Mit dem Kopf voran

30.04.2007 um 13:18 Uhr

Acht (wunde) Punkte

von: steffenh   Stichwörter: Klimapolitik

Der Umweltminister will die Deutschen mit einem neuen zehn Punkte-Plan die Welt retten lassen. Energiesparen, neue brennstoffsparende Kraftwerke bauen, die Nutzung erneuerbarer Energieträger fördern, Häuser dämmen und der Landwirtschaft das Stinken abgewöhnen sind die Mittel seiner Wahl. Und das ganze soll auch nicht teuer werden, denn es würden 3 Milliarden Euro (rd. 0,1 % des BIP) reichen all die notwendigen Investitionen anzustoßen. Was, mit so wenig Geld kann man die 137 Mrd. Euro Klimaschäden für die nächsten hundert Jahre, die von der Haus-und-Hof-Zahlenschmiede der Bundesregierung simuliert wurden, einsparen? Das ist ja fast zu schön um wahr zu sein. Richtig!

Denn hinter den 3 Mrd. Euro steckt nichts anderes, als der Betrag, den der Bundeshaushalt zusätzlich für die Förderung von Klimaschutzmassnahmen locker machen soll. Die Kosten ordnungsrechlicher Klimaschutzauflagen und anderer Klimaschutzinstrumente (Ökosteuer, Emissionshandel) gehen nicht in das Kalkül ein. Der Bürger wird neben Klagerei über gestiegene Energiekosten, höhere Mieten und steigende Preise für energieintensive Produkte schon nicht merken, dass Klimaschutz mehr Aufwand bedeutet als ein etwas tieferer Griff des Fiskus in die private Geldbörse. Und schuld ist dann die Wirtschaft: Energieversorger, Vermieter und die anderen "Gauner", die höhere Produktionskosten preiswirksam machen müssen.

Auch die Schadenskosten des DIW sind mit Vorsicht zu genießen. Zunächst scheint die Zahl nicht besonders wichtig für das Argument zu sein, den selbst das DIW kann sich in seinem Wochenbericht nicht entscheiden, ob es die 137 Mrd. nun in Euro oder Dollar angeben möchte (immerhin sind die in der Zusammenfassung des Wochenberichts genannten 137 Mrd. US-$ beim aktuellen Wechselkurs nur 100 Mrd. Euro). Völlig intransparent dagegen ist die Modellstruktur und das Annahmengerüst, Belegmaterial, dass in den Augen der Auftraggeber in der Regel eher als störend empfunden wird. Nur gut, dass etwas googeln die Auseinandersetzung der Wissenschaftler um das zur Debatte stehende Modell an die Oberfläche bringt. Und wie kaum anders zu erwarten, ist das Orakel genau so gebaut, wie es das Umweltministerium für seinen Aktionismus braucht. In dem Modell wird nicht wie üblich durch den Klimawandel die Produktion einer Volkswirtschaft allgemein reduziert, sondern in erster Linie die Investitionen (1% des BIP an Klimaschaden im Jahr reduziert Investitionen um 5%). Da diese die Produktionsmöglichkeiten, also das Wachstum einer Volkswirtschaft determinieren, reduzieren die hohen Einschnitte in die Investitionen übermäßig stark das Wachstum. Entsprechend hoch sind die Klimafolgekosten. Andere Modelle, wie etwa das berühmte DICE-Modell von William Nordhaus, sind hier wesentlich vorsichtiger (1% des BIP an Klimaschäden reduziert Investitionen um 1%). Andere Kritikpunkte sind nicht weniger schwerwiegend für die Realitätsnähe der Simulationsergebnisse. Unklar bleibt auch wie mit dem Problem der Diskontierung umgegangen wird. Angesichts der Debatte um den Stern-Report, die zeigte wie wichtig die Wahl der Zukunftsdiskontierung für die Größenordnung der Modellergebnisse ist, handelt es sich hierbei um eine nicht unerhebliche Unterlassungssünde.

Was kann man dem entnehmen? Klimaschutzpolitik kann nur dann als gerechtfertigt angesehen werden, wenn seine politischen Protagonisten die Karten auf den Tisch legen und die Ignoranz des Bürgers hinsichtlich der ökonomischen Zusammenhänge des Problems nicht so offensichtlich ausgenutzt wird. Dieser Anforderung kommt die Bundesregierung nicht nach. Weder wird eine sachliche Debatte um ein volkswirtschaftlich sinnvolles Maß an Klimaschutz noch um die Effizienz der angedachten Maßnahmen geführt. Hinter der Fassade einer vorbildgebenden Klimaschutzpolitik steht offenbar nicht viel mehr als ein ausgeklügeltes System von Interessengruppenpolitik. Und hier rechnet die Bundesregierung schon etwas genauer als die Produzenten von Klimaschadensstudien. Wohl auch, weil der Zeithorizont der Bundesregierung nicht hundert, sondern lediglich vier Jahre beträgt.

28.04.2007 um 10:08 Uhr

Landsburg über Protektionismus

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

If you support protectionism because you think it's good for you, you've probably just got your economics wrong. But if you support protectionism because you think it's good for your fellow Americans, at the expense of foreigners, then it seems to me you've got your morals wrong too.

Granted, this book is supposed to be about economics, not morality, and your moral standards might be very different from mine. But indulge me for a moment: if it's okay to enrich ourselves by denying foreigners the right to a earn a living, why shouldn't we enrich ourselves by invading peaceful countries and seizing their assets? Most of us don't think that's a good idea, and not just because it might backfire. We don't think it's a good idea because we believe human beeings have human rights, whatever their color and whereever they live. Stealing assets is wrong, and so is stealing the right to earn a living, no matter where the victim was born.

Steven Landsburg in More Sex is safer Sex.

27.04.2007 um 20:05 Uhr

Fettsein ist ein Super-GAU

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Nun, nicht direkt. Aber eine neue Studie über das zusätzliche Mortalitätsrisiko der Tschernobyl-Katastrophe auf die im Umkreis lebende Bevölkerung kommt zu dem Ergebnis, dass ein gefräßiger Westdeutscher zum damaligen Zeitpunkt nicht ungefährlicher lebte als ein normalgewichtiger Ukrainer:

Dr Jim Smith from the Centre for Ecology & Hydrology, who carried out the research, said, “The perception is that there are big risks to public health from radiation exposure. This study shows that for the population exposed to significant doses of radiation from the Chernobyl incident, the risks of premature death are no greater than those of being subjected to prolonged passive smoking, or of constantly over-eating. We can all face such health risks just going about our ordinary daily lives.”

Via the reference frame.

27.04.2007 um 19:05 Uhr

Das letzte Wort?

von: steffenh   Stichwörter: Klimaforschung

Gary Yohe, Richard Tol und Dean Murphy haben die erhitzte Debatte um den Stern-Report abschließend ausgewertet. Und sie kommen neben einer recht moderaten Kritik an dem Bericht zu einigen relativ besonnenen Schlußfolgerungen für die internationale Klimaschutzpolitik. Akzeptiert man den "Klimakonsens" erfordert ein adaptives Risikomanagement eine globale CO2-Steuer von 15$/t CO2 die über den Zeitverlauf mit dem Marktzinssatz steigt.

Dazu wenden die Autoren, ausgehend von einem nicht weiter spezifizierten Konzentrationsziel, das nach dem offiziellen Stand der Klimaforschung eine noch tragbare Temperaturerhöhungen und damit verbundene Klimaschäden impliziert, auf das daraus ableitbare noch verbleibende "Emissionsbudget" die Hotelling-Regel der optimalen intertemporalen Nutzung einer erschöpflichen Ressource an. Die bis zur Wunschkonzentration verbleibenden Emissionen sollen der Gesellschaft den maximalen Nutzen stiften. Daher muß berücksichtigt werden, das jede heute emittierte Tonne CO2 morgen nicht mehr emittiert werden kann. Damit also heutige Emittenten die Opportunitätskosten einer zukünftig nicht mehr emittierbaren Tonne CO2 in ihrem Kalkül berücksichtigen, muß die Steuer dem Gegenwartswert dieser Kosten entsprechen. Das ist in jedem Jahr der Fall, wenn die Steuer mit dem Zinssatz steigt. Das ganze klingt etwas theoretisch, bedeutet aber nichts anderes, als das es sinnvoll ist die Belastung durch Klimaschutzinstrumente ausgehend von einem fixierten Startwert möglichst langsam ansteigen zu lassen.

Gegen das gegenwärtig präferierte System fester Emissionszielwerte und den Emissionshandel sprechen sich die Autoren aus zweierlei Gründen aus. Erstens ist das Risiko zu groß, dass die Preisschwankungen der Emissionsrechte bei festen Emissionsbudgets den obigen optimalen Preispfad nicht gewährleisten. Bei der gegenwärtig sehr restriktiv behandelten Praxis der periodischen Übertragbarkeit der Emissionsrechte ist dies eine berechtigte Befürchtung. Zweitens zeichnet sich das Klimaproblem dadurch aus, dass die zusätzlichen Schäden durch Emissionen relativ weniger ansteigen (Die Klimaschäden sind abhängig von der Treibhauswirkung der absoluten Treibhausgaskonzentration. Jede zusätzliche Tonne CO2 ändert hieran recht wenig.) als die zusätzlichen Kosten der Emissionen. In dieser Situation lässt ein starrer Emissionsgrenzwert bei von der Politik unerwarteten Veränderungen der Vermeidungskosten zu geringe Anpassungsmöglichkeiten der Unternehmen zu. Wird z.B. offenbar, dass die Vermeidungskosten höher als erwartet sind, müsste eigentlich der optimale Emissionsgrenzwert sofort fallen, damit die Unternehmen nicht zu Vermeidungsmaßnahmen gezwungen werden, deren zusätzliche Kosten über den zusätzlichen Nutzen dieser Maßnahmen liegen. Die Gefahr ist allerdings sehr groß, dass die starren Emissionsziele nicht rasch genug an veränderte Rahmenbedingungen angepasst werden, was dann teuer werden kann. Eine Steuer birgt dagegen zwar das Risiko, dass bei einer Erhöhung der Kosten der Vermeidung das gewünschte Emissionsziel nicht ganz erreicht wird. Aber sie gewährleistet wenigstens, dass die Einsparungen der Unternehmen durch die Möglichkeit eine Emissionsabgabe zu zahlen statt Emissionen zu vermeiden größer sind als die Klimaschäden dieser Emissionen.

Die Kostenwirkungen einer derartigen Abgabe werden von den Autoren auf zunächst rund 6$ pro Barrel Öl bzw. 0,037$ pro Liter Benzin geschätzt. Die Stromrechnung würde für einen Amerikaner um 15% steigen.

26.04.2007 um 23:38 Uhr

Die Geschichte der Gewalt

Der Harvard-Psychologe Steven Pinker stellt fest, dass die Menschheit immer friedlicher wird:

At the widest-angle view, one can see a whopping difference across the millennia that separate us from our pre-state ancestors. Contra leftist anthropologists who celebrate the noble savage, quantitative body-counts--such as the proportion of prehistoric skeletons with axemarks and embedded arrowheads or the proportion of men in a contemporary foraging tribe who die at the hands of other men--suggest that pre-state societies were far more violent than our own. It is true that raids and battles killed a tiny percentage of the numbers that die in modern warfare. But, in tribal violence, the clashes are more frequent, the percentage of men in the population who fight is greater, and the rates of death per battle are higher. According to anthropologists like Lawrence Keeley, Stephen LeBlanc, Phillip Walker, and Bruce Knauft, these factors combine to yield population-wide rates of death in tribalwarfare that dwarf those of modern times. If the wars of the twentieth century had killed the same proportion of the population that die in the wars of a typical tribal society, there would have been two billion deaths, not 100 million.

Und er nennt eine Reihe von Erklärungsansätzen...

Via Stumbling & Mumbling, wo die Entwicklung der Marktwirtschaft als Wirtschaftsordnung als weiterer Bestimmungsgrund angeführt wird.

26.04.2007 um 17:43 Uhr

Die zwei Seiten eines Problems

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

In seinem außerordentlich empfehlenswerten neuen Buch beschreibt Steven Landsburg anhand eines klassischen amerikanischen Rechtstreits zwischen einem Mais-Bauern und einem Kaninchenzüchter (Boulston's Case) das Coase-Theorem als fundamentales Prinzip der Lösung von Umweltproblemen:

Here's what Coase said. First, don't lose sight of the problem: the problem is that the rabbits eat the corn. Next, don't lose sight of the cause: the rabbits eat the corn because the rabbits are near the corn. Finally, don't lose sight of the symmetry: the rabbits are near the corn to exactly the same degree that the corn is near the rabbits. Therefore both parties are equally "at fault". Remove the rabbits and you solve the problem; remove the corn and you solve the problem just as surely.

If your goal is to solve the problem as cheaply as possible ..., it's quite irrelevant to ask who is at fault. Instead, the right question is: who can solve this problem most cheaply? ... To solve the problem cheaply, first figure out who's got the cheapest solution and then give him an incentive to implement it. Nothing in economic theory can tell you which of the two that is. And fault has nothing to do with it...

Unbedingt weiterlesen! Und dann vor diesem Hintergrund versuchen, die Debatte um das Rauchverbot neu zu bewerten.

25.04.2007 um 16:53 Uhr

Arnold Kling über Klimamodelle

von: steffenh   Stichwörter: Klimaforschung

Arnold Kling erinnert sich an den Aufstieg und Fall großer Makromodelle in der ökonomischen Forschung und zieht aus diesen Erfahrungen seine Schlüsse über die modellbasierte Klimaforschung:

I would remark parenthetically that this experience with model-building may explain my willingness to challenge the consensus on global warming. As an economist, if you keep your eyes open, you tend to learn something about what can happen when you combine prior beliefs, simplified models, and data. Climate science is an exercise in model-building, and I think that economists have a lot of model-building experience that is relevant.

Based on my experience, I would say that the pressure to create a "consensus" forecast for climate change is absurd and counterproductive. All of the important action is in the tails of the distribution--the events that have a relatively low probability of occurrence. I do not care whether the consensus thinks that sea levels in the year 2200 will be 25 centimeters higher or 30 centimeters higher. Instead, I want to know about what sequence of events could lead to sea levels that are higher by 4 feet by the year 2025, how likely or unlikely is that sequence of events, and how soon one could detect that sequence starting to occur.

24.04.2007 um 00:34 Uhr

Something's just not right...

von: steffenh   Stichwörter: Umweltschutz

23.04.2007 um 16:32 Uhr

Warum soll Wolfowitz gehen?

von: steffenh   Stichwörter: Entwicklungspolitik

Die offizielle Begründung der Presse:

Wolfowitz ist unter Druck geraten, weil er seine damals bei der Weltbank arbeitende Freundin Shaha Riza bei seinem Amtsantritt 2005 befördert und ihr Gehalt erhöht hatte. Erst danach wurde Riza dem US-Außenministerium zugeordnet, um einen Interessenkonflikt zu vermeiden.

Kevin Hassett vom AEI:

Which brings up the million-dollar question: Why is the staff so eager to get Wolfowitz fired?

This is where the story gets really interesting. Wolfowitz has made cleaning up corruption his primary objective at the bank, and in recent months, his efforts have made tremendous progress.

...Wolfowitz obstructed the flow of funds to countries that he viewed as corrupt, often disregarding staff judgments. This heightened the staff feeling of resentment.

Is it any wonder that delicious details about Wolfowitz and his girlfriend are being leaked to the press?

Update: William Easterly (Wir retten die Welt zu Tode) sieht die Rolle von Wolfowitz eher kritisch.

 

23.04.2007 um 13:54 Uhr

Schräge Logik?

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Beim Lesen einer Meldung über eine tödliche Schießerei zwischen einem Sportschützen und der Polizei im brandenburgischen Waßmannsdorf kam ich gestern ins Grübeln: Der legale Erwerb und Besitz von Waffen ist in Deutschland nur solchen Privatmenschen erlaubt, die Schießen zu ihrem Hobby gemacht haben. Während jeder andere Mensch für die Herumballerei aus Angst oder Desinteresse keine besondere Präferenz hat (Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Militärzeit und die Abneigung gegen die unvermeidlichen Übungen auf dem Schießplatz.) und daher weder einen Waffenschein macht noch die Mühe des Weges zum Schießplatz auf sich nimmt, betreiben Jäger und Sportschützen die Schießerei mit wahrer Leidenschaft. Dies im Hinterkopf werde ich den Gedanken nicht los, dass ein derartiges Waffenrecht das logische Äquivalent einer ausschließlichen Abgabe alkoholischer Getränke an Alkoholiker ist. Bei beiden Gruppen versagt die Hemmung, eine potentiell schädigende Handlung zu vollziehen, eher als beim Durchschnittsbürger.

22.04.2007 um 22:27 Uhr

Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen!

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Mehr als diese Bemerkung fällt mir wirklich nicht ein, wenn 81 Prozent aller deutschen Autofahrer sich darüber beklagen, dass ihre Gegenüber Verkehrsrüpel sind.

21.04.2007 um 13:01 Uhr

Warum sind gerade die Armen fett?

von: steffenh   Stichwörter: Gesundheitspolitik

Übergewicht ist vor allem in sozial benachteiligten Schichten verbreitet. Amerikanische Ökonomen haben sich gefragt warum das so ist und sind in dem Paper "WHY THE POOR GET FAT: WEIGHT GAIN AND ECONOMIC INSECURITY" zu einer interessanten Antwort gekommen: Wirtschaftliche Unsicherheit bewegt Menschen sich ein Fettpölsterchen anzulegen. Der alte Evolutionsmechanismus der Verhaltensanpassung an schlechte Zukunftsaussichten scheint offenbar noch zu funktionieren.

Something about being poor makes people fat. Though there are many possible explanations for the income-body weight gradient, we investigate a promising but little-studied hypothesis: that economic insecurity acts as an independent cause of weight gain. We use data on working age men from the 1979 National Longitudinal Survey of Youth (NLSY79) to identify the effect of various measures of economic insecurity on weight gain. We find in particular that over the 12-year period between 1988 and 2000, a one point (0.01) increase in the probability of becoming unemployed causes weight gain over this period to increase by about one pound, and each realized drop in annual income results in an increase of about 5.5 pounds. The mechanism also appears to work in reverse, with health insurance and government “social safety net” payments leading to smaller weight gains.

Doch bevor der eine oder andere jetzt ins Schwärmen über den deutschen Sozialstaat gerät, sei daran erinnert, dass die Deutschen die dicksten Europäer sind. Es kommt weniger auf die bloße Existenz eines sozialen Sicherungssystems an, sondern darauf, dass es auch wirtschaftliche Sicherheit gewährleistet. Insofern könnten die vielen Dicken ein Indiz für eine Scheinsicherheit sein.

Update: David Friedman vermutet eine andere Ursache.

 

20.04.2007 um 13:19 Uhr

Kontraproduktiv

von: steffenh   Stichwörter: Gesundheitspolitik

Deutschlands Politiker sind sich einig, dass sich ihre Bürger zu wenig bewegen und zu viel essen. Warum subventioniert die Bundesregierung dann den Verkehr, wodurch nicht nur der Bewegungsmangel, sondern auch die Versorgung mit Lebensmitteln billiger wird? Oder fördert den Energieverbrauch, was unsere Bewegungsarmut verstärkt und die Zubereitung von Speisen vereinfacht? Wie immer weiß der Kopf nicht, welche Mauer der Allerwerteste gerade einreißt.

18.04.2007 um 22:25 Uhr

Giftgrün

von: steffenh   Stichwörter: Energiepolitik

Der Bioethanol-Kraftstoff-Hype hat nicht nur die USA, sondern auch Europa erwischt und wird von Politik und Biomasselobby gleichermaßen angefacht. Wie so oft ist der Traum von einer ökologischen Energieversorgung vom Acker jedoch zu schön um wahr zu sein. Mark Jacobsen beschreibt in "Effects of Ethanol (E85) Versus Gasoline Vehicles on Cancer and Mortality in the United States" die Schattenseiten des Biosprits:

Ethanol use in vehicle fuel is increasing worldwide, but the potential cancer risk and ozone-related health consequences of a large-scale conversion from gasoline to ethanol have not been examined. Here, a nested global-through-urban air pollution/weather forecast model is combined with high-resolution future emission inventories, population data, and health effects data to examine the effect of converting from gasoline to E85 on cancer, mortality, and hospitalization in the U.S. as a whole and Los Angeles in particular. Under the base-case emission scenario derived, which accounted for projected improvements in gasoline and E85 vehicle emission controls, it was found that E85 (85% ethanol fuel, 15% gasoline) may increase ozone-related mortality, hospitalization, and asthma by about 9% in Los Angeles and 4% in the U.S. as a whole relative to 100% gasoline. Ozone increases in Los Angeles and the northeast were partially offset by decreases in the southeast. E85 also increased PAN in the U.S. but was estimated to cause little change in cancer risk. Due to its ozone effects, future E85 may be a greater overall public health risk than gasoline. However, because of the uncertainty in future emission regulations, it can be concluded with confidence only that E85 is unlikely to improve air quality over future gasoline vehicles. Unburned ethanol emissions from E85 may result in a global-scale source of acetaldehyde larger than that of direct emissions.

18.04.2007 um 13:24 Uhr

Ressourcen sparen

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Mein erster vorsichtiger Versuch in Sachen papierloses Büro:

 

 

The difference between a man and a boy is the price of his toy.

18.04.2007 um 12:06 Uhr

Abstimmung mit den Füßen

von: steffenh   Stichwörter: Gesundheitspolitik

Vermeindlich kostenfreie Gesundheitssysteme, erfordern wegen mangelnder finanzieller Anreize ihrer Adressaten zum sparsamen Konsum von Gesundheitsdienstleistungen Warteschlagen für Behandlungen als alternatives Rationierungsinstrument. Ebenso ist es aufgrund der notwendigen zentralen Kostenregulierung schwierig, bei den Anbietern von Gesundheitsleistungen genügend Anreize zur Gewährleistung einer hohen Behandlungsqualität zu setzen. Unter beiden Problemen leidet das britische Gesundheitssystem, weshalb sich Briten zunehmend im Ausland behandeln lassen.

17.04.2007 um 18:13 Uhr

Berater mit Tunnelblick

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Passend zu meinem letzten Kommentar ist diese Passage aus einem Gutachten zur Beurteilung der Effizienz von Energiesparmodernisierungen im Gebäudebestand. Mit diesem Wirtschaftsmodell im Kopf lässt sich so manches ökonomische Abenteuer schönargumentieren:

Volkswirtschaftlich ist bei betriebswirtschaftlicher Kostengleichheit zwischen einer Variante mit hohen Energiekosten (z. B. durch Bezug von Heizöl) und einer Variante mit hohen Kapitalkosten (z. B. durch Dämmung der Außenwand) bei gleicher Energiedienstleistung die letzte Alternative sehr viel wünschenswerter, da die entstehenden Kosten in diesem Fall vollständig der nationalen Wirtschaft zugute kommen, während sie im ersten Fall größtenteils für importierte Rohstoffe ausgegeben werden müssen. Vor allem mittelständische, regionale und lokale Unternehmen profitieren von diesen sinnvollen Investitionen zur Energieeinsparung.

Was, will man die Gutachter fragen, machen die ausländischen Rohstoffexporteure mit all den Euros? Und wo kommt das ganze Baumaterial her?

 

17.04.2007 um 09:39 Uhr

Kaufe im Lande und nähre dich redlich?

von: steffenh   Stichwörter: Globalisierung

Unter dem Titel "Buy Local" unterhalten sich Russ Roberts und Don Boudreaux im gestrigen EconTalk über Sinn und Unsinn der Idealvorstellung regionalen Wirtschaftens. Die vom Schleier des Geldes etwas umnebelte Vorstellung von der heilen Welt subsistenter regionaler Wirtschaftssysteme vernachlässigt nicht nur die Wohlfahrtseffekte von Spezialisierung und Kostendegression großer Märkte. Vielmehr wird auch die Natur der Tauschwirtschaft, nach der auch überregionaler Konsum letztlich nur durch regionale Gegenleistungen realisiert werden kann, häufig ignoriert. Natürlich hat die Welt der Globalisierung ihre Schattenseiten. Mehr Konkurrenz kann häufigere und mitunter auch schmerzliche Veränderungen individueller Lebensbedingungen mit sich bringen. Effizienzvorteile sowie neue Konsum- und Entwicklungsmöglichkeiten haben für viele ihren Preis. Überregionaler Handel verursacht oder reduziert Umweltprobleme, verbessert oder verschlechtert die Produktqualität. So kann die Reaktion auf das Phänomen Welthandel nicht Protektionismus, sondern muss informierte Konsumentenentscheidung sein.

Wenn Russ Roberts am Ende des Podcasts beklagt, dass mangelndes Wissen über ökonomische Zusammenhänge und schlechte Politik die Wohlfahrtseffekte der Globalisierung der Wirtschaft fesseln, kann ich dem nur zustimmen. Man sollte nur ergänzen, dass schlechte Wirtschaftspolitik nicht nur zu wenig Welthandel, sondern manchmal auch ineffizient viel Welthandel verursacht. Man denke dabei nur an Verkehrssubventionen sowie Exportsubventionen für Landwirtschaft und Industrie. Die Liste ließe sich endlos fortführen...

16.04.2007 um 12:17 Uhr

Was treibt den Ölpreis?

von: steffenh   Stichwörter: Energiepolitik

Befürworter einer Förderung der Nutzung erneuerbarer Energieträger als Reaktion auf die ökonomischen Folgen der Abhängigkeit von Energieträgerimporten und volatilen Ölpreisen sollten sich den neuen Aufsatz "Not all Oilpriceshocks are Alike" von Lutz Kilian sehr sorgfältig durchlesen. Seine empirische Analyse der Determinanten der Erdölnachfrage der vergangenen 30 Jahre zeigt, dass Angebotsschocks einen wesentlich geringeren Einfluß auf die Volatilität der Rohölpreise haben als fundamentale und spekulative Nachfrageschwankungen.

Eine Politik, die zu einer Erhöhung der Elastizität der Energienachfrage führt, dürfte vor diesem Hintergrund erheblich mehr bringen, als die aufwendige Subventionierung erneuerbarer Energieträger. Ob diese Strategie mehr Wählerstimmen und Applaus der einschlägigen Lobbyisten bekommt, sei allerdings dahingestellt.

Via Econbrowser.

13.04.2007 um 12:13 Uhr

kickAAS

von: steffenh   Stichwörter: Globalisierung

"Help the Third World and get over $200 a year: How? Kick all agricultural subsidies" ist das Motto eines interessanten Weblogs von Aktivisten, die sich mit dem Problem des Agrarprotektionismus auseinandersetzen. Obgleich dieses noble Anliegen zunächst nicht nur Bauern aus den Industrieländern und auch einige Leidtragende in den Entwicklungsländern treffen dürfte, sind allein die langfristigen Gewinne für die Ressourceneffizienz und entsprechende Entwicklungspotentiale die Mühe wert.