Mit dem Kopf voran

10.05.2007 um 14:45 Uhr

Angebot und Nachfrage

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Beim SWR regt man sich über die "Abzocke mit miesen Absteigen für Saisonarbeiter" auf. Zwei Fragen an die Redakteure:

Wären die Nächte auf der Parkbank für nicht zum Zuge kommende Saisonarbeiter bei niedrigeren Preisforderungen und entsprechend höherer Nachfrage nach den "Absteigen" angenehmer? Immerhin hat der Preis auch eine Rationierungsfunktion (schreibt sogar die Bundeszentrale für politische Bildung).

Warum stellen die Redakteure nicht das eigene Wohnzimmersofa für unsere osteuropäischen Besucher zur Verfügung? Ein höheres Angebot senkt bekanntlich die Preise.

10.05.2007 um 14:17 Uhr

Eigentor

von: steffenh   Stichwörter: Landwirtschaft

Deutschlands Milchbauern gehen offenbar gegen sich selbst auf die Straße. Denn was auf den ersten Blick als Protestaktion gegen "zu niedrige" Abnahmepreise der Molkereien erscheint, kann bei Lichte gesehen nichts anderes als der Widerstand gegen die Konkurrenz aus den eigenen Reihen sein.

10.05.2007 um 13:53 Uhr

Der Schatten der Vergangenheit

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Erst kürzlich habe ich im Zusammenhang mit der Diskussion um Gleichheitsideale vieler Mitmenschen auf die Forschung von Paul Rubin bezug genommen. In einem kürzlich in der Washington Post abgedruckten Beitrag wendet der Autor seine Überlegungen zu "folk economics" auf die Debatte um die Folgen internationalen Handels an:

Conflict was common in the environment in which humans evolved. As primates, which are a very social order, our ancestors lived in relatively small groups in which everyone knew everyone else. Our minds are adapted to deal with populations of that size. Our ancestors made strong distinctions between members of the in-group and outsiders, and we still make such distinctions today -- social psychologists can create in-group and out-group feelings based on virtually any arbitrary difference between populations.

The in-group and out-group intuitions help fuel opposition to expanded trade and immigration. The public intuitively believes that the beneficiaries of such policies will be foreigners, and it is easy to arouse suspicion about those who are not part of our in-group. When coupled with zero-sum thinking, this is a powerful political tool. For instance, a domestic industry or collection of domestic workers, when having difficulty competing with foreign or immigrant competitors, can use innate dislike of outsiders when advocating for increased barriers.

As the evolutionary inheritors of small-group societies, our minds sometimes have difficulty appreciating risks, harms and benefits experienced by a large population. In a group of 100 people, when we observe something that has happened to someone, it is a reasonably likely event. In a society of 300 million, when we learn about something happening to one person, it may be an extremely unlikely event, but we often perceive it as likely when we see it on the news. This instinct also shapes our perspective on trade and immigration. We understandably have great sympathy for workers who lose their jobs because they can't compete with foreign workers, but we have difficulty appreciating the benefit that our nation of consumers gains from the products of foreign laborers.

Was die verzerrte Wahrnehmung betrifft, genügt nur ein Blick in die Tagespresse. Dort wird man nahezu täglich mit Meldungen über die negativen Arbeitsplatzeffekte der Globalisierung konfrontiert, wohingegen Meldungen über neue, billigere Produkte und Dienstleistungen rar sind oder nicht in einen Zusammenhang mit der produktivitätssteigernden Wirkung von Spezialisierung und Massenproduktion durch internationalen Handel gebracht werden. Aber der Autor ist ebenso optimistisch wie ich. Auch wenn derartig verzerrte Intuitionen angeboren sein mögen, besteht Hoffnung diese Sichtweise zu korrigieren:

A useful analogy is between speech and reading. All humans growing up in a normal environment learn to speak, but reading must be taught because it does not come naturally. Folk economic beliefs are like speech -- we get them without trying. A deeper understanding of economics is like reading -- it must be taught.

Via Greg Mankiw's Blog.

08.05.2007 um 18:28 Uhr

Die wahren Kosten des Verkehrs

von: steffenh   Stichwörter: Verkehrspolitik

Eine von der Allianz pro Schiene veröffentlichte Studie hat versucht die externen Kosten des Verkehrs zu schätzen. Nicht die Schäden für die Umwelt, sondern die Unfallkosten bilden die Hauptkomponente des gesellschaftlichen Zusatzkosten des Straßenverkehrs.

 

 

Zu Recht fordert der Herausgeber die Kostenwahrheit im Verkehr. Nur sollte sich diese nicht nur auf den Straßen- und Flugverkehr, sondern auch auf den Schienenverkehr beziehen. Alle drei Verkehrsträger verursachen nur deshalb so hohe externe Kosten, weil die öffentliche Finanzierung der Infrastruktur zu einer systematischen Reduzierung der Verkehrskosten für die Infrastrukturnutzer führt. Eine direkte Nutzerfinanzierung der Kosten und ein Verzicht auf Infrastruktursubventionen würde nicht nur zu einer bedarfsgerechten Bereitstellung der Infrastruktur jenseits politischer Opportunitäten führen, sondern als Gratiseffekt auch das Niveau der externen Kosten des Verkehrs senken. Für eine weitere Reduzierung der externen Kosten sollte jedoch nicht reflexartig das Verursacherprinzip bemüht werden. Hier wäre vielmehr zu fragen, wer die potentiellen Schäden des Verkehrs mit den geringsten Kosten vermeiden kann.

08.05.2007 um 11:15 Uhr

Lern um zu leben

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Kevin Murphy und Gary Becker haben einen interessanten Artikel über Bildung und Einkommensungleichheit im Online-Magazin "The American".

 

Statler weist auf eine interessante Reaktion von Will Wilkinson im Economist hin.

06.05.2007 um 23:50 Uhr

Der Kommunist in uns

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Nicht nur einige Leserreaktionen eines kürzlichen B.L.O.G-Beitrags zeigen, das den Gleichheitsidealen vieler Mitmenschen etwas Reflexartiges anhaftet. Wissenschaftler wissen seit langem, dass der Egalitarismus mehr als das Ergebnis der Sozialisierung seiner Protagonisten ist, sondern eher tief in der Psyche des Menschen steckt.

Erst kürzlich haben Wissenschaftler in einer experimentellen Studie gezeigt (via Ronald Bailey), dass überdurchschnittlich vermögende Probanden für dieses "Vergehen" bestraft werden, weniger wohlhabende dagegen substantielle Zuwendungen erhielten. Dabei gaben arme Mitspieler einen nicht unbeträchtlichen Teil ihres "Spielgeldes" für die Reduzierung der Vermögensposition reicherer Mitspieler aus, wohingegen reiche Mitspieler einen Teil ihres finanziellen Ausstattung an ihre ärmeren Kontraparts abgaben.

Welche archaischen Wurzeln dieses Verhalten haben könnte, beschreibt der Ökonom Paul Rubin in seinem exzellenten Buch Darwinian Politics dessen Inhalt ich vor langer Zeit mal bei Mahalanobis als Gastblogger kurz zusammenfasste. Während in der wenig arbeitsteiligen Gesellschaft unserer Vorfahren große Vermögensunterschiede wohl weniger mit unterschiedlicher wirtschaftlicher Leistung als mit kollektiv zu bestrafender Unredlichkeit zu tun hatten, sind in unserer heutigen westlichen Gesellschaft die Ursachen und Konsequenzen unterschiedlichen Reichtums meist anders geartet. In einer stark arbeitsteiligen Gesellschaft können individuelle Unterschiede von Wissen und Talent erhebliche Einkommensunterschiede begründen. Andererseits löst relative Armut heute in der Regel keine mit der Vergangenheit vergleichbaren existentiellen Nöte aus.

Insofern mögen egalitäre Reflexe vom menschlichen Standpunkt gesehen verständlich und großherzig sein. Viel wichtiger jedoch ist die Reflexion ihrer Realisierbarkeit und ihrer gesellschaftlichen Konsequenzen. Dafür mögen uns die sozialistischen und kommunistischen Experimente der Vergangenheit als mahnende Beispiele in Erinnerung bleiben. Denn das Perfide an Reflexen ist, dass sie vorhersagbar sind und sich recht leicht ausnutzen lassen. Spätestens daran scheitert diese Utopie. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich vielleicht eher über die Gleichheit der Chancen des Einzelnen als über die gleiche Verteilung der Ergebnisse wirtschaftlicher Aktivitäten nachzudenken.

06.05.2007 um 10:18 Uhr

Gekidnappt

von: steffenh   Stichwörter: Klimaforschung

Hans v. Storch, Professor für Meteorologie an der Universität Hamburg, Direktor des Küstenforschungsinstituts Geesthacht und Mitautor des neuen Weblogs Climate Feedbacks , rezensiert Roger Pielkes neues Buch The Honest Broker und schreibt dabei über die hoffnungslos politisierte Klimawissenschaft:

Die Öffentlichkeit hat den Eindruck, einer einhelligen Wissenschaft gegenüber zu stehen, die  Aktion fordert  – nicht nur von der Politik, sondern von jedem einzelnen. So scheint es. Aber es ist gar nicht «die Wissenschaft», die hier einfordert. Vielmehr rollt ein politischer Prozess ab – in dem Wissenschaftler allerdings wichtige Akteure sind. Denn wissenschaftliche Einsichten werden nicht nur präsentiert, sondern für Ziele eingesetzt.

...

Das ist eine unzureichende Beschreibung, denn Wissenschaftler sind kulturell beeinflusst, längst bevor sie beginnen, Fragen zu stellen. Das hat Auswirkungen auf die Fragen, die sie aufwerfen, und auf ihre Bereitschaft, gewisse Einsichten eher zu akzeptieren als andere.
Und was heisst schon: Einsichten? Klimaforscher können heute die Entwicklung der globalen Lufttemperatur der letzten 150 Jahren zuverlässig bestimmen. Aber auch in der Klimaforschung werden viele der heutigen Antworten dem stetigen Nachfragen aus der Wissenschaft nicht standhalten und revidiert werden. So glaube ich, dass wir in Bezug auf Wasserstand und tropische Stürme noch eine Menge lernen müssen. Andererseits bin ich überzeugt von der Gültigkeit der Feststellung, dass der Mensch mit seinen Emissionen von Treibhausgasen das Klima nachhaltig verändert.

...

Die Wissenschaft wird vor allem dann angerufen, wenn gesellschaftlich oder politisch keine Einigung erzielt wird. Damit verlagert man die Debatte über Werte und gesellschaftliche Ziele in die Wissenschaft. Aber die damit verbundenen Fragen sind mit wissenschaftlichen Methoden nicht «lösbar» – weshalb nun einfach die politische Auseinandersetzung in der Wissenschaft stattfindet. Wissenschaft wird sozusagen gekidnappt von politischen Interessen.

...

Die Öffentlichkeit sollte aber noch eine Folgerung aus der Klimadebatte  ziehen – nämlich die Forderung, dass (nicht nur) Klimaforscher zukünftig für ihre Aussagen haften. Wer vor 10 Jahren der Öffentlichkeit Windiges «verkauft» hat, kann kein ernst zu nehmender Ratgeber für die Gesellschaft mehr sein. 

04.05.2007 um 22:53 Uhr

Die Gewinne der Einen sind die Kosten der Anderen

von: steffenh   Stichwörter: Klimaschutz

Die Euphorie über den Exportboom mit Umwelttechnik im Sog der Klimaschutzwelle macht Deutschlands Umweltpolitiker offenbar immun Gedanken über die Nutzen-Kosten-Relation der Klimapolitik nachzudenken. Wenig effiziente Umweltprojekte wie auf Quoten basierende Abfallverwertung, Erneuerbare-Energien-Gesetz und Kraftwerke mit Kohlenstoffabscheidung werden in den Himmel gelobt, obwohl sie eher ein Triumph der Technik über die Vernunft sind. Statt besonnen über kostengünstige Lösungen für dieses globale Umweltproblem nachzudenken wird die Politik zunehmend in den Dienst der deutschen Umweltschutzindustrie gestellt. Arbeitsplätze in der Umweltschutzindustrie werden als konjunktureller Rettungsanker gefeiert, obwohl jedem mit nur etwas Verstand klar werden sollte, dass diese Vorzeigejobs aufgrund der hohen Kosten dieser Politik woanders mit Arbeitsplatzabbau erkauft werden. Getreu der Auffassung des BDI, nach dem die deutsche Industrie zu Hause beweisen muss, dass ihre Technik funktioniert, damit sie im Ausland gekauft wird, sollen Deutschlands Steuerzahler die Rechnung für die marktfernen Prototypen des erhofften Exportbooms der Umwelttechnikbranche begleichen. Dank deutscher Industriepolitik im grünen Mäntelchen werden die Gewinne des Klimaschutzes privatisiert und die Kosten kollektiviert. Sollte das tatsächlich der Weg in eine nachhaltige soziale Marktwirtschaft sein? Das Ganze ist weder Markt noch sozial. Was dann?

04.05.2007 um 14:11 Uhr

SPONtane Schlamperei

von: steffenh   Stichwörter: Beobachtungen

Statt seine Aussagen zu verifizieren verkündet Spiegel Online eilig das Klimaschutz nicht teuer werden wird:

Als Ziel dafür geben die Klimaexperten vor: Bis 2050 müsse der Kohlendioxid-Ausstoß um 50 bis 85 Prozent gesenkt werden. Dazu müssten die weltweiten CO2-Emissionen bereits im Jahr 2015 sinken. So werde sich die durchschnittliche globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 wohl auf zwei Grad Celsius begrenzen lassen. Die Kosten dafür würden 0,12 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts betragen - trotz der kleinen Prozentzahl immer noch eine Riesensumme. Doch in Mitigation zu investieren, so der Weltklimarat, lohne sich.

Aber was steht tatsächlich im SPM WG3 des IPCC? Folgende Tabelle (S. 26):

 

 

Die vom SPON angegebene Größe ist die prognostizierte Abnahme der Wachstumsrate des weltweiten BIP. Wie man leicht der Tabelle entnehmen kann liegt die Reduktion des jährlichen BIP wesentlich höher. Aber muß ein Journalist den Unterschied wirklich kennen, wenn sich mit etwas Leichtfertigkeit die bessere Schlagzeile machen lässt?

Update: In einem anderen SPON-Beitrag wird zwar zunächst von Wachstumsverlusten gesprochen, doch dann der Fehler wiederholt:

Wir verzichten auf ein Promille Wirtschaftswachstum, investieren höchstens ein paar Prozent mehr: Das ist der Kostenvoranschlag des Weltklimarats zur Abwendung der Klimakatastrophe. Das einzige Problem: Die Rechnung geht nur auf, wenn alle mitmachen.

Das steht im Aufgalopp, dann folgt jedoch wieder:

Die Kosten dafür würden 0,12 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts betragen - nur ein Tausendstel der Jahreswirtschaftsleistung des Planeten. Dies ist die zentrale Zahl, die sich in Tabelle sechs der 35-seitigen Zusammenfassung des Dokuments aus Bangkok versteckt: Bis zum Jahr 2050 würde die Weltwirtschaftlsleistung also um eben jene 0,12 Prozent pro Jahr vermindert, wenn die Menschen sich auf eine Obergrenze von 445 bis 535 Teilchen CO2 pro Millionen Luftteilchen (ppm) einigten.

Später tauchen die 5,5 % Wohlstandsreduktion aus der SPM-Tabelle dann doch noch auf:

Doch schon der Ausblick über das Jahr 2050 hinaus zeigt: Hier geht es höchstens um grobe Größenordnungen. Für das ehrgeizigste Ziel von 445 bis 535 ppm CO2 in der Atmosphäre werden dann Kosten von 5,5 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung veranschlagt - oder mehr.

Was für ein Chaos? Offenbar ist dem Autor nicht klar, dass die zunächst verharmloste Wachstumsbremse dann doch nicht ganz so schmerzlos ist.

04.05.2007 um 11:25 Uhr

Wenn umsonst nicht umsonst ist

von: steffenh   Stichwörter: Umweltschutz

Steven Landsburg nennt in seiner Slate-Kolummne "No Parking Anytime" ein nicht zu unterschätzendes Problem der heutigen Organisation unserer mobilen Gesellschaft beim Namen: Die Flächenverschwendung durch öffentlichen Parkraum. Vermeintlich kostenlose Parkplätze belegen in einzelnen Großstädten gut 40 % der Verkehrsfläche und verknappen dadurch den Platz, den viele Menschen für Wohnraum, Kultur und Erholung in der Natur ebenso gern in Anspruch nehmen würden. Was auf den ersten Blick als billige Abstellhalde der Blechlawine unserer Mobilität erscheint, kommt uns in Form höherer Mieten und Immobilienpreise, weiter Anfahrtswege in die Natur sowie sonstiger Beeinträchtigungen und Gefahren des Individualverkehrs teuer zu stehen. Ohne Zweifel hat der Individualverkehr eine Menge Sonnenseiten. Vor diesem Hintergrund vergisst man häufig die Schattenseiten seiner realen Umsetzung. Insofern sollte der Trend zur Parkuhr als Weg zur Vernunft gewertet werden. Und der Zwang zur Bereithaltung von öffentlichen PKW-Stellflächen als dumme Idee. Privatisiert die Parkplätze! Dann wird sich zeigen, was den Bürgern mehr wert ist: Der PKW vor der Tür, eine größere Wohnung oder ein Baum mehr in der Innenstadt.

03.05.2007 um 18:29 Uhr

Fair-Trade-Kaffee mit bitterem Beigeschmack

von: steffenh   Stichwörter: Globalisierung

Jeremy Weber schreibt in "Fair Trade Coffee enthusiast should confront reality" über die Probleme der Fair-Trade-Branche. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Ähnlich wie vielen Protagonisten der hiesigen Öko-Landbau-Bewegung der Einstieg der Supermärkte in der Vertrieb von Bio-Lebensmittel ein Dorn im Auge ist, neigt die Fair-Trade-Branche dazu, die Teilnahme großer Lebensmittelunternehmen am Fair Trade Markt zu verhindern. Für einige Branchenvertreter scheint Fair Trade offenbar als Vehikel zur Reduzierung des Wettbewerbs dienen. Viele Verbraucher wissen nicht, dass die höheren Abnahmepreise für die Produzentenorganisationen gelten und nicht zwangsläufig mit höheren Einnahmen der einzelnen Kaffeebauern gleichzusetzen sind. Der erzwungene Verzicht auf Zwischenhändler führt unter Umständen sogar zu höheren Kosten seitens der Bauern. In einigen Fällen verdienen bei Fair Trade Unternehmen unter Vertrag stehende Bauern weniger als den landesüblichen Mindestlohn.

Die Garantiepreise verursachen ein Überangebot an zertifiziertem Kaffee und damit einen harten Wettbewerb um die Fair Trade Kontrakte. Marginale Bauern haben häufig keine Chance zum Zuge zu kommen, da inzwischen sehr hohe Qualitätsstandards einzuhalten sind, hohe Kosten für die Qualitätszertifizierung anfallen und beachtliche Vertragsgebühren gezahlt werden müssen. Die hohen Markteintrittsbarrieren nutzen daher vor allem den Produzentenorganisationen, die bereits mit Verträgen ausgestattet sind. Newcomer haben es zunehmend schwerer eine Zertifizierung zur erhalten und können ihren Kaffee trotz gleicher Qualität oft nur unzertifiziert zu niedrigeren Preisen absetzen. Kaffee "von der Stange" muß daher nicht schlechter als der teurere TransFair-Kaffee vom Regal nebenan sein.

Ohne Zweifel hat die Fair Trade Branche die Einkommensbedingungen einer Reihe von Bauern verbessert. Der Versuch, den Markt klein zu halten, ist jedoch gerade das Gegenteil dessen, was für eine Verbesserung der Marktsituation der Mehrzahl der Kaffeeproduzenten notwendig wäre. Nur wenn große Kaffeehändler Zugriff auf dieses Marktsegment haben kommt der "fair" gehandelte Kaffee aus seiner Marktnische heraus. Nur durch eine kostengünstigere Vermarktung des Kaffees durch weltweit operierende Vertriebsunternehmen lassen sich Kostenreduktionen im Vertrieb und damit höhere Absatzmargen für mehr Kaffeeproduzenten realisieren.

02.05.2007 um 16:50 Uhr

Vom ökologischen Rucksack des Essens

von: steffenh   Stichwörter: Umweltschutz

Das britische Umweltministerium defra hat eine Studie zu den Umweltwirkungen von Lebensmittelproduktion und -konsum veröffentlicht. Einige interessante Ergebnisse: Der Ökolandbau ist nicht immer mit weniger Umweltbeinträchtigungen verbunden als die konventionelle Landwirtschaft. Hier muß sich der umweltbewußte Konsument schon mit den Details beschäftigen bevor aus dem Lifstile-Konsum berechtigterweise ein gutes Gewissen gezogen werden kann. Die empirische Evidenz für eine bessere Umweltbilanz regionaler Lebensmittelproduktion gegenüber dem globalen Bezug von Lebensmitteln ist schwach. Auch über die Vorziehenswürdigkeit von frischen gegenüber gefrorenen Lebensmitteln ist aus Umweltsicht keine eindeutige Aussage zu treffen. Schließlich wirkt sich der individuelle Transport der Lebensmittel durch die Konsumenten vom Geschäft nach Hause stärker auf die Umweltbilanz des Lebensmitteltransports aus als der (globale) Transport vom Produzenten zum Händler.

02.05.2007 um 13:21 Uhr

Wer nicht lesen will...

von: steffenh   Stichwörter: Blogosphäre

...kann hören. Talkr bringt Weblogs das Sprechen bei.

02.05.2007 um 10:16 Uhr

Spaghetti a la Genovese

von: steffenh   Stichwörter: Klimaforschung

Das Genfer Büro des IPCC hat den vollständigen Bericht der Working Group I veröffentlicht. Dabei auch diesmal wieder die als Spaghetti-Graph bekannte Zusammenstellung von Temperaturproxies der vergangenen 1200 Jahre, die wie immer eine unmissverständliche Botschaft transportieren soll: Es ist seit langem nicht mehr so warm wie heute gewesen. So eindeutig ist diese Lesart der Ergebnisse paläoklimatologischer Forschung jedoch nur, wenn man - wie Stephen McIntyre beschreibt - einige redaktionelle Tricks anwendet.