikant erniedrigtes Lungenkrebs-Risiko in der Quintile (Fünftel) der Studienteilnehmern mit dem höchsten Obstverzehr (Voorrips et al., 2000; Smith-Warner et al., 2003; Miller et al., 2004). Diese Assoziation ist ein Hinweis auf eine schützende Wirkung des Obstverzehrs, kann diese jedoch nicht zweifelsfrei beweisen. Es muss zudem hervorgehoben werden, dass die Daten für den geringeren Obstverzehr von Rauchern korrigiert werden mussten; einige Autoren schließen deshalb nicht aus, dass die Assoziation durch einen Rest-Effekt des sog. Confounders Rauchen zustande gekommen ist (Smith-Warner et al., 2003).
Die Daten zur Rolle des Obst- und Gemüseverzehrs in der Entstehung des Colon/Rectum-Carcinom sind bislang inkonsistent, zeigen geringe Effekte und z.T. nur in Subgruppen der Studienpopulationen (s. Tabelle). Allerdings ist die Rolle der Ernährung für die Entstehung dieser Krebsform am besten belegt: So hatte die EPIC-Studie gezeigt, dass ein hoher Ballaststoffgehalt der Ernährung mit einem erniedrigten Dickdarmkrebs-Risiko assoziiert ist (Bingham et al., 2003).

Offenbar wird der Bürger wiedereinmal mit "ungelegten Eiern" agitiert. Mitmenschen, denen die drohende Ernährungsdiktatur gründlich auf den Zeiger geht, sei Udo Pollmers neues Buch Eßt endlich normal! empfohlen.

15.10.2005 um 17:43 Uhr

Wirtschaftsgeschichte der Menschheit

Marginal Revolution empfielt eine interessante wirtschaftshistorische Leseliste des amerikanischen Makroökonomen Bradford de Long. Darunter auch ein Manuskript von Gregory Clark mit dem Titel The Conquest of Nature: A Brief Economic History of the World 10.000 BC - 2000 AD.

14.10.2005 um 10:11 Uhr

Nützliche Informationen zur Vogelgrippe

Die Vogelgrippe rückt inzwischen auch auf Europa zu. Um immer gut informiert zu bleiben, ohne sich auf die nicht immer sehr informativen Quellen der hiesigen Medien verlassen zu müssen, sei hier der von Tyler Cowen (Marginal Revolution) betriebene Weblog Avian Flu - What we need to know empfohlen.

14.10.2005 um 10:04 Uhr

Versteckte Konjunkturprogramme

Die Verkehrsminister lehnen die PKW-Maut ab und wollen gleichzeitig mehr Geld für die Straßen. Cleverer Schachzug. Einerseits will man sich den Zugriff auf die Bundesmittel für den Straßenbau sichern und damit versteckte Konjunkturprogramme finanzieren mit denen man später im Wahlkampf punkten kann. Damit man aber nicht in einen Rechtfertigungszwang kommt, ob der Straßenbau überhaupt notwendig ist lehnt man die PKW-Maut ab, denn diese würde sehr bald zeigen wie stark die Nachfrage nach verursachergerecht bezahlten Autobahnkilometern wirklich ist. Zudem würden sich die Bundesländer auch um die sprudelnden Einnahmen des Länderanteils des auch aus der Mineralölsteuer mitfinanzierten Bundeshaushalts bringen, da diese ja dann logischerweise gekürzt werden könnte und müsste. Da aber jedes Bundesland hier jeweils Einnahmen erhält, die auch in anderen Bundesländern erhoben wurden, bleibt man lieber in dieser bequemen Trittbrettfahrerposition. Die Rechnung zahlt wie immer der Steuerzahler.

12.10.2005 um 00:03 Uhr

Vernon Smith: Fortschritt durch Globalisierung

Auf der Webseite der Foundation for Economic Education ist eine erst erst kürzlich vom Nobel-Preisträger (2002) Vernon Smith gehaltene Rede zum Thema  "Human Betterment Trough Globalisation" im MP3-Format zu finden. In einem etwas älteren Beitrag wurde hier bereits auf ein Paper von ihm zum gleichen Thema hingewiesen.

10.10.2005 um 22:12 Uhr

Windige Argumente

Wer sich als Berliner am vergangenen Wochenende den sonntäglichen Tagesspiegel zu Gemüte führte, hatte wieder einmal die Gelegenheit Zeuge einer ganz besonderen Demonstration sonderbaren ökonomischen Sachverstands von Experten zu werden ("Gegen den Wind"). Stein des Anstosses war ein Gutachten von Bernhard Hillebrand, Leiter des Eefa-Instituts, zu den volkswirtschaftlichen Einsparpotentialen der Neuorientierung der deutschen Förderpolitik für Erneuerbare Energieträger. Dieser hatte vorgerechnet, dass ein Ausstausch des EEG gegen ein Quotenmodell (sog. Integrationsmodell) zu einer Reduzierung der Kosten der regenerativen Stromerzeugung von 90 € je Megawattstunde auf 72 € je Megawattstunde führen könnte, was eine gesamtwirtschaftliche Ersparnis von insgesamt 5,5 Mrd. Millionen € im Jahr 2020 einbringen würde (oder im vergangenen Jahr von 720 Mio. € eingebracht hätte). Diese Effizienzgewinne resultieren daraus, dass das Quotenmodell, anders als das heutige Festpreismodell des EEG, durch einen Handel von Quoten bzw. Grünstrom-Zertifikaten für Strom aus erneuerbaren Energieträgern zu einem intensiven Wettbewerb um die kostengünstigste Erzeugung des Regenerativstroms führen würde. Nur noch Windkraftanlagen an wirklich geeigneten Standorten und andere bereits ausgereifte regenerative Technologien würden zum Zuge kommen, andere hoffnungslos teure Technologie könnten sich dagegen nicht mehr behaupten. Die energie- und umweltpolitischen Ziele der Bundesregierung ließen sich trotzdem und sogar noch zielgenauer einhalten.

Kein Wunder, dass ein derartiges Gutachten nicht auf Gegenliebe aus Kreisen der Umweltfraktion unter den Energieexperten gestoßen ist. Und so konnte man im Tagesspiegel von Felix Matthes vom Öko-Institut lesen, dass die Zahlen wohl übertrieben seien, weil man das höhere Risiko des Integrationsmodells für die Anlagenbetreiber berücksichtigen müsse, was sich entsprechend in höheren Preisen niederschläge. Was ist hiervon zu halten? Richtig ist, dass der Betrieb der Anlagen durch den Wettbewerb riskanter wird, was jedoch dazu führt, erst recht nur wirklich kostenkünstige Anlagen in Betrieb zu nehmen. Das jedoch dürfte die Preise für den Strom aus diesen Anlagen im Wettbewerb erheblich senken. Eine Erhöhung der Kosten ist daher kaum zu erwarten.

Von noch weniger energiepolitischer Kompetenz zeugte dagegen der Protest von Claudia Kemfert, Energie- und Umweltökonomin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Mit ihrer Bemerkung "Bei den volkswirtschaftlichen Effekten muss man gegenrechnen, dass ganze Industriezweige mit ihren Arbeitsplätzen verschwinden." leistete sie sich einen Fauxpas, den ein Ökonom sich eigentlich verkneifen sollte. Wie oft muß noch gesagt werden, dass die Investition von Ressourcen in jede beliebige Maßnahme Arbeitsplätze schaffen kann und dass aber ineffiziente Geldausgabe Wachstum und damit die Entstehung neuer Arbeitsplätze verhindert. Zudem meinte sie noch, dass man selbst, wenn es nicht lohnt, in die erneuerbaren Energien anfangs auch Geld reinstecken müsse, weil diese ja Zukunftspotential hätten. Der Haken an diesem Argument ist jedoch, dass gesamtwirtschaftliche Effizienz, also maximale Wohlfahrt nur dann zu erreichen ist, wenn man stets nur soweit in ein Projekt investestiert, wie die Kosten einer zusätzlichen Investition die jeweils zu erwartenden Nutzen nicht übersteigen (im Optimum sind Grenzkosten = Grenzertrag). Dieses Grundprinzip der Wohlfahrtsökonomik sollte einem bereits im VWL-Grundstudium in Fleisch und Blut übergegangen sein. Die Förderung erneuerbarer Energieträger mit dem Argument nicht weiter quantifizierbarer Zukunftspotentiale zu begründen, heißt aber gerade, vollkommen auf eine kontinuierliche Kontrolle eines angemessenen Verhältnisses von Kosten und Nutzen zu verzichten. Die Notwendigkeit einer Subvention zeigt ja gerade, dass der Ertrag der Anlagen die Kosten der zusätzlichen Investitionen nicht deckt.

Wahrlich keine großen Argumente gegen eine Erkenntnis die, so simpel sie auch sein mag, seit Jahren aus ideologischen und interessengeleiteten Motiven verdrängt wird. Schließlich ist Förderung der Erneuerbaren Energieträger für sich genommen eine höchst ineffiziente Klimaschutz-Maßnahme, da sie willkürlich ein Bündel von Technologien fördert, statt der Gesamtheit der Haushalte und Unternehmen einfach ein Emissionsminderungsziel zu setzen, das dann über den Preismechanismus kostenminimal realisiert wird. Mit dem europäischen Emissionshandel ist bereits ein erster, wenn auch noch etwas unausgegorener Anfang gemacht worden. Eine Integration der erneuerbaren Energieträger in dieses Instrument wäre die volkswirtschaftlich sinnvollste Lösung.

Zur Kritik am ineffizienten Nebeneinander von Emissionshandel und EEG siehe auch das Kurzgutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim BMWA.

10.10.2005 um 13:33 Uhr

Süße Aussichten

von: steffenh   Stichwörter: Europäische, Union

Laut einer aktuellen Studie der Weltbank (Sugar Policies Opportunity for Change) über die Potentiale einer Abschaffung von Handelsschranken und Subventionen für die Zuckerproduktion in der EU, Japan und den USA ließe sich durch den Wegfall des Produzentenschutzes in einer Reihe von Ländern ein globaler Wohlfahrtsgewinn von rund 4,7 Mrd. US$ (3,8 Mrd. € o. 0,2 % des deutschen Nationaleinkommens 2004) pro Jahr erzielen. Die Zunahme der Nettoimporte in die bisher geschützten Länder würde fast eine Million Arbeitsplätze in den Entwicklungsländern schaffen und vor allem dazu fördern, dass Zucker dort angegebaut und produziert wird, wo die geringsten Produktionskosten entstehen. Obwohl der weltweite Zuckerpreis deutlich zunehmen würde (bis zu 40 %) reduzieren sich die Preise in den bislang geschützen Märkten dennoch.

09.10.2005 um 23:05 Uhr

PKW-Maut in Deutschland

von: steffenh   Kategorie: Wirtschaftspolitik

Es wird Zeit, das hierzulande wieder gründlicher über die PKW-Maut nachgedacht wird. Es ist lange überfällig, dass die Straßen von den Nutzern direkt je nach individueller Nutzung bezahlt werden. Das kann langfristig nicht nur eine sinnvollere Planung und Umsetzung von Straßenprojekten, sondern auch eine Reduzierung von Staus, Unfällen und verkehrsbedingter Umweltverschmutzung bringen. Allerdings ist das jetzt diskutierte Modell einer pauschalen Jahresgebühr noch meilenweit von einer guten Lösung entfernt. Hiermit würde es nach wie vor keine Steuerung besonderer räumlicher und zeitlicher Verkehrsbelastungen durch den Preismechanismus geben. Wofür haben wir die satellitengestützte Mauterfassung für LKW auf deutschen Autobahnen, die man relativ unkompliziert auch für jeden PKW in Anspruch nehmen könnte. Zu begrüßen ist, dass die Entlastung der Autofahrer durch eine Senkung der Mineralölsteuer erfolgen soll, die ursprünglich für eine Finanzierung der Infrastruktur gedacht, inzwischen zu einer reinen Finanzierungsabgabe für den allgemeinen Staatshaushalt verkommen ist. Unverständlich ist deshalb die ablehnende Haltung der Lobbyisten vom ADAC und vor allem die Position der FDP, die eigentlich begeistert sein sollten, wenn der Marktmechanismus auch im Straßenverkehr seine unsichtbare Hand ausstrecken kann.

Auch die von Noch-Bundeswirtschaftsminister Clement geforderte Autobahnprivatisierung erlaubt Raum für mehr Rationalität im Straßenverkehr. Allerdings setzt dies voraus, dass die Politik zukünftig ihre Finger aus der Planung und Finanzierung von Fernstraßen heraushält. Die Straßeninfrastruktur mußte lange genug als Mittel für alle möglichen wahltaktischen Spielereien herhalten und wurde seit jeher als Vehikel der regionalen Wirtschaftsförderung mißbraucht. Noch heute werden in der sog. "Nutzen-Kosten-Analyse" des Bundesverkehrswegeplans Arbeitsplatzeffekte des Straßenbaus als volkswirtschaftliche Vorteile schöngerechnet, als würde das Investitionsvolumen vom Himmel und nicht aus den Taschen der Steuerzahler auf die Erde niederfallen. Denen mangelte es wahrlich nicht an Phantasie, ihr Geld nach persönlichen Wünschen ebenfalls arbeitsplatzschaffend einzusetzen. Wie eine marktorientierte Autobahnfinanzierung aussehen könnte hat erst kürzlich der sonst marktwirtschaftlich eher zurückhaltende Sachverständigenrat für Umweltfragen in seinem Gutachten Umwelt und Straßenverkehr (S. 216f) beschrieben.

Wenn auch die angestoßene Debatte über die verursachergerechte Straßenfinanzierung noch nicht der ganz große Wurf ist, so ist doch ein wichtiger Stein endlich ins Rollen gebracht worden. Zu lange wurden die Straßen in sozialistischer Manier generalstabsmäßig geplant und somit häufig am Bedarf vorbei gebaut. Wer gegen diese Reformen aus Angst vor finanzieller Überlastung Sturm läuft, sollte daran denken, dass die heutige Last wegen der großen Ineffizienzen des Systems für alle viel größer als nötig ist. Wovor die meisten offenbar Angst haben ist, dass eine Maut ihnen die wahren Kosten der Straße ganz konkret vor Augen führt. Niemand regt sich darüber auf, wenn er beim täglichen Einkauf im Supermarkt für jedes Produkt einzeln bezahlt und nicht stattdessen vorher bei der Kassiererin eine vom Einkommen abhängige pauschale Gebühr und eine Steuer auf die gefahrenen Meter des Einkaufwagens zahlen muß, um danach "kostenlos" plündernd durch die Regalreihen ziehen zu können. Was dann beim Einkaufen passieren würde hat jeder schon am eigenen Leib erfahren, wenn er beim sonntäglichen Frühstücks-Brunch für einen Festpreis völlig überfressen in den Seilen hängt. Drive-as-you-can haben wir auf unseren Straßen lange genug gehabt.

09.10.2005 um 16:17 Uhr

Ölpreisbildung

Auf der Webseite des Mineralölwirtschaftsverbandes steht u.a. eine interessante und recht aktuelle Broschüre zur Preisbildung an den Ölmärkten zum Download bereit. Neben Funktionsweise und Geschichte des internationalen Ölhandels wird dabei auch der Terminhandel anschaulich erläutert. Prädikat: Lesenswert!

06.10.2005 um 19:19 Uhr

Telekommunikation: Preissturz beim Internet

Laut Statistischem Bundesamt sind die Preise für Telekommunikationsdienstleistungen im letzten Jahr um 0,8 % gesunken. Für Mobil- und Festnetzanschlüsse haben sich die Preise gegenüber dem Jahr 2000 nicht gerade rosig entwickelt. Jedenfalls ist kein Abwärtstrend zu spüren. Dafür sind aber die Preise für die Internetnutzung in den Keller gegangen.



Da Konkurrenz bekanntlich das Geschäft belebt und den Preisen den notwendigen Druck verpasst, kann man nur empfehlen das Internet öfter mal zum telefonieren zu nutzen.