Mit dem Kopf voran

11.04.2006 um 00:00 Uhr

Ein "historischen Sieg nach einer historischen Mobilisierung"?

Ob der französische Studentenführer Karl Stoeckel da wohl auf der richtigen Fährte ist? Wenn man Götz Wiedenroths Karikatur weiterdenkt, dann wird klar warum der Stier den Kürzeren zieht. Kleines Gehirn und dicke Muskeln in denen rohe Kräfte sinnlos walten:




09.04.2006 um 22:05 Uhr

Goldgräberstimmung?

Wenn man dem Wirtschaftsteil der Samstagsausgabe der Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel glauben schenken mag, dann ist Gold heute wieder so wertvoll wie vor einem viertel Jahrhundert. In der Tat mit 603,10 US-$ pro Feinunze liegt der Goldpreis nominal in der Nähe des 1981er Höchststands.

Reale vs. nominale Goldpreisentwicklung

 
 

Was aber hat der Tagesspiegelredakteur vergessen? Die Inflation. Denn nach einer korrekten Berücksichtigung der Entwertung des Dollars in den vergangenen 25 Jahren sieht der aktuelle Wert des Goldes eher mickrig aus und es fällt auf, dass eine damalige Investition in das edle Metall dem Besitzer bei einem heutigen Verkauf satte Verluste eingebracht hätte (siehe Grafik). Ganz im Gegenteil zu der Bewertung des Redakteurs ist eine langfristige Investition in Gold alles andere als eine geeignete Strategie zum Schutz vor der Geldentwertung.

Und die Moral von der Geschicht: Dem Tagesspiegel glaubt man nicht!

PS: Nicht nur der Tagesspiegel, sondern auch das Manager-Magazin hat noch nichts vom Unterschied zwischen nominalen und realen Preisen gehört. Daher frei nach Heinrich Heines Nachtgedanken: Denk ich an Deutschlands Wirtschaftsjournalisten in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.

08.04.2006 um 15:26 Uhr

Verbraucherschutz, ganz privat

Wer sagt eigentlich, dass wir immer eine Behörde brauchen, um hilfreiche Qualitätsinformationen über die uns von der Wirtschaft angebotenen Produkte zu bekommen. Für jeden Kaffeeliebhaber ist etwa das Kaffee-Netz eine prima Anlaufstelle für den Informationsaustausch von Kaffeebohnen bis Espresso-Automaten. Besonders hilfreich das Forum zum "besten Espresso in der Stadt", in der Verbraucher und Betroffene ihre Kaffeehauserfahrungen zum Besten geben. Sehr schön ist etwa dieser Kommentar eines Besuchers einer Filliale des insbesondere Kreuzbergern wohlbekannten Kaffeegeschäfts "Barcomis":

... also rein in die sophienhöfe, den Vorhang auf und ab in´s barcomi´s.
dass HIER nicht geröstet wird, ist augenscheinlich. bislang war ich immer nur bei barcomi´s in kreuzberg um meine "bohnen" zu holen - und da sticht einem der Probat ja schon ins auge, bevor man die bohnen wahrnimmt.
an der Gaggia steht eine mischung aus robbie williams und dem verstossenen sohn von david schomer. kurz die karte überflogen - sehr schön übrigens - und dann, nach kurzem überlegen, ob ristretto oder espresso-doppio, doch den standard-espresso bestellt.

robbie legt los. doch halt, was macht er denn da? aus einem undefinierbaren, runden Plasteeimer schüttet er so pi mal daumen kaffeemehl in den siebträger. Wo zum teufel ist die mühle? gespannt beobachte ich seine nächsten schritte. robbie spannt flux den Siebträger unter die gruppe und drückt´s knöpfchen. Andrücken? komplette fehlanzeige! der siebträger wanderte mit dem gehäuften mehl, so wie er war in seine ihm anbestimmte
position. den rest besorgte die mengenautomatik.
.
robbie näherte sich; auf dem tablett mein bagel ein glas wasser - und - was ein leckerer espresso werden sollte. ich liess mir nichts anmerken, inspizierte den Lungo, oder eher schümli und die etwas mager darauf schwimmende crema.
augen zu und durch. als lungo könnte er ja vielleicht noch was taugen, obwohl ich ja eher ein ristretto-typ bin. temperatur ist gut. geschmack, für einen lungo auch gut, bis auf die tatsache, dass ich eigentlich einen espresso wollte, hat robbie seine sache ja ganz lustig gemacht.
ich lass die "plörre" stehen und mach mich über den exzellenten bagel her, trinke noch mein wässerchen und leite den bezahlvorgang ein ...

08.04.2006 um 02:00 Uhr

Quo Vadis Bundeskartellamt

Von einer Behörde, die den Bürger vor Marktmissbrauch durch marktbeherrschende Unternehmen schützen soll, erwartet man zumindest einige Grundkenntnisse in Sachen Preisbildung an Märkten. Weit gefehlt, wie der jüngste Sachstandsbericht zur Frage Emissionshandel und Strompreisbildung zeigt. Hier wird ganz einfach die weinerliche Beschwerde der durch den VIK vertretenden Stromgroßverbraucher über im Zuge des Emissionshandels gestiegene Strompreise aufgegriffen, etwas um Spekulationen über marktbeherrschender Stromunternehmen ergänzt und schließlich eine ungerechtfertigte Einpreisung der Kohlendioxid-Zertifikatspreise unterstellt.

Über die prinzipielle Notwendigkeit der Preissteigerungen im Strommarkt durch den Emissionshandel wurde hier eigentlich schon genug geschrieben. Auch darüber, warum nicht alle vom Handel betroffenen Unternehmen ihre Produkte zu den erhöhten Preisen absetzen können. Allein die Tatsache, dass Emissionsrechte an den Börsen für knapp 30€/t-CO2 gehandelt werden zeigt, dass diese für viele Stromerzeugungstechnologien essentielle Entsorgungsmöglichkeit des Abproduktes Kohlendioxid durch den Emissionhandel wesentlich eingeschränkt wurde. Während hier bis vor kurzem keinerlei mengenmäßige Beschränkungen vorlagen und daher niemand auch nur einen Cent bereit gewesen wäre, für die Entsorgung einer Tonne Kohlendioxid auszugeben, bezahlen heute die Unternehmen fast 30€ dafür. Es handelt sich also nicht etwa um eine virtuelle Knappheit, die sich Unternehmen für ihre Preisstrategien ausdenken, sondern um begrenzte Entsorgungskapazitäten. Und diese haben ihren Preis, weil auf jeden der ein Emissionsrecht nutzen möchte ein anderer kommt, der auf seine Nutzung und die damit verbundenen Erträge verzichten muß. Die alten Zeiten, in der die CO2-Entsorgung ebenso einfach war wie die gemeinsame Nutzung des Tageslichts sind leider vorbei.

Dies heisst aber nicht, wie das Bundeskartellamt mutmasst, dass die Stromanbieter nun einfach den Zertifikatspreis munter auf ihren üblichen Preis aufschlagen. Hier hätten die Beamten sich einmal näher mit der Preisbildung an einer Strombörse auseinandersetzen sollen, ein Service den die EEX mit einem Mausklick möglich macht. Dann wäre ihnen vielleicht klargeworden, dass das mit der willkürlichen Preisfestlegung durch die Unternehmen nicht so einfach ist. Vielmehr sehen sich die Unternehmen im Anbieterwettbewerb einem Börsenpreis ausgesetzt, zu dem sie dann die für sie gewinnmaximale Produktionsmenge anbieten. Zwar macht ein Stromanbieter im Auktionsverlauf verschiedene Angebote zu den von ihm gewünschten Preis-Mengen-Kombinationen, doch legt der Kursmakler in Abhängigkeit von den Preis-Mengen-Vorstellungen der Nachfrager den für alle gültigen Börsenpreis letztlich so fest, dass das Handelsvolumen maximal ist. Die Anbieter geben zu diesem Preis die für sie optimale Menge ab, die Nachfrager nehmen die gleiche Menge mit nach Hause. Der Markt ist geräumt. Da nun die teuren Emissionszertifikate die Stromerzeugungskosten erhöhen, bieten die Stromproduzenten bei gegebenem Börsenpreis nun weniger Strom an. Welche ihrer Preis-Mengen-Kombination sie davon letztlich realisieren können, entscheiden aber die Nachfrager. Den Marktpreis legt also der Anbieter nicht im Alleingang fest. Der angeblichen Willkür sind nachfragerseitig feste Grenzen gesetzt.

Was aber hat es nun mit den beklagten "Windfall-Profits" auf sich? Allein Anbieter von Strom der aus Anlagen ohne CO2-Emissionen profitieren uneingeschränkt, da sich zwar der Strompreis erhöht, aber die Produktionskosten gleich geblieben sind, also Gewinne gemacht werden. Langfristig werden auch sie sich umschauen müssen, da die zunehmende Attraktivität dieser Technologien auch zur Zunahme der Preise für die notwendigen Inputfaktoren führen werden. Für alle auf fossilen Brennstoffen basierenden Stromerzeugungskapazitäten erhöhen sich die Betriebskosten je nach spezischem Brennstoffverbrauch und Energieträgereinsatz. Inwiefern sie "Windfall-Profits" geniessen oder Verluste machen hängt davon ab, wieweit sich ihre Kosten von den Kosten des jeweiligen preisbestimmenden Grenzkraftwerks (C.C. von Weizsäcker: Was erklärt den Strompreisanstieg?) unterscheiden. Für die gesamte Branche dürfte jedoch klar sein: Was früher unter kostenloser Nutzung der Entsorgungskapazität in der Atmosphäre produziert werden konnte erfordert jetzt eine sorgfältige Berücksichtigung eines neuen knappen Faktors. Auch wenn ein Teil dieser Kosten auf die Preise überwälzt werden konnte, die Nachfrager reagieren darauf mit Kaufzurückhaltung. Kurzfristig noch verhalten, langfristig aber kräftig. Für die Gewinnsituation der Branche ist das nicht gut, es sei denn der Kostenzuwachs wird irgendwann durch kosten- und preisreduzierende Innovationen kompensiert.

Das Agieren von Bundeskartellamt und Umweltministerium kann auf zweierlei Weise gewertet werden. Entweder verstehen sie nichts von ihrem Handwerk und damit nichts von der Wirkung ihrer eigenen Politik oder aber sie versuchen ganz einfach, sich mit ihren Verschwörungstheorien aus ihrer eigenen Verantwortung für die wirtschaftlichen Härten der undurchdachten deutschen und europäischen Klimaschutzpolitik zu stehlen. Ich denke die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.

06.04.2006 um 06:46 Uhr

Späte Kriegsfolgen

55 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg litten nach einer Umfrage unter Deutschen, die den Krieg aktiv erlebten, im Jahr 2000 noch 17,3 % an Träumen, in denen sie ihre Kriegserlebnisse verarbeiteten:

“The present study clearly indicates that World War II had a strong and lasting effect on the people visible in their war-related dreams at night”, the researchers said. “The findings are consistent with the ‘generational hypothesis’…i.e. political events or changes have their strongest effect on persons when experienced in late adolescence and early adulthood and when experienced directly”, they said.

Via Marginal Revolution.

05.04.2006 um 09:45 Uhr

UnFair Trade

In welchem Ausmaß der Protektionismus der Industrieländer die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten der Entwicklungsländer behindert zeigt diese Gegenüberstellung der Handelsströme und Zolllasten zwischen den USA und Frankreich bzw. den USA und Kampuchea, veröffentlicht vom Progressive Policy Institute:

    Importe aus Frankreich in die USA, 01/2006:     2,89 Mrd. US-$
    Importe aus Kampuchea in die USA, 01/2006:   0,19 Mrd. US-$

    Zölle auf französische Güter, 01/2006:             29,0 Mio. US-$
    Zölle auf Güter aus Kampuchea, 01/2006:        30,4 Mio. US-$

Bedauerlicherweise stehen Europas Handelsbarrieren dem in nichts nach. Während innerhalb der Europäischen Union quasi eine Freihandelszone herrscht, beträgt der gegenwärtige Durchschnittszollsatz für landwirtschaftliche Produkte trotz des Versprechens einer Senkung auf 12% nach wie vor 23%.

Aktueller Buchtip zu diesem Thema: Joseph Stiglitz, Andrew Carlton: Fair Trade for All: How can Trade Promote Development, 2006.

04.04.2006 um 17:31 Uhr

Die Schurken des ökonomischen Patriotismus

So der Titel eines Beitrags des Historikers Harold James auf der Webseite des internationalen Zeitschriftennetzwerks Project Syndicate, in dem er auf die bedenklichen Folgen nationaler Ängste vor internationalen Wirtschaftsverflechtungen hinweist:

Angst erzeugt die Forderung nach staatlichen Eingriffen. Politiker mögen dies, da es die Nachfrage nach ihren Diensten erhöht. Sie weisen auf das potenzielle Problem hin und versuchen dann, Lösungen zu verkaufen, die innerhalb ihrer national definierten Kompetenzbereiche liegen.

...

Wir sollten uns um die Effizienzverluste in Märkten sorgen, in denen Einschränkungen aufgrund des ökonomischen Nationalismus bereits umgesetzt wurden. Doch sollten wir uns bei weitem viel mehr darum sorgen, dass die Furcht vor dem Zusammenbruch oder der Manipulation von Märkten die Forderung nach Eingriffen aufkommen lässt, welche die Wahrscheinlichkeit eines derartigen Zusammenbruchs eher steigern als senken. Angst erzeugt ein Verlangen nach mehr Sicherheit, die am Ende lähmend wirkt.



04.04.2006 um 00:38 Uhr

Schmalspurökonomische Glanzleistung

Ein Meisterwerk an ökonomischen Analphabetismus präsentiert das Umweltministerium mit seiner jüngsten Broschüre "Energieversorgung - Umweltfreundlich zu stabilen Preisen". Exemplarisch hierfür etwa die Beantwortung der Frage "Verteuert der Emissionshandel die Stromerzeugung?", die deutlich zeigt, dass die BMU-Schreiber noch nichts von Opportunitätskosten gehört haben:

Nein! Die Energiekonzerne haben die Emissionsberechtigungen kostenlos erhalten. Seit Anfang 2005 müssen Kraftwerke – je nachdem, wie viel des Treibhausgases Kohlendioxid sie in die Luft blasen – eine entsprechende Menge an Emissions-zertifikaten abgeben. Trotz der kostenlosen Zuteilung haben die Energiekonzerne den aktuellen Marktwert der Zertifikate in ihre Preiskalkulation eingerechnet und damit eine Anhebung der Strompreise begründet.

Als kleine Hilfe zum Nachdenken über den Kardinalfehler dieser Argumentation sei deshalb noch einmal auf den hier kürzlich erschienen Beitrag "Preistreiberei?" hingewiesen.

An Dreistigkeit kaum zu überbieten ist zudem die Argumentation, die Umlagefinanzierung der Förderung erneuerbarer Energieträger würde den Staatshaushalt und den Steuerzahler nicht belasten. Abgesehen davon, dass die erneuerbaren Energieträger nicht nur durch das EEG, sondern durch eine Reihe weiterer direkter Fördertöpfe von Bund und Ländern aus Steuermitteln finanziert werden, ist jeder Steuerzahler zufällig auch Energieverbraucher, also Träger der Kosten der Umlagefinanzierung über die Strompreise. Dem Verbraucher ist es ziemlich schnuppe, ob er die Zusatzkosten über höhere Steuern oder Strompreise trägt (Aus volkswirtschaftlicher Perspektive beeinflusst die Art der Besteuerung die Zusatzkosten, was die Finanzierung über den Strompreis gegenüber einer Finanzierung etwa über die Einkommensteuer sinnvoller erscheinen lässt). Hier wird man den Verdacht nicht los, das BMU will seine Leser für dumm verkaufen.

03.04.2006 um 23:55 Uhr

Frage des Tages

...wie gehen wir mit der Tatsache um, dass sich fast jeder persönlich in seiner Entfaltungsfreiheit beeinträchtigt fühlt, aber fast niemand sich selbst als beeinträchtigend empfindet?

John Allen Paulos, Amerikanischer Mathematiker in "Es war 1mal... Die verborgene Logik des Alltäglichen"

03.04.2006 um 16:51 Uhr

Das Aus für die Bierseeligkeit?

Jahrelang hat man nun mit gutem Gewissen regelmäßig das eine oder andere Tässchen Alkohol konsumiert und dafür auch noch den Segen von Experten bekommen und nun stellt sich heraus, dass alles wohl ein methodischer Fehler der epidemiologischen Studien ist. Man hatte in mehreren Studien einfach ehemalige Trinker, die aus gesundheitlichen Gründen ihr Laster aufgaben, in die Gruppe der untersuchten Abstinenzler gesteckt und deshalb einen durchschnittlich etwas schlechteren Gesundheitszustand der Nichttrinker festgestellt. In einer aktuellen Metastudie (Meldung im Ärzteblatt) wurde dieser Fehler entdeckt und konstatiert, dass die gesundheitsfördernde Wirkung im Bezug auf Herzkrankheiten möglicherweise in den Bereich medizinischer Mythen abgeschoben werden muß.

02.04.2006 um 22:57 Uhr

Preisdiskriminierung

Tim Harford und Steven Landsburg versuchen sich an den Fragen, warum Starbucks bester Capuccino nicht in der Preisliste auftaucht und warum man in manchen Hotels umsonst und in anderen nur für einen ordentlichen Preisaufschlag im Internet surfen kann. Und sie kommen zu interessanten Antworten: Jeder Anbieter versucht eine Preisstrategie für unterschiedliche Kunden zu finden, mit der er deren Zahlungsbereitschaft optimal abschöpfen kann. Dazu sind mitunter Tricks nötig. Und was kann man daraus lernen? Z.B. öfter mal nach einem Preisnachlass fragen.

02.04.2006 um 16:32 Uhr

Informationsmärkte

Dass der Marktmechanismus ein sehr geeignetes Mittel zur Sammlung von Informationen ist, dürfte für diejenigen Beobachter, die sich nicht wundern, warum Brötchen äußerst selten ausverkauft, Autobahnen dafür häufig mal verstopft sind, nichts Neues sein. Dass er auch gut für Prognosen geeignet ist, zeigt nicht zuletzt das recht gute Abschneiden sogenannter Wahlmärkte, auf denen Tips für den Ausgang von politischen Wahlen gegen bares Geld gehandelt werden. Jetzt haben amerikanische Spezialisten dieser Märkte eine Zusammenfassung der Potentiale und Grenzen von Informationsmärkten veröffentlicht. Die Studie ist hier frei verfügbar:

Information markets are markets for contracts that yield payments based on the outcome of an uncertain future event. They are used to predict a wide range of events, from presidential elections to printer sales. These markets frequently outperform both experts and opinion polls, and many scholars believe they have the potential to revolutionize policymaking. At the same time, they present a number of challenges.

This collection of essays provides a state-of-the-art analysis of the potential impact of information markets on public policy and private decision-making. The authors assess what we really know about information markets, examine the potential of information markets to improve policy, lay out a research agenda to help improve our understanding of information markets, and explain how we might systematically improve the design of such markets.

Via Marginal Revolution

01.04.2006 um 00:57 Uhr

Kohlendioxidneutraler Urlaub

Dem regelmäßigen Leser dieses Weblogs dürfte die kritische Position zur aktuellen deutschen und europäischen Klimapolitik nicht verborgen geblieben sein. Dennoch habe ich den Flug zu meinem soeben beendeten Strandurlaub auf dem Sinai kohlendioxidneutral gemacht. Eigentlich wollte ich damit meinem Chef nur einen Gefallen tun, aber unterm Strich erscheint mir dieser Deal auch unter ökonomischen Gesichtspunkten besser als alle anderen aktuellen klimapolitischen Maßnahmen zu sein.

Warum? Mit 34 € für 1660 kg Kohlendioxid (Hin- und Rückflug Berlin, Tegel - Sharm al Sheik) liegen die durchschnittlichen Vermeidungskosten der von Atmosfair finanzierten Klimaschutzprojekte von 20,5 €/t CO2 deutlich unter dem gegenwärtig in Europa für die Emissionsrechte zu zahlenden 26,70 €/t CO2 (jeweils tagesaktuelle Preise bei EEX) und erst recht unter den durchschnittlichen Vermeidungskosten anderer Klimaschutzinstrumente. Obendrein werden die  Kohlendioxidreduktionen auf das Klimaschutzziel Deutschlands angerechnet, so dass, wenn auch zunächst kaum spürbar, der politische Druck der von der EU selbstauferlegten Kyoto-Ziele in Richtung zusätzlicher nationaler bzw. europäischer Klimaschutzmaßnahmen sinkt. Wichtig vor allem ist aber die Tatsache, dass diese Projekte zur Finanzierung der nach wie vor unterentwickelten Energieversorgung in Entwicklungsländern beitragen. Zwar werden diese wegen ihrer klimaneutralen Umsetzung teurer als mit konventionellen Techniken, doch immerhin geschieht etwas. Hintergrund dieser Transaktionen sind sogenannte CDM-Projekte, mit denen kostengünstige Klimaschutzmaßnahmen in Ländern erschlossen werden können, die kein quantitatives Kohlendioxidminderungsziel im Rahmen des Kyoto-Protokolls haben.