Mit dem Kopf voran

31.05.2006 um 19:27 Uhr

Rätsel um den Ursprung von AIDS

Auch wenn der Schimpanse jetzt von Wissenschaftlern offiziell als Wirt eines Vorläufers des HI-Virus bestätigt wurde, ist die genaue Übertragung auf den Menschen noch immer ein Rätsel. Die weit verbreitete These von der Übertragung durch den Verzehr von Affenfleisch wird seit geraumer Zeit durch eine Theorie herausgefordert, nach der ein aus den Nieren von Schimpansen gewonnener Impfstoff gegen Kinderlähmung, der in den 50iger Jahren im Kongo zum Einsatz kam, für die Übertragung auf den Menschen verantwortlich sein könnte.


31.05.2006 um 00:03 Uhr

Outsourcing

29.05.2006 um 07:49 Uhr

Träge, krank und dumm durch frühen Ruhestand

Die Erhöhung des Renteneintrittalters gilt angesichts der demografischen Alterung Deutschlands als als fiskalische Notwendigkeit, wird aber hierzulande dennoch sehr kontrovers diskutiert. Die einen sehen keine bessere Alternative zur Entlastung der staatlichen Rentenkassen, andere verteufeln dieses Vorhaben als kalten Abbau des Sozialsystems für ältere Menschen. Jenseits der ideologisch überformten Debatte links und rechts des politischen Spektrums deuten wissenschaftliche Forschungsergebnisse auf einen bislang unberücksichtigten Vorteil einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit hin (NBER-Working Paper No. 12123: The Effects of Retirement on  Physical and Mental Health Outcomes). Zumindest bei Amerikanern, die ihre volle Rentenleistungen ebenfalls ab 65 beanspruchen können, soll eine vollständige Verrentung zu einer 23 - 29 prozentigen Erhöhung von Problemen des individuellen Wohlbefindens (Mobilitäts- und Aktivitätsdefizite) und einem 11 prozentigem Nachlassen der mentalen Fähigkeiten führen:

While numerous studies have examined how health affects retirement behavior, few have analyzed the impact of retirement on subsequent health outcomes. This study estimates the effects of retirement on health status as measured by indicators of physical and functional limitations, illness conditions, and depression. The empirics are based on six longitudinal waves of the Health and Retirement Study, spanning 1992 through 2003. To account for biases due to unobserved selection and endogeneity, panel data methodologies are used. These are augmented by counterfactual and specification checks to gauge the robustness and plausibility of the estimates. Results indicate that complete retirement leads to a 23-29 percent increase in difficulties associated with mobility and daily activities, an eight percent increase in illness conditions, and an 11 percent decline in mental health. With an aging population choosing to retire at earlier ages, both Social Security and Medicare face considerable shortfalls. Eliminating the embedded incentives in Social Security and many private pension plans, which discourage work beyond some point, and enacting policies that prolong the retirement age may be desirable, ceteris paribus. Retiring at a later age may lessen or postpone poor health outcomes for older adults, raise well-being, and reduce the utilization of health care services, particularly acute care.


28.05.2006 um 23:45 Uhr

Videonomics

Truck and Barter listen eine Reihe von Webseiten, auf den einige Grundlagen der Ökonomie in bewegten Bildern zu finden sind. Eine gute Idee, wo das Auge doch bekanntlich überall mitisst.

28.05.2006 um 23:35 Uhr

Werbeblog

von: steffenh   Stichwörter: Musik

Wenn mir Musik einen verregneten Tag rettet, dann ist das schon eine Werbepause wert.



Built to Spill's "You in Reverse" im Ohr waren auch die gut 20 km Laufstrecke vom Bergmannkiez in den Plänterwald und zurück ein Katzensprung. Weil die zurückhaltende Sommersonne sich immer wieder den Regenschauern unterordnen musste, blieb auch unter dem wasserdichten Blätterdach genügend Zeit die 10 Songs gleich zweimal durchlaufen zu lassen. Fünf Stunden später läuft die Scheibe immer noch ...

28.05.2006 um 01:03 Uhr

Keine Angst vor der Maschine

Robert Shiller versucht seine Studenten zu beruhigen. Auch wenn Computer in den vergangenen Jahren mehr und mehr manuelle und kognitive Routinearbeiten auch aus intellektuell anspruchsvollen Berufen übernommen haben, müssen sich  ambitionierte Studenten heute nicht vor der sog. "Kommodisierung" der akademischen Jobs fürchten. Allerdings gibt es auch nicht die krisensichere Berufsausrichtung, die gegen jegliche Aufgabenkonkurrenz durch moderne Kommunikationstechnik gefeit ist, sondern es kommt eher darauf an, innerhalb der bestehenden Jobs in die Art von Problemlösungskompetenz und Kommunikationsfähigkeit zu investieren, die (noch) nicht vom Computer übernommen werden kann. Also sind Studenten gut beraten, weniger Mühe in das Auswendiglernen von Wissen als in das grundlegende Verständnis und vor allem die Weiterentwicklung der Studieninhalte zu investieren. Eigentlich keine neue Weisheit.

Doch zieht der Mensch im Konkurrenzkampf mit der Maschine nicht irgendwann doch den Kürzeren? Automatisieren wir uns in die Bedeutungslosigkeit? Was für ein Glück, dass wir Menschen nicht nur so schlau sind, intelligente Maschinen zu bauen, nein wir haben immer auch komparative Kostenvorteile auf unserer Seite. James Millers Beispiel einer Kuchen/Wein-Zwei-Güter-Welt zeigt, dass wir stets unseren Hals aus der Schlinge des technischen Fortschritts ziehen werden. Produzieren Roboter nur Wein oder Kuchen, ist es für uns Menschen immer vorteilhaft immer das anzubieten, was  Maschinen gerade nicht so gut können wie wir. Und je besser die Maschinen ein Gut produzieren können, um so lohnenswerter wird es, uns auf die Produktion des anderen Gutes zu spezialisieren. Immer wenn die Maschine ein Gut besser als das Andere produzieren kann, und sie wird nie Beide gleich gut zustande bringen, macht es für uns Sinn, die Produktion des anderen Gutes zu übernehmen. So wie der Arzt, der womöglich die Behandlung seiner Patienten und die Buchhaltung besser als seine Sprechstundenhilfe beherrscht, sich trotzdem auf den Arztberuf spezialisiert, weil seine Sprechstundenhilfe davon noch weniger als von der Buchhaltung versteht.

Was für zwei Güter gilt, stimmt auch in unserer realen Welt. Je billiger Maschinen die Güter produzieren, bei denen sie einen komparativen Vorteil haben, um so wertvoller werden die Produkte, die Maschinen weniger gut erledigen können. Und hier liegt unsere Chance, in einer technisierten Welt Karriere zu machen. Die Kunst liegt darin, sich auf das zu spezialisieren, was Maschinen, Roboter und Computer weniger gut können.

Zugegeben, so wird unsere Welt schneller und wir müssen flexibler sein. Wer A sagt muß auch B sagen. Wer einen schnellen Computer für Berechnung von Daten nutzen will, darf sich nicht darüber beschweren, dass der ihm nach und nach den eigenen Job wegrechnet. Doch für diesen Teil der alten Jobs gibt es unzählige Neue, manchmal nur geringfügig veränderte. Leben bedeutet eben auch lernen, leider (?) bis zur wohlverdienten Rente.


26.05.2006 um 13:46 Uhr

Wetten das...

... der Staat mit der geplanten Schließung privater Wettbüros noch vor der Fußball-WM ganz schnöde wirtschaftliche Interessen verfolgt.

Zwar wird dieser Schritt mit dem tugendhaften Ziel begründet, vor allem Jugendliche vor der Spielsucht zu schützen, doch schaut man sich die Marktkonstellation etwas genauer an, lässt sich dahinter doch eher der Versuch vermuten, auf einem preisunelastischen Markt die nicht mehr lange vorhandene Monopolstellung staatlicher Wettbüros über die Fußball-WM zu retten.

Gerade einem Anbieter auf einem Markt, dessen Nachfrager aufgrund einer manchmal sogar krankhaften Spiellust auf Preisveränderungen nur wenig mit Mengenänderungen reagieren, kann nichts besseres passieren, als ein Monopol zu besitzen. Er kann sich den vollständigen Monopolgewinn sichern, ohne Konkurrenz von anderen Sportwettbüros zu befürchten. Die nämlich bieten sehr enge Substitute zu den staatlichen Fußballwetten an und erhöhen damit die Preiselastizität der Nachfrage der Einzelunternehmens gegenüber der Preiselastizität der Gesamtmarktnachfrage deutlich (hierzu sehr anschaulich: Pindyck, Rubinfeld: Mikroökonomie, S. 471ff). Die Buchmacher der staatlich lizensierten Wettbüros können im Konkurrenzfall die Wettquoten bei zunehmender Gesamtnachfrage durch die Fußball-WM weniger stark senken, so dass sich ihr Gewinn reduziert und die Auszahlung der Spieler erhöht.

Zwar kann der Staat durch ein Verbot privater Wettbüros die Spielsucht minderjähriger Jugendlicher besser kontrollieren, doch kann er sie dadurch doch nicht beseitigen. Der Jugendschutz beim Alkohol zeigt deutlich, dass dennoch genügend Mittel und Wege bestehen, sich über den Schwarzmarkt einen ordentlichen Rausch anzutrinken. Den größten Teil der Wettlustigen dürften ohnehin zahlungskräftigere, mündige Erwachsene stellen, die nach der Schließung privater Wettbüros die Kassen des finanziell angeschlagenen Staates ordentlich aufbessern sollen.


24.05.2006 um 00:37 Uhr

Das Einwanderungsmanifest

Alex Tabarroks (Marginal Revolution) offener Brief an den amerikanischen Präsidenten, in dem er die Forderung vieler Ökonomen nach einer freizügigen Einwanderungspolitik begründet, wurde in der deutschen Ausgabe der Financial Times abgedruckt. Inhaltlich ist diese Initiative auch für den deutschen Umgang mit der Einwanderung von Ausländern relevant. Die Aktion kann mit einer Mail an den amerikanischen Think Tank Independent Institute unterstützt werden.

Update: Alex hat auf TCS-Daily noch einen sehr lesenswerten Beitrag zum Thema nachgeschoben. Eines seiner Argumente dürfte dem regelmäßigen "Mit dem Kopf voran"-Leser nicht unbekannt vorkommen:

Moreover, few people complain that in twenty years time our jobs will be threatened when all the babies born this year start working! Yet, population growth and immigration are very similar economic forces.


23.05.2006 um 13:51 Uhr

Preistreiberei

23.05.2006 um 00:15 Uhr

Wal Mart Pandemie?

In dem Beitrag Wal-Mart soweit das Auge reicht? warnt der amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff die Europäer vor einer allzu starken Ausbreitung von großen Supermarktketten wie Wal-Mart in den USA. Hierbei weist er vor allem darauf hin, dass die Produktivitätssteigerung im Einzelhandelssektor bis zu 50 Prozent des Produktivitätsvorsprungs Amerikas vor den Europäern erklären. Weitere 25 Prozent lassen sich auf den Anstieg der Produktivität im Großhandel zurückführen. Gleichzeitig glaubt er, die Nachteile dieser Entwicklung ausmachen zu können. Unzureichende Arbeitsstandards der geringverdienenden Arbeitskräfte in Supermarktketten und ein mit der Ausbreitung von Einkaufszentren einhergehender Verlust dörflicher oder urbaner Identität.

Ich kann diese Kritik nicht teilen. Abgesehen davon, dass ich hier in Berlins Stadtbezirk Kreuzberg noch immer betroffen bin von viel zu engen, schmuddligen und überdies nicht einmal so billigen Supermärkten, sind die von Rogoff angeführten Argumente allesamt wenig überzeugend. Zum einen stehen heute an der Stelle der kleinen miefigen Lädchen, die früher all die Massenprodukte angeboten haben, die heute der Supermarkt billiger und in größerer Vielfalt im Programm hat, kleine Spezialitätengeschäfte, die mit einem exklusiven und exotischen Angebot exakt die Nische ausfüllen, die Supermärkte nur schwer bedienen können. Zudem verbringe ich die Zeit, die ich früher bei der Suche quer durch zig Tante-Emma-Läden verplemperte, nun in einem der vielen Straßencafes, die inzwischen meinen Kiez bevölkern. Der Produktivitätsgewinn äußert sich auch darin, dass ich mein Geld für Lebensmittel spare und für eine Vielzahl anderer Güter und Dienstleistungen ausgeben kann. Der Bedeutungsverlust des Kleingewerbes hat zwar so manchem Ladenbesitzer die ruhige Karriere gekostet, war aber letztlich Ausdruck der Einkaufspräferenzen der Konsumenten. Wer clever war hat die Zeichen der Zeit erkannt und bietet heute die Dienstleistungen an, für die sich die Sparfüchse aus dem Supermarkt neuerdings interessieren. Wer diese Entwicklung für eine Katastrophe hält muß sich fragen, warum er nicht auch glaubt, dass der Niedergang der pferdegetriebenen Taxidroschke ein historischer Fehler war. Der Faden ließe sich weiter spinnen.

Wer wie Rogoff über die Arbeitsbedingungen der Angestellten der großen Handelsketten klagt muß sich fragen lassen, inwiefern sich durch die Übernahme der Kosten für die Krankenkasse durch den Arbeitgeber die finanzielle Situation für den Angestellten bessert. Da eine Kassenangestellte maximal den Lohnsatz bekommt, der ihrer Produktivität entspricht, muß sie auf jeden Euro den der Arbeitgeber mehr an die Krankenversicherung abführt in der Lohntüte verzichten. Auch muß man nach einer realistischen Beschäftigungsalternative der Supermarktangestellten fragen und berücksichtigen, dass auch die Angestellten Nutznießer von mehr Service, Vielfalt und gesunkenen Lebensmittelpreisen geworden sind.

Das amerikanische Produktivitätswachstum, getrieben von einer höheren Dienstleistungsproduktivität, hat mit dazu beigetragen, dass der Durchschnittsamerikaner heute bei gleicher faktischer Arbeitszeit ein deutlich höheres Wohlstandsniveau erreicht hat. Schließlich täuschen die niedrigeren offiziellen Arbeitsstunden der Deutschen darüber hinweg, dass wir nach getaner Arbeit den Zweitjob Haushalt wesentlicher intersiver verfolgen als unsere Kollegen jenseits des Atlantik. Und hier schließt sich der Kreis. Neben niedrigeren Steuern und flexibleren Arbeitsmärkten dürfte auch die höhere Produktivität in Amerikas Supermärkten dafür verantwortlich sein, dass man sich dort eher auf das spezialisieren kann, was einem am besten von der Hand geht.

Wer mit dieser Entwicklung letztlich ein Problem hat sollte mit den Füßen und dem Geldbeutel abstimmen und den neu entstehenden Supermärkten und Einkaufszentren einfach den Rücken kehren. Was er sich genau überlegen sollte ist, wie jüngst die Gegner eines neuen Einkaufs-, Ärzte- und Fitnesszentrums in der Kreuzberger Bergmannstraße, in das übliche Gejammer der Lobbyisten gegen den Willen der Verbraucher mit allzu durchsichtigen Argumenten einzustimmen. Die Entscheidung über Sinn und Unsinn neuer Dienstleistungsstrukturen sollte er den Investoren und deren Kunden und nicht befangenen Lokalpolitikern überlassen. Die tragen im Zweifel nicht die Konsequenzen. Sollten sich die Dienstleistungs-Klötze im Nachhinein doch als Fehlinvestition erweisen, dann ist auch ein Abriß wieder möglich.


22.05.2006 um 07:41 Uhr

Zuviel Sicherheit

Warum Handyversicherungen wirklich überflüssig sind und weshalb man sich genau überlegen sollte, sein Fahrrad oder andere Dinge, deren Kosten man im Zweifel aus dem laufenden Einkommen bestreiten könnte, zu versichern erklärt Tim Harford in "Should you buy rental car insurance". Im September erscheint die deutsche Ausgabe seines sehr empfehlenswertes Buch "The Undercover Economist" unter dem Titel "Ökonomics" (Hoffentlich ist die Übersetzung nicht so gruselig wie der deutsche Titel.).

Via Marginal Revolution.

19.05.2006 um 01:39 Uhr

Geist wär geil!

Deutschlands Bildungsbürgertum war schon immer erfinderisch, wenn es um die Sicherung privater Pfründe ging. Ob es nun um die Eigenheimförderung, die Subventionierung von Kunst und Kultur und wie jüngst wieder um die Verhinderung der Studiengebühren an Deutschlands Hochschulen geht. Mit dem Hinweis auf eine vermeintlich unsoziale Diskriminierung sozial schwacher Studierender wird Front gegen die Beteiligung der Studenten an den Investitionskosten in ihr ganz privates Humankapital gemacht. Dabei lässt unser akademischer Nachwuchs ganz beflissentlich unter den Tisch fallen, dass jemand die Kosten für eine Ausbildung, deren Früchte später ganz privat eingefahren werden, tragen muß. Die Unifinanzierung fällt nicht vom Himmel, nein, sie wird den Geldbörsen der weniger cleveren Malocher, die auf einen Unibesuch verzichteten, entzogen. "Umverteilung made in Germany" geht eben vornehmlich von unten nach oben. Dabei macht Vater Staat sogar ein attraktives Angebot zur Vorfinanzierung der Studiengebühren. Für 5,1 Prozent Zinsen p.a. gibts bei der KfW einen Studienkredit mit dem sich die 500 Euro prinzipiell vorfinanzieren lassen. Aber den nehmen Deutschlands Eliten lieber für große Autos und andere langlebige Luxusgüter auf. Bei etwas riskanteren Investitionen triumphiert dagegen des Deutschen Subventionsmentalität. Und die muß man schließlich schon vor dem Start ins aktive Berufsleben entwickeln. Da sind die Demos gegen Studiengebühren schon mal eine gute Übung.

18.05.2006 um 20:19 Uhr

Lieber keine Konkurrenz als zu wenig Wettbewerb...

... ist offenbar die Position bayrischer Politiker zum Thema Liberalisierung der Wasserversorgung. Ohne Zweifel, mehr Wettbewerb in der Wasserversorgung ist ein kompliziertes und kontrovers diskutiertes Thema (Stellvertretend für diese Debatte: SRU 2000 vs. 2002). Aber das Argument des bayrischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen, nach dem durch die Liberalisierung der Wasserversorgung u.a. "Fehlentwicklungen im Wettbewerb z.B. Oligopolbildung" also Märkte mit wenigen Wettbewerbern zu befürchten wären, ist angesichts der Tatsache, dass heutige Wasserversorger Gebietsmonopole besitzen, also allenfalls Konkurrenz von ein paar privaten Brunnenbetreibern und der Mineralwasserindustrie zu befürchten haben, an Absurdität kaum zu überbieten.

Update: Nicht ohne Grund hat Deutschland bei den Wasserpreisen eine Spitzenposition:




18.05.2006 um 14:01 Uhr

Maschinen der Befreiung

Billige Haushaltsgeräte haben Frauen in der Vergangenheit zunehmend aus ihren angestammten "Beschäftigungsverhältnissen" vertrieben. Weil Heimarbeit zu großen Teilen automatisiert werden konnte und die Kosten dafür deutlich gesunken sind, zogen immer mehr Frauen es vor, sich außerhalb der eigenen vier Wände zu verwirklichen. Preissenkungen der Haushaltsgeräte haben hieran einen nicht unbedeutenden Anteil. So kommen die Ökonomen Tiago Cavalcanti und Jose Tavares in ihrem Aufsatz "Assessing the 'Engines of Liberation': Home Appliances and Famale Labor Force Participation" zu dem Ergebnis, dass Preissenkungen bei Haushaltsgeräten in Großbritannien zwischen 1975 und 1999 allein 10 bis 15 Prozent des Anstiegs der Erwerbsbeteiligung von Frauen erklären.

Was kann man aus diesem Ergebnis noch lernen? Beispielsweise, dass Billiglöhner (hier in Form von preisgünstigen Waschmaschinen) teurere Arbeitskräfte (Hausfrauen, die mit ihrer Zeit dann etwas besseres als Handwäsche anfangen können) zwar aus einer traditionellen Beschäftigung verdrängen können, nicht dafür verantwortlich sind, wenn diese keine alternative Beschäftigung finden. Vielmehr steht der verdrängte Arbeitnehmer für eine produktivere Beschäftigung zur Verfügung, vorausgesetzt, die Arbeitsmarktpolitik lässt einen Einsatz zum Produktivitätslohn zu.

Siehe auch: Der Kühlschrank als Ehebrecher

17.05.2006 um 14:10 Uhr

Kein Bock auf Marktreformen

Marktfreundliche Reformen in der Wirtschaftspolitik sind unpopulär und werden häufig vom Wähler bestraft. Dabei spielt es für viele Wähler offenbar keine besonders große Rolle, ob die Reformen die wirtschaftliche Situation des Landes befördern oder nicht. Zu diesem bedenklichen Ergebnis kommen die beiden Ökonomen Eduardo Lora und Mauricio Olivera von Inter-American-Development-Bank in ihrem Aufsatz "The Electoral Consequences of the Washington Consensus":

This paper assesses how electoral outcomes in both presidential and legislative elections in Latin America have been affected by the adoption of economic policies that seek to improve macroeconomic stability and facilitate the functioning of markets. The database includes 17 Latin American countries for the period 1985-2002, and a total of 66 presidential and 81 legislative elections. The set of testable hypotheses is derived from a review of the literature and is structured around the hypothesis of economic voting. It is found that (i) the incumbent’s party is rewarded for reductions in the rate of inflation and, to a lesser extent, for increases in the rate of growth; (ii) the more fragmented or ideologically polarized the party system, the higher the electoral rewards of reducing the inflation rate or raising the economic growth rate; (iii) voters care not only about economic outcomes, but also about some of the policies adopted: while the electorate seems blind to macroeconomic policies such as fiscal or exchange-rate policies, it is averse to pro-market policies, irrespective of their effects on growth or inflation; and (iv) the electorate is more tolerant of pro-market reforms when the incumbent’s party has a more market-oriented ideology. These results suggest that reforming parties have paid a hefty price for the adoption of pro-market reforms, except when such reforms have been undertaken in conjunction with stabilization policies in high-inflation economies.

Auch wenn die empirische Basis dieser Studie die Wahlergebnisse lateinamerikanischer Länder sind, die Ergebnisse werden durch die bundesdeutsche Realität bestätigt. Das Volk bekommt die Politiker die es verdient. Warum es durch sein Wahlverhalten einen Fehler nach dem anderen macht ist die große Frage, der der amerikanische Ökonom Bryan Caplan in seinem leider erst im Frühjahr 2007 erscheinenden Buch "The Myth of the Rational Voter. Why Democracies Choose bad Policies" nachgeht. Wie wichtig das Verständnis der Wähler über wirtschaftspolitische Zusammenhänge und die Funktionsweise von Märkten für die Qualität der Politik ist kann indes in einer Kolumne des Autors auf EconLib schon einmal nachgelesen werden.

Update: Sehr lesenswert: Bryan Caplan, Straight Talk About Economic Literacy

15.05.2006 um 21:08 Uhr

Telefonieren für die Rente

Alex von Marginal Revolution zitiert die beiden Why not?-Ökonomen Ian Ayres und Barry Nalebuff mit ihrer Idee eine Lotterie mit einem Rentensparplan (Forbes-Zugang mit kostenloser Registrierung) zu verbinden, bei der vom Erlös jeder Niete die Hälfte für die Rente gespart wird. Eine clevere Idee die Sparneigung notorischer Glücksritter zu erhöhen, einem Menschenschlag, der sich nach Einschätzung der Autoren eher durch mangelde Sparneigung für die Zukunft auszeichnet.

Ließe sich diese Idee nicht auch auf andere, eine gewisse Sucht auslösende Tätigkeiten ausdehnen? Beispielsweise telefonieren viele Leute exzessiv und verschulden sich damit bis zur Halskrause. Warum also nicht einen Telefontarif anbieten, bei dem ein Teil automatisch auf das Sparkonto des Telefonierenden umgeleitet wird. Bei guter Haushaltslage kann ordentlich telefoniert und gespart werden, ist der Kunde knapp bei Kasse, führen die höheren Telefonkosten möglicherweise zu einem etwas zurückhaltenderem Gesprächskonsum, denn der Teil der gesparten Telefonkosten landet zwar auf dem eigenen, jedoch erst später verfügbaren Konto und schmälert so zunächst das aktuelle Budget. Dann wird zwar auch nicht mehr soviel gespart, aber das Risiko des finanziellen Ruins ist auch geringer. So könnten Eltern von telefonier- und SMS-süchtigen Halbwüchsigen der Sparsamkeit ihrer Zöglinge doppelt auf die  Sprünge helfen. Auch für die Mobilfunkanbieter könnte sich so ein Deal auszahlen. Immerhin dürfte das Motiv der Sparsamkeit für die eigene Rente bei einigen Kunden die Telefonierwut noch verstärken.

14.05.2006 um 03:06 Uhr

Helfen höhere Arbeitsstandards den Arbeitern in den Entwicklungsländern?

Gute Menschen und Globalisierungsskeptiker fordern immer wieder, dass Lohndumping und unsichere Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern endlich ein Ende haben müssen. Oft ist zwar nicht klar, ob mit dieser Forderung eher die betroffenen Arbeiter in der Dritten Welt oder die gewerkschaftlich organisierten Malocher in den Industrieländern vor unliebsamer Konkurrenz geschützt werden sollen, aber zunächst klingt so ein Anliegen ja ganz plausibel.

Ist es aber auch sinnvoll? Die amerikanischen Ökonomen Joshua C. Hall und Peter T. Leeson haben sich in ihrem Aufsatz "Godd for the Goose. Bad for the Gander. International Labor Standards and Comparative Development" einmal angeschaut, ob die wirtschaftlichen Bedingungen in den betroffenen Entwicklungsländern (hier Sub-Sahara-Länder) überhaubt schon ausreichen, um mit den geforderten Löhnen und Arbeitsqualitätsstandards erfolgreich gleichziehen zu können.

The international labor rights movement, led by the International Labour Organization (ILO), argues that developing countries are currently ready for more stringent labor standards. This paper investigates this claim by examining the timing of labor standard adoption in highly developed countries. These nations were all once as poor as today’s developing countries and made the tradeoff between labor standards and income at some point in their past. Their experience therefore suggests a safe income threshold for adopting similar labor standards in the developing world. We find that every ILO-proposed labor standard is highly premature for the developing countries of Sub-Saharan Africa. These countries are between 100 and 300 years from reaching this threshold. ILO-proposed policy is exactly backward. A substantial relaxation of labor standards is the appropriate labor policy for this part of the developing world.

Die Autoren stellen demnach fest, dass das Entwicklungs- und Produktivitätsniveau dieser Länder derzeit noch so niedrig ist, dass noch zwischen 100 bis 300 Jahre vergehen müssten, um ein Entwicklungsniveau zu erreichen, welches dem entspricht, bei dem sich die Industrieländer die Einführung der geforderten Standards leisteten. Daher kritisieren sie an der Forderung gleicher Arbeitsbedingung in erster und dritter Welt, dass damit versucht würde nicht den Entwicklungsprozess (also die "Technologie") zu kopieren, sondern gewissermaßen das Entwicklungsergebnis vorwegzunehmen. Damit würden die Länder jedoch eines wichtigen komparativen Vorteils gegenüber den Industrieländern beraubt.

Also scheint Vorsicht bei der interessenpolitisch überhöhten Konditionierung des Welthandels angezeigt zu sein. Allerdings bleibt zu hoffen, dass eine reibungslose, jedoch deutlich verbesserte Kopie unseres Wachstumsprozesses in den Entwicklungsländern deren Wartezeit deutlich verkürzt.

Update: Die Autoren haben das Paper noch einmal aktualisiert und um den Aspekt der Kinderarbeit erweitert. Peter T. Leeson beschreibt ihre Ergebnisse auf The Austrian Economist:

Josh and I have just added some additional work in this paper, considering the same question for so-called "sweatshop-intensive" developing countries--developing nations believed to be home to the largest concentrations of child sweatshops on the globe. The results of our study confirm our findings for Sub-Saharan Africa: increased labor standards for these nations are also highly premature.The average sweatshop-intensive country is between 35 and 100 years from the development-appropriate threshold for various labor standards.

Of particular interest for these countries are labor standards prohibiting child labor. We find the average sweatshop-intensive country is 35 years from satisfying the threshold for this standard. Only one such country in this sample has currently satisfied the threshold--Costa Rica. The others are between 9 (Brazil) and more than 1000 (Honduras) years from doing so.


13.05.2006 um 03:01 Uhr

Ungesunde Blähungen...

In "Volatile Gases" beschreibt Ian Murray auf TCS-Europe sehr anschaulich den Aufstieg und Fall des europäischen Emissionshandels. Allerdings hat sich auch hier ein Fehler eingeschlichen.

Proposals to auction rather than grant permits would presumably see a very steep rise in the market price, as industries are forced to pay for things they do for free now. Energy prices would skyrocket.

Murray argumentiert, die Auktionierung der Emissionsrechte würde bislang kostenlose Aktivitäten der Unternehmen verteuern und damit zu einem Preisanstieg führen. Ich denke genau das Gegenteil würde geschehen. Während die nationalen Allokationspläne wegen der wehklagenden Unternehmen recht großzügig ausfielen, niemand aber genau wusste, wer nun übertriebenen Bedarf angemeldet hatte und wer nicht, handelte die Unternehmerschar bis zum Tag der Wahrheit - der Veröffentlichung der tatsächlichen Emissionen der ersten Handelsperiode - im Nebel des Ungewissen, was schließlich den Zertifikatspreis in den Himmel trieb. Da die Zertifikate eben nicht opportunitätskostenlos nur zur Verbrennung, sondern auch zum alternativen Verkauf verwendbar waren, bedeuteten sie echte Produktionskosten und trieben die Energiepreise hoch. Mehr Information über die wahre, geringere Knappheit der Emissionsrechte bedeutet eben auch echte geringere Knappheit und damit geringere Zertifikatspreise.

Was ändert hier die Auktion? Die Unternehmen sind gezwungen ihre wahre Zahlungsbereitschaft für ein Emissionszertifikat zu offenbaren. Während bei der freien Vergabe geradezu grenzenlose Phantasie für die Nennung von wichtigen Gründen für eine reichliche Ausstattung entfaltet wird und somit der Staat nicht mehr weiß, was nun wahr oder falsch an der Jammerei der Unternehmen ist, kann es sich kein Unternehmen bei einer Auktion leisten, mehr als die wirklich benötigten Emissionsrechte auf einer Auktion zu ersteigern. Sehr schnell wird damit für alle Marktteilnehmer der wahre Wert der Emissionsrechte klar. Selbst bei einer teilweisen Versteigerung bildet sich somit bereits zu Beginn der Handelsperiode ein zuverlässiger Leitpreis, der sich in Folge nur noch durch zusätzliche Informationen verändert. Extreme Preisschwankungen wie beim Grandfathering der vergangenen Handelsperiode können dadurch vermieden werden. Wenn also in einer Welt mit vollständigen Informationen die Preiswirkungen des Emissionshandels bei kostenloser Vergabe und bei Auktionierung der Emissionsrechte identisch sind, ist zu erwarten, dass unter den Bedingungen unvollständiger Informationen und strategischem Unternehmensverhalten die Höhe und Unsicherheit der Zertifikats- und damit der Energiepreise bei einer Versteigerung niedriger ist.

Viel Wind wird über die Abschöpfung der Windfallprofits durch eine Auktionierung gemacht. Über die Wohlfahrtswirkungen unterschiedlicher Verteilungsmuster lässt sich viel spekulieren, aber keine eindeutige Aussage treffen (Schließlich haben wir uns ja bislang auch nicht besonders aufgeregt, dass die Unternehmen die Knappheitsrente von externe Effekte auslösenden Kohlendioxidemissionen eingestrichen haben). Sollte eine Abschöpfung der Windfallprofits durch ein Versteigerung zu Gunsten der Allgemeinheit die Wogen der Volkswut auf die Energieversorger glätten und damit die Ehre des Emissionshandels retten wäre allerdings einiges gewonnen. Alle anderen Klimaschutzalternativen sind schlechter als das, was wir am Emissionshandel haben. Gelänge es sogar noch, die Politiker mit den Einnahmen aus der Versteigerung von weiteren Steuererhöhungen abzuhalten, wäre sogar mit einer Wohlfahrtssteigerung zu rechnen. Also sollten wir das auftreibende Zertifikatsfutter des Emissionshandels lieber verkaufen, bevor es bei den Unternehmen wieder übermäßig konsumiert wird und zu ungesunden Blähungen führt.


12.05.2006 um 20:16 Uhr

Die sticht wohl der Spargel...

Der heutige Tagesspiegel (leider nur in der Papierausgabe) meldet Arbeitskräfteknappheit auf Deutschlands Spargelfeldern. Kein Wunder, hat doch die Bundesregierung mit ihrer Eckpunkteregelung für Saisonbeschäftigte quasi ein Einstellungslimit für Erntehelfer eingeführt. Maximal 90% des Arbeitskräftebedarfs und das nur nach individueller Prüfung nach Vermittlungsmöglichkeit inländischer Arbeitskräfte darf aus dem Ausland kommen. Da aber trotz einer Förderung durch die Arbeitsargenturen nicht genügend deutschen Arbeitskräfte auf die Felder wollen (und die Bauern trotzdem lieber Polen beschäftigen, obwohl sie für diese ab diesem Jahr Sozialabgaben zahlen müssen) besteht ein künstlicher Angebotsengpass. Also wird der Spargel dieses Jahr nicht nur wegen des strengen Winters und der zusätzlichen Kosten der Folienanzucht teurer, sondern auch weil die Bundesregierung wieder einmal arbeitsmarktpolitisch versagt hat. Kein Arbeitsloser hat mehr Arbeit, einige Polen müssen auf zusätzliches Einkommen verzichten und die Deutschen müssen mehr für ihren Spargel bezahlen. Wem nutzt eigentlich dieser Nonsens. Offenbar nur einigen gutbezahlten Ideologen in den verglasten Quatschbuden links und rechts des Spreeufers.

12.05.2006 um 19:52 Uhr

Outsourcing im Bloggerland

Vielen Dank an das gute Wetter, die umziehenden Biertrinker Statler & Waldorf und natürlich die vielen neuen, offenbar allergischen Leser für den gigantischen Traffic auf meiner Seite. Ich bin zwar kein Allergiker, aber nach der Zeitungslektüre im Biergarten kann ich mir selbst bei diesem Wetter nicht verkneifen,  etwas allergisch zu reagieren und meine Kommentare abzugeben. Allerdings könnte es auch hier je nach Witterungsbedingungen etwas ruhiger werden. Fragt sich nur, wohin ich jetzt das Bloggen "outsourcen" soll...