Mit dem Kopf voran

23.08.2006 um 09:09 Uhr

Angriff durch Dilettanten

Der schlaue Professor aus Halle stellt in seiner Tagesspiegel-Kolummne "Angriff der Dilettanten" eine interessante Frage in der Debatte um den Bombenterrorismus in Deutschland (Regelmäßige Leser wissen, dass ich dem Autor schon das eine und andere Mal nicht folgen mochte.): Wie gefährlich wären die misslungenden Bahn-Attentate eigentlich gewesen? Anhand der für die Öffentlichkeit verfügbaren Information und unter Anwendung einiger Grundkenntnissen der Chemie - so der Autor - sei es nicht unwahrscheinlich, dass hier eher ein paar fanatische Dilettanten am Werk waren. Dementsprechend lautet auch das Fazit:

Aus den misslungenen Bahnanschlägen kann deshalb nicht geschlossen werden, dass Deutschland bereits ins Fadenkreuz des hoch professionellen Terrorismus nach dem Muster von Al Qaida geraten wäre. Vielmehr sieht – nach den derzeit bekannten Informationen – alles nach einem schlecht vorbereiteten Angriff durch Amateure aus. Auch dagegen muss sich der Staat wehren – aber bitte mit Augenmaß und ohne voreilige Panikmache.

Das "der Staat" sich zu wehren beginnt, kann man aus all dem politischen Aktionismus dieser Tage nur zu gut ablesen. Nur gewinnt man dabei den Eindruck, dass es sich hier auch um einen "Angriff der Dilettanten" handelt. Seitens der Politik ist jedenfalls nicht erkennbar, ob sie sich um eine systematische Untersuchung des Verhältnisses des vorhandenen Risikos und der Nutzen der vorgeschlagenen Terrorbekämpfungsmaßnahmen bemüht. Solange ist nur eines sicher: Die Terrorgefahr bietet wie viele andere nationale Krisen für Politiker und ihr Klientel einen willkommenen Anlass, den Zugriff des Staates auf die Freiheit und den Wohlstand seiner Bürger zu vergrößern.