Mit dem Kopf voran

26.01.2006 um 23:08 Uhr

Im Kopf von Politikern...

...geht es offenbar sonderbar zu. Mit Hilfe der funktionellen Kernspinntomographie haben Psychologen versucht herauszubekommen, warum Politiker unterschiedlicher Parteien aus identischen Informationen unterschiedliche Schlüsse ziehen. Offenbar lassen sie bei der Bewertung der Fakten ihren Verstand beiseite und das Gehirn reagiert vollständig emotional und aktiviert dabei die gleichen Hirnareale die etwa Drogenabhängigen einen Kick verschaffen. Das Gehirn "verarbeitet" die Informationen dort solange bis eine programmkonforme und befriedigende Antwort gefunden wurde. Gefühlsgetriebene Vorgänge führen von der Person unbemerkt zu voreingenommenen Urteilen. Rational nicht widerlegbare Informationen werden einfach ignoriert. Doch nicht nur Politiker sind von diesem Problem betroffen. Man fasse sich nur an die eigene Nase... Mmh.

Mehr dazu im Ärzteblatt und als Lesetip Thomas Gilovich's How do we know what isn't so - The fallibility of human reason in everyday life.

 

24.01.2006 um 13:46 Uhr

Kleine Ursache mit großer Wirkung

Wie das Ärzteblatt meldet glauben griechische Forscher belegen zu können, dass die Vormacht Athens in der Antike um 430 bis 426  vor Christus durch den Erreger Salmonella Typhi und eine durch ihn ausgelöste Typhus-Epidemie beendet wurde. Was bisher nur aus Aufzeichnungen antiker Geschichtsschreiber vermutet wurde, ließ sich nun mit DNA-Analysen von Knochenfunden antiker Grabstätten wissenschaftlich nachweisen. Wer mehr über den Einfluß von Krankheiten und Naturkatastrophen auf die menschliche Entwicklungsgeschichte erfahren möchte, dem sei Jared Diamonds "Arm und Reich" (Guns, Germs and Steel) empfohlen.

24.01.2006 um 00:36 Uhr

EEG: Umverteilung von unten nach oben

In einem Artikel im Handelsblatt argumentiert Charles Blankart, Finanzwissenschaftler an der Humboldtuniversität zu Berlin, dass die Förderung erneuerbarer Energieträger durch das EEG im Kontekt des europäischen Treibhausgashandels ökologisch sinnlos ist. Schließlich reduzieren die Subventionen, die jeder Stromkunde in Form staatlich fixierter Mindestpreise zahlt, durch die Förderung kohlendioxidfreier (ohne indirekte Emissionen bei derAnlagenherstellung) Energieerzeugung die Knappheit der Emissionszertifikate im Energiesektor und damit deren Preis, wodurch der Verbrauch von Kohlendioxid im Energiesektor steigt. Kein Gewinn für die Umwelt und bei teilweise mehr als zehnfachen Vermeidungskosten bezogen auf eine Kilowattstunde Strom bestimmt auch kein Gewinn für die Stromverbraucher und Steuerzahler. Wer aber profitiert von dieser Subvention? Anlagenproduzenten, Bauern, Umweltlobbyisten, die Reihe der Nutznießer im Politikrummel der Energie- und Klimapolitik ist lang. Passend hierzu zitiert Pete Geddes von der amerikanischen Foundation for Research on Economics and the Environment in dem Artikel The Perils of Energy Subsidies den politischen Kolummnisten Georg Will:

“The world is divided between those who do and do not understand that activist, interventionist, regulating, subsidizing government is generally a servant of the strong and entrenched against the weak and aspiring.”

20.01.2006 um 15:42 Uhr

Zweifel an der Marktmacht deutscher Stromkonzerne

Dem Oligopol der vier großen deutschen Stromerzeuger wird häufig eine marktbeherrschende Position mit entsprechender Preissetzungsmacht vorgeworfen. Ein näherer Blick auf das Handelsgeschehen der Leipziger Strombörse EEX, auf der immerhin 15 % des deutschen Jahresverbrauchs gehandelt werden, relativiert diese Vermutung. So erscheinen gezielte Preisveränderungen durch deutsche Versorger, die hier mit 14 % Marktanteil gegenüber ausländischen Versorgern mit 40 % und Banken mit 19 % das Nachsehen haben, eher unwahrscheinlich.

Quelle: ew - das magazin für die energiewirtschaft, Jg. 104 (2005), Nr. 25, S. 66.

19.01.2006 um 11:46 Uhr

Der Kühlschrank als Ehebrecher

Ist technischer Fortschritt in unseren Haushalten mitverantwortlich für die hohe Scheidungsrate unserer Tage und die wachsende Zahl von Single-Haushalten? Ein Paper von Jeremy Greenwood (University of Rochester) und Nezih Guner (Pennsylvania State University) bejaht diese Frage. Die Autoren zeigen, dass der technische Fortschritt im Haushalt den Aufwand für Hausarbeit erheblich reduzierte, beiden Geschlechtern erlaubte am Erwerbsleben teilzunehmen und damit den wirtschaftlichen Vorteil einer Ehe, die Skalenerträge gemeinsamer Haushaltsführung, vermindert hat. Steigende Löhne durch eine höhere Arbeitsproduktivität beim Einsatz moderner Produktionstechnologien haben es einfacher gemacht die fixen Kosten der Haushaltführung zu decken. Dementsprechend geringer ist die Notwendigkeit einer gemeinsamen Haushaltsführung in einer Ehe. Gleichzeitig wirken sich die fallenden Preise für arbeitssparende Haushaltstechnik stärker auf Single-Haushalte aus, da diese einen größeren Teil ihrer Einkommen für Haushaltsgeräte aufwenden. Der Wert des Single-Daseins ist damit relativ gestiegen.

19.01.2006 um 09:37 Uhr

Ticketkauf im Nokia-Land

Erst kürzlich hatte ich hier auf die neue Art von SMS-Bezahlsystemen für eine Vielzahl von öffentlichen und privaten Dienstleistungen mit Hilfe des Mobiltelefons hingewiesen. Jetzt habe ich erfahren, dass so etwas in Finnland mit Erfolg schon zum Alltag gehört:

Weniger Schwarzfahrer und ein besserer Service – das sind die beiden wichtigsten Ergebnisse, die ein Versuch mit über das Mobiltelefon gelösten Tickets in Helsinki in den vergangenen vier Jahren erbracht hat. Bis zum Jahreswechsel wurden über vier Millionen papierlose Fahrkarten gelöst. Zwölf Prozent der Fahrgäste im öffentlichen Personennahverkehr in der finnischen Hauptstadt kaufen ihr Ticket mit einer einfachen SMS. Dieser Service wird besonders von den vielen Besuchern Helsinkis genutzt.


18.01.2006 um 22:45 Uhr

Econ 101 für Ärzte!

In einem heutigen Tagesspiegelinterview fordert der Präsident der Berliner Ärztekammer höhere Arbeitgeberbeiträge für die Krankenkassen. Genauso gut hätte er geringere Nettolöhne für die Arbeitnehmer oder mehr Arbeitsstuden ohne Lohnausgleich fordern können. Denn schließlich können die Arbeitnehmer maximal einen Lohn erwarten der ihrer Wertschöpfung entspricht. Da diese aber durch eine höhere Belastung der Arbeitgeber durch Arbeitgeberbeiträge unverändert bleibt, müssen die Arbeitsnehmer damit rechnen mit weniger Lohn nach Hause zu gehen oder durch Mehrarbeit die Mehrkosten auszugleichen. Was der Ärztelobbyist da fordert ist also in Wirklichkeit eine Mehrbelastung der Arbeitnehmer. Wenn er möchte, dass Deutschlands Arbeitnehmer höhere Gesundheitsausgaben schultern, dann sollte er es ihnen das direkt ins Gesicht sagen. Nun gut, man kann vermuten, er hat die Konsequenzen seiner Forderungen nicht völlig durchdacht. Was er aber genau weiß ist, dass er mehr Geld für sich und seine Kollegen möchte. Bevor wir aber noch mehr Geld in den Gesundheitssektor stecken sollten wir erst einmal das Anbieterkartell der Ärzte ins Gerede bringen. Schließlich ist die beste Medizin gegen hohe Preise nach wie vor der Wettbewerb. Wer braucht zum Beispiel die in der GOÄ gesetzlich vorgeschriebene Mindestpreise für ärztliche Leistungen?

18.01.2006 um 00:43 Uhr

Nachtigall, ick hör dir trapsen!

Die jüngste Initiative europäischer Industrieverbände Time to move forward: A joint industry statement on the future of the Energy Performance of Buildings Directive, in der diese eine beschleunigte und strenge Umsetzung der europäischen Energieverbrauchs-Richtlinie für Gebäude fordern, zeigt auf beeindruckende Weise wie industrielle Partialinteressen unter dem Deckmäntelchen ökologischer Verantwortung in Brüssel den politischen Alltag bestimmen. Nicht zufällig gehören die Unterzeichnerverbände zu den Branchen, die an Energiestandards im Gebäudebereich kräftig mitverdienen, weil sie die entsprechende Bauausführung machen oder die notwendige Energie- und Gebäudetechnik liefern. Was amerikanische Ökonomen wie George Stigler, Sam Peltzman oder Bruce Yandle in den siebziger und achtziger Jahren als "Capture Theory" oder "Bootleggers-and- Baptists-Theory" zu Papier brachten, hat seit diesen Tagen nicht an Bedeutung verloren. Warum auch mühsam im Ringen um die Gunst der Konsumenten Gewinne machen, wenn sich die Profite viel einfacher mit mehr oder weniger freiwilliger Hilfe von Umweltorganisationen und leicht beeinflussbaren Politikern erzwingen lassen?

17.01.2006 um 01:15 Uhr

Neue alte Lieder von den Britischen Inseln

Nachdem ich es dummerweise versäumte rechtzeitig Werbung für das phantastische Konzert von Anya Lange (Gesang) und meinem Freund Michael Garrett (Gitarre, Gesang) vergangenen Sonntag in der Kreuzberger Passionskirche zu machen, stelle ich wenigsten die Songs ihrer neuen, leider viel zu kurzen CD ins Netz.

Anya Lange & Michael Garrett

1   Benjamin Bowmanneer (trad.)
2   Wild Mountain Thyme (trad.)
3   John Barleycorn (trad.)
4   Scenes From The Film of My Life (Michael Garrett)
5   Jock O'Hazeldean (trad.)

Ich hoffe die beiden nehmen es mir nicht übel, wenn ich auf diese recht freigiebige Art etwas Promotion für ihre erste Demo-CD mache. Immerhin kommt die aktuelle Forschung zum illegalen Filesharing zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Musiker durch die Verbreitung ihrer Songs im Internet ihre Popularität und ihren Absatz erhöhen. Vielleicht erkennt ja doch jemand das Talent der beiden und es reicht für den einen oder anderen Gig oder sogar für den großen Plattenvertrag. Interessenten können sich ja hier bei mir melden...

16.01.2006 um 23:12 Uhr

Berliner Senat lernt von den Friedmans

Seit dem 1. Januar gibt es in Berlin von den Einkommen der Eltern abhängige Kita-Gutscheine, die in einen beliebigen Berliner Kita eingelöst werden können. Damit ist ein erster Schritt für eine bessere Versorgung der Kinder durch den Wettbewerb der Kitas gemacht. Nicht mehr nach einer fiktiven Kapazität, sondern nach tatsächlich belegten Plätzen werden die Kita der Stadt nun finanziert. Mit einem möglichst attraktiven Angebot müssen die Kitas nun um die Gunst der Kinder und ihrer Eltern werben. Für die Kitas bedeutet das aber auch, wie die taz ganz richtig bemerkt, eine größere Flexibilität bezüglich der tatsächlichen Auslastung der Einrichtungen. Man darf gespannt sein, ob sich dieses Konzept in der Realität bewährt. Argumentative Vorarbeit haben die Vordenker dieser Idee, Rose und Milton Friedman, hinlänglich geleistet.

13.01.2006 um 00:28 Uhr

Das ging nach hinten los

Mit einem Brief versuchte mir heute mein Stromanbieter, die KES Kommunale Energiedienstleistungsgesellschaft Südsachsen mbH, eine notwendige Preiserhöhung schmackhaft zu machen. Nicht dass ich dafür kein Verständnis hätte, immerhin habe ich mich beim Vertragsabschluß auf eine mögliche Preisanpassung eingelassen. Was mich ärgert sind die windigen Argumente, mit denen das Unternehmen versucht bei seinen Kunden zu punkten. Zwar wird zunächst ganz plausibel der Preisanstieg für die Energieträger Öl, Gas und Kohle angeführt. Auch der Emissionshandel und die zusätzlichen Kosten des Ausbaus erneuerbarer Energien sind nachvollziehbare Gründe für den Preisanstieg. Doch dann wird es nebulös. Auch die "Auswirkungen der Klimakatastrophen des letzten Jahres", "rein spekulative Geschäfte europäischer Großbanken an den Stromhandelsbörsen" und die "Gewinnmaximierungsstrategien" vermeintlich den deutschen Markt dominierender "Energiekonzerne" seien schuld an der Hiobsbotschaft.

Nun, tropische Wirbelstürme in der Karibik sind Unwetter- und keine Klimakatastrophen und deren Zusammenhang mit dem globalen Klimawandel ist nach wie vor wissenschaftlich umstritten. Der spekulative Börsenhandel mit Strom ist nichts Ungewöhnliches und mir ist es egal, ob nun Energieversorger oder Großbanken ihr Geld mit dem Stromhandel verdienen. Und die Gewinnmaximierung von Konkurrenten ohne einen plausiblen Beleg für eigene systematische Wettbewerbsnachteile anzuprangern, ist eine allzu durchsichtige und zumindest in meinem Fall gründlich misslungende Argumentation. Was, wenn nicht den Gewinn, maximiert denn mein Stromanbieter?

Sicher ist, dass dieser Brief voll in die Hose gegangen ist. Obgleich Strom eigentlich keine Qualitätsunterschiede kennt, kann man sich doch das Wohlwollen seiner Kunden verscherzen. Was zählt ist das Gesamtangebot und damit auch die Qualität der Argumente. Deshalb werde ich am Wochenende mal wieder eine Strompreissuchmaschine für einen Anbieterwechsel anwerfen. Es lebe der Wettbewerb!

12.01.2006 um 23:31 Uhr

In Vino Veritas

Das Weinhandelsabkommen der EU mit den USA hat nicht nur in Winzerkreisen für Aufruhr gesorgt, weil die EU damit zunächst unter Auflagen in den USA zulässige Weinbereitungsverfahren anerkennt. Dass es beim Wehklagen der deutschen Winzerzunft nicht allein um die Sorge um den Konsumenten, sondern um handfesten Protektionismus geht, beschreibt ein Editorial auf Eno Worldwine sehr treffend:

Spaß beiseite! Hinter der Kampagne stecken jede Menge unsauberer, unlauterer Argumente und ein ernster, wirtschaftlicher Kern. Die Argumentation läuft in fast allen offiziellen Kommentaren und Medienartikeln nach dem Schema: USA = Industrie und Chemie, Europa = Natur und Idylle, sprich handwerklich gemachter und sozusagen moralisch "sauberer" Wein. Wie lächerlich diese Art von Gegenüberstellung ist, dürfte jedem klar sein, der in seinem Leben einmal eine der riesigen Weinfabriken an der Mosel (oder in Italien oder in Frankreich ....) besucht hat. Industrieller als hier ist das Produkt Wein tatsächlich kaum noch zu erzeugen.

Mehr noch! Der Großteil jener Techniken und Methoden, die von deutschen oder europäischen Verantwortlichen jetzt eimerweise mit Krokodilstränen bewässert werden, stammen gar nicht aus den USA oder anderen Überseeländern, sondern wurden im Alten Europa erfunden. Woodchips waren seit Jahrhunderten in Bordeaux beliebt und wurden jetzt auf italienischen Antrag von der EU offiziell zugelassen, maschinelle Konzentratoren werden in Europa inzwischen hundertfach häufiger verwendet als in Übersee, Tannine aus dem Zwei-Zentner-Sack sind in Toskana und Piemont wahrscheinlich so populär wie Aromahefen in allen Ländern der EU, aufgesäuert wird nicht nur im heißen Kalifornien, sondern auch im Burgund, auf die Erfindung und erfolgreiche Vermarktung der Mikrooxidation ist der Franzose Patrick Ducournau stolz wie ein Schneider, und dass die Deutschen ihre Weine nicht nur chaptalisieren, sondern auch nach erfolgter Gärung noch mit Mostreserve süßen dürfen, versteht in der Welt außer uns niemand. Weltmeister bei der Produktion der inkriminierten Weinchemikalien sind wir Deutschen allemal.

Wie nett, dass deutsche Funktionäre und Politiker jetzt auf einmal die rigorose Deklaration solcher önologischen Praktiken auf den Etiketten fordern. Jahrzehntelang fürchteten sie das nämlich wie der Teufel das Weihwasser. Vielleicht spielen die Kalifornier, Australier oder Südafrikaner ja mit! Sicher werden Europas Erzeuger ihre Kunden dann freiwillig auf den Gebrauch von mechanischen Konzentratoren und Oxidationskeramiken hinweisen, darauf, dass die Weine mit Polyvinylpolypyrrolidon gesäubert, mit dem Gelben Blutlaugensalz geschönt, mit Glucanase filtrierfähig gemacht, mit Sorbinsäure stabilisiert, mit Most gesüßt und ihre Hefen mit Ammoniumsalzen genährt wurden. Brave New World, pardon brave Old World! Sagte doch jemand, zu Recht: "Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen!"

Der Hintergrund der ganzen Aufregung ist ja mitnichten das gerade unterzeichnete Handelsabkommen, sondern viel mehr die Tatsache, dass die Weine der Überseeländer erstmals deutlich über 10 Prozent des Importmarkts belegen - und die 10-Prozent-Marke am Gesamtmarkt scheint nicht mehr fern....

Ebenfalls sehr erhellend der Eintrag "Amerikanischer Wein? Nein Danke!" auf dem Winzerblog. Kalifornischer Rotwein wird mir in Zukunft wohl noch besser schmecken.




09.01.2006 um 00:22 Uhr

0900-Straßenwinterdienst

Berlin-Kreuzberg, Sonntag abend, minus sieben Grad Celsius: Meine Laufstrecke am Landwehrkanal ist seit Tagen auf fast der gesamten Distanz total vereist. Die Benutzung gleicht einem, nicht ungefährlichen Eiertanz. Glaubt man dem Berliner Straßenreinigungsgesetz, dann dürfte für einen großen Teil der in Parkanlagen befindlichen Gehwege die BSR räumpflichtig sein. Da diese angesichts der chronisch leeren Berliner Stadtkasse ihre Priorität offenbar allein den Straßen widmet, dürfte es nicht sehr viel weiterhelfen, lediglich über diesen Zustand zu wehklagen.

Warum nicht die Nutzer der betreffenden Gehwege auf eine einfache, kostensparende Art für die Finanzierung des Winterdienstes auf öffentlichen Wegen heranziehen? Warum nicht moderne Zahlsysteme für diesen Zweck benutzen? Nahezu jeder Mensch besitzt ein Mobiltelefon, mit dem er jederzeit in der Lage ist, über telefonbasierte Bezahlsysteme von jedem beliebigen Ort Zahlungen für jeden beliebigen Zweck zu leisten, die später über die Telefonrechnung abgerechnet werden. So bräuchte der jeweilige Winterdienst lediglich an den betreffenden Gehwegen kenntlich zu machen, dass der Benutzer über die Wahl einer 0900-Nummer freiwillig ein Nutzungsentgeld übernehmen kann, um damit zur Deckung der Winterdienstkosten bezutragen. Natürlich setzt ein solches System voraus, dass die Gehwegbenutzer nicht die Position des Trittbrettfahrers einnehmen. Allein weil diese Gefahr sehr groß ist, dürfte der Aufbau aufwendiger Bezahlsysteme, ähnlich eines Netzes von Fahrkartenautomaten, kaum praktikabel und unwirtschaftlich sein. Aber ein derart einfaches Bezahlsystem könnte auch dazu beitragen, die individuellen Kosten einer nutzergerechten Finanzierung des Winterdienstes so gering wie möglich zu halten. Natürlich müßte das finanzielle Aufkommen auch unmittelbar für die Schnee-und Eisräumung der Gehwege verwendet werden, so dass die Nutzer ein unmittelbares Ergebnis ihrer freiwilligen Geldleistung verspüren.

Zugegeben, die Idee klingt etwas unrealistisch. Doch nicht so abwegig, dass es sich nicht lohnte, über derartig neue Wege der Finanzierung öffentlicher Aufgaben und den eigenen Beitrag zur Sicherung des Gemeinwohls nachzudenken.