Mit dem Kopf voran

13.02.2006 um 00:21 Uhr

Dienstleistungsrichtlinie: Einseitige Wahrnehmung

Die Wochenendausgabe des Tagesspiegel schafft es doch tatsächlich eine ganze Seite über die Wirkungen der neuen EU-Dienstleistungsrichtlinie einseitig aus der Perspektive der betroffenen Branchen und der in Gewerkschaften organisierten Arbeitnehmer zu füllen. Ein einziger Satz erwähnt die preissenkende Wirkung einer europäischen Liberalisierung des Handels mit Dienstleistungen. Ein einziger Satz widerspiegelt die Interessen von mehreren Millionen deutscher und europäischer Konsumenten, der Leser dieser Tageszeitung.

Da wird über die Anpassungsprobleme deutscher Dienstleister schwadroniert und als einzige positive Seite der bessere Marktzugang wieder anderer deutscher Dienstleister betont. Dass zusätzliche Arbeitsplätze nicht nur dadurch entstehen, dass deutsche Fahrschulen Zweigstellen in Spanien eröffnen, sondern auch, weil Firmen mehr investieren können, wenn sie Kosten durch billigere Dienstleistungen sparen, bleibt unerwähnt. Ebenso unter den Tisch fällt die Tatsache, dass deutsche Konsumenten die Ersparnisse ihrer Haushaltskassen woanders beschäftigungswirksam anlegen können. Keine Zeile wert ist die Tatsache, dass nicht nur der Preis, sondern auch die Vielfalt und die Qualität der Dienstleistungen zunehmen dürften.

Bedauerlich, dass wenigen diese Schieflage auffällt. Vielleicht sollten sich die Leser dieser und anderer Tageszeitungen öfter einmal klar machen, dass mit dem Einlenken der Politik im Interesse derjenigen, denen der Wind der Konkurrenz kräftig um die Nase pfeift, auch die Beilagen der Zeitung, in denen mit preiswerten Konsumgütern geworben wird, seltener werden dürften.