Mit dem Kopf voran

28.12.2006 um 12:09 Uhr

Free Lunch?

von: steffenh   Stichwörter: Kunst

Die Internationale Stiftung Mozarteum hat Mozarts sämtliche Werke digitalisiert zur freien Verfügung ins Netz gestellt. Jetzt suche ich nur noch jemanden, der mir kostenlos das Klavierspielen beibringt. Doch das strapaziert dann immer noch meine knappe Zeit. Von wegen Free Lunch. Schade.

28.12.2006 um 10:59 Uhr

Thomas Schelling zur Klimapolitik

von: steffenh   Stichwörter: Klimapolitik

Seit langem das Beste was ich zum Thema Klimawandel und notwendigen politischen Maßnahmen gehört und gesehen habe. Ökonom und Nobel-Preisträger (2005) Thomas C. Schelling mit seiner Hans Landsberg Memorial Lecture bei Resources for the Future in Washington D.C..

27.12.2006 um 13:44 Uhr

Umverteilungsmaschinen Teil III

von: steffenh   Stichwörter: Klimapolitik

Ein illustratives Beispiel für die Umverteilung von Wohlstand durch die Klimapolitik gibt dieses bei Prometheus zitierte Beispiel einer Massnahme im Rahmen des sog. Clean Development Mechanism (CDM):

Foreign businesses have embraced an obscure United Nations-backed program as a favored approach to limiting global warming. But the early efforts have revealed some hidden problems.

Under the program, businesses in wealthier nations of Europe and in Japan help pay to reduce pollution in poorer ones as a way of staying within government limits for emitting climate-changing gases like carbon dioxide, as part of the Kyoto Protocol.

Among their targets is a large rusting chemical factory here in southeastern China. Its emissions of just one waste gas contribute as much to global warming each year as the emissions from a million American cars, each driven 12,000 miles.

Cleaning up this factory will require an incinerator that costs $5 million — far less than the cost of cleaning up so many cars, or other sources of pollution in Europe and Japan.

Yet the foreign companies will pay roughly $500 million for the incinerator — 100 times what it cost. The high price is set in a European-based market in carbon dioxide emissions. Because the waste gas has a far more powerful effect on global warming than carbon dioxide emissions, the foreign businesses must pay a premium far beyond the cost of the actual cleanup.

The huge profits from that will be divided by the chemical factory’s owners, a Chinese government energy fund, and the consultants and bankers who put together the deal from a mansion in the wealthy Mayfair district of London.

 

27.12.2006 um 10:48 Uhr

Die Anatomie des Schwertschluckens

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Wer schon immer wissen wollte welchen eigenartigen Freizeitvergnügungen manche Ärzte nachgehen, wie sich diese aus medizinischer Perspektive darstellen und welche Risiken und Nebenwirkungen vor dem ernsthaften Inbetrachtziehen dieses Hobbys zu beachten ist, kann im neuesten Ärzteblatt etwas über das Schwertschlucken erfahren. Also schön durchlesen bevor das Besteck statt des Festtagsbratens die Kehle hinunter wandert.

24.12.2006 um 09:14 Uhr

Frohe Weihnachten!

Ein gemütliches Weihnachtsfest für alle treuen Leser!

24.12.2006 um 09:10 Uhr

Den kleinen Unterschied...

von: steffenh   Stichwörter: Psychologie

...zwischen Frau und Mann gibt es auch in der Eifersucht. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest dieser Aufsatz aus Evolutionary Psychology:

The present studies address two criticisms of the theory of evolved sex differences in jealousy: (a) that the sex difference in jealousy emerges only in response to hypothetical infidelity scenarios, and (b) that the sex difference emerges only using forced-choice measures. In two separate studies, one a paper-and-pencil survey with a student sample and the other a web-based survey targeting a non-student sample, men and women showed significant sex differences in jealousy in response to actual infidelity experiences; men experienced more jealousy in response to the sexual aspects of an actual infidelity, whereas women experienced more jealousy in response to the emotional aspects of the infidelity. Sex differences emerged using both continuous measures of jealousy as well as the traditional forced-choice measure. Overall, our results demonstrate that sex differences in jealousy are not limited to responses to hypothetical infidelity scenarios; they also emerge in response to actual infidelity experiences.

22.12.2006 um 09:11 Uhr

Die USA in den Dreißigern

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Faszinierende frühe Farbbilder des US-amerikanischen Alltags aus den Zeiten der Großen Depression und des New Deal  findet man bei Daily Kos.


21.12.2006 um 10:46 Uhr

Die Gnade der späteren Geburt

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Wenn ab dem 1. Januar das Elterngeld gezahlt wird, haben Eltern, deren Kinder es bereits vor dem Jahreswechsel ans Licht der Welt drängt, das Nachsehen. Der nicht unwesentliche Anreiz, ein Neujahrskind auf die Welt zu bringen, wird daher auch die Phantasie der Ärzte beflügeln müssen, entbindungsverzögernde Massnahmen für ihre Patienten einzusetzen. Ob das für die Gesundheit von Mutter und Kind immer so förderlich ist und dieses Risiko den finanziellen Gewinn wert war, muß sich noch zeigen. Auf jeden Fall sind ökonomische Anreize, die auch nicht vor der Familienplanung halt machen, kein allein deutsches Phänomen, wie dieser Artikel in der New York Times zu strategischer Geburtstagsplanung von Eltern zeigt.

Fraglich ist ohnehin, ob die Bundesregierung mit dem Elterngeld ihr politisches Ziel einer Erhöhung der Geburtenrate überhaupt erreichen kann. Die Demographen vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung sind da sehr skeptisch.

21.12.2006 um 10:12 Uhr

Wer schützt uns eigentlich vor dieser Behörde?

von: steffenh   Stichwörter: Energiepolitik

Das Bundeskartellamt erfindet die Ökonomie neu und mahnt den Energieerzeuger RWE ab, weil dieser den Börsenpreis für Emissionsrechte in seine Preise einkalkuliert. Die Bundesregierung und Teile der Opposition klatschen laut Beifall. Warum das ganz grober Unfug ist, dem wirtschaftlich agierenden Energieversorgern nichts anderes übrig bleibt und in diesem Verhalten die wesentliche Klimaschutzwirkung des Instruments liegt konnte man hier schon des öfteren nachlesen. Insofern ist dieser populistische Schulterschluß bestenfalls dazu geeignet, dem bildungsresistenten Bundesbürger über das Weihnachtsfest die Illusion der Geborgenheit durch einen sich aufopfernd kümmernden Staat zu geben. Als Konsument wird er hiervon sicher nicht profitieren, denn die Begrenzung der Einpreisung wird angebotssenkend wirken und die Attraktivität von Neuinvestitionen in Erzeugungskapazitäten noch weiter reduzieren. Die Einpreisung kommt dann trotzdem und mit Sicherheit noch spürbarer. Doch dann wird es vielleicht eine andere Bundesregierung sein, die auf das Wehklagen seiner Bürger reagieren muß. Und wieder wird uns das Kartellamt schützen wollen. Ich allerdings würde mich noch sicherer fühlen, wenn mich endlich mal jemand vor dem Kartellamt schützt.

21.12.2006 um 00:26 Uhr

Süße Weihnacht?

von: steffenh   Stichwörter: Wirtschaftspolitik

Weihnachtszeit ist Zeit der Süßigkeiten. Und in jedem Schokoladenweihnachtsmann sind bis zu 50 Prozent Zucker, ein Lebensmittel, dass seit Jahrzehnten Dreh- und Angelpunkt eines der größten Schildbürgerstreiche europäischer Wirtschaftspolitik ist. Garantierte Mindestpreise erzeugen ein Überangebot, das durch Quoten kleingehalten werden soll und weil das nicht klappt, mit Exportsubventionen aus der EU geschafft wird. Das Ergebnis sind hohe Zuckerpreise in der EU, die Zerstörung von landwirtschaftlichen Nutzungsoptionen in für den Zuckerpflanzenanbau wesentlich besser geeigneten Regionen der Welt und unnötige Belastungen der Umwelt mit Pflanzenschutz- und Düngemitteln. Selbst die einkommenspolitischen Versprechungen kann diese Politik nicht einlösen, weil wohlhabende Landwirte an Gunststandorten die dicksten Gewinne zu Lasten von Konsumenten und Steuerzahlern machen. Prof. Erich Schmidt von der Uni Hannover hat vor einiger Zeit in seinem Paper "Die Zuckermarktordnung...Ineffizienzen zu Lasten der Verbraucher?" diesen agrarpolitischen Irrsinn und seine Folgen sehr anschaulich beschrieben. Und es soll mir keiner kommen, wir bräuchten das, sonst wären unsere Zähne noch schlechter. Dieses Problem kann man ganz einfach mit der Zahnbürste lösen.

19.12.2006 um 02:26 Uhr

Dumm, dümmer, zitty

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Das Berliner Stadtmagazin zitty übt sich zur Weihnachtszeit mal wieder in fundamentaler Gesellschaftskritik. Während sich alle Welt darüber freut, dass Konsumenten und Produktanbieter zunehmend auch die Umweltqualität in den Fokus ihrer Verbrauchs- und Produktionsentscheidung rücken und daher, wenn auch manchmal nicht besonders informiert, dafür aber mit nahezu religiösem Eifer, zunehmend auf die ökologische und politische Verträglichkeit ihrer Einkäufe achten, können die Macher der zitty sich für diesen Bewusstseinswandel nicht so richtig begeistern. Denn es geht ihnen letztlich nicht um Nachhaltigkeitserwägungen beim Konsum, sondern um eine pauschale und damit ziemlich diffuse Kapitalismuskritik, eine Kritik, die sie im vorletzten Heft (23.11.-06.12) nicht wirklich sinnvoll mit Leben füllen konnten.

So steht im Editorial, dass "wir hier in der zitty ... mit dem Kapitalismus natürlich grundlegende Probleme (haben): Wir sind dagegen, dass die Reichen immer reicher werden, Leute ohne Arbeit Menschen zweiter Klasse sind und Bildung vom Kindergarten an eine Frage des Geldes ist." Nun, meine liebe zitty, wen meinen Sie mit ihrer Klassifikation der Reichen? Im Verhältnis zu unseren Mitbürgern in der Dritten Welt sind wir doch alle reich. Sollte das Anlass genug sein, das wirtschaftliche Wachstum langsam einzustellen (Wir sind ganz nebenbei gegenwärtig auf gutem Wege dazu in Deutschland)? Sollte die zitty dies nicht gleich zum Anlass nehmen, seine Kunden zum Boykott des Stadtmagazins aufzurufen, um zu vermeiden, dass die Redaktion noch mehr Reichtum mit diesem Wurstblättchen anhäuft? Auch ist nicht ganz klar, was das zitty-Team am Reichtum der Mitbürger eigentlich stört. Sollte da etwa ein gewisser Neidreflex durchscheinen? Zumindest hätten es die Leser verdient, etwas über die Hintergründe der zitty-Kritik aufgeklärt zu werden. Das betrifft auch die beiden anderen Punkte der Gesellschaftsmäkelei, die als Wohlfühl-Statements vom linken Flügel der Leserschaft gern unhinterfragt aufgesogen werden und es daher immer wieder in die Cover-Story schaffen.

Leute ohne Arbeit sind zweifellos ohne Arbeit und können sich deshalb bedauerlicherweise kein besonders opulentes Konsumniveau leisten. Doch niemand diskriminiert sie deshalb absichtlich, selbst den gutmeinenden Politikern, die mit ihren arbeitsmarktpolitischen Abenteuern in vielen Fällen den Jobmangel zu verantworten haben, kann man diesen Vorwurf nicht direkt machen. Obwohl, sicher bin ich mir da nicht, gewisse Vorwürfe sind da sicher angebracht. Aber redet die zitty der Askese nicht selbst das Wort? Und eigentlich haben sie ja recht, wenn gemeint wird, dass Bildung vom Kindergarten an eine Frage des Geldes ist. Schließlich ist Bildung nicht umsonst, irgendjemand muß zugunsten der Investition in "Humankapital" zunächst erstmal auf Konsum verzichten. Das Bildung aber in Deutschland in Relation zu ihrer Effektivität ziemlich teuer ist, liegt letztlich an den bildungspolitischen Experimenten hierzulande, die ganz beträchtlich den Geist der von der zitty-Mannschaft artikulierten Gesellschaftskritik atmen.

Dankbar wendet sich also der aufmerksam gewordene Leser nach diesem Aufgalopp dem versprochenen Hintergrundartikel über die rettende Macht des Verbrauchers und die Problemchen der zitty-Leute zu. Aha, zitty stellt fest "Bio gibt es jetzt auch in schick." Und man identifiziert natürlich die USA und deren Prominenz als Urheber eines Lifestyles, den die zitty-Macher nun erst recht mit Argwohn beäugen. Und endlich lässt der Autor die Katze aus dem Sack: "Wieviel Interesse an der Nachhaltigkeit bei den Prominenten wohl übrig bliebe, wenn der Genuss wegfiele, ist spekulativ." Aha, dass Problem ist nicht die Belastung der Umwelt, die Arbeitslosigkeit oder zu viel Armut. Nein, es ist der Kapitalismus und vor allem der Genuss, den die neue Bewegung der bewussten Konsumenten leider nicht mehr wie in den Achtzigern in Frage stellt. Auch der Biomarkt wird inzwischen von der zitty als kapitalistischer Konsumverführer dingfest gemacht.

Doch bleiben die tieferen Wurzeln dieser Kritik für den Leser dann doch vergraben, weil der Rest des Beitrags nicht mehr als eine Art Werbeverkaufsveranstaltung für politisch korrekte Versandhäuser ist, die, anders als als die trenderheischenden Newcomer des Ökobusiness, wirklich nur "die guten Dinge" und andere merkwürdige Kinkerlitzchen aus Stahl, Holz und manch anderem natürlichen Werkstoff unter die Leute bringen. Dazu gehören etwa so nützliche Dinge wie Bernstein als Räucherstoff gegen Zahnweh, Kofpschmerzen und Streß, der nebenbei bemerkt als fossiler Rohstoff bei der Verbrennung nicht klimaneutral und damit weder "gut" noch "öko" ist. Aber wollen wir mal nicht so pingelig sein. Schließlich geht es den zitty-Machern auch nicht so sehr um den Umweltschutz, sondern um Kapitalismuskritik und die Abkehr vom Genuss.

Zu gern würde ich mal die Redakteure der zitty bei den mühsamen Versuchen der Umsetzung ihres asketischen Alltags beobachten. Ob sie dazu neben ihren sicherlich rein berufsbedingten Besuchen in der Vernisage hier und dem Gourmet-Restaurant dort überhaupt die Gelegenheit haben? Wahrscheinlich zwingt sie der erbarmungslose Kapitalismus im Allgemeinen und der Gewinn aus dem Verkauf der zitty an ihr systemkritisches Publikum im Besonderen zu bitteren Zugeständnissen und der einen oder anderen Designer-Jeans, dem szenigen 50€+-Haarschnitt und dem verbrauchsarmen Smart-Trendmobil. Mir kommen die Tränen. Wer das wie ich nicht länger mit anschauen kann, sollte einfach zur Konkurrenz wechseln und der zitty damit zeigen, wozu der Kapitalismus auch gut ist.

17.12.2006 um 13:20 Uhr

Klimaschutz durch Biomassenutzung?

von: steffenh   Stichwörter: Klimapolitik

Erneuerbare Energieträger und insbesondere die energetische Nutzung der Biomasse gelten als eine der wichtigsten Lösungen zur Reduzierung des menschenverursachten Klimawandels. Schnell sind Umweltpolitiker daher dabei, diese Optionen durch den Einsatz öffentlicher Fördermittel zu fördern. Das klingt plausibel, ist aber aus der Nähe betrachtet ein Bärendienst am Klimaschutz.

Die Nutzung der Biomasse zur Kraftstoffgewinnung ist nur insofern klimaneutral, wie die bei der Verbrennung entstehenden Kohlendioxidemissionen vorher von der Pflanze bei der Photosynthese aus der Umgebungsluft aufgenommen wurden. Da aber die Pflanzen erst unter Einsatz von Arbeit, Kapital und damit auch Energie aus fossilen Quellen angebaut werden mussten, ist der Gesamtprozess alles andere als klimaneutral. Damit verursacht auch die energetische Nutzung von Biomasse netto den Klimawandel beschleunigende Emissionen. Folglich wird mit der Förderung der Biomassenutzung auch die Emission von Kohlendioxid gefördert. Nun könnte man meinen, dass die Förderung dazu beiträgt, noch stärker emissionsintensive fossile Energieträger zurückzudrängen. Doch diese Argumentation ist das logische Äquivalent zur Subventionierung von Light-Zigaretten zur Reduzierung der Gesundheitsschäden des Rauchens. Dem könnte man entgegenen, wenns hilft, müssen wir den Weg der kleinen Schritte gehen.

Doch es gibt ein weiteres Problem. Die Subventionierung der Biomassenutzung verbilligt die Energieproduktion und gibt den Verbrauchern den Anreiz mehr Energie zu verbrauchen als in der Ausgangssituation. Selbst unter den Bedingungen einer Quotenlösung, bei der nicht der Steuerzahler, sondern der Energieverbraucher die Kosten der Förderung trägt, führt die implizite Förderung zu einer Konzentration auf Vermeidungstechniken, deren Vermeidungskosten im Vergleich zu bestehenden technologischen Alternativen unverhältnismäßig hoch sind. Egal wie man es dreht und wendet, die Subventionierung von Energie aus Biomasse ist eine Subventionierung von Kohlendioxidemissionen und damit eine Verschwendung öffentlicher Gelder. Vor dem Hintergrund der lediglich an Partikularinteressen ausgerichteten Landwirtschaftspolitik ist diese Strategie allerdings auch nicht weiter verwunderlich.

Die simple Lösung, Kohlendioxidemissionen zu besteuern oder den Emissionshandel auf die Ebene des Großhandels mit fossilen Brennstoffen auszudehnen, ist dagegen ein politischer Rohrkrepierer. Volkswirtschaft klar von Vorteil, aber nicht halb so gut von Agrarlobbyiste, Umweltverbänden und Umweltpolitikern zu ihrem Vorteil ausschlachtbar bzw. mit zunächst für einige unliebsamen Verteilungsproblemen verbunden, fristen diese Instrumente noch immer ein trauriges Schattendasein. Die Existenz des fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten EU-Emissionshandels ändert hieran herzlich wenig.

15.12.2006 um 00:35 Uhr

Kein Stern am Himmel der Klimaschutzpolitik

von: steffenh   Stichwörter: Klimapolitik

Auch wenn beispielsweise die Grünen ohne große Überlegungen der Meinung sind, die klimapolitischen Kosten der Empfehlungen des Stern-Klima-Review von einem Prozent des globalen Bruttoinlandprodukt wären leicht zu schultern, kommen andere Kommentatoren zu ganz anderen Ergebnissen. So beschäftigen sich einige Ökonomen mit den Ursachen der eher drastischen Empfehlungen des Klimaberichts. Stein des Anstosses ist u.a. die Wahl einer extrem niedrigen sozialen Diskontrate von 0,1, die nahezu keine Abdiskontierung der Nutzen zukünftiger Generationen zulässt. Man mag meinen, dass dies eine reine Bewertungsfrage ist. Diese Debatte wird allerdings von den deutschen Kommentatoren in Presse und Politik ganz einfach übersehen und das Ergebnis des Stern-Reviews als Faktum verkündet. Ökonom Hal Varian ist da etwas genauer:

So, should the social discount rate be 0.1 percent, as Sir Nicholas Stern, who led the study, would have it, or 3 percent as Mr. Nordhaus prefers? There is no definitive answer to this question because it is inherently an ethical judgment that requires comparing the well-being of different people: those alive today and those alive in 50 or 100 years.
Still, we may at least ask for consistency in our decisions. Forget about global warming and consider the much simpler problem of economic growth. How much should we save today to bequeath to future generations if we really believed in a 0.1 percent social discount rate and the other assumptions built into the Stern model? The answer, according to Sir Partha’s calculation, is that we should invest 97.5 percent of what we produce today to increase the standard of living of future generations.

Update: Die Ökonomen William Nordhaus, Partha Dasgupta, Gary Johe und Indur Goklany kommentieren den Stern-Review. Sehr lesenswert auch Tim Worstall.

13.12.2006 um 09:53 Uhr

Elektrisierender Populismus

von: steffenh   Stichwörter: Wirtschaftspolitik

Verbraucherschutz verkommt in Deutschland mehr und mehr zum populistischen Spektakel. Jüngstes Beispiel sind die Razzien in den Geschäftsräumen der großen Energieversorger durch deutsche Ermittler. Man hofft Belege für Preisabsprachen zwischen den Unternehmen zu finden. Vorher hat man sich auf ein simples Denkschemata geeinigt, indem Marktkonzentration per se schlecht und Gewinne ohnehin nur zu Lasten der Konsumenten gehen.

Was glaubt man dort zu finden? Unterlagen, die beweisen, dass sich die Vorstände der Unternehmen kennen und und ihre Geschäftsprozesse abstimmen? Die gibt es bestimmt. Unterlagen die zeigen, dass die Preise oberhalb der Bereitstellungskosten der Leistungen liegen? Auch die dürften vorhanden sein, die findet man in jedem Bäckerladen. Selbst wenn es Preisabsprachen und Gewinne in der Strombranche gäbe, was ist daran verwerflich oder abweichend von der Normalität des täglichen Lebens. Kartelle sind in der Theorie eine einleuchtende Sache, wenn da in der Realität nicht das Probleme wäre, dass letztlich derjenige der die Kartellabsprachen verletzt die dicksten Fische fängt. Auch übersieht das Kartellamt beflissentlich, dass der Strompreis in Deutschland inzwischen auf dem europäischen Strommarkt entsteht, auf dem unsere großen Vier zwar wichtige, aber nicht die einzigsten Player sind. Schließlich sind hohe Gewinnerwartungen die Voraussetzung für Investitionen, die in einem komplexen und interdependenten Strommarkt allein aus Gründen der Versorgungssicherheit essentiell sind.

Statt für Bedingungen zu sorgen, die einfach nur günstige Voraussetzungen für den Marktzutritt neuer Wettbewerber bereitstellen, schafft es die Politik erfolgreich, sich eine Daueraufgabe in der Energiemarktregulierung zu sichern. Zunächst werden durch diverse Regulierungen Marktzutrittshemmnisse geschaffen, die die Anzahl und die Wettbewerbsmöglichkeiten bestehender und potentieller Anbieter kleinhalten, dann wird das Ergebnis eines derartigen Marktes diskreditiert, um mit den Abwehraktivitäten politisch punkten zu können. Man versucht sich auf die die Seite der Konsumenten zu schlagen und merkt dabei nicht, dass neue Regulierungen eigentlich nur zwei Ergebnisse haben können. Entweder sie manifestieren die Machtposition der etablierten Versorger, da man auf deren Informationen basierende Eingriffe in den Markt vornimmt, oder man reduziert die Erträge in der Branche soweit, dass sich der Markt ohnehin nur noch für wenige Player lohnt, die darüber hinaus auch wenig investieren. Beides kann auf lange Sicht nicht gut für den Konsumenten sein. Für den Politiker schon, denn es bleibt die Unzufriedenheit, die Vorwand für sein Handeln ist.

12.12.2006 um 01:11 Uhr

Auch das grünste Gras wächst auf schmutzigem Boden

von: steffenh   Stichwörter: Umweltschutz

Über Mythos und Realität von Biolandbau, Fair-Trade und lokaler Landwirtschaft schreibt der Economist:

What should a shopper do? All food choices involve trade-offs. Even if organic farming does consume a little less energy and produce a little less pollution, that must be offset against lower yields and greater land use. Fairtrade food may help some poor farmers, but may also harm others; and even if local food reduces transport emissions, it also reduces potential for economic development. Buying all three types of food can be seen as an anti-corporate protest, yet big companies already sell organic and Fairtrade food, and local sourcing coupled with supermarkets' efficient logistics may yet prove to be the greenest way to move food around.
Food is central to the debates on the environment, development, trade and globalisation—but the potential for food choices to change the world should not be overestimated. The idea of saving the world by shopping is appealing; but tackling climate change, boosting development and reforming the global trade system will require difficult political choices. “We have to vote with our votes as well as our food dollars,” says Mr Pollan. Conventional political activity may not be as enjoyable as shopping, but it is far more likely to make a difference.

11.12.2006 um 18:24 Uhr

Beides geht nicht ...

von: steffenh   Stichwörter: Ökonomie

...scheint die ebenso ebenso verblüffende wie simple Antwort auf die Frage nach dem Einfluß von gewaltätigen Inhalten im Internet und in Filmen auf die Häufigkeit von Gewalt- und Sexualdelikten zu sein. Existiert der so oft postulierte positive Zusammenhang doch nicht? Es sieht ganz so aus:

More violence on the screen means less violence in the streets. Probably that's because violent criminals prefer violent movies, and as long as they're at the movies, they're not out causing mischief. They'd rather see Hannibal than rob you, but they'd rather rob you than sit through Wallace & Gromit (Steven Landsburg: How the web prevents rape).

08.12.2006 um 14:28 Uhr

Kapitalflucht nimmt zu

von: steffenh   Stichwörter: Wirtschaftspolitik

Was das Statistische Bundesamt als wachsenden Leistungsbilanzüberschuß ausweist und die Bundesregierung sicher wieder als Ausdruck wirtschaftlicher Stärke eines Exportweltmeisters feiern wird, zeigt eigentlich nur, dass die Kapitalflucht aus Deutschland weiter zunimmt. Die steigenden Exportüberschüsse Deutschlands sind schließlich ein zuverlässiger Indikator dafür, dass Investoren Deutschland meiden. Denn all das, was an Außenhandelserlösen nicht wieder zu Importen führt, muss wohl zwangsläufig im Ausland in Hoffnung auf zukünftige Erträge angelegt werden. Hoffen wir also auf zukünftige Importüberschüsse, sonst hat der Weltmeistertitel nichts gebracht.

07.12.2006 um 10:21 Uhr

Große Ökonomen

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

"All great economists are tall. There are two exceptions: John Kenneth Galbraith and Milton Friedman." --George J. Stigler

(Left to right: George Stigler, Milton Friedman, John Kenneth Galbraith.
Creation of Mark Skousen. Technical assistance by James Durham.)

 

Via Mark Skousen.com Latest News

05.12.2006 um 18:17 Uhr

Was wir Deutschen nicht alles so wollen...

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Glaubt man einer im Auftrag des Umweltministeriums in Deutschland durchgeführten Umfrage zur Ermittlung des Umweltbewußtseins der Deutschen, dann sieht man sich in ein wunderbares Ökotopia versetzt. Für jeden vierten Bundesbürger ist Umweltschutz ein ganz großes Thema, nur noch die Sorge um die Arbeitslosigkeit treibt uns Deutschen die grüne Farbe aus den Sorgenfalten. Und um dies zu untermauern haben die Deutschen auch ganz konkrete Forderungen an das, was da so alles geschehen soll. Natürlich soll Deutschland der Vorreiter im Klimaschutz sein, auch die Erneuerbaren Energieträger sollen kräftig ausgebaut werden und so schnell wie möglich die Atomkraft ersetzen. Und schließlich soll den Unternehmen ordentlich Dampf in den Vorstandsetagen gemacht werden, damit dort endlich Pläne für energiesparende Produkte in die Realität umgesetzt werden.

Bleibt nur die Frage, wer das alles machen und bezahlen soll? Und genau da liegt der Haken solcher Befragungen, denn sie zeigen eigentlich nur, was die Deutschen alles so, ganz politisch korrekt von sich geben, wenn der Tag lang ist und ein ernst blickender Interviewer so tief ins Gewissen gehende Fragen stellt. Sinnvoller ist da doch ein Blick in die Realität, auf die offenbarten Präferenzen, der zeigt, dass all die Wünsche der Deutschen wohl doch nicht so ehrlich gemeint sind, denn schließlich müssen sie zu all dem gezwungen werden. Gerade ein Prozent des Haushaltstroms wird als sogenannter Ökostrom bezogen, Drei-Liter-Autos wurden mit ihrer Markteinführer fast über nacht zu Ladenhütern und wer von uns Deutschen achtet tatsächlich auf Energiesparfunktionen und niedrigen Energieverbrauch von Geräten im Stand-By-Betrieb. Schließlich bestimmt die Nachfrage und der Produktabsatz, was sich bei den Unternehmen langfristig rechnet und was wieder aus den Geschäften verschwindet.

Wenn all diese Antworten ehrlich gemeint wären, würde der Ökostrommarkt brummen und Deutsche würden ihre Autos mit einem lächelnden Gesicht gegen Bahn und Fahrrad eintauschen. Ja selbst die Arbeitslosigkeit würden sie mit einem Schulterzucken abtun, weil ja die Vorreiterrolle im Klimaschutz und die damit verbundenen Kosten für Haushalte und Unternehmen nichts anderes als unvermeidbare Kollateralschäden im Kampf gegen den menschenverursachten Weltuntergang (an den ja schließlich 63 % glauben) wären. Die Opfer in Form von Einkommen und Arbeit, verbunden mit Unternehmens- und Nachfrageverlagerung ins Ausland, müssten eben gebracht werden und dann wäre auf den Industriebrachen endlich genug Platz für all die Solarzellen und Windräder, die ein Vorreiter so an die Front werfen muss.

Das Ergebnis dieser Umfrage zeigt aber nicht nur, wie wenig diese Forschungsmethode für ein Abbild der Realität taugt, sondern sie offenbart auch, wie sehr die Deutschen bereit sind, sich einem Geflecht von staatlichen Regelungen und selbstzuzahlenden Subventionen zu unterwerfen. Man fühlt sich wohl, wenn all diese netten Umweltsachen via Staat mit dem Geld anderer Leute finanziert werden (Ob der der Durchschnittsbefragte merkt, dass es letztlich der Lohn seiner eigenen Arbeit ist?). Ein Land voller sich selbst nicht ernst nehmender Trittbrettfahrer. Offenbar muß erst der Staat sein Volk zu dem zwingen, was zwar eigentlich alle vorgeben zu wollen, aber dann doch nicht machen. Keine bessere Legitimation kann die Bundesregierung für ihre klima- und umweltpolitischen Experimente und die damit verbundene stetige Vergrößerung ihres wirtschaftspolitischen Einflußbereichs finden. Kein Wunder ist es deshalb auch, dass der Staat sich mit solchen Umfragen regelmäßig der geistigen Trägheit seines Fußvolks rückversichert.

05.12.2006 um 09:30 Uhr

WMO-Position zum Klimawandel und tropischen Wirbelstürmen

von: steffenh   Stichwörter: Klimaforschung

Die World Meteorological Organisation (WMO) hat nach Auskunft von Prometheus zwei Standpunktpapiere (hier und hier) zum Forschungsstand bezüglich des Zusammenhangs von Klimawandel und tropischen Wirbelstürmen veröffentlicht. Nach wie vor ist die Debatte offen:

The global community of tropical cyclone researchers and forecasters as represented at the 6th International Workshop on Tropical Cyclones of the World Meteorological Organization has released a statement on the links between anthropogenic (human-induced) climate change and tropical cyclones, including hurricanes and typhoons.

Consensus Statements by International Workshop on Tropical Cyclones-VI (IWTC-VI) Participants

1. Though there is evidence both for and against the existence of a detectable anthropogenic signal in the tropical cyclone climate record to date, no firm conclusion can be made on this point.

2. No individual tropical cyclone can be directly attributed to climate change.

3. The recent increase in societal impact from tropical cyclones has largely been caused by rising concentrations of population and infrastructure in coastal regions.

4. Tropical cyclone wind-speed monitoring has changed dramatically over the last few decades, leading to difficulties in determining accurate trends.

5. There is an observed multi-decadal variability of tropical cyclones in some regions whose causes, whether natural, anthropogenic or a combination, are currently being debated. This variability makes
detecting any long-term trends in tropical cyclone activity difficult.

6. It is likely that some increase in tropical cyclone peak wind-speed and rainfall will occur if the climate continues to warm. Model studies and theory project a 3-5% increase in wind-speed per
degree Celsius increase of tropical sea surface temperatures.

7. There is an inconsistency between the small changes in wind-speed projected by theory and modeling versus large changes reported by some observational studies.

8. Although recent climate model simulations project a decrease or no change in global tropical cyclone numbers in a warmer climate, there is low confidence in this projection. In addition, it is unknown how tropical cyclone tracks or areas of impact will change in the future.

9. Large regional variations exist in methods used to monitor tropical cyclones. Also, most regions have no measurements by instrumented aircraft. These significant limitations will continue to make detection of trends difficult.

10. If the projected rise in sea level due to global warming occurs, then the vulnerability to tropical cyclone storm surge flooding would increase.