Mit dem Kopf voran

23.02.2006 um 21:15 Uhr

MMM: Märkte machens möglich

MMM, so lautet das Kürzel meiner neuen Serie über die Kunst der Menschen, mittels freiwilliger Transaktionen sich so ziemlich alle ihre Wünsche zu erfüllen.
Eigentlich ein trauriges Thema, das es Heiratsmärkte geben muss, um die restriktiven Einwanderungsregeln nach Deutschland zu umgehen. Aber die Menschen lassen sich - wie der Tagesspiegel gestern schrieb - etwas einfallen:

Der Braut war der Bräutigam zwar völlig fremd. Die Berlinerin K. reiste aber trotzdem wohl mit Freuden nach Shanghai und gab Xudong Z. ihr Ja-Wort. Brachte ihr die Ehe mit dem Chinesen doch 5000 Euro auf die Hand. Als Gegenleistung musste sie lediglich gegenüber der Ausländerbehörde in Berlin eine traute Zweisamkeit mit Herrn Z. vorgaukeln. Frau K. hatte sich von einer Schleuser-Bande anwerben lassen. Mit einem 32-jährigen Chinesen stand gestern einer der kriminellen Heiratsvermittler vor dem Amtsgericht Tiergarten.

Inspiriert durch Marginal Revolutions "Markets in Everything"

22.02.2006 um 00:29 Uhr

Rent-Seeking-Society

Gerade einmal einen Monat ist es her, da war hier die Forderung europäischer Industrieverbände der Energie- und Gebäuderichtlinie nach einer raschen Durchsetzung der EU-Energiesparrichtlinie Thema eines Beitrags über die durchsichtige Strategie des industriepolitischen Lobbying. Nun sind es europäische Landwirte, die eine forcierte Einführung, Förderung und obligatorische Beimischung von Biokraftstoffen zu konventionellen Treibstoffen fordern. Nicht nur das dies eine der teuersten Methoden der Kohlendioxid-Vermeidung ist, nein Biokraftstoffe sind auch ökologisch bedenklich (SRU-Sondergutachten Umwelt und Straßenverkehr, S. 185ff).  Und das nicht nur, wenn sie wie kürzlich berichtet zur Abholzung tropischer Regenwälder beitragen. 

20.02.2006 um 17:57 Uhr

Dilbert und der schwierige Blick für Zusammenhänge



Via The Angry Economist und Environmental Economics.

17.02.2006 um 15:51 Uhr

Was ist eigentlich ein Wahlrecht wert?

Diese und anderen Fragen, wie etwa nach der ökonomischen Rationalität der Hintergründe des Mannesmann-Prozesses, warum wir von Microsoft profitieren und Monopole billiger sein können und weshalb die Große Koalition ein Politik-Kartell zur Abschöpfung der Wähler ist, nimmt Prof. Christian Riek von der Fachhochschule Frankfurt auf seiner Webseite zur Spieltheorie genauer unter die Lupe.

16.02.2006 um 17:00 Uhr

Von wegen Arzneimittelsicherheit

Das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf, am Verbot des Arzneimittelverkaufs in Filialen der Drogeriemarktkette "dm" festzuhalten, zeigt wieder einmal mehr, dass es dem Gesetzgeber eher um den Schutz der Apothekergewinne als um die Sicherheit der Patentienten geht. Denn die ist durch einen Verkauf von Medikamenten in Drogeriefilialen kaum gefährdet (Deutsches Ärzteblatt):

Die Drogeriemarktkette „dm“ hatte im Juni 2004 in acht Filialen im Regierungsbezirk Düsseldorf einen Verkaufsservice von Arzneimitteln getestet. Kunden konnten über einen Bestellzettel Medikamente anfordern, die die niederländische Europaapotheek innerhalb von 72 Stunden in die Filiale lieferte. Die Arzneimittelpakete wurden gegen Vorlage des Abholscheins und des Ausweises an den Kunden ausgegeben.
...
Gritschneder von der Europaapotheek betonte, die Sicherheit der Arzneimittel sei dadurch gewährleistet worden, dass die Pakete verschlossen und für den normalen Publikumsverkehr unzugänglich aufbewahrt worden seien.


Dem Einwand der Apothekerkammer, dass dies die Arzneimittelsicherheit stärke und deshalb ein Sieg für die Patienten sei, kann ich beim besten Willen nicht folgen. Für empirische Zweifel an dieser These braucht der geneigte Leser u.a. nur einmal über den Atlantik zu schauen. In den USA werden Medikamente grundsätzlich in Drogeriemärkten und Supermarktketten abgegeben, ohne das Sicherheitsprobleme an der Tagesordnung sind. Vielmehr ist diese richterliche Entscheidung eine weitere Schwächung der Konsumenteninteressen, da diese bis auf weiteres dem Apothekerkartell ausgeliefert bleiben.

15.02.2006 um 01:32 Uhr

Freakonomics jetzt auf Deutsch

Bereits vor einiger Zeit hatte ich denjenigen, die wissen wollen, ob ein Swimming-Pool gefährlicher ist als ein geladenes Gewehr, warum amerikanische Lehrer und japanische Sumo-Ringer sich in ihrer Neigung zum Betrügen ähneln und warum Drogendealer oft noch bei ihrer Mutter wohnen, die Lektüre von Steven Levitt und Stephen Dubner's Bestseller "Freakonomics" empfohlen. Jetzt ist dieses Buch in einer deutschen Übersetzung erschienen und in Auszügen in der Süddeutschen Zeitung abgedruckt worden. Es bleibt zu hoffen, dass auch Tim  Harfords lehrreiches wie unterhaltsames Buch "The Undercover Economist" in der deutschen Wüste guter populärwissenschaftlicher ökonomischer Texte erscheint.

15.02.2006 um 01:18 Uhr

Klimaschutz - Hält Europas 2 Grad Celsius Ziel einer wissenschaftlichen Beurteilung stand?

Richard Tol, Ökonomieprofessor an der Universität Hamburg und Autor einer Vielzahl von Studien zu den Folgen des globalen Klimawandels, ist da sehr skeptisch. In einem in Kürze erscheinenden Artikel in Energy Policy (hier das unveröffentlichte Paper von der Internetseite des Autors) diskutiert er die Entstehungsgeschichte des prominenten europäischen Klimaschutzziels einer maximalen Erwärmung der Atmosphäre von 2 Grad Celsius über dem präindustriellen Niveau. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass dieses Ziel auf eher dürftigen Argumenten, zweifelhaften Methoden, fehlerhafter Logik und selektiver Zitierung wissenschaftlicher Studien basiert. Ohne selbst ein alternatives Ziel zu empfehlen, äußert er die Befürchtung, dass derart dürftig begründete Klimaschutzpolitik nicht nur zu unangemessen hohen Kosten, sondern im Extremfall sogar zu einer Blockierung der Klimaschutzanstrengungen führen kann. Ein Kurzkommentar des Autors ist auf der heutigen Ausgabe des Science-Blog Prometheus zu finden.

13.02.2006 um 00:21 Uhr

Dienstleistungsrichtlinie: Einseitige Wahrnehmung

Die Wochenendausgabe des Tagesspiegel schafft es doch tatsächlich eine ganze Seite über die Wirkungen der neuen EU-Dienstleistungsrichtlinie einseitig aus der Perspektive der betroffenen Branchen und der in Gewerkschaften organisierten Arbeitnehmer zu füllen. Ein einziger Satz erwähnt die preissenkende Wirkung einer europäischen Liberalisierung des Handels mit Dienstleistungen. Ein einziger Satz widerspiegelt die Interessen von mehreren Millionen deutscher und europäischer Konsumenten, der Leser dieser Tageszeitung.

Da wird über die Anpassungsprobleme deutscher Dienstleister schwadroniert und als einzige positive Seite der bessere Marktzugang wieder anderer deutscher Dienstleister betont. Dass zusätzliche Arbeitsplätze nicht nur dadurch entstehen, dass deutsche Fahrschulen Zweigstellen in Spanien eröffnen, sondern auch, weil Firmen mehr investieren können, wenn sie Kosten durch billigere Dienstleistungen sparen, bleibt unerwähnt. Ebenso unter den Tisch fällt die Tatsache, dass deutsche Konsumenten die Ersparnisse ihrer Haushaltskassen woanders beschäftigungswirksam anlegen können. Keine Zeile wert ist die Tatsache, dass nicht nur der Preis, sondern auch die Vielfalt und die Qualität der Dienstleistungen zunehmen dürften.

Bedauerlich, dass wenigen diese Schieflage auffällt. Vielleicht sollten sich die Leser dieser und anderer Tageszeitungen öfter einmal klar machen, dass mit dem Einlenken der Politik im Interesse derjenigen, denen der Wind der Konkurrenz kräftig um die Nase pfeift, auch die Beilagen der Zeitung, in denen mit preiswerten Konsumgütern geworben wird, seltener werden dürften.

11.02.2006 um 02:21 Uhr

Exportweltmeister Deutschland?

Für alle, die nach wie vor glauben, der Exportüberschuß Deutschlands wäre ein besonderes Zeichen der Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft (niemand zweifelt an der Leistungsfähigkeit der noch exportierenden Unternehmen), empfehle ich, sich den Beitrag "Stop Worrying About The Trade Deficit"Donald Boudreaux sehr sorgfältig spiegelbildlich am geistigen Auge vorbeiziehen zu lassen. Dass der amerikanische Kollege anlässlich des amerikanischen Handelsbilanzdefizits Entwarnung gibt, bedeutet nähmlich nichts anderes, als dass unsere Sorgenfalten durchaus berechtigt sind. Alle Welt investiert in Amerika, auch wir. Nur wer investiert in Deutschland?

11.02.2006 um 01:21 Uhr

Sechs gute Gründe für die Abschaffung der Landwirtschaftssubventionen

In dem Artikel des amerikanischen Magazins Reason "Six Reasons to Kill Farm Subsidies" nennen die Autoren Daniel Griswold, Stephen Slivinsky und Christopher Preble vom Cato-Institute sechs gute Gründe den Landwirtschaftssubventionen und dem Agrarprotektionismus den Garaus zu machen:

 

  1. Niedrigere Lebensmittelpreise und damit höheres Realeinkommen aufgrund höherer Konkurrenz in der Landwirtschaft.

  2. Niedrigere Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe senken die Kosten einheimischer Rohstoffverarbeiter und erhöhen damit deren internationale Wettbewerbsfähigkeit.

  3. Weniger Belastungen für den Steuerzahler aufgrund geringerer Subventionslast.

  4. Mehr Umweltschutz in der Landwirtschaft durch geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln sowie Reduzierung der landwirtschaftlichen Pflächeninanspruchnahme.

  5. Markterweiterung für die einheimischen Bauern, wenn Abbau des Agrarprotektionismus Signal für eine weltweite Agrarmarktliberalisierung gibt.

  6. Generell ist eine friedlichere, da wohlhabendere Welt zu erwarten. Der bestehende Agrarprotektinismus behindert Entwicklungspotentiale insbesondere in Krisengeschüttelten Dritte-Welt-Regionen und trägt dort zur politischen Destabilisierung bei.


Obgleich der Artikel aus amerikanischer Perspektive formuliert lässt er sich ohne weiteres auf die europäischen Verhältnisse übertragen. Im Artikel abgedruckte Daten illustrieren das sehr schön: Die EU zahlt ihren Bauern weltweit mit Abstand die höchste Subventionssumme und deckt damit allein ein Drittel ihres Einkommens. Zwar liegt sie damit unterhalb des Stützungsniveaus anderer Länder (zB. Schweiz 68% des Farmereinkommens), aber dennoch über dem Durchschnitt der betrachteten Länder (30%).


09.02.2006 um 00:37 Uhr

Warum arbeiten Amerikaner länger als Deutsche?

Um das Geld zu verdienen, mit dem sie sich die ungeliebte Hausarbeit von Dienstleistern erledigen lassen können. Jeder nutzt den Segen der Arbeitsteilung und macht was er am besten kann. Deutsche dagegen machen den ganzen Haushaltskram allein, arbeiten also gewissermaßen abends zu Hause weiter, statt sich nach getaner Arbeit wie ihre amerikanischen Kollegen auf die faule Haut zu legen. Ronald Schettkat von der Universität Utrecht und dem IZA Bonn kann in einem Paper zeigen, dass Deutsche und Amerikaner unter Berücksichtigung der Hausarbeit nahezu identische Arbeitszeiten haben. Gleichzeitig kann er die Ursache für diese Unterschiede der Zeiteinteilung empirisch belegen: Die geringere steuerliche Belastung und eine höhere Lohnflexibilität machen die berufliche Beschäftigung in den USA gegenüber Deutschland attraktiver. Mit anderen Worten treiben Steuern und Lohnstarrheiten die Deutschen in eine Art von Schattenwirtschaft, die landläufig mit Koseworten wie Heimwerkern und Hobbykochen  umschrieben wird.

08.02.2006 um 00:58 Uhr

Stockholm: Freie Fahrt für zahlende Bürger, weniger Stau und Abgase für alle Bürger

Nach London haben nun auch die Schweden in ihrer Hauptstadt Stockholm die City-Maut eingeführt. Und schon von Beginn an mit deutlichen Wirkungen. 25 % weniger Verkehr und ein deutlicher Zuwachs der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Busse, Taxis und LKWs freuen sich bereits über die geringeren Fahrzeiten. Die Staus während der Rush-Hour sind erheblich zurückgegangen, so dass die Fahrzeiten in Stoßzeiten nur noch 45 statt 200 % über dem Durchschnitt liegen. Aufgrund der deutlichen Wirkungen gibt es einen Wermutstropfen für den Fiskus. Der mußte seine Einnahmeerwartungen bereits um 20 bis 30 % nach unten korrigieren. Mehr über die bislang überwiegend positiven Erfahrungen mit der City-Maut im 2005er Gutachten Umwelt und Straßenverkehr(S.263ff.) des Sachverständigenrats für Umweltfragen. Einen sehr guten Überblicksartikel über die Londoner Congestion Charge findet man hier, darüber hinaus auch einen umfassenden Überblick über Potentiale und Probleme von Straßennutzungsgebühren.

06.02.2006 um 23:46 Uhr

Ende einer Ära?

Wenn Sony im Frühjahr dieser Jahres seinen auf dem E-Ink-Verfahren basierenden Sony-Reader zu einem erschwinglichen Preis von rund 300 € auf den Markt bringt, könnte dass der Anfang vom Ende der 600-jährigen Geschichte des konventionellen Buchdrucks bedeuten. 7500 Seiten mit einer Akkuladung umgeblättert, hunderte von Büchern mit einem Gewicht von 250 g bei jeder Gelegenheit in der Tasche, nebenbei Musik höhren, das ist für mich die Medien-Innovation des Jahres. Ich höre schon die Traditionalisten über das Ende einer Epoche wehklagen, Buchhändler und Möbeltischler werden bei der Bundesregierung ein Verkaufsverbot fordern, wie Bastiats Kerzenmacher die Sonne verklagten. Eines ist sicher: Wissen und Informationen werden mobiler, für immer mehr Menschen immer schneller und einfacher verfügbar. Für diejenigen unter uns, die mit einem Informationsmonopol ihr Geld verdienen, dürften wohl noch härtere Zeiten anbrechen.


06.02.2006 um 08:53 Uhr

Getroffene Hunden bellen ...

Einer der wenigen sinnstiftenden Sätze in einem SPON-Interview mit dem  Vorsitzenden der Journalistenvereinigung "Netzwerk Recherche" Thomas Leif über den Informationswert von Weblogs:

Blogs sind potentiell hilfreich, um in Milieus vorzudringen, zu denen man normalerweise keinen Zugang hat.

Wenn doch bloß ab und zu mal ein paar Wirtschaftsjournalisten einschlägiger Tageszeitungen sich diesen Rat zu Herzen nehmen würden und argumentative Hilfe im Blogger-Milieu (u.a. hier, hier oder hier) suchen würden. Liest man etwa die aktuelle Berichterstattung über die wirtschaftliche Entwicklung Kubas in der taz, dann erfährt man, dass allein die Dürre und tropische Wirbelstürme der sonst "boomenden" Wirtschaft zu schaffen machen. Kein Wort der Kritik über das marode Wirtschaftssystem, das den Einwohnern Kubas im Jahr 2005 lediglich 2634 US-$ (Deutschland  35075 US-$) Pro-Kopf-Einkommen bescherte. Hohe Wachstumsraten von 11,8 % sind bei einem derart niedrigen Einkommensniveau sicher keine bemerkenswerte Leistung, zumal diese offenbar ein statistisches Artefakt sind und teilweise ein Ergebnis der steigenden Rohstoffpreise des vergangenen Jahres gewesen sein dürften.




06.02.2006 um 01:41 Uhr

Milton Friedman über Deutschland

In einem Interview äußert der amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger Milton Friedman (93) seine Perspektive Deutschlands sozio-ökonomischer Probleme:

What should be done to get Germany, and by extension old Europe, back on track?

Friedman | They all ought to imitate Margaret Thatcher and Ronald Reagan; free markets in short.

Germany’s problem, in part, is that it went into the euro at the wrong exchange rate that overvalued the deutsche mark. So you have a situation in the eurozone where Ireland has inflation and rapid expansion while Germany and France have stalled and had the difficulties of adjusting.

The euro is going to be a big source of problems, not a source of help. The euro has no precedent. To the best of my knowledge, there has never been a monetary union, putting out a fiat currency, composed of independent states.

There have been unions based on gold or silver, but not on fiat money—money tempted to inflate—put out by politically independent entities.

At the moment, of course, Germany cannot get out of the euro. What it has to do, therefore, is make the economy more flexible—to eliminate the restrictions on prices, on wages and on employment; in short, the regulations that keep 10 percent of the German workforce unemployed. This is far more urgent than it would otherwise be if Germany were not in the euro.

This set of policies would open up the German potential. After all, Germany has a very able and productive workforce. It has high-quality products that are valued all over the world. It has every opportunity to be a productive, growing state. It just has to give its entrepreneurs a chance. It has to let them make money, hire and fire, and act like entrepreneurs.

Instead, what you have as a result of past policies is that German entrepreneurs go outside of Germany for many of their activities. They are investing abroad instead of at home because there isn’t the openness, fluidity and opportunity they find outside their borders.

Via Marginal Revolution.


04.02.2006 um 14:54 Uhr

NOAA: Katrina & Co. nicht durch anthropogenen Klimawandel verursacht

Die amerikanische National Oceanic & Atmospheric Administration geht in einer aktuellen Verlautbarung davon aus, dass die Zunahme der Häufigkeit und Stärke tropischer Wirbelstürme über dem Atlantik nicht Folge des anthropogenen Klimawandels, sondern Ergebnis natürlicher Schwankungen im tropischen Klimasystem sind:

There is consensus among NOAA hurricane researchers and forecasters that recent increases in hurricane activity are primarily the result of natural fluctuations in the tropical climate system known as the tropical multi-decadal signal. The tropical climate patterns now favoring very active hurricane seasons are similar to those seen in the late 1920s to the late 1960s. The current active hurricane era began in 1995, meaning the nation is now 11 years into an active era that could easily last several decades (20-30 years or even longer). We can expect ongoing high levels of hurricane activity — and very importantly high levels of hurricane landfalls — as long as the active era continues.



 

02.02.2006 um 18:12 Uhr

Vielfraß vs. Faulpelz

Derzeit wird viel über zu viel und zu ungesundes Essen der Bevölkerung geklagt und dabei anklagend auf die Nahrungsmittel- und vor allem die Fast-Food-Industrie geschaut. Essen wir tatsächlich mehr Fett und Kohlenhydrate als früher und werden wir durch die Marketingstrategen der Industrie langsam umgebracht? Nicht zwangläufig wie eine niederländische Ernährungsstudie zeigt. Die Wissenschaftler des Niederländischen Instituts für Gesundheits- und Umweltforschung (RIVM) haben zumindest für ihr Land gezeigt, dass die Energieaufnahme durch Lebensmittel in den letzten zehn Jahren sogar um 5 % zurückgegangen ist, schreibt Joshua Livestro auf TCS Europe. Unser Problem ist vielmehr, dass wir uns noch weniger bewegen, so dass selbst dieser Rückgang der Energieaufnahme zu einer durchschnittlichen Gewichtszunahme in der Bevölkerung führt. Wie der Physiker Richard A. Mueller formuliert, liegt der Schlüssel zu einem stabilen Gewicht ganz eindeutig in einer ausreichenden Bwegung:

Hier kommt dann ein weiteres physikalisches Prinzip ins Spiel: Das Gesetz von der Erhaltung der Masse. Genauer gesagt geht es hier um die Erhaltung von Kohlenstoffatomen. Wenn man Nahrung verdaut, gehen die darin enthaltenen Kohlenstoffatome ins Blut über. Wenn sie nicht auf irgendeine Art den Körper wieder verlassen, wird man dadurch zwangsläufig schwerer. Hier liegt die entscheidende Beobachtung: Der einzige effektive Weg für den Körper, verdauten Kohlenstoff wieder los zu werden, liegt darin, ihn mit Sauerstoff zu Kohlendioxid zu kombinieren; das CO2 kann dann durch die Lungen ausgeatmet werden. Ergo: Wenn man den Kohlenstoff im Essen nicht ausatmet, nimmt man zu.

Hierzu einige Zahlen, die ich aus einem Buch über Trainings-Physiologie entnommen habe: Fett, Protein und Zucker enthalten ungefähr 0,1 Gramm Kohlenstoff pro verzehrter Kiloalorie. Bei 2000 Kilokalorien pro Tag (die typische Nahrungsmenge eines Erwachsenen), nimmt man ungefähr 200 Gramm Kohlenstoff auf. Im Ruhezustand werden pro Atemzug ungefähr 0,5 Liter Luft ausgeatmet, die zu rund einem Prozent aus Kohlenstoff besteht - also fünf Milligramm pro Atemzug. Bei 12 Atemzügen pro Minute wird man am Tag rund 120 Gramm Kohlenstoff wieder los. Das ist weniger, als man in der Nahrung hatte - man nimmt also zu.

Die wenigsten von uns liegen aber den ganzen Tag über auf der faulen Haut. Gehen erhöht die Atemfrequenz um den Faktor zwei bis drei. Joggt man mit acht Kilometern pro Stunde, erhöht sich die Frequenz um den Faktor acht bis zehn. Wer das clever kombiniert, wird den gesamten aufgenommenen Kohlenstoff wieder los - und das Gewicht bleibt stabil. Gehen, Laufen und Aktivität im Allgemeinen beschleunigen den Stoffwechsel - man verbrennt Kalorien schneller -, und zugleich erhöht sich die Atemfrequenz.

Viele Leute machen allerdings den Fehler zu glauben, dass eine Stunde mäßigen Sports ihre Körperchmie so stark verändert, dass die Kalorien auch dann schnell verbrannt werden, wenn sie sich nicht bewegen. Wer nicht schneller atmet, behält den Kohlenstoff aber im Körper. Wer abnehmen will, muss also weniger essen - oder mehr atmen. Und der einzige effektive Weg, mehr zu atmen, bleibt Bewegung. Es gibt einfach keine Methode, den Stoffwechsel dazu zu bringen, im Ruhezustand schneller zu arbeiten.