Mit dem Kopf voran

31.07.2006 um 19:55 Uhr

Teure Pfunde!

von: steffenh   Stichwörter: Gesundheitspolitik

Alles redet von der Wunderpille Acomplia gegen Übergewicht, einem neuartigen Medikament, dessen Wirkstoff Rimonabant im Gehirn für das Hungergefühl verantwortliche Rezeptoren blockiert. Ganze 80 Euro soll eine Monatspackung kosten, wohl auch deshalb ist das Medikament aus Kostengründen nur für extrem Übergewichtige über 18 Jahren zugelassen. Ganz zu schweigen von den Nebenwirkungen, wie Stimmungsschwankungen oder Ängstlichkeit.

Kein Wunder, dass in unserem Gesundheitssystem die Kosten explodieren. Kurieren wir doch eigentlich auch auf einfacherem Wege lösbare Probleme mit teurer High-Tech-Medizin. Zugegeben, nicht jeder kann sich überwinden regelmäßig Sport zu treiben und auf das glücklich machende Futtern vor der Glotze verzichten. Aber zu der abspeckenden Wunderdroge gibt es eine ebenso wirksame, völlig nebenwirkungsfreie und obendrein wesentlich billigere Lösung.

Bereits vor Wochen hatte ich auf die Shangri-La-Diät des amerikanischen Psychologie-Professors Seth Roberts aufmerksam gemacht, eine Schlankheitskur, bei der man mit zwei Gläsern Zuckerwasser oder einigen Esslöffeln geschmacksarmen Speiseöls pro Tag eine ebenso sichere Zügelung seines Appetits erreicht. Und das für ganze 3 bis 4 Euro pro Monat, wendet man die Zuckerwassertherapie an. Die Methode hat nicht nur in den USA eine Menge begeisterter Anhänger gefunden, nein, selbst meine Mutter hatte in wenigen Wochen fast 5 kg ohne Hungerfrust abgespeckt. Wenn das sich herumspricht, dann wars das mit dem Verkaufserfolg des Pharmaherstellers, der sich von dem dauerhaft einzunehmenden Präparat ordentliche Umsätze verspricht.

Hat eigentlich einer meiner treuen Leser die Shangri-La-Diät mal ausprobiert? Mit 1,82 m Körpergröße, gut 70 kg Körpermasse und 30-40 km Laufstrecke pro Woche bin ich leider nicht der richtige Proband für einen Selbstversuch. Erfahrungsberichte würden mich also brennend interessieren. Natürlich übernehme ich auch für die Folgen dieses Beitrags keine Haftung!

Update: Alle Leserinnen sind ab sofort eingeladen auf dem neuen Weblog "Der Shangri La Diät Blog" weiter zu berichten und zu diskutieren.

31.07.2006 um 15:58 Uhr

Wo sind die Arbeitsplätze?

Immer wieder hört man klagen, Globalisierung und Billiglohnkonkurrenz führen zum Abbau von Arbeitsplätzen in den Industrieländern. Insbesondere im Textil- und Bekleidungsgewerbe wird immer wieder über die Gefahr für Arbeitsplätze in den Industrieländern durch die Billiglohnkonkurrenz aus den Entwicklungsländern geklagt. Tatsächlich ist es jedoch nicht der billige Textilarbeiter aus Shanghai, der die Textilarbeiter in Europa arbeitslos macht, sondern bestenfalls der technische Fortschritt. So kann man in der EU-Broschüre "Statistik kurz gefasst - Die Textilindustrie in der EU" erfahren, dass die Beschäftigung in der Textilindustrie zwischen 1991 und 2001 um 28% gesunken ist, obwohl die Bruttowertschöpfung nahezu unverändert blieb. Allein der technische Fortschritt hat dazu geführt, dass die Wertschöpfung pro Beschäftigten, also die Produktivität um 32% gestiegen ist. Der Textil-Protektionismus der EU hat entgegen seiner sozialen Lippenbekenntnisse wohl keinen einzigen Arbeitsplatz, sondern lediglich die Profite der Textilindustrie gerettet. Dafür auch noch einen Preisaufschlag beim Klamottenkauf abdrücken zu müssen, ist schon ärgerlich.


31.07.2006 um 10:17 Uhr

Quotengeschacher

Medien und Öffentlichkeit sind empört, dass der Wert von Kohlendioxid-Emissionsrechten im Rahmen des EU-Treibhausgashandels soweit es möglich ist von den Energieversorgern in die Strompreise überwälzt wird. Dabei sollten wir mit diesem Phänomen doch völlig entspannt umgehen, denn schließlich gibt es bereits seit 1984 eine Quote für ein Konsumgut, das vielleicht ebenso essentiell wie elektrischer Strom ist: die Milchquote.

Früher waren die Quoten nicht wirklich handelbar und es gab um ihre Verteilung ein ähnliches Geschacher wie um die knappen Emissionsrechte vor der Bekanntgabe des Nationalen Allokationsplan (NAP). Erst seit dem Jahre 2000 entspannte sich die Situation innerhalb der Quotenzeiträume etwas, als der offizielle Börsenhandel erlaubt wurde. Doch die Jagd nach der Anfangszuteilung der Milchquoten hat nicht an Schärfe verloren, geht es doch nicht nur um ein bloßes Angebotsrecht, sondern um handfeste Knappheitsgewinne aus dem Quotenhandel. Und spätestens seit dieser Zeit zahlen wir mit jedem Liter Milch, jedem Joghurt und jedem Stück Butter auch den schlichten Handelswert eines Milchverkaufsrechts mit.

Anders als beim Kohlendioxid, das zumindest im Verdacht steht eine klimaschädliche Wirkung zu haben, gibt es die Milchquote nur um die Bauern zu disziplinieren, sich gegenseitig nicht die Preise in den Keller zu konkurrieren. Eine echte Knappheit oder externe Kosten für die Gesellschaft, die vom Staat reguliert werden sollten, liegen nicht vor, sondern werden durch die Quote erst geschaffen.

Der Konsument zahlt also gleich zweimal: Einmal sind die Bauern in der Lage bei gegebener Nachfrage für eine geringere Angebotsmenge höhere Preise zu verlangen (die bekommen sie durch die Interventionspreise der EU ohnehin) und dazu bezahlen wir noch die "Windfall Profits" der glücklichen Quotenbesitzer. Immerhin kosteten die Quoten im Juni dieses Jahres regional unterschiedlich zwischen 0,28 und 0,70 €/kg Milch.

Und da sage mal noch jemand europäische Politiker hätten keine Erfahrungen mit dem Quotenhandel. Zumindest die Experten vom Umweltministerium hätten sich ja mal mit ihren Kollegen aus der Landwirtschaftssparte unterhalten können.

31.07.2006 um 00:25 Uhr

BP Statistical Review of World Energy 2006

Der aktuelle Überblick über weltweite Energiereserven, -verbräuche und -preise schlechthin (auch in deutsch). Die Daten kommen als Excel-Files und ganz neu in Form eines Online-Tools, mit dem man sich Energy-Charts der Wahl schnell und übersichtlich zusammenklicken kann.